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Fritzlar
mit Cappel und Obermöllrich (Stadt Fritzlar) sowie Wabern (Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Fritzlar bestand eine jüdische Gemeinde schon im Mittelalter. Bereits um 1200 erhob der Mainzer Erzbischof von den Juden der
Stadt Steuern. Die jüdischen Familien wohnten insbesondere oder ausschließlich
in der "Judengasse" (1344 und wiederum 1367 und 1387 genannt). Die
"Judengasse" lag in dem Teil der Altstadt, der in der ersten Hälfte
des 13. Jahrhunderts ausgebaut worden ist, zwischen der Haddamar- und der
Jordansgasse. Bei der Judenverfolgung in der
Pestzeit 1348/49 wurde die Gemeinde vernichtet.
Nach der Verfolgung werden
erstmals 1379 wieder Juden in der Stadt genannt. 1463 wurden Juden in der
Vorstadt von Fritzlar, der "Neuen Stadt" aufgenommen. Die jüdischen
Familien lebten vom Geldverleih. 1467 kam es zu einem Konflikt
zwischen den Juden mit der Stadt, der den Wegzug der meisten jüdischen
Einwohner zur Folge hatte.
In den folgenden Jahrhunderten lebten nur zeitweise wenige
jüdische Familien in der Stadt. 1648 sechs jüdische Familien, 1676/79 drei
Familien, 1744 eine Familie.
Im 19. Jahrhundert kam es zur Neugründung einer jüdischen Gemeinde. Die
Zahl
der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie folgt: 1804 11 jüdische Einwohner
in vier Familien, 1827 110 jüdische Einwohner (3,8 % von insgesamt 2.882
Einwohnern), 1861 108 (3,8 % von 2.869), 1871 131 (4,5 % von 2.925), 1885 163
(5,0 % von 3.239), 1905 148 (4,3 % von 3.448).
Zur
Fritzlarer Gemeinde gehörten auch die in Cappel und Wabern lebenden jüdischen
Einwohner (in Cappel: 1835 2, 1861 9, 1905 8 Personen; in Wabern 1861 2, 1911 11
Juden), in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch die in Obermöllrich lebenden
jüdischen Personen (1835 26, 1861 33).
In der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es vorübergehend zu einer Spaltung der
jüdischen Gemeinde. Bis dahin war die Gemeinde zeitweise Sitz
eines Kreisrabbinates gewesen. Rabbiner Mordechai
Wetzlar, der 1830 als Kreisrabbiner in Fritzlar gewählt worden war,
verlegte auf Grund der Spannungen in der Gemeinde den Sitz des Rabbinates nach Gudensberg,
wo er 46 Jahre lang geblieben ist. Radikale Reformer (etwa 20 vermögende Familien)
hatten 1849 in Fritzlar eine eigene Gemeinde gründen wollen mit eigenem Kultus und unter Ablehnung
von Kabbala
und Talmud. Sie nannten sich "Neue Religionsgesellschaft" und beriefen
bei gleichzeitiger Ablehnung von Rabbiner Wetzlar einen eigenen Lehrer für ihre Gesellschaft, was jedoch von Seiten des
Landesrabbinats und der Regierung nicht anerkannt wurde. 1851 gelang es dem
Vorsteher der Gemeinde, Kaufmann David Stern, die Religionsgesellschaft wieder
mit der Gemeinde zu verbinden.
An Einrichtungen bestanden in der Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Religions- beziehungsweise Elementarschule (seit 1868) sowie (seit dem
18. Jahrhundert) ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An Lehrern sind bekannt: ab
1853 Samuel Weinstein, um 1865 weiterhin Samuel Weinstein, dazu J. Appel (Quelle),
ab 1869 bis 1904 Aron Katz (siehe Artikel unten), um 1914/24
Aron Neuhaus, um 1932 Gustav Kron (letzter jüdischer Lehrer in Fritzlar, siehe
Foto unten).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der
jüdischen Gemeinde Leutnant Ernst Joseph (geb. 3.8.1894 in Fritzlar, gef.
13.3.1918), Gustav Löwenstein (geb. 16.6.1899 in Fritzlar, gef. 31.8.1918) und Sally
Neugarten (geb. 17.3.1884, gef. 17.9.1915).
Um
1925 - als noch 150 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (4 % von
insgesamt etwa 3.700 Einwohnern) - waren die Vorsteher der jüdischen
Gemeinde:
Moses Lissauer und Leopold Löwenstein. Als Lehrer und Kantor wirkte der
bereits genannte Aron
Neuhaus, als Schochet Aron Mansbacher, als Synagogendiener H. Löwenstein. Die
Israelitische Volksschule wurde von 16 Kindern besucht (1932 von 11 Kindern in
vier Klassen). An jüdischen Vereinen gab es den Israelitischen
Frauenverein (gegr. 1843), den Alten Männerverein und den Jungen Männerverein
(1932 nur noch den Israelitischen Männerverein) sowie den Verein
"Humanität" (gegr. 1896, Ziel: Unterstützung hilfsbedürftiger
und
erkrankter Mitglieder"). 1932 wurden 140 jüdische Einwohner gezählt.
