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Wolfhagen mit
Niederelsungen (Stadt Wolfhagen, Kreis
Kassel)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Wolfhagen bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/39. Bereits im Mittelalter gab es vermutlich eine
kleine jüdische Gemeinde am Ort, die allerdings in den Herbsttagen des Jahres
1235 im Zusammenhang mit einer Judenverfolgung vernichtet wurde. Dabei kamen 18
Menschen ums Leben.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert
zurück. Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebten drei
jüdische Familien in Wolfhagen, die jedoch auf Befehl des Landgrafen Philipp
aus der Stadt vertrieben wurden. Landgraf Moritz erlaubte 1592 einem
Juden die Niederlassung in der Stadt. 1621 und 1656 waren zwei jüdische
Familien, um 1700 und 1728 drei "Schutzjuden" (mit ihren Familien) in
Wolfhagen. 1740 wurden 40 jüdische Einwohner gezählt, 1788 59.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1827 174 jüdische Einwohner (6,3 % von insgesamt 2.761 Einwohnern),
1849 236 (7,4 % von 3.199), 1861 258 (8,4 % von 3.058), 1871 234 (5,9 % von
2.866), 1885 173 (6,4 % von 2.717), 1905 99 (3,9 % von 2.559). Um 1860
waren etwa 40 Wohnhäuser in jüdischem Besitz, die alle im Zentrum der Stadt
lagen. Damals gab es bereits eine größere Zahl von Handlungen und Läden, die
im Besitz jüdischer Familien waren. Auch gab es inzwischen mehrere jüdische
Handwerksmeister in der Stadt (sechs Metzger, drei Schlosser, zwei Schuhmacher,
ein Lohgerber, ein Buchbinder, ein Drechsler, drei Färber und ein
Leineweber).
Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts war das Verhältnis zwischen Christen
und Juden in der Stadt angespannt. Im Bericht über die
Synagogeneinweihung 1859 (s.u.) wurde vom Berichterstatter angemerkt, dass in
Wolfhagen der "judengehässige Geiste... so handgreiflich aus allen Fenstern schaut und in der entschiedenen
Ablehnung von jederlei Teilnahme seitens der Stadtbehörden und
Geistlichkeit seinen vollsten Ausdruck gefunden (habe)".
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(Elementarschule/öffentliche israelitische Volksschule bis 1933),
ein rituelles Bad (unter dem Schulhaus) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war. Zeitweise war sogar ein zweiter Lehrer und Hilfsvorbeter
angestellt (siehe unten Ausschreibung von 1865). Bereits um 1720 wurde ein
Lehrer und Vorbeter der Gemeinde genannt. 1868-69 wurden 31 Schüler vom
damaligen Lehrer Abraham Gutkind unterrichtet (er wird bereits 1865 als
Privatlehrer in Wolfhagen neben Lehrer S. Tannenbaum genannt, Quelle). Sein Nachfolger war ab
1873 Lehrer Abraham Flörsheim, der 1913 sein 40-jähriges Ortsjubiläum feiern konnte
(siehe Berichte unten; Flörsheim verstarb 1925 in Kassel). Ihm folgte 1919 Lehrer Hermann Katzenstein (bis
zur Auflösung der Schule am 1. Januar 1934). Die Gemeinde gehörte mit den
anderen Gemeinden des damaligen Kreises Wolfhagen zum Provinzialrabbinat
Kassel.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Gutheim (geb.
11.7.1894 in Wolfhagen, gef. 16.6.1915), Julius Katzenberg (geb. 2.3.1886 in
Wolfhagen, gef. 16.2.1915) und Simon Moses (geb. 26.3.1898 in Breslau, gef.
25.7.1918).
Um 1924, als zur Gemeinde noch 71 Personen gehörten (2,6 % von insgesamt
2.768 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Salomon Kron und Moritz
Möllerich. Als Lehrer war der bereits genannte Hermann Katzenstein tätig. Er unterrichtete an
der Israelitischen Volksschule noch 12 Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden
die Chevre Hachnosath-Kallah (Brautausstattungs-Verein; gegründet 1855,
1924/32 unter Leitung von Salomon Kron mit 1932 14 Mitgliedern; Zweck und
Arbeitsgebiet: Brautausstattung), die Chewrat HaSchlischi (gegründet
1833, 1924/32 unter Leitung von Josef Möllerich; Zweck und Arbeitgebiet:
Unterstützung Hilfsbedürftiger), die Chewras Noschim (Israelitischer
Frauenverein, 1924 unter Leitung von Frau Rosa Katzenberg, 1932 unter
Leitung von Frau Winterberg; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenpflege und
Bestattungswesen) und die Chevre Bachurim (gegründet 1811; 1924/32 unter
Leitung von Salomon Kron mit 1932 7 Mitgliedern, Zweck und Arbeitsgebiet:
Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen). Im Schuljahr 1931/32 hatte
die Israelitische Volksschule noch 10 Kinder. Lehrer war weiterhin Hermann
Katzenstein. 1932 war Gemeindevorsteher wie schon einige Jahre zuvor Salomon
Kron.
