Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Felsberg mit Altenburg, Gensungen und Neuenbrunslar (Schwalm-Eder-Kreis)
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  

In Felsberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhundert zurück. Doch lebten bereits im 16. Jahrhundert einige Juden in der Stadt (1592 genannt). 1611 verzog der wohlhabende Isaak Samuel von Felsberg (auch Isaak Schmuel genannt), mit Erlaubnis des Landgrafen Moritz von Hessen nach Schmalkalden, wo er 1622 eine kleine Synagoge erbaute.  

1773 gab es neun jüdische Familien mit zusammen 26 Personen in Felsberg. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1827 130 jüdische Einwohner (in 21 Familien, 12,7 % von insgesamt 1.026 Einwohnern), 1861 180 (16,5 % von 1.089), 1871 168 (16,4 % von 1.026), 1885 179 (19,0 % von 943), 1895 132 (14,3 % von 924), 1905 117 (12,4 % von 941). Die jüdischen Haushaltsvorstände waren als Manufakturwaren- und Viehhändler tätig, einige als Metzger und Schuster. Auch in den umliegenden Orten lebten jüdische Personen, die zur jüdischen Gemeinde Felsberg gehörten: Altenburg (1835 33 jüdische Einwohner, um 1910 keine jüdischen Einwohner mehr), Neuenbrunslar (1835 12, siehe unten Artikel von 1884 zum Tod von Levi Speier Holstein), Gensungen (1835 8, 1861 24, 1932 35). Bekannte jüdische Familiennamen waren: Adler, Dannenberg, Goldschmidt, Hammerschlag, Hoffmann, Löwenstein, Weinstein, Deutsch, Mannsbach, Stern und Spier. 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (Jüdische Elementarschule, im Haus Obergasse 6), ein rituelles Bad (hinter dem Haus Untergasse 19, um 1820 erbaut) sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An der jüdischen Elementarschule waren 1868-70 44 Kinder zu unterrichten, 1872 31, 1881 47, 1892-1900 etwa 35. Als Lehrer werden genannt: um 1865 Lehrer Lißhauer (Quelle), bis um 1900 Heinemann Neumark aus Altenburg, danach Susmann Dannenberg (aus Höringhausen, blieb bis 1925 in Felsberg, gest. 1932. vgl. Bericht). Nach ihm unterrichtete Lehrer Baruch Kleeblatt, zuletzt jedoch nur noch fünf bis sieben Kinder. Die jüdische Elementarschule wurde 1932 aufgelöst (vgl. Bericht). 
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Louis Dannenberg (geb. 5.11.1900 in Felsberg, gef. 28.9.1918), Meyer-Moritz Goldschmidt (geb. 9.12.1886 in Felsberg, gef. 1.8.1916), Karl Hammerschlag (geb. 20.11.1884 in Felsberg, gef. 9.7.1915), Jakob gen. Julius Weinstein (geb. 26.6.1878 in Momberg, gef. 23.9.1914), aus Gensungen Markus Max Weinstein (geb. 4.3.1894 in Gensungen, gef. 25.9.1916). Außerdem ist gefallen Robert (Ruben) Goldschmidt (geb. 19.12.1894 in Felsberg, vor 1914 in Abterode wohnhaft, gef. 18.11.1918).     

Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde noch 125 Personen gehörten (11,36 % der Gesamteinwohnerschaft von 1.100 Personen), waren die Vorsteher der Gemeinde J. Spier, Max Schloss und H. Hoffmann. Als Lehrer war noch der bereits genannte Susmann Dannenberg angestellt. Er unterrichtete an der Volksschule 11 jüdische Kinder im Religionsunterricht. Zur jüdischen Gemeinde Felsberg gehörten auch die 35 in Gensungen lebenden jüdischen Personen. Die Gemeinde war dem Rabbinatsbezirk in Kassel zugeteilt. 1932 wurden 98 jüdische Einwohner in Felsberg gezählt. Vorsteher waren inzwischen J. Spier (1. Vorsteher), Siegmund Löwenstein (Gensungen) und Hermann Hoffmann (als Schriftführer). Als jüdischer Lehrer war inzwischen (seit 1928, siehe unten) der bereits genannte Baruch Kleeblatt tätig.  Er unterrichte im Religionsunterricht fünf schulpflichtige jüdische Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden eine Chewra Kadischa (Wohltätigkeitsverein, gegründet 1870, Ziele: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Lehrverträge, Wache bei Verstorbenen; Vorsitzender Robert Weinstein, 36 Mitglieder), eine Frauenchewra (Ziele: Krankenpflege, Bestattung, Unterstützung Hilfsbedürftiger, Vorsitzende Frau Mannsbach) sowie der Jüdische Jugendbund Felsberg-Gensungen

Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 105 Personen = 8,6 % von insgesamt 1.220 Einwohnern) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Am 8. November 1938 (einen Tag früher als an den meisten anderen Orten in Deutschland) kam es zu einem Pogrom gegen die 18 noch in der Stadt lebenden jüdischen Personen. Dabei starb der schwer kranke Robert Weinstein, der aus seinem Bett gezerrt und durch die Straßen getrieben wurde, an einem Herzinfarkt. Weinstein war eines der ersten Todesopfer des Novemberpogroms in Deutschland. Bis 1939 konnten die meisten jüdischen Familien emigrieren: 12 Personen nach Palästina, 43 in die USA, 21 nach Südamerika, 2 Personen nach Prag, 1 nach London. Einige verzogen in andere Städte in Deutschland (Frankfurt, Kassel).  

Von den in Felsberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Dieter Adler (1935), Hannchen Adler (1863), Jeanette (Jenny) Adler geb. Kahn (1889), Rosa Adler (1904), Siegmund Adler (1893), Erwin Deutsch (1931), Resi Deutsch geb. Dannenberg (1906), Ruth Deutsch (1936), Franziska Friedländer geb. Stern (1867), Bertha Israel geb. Goldschmidt (1892), Jenny Katz geb. König (1877), Johanna Katz geb. Weinstein (1889), Liebmann Kugelmann (1881), Rebekka Kugelmann (1883), Bertha Köhler geb. Löwenstein (1869), Bertha Lesheim geb. Kruk (1901), Emma Leviberg (1881), Eva Löwenstein (1863), Moritz Moses Mannsbach (1881), Siegfried Mannsbach (1877), Gottschalk Marx (1884), Arthur Moses (1898), Sigismund O. Moses (1902), Henriette (Jettchen) Neustädter geb. Stern (1858), Maxilian Nussbaum (1877), Dora Plaut geb. Hammerschlag (1893), Moritz Schloss (1875), Sally Schloss (1870), Siegfried Schloss (1878), Hermann Silberberg (1864), Isaak Spier (1876), Berta Steinberg geb. Stern (1865), Hedwig Stern geb. Schloss (1867), Emma Traub geb. Weinstein (1879), Ida Vorenberg geb. Löwenstein (1861), Ida Weinstein (1910), Ida Wolffs geb. Dannenberg (1875).  
   
