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Jüdische Geschichte / Synagoge
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Fulda
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Fulda bestand eine jüdische
Gemeinde bereits im Mittelalter. Anlässlich eines angeblichen Ritualmordes 1235
findet sich eine erste Erwähnung einer jüdischen Gemeinde. Vermutlich gab es
jedoch bereits seit der Gewährung des Marktrechts (1019) Juden in der Stadt.
Der katholische Gelehrte Rabanus Maurus erwähnt bereits im 9. Jahrhundert
"jüdische Zeitgenossen".
Bei der Judenverfolgung am 28. Dezember 1235 wurden etwa 34 Personen der
Gemeinde wegen eines angeblichen Ritualmordes von drei oder gar fünf Kindern erschlagen.
Im Juli 1236 wurden die
Fuldaer Juden jedoch auf Grund des Urteils einer Untersuchungskommission vom Kaiser,
den Fürsten und der Geistlichkeit von der gegen sie erhobenen
Beschuldigung freigesprochen. Bis Ende des 13. Jahrhunderts fehlen
Nachrichten über Juden in der Stadt. 1301 werden jedoch Juden in Fulda
genannt, die gemeinsam mit den in Hammelburg und Hünfeld lebenden - zum
Herrschaftsbereich des Kloster Fulda gehörenden - Juden von König Albrecht dem
Kloster verpfändet wurden. Am 22. März 1349 kam es zur Judenverfolgung
während der Pestzeit. Bürger der Stadt und die Amtleute des Abtes fielen über
die Juden her und ermordeten sie (nach Schützungen ist von etwa 180 Toten
auszugehen). Einige konnten wohl entkommen wie Abraham von
Fulda, der 1357 zu den Neugründern der Gemeinde Erfurt gehörte, und Joseph,
der 1359 in Nürnberg aufgenommen wurde.
1367 werden wieder zwei Juden in der Stadt genannt, die in der in diesem
Jahr erstmals genannten "Judengasse" wohnten. Diese
Judengasse war verhältnismäßig breit und lag gegen den Stadtrand hin, aber
keineswegs unmittelbar an der Mauer. Hier stand vermutlich die Synagoge
der Gemeinde. An dem zur Innenstadt gerichtete Teil der Gasse war ein eigener
Brunnen, der "Judenborn". Von den beiden 1367 genannten Juden
war einer aus Mellrichstadt zugezogen.
Im 15./16. Jahrhundert lebten nur relativ wenige jüdische Familien in der
Stadt, doch kam es spätestens um 1500 wieder zur Bildung eines Gemeinde. 1492
nahm Fürstabt Johann II. von Henneberg den Arzt Jakob in der Stadt auf. Er
wurde verpflichtet, die Stiftsuntertanen gegen eine angemessene Bezahlung zu
behandeln. 1507 wurden alle Juden der Stadt für mehrere Wochen aus nicht
geklärten Gründen mehrere Wochen im Gefängnis festgehalten. 1514 wird
der jüdische Arzt Lipman genannt, der für das Hofgesinde zuständig war und
zugleich einen Arznei- und sonstigen Handel betrieb. 1516 widersetzte sich
Fürstabt Hartmann II. der Forderung nach der Vertreibung der Juden aus der
Stadt.
Zu einer Blüte jüdischen Gemeindelebens kam es im 16./17. Jahrhundert,
obwohl in dieser Zeit der Gegensatz zwischen der Bürgerschaft und den Juden der
Stadt immer stärker wurde. Die Zahl der jüdischen "Hausgenossen"
(offenbar Familien) stieg von 18 im Jahr 1567 auf 28 (1586) auf 50 (1601), 80
(1623). 1591 wurde die jüdische Bevölkerung von durchziehenden Söldnern
vollständig ausgeplündert. Die Fuldaer hatten sich entgegen der Aufforderung
der Regierung geweigert, die Juden der Stadt zu schützen. 1603 wurde
Fulda Sitz eines jüdischen Gerichtshofes. In der Stadt gab es eine Jeschiwa
(Talmudschule), die unter Rabbiner Maharam Schiff (1605 Frankfurt - 1644
Prag; von 1622 bis 1640 Rabbiner in Fulda) Weltruhm erlangte. Vor Maharam Schiff
waren u.a. als Rabbiner in der Stadt tätig: 1565 bis 1588 David ben Isak
aus Litauen, bis 1598 Ruben ben Salomon, 1598 bis 1604 Natphatli ben David
Bacharach ("Herz aus Fulda"), 1604 bis 1609 Elia ben Mosche Loans (ein
Enkel des Joselmann von Rosheim), 1615 bis 1920 Aron Samuel ben Mosche Schalom
aus Krzeminiec.