Inzwischen waren Leopold Löwenstein und David Löwenstein die Vorsteher der
jüdischen Gemeinde. Gustav Kron wirkte als Lehrer und Vorbeter.
Nach 1933 ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder (1933: 128 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Zu gewaltsamen
Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung kam es in Fritzlar bereits am
8. November 1938. Sie führten zu einer verstärkten Ab- und Auswanderung,
soweit diese noch möglich war. Die letzten jüdischen Einwohner wurden 1941/42
deportiert.
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| Kantor Gustav Kron und seine
Frau Selma, ermordet 1942 im KZ Chelmno |
Von den in Fritzlar geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Frieda (Friederike)
Bacharach (1880), Sophie Bacharach (1874), Sidonia Bachmann geb. Mansbach
(1899), Emilie Baruch geb. Katz (1890), Josef Baruch (1923), Julius Baruch
(1884), Ruth Rosa Baruch (1926), Sara Klara Baumann geb. Mark (1869), Paula
Boldes geb. Neugarten (1887), Emma Boley (1875), Lilli Brill geb. Mannheimer
(1910), Ilse Fried geb. Hony (1912), Johanna Fried geb. Mark (1867), Ludwig
Gutheim (1907), Julius Heilbronn (1897), Hilde (Brunhilde) Helfer geb. Kugelmann
(1916), Hedwig Chana Herze geb. Herzberg (1891), Dina Joseph geb. Hoexter (1876), Moritz Joseph
(1870), Tessy Joseph (1898), Grete Katz geb. Wolff (1911), Paula Kaufmann geb. Sauer (1893), Gustav
Kron (1878), Selma Kron geb. Blumenkrohn (1890), Berta
Kugelmann (1924), Betti Kugelmann geb. Plaut (1884), Frommet Kugelmann (1867), Josef Kugelmann (1877),
Robert Kugelmann (1880), Selma Kugelmann (1875), Julius Lissauer (1906), Max Lissauer (1906), Moses
Lissauer (1870), Susanne Luss geb. Lissauer (1909), Bernd Löwenstein (1938),
Bessy Löwenstein (1902), Blanka Löwenstein (1921), David Löwenstein (1874),
Ella Löwenstein geb. Heilbronn (1893), Elly Löwenstein geb. Wallach (1909),
Herbald Löwenstein (1872), Jettchen Löwenstein (1875), Nathan Löwenstein
(1873), Rickchen Löwenstein
geb. Stern (1872), Siegfried Löwenstein (1884), Sigmund Löwenstein (1905),
Susanne Luss geb. Lissauer (1909), Lilli Mannheimer (1910), Arthur Mansbach
(1898), Ascher A. Mansbach (1865), Günter Mansbach (1932), Hans Mansbach (1931), Herta Mansbach geb. Levie (1907),
Ludwig Mansbach (1896), Ottilie Mansbach (1929), Adele Mark (1874), Max Mark
(1872), Otto Mark (1880), Robert Mark (1876 oder 1877), Jacob Neugarten (1888),
Sophie Pick geb. Neugarten (1887), Herta Poppert geb. Speier (1913), Erna Rapp
geb. Löwenstein (1897), Robert Salmon (1890),
Hermann Speier (1880), Rebekka (oder Ruth) Speier geb. Grünebaum (1888),
Susmann Speier (1870), Erna Stern (1927), Herta Stern (1921), Max Tugendreich (1879).
Von den in Obermöllrich geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Herbald Löwenstein
(1872), Joseph Löwenstein (1868), Siegfried Löwenstein (1884), Selma Rosenhoff
geb. Löwenstein (1889).
Von den in Wabern geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Siegfried Kaiser (1896),
Isaak Wolff
(1869).
In den Jahren 2005 und 2007 wurden in Fritzlar "Stolpersteine"
verlegt zur Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Einwohner der Stadt, die in
der NS-Zeit umgekommen sind. Informationen auf den Seiten
des Kulturvereins Fritzlar.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibung der Stelle des Lehrers,
Vorbeters und Schochet (1868)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17 Juni 1868:
"Bewerber um die mit dem 1. Juli dieses Jahres erledigt werdende
israelitische Lehrer- und Vorbeterstelle, womit womöglich zugleich der
Schächterdienst vereinigt werden soll und womit dann ein Einkommen von
circa 300 Thalern verbunden ist, werden hierdurch aufgefordert, ihre
Meldungsgesuche unter Anschluss von Qualifikations- und sonstigen
Zeugnissen dem unterzeichneten Vorstande vorzulegen.
Fritzlar in der Provinz Hessen, am 9. Juni 1868. Der Gemeindevorstand Moriz
Mark." |
Pensionierung des Lehrers Aron Katz (1904)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30. Dezember
1904: "Fritzlar (Hessen-Nassau). Pensionierung. Am 1. Januar wird die
hiesige Gemeinde ihren Lehrer Herrn A. Katz scheiden sehen. Er blickt auf
eine 48jährige Tätigkeit zurück und tritt nunmehr in den wohl
verdienten Ruhestande. Die Gemeinde hat beschlossen, ihm zu Ehren am
genannten Tage eine größere Festlichkeit zu veranstalten."