Hinweis: Die folgenden - unter "Felsberg" in der oben genannten Liste des "Gedenkbuches" (teilweise auch bei Yad Vashem) genannten - Personen können nach Angaben des Historischen Archivs der Stadt Felsberg (Auskunft vom 13. August 2009) anhand der in der Stadt Felsberg vorliegenden Geburts- und Heiratsregister nicht für Felsberg / Hessen belegt werden: Palmyra Aron geb. Salomon (1901), Johanna Jeanne Bing geb. Salomon (1903), Minna Goldmann geb. Schloss (1868), Sidenia Kahn geb. Salomon (1895), Helena Levie geb. Weingarten (1863), Sophie Meier geb. Weingarten (1870), Salomon David (1863), Lion Salomon (1869). Vermutlich handelt es sich um Personen, die in Felsberg/Saarland lebten. Die dort lebenden Juden gehörten bis 1863 zur jüdischen Gemeinde Wallerfangen, danach bis 1904 zur jüdischen Gemeinde Beaumarais, schließlich zur Gemeinde in Saarlouis
Unklarkeit besteht zu Selma Blumenkron (1892), zu der außer einer Abmeldung vom hiesigen Felsberg nach Frankfurt am 10.12.1937 keine Informationen (wie Zuzug, eventuelle verwandtschaftliche Beziehung, Adresse usw.) vorliegen.         
     
Von den in Gensungen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Cohen geb. Weinstein (1883), Julius Holstein (1880), Paula Liebmann geb. Weinstein (1896), Jettchen Lindheimer geb. Hammerschlag (1883), Siegfried Mannsbach (1877), Blümchen Speier-Holstein (1882), Mina Wolff geb. Steier-Holstein (1883). 
  
Von den in Altenburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist  in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Weinstein (1889).    
   
Zu einem Prozess gegen einige der am Novemberpogrom 1938 Beteiligten Personen kam es im Mai 1948 vor dem Kasseler Schwurgericht. Angeklagt waren Personen aus Felsberg und Gensungen. 
   
   
Seit 2010 ist Felsberg Sitz der liberalen jüdischen Gemeinde Emet we Shalom (siehe Berichte unten).    
  
    
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Kantors (Vorbeter) 1931    

Felsberg Israelit 03091931.jpg (48199 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1931: 
"Die israelitische Schul- und Kantorstelle 
der Gemeinde Felsberg ist per 1. Oktober 1931 neu zu besetzen. Stimmlich begabte Herrn wollen sich mit Zeugnisabschriften und Bild, sowie Angabe der Gehaltsansprüche zunächst an den Gemeindeältesten J. Spier in Felsberg Bezirk Kassel wenden."  

  
Lehrer Baruch Kleeblatt wurde von Meerholz nach Felsberg versetzt (1926)
      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1926: "Felsberg, 21. März (1926). Der Lehrer B. Kleeblatt, bisher in Meerholz, ist von der Regierung zu Kassel als Lehrer und Kultusbeamter hierher versetzt worden."      

 
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Hässliche Auswirkungen des Antisemitismus (1911) 

Felsberg FrfIsrFambl 24111911.jpg (107490 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. November 1911: "Kassel. In der Gegend von Felsberg, in dem durch den Abgeordneten Lattmann vertretenen Reichstagswahlkreise Kassel - Melsungen, feiert der rüdeste Antisemitismus Orgien
Das geht aus einer dem 'Kasseler Volksblatt' eingesandten Ansichtspostkarte niedrigster Sorte hervor. Die Illustration der in Felsberg verfertigten Karte zeig ein viertel Dutzend jüdischer Händler mit scheußlich karikierten Gesichtern, die einen Bauersmann unter einer Presse ausmergeln bis aufs Blut, während zwei jüdische Viehhändler mit dem letzten Stück Vieh des ausgepressten Bauern davonziehen. Diese Illustration begleiten Textverse, von denen die folgenden angeführt seien: 
'Jage jeden stets davon, 
Er heiß' Itzig oder Kohn, 
Mayer, Levy, Davidsohn, 
Mannheimer und Oppenheimer, 
Wiener, Speier, Höxter, Wolf, Hirsch und Bär 
Und dergleichen Viecher mehr! 
Und in diesem dürren Jahr, 
Wo nur wenig Regen war, 
O, ich wünsche jedenfalls: 
Es regne heißes Schweineschmalz, 
Dass die ganze kosch're Truppe  
Brat' in der verhassten Suppe.'     

    
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod der Frau von J. P. Goldberg (1871)

