|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen"
Zur Übersicht
"Synagogen im Kreis Waldeck-Frankenberg"
Volkmarsen mit
Stadtteil Külte (Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Volkmarsen bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1818 120 jüdische Einwohner (4,8 % von insgesamt 2.504 Einwohnern), 1827
129 (4,6 % von 2.796), 1855 169, 1861 149 (5,5 % von 2.727), 1871 148 (6,0 % von
2.466; in etwa 40 Familien), 1885 118 (5,3 % von 2.246), 1895 89 (3,6 % von 2.491), 1905 79 (3,6 %
von 2.220). Die bekanntesten jüdischen Familiennamen waren im 19. Jahrhundert
Alsberg, Hüneberg, Hamberg, Katzenstein, Lilienthal, Meyerhoff und Rosenstock.
Die jüdischen Haushaltsvorsteher waren als Vieh-, Pferde- und Getreidehändler
tätig. Einige von ihnen hatten ein Handwerk erlernt.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische
Elementarschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Die Israelitische Elementarschule bestand von 1837 bis 1912. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Als Lehrer waren tätig: von 1832 bis 1866 Lehrer
Silberberg (siehe Bericht zu seinem Tod unten) und von 1866 bis 1909 Lehrer
Joseph Wertheim (siehe Berichte unten). Nach Wertheim unterrichtete bis Anfang
1915 (danach in Frankenberg) Lehrer
Ferdinand Stern, später Artur Auerbacher. Die Israelitische Elementarschule war
nach Weggang von Lehrer Wertheim in eine Privatelementarschule umgewandelt
worden (in den 1920er-Jahren nur noch Religionsschule). Die Gemeinde gehörten mit
den anderen jüdischen Gemeinden des ehemaligen Kreises Wolfhagen zum
Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der Gemeinde Unteroffizier Otto
Katzenstein geb. 2.11.1891 in Volkmarsen, gest. 8.5.1917 in Gefangenschaft), Moritz
Meyerhoff (geb. 10.10.1893 in Volkmarsen, gef. 20.3.1916), Theodor Meyerhoff
(geb. 28.11.1891 in Volkmarsen, gef. 21.7.1918), Leo Hamberg (geb. 30.5.1897 in
Volkmarsen, gest. an der Kriegsverletzung 16.1.1920) und Albert Rosenstock (geb.
3.7.1880), gef. 15.9.1919).
Um 1924, als zur Gemeinde noch 53 Personen gehörten (2,3 % von insgesamt
2.330 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Salomon Hamberg (gestorben
1926 im Alter von 69 Jahren) und Albert
Meyerhoff. Als Schochet kam Gottlieb Eichholz (Niederelsungen) regelmäßig in
die Gemeinde. Den Religionsunterricht der damals noch zwei schulpflichtigen
jüdischen Kindern erteilte Lehrer Hermann Katzenstein aus Wolfhagen. An
jüdischen Vereinen gab es zwei Wohltätigkeitsvereine, den Männerarmenverein
(Männerchewra; 1924/32 unter Leitung von
Philipp Katzenstein, Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung hilfsbedürftiger
Männer) und den Frauenarmenverein (Frauenchewra, 1924/32 unter Leitung von Betty
Katzenstein). 1932 waren die Gemeindevorsteher Albert Meyerhoff (1.
Vors.) und M. Lichtenstein (2. Vors.). Religionslehrer der jüdischen Kinder war
weiterhin Hermann Katzenstein aus Wolfhagen. Im Schuljahr 1931/32 hatte er fünf
Kinder zu unterrichten.
1933 lebten noch 34 jüdische Personen in Volkmarsen (1,3 % von insgesamt
2.650 Einwohnern). In
den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Hauptsächliche
Auswanderungsziele waren die USA und Palästina. Nach dem Novemberpogrom 1938
wurden die in der Stadt verbliebenen jüdische Familien gezwungen, in das
Gebäude der jüdischen Schule in der Geilingstraße umzuziehen (Mitglieder der
Familien Isenberg, Lichtenstein, Rosenstock und Meyerhoff). Sie wurden im Juli
1942 abgeholt und über Kassel in die Vernichtungslager des Ostens
deportiert.
Von den in Volkmarsen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Baum geb.
Schwarz (1868), Rose (Roda) Bonnin geb. Schwarz (1869), Else Daltrop geb. Baruch
(1887), Minna Falk geb. Baruch (1885), Julie Frankenstein geb. Schwarz (1878),
Rosa Hattenbach geb. Katzenstein (1884), Margarete Heilbrunn geb. Meyerhoff
(1902), Frieda Hirschen geb. Schwarz (1882), Emilie Isenberg (1883), Selma
Joseph geb. Alsberg (1868), Herbert Levi (1931), Mathilde Levy geb. Wertheim
(1867), Inge Lichtenstein (1930), Käthe Lichtenstein geb. Frankenthal (1892),
Maich Meinhard Lichtenstein (1886), Albert (Abraham) Meyerhoff (1866), Betty
Meyerhoff geb. Oppenheim (1868), Frida Meyerhoff (1897), Lieselotte Michel
(1926), Rosa Erna Michel geb. Meyerhoff (1894), Jenny Nagel geb. Meyerhoff
(1889), Rosa Rosenstock (1882), Mathilde Schwarz
(1869).