Anmerkung: Aron Katz ist 1835 in Nentershausen geboren. |
Verabschiedung von Lehrer Aron Katz (1905)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Januar 1905:
"Fritzlar, 9. Januar (1905). Am 1. dieses Monats trat Herr
Lehrer Katz hier nach 49-jähriger Dienstzeit in den wohlverdienten
Ruhestand. Welcher Hochachtung und Verehrung der Scheidende sich nicht nur
in seiner Gemeinde, in der er 36 Jahre gewirkt, sondern in unserer ganzen
Stadt erfreut, zeigte sich so recht in diesen Tagen. Nachdem Herr Katz der
Adler der Inhaber des Hohenzollernschen Hausordens vom Landrat unter
herzlichen, anerkennenden Worten überreicht worden war, hielt am letzten
Tage des alten Jahres unser bisheriger Lehrer zum letzten Male
Gottesdienst als Beamter in seiner Gemeinde. Die Synagoge war bis auf den
letzten Platz gefüllt, als Herr Katz, anknüpfend an den Abschied Jakobs
von seinen Kindern mit tief ergreifenden Worten Abschied nahm von seiner
Gemeinde und Schule. Im Namen der Familie verabschiedete sich sodann der
Sohn, Herr Lehrer Katz - Nienburg, von der Vaterstand. Am Abend hatte der
Männer-Wohltätigkeitsverein ihrem scheidenden Gründer zu Ehren einen
Festkommers veranstaltet. In zündenden Worten feierte der Kreisvorsteher
Herr D. Meyerhoff den bisherigen Vorsitzenden und überreichte ihm unter
Dankesworten ein kostbares Geschenk neben der Ernennung zum Ehrenmitglied,
indem er dabei dem Bedauern der Gemeinde Ausdruck gab darüber, dass es
ihr nicht vergönnt sei, ihren Lieblingswunsch erfüllt zu sehen, nämlich
durch die Nachfolge eines der Söhne den Vater in ihrer Mitte zu behalten.
Die eigentliche Feier fand am 1. dieses Monats statt. Mittags erschien
eine Deputation des Magistrats, bestehend aus dem Bürgermeister und
dessen Vertreter in der Wohnung des Herrn Katz, um die Glückwünsche 'dem
tiefen Bedauern der Stadt Ausdruck zu geben, einen Mann zu verlieren, der
in den langen Jahren seiner Wirksamkeit sich nicht nur die Liebe seiner
Gemeinde, sondern auch die Hochachtung und Verehrung der ganzen Stadt
Fritzlar in reichstem Maße erworben habe.' Am Abend hatten sich neben der
ganzen Gemeinde viele Freunde des Scheidenden in den Räumen des
Frankfurter Hofes zu einer Abschiedsfeier versammelt. Nach einem von Herrn
David Löwenstein vorgetragenen Prolog, dem ein lebendes Bild - die Schule
- folgt, überreichte der Vorsitzende der israelitischen Lehrerkonferenz
Hessens, Lehrer Amram - Borken, unter
innigen Worten dem Freunde eine sehr schöne Adresse. Hiernach ergriff
Lehrer Rosenstein - Rotenburg
das Wort, um seinem alten Lehrer im Namen der Schüler zu danken, die dem
Lehrerberufe sich gewidmet haben. Vorsteher Mannheimer drückte den Dank
der Gemeinde für all das segensreiche Wirken des Scheidenden aus. Tief
bewegt dankte der so Gefeierte für alle die Ehrungen, die ihm in so
außerordentlich reichem Maße geworden
seien." |
Beabsichtigte Auflösung der kleinen jüdischen Schulen (1907)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1907:
"Frankfurt am Main, 31. Oktober. Aus Fritzlar kommt die Nachricht,
dass die Regierung die in dem dortigen Bezirke befindlichen jüdischen
Volksschulen mit weniger als zwölf Schülern aufzulösen beabsichtige und
dass darob große Bestürzung unter der jüdischen Bevölkerung herrsche.
Sollte die Nachricht zutreffen, so ist den beteiligten Gemeinden
anzuraten, gegen die beabsichtigte Auflösung, die dem Wortlaut und dem
Geiste des neuen Volksschulgesetzes entschieden widerspricht, Einspruch zu
erheben und diesen Einspruch, falls notwendig, bis vor den Kultusminister
zu bringen." |
Lehrer Aron Neuhaus ist Vorsitzender der Israelitischen Lehrerkonferenz in
Kassel (1925)
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1925:
"Israelitische Lehrerkonferenz in Kassel. Kassel, 27. April (1925).