Felsberg Israelit 01021871.jpg (195183 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1871: "Nekrolog: 'Sehet euch um und rufet die Klagefrauen, dass sie kommen, und zu den kundigen Frauen sendet, dass sie kommen und eilends ein Klagelied über uns erheben (Jeremia 9,16-17). Eine Edle, eine Perle unter Euch, Ihr Töchter Israels, ist dahingeschieden, darum rufet die Klagefrauen und stimmet Klagelieder an, ob des herben Verlustes, der uns betroffen. 
Am 10. dieses Monats entschlief sanft zu einem besseren Leben die Ehegattin des Herrn J. P. Goldberg in Felsberg und wurde mit großer Ehre am 13. dieses Monat, am Vortag zum Schabbat Schemot (d.i. Freitag vor Schabbat mit der Toralesung Schemot, d.i. 2. Mose 1,1-6,1, das war Freitag, 13. Januar 1871) zur Ruhe bestattet.
Für die Hochachtung, welche die Verklärte überall genoss, zeugt die allgemeine, ungeteilte Teilnahme an dem so jähen Schicksalsschlage, der den tief betrübten Gatten, die trauernden Kinder betroffen. 
Die Gerichtsbehörden hatten auf einige Stunden ihre Sitzungen geschlossen, um es nciht zu versäumen, der von ihnen im Leben Hochgeschätzten die letzte Ehre zu erweisen. Eine unabsehbare Menge Leidtragender aller Stände folgte dem Zuge. 
Der ehrwürdige Herr Kreisrabbiner Wetzlar - sein Licht leuchte - zu Gudensberg hob in beredten, die Herzen tief ergreifen Worten die hohen Tugenden dieser frommen, wackeren Frau, dieser gottesfürchtigen und biederen Frau hervor, welche die Verblichene in so reichem Maße zierten. 
Der hochwürdige Redner, selbst tief ergriffen, sprach von ihr als einer Frau, deren Mitgefühl für das Leiden Anderer unbegrenzt, deren Hand dem Dürftigen immer geöffnet, deren Haus eine wahre Zufluchtsstätte aller Bedrängten war... 
Den Kranz ihrer seltenen Tugenden schmückte ganz besonders ihre so ungekünstelte und wohltuende Gastfreundschaft, die sie Jedem, ohne Unterschiede, angedeihen ließ, der unter ihrem gastlichen Dache weilte. 
Wie war doch ihr Wohl tun so ganz anders, als das, was sich mit geschäftiger Eile an die Öffentlichkeit drängt, um nur ja nicht übersehen zu werden! 
Ihrer Freunde größte war, die ungekannte Quelle der Freuden Anderer zu sein. Ihr ganzes Sein löste sich um Wohl tun und in der strengsten Pflichterfüllung einer echt jüdischen Ehefrau auf. 
Eine so ungeheuchelte Frömmigkeit und Gottergebenheit finden wir nur wieder bei jenen Geistesheldinnen unseres Volkes, deren Namen und die Geschichte aufbewahrte, und mit denen sie nun für immer vereinigt ist. 
Ihr großes Verdienst stehe uns Allen bei. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. B.N."

 
Zum Tod des langjährigen ehrenamtlichen Vorbeters Moses Weingarten I. (1879)

Felsberg Israelit 30041879.jpg (98971 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Nachruf! Felsberg (Kurhessen). Eine Zierde unserer Gemeinde ist nicht mehr; am 4. Nissan (= 28. März 1879) hat Moses Weingarten I. in seinem 84. Lebensjahre seine edle Seele ausgehaucht. Der Verstorbene, ein für unsere heilige Religion tief begeisterter Mann, war ca. 60 Jahre lang Sch'Z (Vorbeter) unserer Gemeinde an den ehrfurchtgebietenden Tage und auch sonst oft im Jahre; rein um Gottes Lohn; noch jüngsten Schabbat Paraschat Sachor (Schabbat Sachor war 1879 am 8. März), da unser Vorbeter verhindert war, betete er vor, und riss durch seine ungeschwächte, klare Stimme die ganze Gemeinde zur Verwunderung hin. Erst einige Monate sind es her, dass er auf dringende Vorstellung seiner Angehörigen, die für seine angegriffene Gesundheit fürchtete, nicht mehr täglich, morgens, die Synagoge besuchte, aber Abends ließ er sich es nicht nehmen, von einem Enkelchen geleitet, zur Synagoge zu gehen. Und wie er ein guter Jehudi war, so war er auch ein guter Bürger seiner Vaterstadt und treuester Vater seinen Kindern und Enkeln. Wie groß die Achtung war, deren sich der Verstorbene bei Juden und Christen erfreute, davon zeugte die ungemein große Beteiligung bei seinem Begräbnisse. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
Zum Tod von Levi Speier Holstein aus Neuenbrunslar / Gensungen (1884)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. März 1884: "Nachruf!  
'Gott hat gegeben, Gott hat genommen, der Name Gottes sei gepriesen.' (Hiob 1,21).  
Wir beklagen den Verlust eines edlen Mannes in Israel. Levi Speier Holstein aus Gensungen ist nicht mehr! Er hat am Heiligen Schabbat, 11. Adar (8. März 1884), in seinem 76. Lebensjahre seine reine Seele ausgehaucht, die er in die Hand des himmlischen Vaters empfohlen hatte.  Der Verblichene war zu Neuenbrunslar bei Kassel geboren, wo er 63 Jahre lang lebte, und ist vor 12 Jahren nach Gensungen verzogen. Mit seinem Fortzuge aus Neuenbrunslar hörte die Geschichte der dortigen jüdischen Gemeinde auf, da er dort die letzte jüdische Familie bildete, wo bis dahin 3 Jahrhunderte lang ununterbrochen Juden gewohnt haben.  
Der Verewigte war ein treuer Sohn Israels. Trotzdem derselbe von vielen körperlichen sowie anderen Leiden heimgesucht war, war doch sein ganzes Bestreben dahin gerichtet, Gott im Sinne seiner heiligen Tora zu dienen. Er bemühte sich, seine Kinder und Enkel im Geiste des orthodoxen Judentums zu erziehen. Selbst im vorgerückten Alter und bei schlechtestem Wetter versäumt er es nicht, den Gottesdienst in der Synagoge zu besuchen, wobei er jedes Mal einen Weg von 3/4 resp. 1/4 Stunde zurücklegen musste. Ebenso unterließ er nie wohltätige Aufgaben (u.a. Krankenbesuche) auszuüben, wo sie sich ihm darboten. Er war Allen, die ihn kannten, ein Tröster und Berater.  
Möge der Allbarmherzige die guten Taten die der Verblichene hienieden ausgeübt, annehmen, als hätte er die Gesetze der ganzen heiligen Tora ausgeübt und ihm ein glückseliges Leben im Jenseits gewähren.  J.J."       

  
Zum Tod von Michael König (1886)