Nach 1945 kehrte nur ein Mitglied der ehemaligen jüdischen Gemeinde nach
Deutschland zurück: Julius Meyerhoff, der 1937 nach Palästina emigriert war
und nach 1945 in Frankfurt am Main lebte.
Hinweis: Seit September 1934 war im
heutigen Volkmarser Stadtteil Külte ein
Vorbereitungslager / landwirtschaftliche Ausbildungsstätte (Hachschara)
vor allem für jüdische junge Erwachsene, die sich für die Auswanderung nach
Palästina vorbereiteten. Für eine abgeschlossene landwirtschaftliche
Ausbildung konnte man ein Zertifikat der britischen Regierung bekommen, das zur
Auswanderung nach Palästina berechtigte. In Hessen bestanden vier solche
Ausbildungsstätten: neben Külte in Grüsen
bei Gemünden an der Wohra, in Gehringshof bei Fulda und Lohnberghütte bei
Weilburg. In Külte stellte der jüdische Holzhändler Simon Strauß hierfür
sei Gelände am Külter Bahnhof kostenlos zur Verfügung. .
An Wochenenden wurde von Besuchern der SS-Führerschule im Grüßener Schloss
das Gebäude immer wieder stundenlang mit Steinen beworfen. Im August 1936 wurde
die Hachschara wieder aufgelöst.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Zum Tod von Lehrer Silberberg (1866, Lehrer in
Volkmarsen von 1832 bis 1866)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Mai 1866. Aus
Niederhessen. 18. April (1866). Wehe über die Verlorenen, die
nicht wieder gefunden werden. In diesen Klageruf wird Jeder, der den
braven Lehrer Silberberg zu Volkmarsen gekannt hat, und nun
erfährt, dass derselbe am 12. dieses Monats von dem Herrn aus diesem
Erdenleben abgerufen worden ist, mit mir einstimmen. Er war ein Lehrer,
desgleichen wir nur selten finden. Ein Mann von gediegenen Kenntnissen in
unsern heiligen Religionsschriften und allen weltlichen Wissenschaften,
wie sie unsere Zeit von einem tüchtigen Lehrer fordert, war er ein über
alles gewissenhafter Lehrer in Israel, und erhielte die besten Erfolge bei
seinen Schülern, die ihn liebten und verehrten, denn bei seinem
Unterrichte war Ernst mit Liebe gepaart, und bei seiner Behandlung der
Kinder gab sich überall kund, dass er nur die reinste Absicht habe, sie
zu guten und tüchtigen Menschen und Juden zu machen. Zur Handhabung der
Disziplin brauchte er seit Jahren keinen Stock oder andere dergleichen
körperliche Zuchtmittel; eine strenge Zensur genügte, seine Schüler zum
Eifer und Fleiß anzuspornen, und Ordnung und Sittlichkeit bei denselben
in und außer der Schule zu erhalten. Seinen Leistungen in der Schule, die
bei jeder öffentlichen Schulprüfung und Schulrevision durch den
christlichen Oberschulinspektor, sowie durch den Landrabbinen wahrzunehmen
waren - wurde auch von den vorgesetzten hohen Behörden die gebührende
Anerkennung durch Belobungsschreiben und Gratifikationen aus dem
Provinzialschulfond gezollt; was nicht minder von dem dabei anwesenden
Synagogengemeindevorstand aus der Gemeindekasse geschah. Aber nicht bloß
auf die Schuljugend, sondern auch auf alle Individuen seiner Gemeinde
strebte der brave Silberberg bei jeder sich darbietenden Gelegenheit
belehrend und anregend zu wirken, und suchte dies besonders durch die
öffentlichen Vorträge und Reden, die er an manchen Festtagen, oder bei
feierlichen Gelegenheiten hielt, zu erzielen; denn er war im wahren Sinne
des Wortes ein Gottesfürchtiger. Seine echte Religiosität, seine
gediegenen Kenntnisse, mit denen er ein wahrhaft bescheidenes und
freundliches Benehmen gegen Jedermann verband, neigten ihm die Herzen und
die Achtung aller derer zu, die mit ihm bekannt geworden; so Christen, als
Juden. Sein Dahinscheiden hat darum die Menge seiner zahlreichen Freunde
und Verehrer mit Trauer erfüllt, und Alle, denen es möglich war, nahmen
an seinem Leichenbegängnis den 15. dieses Monats, nachmittags 4 Uhr,
teil, das ein so großes war, dass der Leichenzug zwei Straßen füllte.
Man sah in demselben außer den Mitgliedern seiner Synagogengemeinde von
Jung bis Alt (die ja zumeist Schüler des Dahingeschiedenen waren) und gar
vielen Israeliten und Lehrern aus den Gemeinden der Umgegend, auch die
meisten Bürger der Stadt, von den angesehensten bis zu den Tagelöhnern
herab: der Bürgermeister, die Stadträte und andere angestellte Männer,
und an der Spitze derselben die katholischen und protestantischen Pfarrer
und Lehrer; alle erwiesen dem ihnen so werten Entschlafenen die letzte
Ehre. Der Lehrer Gutkind aus Wolfhagen hielt die Grabrede, in welcher er
unter anderem auch auf den Verlust hindeutete, der durch den Tod
Silberbergs in so manchen Kreisen und Verhältnissen, in denen derselbe
gelebt und gewirkt, empfunden werden wird. Silberberg war im Seminar zu
Kassel ausgebildet und wurde nach bestandener Prüfung von der
Kurfürstlichen Regierung als Lehrer für die Gemeinde Frankershausen
bestellt, und nach einer 1 1/2-jährigen Wirksamkeit an der Schule
daselbst, erhielt er die Lehrerstelle zu Volkmarsen, in welcher er bis zu
seinem Tode 34 Jahre lang mit einem von Gott gesegneten Erfolge wirkte. Er
wurde nur 57 Jahre alt und hinterlässt eine trauernde Witwe mit 7 zum
Teil erwachsenen Kindern, von denen 3 in Amerika sich befunden, und einer
seiner Söhne - seit 2 Jahren Zögling des Seminars zu Kassel - hat in den
letzten paar Monaten den Dienst seines Vaters versehen müssen. Das
jüngste Kind ist kaum 11 Jahre alt.