Bereits im Herbst/Winter 1923/24 kam es auf Grund von Verleumdungen gegen
jüdische Einwohner zu Ausschreitungen gegen jüdische Familien und dem
Boykott ihrer Gewerbebetriebe (siehe Bericht unten).
1933 lebten noch 74 jüdische Personen in Wolfhagen (2,5 % von
insgesamt 3.020 Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien in andere Städte weggezogen (bis 1939 55 Personen, insbesondere
nach Kassel) beziehungsweise ausgewandert (1934 sechs Personen nach Paraguay, je
zwei Personen nach Palästina/Israel und nach Holland). Drei Personen sind in
Wolfhagen verstorben. Zu bestialischen Szenen kam es beim Novemberpogrom 1938.
SS-Leute in Zivil waren von der Zentrale des SS-Oberabschnitts Fulda-Werra in
Arolsen mit Autos nach Wolfhagen gekommen. Sie drangen zunächst in die
jüdische Schule und in das Haus der Familie Kron ein und versuchten, beide
Gebäude mit Brandbomben in Flammen zu setzen. Im Verlauf der Ausschreitungen
zerstörten sie weitere Häuser jüdischer Familien und setzten schließlich die
Synagoge und das Haus der Familie Winterberg in Brand. Fast alle der jüdischen
Männer wurden verhaftet und über Kassel in das KZ Buchenwald verschleppt. Bis
Juli 1939 hatten die meisten der jüdischen Einwohner Wolfhagen verlassen.
Von den in Wolfhagen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Mathilde Baum geb.
Winterberg (1870), Bertha Behrens geb. Wertheim (1868), Elisabeth Bergmann
(1906), Leopold Bergmann (1902), Moses Block (1862), Martha Born geb. Wertheim
(1881), Ida Cohn geb. Winterberg (1875), Julius Flörsheim (1883), Caroline Frank
geb. Reichard (1894), Ida Gottschalk (1875), Rosa Grüneberg (1876), Alfred
Gutheim (1902), Frieda Gutheim (1886), Berta Heilbrun geb. Speyer-Ofenberg
(1879), Hermann Hiersteiner (1892), Rosa Hiersteiner geb. Höxter (1885), Ursel
Hiersteiner (1929), Ida Hirsch geb. Alexander (1873), Louise Joseph geb.
Reichhardt (1883), Siegmund Kann (1889), Lina Katz geb. Reichert (1882),
Franziska Katzenberg (1858), Helene Kleeblatt (1866), Moritz Kleeblatt (1892),
Salomon Korn (1869), Albert Kron (1866), Gustav Kron (1878), Berta Lehmann geb.
Wertheim (1864), Sophie Marum geb. Rosenmeyer (1870), Paula Mayer geb.
Katzenberg (1882), Max Meyerhoff (1873), Joseph Möllerich (1885), Moses
Möllerich (1876), Meta Nachmann geb. Rosenmeyer (1875), Selma Pels geb. Speyer
(1880), Leopold Reichhardt (1884), Klara Reichhardt (1875), Otto Reichhardt
(1878), Julius Rosenmeyer (1871), Alfred Rosenstein (1935), Erich Rosenstein
(1932), Herbert Rosenstein (1937), Horst Rosenstein (1931), Walter J. Rosenstein
(1911), Mathilde Seckendorf geb. Wertheim (1874), Albert Speyer (1881), Emil
Speyer (1884), Julius Speyer-Kleeberg (1859), Heinrich (Heinz) Speyer-Ofenberg
(1913), Alma Wertheim geb. Katzenberg (1889), Cissy Wulff geb. Wertheim
(1867).
Am "Platz der Freiheit" wurde vor einigen Jahren ein Gedenkstein
für alle vor dem 2. Weltkrieg in Wolfhagen ansässigen jüdischen Familien
errichtet.
Von den in Niederelsungen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Eichholz (1892),
Isidor Eichholz (1890), Rosel Eichholz (1925), Ida Katz geb. Möllerich (1888),
Mathilde Katzenberg geb. Möllerich (1892), Minna Löwenstein geb. Eichholz
(1862), Minna Markus geb. Möllerich (1890), Max Möllerich (1896), Moritz
Möllerich (1886), Willi Möllerich (1893), Simon Möllerich
(1853).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1865
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Februar 1865:
"Lehrer-Gesuch.