Felsberg Israelit 06121886.JPG (267903 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1886: "Felsberg, 29. November (1886). In jedem größeren Gemeinwesen gibt es einige hervorragend gottbegeisterte Männer, die durch ihren Eifer für die heilige Gotteslehrer, durch ihr rastloses, uneigennütziges Wirken für den Glauben der Väter den Übrigen als nachahmungswertes Beispiel voranleuchten und dem ganzen Gemeindeleben ihren reinen Stempel aufdrücken. Wenn nun solche Männer uns entrissen werden, dann entsteht ein klaffende Lücke nicht nur innerhalb der Familie, dann wird das ganze Gemeindewesen in seinen Grundfesten erschüttert, dann sind es die gebrochenen Säulen und Stützen des Glaubens, die wir in dem Tode dieses Frommen betrauern. Ein solcher Frommer war es, der uns in der Nacht des 22. Cheschwan (= 20. November 1886) genommen wurde. Im besten Mannesalter von 46 Jahren hauchte nach langem mehrwöchentlichen Leiden Herr Michael König - seligen Andenkens - in dem hessischen Städtchen Felsberg seine reine Seele aus. Ein schlichter Kaufmann, dessen Wirken zwar nicht epochemachend in die Öffentlichkeit gedrungen, gehörte er zu jenem immer kleiner werden Überrest ausgezeichneter Männer, die mit einem wahren Feuereifer für unsere höchsten Güter eintreten. Der herrliche dreifache Tugendkranz - Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit - schmückte auch sein Haupt, sein ganzes Leben war der pflichttreuesten Erfüllung der Gottesgebote gewidmet. Mit peinlichster Gewissenhaftigkeit unterwarf er sich freudig allen Satzungen, froh seiner Religion ein Opfer bringen zu können. So genoss er auf seinen häufigen mehrwöchentlichen Geschäftsreisen nur da Fleischspeisen, wo ihm durch die Anwesenheit eines orthodoxen Rabbiners Gewähr geboten wurde, dass die Schechita in gewissenhaftester Weise gehandhabt ward. Und wie liebte er die Tora und ihr Studium, wie war er von dem erhabenen Gedanken durchdrungen, dass erst sie den Menschen zu seiner Hoheit und Würde erhebt: Jeder freie Augenblick, zur frühen Morgen- und zur später Abendstunde, fand ihn hinter seinen geliebten Büchern, lehrend - in einem sabbatlich tagendem Raschi-Verein - und lernend suchte er sich durch diesen ewig sprudelnden Lebensborn zu vervollkommnen. Auch in dem Gottesdienst war er eine Stütze seiner Gemeinde, der er als langjähriger Schofarbläser freudig seine Dienste weihte. Und was hat er erst in der herrlichsten Tugend Wohltätigkeit gewirkt! Wie viele Tränen hat seine milde Hand getrocknet, wie viel Gebeugte sein Wort und seine Tat aufgerichtet! Die Armen waren seine Tischgenossen, die Bedrängten und Hilfebedürftigen seine liebsten Freunde. Wo es einer hehren Aufgabe, der Unterstützung unserer bedürftigen Brüder in Israel oder der geknechteten Glaubensgenossen in anderen Ländern galt, da fand man ihn an der ersten Stelle; er gab gern und  reichlich und veranlasste auch andere zum Geben. Sein Leichenbegängnis gestaltete sich denn auch zu einer ergreifenden Trauerkundgebung. Von Nah und Fern waren sie herbeigeeilt, die den Frommen gekannt und verehrt, der Bürgermeister, die Stadtverordneten und zahlreiche christlichen Mitbürger schlossen sich dem imposanten Trauergefolge an. Herr Rabbiner Dr. Munk aus Marburg würdigte die Verdienste des Verklärten in einer tief ergreifenden Trauerrede. - Und wenn der Dahingeschiedene auch in der Blüte seiner Jahre seiner trauernden Gattin und vier unmündigen Kindern entrissen worden ist, wenn sich die Sonne seines Lebens auch mitten in ihrer Lichtbahn gesehnt; so kann man doch von ihm gleich David sagen: am Schabbat wirst du sterben, er ist am heiligen Ruhetage, dem Tage der Vollendung gestorben, jung an Jahren, aber vollendet in Tugend und Frömmigkeit. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

 
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers und Stadtverordneten Jakob Goldberg (1887)

Felsberg Israelit 22121887.jpg (273550 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1887: "Felsberg, Bezirk Kassel.  Am 20. November dieses Jahres, dem 4. Kislew, nachmittags 5 Uhr, hat unsere Gemeinde einen unersetzlichen Verlust erlitten. 
Die Krone unseres Städtchens, unser auch in weiteren Kreisen bekannter und verehrter Vorsteher Jakob Goldberg, bis zuletzt im Vollbesitze seiner geistigen und körperlichen Kraft, wurde uns nach kaum zweitägigem Krankenlager in Folge eines Lungenschlags durch einen schmerzlosen sanften Tod, würdig eines Frommen, entrissen; - zu früh trotz des erreichten 71. Lebensjahres für seine Hinterbliebenen, denen er ein stets liebevoller, sorgsamer Gatte und Vater gewesen; zu früh für die israelitischen Gemeinde-Mitglieder, welche ihren Leiter und Ratgeber, und zu früh für alle unsere Einwohner ohne Unterschied der Konfession und des Standes, die ihren humansten und selbstlosesten Mitbürger verloren haben.
Seit 40 Jahren Vorsteher unserer Gemeinde und seit 20 Jahren Stadtverordneter, verstand er es, sich durch sein biederes, herzliches Wesen, sein freundschaftliches Entgegenkommen die Liebe und Verehrung Aller, durch gewissenhafte Pflichterfüllung und streng sittliches Verhalten das unbegrenzte Vertrauen eines Jeden zu erwerben, welcher einmal mit ihm in Berührung kam. Über Alles ging ihm jedoch die Gottesfurcht. Von Morgens, wo er seit einem halben Jahrhundert mit bewunderungswürdiger Pünktlichkeit als der Ersten Einer zum Frühgottesdienste erschien, bis Abends spät gab er uns ein Baispiel jener echten Frömmigkeit, welche sich nicht genügt, in strenger Beobachtung aller religiösen Vorschriften, sondern auch im praktischen Leben sich ihre Nutzanwendung sucht. Sein Haus war wahren Sinnes der Mittelpunkt unserer Stadt: es schied daraus getröstet, wer es gebeugt betragt, aufgeklärt, wer da kam, den trefflichen Rat des viel erfahrenen Dahingeschiedenen einzuholen und dankbar die vielen Bedürftigen, die an seine stets offene Hand appellierten. Gottergeben, den Fügungen des Allmächtigen sich unterwerfend, freudig und ohne Murren, so lebte und starb der Verblichene. Zwei Tage vor der festgesetzten in Frankfurt stattgefundenen Hochzeit eines seiner Söhne befiel ihn ein leichtes Unwohlsein, welches die Reise nicht zuließ. Lächelnd täuschte er seine Angehörigen über die Bedeutung der Krankheit, um die Festlichkeit nicht zu stören. Eine höhere Hand unterbrach sie in ungeahnter Weise. Der Hochzeitstag des Sohnes wurde der Sterbetag seines edlen Vaters. 
Hätte es dessen noch bedurft, der imposanteste Leichenzug, den Felsberg wohl gesehen, die ungezählten Beileidsbeweise, selbst aus weiter Ferne würden für die vorzüglichen Eigenschaften des teuren Entschlafenen ein beredtes Zeugnis abgeben. 
Der Stolz der Gemeinde ist dahin! Wir aber beten zum allgütigen Vater, dass Er den Geist des echten Judentums, der den Verstorbenen beseelte, unter uns fortleben und dessen gottesfürchtiges Walten uns stets gewärtig halten möge, alsdann wird zutreffen: das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.  ---r."

