Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Meimbressen (Gemeinde Calden, Kreis Kassel)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Meimbressen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Doch lebten bereits im 14. Jahrhundert einige jüdische Personen in der Stadt (um 1356). Mitte des 17. Jahrhunderts ließen sich vermutlich einige polnisch-jüdische Flüchtlinge in Meimbressen nieder, die vor den Chmelnitzki-Unruhen (1648) geflohen waren. Bestimmte gottesdienstliche Traditionen in der Gemeinde erinnerten weiterhin an polnische Gebräuche. 1747 wurden 50 jüdische Einwohner gezählt (12 Männer, 14 Frauen, 13 Söhne, 11 Töchter). 
 
Aus Meimbressen stammte Rabbiner Moses Joseph Michel Kugelmann, der 1779 bis 1793 Landrabbiner in Kassel war.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1835 98 jüdische Einwohner, 1844 119, 1861 134 (18,2 % von insgesamt 736 Einwohnern), 1871 97 (15,4 % von 630), 1885 105 (16,7 % von 630), 1895 117 (19,7 % von 594), 1905 92 (15,3 % von 601). Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein lebten die jüdischen Familien überwiegend vom Vieh- und Warenhandel; einige waren als Metzger tätig. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auch einige jüdische Handwerber (je ein Schneider, Buchbinder und einen Petschaftstecher)

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (1844 bis 1934 Israelitische Elementarschule), ein rituelles Bad und ein noch im 17. Jahrhundert angelegter Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibung der Stelle unten von 1878). Um 1865 wird als Lehrer J. Eichengrün genannt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.   

Die Israelitische Elementarschule in Meimbressen wurde im September 1844 auf Anregung des damaligen Rabbiners Dr. Roman (Kassel) gegründet. Der erste Lehrer A. Rotschild (bis 1846) hatte 11 Jungen und 13 Mädchen zu unterrichten. Damals lebte auch noch der alte Lehrer der Gemeinde, ein polnischer "Rebbe" namens Wolff Katz, der 1857 im Alter von 90 Jahren starb. Weitere Lehrer an der Elementarschule waren im 19. Jahrhundert: Lehrer Lissauer (1847-1852), Michel Fackenheim aus Lispenhausen (nach 1853), Isaac Eichengrün aus Niedenstein (1858-1875), (Lehrer Müller (bis 1877), Abraham Hammerschlag aus Falkenberg (1878 bis zu seinem Tod 1908, siehe Berichte unten), Herbold Löwenstein (von 1909-1934). In den 1920er-Jahren hatte die Schule nur noch wenige Schüler. Sie blieb dennoch bis zur ihrer Aufhebung 1934 bestehen, da es die damals einzige jüdische Schule im Kreis Hofgeismar war.   
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Louis Goldwein (geb. 3.5.1884 in Meimbressen, gef. 21.9.1915). Außerdem sind gefallen: Harry Perlstein (geb. 11.3.1892 in Meimbressen, vor 1914 in Kassel wohnhaft, gef. 12.8.1917) und Simon Perlstein (geb. 17.4.1876 in Meimbressen, vor 1914 in Kassel wohnhaft, gef. 30.3.1917).    
 
Um 1924, als 78 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (12,3 % von insgesamt 632 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Jakob Frankenberg und Jakob Vosenberg. Als Lehrer, Kantor und Schochet war der bereits genannte Lehrer Herbold Löwenstein tätig. Er erteilte in Meimbressen sieben Kinder den Unterricht. Auch in einigen umliegenden Orten war er als Religionslehrer tätig. 1932 waren die Gemeindevorsteher Jakob Frankenberg (1. Vors.), J. Voremberg I (2. Vors.) und Leopold Goldwein (Schatzmeister). Lehrer Herbold Löwenstein unterrichtete inzwischen wieder elf Kinder. An jüdischen Vereinen gab es die Wohlfahrtsvereine Chewrah Gemilus Chesed (1932 unter Leitung von Levy Frankenberg) und den Frauenverein Chewras Noschim (1932 unter Leitung von Ida Goldwein mit 20 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Ortsarmer und Durchreisender). 