Der unterzeichnete Vorstand sucht einen zweiten Lehrer, der in den
gewöhnlichen Elementarfächern Unterricht erteilen kann und hilfsweise
den gottesdienstlichen Vorsängerdienst mit übernimmt, auf 3 Jahre
einstweilen provisorisch anzustellen. Gehalt 175 Taler. -
Unverheiratete Reflektanten wollen sich alsbald bei dem unterzeichneten
Vorstand melden und Zeugnisse gleichzeitig franko einsehen.
Wolfhagen in Kurhessen. Der Vorstand der israelitischen
Privatschule." |
40-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Abraham Flörsheim (1913)
Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11.
Juli 1913: "Wolfhagen. Lehrer A. Flörsheim beging sein
40-jähriges Ortsjubiläum". |
70. Geburtstag von Lehrer Abraham Flörsheim (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Oktober 1915: "Wolfhagen,
5. Oktober (1915). Herr Lehrer A. Flörsheim dahier, der am Schmini
Azeret (= 30. September 1915) in ungewöhnlicher körperlicher
Rüstigkeit und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag feiern konnte,
blickt in diesen Tagen auf eine von Erfolgen reich gesegnete Tätigkeit im
öffentlichen Schuldienste, nachdem er vorher 1/2 Jahr als Hauslehrer
tätig gewesen war. Da der größte Teil der Gemeindemitglieder - u.a.
auch die beiden Gemeindeältesten - gegenwärtig im Felde steht und sich
ein Sohn des Jubilars - er wirkte als Mittelschullehrer in Frankfurt am
Main - in französischer Gefangenschaft in Algier befindet, wurde vorerst
von einer größeren Feier abgesehen; man beschränkte sich auf
persönliche Beglückwünschungen. Die 'Israelitische Lehrerkonferenz
Hessens' ließ ihrem Senior durch die beiden Vorsitzenden Oppenheimer - Treysa
und Rosenstein - Rotenburg zwei
stimmungsvolle Gemälde überreichen; Herr Neuhaus - Fritzlar
sandte namens der 'Freien Vereinigung' eine gehaltvolle Adresse. Außerdem
waren noch eine größere Anzahl von schriftlichen und telegraphischen
Beglückwünschungen eingegangen. Auf ausdrücklichen Wunsch der Schulaufsichtsbehörde
wird der verdiente Lehrer erst nach beendigtem Kriege in den Ruhestand
treten." |
| Anmerkung: der genannte Sohn von Abraham
Flörsheim war der 1883 in Wolfhagen geborene Julius Flörsheim.
Dieser war bis 1938 im städtischen Schuldienst in Frankfurt, ab 1939
Leiter der Flersheim-Sichel-Stiftung (Frankfurt). Er wurde im Oktober 1941
nach Litzmannstadt (= Lodz) deportiert und ist umgekommen. |
Zum Tod von Lehrer i.R. Abraham Flörsheim
(1925)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli
1925: "Kassel, 12. Juli (1925). In fast vollendetem 80.
Lebensjahre verschied im Krankenhause zu Frankfurt am Main der bei seinem
Sohne, Oberlehrer Flörsheim, in Frankfurt zu Besuch weilende Lehrer i.R.
Abraham Flörsheim. Bis zu seiner Pensionierung vor wenigen Jahren wirkte
er in reichem Segen an der israelitischen Volksschule in Wolfhagen
seit 1873. Durch sein friedliches Wesen und seine edle Gesinnung genoss er
dort die größte Achtung und Sympathie in allen Schichten der
Bevölkerung. Nachdem er in den Ruhestand getreten war, lebte er in
hiesiger Stadt." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Levi Möllerich in
Niederelsungen (1894)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1894: "Wolfhagen,
2. Januar (1894). Von einem herben Schicksalsschlag wurde die in unserem
Nachbarorte Nieder-Elsungen wohnhafte, bei Juden und
Christen sehr angesehene und beliebte Familie Levi Möllerich betroffen.