Alle echt religiösen, sowie alle wohltätigen Zwecke nach besten Kräften
zu fördern, war der Verewigte stets tätig. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens. 'Das Andenken des Frommen bleibt
zum Segen!' W." |
Zum Tod von Lehrer Tannenbaum in Wanfried mit nochmaligem Eingehen auf den Tod
seines Freundes Lehrer Silberberg in Volkmarsen (1866)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1866: "Aus
Niederhessen, am 4. Juni (1866). Erst wenige Wochen sind verstrichen,
seitdem ich dem verewigten teuren Kollegen Silberberg zu Volkmarsen in
diesen Blättern (Nr. 18) ein Denkmal gesetzt und schon wieder tritt die
traurige Pflicht an mich heran, ein gleiches dem geschätzten - am 30.
vorigen Monats entschlummerten - Amtsbruder Tannenbaum zu Wanfried zu
stiften. Von dem so nahe aufeinander erfolgten Tod dieser beiden Freunde
könnte man in mehrfacher Beziehung die Worte Davids sagen: 'Die Geliebten
und Holden in ihrem Leben, auch in ihrem Tode sind sie nicht getrennt'
(2. Samuel 1,23). Sie waren von der Zeit ihres gleichzeitigen Besuches der
israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Kassel miteinander befreundet;
beiden waren von echtem Schrot und Korn, gediegen in Kenntnissen unserer
heiligen Tora und in den weltlichen Wissenschaften; beide gottesfürchtige
Männer..., echt-religiös und von ihrem heiligen Berufe als Lehrer in
Israel erfüllt; beide für die Schule rastlos tätig, welche
übermäßige Anstrengung vielleicht ihren frühen Tod (denn auch Tannenbaum
hat noch nicht das 60. Lebensjahr erreicht) teilweise herbeigeführt;
beide waren wegen ihrer Kenntnisse bei Juden und Christen geschätzt, und
in Folge ihres menschenfreundlichen bescheidenen Benehmens geliebt. Sie
gingen kurz nacheinander in die friedlichen Räume der Seligen ein, um mit
diesen von ihren Arbeiten auszurufen und die süßen Früchte ihrer Taten
zu genießen. 'Rühmet den Gerechten, denn ihm geht es gut, denn die
Frucht ihrer Werke werden sie essen' (Jesaja 3,10). Auch bei
Tannenbaums Leichenbegängnis, das am 1. dieses Monats - Gerade an dem
nämlichen Tage, an welchem vor zwei Jahren seine 25jährige
Amtstätigkeit in der Gemeinde Wanfried gefeiert wurde (siehe das Referat
über dieses Jubiläum im Jahrgang 1864 dieser geschätzten Zeitschrift) -
stattfand, zeigte sich eben dieselbe allgemeine Teilnahme an dem Heimgange
des treuen Lehrers, Freundes und trefflichen Mitbruders.
Tannenbaum, im Jahre 1807 zu Mansbach in der Provinz Fulda geboren,
bekleidete als angehender Jüngling schon - natürlich in alter Weise,
eine Privatlehrerstelle in der kleinen israelitischen Gemeinde Malsfeld
Kreis Melsungen. Er war dabei auf Vermehrung seiner Kenntnisse stets
bedacht, studierte fleißig die Bibel mit den gangbarsten Kommentaren,
sowie auch andere Schriften der rabbinischen Literatur; und um sich für
das damals gegründete israelitische Seminar zu Kassel vorzubereiten,
erhielt er auf sein Ansuchen von dem Pfarrer des Ortes, der dem liebenswürdigen,
ebenso lerneifrigen, als talentvollen Jüngling sehr gewogen war, einen
erweiterten Unterricht in den deutschen Fächern. Mit guten Kenntnissen
ausgerüstet, meldete er sich zur Aufnahme in das Kasseler Seminar, die
man ihm aber, weil diese Anstalt nur für Niederhessen und nicht auch für
die anderen 3 Provinzen Kurhessens, da sie nichts zu den Kosten derselben
beitragen, vorhanden, nicht gewährt hätte, wenn nicht der damalige
Oberlehrer Herr Rosenbach seligen Andenkens, der bei der
Rezeptionsprüfung die gediegenen Kenntnisse und die guten Anlagen
Tannebaums wahrgenommen, ihm die unentgeltliche Aufnahme bewirkt hätte.