1671 wurden alle Juden aus Fulda (und dem Fürstbistum) ausgewiesen
bis auf fünf Familien, die weiterhin in der Judengasse wohnen konnten. Ihre
Namen waren Hirsch auf der Trepp (nach den Stufen des "Judenbergs" so
genannt, daraus entstand später der Familienname Trepp u.ä.), Löser Seligmann
auf der Tanzhütte (dem Gemüsemarkt), Lemble Geys sowie die Witwe Koppelen und
ihr Sohn.
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien in der Stadt
wieder langsam zu, doch war das jüdische Leben in der Stadt auf Grund
zahlreicher Verordnungen und Restriktionen nur eingeschränkt möglich. Erst
nach der Französischen Revolution (1789) setzte ein Prozess ein, der
schließlich nach den Gesetzen von 1833 zur rechtlichen Gleichstellung
der Juden mit den Christen führte.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1802 237 jüdische Einwohner (2,8 % von insgesamt 8.559 Einwohnern), 1811
jüdische 47 Familien (35 Familienväter mit Familie, 9 Witwen mit Kindern und 3
Ledige ohne Angehörige), 1827
324 jüdische Einwohner (3,5 % von 9.266), 1854 291 (3,3 % von 9.547), 1861 281 (3,0 % von 0.339),
1871 295 (3,1 % von 9.423), 1885 440 (3,6 % von 12.284), 1895 566 (3,9 % von
14.528), 1905 861 (4,2 % von 20.419), 1910 957 (4,3 % von 22.487).
An Einrichtungen bestanden insbesondere eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde gab es neben dem Rabbiner
(Provinzialrabbiner s.u., zeitweise zwei Rabbiner beziehungsweise zusätzlich
ein Rabbinatsassessor [Dajan]) jüdische Lehrer, die auch den Vorbeterdienst in der
Synagoge übernahmen, Schochetim (Schächter) und weitere Bedienstete
(Synagogendiener). Die jüdische Schule befand sich seit 1898 im Gebäude Von-Schildeck-Straße 10/Ecke Rangstraße. Damals (und bis 1910) war Lehrer an
der Schule Jakob Spiro.
Fulda war im 19./20. Jahrhundert Sitz eines Provinzialrabbinates. Der
Rabbinatsbezirk umfasste um 1925 die Kreise Fulda, Hünfeld, Hersfeld und
Schmalkalden. Auch der Kreis Gersfeld gehörte zum Rabbinat Fulda. Als
Provinzialrabbiner waren seit der Mitte des 19. Jahrhunderts tätig:
 | Dr. Jakob Rosenberg (Rabbiner in Fulda von 1843 bis
1852): geb. 1806 als Sohn des Kaufmannes David Rosenberg in Düsseldorf;
nach seiner Zeit in Fulda, die ihn in mancherlei Konflikte mit der Gemeinde
brachte (siehe Bericht auf Textseite), wählte ihn am 7. September 1852 die
Gemeinde im niederländischen Groningen zum Rabbiner, wo er bis Ende 1860
beziehungsweise bis zum Dezember 1861 verblieb (Link:
Rabbiner in Groningen); 1864 verzog er nach Frankfurt, wo er im April
1868 starb. |
 | Dr. Samuel Enoch (Rabbiner in Fulda von November
1855 bis Dezember 1876), geb. 8. Oktober 1814 in Hamburg, Studium in Würzburg
(Schüler von Abraham Bing) und Erlangen; bereits 1832 Rabbinatsassistent in
Kassel, 1839 Schuldirektor der Bürgerschule (beziehungsweise Freischule;