Am gestrigen Tage sollte nämlich die Hochzeit des jüngsten Sohnes
stattfinden. Aber des Psalmisten Wort: 'Vom Ewigen werden des Mannes
Schritte festgestellt...' (Psalm 37,23) hat sich hier bewahrheiten
sollen, der Freudentag wurde gar plötzlich in einen Tag des bittersten
Leides und der tiefsten Trauer verwandelt, denn der 74-jährige geliebte
Vater hauchte nach nur eintägiger Krankheit am Tage vor der Hochzeit
seines Sohnes seine reine, gottergebene Seele aus. Einige Stunden vor
seinem Tode ließ er sich noch das Sefer Hachajim (sc. Gebet- und
Erbauungsbuch) geben und sagte in Demut und Ergebenheit die Pflichtgebete,
denn von bangen Ahnungen war sein Herz bewegt. Wessen Auge könnte bei
solchen herben Schicksalsschlägen frei von Tränen bleiben. Ist es doch
ein frommer, vollkommener und rechter Mann in des Wortes schönster
Bedeutung, der uns entrissen worden, ein Mann, der keine Kosten und Mühen
gescheut, wenn es galt, etwas für Gott und seine heilige Religion zu tun.
Und was er den Armen gewesen, das vermögen nur sie selbst zu schildern.
Aber dafür hat sich auch an ihm des Sängers Wort erfüllt 'Siehe,
also ist der Mann gesegnet, der den Ewigen fürchtet' (Psalm 128,4),
indem ihm nämlich das Glück zuteil worden, mit acht Söhnen und einer
Tochter, die er zu echten Jehudim erzog und die stets sein Stolz
und seine Freude waren, beschenkt zu werden. Irdische Güter wurden ihm
reichlich zuteil, sodass er nie mit Sorgen zu kämpfen hatte, und sein
Name ist ein geehrter und geachteter bei allen, die mit ihm in Verbindung
standen. Sein Haus war offen für Wohlfahrt in der weitgehendsten
Weise, indem er von einer wackeren Frau im wahrsten Sinne des
Wortes hierbei unterstützt wurde. - Am Grabe ergriff in Vertretung
der Herrn Rabbinern, Herr Lehrer Wertheim aus Volkmarsen
das Wort, um in beredter Weise das gottgefällige Leben und Wirken der
Verstorbenen zu schildern. Dass ihm dies in der besten Weise gelungen,
bewies die Rührung, die alle Anwesenden bei seinen Ausführungen ergriff.
Nach ihm hielt sodann sein zweitjüngster Sohn, der aus dem entfernten Gailingen
(Baden), woselbst er an der dortigen Handelsschule als Sprachlehrer
wirkt, herbeigeeilt war, um mit seinen sämtlich anwesenden Geschwistern
den großen Verlust zu beklagen, eine tief ergreifende Rede. Er sprach mit
tränenerstickter Stimme von dem schönen Familienleben seines Vaters, von
seinem religiösen Wirken und gedachte der Freude seines seligen
Vaters - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - das
einige Band der Liebe und Einigkeit, welches alle seine Kinder stets
umschlungen. Er erwähnte, dass das (Psalmwort 133,1) Siehe, wie schön
und lieblich ist's, wenn Brüder zusammenwohnen selten in einer
Familie so sehr zur Geltung gelangt sei, wie bei ihnen. Sodann forderte er
seine Brüder auf, sich am Grabe des geliebten Vaters im Geiste die Hand
zu reichen zum feierlichen Gelöbnis auch ferner, nachdem ihnen die Krone
ihrer Familie entrissen, stets einig und friedfertig weiter zu leben. Er
schloss seine Rede mit der Ermahnung, das Andenken des teuren
Entschlafenen dadurch zu ehren, dass sie in den Wegen desselben weiter
wandeln. Kein Auge blieb bei dieser Rede tränenleer. Dasselbe beobachtete
man, als am Schabbat die acht Söhne in der Synagoge vortraten, um
das Kaddisch vorzutragen. - Wohl ist uns der Besten einer entrissen
worden, aber oben, wo die Gerechten um Gottes Thron versammelt sind, wird
auch er weilen, auf seine Familie herabblicken, sie beschützen und gro0en
Lohn für seine guten Taten erhalten. 'Er macht verschwinden den Tod
für immer, und es löscht Gott, der Herr die Träne von jeglichem
Angesicht" (Jesaja 25,8)". |
Zehn Jahre vor der NS-Zeit: unschuldige jüdische
Einwohner in Wolfhagen werden verleumdet und angegriffen (1924)
Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 7. Februar 1924: "Das Ende
folgenschwerer Verleumdungen.
Unschuldige jüdische Angeklagte in Wolfhagen.