1933 lebten noch 51 jüdische Personen in Meimbressen (9,0 % von 566 Einwohnern).
In den folgenden Jahren ist ein großer Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung, der Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Vier Familien konnten nach Palästina emigrieren, zwei in die USA, andere nach Holland und Südafrika. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Synagoge und die jüdische Schule im Inneren völlig zerstört (s.u.), jüdische Häuser und Wohnungen überfallen und verwüstet - in manchen Haushalten "gab es keine heile Tasse mehr". Wenig später wurden die letzten jüdischen Einwohner gezwungen, Meimbressen zu verlassen. Sie verzogen nach Kassel, darunter der letzte jüdische Gemeindevorsteher Jakob Frankenberg, der wie einige andere auch, von Kassel aus deportiert wurde.   

Meimbressen Hofgeismar Museum 100.jpg (116735 Byte)Von den in Meimbressen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", links: Ausschnitt Meimbressen der Gedenktafel im Stadtmuseum Hofgeismar): Viola Alexander geb. Löwenstein (1900), Gretchen Blum geb. Frankenberg (1902), Jakob Frankenberg (1871), Röschen Frankenberg geb. Kander (1880), Meta Goldmeier geb. Goldwein (1886), Arthur Goldwein (1913), Hetty (Betty) Goldwein (1894), Ida Goldwein geb. Hammerschlag (1883), Jakob Goldwein (1870), Johanna Goldwein (1900), Julie Goldwein (1893), Leopold Goldwein (1887), Levi Goldwein (1877), Levi Goldwein (28.8.1884), Marianne Goldwein (1926), Mathilde Amalie Goldwein geb. Goldwein (1888), Minna Goldwein (1887), Ruth Goldwein (1924), Sally Goldwein (1895), Toni Goldwein (1896), Kurt Hirschberg (1921), Witwe Hirschberg (), Erna Jacobs geb. Goldwein (1905), Else Jacoby (1890), Frieda Katzenberg geb. Hammerschlag (1880), Harry Löwenstein (1904), Herbold Löwenstein (1872), Rosalie Löwenstein geb. Adler (1873), Salomon Löwenstein (1871), Hilde Meyerstein geb. Löwenstein (), Rosa Rosenthal geb. Goldwein (1885), Bertha Rothenberg geb. Frankenberg (1874), Betty Sitzmann geb. Hirschberg (1892), Abraham Vorenberg (1894), Adolf Vorenberg (1889), Hannelore Vorenberg (1927), Josef Vorenberg (1927), Pinna (Bina) Vorenberg geb. Goldwein (1889), Amalie Weinberg (1863), Helene Wolff geb. Goldwein (1884).   

   
       
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1878   

Meimbressen Israelit 17071878.jpg (64447 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1878: "Die hiesige israelitische Religions- und Elementarlehrerstelle, verbunden mit Vorsängerdienste, ist vakant. Gehalt fixo jährlich 750 Mark, für Heizung 90 Mark nebst freier schöner Wohnung mit 2 Hausgärten. Einkommen außerdem für Schechita circa 100-120 Mark; weitere Nebeneinkünfte circa 200 Mark und soll bei guten Leistungen eine Gehaltserhöhung stattfinden. 
Meldungsgesuche sind alsbald an Unterzeichnete mit nötigen Zeugnissen einzureichen. 
Meimbressen, Regierungsbezirk Kassel. Die Gemeindeältesten."   
Auf diese Ausschreibung hin bewarb sich erfolgreich Lehrer Abraham Hammerschlag.    

    
25jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Abraham Hammerschlag (1903) 

Meimbressen FrfIsrFambl 06111903.jpg (16919 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. November 1903: "Meimbressen. Herr Lehrer Hammerschlag feierte dieser Tage das 25jährige Jubiläum seines hiesigen Wirkens".  

    
Zum Tod von Lehrer Abraham Hammerschlag (1908) 

Meimbressen AZJ 04121908.jpg (16841 Byte) Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Dezember 1908: "In Meimbressen (Hessen) ist der Lehrer und Kantor Abraham Hammerschlag nach 30jähriger Amtstätigkeit gestorben."  

  
Nach Ende der Israelitischen Konfessionsschule (1934, Dokument von 1939)  

Meimbressen Dok 05.jpg (59861 Byte)Dokument aus Arnsberg, Bilder S. 148: "Der Landrat - Hofgeismar, den 14. Februar 1939. An den Herrn Regierungspräsidenten in Kassel. 
Betrifft: Schulunterricht an Juden. Verfügung vom 31. Januar 1939.
Die letzte jüdische Schule in Meimbressen ist im Jahre 1934 aufgehoben worden. In den Volksschulen des Kreises ist kein jüdisches Kind mehr vorhanden. Besondere Einrichtungen für jüdische Kinder wurden nicht getroffen. Die Zahl der jüdischen Kinder unter 10 Jahren ist dazu zu gering."  