   
80. Geburtstag von Herrn Leviberg (1927)  

Felsberg Israelit 23061927.jpg (25053 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1927: "Felsberg (19. Juni (1927). Seinen 80. Geburtstag beging am 21. Juni Herr Leviberg in größter Frische, der lange Jahre das Amt eines Chason (Vorbeters) und Schochet bekleidet hat. Er ist bei Juden und Nichtjuden in höchstem Maße angesehen und beliebt."  

  
Goldene Hochzeit von Mendel Hammerschlag und Minna geb. Bleiweiß (1927) 

Felsberg Israelit 18081927.jpg (20690 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1927: "Felsberg. Die goldene Hochzeit begingen am 15. August dahier Mendel Hammerschlag und Ehefrau Minna geb. Bleiweiß in größter Rüstigkeit und Geistesfrische."  

    
Zum Tod des aus Felsberg stammenden  Bezirksrabbiners Dr. Laser Weingarten (geb. 1863 in Felsberg, gest. 1937 in Bad Ems)  

Bad Ems Israelit 22041937.jpg (256490 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1937: "Bezirksrabbiner Dr. L. Weingarten - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. 
Bad Ems
, 14. April (1937). Am 11. April wurde hier Bezirksrabbiner i.R. Dr. Laser Weingarten unter großer Beteiligung des ganzen Rabbinatsbezirkes und vieler Freunde zur letzten Ruhe geleitet. Der Verewigte wurde 1863 in Felsberg bei Kassel geboren. Nach Absolvierung des Hildesheimer'schen Rabbinerseminars in Berlin und mehr als zweijährigem Studienaufenthalt in Russland, trat er am 1. Februar 1890 sein Amt als Bezirksrabbiner in Bad Ems an. Seine ganze Kraft und Arbeit stellt er in den Dienst der heiligen Sache. Großes leistete er in der sozialen Fürsorge.      
Im Jahre 1892 gründete er mit Gleichgesinnten das Sanatorium 'Emser Heilquelle' für kurbedürftige minderbemittelte Juden. Im Jahre 1897 gründete er das 'Israelitische Zentral-Waisen- und Mädchenheim', in welchem eine große Anzahl jüdischer Waisen unter seiner persönlichen Aufsicht zu wertvollen und brauchbaren Menschen erzogen wurden. Auch war er Mitbegründer der Eintracht-Loge in Koblenz. Eine besonders wichtige Gründung des Heimgegangenen gemeinsam mit seinem Freunde Benno Jacoby, Sayn seligen Andenkens und verschiedenen Gönnern war der Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven und Gemütskranke, der viel Leid gemildert hat und heute noch seine segensreiche Tätigkeit ausübt. Das von dem Verstorbenen gegründete Waisenhaus ist inzwischen in das Alters- und Erholungsheim für jüdische Lehrer, Kantoren und Sozialbeamte umgewandelt worden.   
Während des Weltkrieges, den drei Söhne des Verstorbenen mitmachten, stellte er sich in den Dienst der Kriegsgefangenen-Fürsorge. Außerdem übernahm er freiwillig an der Oberrealschule in Bad Ems für die ins Feld gerückten Lehrkräfte den Mathematikunterricht. Als einer der ersten wurde er daher mit dem "Verdienstkreuz für Kriegshilfe' ausgezeichnet. Wegen seines stets freundlichen, schlichten und einfachen Wesens war der Verewigte bei allen Mitmenschen geachtet und beliebt.  
Am Grabe des Heimgegangenen, der seit 1931 im Ruhestand lebte, sprach sein Amtsnachfolger, Herr Bezirksrabbiner Dr. Laupheimer, Bad Ems, zu Herzen gehende Worte über das Leben und Wirken seines verewigten Kollegen. Auch für das 'Jüdische Alters- und Erholungsheim', den 'Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke', den 'Synagogenrat Hessen-Nassau' und die 'Eintracht-Loge' Koblenz entbot Bezirksrabbiner Dr. Laupheimer auftragsgemäß die letzten Grüße. Herr Kultusvorsteher Dr. med. Cohn, Bad Ems, sprach für die Gemeinde Bad Ems, Herr Lehrer i.R. Levy, Höchst am Main, erwies als Vertreter des 'Jüdischen Lehrerverbandes Hessen-Nassau' dem Heimgegangenen die letzte Ehre. Für die Westerwaldgemeinden sprach Herr Lehrer Neuhaus, Hachenburg i.W.  Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    


    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Metzger Baruch Mannsbach sucht einen Lehrjungen (1897) 

Felsberg Israelit 23091897.jpg (37920 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. September 1897: "Suche für sofort einen kräftigen Lehrjungen aus achtbarer Familie, für meine Metzgerei und Wurstmacherei. Samstags und Feiertage streng geschlossen. 
Baruch Mannsbach, Felsberg bei Kassel." 

  
K. / J. Hoffmann sucht für sein Manufakturwaren-, Schuh- und Konfektionsgeschäft einen Lehrling (1901 / 1903)  

Felsberg Israelit 18031901.jpg (32852 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. März 1901: "Suche per Ostern Lehrling, für mein Manufaktur-, Schuh- und Konfektionsgeschäft. Samstags und israelitische Feiertage geschlossen. 
K. Hoffmann, Felsberg bei Kassel."    
    
Felsberg Israelit 02021903.jpg (40267 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1903: "Lehrling, mit guter Schulbildung, für Ostern gesucht. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen. 
J. Hoffmann und Co., Manufakturwaren-, Schuh- und Konfektionsgeschäft. 
Felsberg bei Kassel."  

    
  


    

Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war ein Betsaal oder eine erste Synagoge vorhanden (1847 als "bisheriges Betlokal" bezeichnet).  