Vor der ordentlichen Strafkammer des Landgerichts Kassel fand am 30. und
31. Januar ein Prozess gegen 21 Einwohner aus Wolfhagen /Bezirk Kassel)
statt, die angeklagt waren, am 22. und 23. September 1923 Mitglieder der
Jungdeutschen Ordens bei einer Zusammenkunft in Wolfhagen überfallen und
verprügelt zu haben. Die Anklage lautete bei achtzehn Beschuldigten auf
schweren Landfriedensbruch, bei drei Beschuldigten auf Anstiftung hierzu.
Die Verhandlung hat deshalb über Wolfhagen hinaus größtes Interesse
für die deutsche Judenheit, weil ihr Verlauf die Verlogenheit der
Judenhetze symptomatisch beleuchtete. Unter den Angeklagten befanden sich
auch fünf jüdische Einwohner aus Wolfhagen.
Zweien, die verurteilt wurden, war vorgeworfen (Moses Bloch und seinem,
nach dem eidlichen Gutachten des Kreisarztes geistig minderwertigen Sohn
Julius), durch ermutigende Zurufe ('Nur fest drauf' usw.) zu der Straftat
als Rädelsführer aufgereizt zu haben. Den Mitgliedern der jüdischen
Gemeinde, Kreisvorsteher Moritz Möllerich, Abraham Katzenstein und Samuel
Klebe, hatte man zur Last gelegt, durch Geschenke (Schnaps) und Zureden zu
der Straftat angestiftet zu haben.
Seit den Vorfällen im September war ein regelrechter Boykott gegen die
jüdischen Einwohner in Wolfhagen bemerkbar, der sich in nächtlichen
Überfällen, im Beschmieren jüdischer Häuser mit Hakenkreuzen,
Einschlagen von Fenstern, Beschädigung von Gartenzäunen und vor allem in
einem ausgesprochenen Lieferungsstreik nichtjüdischer Gewerbetreibender
und Landwirte zeigte. Sogar der Ausschluss des Kaufmanns Möllerich aus
dem örtlichen Bürgerverein, dem er seit seiner Gründung angehörte, war
wegen des durch die angebliche Anstiftung zu dem Landfriedensbruch
'bewiesenen' unwürdigen Verhaltens Möllerichs verlangt worden - und dies
alles, obwohl die drei Genannten ständig ihre Unschuld beteuerten und
sich niemand in den vier Monaten vor der Verhandlung gefunden hatte, der
ihre Beteiligung an der Straftat aus eigener Kenntnis bestätigen konnte.
In der Hauptverhandlung wurde festgestellt, dass die Anzeige gegen
Möllerich, Katzenstein und Klebe jeder Grundlage entbehrte. Der
vernichtenden Kritik, die ihre Verteidiger, Rechtsanwälte Dr. Kugelmann
(Kassel) und Dr. Marx (Frankfurt) an der Wahrheitsliebe der Mitglieder des
Jungdeutschen Ordens Wolfhagen und Umgebung übten, schloss sich das
Gericht bei der Begründung des freisprechenden Urteils an. Selbst der
Staatsanwalt hatte die Freisprechung beantragt. Der Vorsitzende erklärte
wörtlich:
'Bei Möllerich, Katzenstein und Klebe ist auch nicht der Schimmer
eines Beweises dafür erbracht, dass sie sich irgendwie an den Vorgängen
beteiligt haben. Es ist nicht hervorgetreten, dass sie irgendwie versucht
haben, die k9ommunistische Partei oder andere Leute dazu zu missbrauchen,
jungen Leuten, die ihnen religiös und politisch feindlich gesinnt sind,
eins auszuwischen. Es ist eine unglückselige Eigenschaft der Deutschen,
dass sie verallgemeinern. Wenn irgend etwas passiert bei einem, der einer
bestimmten politischen Richtung oder Konfession angehört, dann heißt es
immer: die Konfession oder die Parteirichtung. So ist des geschehen, dass
die Hetze ganz zu Unrecht getrieben wurde. So sind die Vorgänge gegen die
Juden in Wolfhagen, die das Gericht aufs lebhafteste bedauert,
psychologisch zu erklären. Der Freispruch erfolgt nicht wegen Mangels an
Beweisen, sondern, wie das Gericht nochmals besonders betont, weil die
Angeklagten tatsächlich unschuldig sind. Durch diese Erklärung
werden sich die Verhältnisse in Wolfhagen hoffentlich wieder
regeln.' M
öge dieser Freispruch Verleumdern eine Warnung sein. Die zu Unrecht
Beschuldigten werden, nachdem das Gericht gesprochen hat, gegen neue
Verleumdungen rücksichtslos vorgehen." |
70. Geburtstag von Adelheid Gutheim (1928)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1928: "Wolfhagen,
2. September (1928). Ihren 70. Geburtstag befing hier Adelheid
Gutheim." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und
Privatpersonen
Anzeige von Alexander
Speyer-Ofenberg (1867)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. November
1867: "Annonce. Ich suche eine israelitische Dame, gesetzten
Alters, welche befähigt ist, da ich 3 Meilen von der Stadt wohne, meinen
Kindern, unter Errichtung eines selbstständig zu führenden Haushaltes zu
Kassel, eine gute Erziehung zu geben. Neben diesem aber auch, da meine
Kinder die dortigen Schulen besuchen werden, wäre es erwünscht, wenn die
Dame den Kindern in ihren Schularbeiten mit an die Hand gehen
könnte.