Im Hotel Meier fand die Konferenz der 'Vereinigung israelitischer Lehrer
im Regierungsbezirk Kassel' statt. Der Vorsitzende, Lehrer Neuhaus -
Fritzlar, begrüßte die Mitglieder und Gäste. Lehrer Rosenbusch -
Bebra hielt dann einen Vortrag über: 'Das Arbeitsprinzip im
Religionsunterricht'. Die ethische und erzieherische Aufgabe der
Arbeitsschule sieht er in der Willens- und Charakterbildung durch das Erlebnis
und die Tat. An seine Ausführungen knüpfte sich eine sehr ausdehnende Diskussion,
an der sich eine Anzahl der Herren beteiligte, teils zustimmend, teils
abweisend. Eingehende Besprechung fanden auch die für den an Pfingsten in
Köln stattfindenden Verbandstag gestellten Anträge über die
Ausgestaltung des Verbandsorganes und die Hilfskassen. Der bisherige
Vorstand wurde wiedergewählt. Lehrer Perlstein - Gudensberg berichtete
schließlich über die Hilfskasse 'Esra'." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Liberale Einflüsse im jüdischen Gemeindeleben führen zu Unsicherheiten und
Spannungen (1848/49)
Anmerkung: der Bericht ist aus konservativ-orthodoxer Sicht sehr kritisch
geschrieben.
Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 16. Februar
1849: "In Fritzlar sind 22 Mitglieder ausgetreten und haben sich zu
einer besonderen Religionsgesellschaft vereinigt, ihre Dogmen haben sie
noch nicht veröffentlicht, bis jetzt ist ihr Gottesdienst wie früher,
nur dass Männer und Frauen beim Gebete zusammen sind." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 19. Oktober
1849: "Kurhessen. Was die hiesigen jüdischen Verhältnisse
betrifft, so herrscht noch immer dasselbige traurige Chaos. In Kassel
bleibt es stets beim Alten; eine definitive Arrangierung der Gemeinde-Verhältnisse
ist ferner als je; dasselbe gilt von der Anstellung eines Landesrabbinen.
Während der verflossenen (Feiertage) zum Neujahrsfest und Jom
Kippur hörten wir zur Abwechslung einmal wieder einen Berliner
Prediger; die Predigt wurde mit nur geteiltem Beifall aufgenommen; von
Anstellung ist keine Rede. - In Fritzlar, hierzulande hinlänglich
wegen seines religiösen Indifferentismus berüchtigt - haben dreiviertel
der Gemeinde den Berliner Reform-Gottesdienst angenommen, weshalb man
einen eigenen Lehrer und Prediger aus Preußen beschrieb und selbigen mit
300 Gulden honoriert. Da indes viele sich zu dieser Gemeinde halten, um
von den bedeutenderen Abgaben der ältern Gemeinde befreit zu sein, die
aber an einem deutschen Gottesdienste weder das geringste Interesse haben,
noch denselben überhaupt verstehen, so entstehen dadurch die
possierlichsten Situationen. So 'ort' (= betet, von lat. orare) der
Eine zuvor im Hause nach altem Ritus, geht nachher in den Andachtssaal des
neuen; ein Anderer gesucht am Neujahrsfest den Reform-Tempel,
lässt sich aber nach dem Gottesdienst den Schofarbläser der
Synagoge kommen und in seinem Hause vorblasen und was dergleichen mehr.
Dabei verfolgt man sich im Schoße der neuen Gemeinde gegenseitig mit
Pasquillen, sodass es ein Skandal sondergleichen
ist." |
Aufruf des Färbers Frank
(1848)
Anmerkung: bei Färber Frank handelt es sich um eine
nichtjüdische Person.
Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 27. Juni 1848:
"In Fritzlar hat ein bekannter Färber Frank einen Aufruf in
der 'Neuen hessischen Zeitung' an die Juden ergehen lassen, worin er
dieselben auffordert, dem Rabbinismus Valet zu sagen, wozu er vorzüglich unrein
zu essen, und Schabbatentheiliger zu sein, rechnet. Das nennt der
arme Mann 'vom Rabbinismus lossagen'!
Der Aufruf hat natürlich auf dem lande nicht den geringsten Anklang
gefunden, und zumal, da er höchst unlogisch geschrieben, eine wahre
Missgeburt von Unverschämtheit und Unwissenheit ist, und werden die Folgen
wahrscheinlich gerade das Gegenteil des Gewünschten bewirken." |
Ein Teil der Gemeinde möchte vom bisherigen Kreisrabbiner
Wetzlar unabhängig sein (1852)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. November 1852:
"Am Mittag kam ich nach Marburg.