In dieser Pflanzstätte bildete er sich zu einem tüchtigen Lehrer aus,
als welcher er, nachdem am Ende des dreijährigen Kursus bestandenen
Examen, für die israelitische Gemeinde Spangenberg von Kurfürstlicher Regierung
bestellt wurde. Nach neunjähriger erfolgreicher Amtswirksamkeit daselbst,
- während welcher Zeit er sich mit einer braven Jungfrau aus seiner
Gemeinde verheiratete, - wurde er in Folge seiner Bewerbung nach der Stadt
Wanfried versetzt, in welcher Gemeinde er 27 Jahre lang segensreich
wirkte, bis ihn der Herr abrief. Von seinen eklatanten Leistungen zeugen
die vielen Belobungsschreiben und Gratifikationen, die ihm in Folge der
Schulvisitationsberichte von den hohen Behörden geworden. Vom Herrn
Kreisrabbiner Wetzlar - sein Licht leuchte - zu Gudensberg wurde ihm, als
er noch Lehrer in Spangenberg war, der Chower-Titel verliehen. Bei
seiner |
Funktion
als Chasan (Vorsänger) wurden die Betenden durch seinen ebenso
andachts- als klangvollen Vortrag mit ihm zur Andacht gestimmt.
Von seinen 4 Söhnen haben 3 sich dem Berufe des Vaters gewidmet. Leider
sind 2 derselben kurze Zeit nach dem Eintritt ins Lehramt, der eine nach 1
1/2 - und der andere nach kaum einjähriger Dienstzeit aus dem Erdenleben
geschieden; nur einer noch fungiert als Lehrer im Königreich Hannover;
der vierte Sohn ist jetzt im Begriff, sich als Buchbinder zu etablieren,
und die einzige Tochter, einige und zwanzig Jahre alt, ist noch bei der
Mutter. Westheim." |
25jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Joseph Wertheim (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Dezember 1891: "Volkmarsen
(Hessen Nassau), 15. November (1891). Heute wurde das 25-jährige
Dienstjubiläum unseres hochverehrten Lehrers Joseph Wertheim durch die
Schüler und die Gemeinde festlich begangen, welche denselben außerdem
reichlich beschenkten. Das Fest begann mit einem feierlichen Schulakt. Während
des ganzen Tages erschienen die Gemeindemitglieder, ehemalige Schüler und
Schülerinnen des Ortes, selbst zahlreiche christliche Bürger, namentlich
die Spitzen der Stadt sowie mehrere Lehrer, Schüler und Fremde aus der
Umgegend. Abends fand im Schullokale eine gemeinsame Gemeindefeier statt;
Vorträge humoristischen und ernsten Inhaltes wechselten hier ab.
Möge es dem im kräftigsten Mannesalter stehenden Jubilar vergönnte
sein, auch dereinst im Kreise seiner lieben Familie und unserer Gemeinde
sein 50-jähriges Jubiläum in derselben Geistesfrische und Körperkraft
zu feiern." |
50-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Joseph Wertheim (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1908:
"Volkmarsen, 25. März (1908). Am 8. April feiert der allverehrte
Lehrer und Kantor unserer Gemeinde, Herr Joseph Wertheim, sein 50jähriges
Amtsjubiläum. Wie man hört, rüstet sich die Gemeinde, diesen Ehrentag
ihres pflichttreuen Beamten durch eine entsprechende Feier zu
begehen." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1908: "Volkmarsen,
Regierungsbezirk Kassel, 20. April (1908). Eine Kundgebung herzlichster
Sympathie und Wertschätzung darf die 50jährige Jubiläumsfeier des Herrn
Lehrers Josef Wertheim, die am 8. April in unserer Gemeinde unter
Teilnahme der gesamten Einwohnerschaft und der Spitzen der Behörden
begangen wurde, genannt werden. Der Bürgermeister mit den
Stadtverordneten, der katholische und evangelische Ortsgeistliche und der
Amtsgerichtsrat nahmen alle persönlich an der Jubelfeier teil. Gegen 11
Uhr erschien in der Wohnung des Jubilars in Begleitung des Königlichen
Ortsschulinspektors der königliche Kreisschulinspektor, Herr Metropolitan
Jakobi - Wolfhagen, der im Auftrage des dienstlich verhinderten Landrats
mit herzlich anerkennenden Worten, die von Seiner Majestät Allerhöchst
verliehene Auszeichnung, den Adler der Inhaber des Hohenzollernschen
Hausordens mit der Zahl 50 dem Jubilar überreicht. Hieran reihte sich der
Festgottesdienst, der in erhebend feierlicher Weise durch gesangliche
Vorträge der Herrn Oberkantor Witepski - Kassel und Lehrer Wertheim -
Hannoversch-Münden (Sohn des Jubilars) der Weihe stimmungsvollen Ausdruck
verlieh. Herr Landrabbiner Dr. Doktor- Kassel feierte in seiner Festrede
das verdienstvolle Wirken des Jubilars im Dienste der Gemeinde. Nach beendigtem
Gottesdienst begaben sich sämtliche Festteilnehmer im geschlossenen Zuge
in den Bielefeld'schen Saal, wo die offizielle Schulfeier stattfand und
die Vertreter der Behörden und verschiedenen Korporationen dem Jubilar
ihre Glückwünsche darbrachten. Auch viele Delegierte und Deputationen
aus Vereinen und Lehrerkreisen überbrachten Adressen und Ehrengaben. Tief
gerührt dankte der Jubilar für die vielen Zeichen der Liebe und Anhänglichkeit,
die ihm entgegengebracht wurden. Ein solennes Mahl vereinigte nunmehr die
Festteilnehmer in gehobener Stimmung. Möge es dem Jubilar vergönnt sein,
sich noch eine lange Reihe von Jahren voller körperlicher und geistiger
Frische, und eines heiteren, sonnigen Lebensabends zu erfreuen." |
Goldene Hochzeit von Lehrer Joseph Wertheim und seiner
Frau Jettchen geb. Abt (1913)
Lehrer Wertheim zog nach der Pensionierung 1909 mit seiner
Frau nach Frankenberg, um hier den
Lebensabend bei seiner Tochter Helene und dem Schwiegersohn Salli Marx zu
verbringen. Salli und Helene Marx geb. Wertheim hatten im Juni 1904 geheiratet
und führten ein Textilgeschäft in der Bahnhofstraße. Nach ihrem Tod 1917 bzw.