Reflektantinnen wollen bis zum 15. Dezember dieses Jahres sich
schriftlichen wenden an Alexander Speyer-Ofenberg zu Wolfhagen bei
Kassel." |
Anzeige des Mode-Manufaktur-Warengeschäftes J. L.
Reichhardt (1893)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. März 1873:
"In meinem
Mode-Manufaktur-Waren-Geschäft können sofort zwei Lehrlinge, welche die nötigen Schulkenntnisse
besitzen, Placement finden. - Selbstgeschriebene Offerten bitte an mich zu
richten.
Wolfhagen in Hessen, 12. Februar 1873. J. L. Reichhardt." |
M. Speyer-Ofenberg sucht für sein Manufaktur-, Buckskin-
und Kurzwarengeschäft einen Lehrling (1878)
Anmerkung: Auffallend ist, dass sowohl in der Anzeige von M. Speyer-Ofenberg wie
auch in der Anzeige von W. Möllerich (s.u. 1891) betont wird, dass die
Geschäfte an Sonn- und Festtage geschlossen haben. Sollten die beiden
Geschäfte am Schabbat offen gewesen sein?
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1878: "Lehrlingsgesuch.
Für mein Manufaktur-, Buckskin- und Kurzwaren-Geschäft suche einen
Lehrling. Kost und Logis im Hause. Sonn- und Festtage geschlossen. M.
Speyer Ofenberg, Wolfhagen bei
Kassel." |
Verlobungsanzeige von Bertha Wertheim und Max Lehmann (1884)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1884: "Verlobungs-Anzeige.
Bertha Wertheim - Max Lehmann.
Wolfhagen bei Kassel. Verden (Hannover) im Januar
1884." |
W. Möllerich sucht für seine Kolonial-, Kurz- und Eisenwarenhandlung einen
Verkäufer (1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1891: "Verkäufer
gesucht!
Suche für meine Kolonial-, Kurz- und Eisenwarenhandlung, verbunden
mit Frucht, Branntwein, Dielen und Farben, einen in diesen Branchen
routinierten Verkäufer.
Derselbe muss mit den Büchern vertraut sein und zuweilen kleine
Landtouren unternehmen können.
Das Geschäft ist an Sonn- und Festtagen streng geschlossen.
Reflektanten belieben ihre Zeugnisabschriften, Photographie nebst
Gehaltsansprüche, bei freier Kost und Wohnung im Hause, baldmöglichst an
den Unterzeichneten zu dirigieren.
W. Möllerich, Wolfhagen, Regierungsbezirk
Kassel." |
Jacob Reichhardt II. sucht eine Haushälterin (1898)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1898: "Suche
zur Führung meines kleinen Haushalts alsbald eine israelitische Haushälterin.
Offerten unter Angabe der Ansprüche bitte an mich gelangen zu
lassen.