Im Jahre 1848 und den darauf folgenden lösten sich viele israelitische
Gemeinden auf. So ging es denn auch in Fritzlar und in Marburg: dort
trennte sich ein großer Teil von dem Kreisrabbinen Wetzlar, hier
sagten sie sich los von ihrem Provinzialrabbinen Gosen. Die Marburger
nannten sich ‚die Überzeugten’, indem sie wahrscheinlich überzeugt
waren, ihr Geld zu sparen. Die traurigen Verhältnisse, in welche jüdische
Gemeinden am Wenigsten verfallen sollten, weil sie hierdurch am Ehesten
und mit Recht zu einem schlechten
Beispiel werden müssen, sind nun zwar durch höhere Entscheidungen,
wonach die Abgetrennten zur Zahlung ihrer seitherigen Beiträge verurteilt
wurden, teilweise wieder geregelt, allein in Marburg erkennt die Gemeinde
dessen ungeachtet ihren Rabbinen noch immer nicht an und dieser ist nun
schon während der ganzen Zeit des traurigen Konflikts verhindert, die
Ortssynagoge besuchen zu können. – Herr Gosen, der Nestor unserer
hessischen Rabbinen, ein sehr gemütlicher Mann, wird den meisten Lesern
dieser Zeitung sowohl aus Aufsätzen, die er in dieselbe geschrieben, wie
auch von der Frankfurter Rabbinerversammlung her noch im Gedächtnisse
sein." |
60jähriges Jubiläum des Israelitischen Frauenvereines (1903)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Dezember
1903: "Fritzlar, 8. Dezember (1903). Der israelitische Frauenverein
begeht nächsten Sonntag, den 13. dieses Monats, das 60jährige Bestehen
des Vereins. Aus diesem Anlass finden neben einem Festessen,
Theateraufführungen mit nachfolgendem Tanzvergnügen im Saale des
Frankfurter Hofes dahier statt. Die ganze israelitische Gemeinde wird sich
vollzählig an der Festlichkeit beteiligen." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des langjährigen Vorsteher der Gemeinde
Kaufmann David Stern (1899)
Als
am 17. April 1899 der langjährige Vorsteher der israelitischen Gemeinde,
Kaufmann David Stern starb, wurde in einem in der Zeitschrift "Der
Israelit" erschienenen Nekrolog auf die damalige Geschichte und die
Verdienste des Verstorbenen um die Einheit der Gemeinde hingewiesen:
Fritzlar, 17. April (1899). Am 2. Ijar (des Jahres 5659 =
11./12. April 1899) verstarb nach sechsmonatlichem schweren Leiden einer der
würdigsten Männer unserer jüdischen Gemeinde und einer der geachtetsten
Bürger der hiesigen Stadt. Herr Kaufmann David Stern erreichte ein Alter von 81
Jahren. Durch das Hinscheiden dieses streng-religiösen Mannes hat die Gemeinde
einen herben Verlust erlitten. Der Entschlafene hing mit allen Kräften bis zum
letzten Atemzuge an unserer heiligen Religion und war, so lange es ihm die
Kräfte ermöglichten, stets morgens und abends einer der ersten im Bejt
HaKnesset (Synagoge). Bei jedem Krankheits- und Sterbefall in der Gemeinde,
war der Verblichene zuerst am Platze, stand mit Rat und Tat helfend zur Seite,
wie denn auch ein jeder in der Gemeinde seinen Anordnungen sich fügte.
Es war Anfangs der fünfziger Jahre, als mehrere reiche Mitglieder der hiesigen
Gemeinde in verblendeter Nachahmungssucht der Reformbestrebungen größerer
Gemeinden, sich von der Hauptgemeinde trennten und eine Separatgemeinde der
äußersten Reform, die sogenannte Genossenschaft, bildeten. Da fühlte der
nunmehr Entschlafene, damals noch als junger Mann, sich berufen, alle seine
Kräfte zu entwickeln, um die Abgefallenen für die Gemeinde wieder
zurückzugewinnen. Seine Bemühungen waren denn auch vom schönsten Erfolg
begleitet. Die Genossenschaft wurde nach zweijährigem Bestehen von der
damaligen Kurfürstlichen Regierung aufgelöst und deren Mitglieder der alten
Gemeinde wieder zugewiesen.
Der selige Entschlafene bekleidete länger als 25 Jahre das Amt eines Vorstehers
der israelitischen Gemeinde, er war Mitbegründer der Chewra Gemilus
chassidim und hat fast 30 Jahre lang, bis zu seinem Tode, als Vorstand dem
Verein seine Kräfte gewidmet.
Das Leichenbegängnis fand am Freitag, den 14. April, unter Beteiligung einer
großen Menge von Leidtragenden statt. Liskor olam... ("zum ewigen
Gedenken..."). Sein Wirken wird unter uns unvergesslich sein. T'N'Z'B'H'
("Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens"). |
84. Geburtstag von Witwe Blumenfeld (1927)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1927: "Fritzlar,
8. August (1927). In größter Frische beging Frau Witwe Blumenfeld,
dahier ihren 84. Geburtstag." |
Zum 75. Geburtstag von Kreisvorsteher Meyerhoff (1927)
Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 11. Februar 1927: "Unser
langjähriges Mitglied Kreisvorsteher Meyerhoff in Fritzlar in
Hessen beging kürzlich seinen 75. Geburtstag. Zu den Gratulanten
gehörten u.a. die Behörden des Kreises und der Stadt sowie der Vorstand
des Kriegervereins. Auch wir gratulieren dem verehrten Freunde
herzlich." |
David Meyerhoff legt sein Amt als Kreisvorsteher nieder
(1927)
Anmerkung: Beim Amt des Kreisvorstehers handelt es sich um den Vertreter des
Kreises Fritzlar im Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel, der aus
neun Kreisen mit jeweils gewähltem Kreisvorsteher bestand. Zum Kreis Fritzlar
gehörten außer Fritzlar sechs weitere jüdische Gemeinden (Gudensberg,
Jesberg, Niedenstein,
Ungedanken, Zimmersrode und
Zwesten).