1842
stellte die jüdische Gemeinde bei den Behörden den Antrag auf Bau einer neuen Synagoge. Nach 1845 konnte gebaut, die Synagoge am 14. Oktober 1847 eingeweiht werden. Die Pläne hatte Landbaumeister Augener aus Melsungen gezeichnet. Bei der Synagoge handelte es sich um einen stattlichen Steinbau aus Gensunger Sandbausteinen in Schichtmauerwerk. Der Betsaal hatte etwa 100 Männer- und auf der Empore 80 Frauenplätze. Die Synagoge war schön ausgestattet und besaß etwa 15 Torarollen, die fast alle von ehemaligen jüdischen Einwohnern Felsbergs, welche in anderen Städten lebten und dort zu Wohlstand gekommen waren, gestiftet hatten. Über die Einweihung durch Kreisrabbiner Mordechai Wetzlar aus Gudensberg liegt ein Bericht in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vor. Beschrieben wird darin: der letzte Gottesdienst im "bisherigen Betlokal", der feierliche Umzug der Torarollen unter einem Baldachin zur neuen Synagoge, der erste Gottesdienst in der neuen Synagoge mit Einbringung der Torarollen und den dabei üblichen sieben Umzügen um das Alemor sowie dem Weihegebet und der Predigt des Kreisrabbiners:    
  
Die Einweihung der Synagoge in Felsberg (1847)   
Der Abschnitt ist teilweise abgekürzt wiedergegeben. 

Felsberg DtrZionsw 02111847.jpg (188669 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 2. November 1847: "Felsberg. Ich lege Ihnen anbei das Programm der Einweihung unserer Synagoge, welche vorigen Donnerstag unter dem Andrange einer großen Masse Menschen, aus der Nähe und Ferne und von allen Konfessionen zusammengesetzt, stattfand. Circa 500 Billette waren ausgegeben und wohl 1.000 Menschen mussten zurückgewiesen werden. Sämtliche Beamte und Honoratioren nahmen einen lebhaften Anteil an dieser Feier, die ihrem ganzen Umfange nach allen an sie gestellten Erwartungen entsprach. Das Programm lautet folgendermaßen:  
Programm
 
zu den Feierlichkeiten bei dem Auszuge 
aus dem bisherigen Betlokale und der Einweihung 
der neuen Synagoge zu Felsberg, am 4. Cheswon, 
den 14. Oktober 1847. 
1) Mittags 12 Uhr versammeln sich die männlichen Gemeindemitglieder im Männerbetlokale, die Frauen im Frauenbetlokale, woselbst die Psalmen 27, 122 und 132 vom Vorsänger und der Gemeinde rezitiert worden. Hier wird das Minchagebet, nachdem der Kreisrabbiner eine kleine Rede gehalten, vom Vorsänger vorgebetet und von der  Gemeinde leise nachgesprochen.
Anmerkung: In dieser Rede, vor Mincha gehalten, setzte derselbe die Wichtigkeit der gegenwärtigen Trennung von diesem heiligen Orte auseinander und forderte die Gemeinde auf, das Mincha-Gebet, als letztes Gebet in der alten Synagoge recht andächtig zu beten... 
2) Der Kreisrabbiner Wetzlar trägt nach Beendigung des Minchagottesdienstes, aus dem 1. Buch Chronik vom 25. Vers des 15. bis zum Ende des 16. Kapitel vor, alsdann wird das Aleinu-Gebet vom Kreisrabbiner gebetet und von der Gemeinde leise nachgesprochen; hierauf entfernt sich die Versammlung und bildet alsdann den Zug vor dem Hause, worin sich das Betlokal befindet, die Frauen und alle die, welche berechtigt sind zum Einlass in die neue Frauensynagoge, nehmen indessen ihre Plätze in derselben ein.  
Anmerkung: Bei diesem Vortrag wurde bemerkt, wie durch Chofni und Pinchas die Tora gefangen wurde, wie sie selbst zwar den Tod fanden, die Tora aber ihre Göttlichkeit selbst den Philistern zeigte, wie jeder Angriff gegen die Tora gestraft wurde... Auch in unserer Zeit ist die Tora der Gefahr ausgesetzt, in Gefangenschaft zu geraten..."       
Felsberg DtrZionsw 02111847b.jpg (328907 Byte)3. Der Kreisrabbiner nimmt die Torarollen aus der heiligen Lade und übergibt sie den von den Gemeindeältesten dazu bestimmten Gemeindemitgliedern; die Gemeinde betet: wajehi binsoa .., worauf der Kreisrabbiner am Eingang des Betlokals jehi?) laut und die Gemeinde leise nachgebetet.
4. Der Zug bildet sich nach folgender Ordnung. Die Sänger paarweise, alsdann der Baldachin (über der) Tora, dann folgen alle Männer und Jünglinge, je vier und vier. 
5) Der Kreisrabbiner und alle Toraträger verlassen das Betlokal und begeben sich unter den auf der Straße harrenden Baldachin, der Zug setzt sich in Bewegung. Am Eingange der Synagoge halten die Baldachinträger still; die Sänger bilden auf beiden Seiten des Eingangs Spalier, die Männer und alle die, welche sich diesen angeschlossen haben, begeben sich auf ihre Plätze in der Synagoge, dann die Sänger ebenfalls. Sobald jeder seine Stelle eingenommen hat, tritt der Kreisrabbiner und sämtliche Toraträger ein. Alle Anwesenden erheben sich hier von ihren Sitzen. 
6) Der Kreisrabbiner betet Mah towu, nach dessen Beendigung stellt sich derselbe und die übrigen Toraträger auf die Stufen der heiligen Lade, wo dann das Dankgebet vom Kreisrabbiner gesprochen wird.
7) Der Vorsänger rezitiert waji binsoa, die Sänger fallen ein Ki MiZion. Hierauf folgen die sieben Umzüge um das Almemor in folgender Ordnung: der Vorsänger, dann der Kreisrabbiner, nach ihnen die Gemeindeältesten und Toraträger treten paarweise die Stufen der heiligen Lade hinab, ziehen um das Almemor, doch so, dass sie dasselbe zur Linken haben und kehren dann zur heiligen Lade zurück, wo sie jedes Mal ihre vorige Stellung einnehmen. 
8) Es werden die verschiedenen Gebetsgesänge von Vorsänger und den Sängern während der sieben Umzüge um den Almemor beschrieben.      
Nach dem siebenten und letzten Umzug kehren die Toraträger nicht zu ihrer vorigen Stelle zurück, sondern bleiben in dem Raum zwischen dem Almemor und der heiligen Lage stehen und der Vorsänger rezitiert abwechselnd mit der Gemeinsame Psalm 24. Beim siebenten Vers desselben steigt der Kreisrabbiner die Stufen zur heiligen Lade hinauf und zieht den Vorgang von derselben zurück; beim neunten Vers öffnet er dieselbe und stellt nach Beendigung des Psalms die von ihm getragene Tora hinein, ebenso diejenige, die ihm jetzt der Vorsänger reicht. Hierauf übergeben die übrigen Toraträger ihre Torarollen nacheinander dem Vorsänger, dieser dem Kreisrabbinen, der sie ebenfalls in die heilige Lade stellt. - Hierauf wird dieselbe geschlossen und ein weiteres Gebet wird vom Vorsänger und der Gemeinde abwechselnd rezitiert.
9) Der Vorsänger, die Gemeindeältesten, die Toraträger begeben sich an ihre Plätze. Der Kreisrabbiner tritt hinab auf die unterste Stufe der heiligen Lade und hält das Weihegebet [die Gemeinde spricht Amen] und der Vorsänger rezitiert abwechselnd mit der Gemeinde Psalm 111.
11) Der Kreisrabbiner hält die Predigt zur Einweihung, der sich das Gebet für das Wohl der Landesobrigkeit und des Vaterlandes anschließt. 
12) Der Vorsänger beendigt (mit einem weiteren Gebet), womit die Feierlichkeit beendigt ist.
Am darauf folgenden Sabbat wurde von den zur Toralesung Gerufenen viel gespendet, von einem Einzigen dort 18 Frsdr. Ganz besonders muss der Eifer erwähnt werden, den der Herr Gemeindeälteste, welcher außerdem ganz unermüdlich alles Mögliche aufbot, dass dieser neue Bau ausgeführt wurde, überhaupt bei jeder Gelegenheit tätig ist, um die Tora in unserer Mitte stark zu machen.         