private orthodoxe Lehranstalt) in Altona; seit 1845 mit Jacob Ettlinger
Herausgeber der Zeitschrift "Der treue Zionswächer", später
"Redakteur der Jüdischen Presse"; 1854 Berufung nach Fulda - die
Stelle trat er im November 1855 an (siehe Berichte auf Textseite); gestorben
31. Dezember 1876 in Fulda. |
 | Dr. Michael Cahn (Rabbiner in Fulda
von 1877 bis 1918): geb. 1847 in Rüdesheim am Rhein, gest. 1920 in Fulda;
Studium in Mainz und Berlin, Promotion 1874 in Straßburg, Rabbinerdiplom
1876 in Berlin, Rabbiner in Samter (Provinz Posen), seit 1877 in
Fulda; war im Religiösen streng orthodox, politisch war er patriotisch,
national und kaisertreu eingestellt. |
 | Dr. Leo Cahn (Rabbiner in Fulda von 1919 bis
1939), geb. 1889 in Fulda; war zunächst Rabbinatsassessor, ab 1919 als
Nachfolger seines Vaters als Provinzialrabbiner in Fulda; emigrierte mit seiner Familie
nach der Pogromnacht 1938 nach England,
von dort im folgenden Jahr nach Palästina/Erez Israel; gest. 1959 in Bnei
Brak/Israel). |
Neben den Provinzialrabbinern gab es mehrere
Rabbinatsassessoren, darunter:
 | Baruch Kunstadt (von 1909 bis 1939 in Fulda), der
als Leiter der Talmudlehranstalt (Schass Chewrah) in Fulda tätig war. Nach
seiner Auswanderung gründete er in Palästina die Jeschiwa "Kol-Torah"
(Stimme der Torah). Er starb 1967 in Jerusalem.
|
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Unteroffizier Julius Birnbaum
(geb. 11.5.1893 in Fulda, gef. 8.8.1918), Eugen Eschwege (geb. 7.7.1885, gef.
29.7.1916), Josef Eschwege (geb. 19.4.1877 in Fulda, gef. 14.4.1916), Julius
Flörsheim (geb. 25.1.1881 in Flieden, gef. 18.4.1917), Isfried Freund (geb.
28.5.1897 in Fulda, gef. 25.7.1917), David Goldschmidt (geb. 5.7.1897 in Fulda,
gef. 7.10.1916), Johann Julius Greif (geb. 3.11.1878 in Fulda, gef. 7.10.1916), Alfred Herrmann
(geb. 25.4.1896 in Richlawo, gef. 21.4.1916),
Moritz Kamm (geb. 10.6.1886 in Hettenhausen, gef. 5.10.1917), Siegfried Katzmann
(geb. 6.4.1894 in Flieden, gef. 27.7.1916), Adolf Nußbaum (geb. 16.4.1898 in
Fulda, gef. 17.10.1917), Gefreiter Artur Nußbaum (geb. 28.12.1889 in Fulda,
gef. 6.11.1914), Siegmund Simon Plaut (geb. 4.3.1877 in Hünfeld, gef.
29.10.1918),
Siegfried Seligstein (geb. 18.9.1892 in Fulda, gef. 18.11.1918), Friedrich Moritz Sichel
(geb. 5.2.1888 in Fulda, gef. 16.3.1915), Simon
Strauß (geb. 24.4.1878 in Obermoss, gef. 20.9.1916).
Um 1925, als zur Gemeinde 1.137 Personen gehörten (4,3 % von insgesamt
26.140 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Emanuel Stern, Max
Kugelmann und Mendel Wertheim. Neben Provinzialrabbiner Dr. Leo Cahn wird als
Rabbinats-Assessor B. Kunstadt genannt. Als Lehrer war Iwan Möller
angestellt, als Lehrer und Schriftführer der Gemeinde (seit 1919) Abraham Sonn
(geb. 1873 in Mainstockheim, zuvor
Lehrer in Theilheim und Rhina), als Schochet C.