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1927:
"Fritzlar, 23. Oktober (1927). Herr Kreisvorsteher David Meyerhoff,
der seit 36 Jahren Kreisvorsteher war, hat aus Gesundheitsrücksichten
sein Amt als Kreisvorsteher niedergelegt." |
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Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927:
"Fritzlar, 1. November (1927). Der Kreisvorsteher David Mayerhof hat
aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Kreisvorsteher des Kreises
Fritzlar niedergelegt." |
Zum 89. Geburtstag von Amalie Löwenstein (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Dezember 1927:
"Fritzlar, 12. Dezember (1927). Witwe Amalie Löwenstein, die älteste
Bürgerin, beging ihren 89. Geburtstag. Die Hochbetagte zeit
trotz ihres Alters für alle Vorkommnisse noch reges Interesse und erfreut
sich bester Gesundheit." |
80. Geburtstag von Salomon Speier (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Fritzlar,
29. Januar (1928). Herr Salomon Speier, ein allgemein angesehener und
beliebter Mitbürger dahier, begeht heute seinen 80. Geburtstag in
größter körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische." |
80. Geburtstag von Hannchen Krohn
(1928)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928:
"Fritzlar, 31. Januar (1928). Ihren 80. Geburtstag beging Frau
Hanchen Krohn dahier in seltener Frische." |
Zum 90. Geburtstag von Amalie Löwenstein (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1928: "Fritzlar,
10. Dezember (1928). Ihren 90. Geburtstag beging am Heiligen Schabbat in
größter körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische im Kreise ihrer
vier Kinder die Witwe Amalie Löwenstein, die älteste Einwohnerin unserer
Stadt. Sie wohnt seit 1865 in Fritzlar." |
Zum Tod von Amalie Löwenstein
(1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1929: "Fritzlar,
16. Mai (1929). Die älteste Einwohnerin unserer Stadt, Frau Amalie
Löwenstein, die erst im Dezember vorigen Jahres ihren 90. Geburtstag
begehen konnte, wurde am Dienstag zu Grabe getragen. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Verlobungsanzeige von Blanka Löwenstein und
Siegfried Katz (1930)
Anzeige
in der Zeitschrift des "Central-Vereins"
("CV-Zeitung") vom 24. Oktober 1930:
"Blanka Löwenstein - Siegfried Katz
grüßen als Verlobte. Fritzlar - Jesberg. 26. Oktober
1930." |
Zur Geschichte der Synagoge
Im Mittelalter war sicher ein Betsaal vorhanden, der freilich nicht in den
Quellen genannt wird. Allerdings besaß die Gemeinde ein rituelles Bad (Mikwe)
als Hinweis für eine bestehende Gemeinde mit eigenen Einrichtungen.
Auch wird 1470 ein Schreiber (Sofer = Toraschreiber) namens Isaak
genannt, der die Fritzlarer Judenschaft als Gemeinde (Kehilla)
bezeichnete.
Im 18. Jahrhundert wurden die Gottesdienste in einem Betsaal in einem
Privathaus abgehalten. Bereits vor 1827 bestand eine erste Synagoge und
eine jüdische Schule. Das Gebäude in der Unteren Nikolausstraße, in dem im
Erdgeschoss die Schule und im Obergeschoss der Betsaal eingerichtet waren,
befand sich um 1890 in einem schlechten Zustand. Dadurch plante die Gemeinde den
Bau einer neuen Synagoge
gemeinsam mit einem neuen Schulhaus. Am 10. Juli 1896 war nach
Mitteilungen in Kurzartikel der jüdischen Presse die Grundsteinlegung für die neue
Synagoge.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1896:
"Fritzlar, 10. Juli (1896). Heute fand die Grundsteinlegung für die
neue Synagoge statt. Das Schulhaus, ein besonderer Bau, steht bereits im
Rohbau fertig." |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juli 1896:
"In Fritzlar fand am 10. dieses Monats die Grundsteinlegung für die
neue Synagoge statt. Ein Schulhaus steht bereits im Rohbau fertig." |
Besondere Verdienste beim Synagogenbau kamen beim Bau der Synagoge David
Meyerhoff zu. Er war 40 Jahre Gemeindeältester der jüdischen Gemeinde
Fritzlar und Kreisvorsteher des Kreises Fritzlar. Seine Verdienste um
den Bau der Synagoge und des Schulhauses 1897 werden noch in einem Artikel der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1927 zu seinem 75.
Geburtstag hervorgehoben.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1927:
"Fritzlar, 1. Februar (1927). Sein 75. Lebensjahr vollendete am
Montag der Kreisvorsteher David Meyerhoff dahier. Er bekleidete 40 Jahre
das Amt eines Gemeindeältesten der jüdischen Gemeinde und Kreisvorsteher
des Kreises Fritzlar. Er erfreut sich in der ganzen Stadt und bei allen
Konfessionen der allergrößten Beliebtheit. Seiner Initiative verdankt
die Gemeinde die im Jahre 1897 erbaute schöne Synagoge und das neue
Schulhaus." |
Am 30. Juni 1897 war die festliche Einweihung der
Synagoge durch Bezirksrabbinat Dr. Prager aus Kassel. Durch festliche
geschmückte Straßen wurden die Torarollen von der alten Synagoge in der
Unteren Nikolausstraße zur neuen Synagoge in der Holzstraße getragen.