1914 wurden Joseph Wertheim und seine Ehefrau nach Volkmarsen überführt
und auf dem dortigen jüdischen Friedhof bestattet (siehe Berichte unten),
vermutlich aus dem Grunde, weil Joseph Wertheim über 40 Jahre an der israelitischen
Schule in Volkmarsen unterrichtet hatte. Geboren war er 1839 in Gudensberg,
seine Frau Jettchen geb. Abt (geb. 1841) stammte aus Melsungen.
Salli und Helene Marx emigrierten Ende der 1930er Jahre nach Johannesburg, Südafrika.
(Angaben von Dr. Horst Hecker, Frankenberg)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. September
1913: "Frankenberg (Kurhessen). Am 2. September feierte der
emeritierte israelitische Lehrer Joseph Wertheim mit seiner Gattin
Jettchen geb. Abt das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide erfreuen
sich noch einer besonderen körperlichen und auch geistigen
Frische.
Lehrer Wertheim ist eine in Lehrerkreisen sehr geschätzte Persönlichkeit.
Er kann auf eine fast 52-jährige segensreiche Amtstätigkeit
zurückblicken, wovon 8 Jahre auf Beiseförth
von 1858-1866 und 43 Jahre auf Volkmarsen von 1866-1909 entfallen. Bei
seinem Dienstaustritt wurde ihm der Adler der Inhaber des
Hohenzollern'schen Hausordens verliehen. Das Jubelpaar hat es verstanden,
durch sein loyales, menschenfreundliches Wesen sich die allgemeine
Wertschätzung zu erringen, was sich in geradezu hervorragender Weise bei
seinem 50-jährigen Amtsjubiläum gezeigt hat." |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September
1913: "Frankenberg, 29. August (1913). Am 2. September feiern
der Lehrer a.D. Joseph Wertheim und Frau Jettchen geb. Abt das schöne
Fest der goldenen Hochzeit. Die Jubilare erfreuen sich der besten
körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische. Lehrer Wertheim stand 50
Jahre segensreich im kurhessischen öffentlichen Schuldienste; 7 Jahre in Beiseförth
und 43 Jahre in Volkmarsen. Unter großer Anteilnahme der
Bürgerschaft, der hessischen Lehrerschaft, auch zahlreicher Schüler und
Schülerinnen, die von nah und fern herbeigeeilt waren, wurde vor drei
Jahren in der Gemeinde Volkmarsen das 50-jährige Dienstjubiläum
feierlichst begangen: der König verlieh ihm den Adlerorden. Lehrer
Wertheim war auch Mitbegründer der hessischen
Lehrerkonferenz." |
Zum Tod von Jettchen Wertheim geb. Abt, Frau von Lehrer Joseph Wertheim (1914)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Dezember
1914: "Volkmarsen (Regierungsbezirk Kassel). Eine
verehrungswürdige Frau ist am 30. Cheschwon (es gab im Jahr
1914 nur den 29. Cheschwan = 18. November 1914) hier zu Grabe getragen
worden. Frau Jettchen Wertheim, geborene Abt, Ehefrau des Lehrers a.D.
Joseph Wertheim, an dessen Seite ihr 51 Jahre zu leben und als Esches-Chajil
(wackere Frau) zu wirken vergönnt gewesen war, wurde hier, wo sie 41
Jahre ihres Lebens verbracht hatte, zur ewigen Ruhe geleitet.
In Hannoversch-Münden, wo sie bei ihrem Sohne zu Besuch weilte, hat sie
plötzlich der Tod dem trauten Familienkreise entrissen. Dort gab Lehrer
Schwahm - Dransfeld der tiefen Trauer Ausdruck, die alle jetzt erfüllt,
die ihr im Leben nahe gestanden: ihr Mann, ihre Kinder und Enkel. Ihr Mann
über alles. Könnte man die Sorgen, die Mühen, die Liebestaten
nachrechnen, die sie dem Gatten geweiht hat, als sein Kamerad, sein Arzt,
als seine Priesterin, - die Endsumme würde Legion. Sie und ihr Mann, das
war eine Welt für sich, gefüllt, besonnt und bestrahlt von Vertrauen,
Liebe und Gebefreude. - Und dann kamen die Kinder und die Enkel, wie
dachte sie an sie - sann sie darauf, sie zu betreuen und zu erfreuen. So
ward ihr ihr Haus zum Schloss, ihr Mann zum Fürsten drin, ihre Kinder zu
Prinzen und Prinzessinnen, weil sie das Leben liebte und ihm gar Schönes
abzugewinnen verstand. Und wie strahlte sie allwöchentlich, wenn der
Schabbos einzog. 'Der liebe gut Schabbos' waren fast jedes Mal Worte, mit
denen sie ihre Kinder auf das köstliche Geschenk hinwies, das uns Gott
gegeben und jedem einschärfte, den Schabbos nie preiszugeben. So blieb
sie jung, auch im höheren Alter, stark und fest bis zum 73. Geburtstag,
der dem Todestag vorausgegangen.