Lassmann, als Synagogendiener M. Fuchter. An der Israelitischen Volksschule gab
es damals 69 Kinder, unterrichtet durch die genannten Lehrer Möller und Sonn.
An den höheren Schulen der Stadt erteilte Rabbiner Dr. Cahn den
Religionsunterricht.
1932 waren die Gemeindevorsteher M. Kugelmann (1. Vors.), M. Wertheim (2.
Vors.) und Dr. L. Herz (3. Vors.). Es gab in der Gemeindeleitung einen Finanzausschuss
(Vorsitzender Dr. L. Herz) und einen Kaschruth-Ausschuss (Vorsitzender S.
Ansbacher). Weiterhin waren die Lehrer Iwan Möller und Abraham Sonn in der Gemeinde und der
Israelitischen Volksschule tätig. In drei Klassen wurden 92 Kinder
unterrichtet. Weitere 60 Kinder erhielten Religionsunterricht.
An jüdischen Vereinen gab es u.a. die Armenkasse für hiesige Arme
der Israelitischen Gemeinde (Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung
hilfsbedürftiger Gemeindemitglieder), die Chewra Bikkur-Cholim, Verein zur
Unterstützung armer jüdischer Kranker (gegründet 1927, 1932 Vorsitzender
Moritz Oppenheimer mit 90 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet:
Krankenunterstützung), die Chevra Kadischa (1932 unter Vorsitz von Isak
Wertheim, Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung, Bestattungswesen), den Israelitischen
Frauenverein e.V. (gegründet 1900, 1932 unter Vorsitz von Ida Nußbaum mit
260 Mitgliedern), der Verein "Rituelle Küche im Landkrankenhaus"
(gegründet 1927, 1932 unter Vorsitz von Rabbiner Dr. Cahn; Zweck und
Arbeitsgebiet: Versorgung jüdischer Kranker im Landkrankenhaus mit ritueller
Kost). An weiteren Vereinen gab es die Maharam Schiff-Loge U.O.B.B. (1932
Vorsitzender Isak Wertheim), den Ostjüdischen Verein, die Schass-Chevra
(1932 Vorsitzender S. Ansbacher). An besonderen Einrichtungen ist die Jüdische
Abteilung mit 15 Plätzen im Lioba-Siechenhaus zu nennen. Mit einem
"Gemeindeblatt" hatte die jüdische Gemeinde ein eigenes
Publikationsorgan für ihre Mitglieder.
1933 lebten 1.058 jüdische Personen in der Stadt (3,89 % von insgesamt
27.753 Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Der Boykott vom 1.
April 1933 hatte über 100 Geschäfte und Unternehmen betroffen, deren
Inhaber in den folgenden Jahren zur Geschäftsaufgabe gezwungen waren. Am 11.
Juli 1935 wurde ein brutaler Überfall über den bis dahin vor allem von
jüdischen Viehhändlern beschickten Viehmarkt in Fulda verübt. Der Überfall
wurde von dem damaligen Kreisbauernführer Fang und weiteren Bauern geplant. Mit
Knüppeln bewaffnete Schlägertrupps - vor allem aus Dipperz, Dietershausen und
Friesenhausen - überfielen den Viehmarkt, schlugen auf die jüdischen Händler
und auf das Vieh ein, jagten die Tiere durcheinander und lösten die
Stricke. Am 1. April 1937 wurden
noch 852 jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 kam es
bereits am 9. November zu Übergriffen auf jüdische Geschäfte und Wohnungen.
Die Jüdische Volksschule wurde von fanatisierten Jugendlichen überfallen, die
Einrichtung zertrümmert; alter und neuer jüdischer Friedhof wurden schwer
geschändet. Am Morgen des 10. November wurde die Synagoge unter Anleitung des
SS-Standortkommandanten Otto Grüner und seinen Helfershelfern die Synagoge
niedergebrannt. Die jüdischen Männer wurden verhaftet und in das Katholische
Gesellenhaus in der Florengasse gesperrt; die meisten wurden anschließend in
das KZ Buchenwald verbracht. Die jüdischen Wohnungen wurden durchsucht.