Über
die Feier liegt ein Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 9. Juli 1897 vor:
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Juli 1897:
"Fritzlar,
2. Juli (1897). Am 30. v.M. fand hier die Einweihung der neu erbauten Synagoge
statt. Schön früh hatte sich eine sehr große Anzahl Fremder eingefunden, um
an der Feier teilzunehmen. Nachdem Herr Landrabbiner Dr. Prager aus Kassel
einige Abschiedsworte in der alten Synagoge gesprochen, fand um 1 Uhr der
Festzug statt. Unter dem Vorantritt des Musik- und Synagogenchores bewegte sich
der Zug mit dem Torarollen durch die mit Flaggen, Girlanden und Tannenbäumen
geschmückten Straßen nach der neuen Synagoge Die ganze Stadt hatte Girlanden
und Flaggenschmuck angelegt, ein Beweis, welche Eintracht zwischen den
verschiedenen Konfessionen hier herrscht. In der neuen Synagoge angelangt, hielt
Herr Landrabbiner Dr. Prager eine meisterhafte Weiherede, in welcher er auf die
Bestimmung des Gotteshauses hinwies. Auf sämtliche Teilnehmer machte die Rede
einen tiefen Eindruck. Nachmittags fand ein Mahl statt, an welchem außer einer
Anzahl von Gemeinde-Mitgliedern der Bürgermeister, der Stadtrat und viele
Andere teilnahmen. Der Herr Regierungspräsident Graf Clairon de Houssonville,
welcher sein Erscheinen zugesagt hatte, musste in letzter Stunde wegen
dienstlicher Verhinderung antelegraphieren. Den Schluss des Festes bildete ein
Festball, welcher die Teilnehmer bis zum frühen Morgen vereinigte." |
Die Synagoge in Fritzlar war 40 Jahre lang Mittelpunkt des religiösen Lebens
der Jüdischen Gemeinde. Auch viele besondere Festgottesdienste fanden in ihr
statt, beispielsweise zur 1200-Jahrfeier der Stadt im Juni 1925, als
zeitgleich im Dom, in der evangelischen Kirche und der Synagoge festliche
Gottesdienste stattfanden, was in einem Artikel in der "Jüdisch-liberalen
Zeitung" vom 19. Juni 1925 als Hinweis für das "loyale und
harmonische" Verhältnis zwischen den drei Konfessionen in der Stadt
gewertet wurde:
Artikel
in der "Jüdisch-Liberalen Zeitung" vom 19. Juni 1927: "Fritzlar.
An der Zwölfhundert-Jahrfeier unseres Städtchens haben auf Einladung des
Magistrats viele von hier gebürtige Israeliten teilgenommen. Der Verlauf der
Feier ließ erkennen, dass das Verhältnis der einzelnen Konfessionen, von denen
die katholische vorherrschend ist, loyal und harmonisch ist. Wie im Dom und in
der evangelischen Kirche, so fand auch in der Synagoge am Sonntag Vormittag unter starker Beteiligung hiesiger Gemeindemitglieder und vieler Gäste ein
feierlicher Gottesdienst statt, bei dem Landrabbiner Dr. Walter aus Kassel, der
auch dem Ehrenausschuss angehörte, eine eindrucksvolle Festrede hielt. |
Bereits am 8. November 1938 kam es zu einem schweren Anschlag
auf die Synagoge in Fritzlar. Eine SS-Truppe, unterstützt durch die örtliche
Hitler-Jugend setzte die Synagoge in Brand. Im Dezember 1938 wurde das Gebäude abgebrochen.
Eine Gedenktafel erinnert seit einigen Jahren an die Synagoge.
Adressen /Standorte der Synagogen:
 | Vor 1827-1897: Erste Synagoge in der Unteren
Nikolausstraße |
 | 1897-1938: Neue Synagoge in der Holzstraße, heute
Neustädter Straße / Ecke Judengasse;
das jüdische Schulhaus befand sich in der Judengasse / Ecke Nikolausstraße hinter der Synagoge |
Fotos
(Quelle: P. Arnsberg Bilder und Dokumente S. 61; neuere
Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 8.4.2010)
| Historische
Fotos |
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Die Synagoge in Fritzlar:
1897-1938 |
Gustav Kron (1878-1942), der
letzte
jüdische Lehrer und Vorbeter,
in der Synagoge in Fritzlar |
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| Die
"Judengasse" |
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Straßenschild |
Am Ende der
Judengasse rechts
stand die Synagoge |
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Der Standort
der
ehemaligen Synagoge |
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Das
Grundstück der Synagoge an der Ecke Neustädter Straße / Judengasse blieb
unbebaut |
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Die
Gedenktafel
für die Synagoge |
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Obere
Tafel: "Synagoge Fritzlar. Im Vorgarten gegenüber stand einst die
Synagoge, das jüdische Haus des Gebets, 1896/97 erbaut und Gott geweiht,
am 8. und 9. November 1938 geschändet und verwüstet, im Dezember 1938
abgerissen - doch nicht vergessen!" - Untere Tafel: "An dieser
Straße stand im Mittelalter eine Stiftkurie und an gleicher Stelle von
1896 bis 1939 die durch nationalsozialistischen Ungeist geschändete und
dann beseitigte Synagoge der Jüdischen Gemeinde". |
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Im Fritzlarer
Dom entdeckt:
Darstellung von
Edith Stein |
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Die
katholische Nonne jüdischer Herkunft Edith Stein (geb. 1891 in Breslau)
wurde am 9. August 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet. Sie wurde 1998
durch Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen. |
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In den Jahren 2005 bis 2007 wurden in
Fritzlar "Stolpersteine"
verlegt zur Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Einwohner der Stadt,
die in der NS-Zeit umgekommen sind. Informationen auf den Seiten
des Kulturvereins Fritzlar.