Hier in Volkmarsen hatte man die Bahre ins Lehrerhaus gebracht, wo
Lehrer Rosenbaum, Zierenberg, der
Verklärten tief empfundene Abschiedsworte widmete.
Am Grab sprach sodann Lehrer Stern aus Volkmarsen und gedachte
nochmals der edlen Tugenden, des religiösen Sinnes und der vielen
Liebesgaben, die die Dahingeschiedene den Armen und Hungrigen gespendet.
Stirbt der Fromme, so stirbt er seinem Zeitalter, und eine wahrhaft Fromme
war sie, deren Andenken unvergesslich bleiben wird.
Das große Gefolge gab beredtes Zeugnis von der Liebe und Verehrung, deren
sich die Verstorbene in weiten Kreisen der Orts- und Nachbarbevölkerung
erfreute." |
Zum Tod von Lehrer Josef Wertheim (1917)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Februar 1917:
"Volkmarsen, 2. Februar (1917). Am 24. vorigen Monats wurde
hier der Nestor der israelitischen Lehrerschaft der Provinz Hessen, unser
ehrwürdiger Lehrer Herr Josef Wertheim, im 78. Lebensjahre zu Grabe
getragen. Über 46 Jahre wirkte er segensreich in unserer Gemeinde und
vorher acht Jahre in Beiseförth.
Drei Generationen von Schülern hat er herangebildet und unserer Gemeinde
in Treue mit klugem Rat und allzeit bereiter Tat zur Verfügung gestanden.
Zu den Füßen von Rabbi Mordechai Wetzlar seligen Andenkens in Gudensberg
- seinem Geburtsort - hat er gelernt. Seine Kinder hat er im Verein mit
einer liebevollen, verständnisreichen Gattin zu wackeren Juden erzogen.
Was er in unserer Gemeinde geleistet, den Kleinen und den Großen, fünf
Jahrzehnte lang, das wird ihm nie vergessen werden. Einer seltenen Wertschätzung
und Verehrung erfreute sich der Heimgegangene in der gesamten
Bürgerschaft, die ihn anlässlich seines goldenen Jubiläums im Jahre
1908 in hohem Maße ehrte. Das bewies auch das große Trauergefolge. Auch
die Stadt beklagt einen der besten ihrer Männer. In den letzten Jahren
hatte er den Schmerz, die geliebte Gattin, einen erwachsenen Sohn, Lehrer
in Neustadt, und einen Schwiegersohn, Lehrer Levy in Dresden, zu
verlieren. Sein Gottvertrauen hielt ihn hoch und geistesfrisch bis in die
letzten Lebenstage. An seinem Grabe sprachen Lehrer Flörsheim
(Wolfshagen) namens der Verwandten Worte des Dankes und des Abschieds,
ferner Herr Gottfried Goldschmidt (Halberstadt) und zuletzt der Sohn Herr
Lehrer Wertheim aus Hannoversch-Münden. Januach beschalom - er ruhe in
Frieden." |
| Bei dem im Text genannten Lehrer Wertheim
aus Hannoversch-Münden handelte es sich vermutlich um Lehrer Adolf
Wertheim. |
Lehrer Ferdinand Stern wechselt von Volkmarsen nach Frankenberg (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1915: "Frankenberg,
Hessisch-Nassau, 10. Januar (1915). Die Besetzung der hiesigen
israelitischen Lehrer und Vorsängerstelle ist durch den Herrn Lehrer F.
Stern, seither an der Privat-Elementarschule zu Volkmarsen, auf
Wunsch der hiesigen Synagogen-Gemeinde durch Königliche Regierung zu
Kassel bestätigt worden. - Letzten Dienstag wurde Herr Stern durch
den Kreisschulinspektor Herrn Pfarrer Koch dahier in sein Amt eingeführt.
Andern Tags, Mittwoch, übertrug Provinzialrabbiner Dr. Munk - Marburg, den
Religionsunterricht, welcher seit Pfingsten vorigen Jahres ausgesetzt
gewesen, während die Kinder am Elementarunterricht in der christlichen,
evangelischen Stadtschule teilgenommen, in Gegenwart sämtlicher
Religionsschüler an Herrn Stern. Beim Abendgottesdienst am selben Tage
wurde Herr Stern als Vorsänger vor versammelter Gemeinde
eingeführt." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Drillingsgeburt bei Familie Isenberg
1876)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1876: "Niedenstein.
