Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Sielen bestand eine kleine jüdische
Gemeinde im 19. Jahrhundert. Da es sich insgesamt nur um wenige jüdische
Familien handelte, deren Zahl gegen Ende des 19. Jahrhunderts schnell
zurückgegangen ist, war sie als Filialgemeinde mit der Gemeinde Niedermeiser
verbunden.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1835 38 jüdische Einwohner, 1861 48, 1905 14.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, zeitweise eine Religionsschule
und ein Friedhof.
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.
1924/32 lebten noch vier jüdische Personen der Familie Kanter sowie
Bertha Herzstein in Sielen.
Vorsteher der immer noch offiziell als "Synagogengemeinde"
aufgelisteten Ortes war 1932 Hermann Kanter. Hermann Kanther und Bertha
Herzstein betrieben Gemischtwarengeschäfte, die sie 1934 beziehungsweise 1936
unter dem Druck der NS-Zeit verkauft haben. Bertha Herzstein zog 1935 zu
Verwandten nach Hamburg, Hermann Kanter 1936 nach Emmerich.
Von den in Sielen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ferdinand Herzstein
(1868).
Zur Geschichte der Synagoge
Bei der Synagoge in Sielen handelte es sich um den Anbau eines
Fachwerkhauses aus dem 17. Jahrhundert. Dieses Fachwerkhaus gehörte 1817 dem
Moses Herzbach. In seinem Haus war bereits seit etwa 1807 eine Betstube für
die Gottesdienste der Gemeinde vorhanden. 1817 beantragten 7 jüdische
Familien bei den Behörden die Genehmigung für den Bau einer Synagoge,
die als Anbau an das Haus des Mose Herzbach entstehen sollte. Herzbach stellte
für den Bau seinen Garten kostenlos zur Verfügung. Die Genehmigung wurde
erteilt; wenig später konnte die Synagoge erbaut und eingeweiht werden.
Adresse/Standort der Synagoge: Oberer
Weg 20 (1932
Obere Dorfstr. 92 1/2)
Fotos
(Quelle: Altaras 1988 S. 45 beziehungsweise Remde im
eigenen Land s.Lit. S. 84; neuere Fotos: Hahn,
Aufnahmedatum 16.6.2008)
| Das Synagogengebäude um
1930 |
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Die Synagoge
(verputztes Gebäude, rechts Ausschnittvergrößerung) entstand 1817 als
Anbau zu einem älteren Fachwerkhaus (auf dem Foto oben rechts des
Synagogengebäudes); die Fenster des ehemaligen Betsaales sind nach dem
Foto oben noch im ursprünglichen Zustand. |
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Eingangstür mit
Portalinschrift, beginnend mit Psalm 118,19-20 (hebräisch): "Öffnet
mir
die Pforten des Heils, ich will durch sie eintreten, den Ewigen
priesen. Dies ist die Pforte
des Ewigen, Gerechte treten da ein". |
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Das ehemalige
Synagogengebäude 1985 |
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Das ehemalige
Synagogengebäude im März 1985; der ursprüngliche Eingang an der
Giebelseite nahe der Ecke ist noch im Fachwerk zu sehen. |
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Das ehemalige
Synagogengebäude
im Juni 2008 |
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Zu den Fotos
vergleiche die Beschreibungen oben |
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Hinweistafel |