Seite mit
Fotos zur Verlegung am 7. März 2005; Seite
zur Verlegung am 23. März 2006; Seite
zur Verlegung 2007.
Drei Häuser mit "Stolpersteinen" werden exemplarisch gezeigt: |
| Gießener
Straße 25 |
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Erinnerung
an Emma Boley (1875-1942) und
Herta Speier (1913 - deportiert nach Auschwitz, überlebte) |
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| Gießener
Straße 17 |
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Erinnerung
an Siegfried Kaufmann (1882 - deportiert 1942), Paula Kaufmann geb. Sauer
(1893 - deportiert 1942), Sara Sauer geb. Gutheim (1871 -
1943) |
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| Marktplatz 13 |
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Erinnerung
an den Schuhmachermeister Max Marx (1872 - 1942); bei der Verlegung des
"Stolpersteins" sprach der Vorsitzende des Kulturvereins
Fritzlar, Dr. Ulrich Skubella
(Rede
auf Seite des Kulturvereins) |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Juli 2010:
Die in der Fraumünsterstraße verlegten
"Stolpersteine" werden nach dem Umbau der Straße wieder neu
verlegt |
Artikel in der "Hessischen
Allgemeinen" vom 30. Juli 2010 (Artikel):
"Stolpersteine kommen wieder an den alten Platz.
Fritzlar. Das Kunstwerk 'Stolpersteine' in der Fritzlarer Fraumünsterstraße kommt nach dem Umbau der Straße an seinen alten Platz zurück.
Die Quader sollen an das Schicksal von Juden erinnern. Sie werden vor den Häusern verlegt, in denen diese früher gewohnt haben. Während der Bauarbeiten in der Fraumünsterstraße waren sie in Sicherheit gebracht worden.
Wie Bürgermeister Karl-Wilhelm Lange auf Anfrage sagte, werde zunächst die Fahrbahndecke gepflastert. Das sei aus technischen Gründen nicht anders möglich. Danach werden die Stolpersteine wieder eingebaut. Im Aussehen erinnern sie an Pflastersteine, haben jedoch ein Messingbeschichtung.
(rbg)." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 266f; III,1 S. |
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 214-217. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 61. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 548-549. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 170-171. |
 | Dagmar und Clemens Lohmann: Das Schicksal der Jüdischen
Gemeinde in Fritzlar 1933-1945. Die Pogromnacht 1938. Fritzlar 1988
(Geschichtsverein Fritzlar. Beiträge zur Stadtgeschichte 5). |
 | Dietfrid Krause-Vilmar: Was geschah mit den
Synagogen in den Altkreisen Fritzlar, Homberg, Melsungen und Ziegenhein (dem
heutigen Schwalm-Eder-Kreis)? online
zugänglich |
 | Paulgerhard Lohmann/Jechiel Ogdan: Jüdische
Kultur in Fritzlar, Beiträge zur Stadtgeschichte Nr. 13, April 1999.
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 | Paulgerhard Lohmann: Jüdische Mitbürger in
Fritzlar 1933-1949. Taschenbuch. Februar 2006. (Books
on Demand GmbH)
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Fritzlar (in Jewish sources, Virshlar)
Hesse-Nassau. Jews living there fell victim to the Black Death persecutions
(1348-49). Numbering 110 (4 % of the total), the revived community opened a
synagogue in 1827. Radical reformers who objected to the Kassel rabbinate's
"narrow talmudism" and split the community in 1849-52 were forced to
disband. A new synagogue built in 1897 unterwent major renovations in 1930. Of
the 128 Jews registered in 1933, 75 had left (some for other parts of Germany)
by 31 December 1937. Shortly before Kristallnacht (9-10 November 1938),
SS stormtroopers and Hitler Youth organized a pogrom, burning the synagogue's
interior and looting Jewish homes and stores. Ten Jews were sent to death camps
in 1942 and at least 42 perished in the Holocaust. Jewish Displaced Persons
housed at a local United Nationals Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA)
camp after Worldwar II mostly settled in Israel.

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