    
1903 war eine umfassende Renovierung im Innenraum nötig, nachdem ein Teil der Lehmdecke heruntergefallen war und die Inneneinrichtung auf der Empore beschädigt hatte. 

Felsberg FrfIsrFambl 18121903.jpg (47352 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1903: "Felsberg, Bezirk Kassel, 15. Dezember (1903). Die hiesige Synagoge, in welcher im Herbst ein Teil der schweren Lehmdecke über der Empore herabfiel, sodass Pulte und Sitzplätze beschädigt wurden, wird jetzt vollständig renoviert. Die etwa 180 Quadratmeter umfassende Lehmdecke, die auch an mehreren anderen Stellen gefahrdrohende Risse zeigte, ist gänzlich abgenommen und an deren Stelle eine Dielenbedeckung getreten, mit deren Fertigstellung man gegenwärtig beschäftigt ist." 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge bereits am Abend des 8. November geschändet. Das Gebäude wurde jedoch nicht zerstört und wurde nach 1945 als Turnhalle, später als Gaststätte verwendet. Über aktuelle Entwicklungen siehe Bericht unten.     
   

      
Über die Mikwe (rituelles Bad)      

Hessischer Denkmalschutzpreis 2005 für Ausgrabung eines Jüdischen Ritualbads in Felsberg  http://lfdh.db.rjm.de/cgi-bin/Ausgabe.pl?id=286 
Wolfgang Eitel für Einsatz bei Bergung der ehemaligen Mikwe ausgezeichnet

Zu den Preisträgern gehört auch Wolfgang Eitel, der für seinen unermüdlichen persönlichen Einsatz bei der Ausgrabung eines ehemaligen jüdischen Ritualbads in Felsberg (Schwalm-Eder-Kreis) mit einer Urkunde ausgezeichnet wird. Im Herbst 2003 beabsichtigte Wolfgang Eitel in seinem Garten einen Obstbaum zu pflanzen. Der Garten befindet sich hinter seinem Haus an der Untergasse nahe der ehemaligen Stadtmauer von Felsberg. Nach kurzer Zeit stieß Wolfgang Eitel auf ein großformatiges Mauerwerk mit einem nahezu quadratischen Grundriss. Als dann nach längerem Graben einige Treppenstufen zu Tage traten, informierte er die Baudenkmalpflege und die archäologische Denkmalpflege über den Fund. Es handelte sich um die Reste der ehemaligen Mikwe, dem jüdischen Tauchbad, das um 1820 an dieser Stelle erbaut worden war. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es abgerissen; mit dem Mauerwerk wurde das Tauchbad verfüllt. In mühevoller Arbeit hat Wolfgang Eitel das Bad vom Schutt geräumt. Das erhaltene Backsteinmauerwerk wurde gesäubert und das Bad bis zur Sohle freigelegt. Auch Treppe und Mauerwerk, das in hervorragender steinmetzmäßiger Qualität erhalten ist, wurden gereinigt.
  

Adresse/Standort der SynagogeRitterstraße   

Fotos  
(Quelle: sw-Fotos aus Arnsberg, Bilder S. 51; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.6.2008)  

Ältere Aufnahmen Felsberg Synagoge 010.jpg (54788 Byte) Felsberg Schule 010.jpg (47351 Byte)
   Die Aufnahmen entstanden vermutlich in den 1960er-Jahren: links die ehemalige Synagoge, rechts die Schule mit Blick zur Felsburg
        
Die ehemalige Synagoge auf der Umschlag-Vorderseite des Buches von Thea Altaras 1988 (s.Lit.) Felsberg Synagoge 030.jpg (63552 Byte) Felsberg Synagoge 031.jpg (44596 Byte)
  Rekonstruktion der Straßenfassade (grau), Schnitt (blau) und abgebrochener Tora-Schrein (gelb) Die ehemalige 
Synagoge 1985
 
     
Die ehemalige Synagoge Felsberg Synagoge 152.jpg (82355 Byte) Felsberg Synagoge 156.jpg (74790 Byte)
  Blick auf die ehemalige Synagoge an der Ritterstraße
   
Felsberg Synagoge 154.jpg (61142 Byte) Felsberg Synagoge 155.jpg (89572 Byte)
  Nordseite der 
ehemaligen Synagoge
Zugemauerte hohe Rundbogenfenster 
an der Ostseite
     
Das Synagogengebäude 
von der Obergasse
Felsberg Synagoge 158.jpg (87166 Byte) Felsberg Synagoge 159.jpg (79414 Byte)
Der Blick von Süden - von der Obergasse - zeigt u.a. ein teilweise zugemauertes Fenster
   
Gedenktafel Felsberg Synagoge 151.jpg (114836 Byte) Felsberg Synagoge 150.jpg (111277 Byte)
  Die Gedenktafel ist an der der ehemaligen Synagoge gegenüberliegenden Mauer angebracht. Der Text lautet: "Gegenüber steht die ehemalige Synagoge, erbaut von 1842 bis 1865, im Innern zerstört am 8. November 1938. Zur Erinnerung an unsere jüdischen Mitbürger, die während des Nationalsozialismus gedemütigt, entrechtet, vertrieben, verschleppt und ermordet wurden. 'Vergessen führt in die Verbannung - Erinnerung jedoch ist das Geheimnis der Erlösung.' (Jüdische Weisheit)." 
     