In Volkmarsen, Regierungsbezirk Kassel, ist die Frau des Metzgers
S. Isenberg mit Drillingen, drei gesunden Knaben, am 14. vorigen Monats
niedergekommen. Vor ca. 1 1/2 Jahren ist dieselbe von Zwillingen entbunden
worden, die ebenfalls leben. Da die Familie Isenberg nicht mit irdischen
Gütern gesegnet, so könnte durch die Bekanntmachung in Ihrem
geschätzten Blatte wohl manche wohlhabende Frau bestimmt werden,
entsprechende Gaben an dieselbe gelangen zu
lassen." |
Zum 88. Geburtstag von Feist Blumenberg (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1927: "Wolfhagen,
14. November (1927). Seinen 88. Geburtstag beging in bester Rüstigkeit
und Geistesfrische Herr Feist Blumenberg, der älteste Einwohner im nahen Volkmarsen,
der in der ganzen Gegend beliebt und geachtet
ist." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Frl. M. Schwarz (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1901: "Ein
tüchtiges gewandtes gebildetes Fräulein, welches mit sämtlichen
häuslichen Pflichten vertraut, im Kochen, Backen und dergleichen durchaus
perfekt, sowie auch gleichzeitig in allen schönen Handarbeiten und
gesellschaftlich gründlich ausgebildet ist, sucht in einer
besseren Familie als Stütze, Gesellschafterin oder bei feineren Herrn als
Repräsentantin sofortiges Engagement. Briefe erbeten an
Frl. M. Schwarz, Volkmarsen bei Kassel." |
Anzeige von Tilly Schwarz (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1902:
"Junge, weltgewandte heitere Hausdame, äußerst tüchtig,
sucht selbstständiges Engagement. Einzelner Herr bevorzugt.
Tilly Schwarz, Volkmarsen bei Kassel." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser
vorhanden.
Eine Synagoge konnte vermutlich noch vor der Mitte des 19.
Jahrhunderts erstellt werden. Erbaut wurde ein zweigeschossiges Fachwerkhaus
mit einem Satteldach.
In zwei Artikeln aus jüdischen Periodika erfährt man über
Einrichtungsgegenstände in der Synagoge:
Lehrer Joseph Wertheim sucht einen mehrarmigen Kronleuchter für
die Synagoge (1876)
Anmerkung: es ist nicht klar, ob Lehrer Wertheim den Kronleuchter für die
Synagoge in Volkmarsen gesucht hat, möglicherweise auch für eine Gemeinde in
der Umgebung.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1876:
"In einer kleinen Gemeinde wird ein mehrarmiger Kronenleuchter (Menorah)
zu kaufen gesucht und wird ein löblicher Vorstand, in dessen Gemeinde
vielleicht durch einen Synagogen-Neubau ein solcher Leuchter überzählig
geworden, höflichst gebeten, dem Unterzeichneten gefälligst davon
Nachricht geben zu wollen.
J. Wertheim, Lehrer zu Volkmarsen, Regierungsbezirk
Kassel." |
Beschneidungsbank aus der Synagoge in Volkmarsen
(Artikel von 1929)
Artikel in der Zeitschrift "Der Morgen"
von 1929 S. 18: "Beschneidungsbank aus der Synagoge Volkmarsen.
Die Bestimmung ergibt die Inschrift. Über dem linken Platz - der rechte
dient dem Gevatter zum Sitzen - stehen die Worte: 'dies ist der Thron des
Propheten Elijahu, dessen zum Guten gedacht sei!' Wie bei dem
Erinnerungsmahl an die Befreiung aus dem Diensthause Ägyptens ein Platz
am Tische freigehalten wird für den Propheten Elijahu, so wird auch hier
für jenen schicksalsschwangeren Moment, in dem über einem neuen Gliede
der alten Gemeinschaft das 'Gesegnet, der da kommt' gesprochen wird, in
ewiger Spannung auf den erbetenen Anbruch der Erlösung ein Platz
freigehalten für den ersehnten Vorläufer des Messias. Rechts und
darunter haben die Eltern, die die Bank stifteten, Namen und Jahr
angegeben; das Jahr chronogrammatisch verhüllt in dem frommen Spruch:
'die Gelübde des Herrn will ich erfüllen'. Die Auflösung ergibt 1791
oder 1821. Obwohl grade Hessen-Kassel eine Einfallspforte sowohl für den
englischen Klassizismus wie für die englische historische Gotik in
Deutschland ist (von denen beiden etwas in der Zeichnung drinsteckt), so
scheint mir doch die steife Schmächtigkeit der Formen das frühere Datum
für das Bänklein auszuschließen". |
Abbildung
links wie oben. |
Beim Novemberpogrom 1938 blieb das Synagogengebäude äußerlich
unbeschädigt. 1948 wurde das Gebäude von den Nachbesitzern zu einem
Wohnhaus umbauen. Dabei verschwanden die bisherigen Merkmale des
Synagogengebäudes. Eine Kuppel wurde angeblich entfernt und statt dessen eine
Dachgaube gesetzt. Das ehemalige Synagogengebäude ist bis zur Gegenwart, wenn
auch inzwischen mehrfach umgebaut und modernisiert, als Wohnhaus
erhalten.
Adresse/Standort der Synagoge: Baustraße
11
Fotos
(sw-Fotos und Plan aus Altaras s.Lit.)
Das Gebäude
der ehemaligen Synagoge
(Januar 1985) |
 |
 |
| |
Blick auf das
Gebäude von Südosten |
Teil der Taufseite, vom
Hof gesehen |
| |
|
|
| Plan des rituellen
Bades |
 |
|
| |
|
|
| |
|
|
Fotodokument aus der
jüdischen Geschichte
(Quelle: Encyclopedia of Jewish Life s.Lit.