Während aus Fulda bis Ende 1938 ein Großteil der jüdischen Einwohner von 1933
verzogen beziehungsweise ausgewandert sind, zogen andere Familien vom Land in
die Stadt Fulda nach. Ende 1940 mussten die jüdischen Familien in sogenannten
"Judenhäusern" zusammenziehen (u.a. Mittelstraße 25 und 28,
Am Stockhaus 2 und 10; Karlstraße 32 und 37, Petersberger Straße 25,
Rhönstraße 6, im Jüdischen Altersheim Schildeckstraße 10). Vor Beginn der Deportationen waren am 30.
September 1941 248 jüdische Personen in der Stadt. Ein Jahr wurde keine
jüdische Person mehr gezählt - Fulda war in der NS-Sprache durch die
Deportationen "judenfrei" geworden.
Zu den in Fulda geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen, die in in der NS-Zeit
umgekommen sind, siehe die - mehrere hundert Namen umfassenden - Angaben im
"Gedenkbuch
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"). Nach Unterlagen im Stadtarchiv
gelang von den 1.545 jüdischen Personen, die in Fulda gemeldet waren - unter
ihnen auch diejenigen, die aus umliegenden Dörfern nach Fulda gezogen waren
oder nur kurze Zeit bei Verwandten wohnten - 940 die Flucht ins Ausland. Etwa
600 Kinder, Frauen und Männer wurden in Konzentrationslager deportiert und
ermordet.
Auf einem im Oktober 2010 eingeweihten Gedenkstein am früheren
Synagogenplatz (siehe Pressebericht unten) stehen die Namen von 252 jüdischen
Einwohnern, die 1940 bis 1942 aus Fulda deportiert wurden.
Über die jüdische Gemeinde nach 1945 siehe
weitere Seite (interner Link)
Zur Geschichte der Synagoge
Im Mittelalter befand sich eine Synagoge in der
"Judengasse" (heute "Am Stockhaus"), wahrscheinlich bereits
auf dem Grundstück der bis ins 20.
Jahrhundert bestehenden Synagoge. Sie wird als "Judenschul"
1423 und
1508/09 genannt, doch gab es eine Synagoge sicher bereits vor der Verfolgung in
der Pestzeit.
Um 1550 war die Fuldaer Synagoge die einzige im Hochstift Fulda. 1575 wurde ein
neuer "Lehnbrief über die Judenschule" erteilt. Damals wird ihre Lage
beschrieben als "oben an der Ecken gegen Anton Holzscheren Behausung über
und auf der anderen Seite an Hans Kochen stoßend" beschrieben. Andere
Lagebeschreibungen waren: die "Judenschule hinter der Treppe" oder am
"Judenberg", womit jedoch immer dasselbe Grundstück gemeint
war.
Um 1850 war die Zahl der Gemeindeglieder bereits so angewachsen, dass die
Plätze in der alten Synagoge nicht mehr ausreichen. Der Bau einer neuen
Synagoge wurde geplant. Ende 1857 oder Anfang 1858 konnte man die
Torarollen in einem feierlichen Umzug in ein provisorisch eingerichtetes
Betlokal verbringen, die alte Synagoge abbrechen und an ihrer Stelle mit dem Bau
der neuen Synagoge beginnen.
Umzug von der alten
Synagoge in ein provisorisch eingerichtetes Betlokal (Ende 1857 / Anfang 1858)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 18. Januar 1858: "In Fulda wird dem längst gefühlten
Bedürfnisse eines der Zeit so wie den numerischen Verhältnissen der
dortigen Synagogengemeinde entsprechenderen Gotteshauses nunmehr durch
einen bereits vor geraumer Zeit in Angriff genommenen Synagogenbau
abgeholfen. Der Zug aus der alten, nunmehr abgebrochenen Synagoge in das
provisorisch eingerichtete Betlokal fand auf sehr feierliche Weise statt,
wobei jedes Gemeindeglied eine brennende Wachskerze trug." |
Noch im Frühjahr 1859 konnte die neue Synagoge
eingeweiht werden, die in neu-orientalischem Stil erbaut wurde. Für den
Berichterstatter der liberal geprägten "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" hätten allerdings die "Verzierungen der inneren
Räume" etwas einfacher ausfüllen dürfen. Zur Zeit der Einweihung
herrschte offenbar eine gemäßigt liberale Gesinnung in der Gemeinde. Der neue
Synagogen-Chorgesang wurde als "sehr erfreulicher Fortschritt"
gepriesen, wobei jedoch nicht angegeben wird, ob es sich damals um einen
Männerchor oder um einen von liberaler Seite befürworteten gemischten Chor
gehantelt hat.