Jacob Reichhardt II,
Wolfhagen, Regierungsbezirk
Kassel." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine erste - 1777 eingerichtete - Synagoge
(die alte "Judenschule") stand in der Schützeberger Straße 35. Sie
wurde bis zur Einweihung der neuen Synagoge 1859 verwendet und wenig später
abgebrochen. 1858/59 wurde eine neue Synagoge erbaut. Sie hatte eine
Größe von 17 m mal 14,5 m und war in Sandstein ausgeführt. Über ihre
Einweihung am 26. Oktober 1859 liegt folgender Bericht vor:
Zur Einweihung der neuen Synagoge (1859)
Anmerkung: Teils sehr kritischer Bericht eines Besuchers der
Einweihungsfeier.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1859: "Wolfhagen
in Kurhessen, im Oktober (1859). Die Synagogeneinweihung zu Wolfhagen,
einem Kreisstädtchen in Niederhessen, rief am 26. Oktober eine nicht
geringe Anzahl Glaubensgenossen aus den angrenzenden Ortschaften zu einer
herrlichen Feier in dem unter bedeutenden Geldopfern neu erbauten
prachtvollen Gotteshause zusammen, und niemand mag es unbefriedigt
verlassen haben, indem der Chorgesang, von sechszehn Mädchen- und fast
ebenso vielen Männerstimmen unter der Leitung des Herrn Musikus Euler in
Begleitung eines Orchesters ausgeführt, allein schon genügte, um das
schöne Fest noch lange in Erinnerung zu erhalten, wenn man erwägt, dass
eine jüdische Jugend es ist, der doch erst seit einigen Dezennien die
Pflege des Kunstsinnes vergönnt wurde, Meisterwerke wie den Chor aus der
Schöpfung von Haydn, das Hallelujah von Händel, Chorgesang aus Judas
Maccabäus, in einer jüdischen Synagoge meisterhaft, ja bezaubernd
aufzuführen. Aber auch die beiden Reden, gehalten von Herrn Dr. Adler,
Landrabbiner zu Kassel, können in ihrer anschaulichen Darstellungsweise,
gegriffen aus dem Synagogenleben, nicht ohne nachhaltige Belehrung
geblieben sein. In der alten Synagoge mahnte der Redner |
in
der Betrachtung über 'die letzte Versammlung' an die Nichtigkeit des
Menschen, der dem alten Gotteshause gleich in Staub zerfalle, so der Geist
aus ihm scheide, wie jenes nur Holz und Stein noch ist, nachdem der Geist
den Betenden es verlassen; sodann an die Nichtigkeit des menschlichen
Besitztums ohne die Tora, gleich dem alten Gotteshause, das seinen Wert
nur in den Torarollen habe, den es aber verliere, so diese daraus entfernt
seien. In 'der ersten Versammlung' in der neuen Synagoge wusste der Redner
dem Aufruf-Ritual recht sinnige Bedeutung zu geben, indem er dasselbe für
das Leben fruchtbar zu machen suchte: Wie wir dem Rufe zur Tora folgten,
sollten wir draußen im Leben folgen, wenn die Pflicht uns ruft; wie wir
beim Aufrufen den Segen empfingen, sollten wir draußen selbst zum Segen
werden; wie wir die Tora hoch und fest hielten mit den Händen, so sollten
wir sie draußen hoch und fest mit unserem Herzen halten, und ähnliche Anwendungen,
wodurch der Vortrag fasslich und beherzigend wurde, ohne gerade etwas
Großes und Universelles in sich zu tragen. Nur schade, dass der sonst so
aufrichtige Mann sich hier an der heiligen Stätte zum Werkzeug der
Schmeichelei musste brauchen lassen, wider alle innere Überzeugung zu
loben, zu segnen, zu feiern da, wo er mit Rücksicht auf die Zustände der
Juden Kurhessens, zumal der in Wolfhagen, zu segnen durchaus keine Ursache
vorhanden ist. Heil uns Israeliten Preußens, dass unsere Gebete für
Regent und Volk, für Vaterland und Vaterstadt aus dem tiefen Grunde
unserer Herzen zum Himmel steigen können! - Von Staatsbehörden habe ich
da den Herrn Landrat und den Herrn Steuerinspektor anwesend gesehen. Beide
Männer schienen mir von dem judengehässigen Geiste frei zu sein, der
dort so handgreiflich aus allen Fenstern schaut und in der entschiedenen
Ablehnung von jederlei Teilnahme seitens der Stadtbehörden und
Geistlichkeit seinen vollsten Ausdruck gefunden. Welcher Absicht doch
gegen Beverungen, das zur Verherrlichung der dortigen
Synagogen-Einweihungsfeier alle Glocken läuten ließ. - Sollten aber die
Ursache dieser traurigen Spaltung auch in Euch liegen, meine jüdischen
Glaubensgenossen, so lasst Euch von dieser Erscheinung aufrütteln, und
strebt aus Euch heraus nach einer bessern Stellung zu ringen.