Bd. III S. 536) |
 |
|
| |
Ein Rind auf dem Weg zur
Schechita |
|
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
| Januar 2009:
Ernst und Brigitte Klein
vom Verein "Rückblende - Gegen das Vergessen" erhalten den
Obermayer German Jewish History Award |
Artikel in hr-online.de vom 27. Januar 2009
(Artikel)
Wichtiger deutsch-jüdischer Geschichtspreis - Drei Nordhessen für Engagement ausgezeichnet
Der Holocaustgedenktag 2009 wird drei Nordhessen besonders stark im Gedächtnis bleiben: Im Bundestag erhalten Michael Dorhs aus
Hofgeismar und das Ehepaar Klein aus Volkmarsen den "Obermayer German Jewish History Award", weil sie sich für den Erhalt der lokalen jüdischen Geschichte engagieren.
Der evangelische Theologe Michael Dorhs engagiert sich seit seinen Studienjahren gegen das Vergessen: Damals half er beim Aufbau einer Abteilung für jüdische Geschichte im Museum Hofgeismar. Nur 20 Bücher konnten gefunden werden. Dorhs schaltete weltweit Anzeigen, in denen er Holocaust-Überlebende und die Nachkommen ehemals jüdischer Bürger aus der Region Nordhessen bat, sich mit ihm in Verbindung zu setzen und ihre Geschichte zu erzählen.
Heute, nach fast 30 Jahren. liegen Dutzende von Artikeln und sieben Bücher zur lokalen jüdischen Geschichte vor, die Dorhs publiziert hat. "Ich möchte, dass deutsche Nichtjuden das Judentum als einen Teil und eine Wurzel unserer eigenen Religion, unserer Kultur wahrnehmen. Das ist nicht ihre Geschichte, es ist auch unsere Geschichte", so Dorhs (48). Neben der sorgfältig zusammengetragenen umfangreichen Sammlung von Daten, persönlichen Gegenständen, Fotos und Dokumenten hat Dorhs im Stadtmuseum Hofgeismar einen Raum eingerichtet, in dem eine große Zeittafel die Schicksale der ehemaligen jüdischen Bürger der Region dokumentiert.
Ernst und Brigitte Klein, Volkmarsen. Seit 1985 hat sich das Ehepaar Klein für den Aufbau von deutsch-jüdischen Beziehungen engagiert. Sie gründeten zusammen mit Interessierten den gemeinnützigen Verein "Rückblende – Gegen das Vergessen e.V." Die engagierten Bürger stellten den jüdischen Friedhof der Stadt wieder her und bauten ein Informationszentrum zur jüdischen Geschichte auf. Als Hauptaufgabe ihrer Arbeit sehen sie aber die Suche nach Angehörigen ehemaliger Volkmarser Juden an. Daraus haben sich schon enge Verbindungen ergeben. Seit 1996 besuchen jüdische Familien aus aller Welt, von Australien bis Israel, von Seattle bis New York auf Initiative des Vereins die nordhessische Stadt. Während dieser Begegnungswochen sind die Besucher privat untergebracht. Freundschaften sind entstanden und vor allem - Gesichten sind erzählt worden, die vorher keiner auch nur erahnte.
Heute hat der Verein mit seinen über 125 Mitglieder in 30 Orten der Region viel erreicht: Der Eingang des Volkmarser jüdischen Friedhofs, auf dem die Nationalsozialisten im Krieg 118 Grabsteine zerstört hatten, ist neu gestaltet, eine 18 Meter lange Gedenkmauer erinnert an die während der Shoah ums Leben gekommenen Juden.
Ernst und Brigitte Klein halfen bei Einrichtung einer Geschichtswerkstatt zum Thema der Volkmarser Juden, in der eine Ständige Ausstellung Dokumente und Geschichten von Überlebenden zeigt. Sie sind für ihre Arbeit schon geehrt worden: Im November 2008 erhielten beide die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und Ernst Klein das Verdienstkreuz am Bande.
Die Auszeichnung. Mit dem "German Jewish History Award" werden Deutsche geehrt, die aus eigener Initiative herausragende Beiträge zur Dokumentation jüdischer Geschichte und Kultur in Deutschland leisten. Die Auszeichnung trägt den Namen des jüdischen Geschäftsmannes Arthur Obermayer, dessen Eltern in den 30er Jahren aus Deutschland in die USA auswanderten. Mit seiner in den USA angesiedelten Stiftung will Obermayer das Ansehen der Deutschen im Ausland verbessern. Der Preis ist dotiert, über die Höhe macht die Obermayer-Foundation keine Angaben. An dem Festakt im Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses nimmt auch der Unternehmer und Präsident der Stiftung, Arthur Obermayer, teil.
Neben Michael Dorhs und dem Ehepaar Klein werden 2009 Hans-Dieter Arntz (Euskirchen), Klaus Dietermann (Netphen) und Bernhard Gelderblom (Hameln) ausgezeichnet. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 329-331. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 70. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 68 (neue Informationen zum
rituellen Bad). |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007 S.
187-188. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 221. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 535-537. |
 | Michael Winkelmann: Die Hachscharah in Külte. In:
Renate Knigge-Tesche/Axel Ulrich (Hrsg.): Verfolgung und
Widerstand in Hessen 1933-1945. Eichborn Verlag Frankfurt am Main 1996 S.
102-112.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Volkmarsen
Hesse-Nassau. Established in the 17th century, the community, which maintained a
synagogue and an elementary school, numbered 169 (about 6 % of the total) in
1855. Affiliated with the Kassel rabbinate, it dwindled to 34 in 1933. The Jews
mostly emigrated, disposing of their synagogue in 1937; the last eight perished
after they were deported to the east in 1942.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|