 
 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Die jüdischen Viehhändler aus Meimbressen bekommen Probleme mit der Gewerbeordnung (1911) 

Meimbressen Israelit 01061911.jpg (156039 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juli 1911: "Kassel, 28. Mai (1911). Wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung hatten sich am Montag fünf jüdische Viehhändler aus Meimbressen zu verantworten. Meimbressen ist ein Ort mit 641 Einwohnern; darunter befinden sich 20 jüdische Familien. Ein Metzger ist im Orte nicht vorhanden. Seit Jahrhunderten betreiben die jüdischen Einwohner Hausschlachterei, bis in neuester Zeit bei der Staatsanwaltschaft Beschwerden darüber eingelaufen sind. Die Angeklagten hatten nämlich die nach jüdischer Religionsvorschrift ihnen zum Genuss verbotener Teile an Christen unter Tagespreis verkauft. Die Anklage wirft ihnen vor, mit solchem Fleisch einen schwunghaften Handel getrieben zu haben, wozu ihnen keinerlei Konzession erteilt worden war. Sie hätten sich dadurch des Vergehens gegen die Gewerbeordnung schuldig gemacht und seien entsprechend zu bestrafen. Die Angeklagten bestritten aber, im Sinne der Gewerbeordnung einen Handel betrieben zu haben. Der Staatanwalt beantragte für jeden der Angeklagten 30 Mark Geldstrafe. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kaufmann, bat um Freisprechung. Das Gericht kam auch zur Freisprechung. Es begründete den Freispruch damit, dass die Angeklagten ihre Schlächtereibetriebe schon vor dem Jahre 1888 betrieben hätten. Im Jahre 1888 sei die Novelle zur Gewerbeordnung erschienen, die alle neuen Schlachtanlagen anmeldepflichtig machte. Eine nachträgliche Genehmigung von Schlachtanlagen sieht aber das Gesetz nicht vor und aus diesem Grunde müsse die Freisprechung erfolgen."

   
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     
Zum Tod von Markus Goldwein (1922) 

Meimbressen Israelit 02021922.jpg (140526 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922: "Meimbressen, 30. Januar (1922). Einen fast unersetzlichen Verlust hat unsere Gemeinde durch den Tod des Herrn Markus Goldwein erlitten. Er gehörte zu den Männern, die so recht im Judentume wurzeln und aufgehen und bei denen die Heilige Wahrheit Mittelpunkt ihres Sinnens und Denkens ist. So war auch sein leben und Wirken ein stets Werben für Gott und sein heiliges Wort. Wie gern forschte er in der Tora und in anderen heiligen Schriften! Seine liebte Lektüre war die Psalmen, deren Wortlaut er auswendig kannte und die er täglich rezitierte. Sein Herz war durchglüht für die gewissenhafte Erfüllung der Mizwos (Gebote), die er selbst mit einer Gewissenhaftigkeit ausübte, die als mustergültig bezeichnet werden muss. Mit Eifer hielt er auch die Erhaltung des regelmäßigen Gottesdienstes, den er insbesondere an Festtagen mit seiner klangreichen Stimme versah, wobei er seine Gemeinde zur tiefen Andacht hinriss. Was er in Beziehung von Wohltätigkeit gewirkt, davon darf und soll nicht gesprochen werden, dann nach seinen Grundsätzen brauchte die linke Hand nicht zu wissen, was die rechte tat. So war es denn kein Wunder, dass das Gefolge bei der Beerdigung ungewöhnlich groß war; aus weiter Ferne waren die Scharen herbeigeströmt, um den edlen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Im Hause sprach der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Karl Wolff aus Aurich, in dieser Ergriffenheit Worte des Schmerzes und des Trostes, und am Grabe schilderte Herr Lehrer Löwenstein in wohl durchdachter Rede das Leben dieses besonderen Frommen. Möge Gott die trauernde Familie nach dieser Trauer dem Leben und Streben wiedergeben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      

   
80. Geburtstag von Karoline Grünenklen geb. Hecht (1928)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1928: "Grebenstein, 11. November (1928). Am 1. November beging Frau Karoline Grünenklen geb. Hecht, im nahen Meimbressen in größter körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische ihren 80. Geburtstag."    