Unangenehm hat mich ein Umstand berührt, der |
dem
festlichen Tone des sonst so wohlgeordneten Zuges Abbruch getan. Es war
die schlaue Spekulation mit Einlasskarten für 10 Sgr. per Stück. Zwei
handfeste Mitglieder vom Komitee hatten sich am Eingange des Gotteshauses
aufgestellt und wie eine geharnischte Brustwehr jeden zurückgedrängt,
der kein Billet aufzeigen konnte. Das war in einer reichen Gemeinde eine
feine Bettelei, die unverkennbar einer erhabenen, religiösen Handlung zur
Verherrlichung Gottes einen theatralischen Stempel, den Charakter eines
Schauspiels aufdrücken musste." |
1909 konnte das 50-jährige Bestehen der
Synagoge gefeiert werden. Zuvor war das Gebäude "gänzlich renoviert"
worden:
50-jähriges Jubiläum der Synagoge (1909)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1909: "Wolfhagen,
24. Oktober (1909). Die Synagogengemeinde feierte am verflossenen Sonntag
das 50-jährige Jubiläum des Bestehens ihrer Synagoge. Es hatten sich zu
dieser Feier auch eine große Anzahl auswärtige Gäste, meist geborene
Wolfhager, eingefunden. In der gänzlich renovierten und schön
geschmückten Synagoge fand unter Anwesenheit der Vertreter der Regierung
aus Kassel ein Festgottesdienst statt." |
Im Juli 1926 wurde eine Gedenktafel für die drei
Gefallenen der jüdischen Gemeinde (siehe oben) in der Synagoge
eingeweiht.
Einweihung der Gefallenengedenktafel in der Synagoge
(1926)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1926: "Wolfhagen,
15. Juli (1926). Die hiesige Gemeinde hat in der Synagoge für ihre im
Weltkriege gefallenen Heldensöhne eine Gedenktafel anbringen lassen, die
am Sonntag feierlich eingeweiht wurde. Nach dem Minchohgebet leitete Herr
Klebe, der Vorsitzende der Kreisgruppe des Reichsbundes jüdischer
Fronsoldaten die Gedenkfeier ein und übergab die Tafel der Obhut der
Gemeinde. Herr Gemeindeältester Möllerich übernahm die Tafel mit Dank.
An der Hand der Tafelinschrift: 'Wie sind die Helden gefallen', hielt Herr
Lehrer Katzenstein, hier, in warmen Worten die Weiherede. Dann sprach Herr
Lehrer Bacher aus Kassel über Leben und Sterben der Gefallenen
anschließend an das Prophetenwort: 'Auf der Warte stand ich immerfort am
Tage, und auf einem Posten weilte ich alle Nächte.' Die eindrucksvolle
Feier schloss mit dem hebräischen Seelengedächtnisgebet und dem von den
Mitgliedern des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gemeinsam
gesprochenen Kadisch". |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
durch die in der Stadt wütenden SS-Leute aus Arolsen niedergebrannt. Die
Brandruine wurde später abgebrochen.
Auf Grund einer Initiative einiger Bürgerinnen und Bürger wurde im Frühjahr 1993
ein kleiner Gedenkstein am Synagogengrundstück errichtet. Die Inschrift
lautete: "Hier stand die Synagoge von Wolfhagen, gebaut 1859,
niedergebrannt 10.11.1938". Nach der Neubebauung des Synagogengrundstückes
wurde 1998 durch den Heimat- und Geschichtsverein eine neue Gedenktafel
angebracht mit dem Text: "Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde
von 1859 bis 1938. Durch Brandstiftung in der Pogromnacht vom 10.11.1938 wurde
sie zerstört. 1998 Heimat- und Geschichtsverein".
Adresse/Standort der Synagoge: Mittelstraße
Fotos
(Quelle: historisches Foto - Außenansicht Arnsberg Bilder S.
207; Innenansicht: Foto des Landesamtes für Denkmalpflege, 1928; publiziert: Außen- und Innenansicht bei Harold Hammer-Schenk s.Lit.; Innenansicht
auch in: "Vertraut werden mit Fremdem". 2000 S. 35 s.Lit. bei Hofgeismar)
neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum Juni
2008)
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica Band I S. 486. |
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 416-418. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 207. |
 | Harold Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland.
Geschichte einer Baugattung im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 2 1981 Abb.
136-137. |
 | Thea Altaras: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 47.
Neuauflage der beiden Bände 2007² S. 144-145. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S.
87-88. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 461-463.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Wolfhagen
Hesse-Nassau. After the slaying of 18 Jews in 1235, no community was organized
until the 17th century. Members opened a religious school in 1788 and dedicated
a new synagogue in 1859. The community numbered 258 (8 % of the total) in 1861
and was affiliated with the rabbinate of Kassel. Since Jews handled most of the
town's commerce, Nazi propaganda was able to foster latent antisemitism in the
1920s. On Kristallnacht (9-10 November 1938), townspeople helped SS
troops from Arolsen destroy the synagogue and loot Jewish property. The
burgomaster, dissociating himself from the 'vandalism', saw to it that stolen
cash and valuables were returned to their owners. By November 1939, however, the
remaining 70 jews had left. Eleven emigrated and about 30 perished in the
Holocaust.

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