Die ehemalige jüdische Schule
Felsberg Schule 152.jpg (91431 Byte) Felsberg Schule 151.jpg (92820 Byte) Felsberg Schule 150.jpg (93905 Byte)
Die 1826-1931 bestehende jüdische Schule wurde in dem 1653 erbauten Patrizierhaus Obergasse 6 untergebracht.

 
       

Seit 2010/2011: neues jüdisches Leben in Felsberg - Bemühungen um den Erwerb der ehemaligen Synagoge  
 
Die 1995 in Kassel gegründete liberale jüdische Gemeinde Emet weSchalom hatte von 2001 bis 2010 ihren Gemeindesitz in Gudensberg. Im November 2010 wurde der Sitz nach Felsberg verlegt. In Felsberg wurde ein Gemeinderaum bezogen, der auch als Betraum verwendet wird. Angestrebt wird eine Restaurierung und neue Nutzung des Synagogengebäudes in Felsberg. Derzeit werden Gottesdienste an unterschiedlichen Orten, nicht nur in Felsberg, sondern auch bei einzelnen Mitgliedern (teilweise auch in Kassel) abgehalten.   
   
Das erste in Felsberg von der Gemeinde gefeierte jüdische Fest war das Chanukka-Fest im Dezember 2010. Im folgenden Jahr 2011 konnte erstmals der Seder-Abend zum Pessach-Fest in Felsberg gefeiert werden. Zur Einrichtung eines Betsaales erhielt die Gemeinde einen Tora-Schrein (Aron haKodesch) von der jüdischen Gemeinde Hameln. Im August 2011 konnten zwei Torarollen nach Felsberg gebracht werden, davon wurde eine aus der Temple-Israel-Gemeinde Dayton in Ohio der Gemeinde geschenkt, eine weitere ist eine Dauerleihgabe des Doms in Fritzlar (restauriert 2011 in Israel). 

  
Kontakt zur Gemeinde: Jüdische Liberale Gemeinde Emet weSchalom e.V. Nordhessen  
Postfach 1112   34583 Felsberg   Tel. 05603/6701  Fax 05603-9112433   E-Mail       
Website der Gemeinde:   www.emetweschalom.de   
     

August 2011: Zwei Torarollen stehen für den Gottesdienst zur Verfügung 
Artikel vom 5. August 2011 von "bmn" in der "Hessischen Allgemeinen" (hna.de, Artikel): 
"Zwei Torah-Rollen für neue Synagoge der Gemeinde Emet we Shalom
Felsberg. Die neue Synagoge der Liberalen jüdischen Gemeinde Emet we Shalom, Wahrheit und Frieden, ist klein. Dennoch ist sie der zentrale Ort für die nordhessenweit 20 Mitglieder. Am Sonntag werden zwei Torah-Rollen feierlich in die Synagoge eingeführt.
Eine Rolle ist ein Geschenk aus Dayton (Ohio, USA) von der Dachorganisation der progressiven jüdischen Gemeinden. Dafür stand die hiesige Gemeinde zehn Jahre auf der Warteliste. Die zweite Rolle ist eine Dauerleihgabe des Fritzlarer Doms. Von ihr zu erfahren, war eher Zufall. Deborah Tal Rüttger vom hiesigen Vorstand gibt beider Vokshochschule unter anderem Hebräisch-Kurse. Eine ihrer Schülerinnen hatte von der Torah-Rolle erfahren. Sie sprachen mit Herrn Conrad von den Prämonstratensern. 'Es dauerte lange, bis eine Entscheidung gefallen war', berichtet Tal-Rüttger..."    
Außerdem hatte die Rolle einen Wasserschaden und Passagen waren nicht gut lesbar. Damit war die Rolle nicht mehr koscher und
 
August 2011: Die ehemalige Synagoge soll als Synagoge und Museum wiederbelebt werden      
Artikel vom 8. August 2011 von Manfred Schaake in der "Hessischen Allgemeinen" (hna.de, Artikel): 
"Jüdische Liberale Gemeinde plant Begegnungsstätte und Museum in Felsberg
Synagoge wieder beleben
Felsberg.
Die jüdische liberale Gemeinde Emet we Shalom - Wahrheit und Frieden - möchte die ehemalige Synagoge in Felsberg als Synagoge und Museum nutzen. Das wurde während eines feierlichen Gottesdienstes bekannt, in der zwei Torah-Rollen übergeben wurden. Wie berichtet, befindet sich die neue Synagoge in einem Privathaus..."    
 

 

 

    
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Felsberg    
mit Stadtrundgang durch Felsberg (Nr. 20 Synagoge)   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Felsberg  
Wikipedia-Artikel "Jüdische Liberale Gemeinde Emet weSchalom Nordhessen"  
Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter " Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich ein Stammbaum der Familie Hamerschlag in Gensungen     
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Felsberg 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 174-176. 
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 51. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 48-50.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 169-170. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 541-543. 
Wolfgang Prinz und Deborah Tal-Ruttger: Die jüdische Gemeinde in Felsberg. 700 Jahre Stadt Felsberg. 1286-1986. Felsberg 1986 S. 84-94.

   
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Felsberg  Hesse-Nassau. Established in the 18th century, the community built a synagogue in 1847 and numbered 179 (19 % of the total) in 1885. During the Weimar Republic, Jews were elected in the town council and a branch of the Jewish War Veterans Association was established. The community, affiliated with the rabbinate of Kassel, also had members in nearby Gensingen and Altenburg. Jewish businesses were steadily 'Aryanized' after the Nazis came to power and 88 of the 105 Jews left, 67 emigrating (over half to the United States). SA men vandalized the synagogue two days before Kristallnacht (9-10 November 1938) and by May 1939 no Jews remained. 
     

 

                   
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Stand: 11. Dezember 2011