   
Silberne Hochzeit von Levi Frankenberg und Mathilde geb. Kander (1928)  

Meimbressen Israelit 20121928.jpg (21084 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1928: "Grebenstein, 10. Dezember (1928). Ihre Silberne Hochzeit begingen im nahen Meimbressen Herr Levi Frankenberg und Ehefrau Mathilde geb. Kander."  

     
70. Geburtstag von Jakob Vorenberg I (1929) 

Meimbressen Israelit 27061929.jpg (14027 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1929: "Meimbressen, 24. Juli 1929. Seinen 70. Geburtstag beging in größter Rüstigkeit und geistiger Frische Jakob Vorenberg I dahier."

   
70. Geburtstag von Lehrer Josef Vorenberg (1935; geb. 1865 in Meimbressen, fast 40 Jahre Lehrer in Reinheim

Reinheim Israelit 18071935.jpg (56466 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1935: "Reinheim, 14. Juli. (1935). Montag, den 22. Juli (21. Tamus) begeht Herr Lehrer Vorenberg dahier in voller, körperlicher und geistiger Frische und Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Herr Vorenberg, der nahezu vier Jahrzehnte dahier überaus segensreich wirkt, erfreut sich in allen Kreisen der größten Wertschätzung und Liebe. Möge es ihm vergönnt sein, noch viele Jahre zum Segen seiner Gemeinde und für ganz Israel zu wirken, möge ihm an der Seite seiner gleichgesinnten Gattin ein lange, an Freuden reicher Lebensabend beschieden sein. (Alles Gute) bis 120 Jahre."  

  
Zum Tod von Isak Vorenberg (1938)  

Meimbressen Israelit 17021938.jpg (50745 Byte) Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1938: "Personalien. Meimbressen, Bezirk Kassel, 13. Februar.  Am 1. des Monats (gemeint wohl am 1. Adar = 2. Februar 1938) verschied hier im Alter von 76 Jahren Isak Vorenberg. Der Heimgegangene war ein Mann des Friedens und ein Freund der Tora. Wo es galt, Awoda (Gottesdienst) und Wohltätigkeit zu üben, sah man ihn an erster Stelle. In uneigennützigster Weise versag er seit längerer Zeit den Dienst als Chasan (Vorbeter). An der Bahre sprach Herr Lehrer Kleeblatt, Kassel, und im Hause Herr Wormser, Grebenstein, Worte der Würdigung und des Trostes. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

       

   

           
Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war ein Betsaal in einem der jüdischen jüdischen Häuser eingerichtet. Vor dem Bau der Synagoge befand sich der Betsaal in Hause von Moses Goldwein. 
 
1837 beantragte der damalige Gemeindeälteste Samuel Katzenstein bei den Behörden die Genehmigung zum Bau einer Synagoge. 1841/42 konnte der Bau durchgeführt, die Synagoge am 5. November 1842 eingeweiht werden. Es handelte sich um einen langgestreckten Fachwerkbau mit steilem Sattelbach, dessen östlicher Teil die Synagoge bildete. Im westlichen Teil befanden sich die Schule und die Lehrerwohnung. Der Betsaal hatte 46 Plätze für Männer, 30 für Frauen. Bei der Synagoge stand eine Mazzenbäckerei. Grundstück und das Synagogengebäude standen im Eigentum von 16 jüdischen Gemeindegliedern - erst 1930 wurde die jüdische Gemeinde - nachdem sie als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt wurde - Besitzerin der Synagoge und des Grundstückes.
 
1926 wurde die Synagoge renoviert. Dabei erfuhr die Gemeinde Unterstützung durch die Gebrüder Rosenbaum in Uniontown/USA (Simon Rosenbaum war aus Meimbressen gebürtig) und von Max Klee (Chicago). 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Innenraum der Synagoge und die Schule vollständig zerstört, die Torarollen und die Kultgegenstände wurden in die Nebel geworfen. Nach 1945 erfolgte ein Teilabbruch des ehemaligen jüdischen Gemeindezentrums: 1949 wurde der Teil mit dem Synagogenteil abgebrochen, 1970 der Teil mit der Schule. 
 
1988 wurde ein Gedenkstein für die ehemalige Synagoge aufgestellt mit dem Text: "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir. Herr, höre meine Stimme. Ps. 130,1 und 2. Hier stand die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Meimbressen (November 1842 - November 1938). Dieses Gotteshaus wurde am 10. November 1938 durch nationalsozialistische Gewalttäter zerstört. Juden wurden vertrieben verschleppt und getötet. Dieses Unrecht wird nicht vergessen. Herr, vergibt uns unsere Schuld. Meimbressen, November 1988. Die politische Gemeinde Calden. Die evangelischen Kirchengemeinden der Gemeinde Calden. Die katholische Kirchengemeinde Calden-Grebenstein."
  
  
Adresse/Standort der SynagogeAn der Nebelbeeke 3            1932: Ortsstraße 87.
   

Fotos
(Quelle: oberes Fotos aus Arnsberg Bilder S. 148 bzw. Fremde im eigenen Land s.Lit. S. 103; Foto 1986 und Plan aus Altaras 1988 S. 44, Foto 1990 Heimatgeschichtlicher Wegweiser S. 73; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.6.2008)

Historische Aufnahme der Synagoge
(um 1927)
Meimbressen Synagoge 090.jpg (80084 Byte) Meimbressen Synagoge 091.jpg (61141 Byte)
   Blick auf das Synagogengebäude  Innenansicht, links der Toraschrein
     
Teilabbruch des Gebäudes - 
dargestellt auf Plan
Meimbressen Synagoge 121.jpg (60522 Byte)
    Der Plan zeigt das ehemalige Synagogengebäude, die abgebrochenen Teile und die übrig
 gebliebene Mitte des Synagogengebäudes, die zu einem Wohnhaus umgebaut wurde.
   
Das Wohnhaus nach dem Teilabbruch des Synagogengebäudes
(1986/1990)
Meimbressen Synagoge 120.jpg (72015 Byte) Meimbressen Synagoge 122.jpg (80874 Byte)
       Am Bildrand rechts der 1988 
aufgestellte Gedenkstein
           
Das o.g. Wohnhaus im Juni 2008 
und der Gedenkstein 
Meimbressen Synagoge 150.jpg (94788 Byte) Meimbressen Synagoge 151.jpg (107276 Byte)
      Der Gedenkstein - zum Text siehe oben
      Meimbressen Synagoge 153.jpg (120593 Byte)
      
     
   Rechts: die im Stadtmuseum Hofgeismar ausgestellte Goethe-Ausgabe war ein Bar-Mitzwa Geschenk des Lehrers Herbold Löwenstein für Sally Frankenberg, Meimbressen 1919 (Stadtmuseum Hofgeismar) Meimbressen Hofgeismar Museum 129.jpg (66037 Byte)
      

   
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

April 2010: Die Verlegung von "Stolpersteinen" ist geplant  
Artikel in der "Hessischen Allgemeinen" (hna.de) vom 24. April 2010 (Artikel): 
"Erinnerung an jüdische Mitbürger wach halten. Stolpersteine gegen das Vergessen. 
Hofgeismar.
Mit so genannten Stolpersteinen soll die Erinnerung an ermordete jüdische Mitbürger in mehreren Kommunen im Landkreis Kassel wachgehalten werden. 
Noch in diesem Jahr sollen in Grebenstein, Calden, Immenhausen und Espenau die ersten Steine verlegt werden..."    
 
 

      


   

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Calden  

Website zur Geschichte von Calden mit Seite zu Meimbressen und der jüdischen Geschichte  

Website von Meimbressen mit Seite zur jüdischen Geschichte   

Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter " Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" finden sich Stammbäume der Familien Goldwein, Vorenberg, Rosenbaum  

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Meimbressen 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 64-67.  
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 148. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 44-45.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 44-45.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 72-73. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 507-508. 
Fremde im eigenen Land. Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte der Juden in den alten Kreisen Hofgeismar, Kassel, Wolfhagen und in der Stadt Kassel. Hofgeismar 1985 S.  103 und passim.  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Meimbressen (now part of Calden) Hesse-Nasseau.  Survivors of the Chmielnicki massacres of 1648-49 reinforced the community, which adopted their Polish rite and customs. The community had a large burial ground and established a synagogue in 1842. It maintained an elementary school (1844-1934) and numbered 134 (18 % of the total) in 1861. Affiliated with Kassel's rabbinate, it declined to 51 in 1933. The interior of the synagogue was destroyed on Kristallnacht (9-10 November 1938) and by 1939 all the Jews had left, 33 emigrating. At least 15 perished in Nazi camps.  
    

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Dezember 2011