Die Einweihung der neuen Synagoge steht bevor
(1859)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 20. Juni 1859: "Der Bau der neuen Synagoge in Fulda ist bereits
so weit vollendet, dass deren Einweihung noch vor Pfingsten stattfinden
soll. Es ist dieses ein sehr stattlicher Bau in schönen Verhältnissen,
welcher der Gemeinde und der Stadt zur Zierde gereicht. Den räumlichen
Bedürfnissen der Zukunft, sowie größerer Einfachheit hinsichtlich der
Verzierungen der inneren Räume hätte vielleicht mehr Rechnung getragen
werden dürfen. Man ist jetzt mit der Einübung eines Synagogen-Chors
beschäftigt, indem in die neue Synagoge Chorgesang eingeführt werden
soll. Es ist dieses ein sehr erfreulicher Fortschritt, der nicht ohne
segensreiche Folgen auch für andere Gemeinden bleiben wird; denn da Fulda
die Metropole zahlreicher, nicht unbedeutender Landgemeinden ist, in
welchen der Gottesdienst noch der Erlösung von alter Unordnung
entgegenharrt, so wird das Beispiel Fuldas dort nicht ohne Nachahmung
bleiben." |
Schon wenige Jahrzehnte nach der Einweihung der
Synagoge war auf Grund der weiter stark gestiegenen Zahl der jüdischen
Gemeindeglieder in der Stadt die Synagoge zu klein geworden. Man plante den Bau
einer neuen Synagoge, wofür man im Sommer 1914 für 40.000 Mark ein
Grundstück kaufen konnte. Der Erste Weltkrieg und die nachfolgende
Inflationszeit verhinderten jedoch die Ausführung der Pläne der Gemeinde.
Weiterhin wurden die Gottesdienste in der bisherigen Synagoge
abgehalten.
Ein Grundstück für eine neue Synagoge wird gekauft
(1914)
Anmerkung: das Grundstück für die neue Synagoge lag an der Dalbergstraße
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 17. Juli 1914: "Fulda. Die jüdische Gemeinde kaufte ein
Grundstück für etwa 40.000 Mark, um eine neue Synagoge zu
erbauen." |
Einweihung einer durch den Aurach-Chajim-Verein
gestiftete Torarolle (1920)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2.
Dezember 1920: "Ein durch ein Gottesgebot veranlasstes Festmahl
vereinigte heute die Mitglieder des Aurach-Chajim-Vereins, die im
Festeskleide erschienen waren. Eine feierliche, weihevolle Stimmung
herrschte. Der Verein hat in opferfreudiger, von Liebe zur Tora zeugender
Weise eine Torarolle erstanden, die ihrer Bestimmung übergeben
wurde. Eingeleitet wurde die Feier nach vorangegangenem Mincha-Gebete
durch Gesang des hiesigen Synagogenchores. Nach Rezitation mehrerer
Psalmen hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn eine die Bedeutung des
Tages würdigende Rede. Als dann unter dem vom Synagogenchor meisterhaft
vorgetragenen 'Wajehi Binesoa...' ('und es geschah, als die Lade
aufbrach..., sc. Chorgesang nach 4. Mose 10,35) die in reichem
Blumenschmuck prangende, vom Kerzenlicht umstrahlte heilige Lade geöffnet
und ihr die Torarolle entnommen wurde, erreichte die Weihe ihren
Höhepunkt. Nach Beendigung der religiösen Feier trugen mehrere Kinder
ernste und heitere Gedichte und Kouplets lokalen Charakters vor. Nach den
geistigen Genüssen bot man den Mitgliedern des Vereins ein lukullisches
und mit trefflichen Reden gewürztes Mahl. Der erste Vorsitzende, Herr
Bankdirektor Birkenrut, begrüßte die Erschienenen, gab einen Rückblick
auf die seit Gründung des Vereins durchlebte Zeit und wünschte ihm
ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen. Der zweite Vorsitzende, Herr
Gabriel Eschwege, richtete unter Zugrundlegung der Haftara des Toraabschnittes
Wajeze einen warmen Appell an die Mitglieder des Vereins, den Tora-Geist
zu pflegen und die Standarte der heiligen Gotteslehre in allen Lebenslagen
hochzuhalten. Herr Sanitätsrat Dr. Stern gab in bewegten, zündenden
Worten seiner Freude Ausdruck, über die sich in aller Blicken
wiederspiegelnde Freude über die Erfüllung des Gottesgebotes und
wünschte dem Verein ein weiteres erfolgreiches Ergehen. Noch lange
wird die Erinnerung an die erhebende Feier in den Herzen der Beteiligten
nachhallen." |
Spende aus Amerika für den Synagogenbauverein
(1926)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
4. Februar 1926: "Fulda, 26. Januar. Herr Abraham und Julius
Stern in Amerika, Söhne des kürzlich hierher verzogenen Loeb Stern,
übermittelten der hiesigen jüdischen Gemeinde den Betrag von 1000
Dollars für den Synagogenbauverein. Die Gemeinde, welche vor einem
unaufschiebbaren Erweiterungsbau ihrer Synagoge steht, hat den Betrag mit
größtem Dank angenommen." |
Einweihung einer Gefallenengedenktafel in der Synagoge
(1926)
Artikel in der "CV-Zeitung" (Monatsgabe der Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom Juni 1926. "Gedenkfeier für
unsere Gefallenen. In der Synagoge in Fulda fand am 30. Mai
eine stimmungsvolle Gedächtnisfeier zu Ehren der gefallenen jüdischen
Soldaten der Stadt Fulda statt. Gleichzeitig wurde die
Gefallenengedächtnistafel, die auf schwarzem Marmor in goldenen
Buchstaben in Deutsch und Hebräisch die Namen der 18 Mitglieder der
jüdischen Gemeinde verzeichnet, die den Heldentod gestorben sind,
eingeweiht. Zur Gedächtnisfeier waren neben den Mitgliedern der
jüdischen Gemeinde die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden
erschienen. Außerdem nahmen Abordnungen von Krieger- und
Frontkämpfervereinigungen (darunter der Stahlhelm) an der Feier teil.
Provinzialrabbiner Dr. Cahn hielt die außerordentlich weihevolle und
ernste Gedenkrede. Alsdann brachte Landrat Freiherr von Gagern in einer
Ansprache zum Ausdruck, dass die Trauer der Gemeinde die Trauer des ganzen
Volkes sei. Für Artillerieregiment Nr. 5 sprach Oberstleutnant Scheffel,
der nebst Oberst Kraus und anderen Offizieren erschienen war. Scheffel
betonte, dass es im Kriege keinen Unterschied der Konfessionen gegeben
habe, und in dieser Einigkeit die Quelle der deutschen militärischen
Großtaten liege. Studienrat Eschelbach redete für das Reichsbanner
Schwarz-Rot-Gold, Beigeordneter Arnd überbrachte in Vertretung des
Oberbürgermeisters den Dank der Stadt für den Opfertod der jüdischen
Krieger. Namens des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten sprach Kamerad
F. Schuster, der auf die insgesamt 12.000 gefallenen Juden hinwies, und
Synagogenältester Dr. Herz sprach als letzter im Namen des
Synagogenvorstandes ehrende Worte für die Gefallenen." |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
1. Juli 1926: "Fulda, 1. Juni (1926). Am Sonntag Vormittag
fand in der hiesigen Synagoge eine Gedächtnisfeier zu Ehren der
gefallenen Soldaten unserer Gemeinde statt. Sie knüpfte sich an die
Einweihung der Gedächtnistafel an der inneren Nordwand der Synagoge. Die
Tafel ist aus schwarzem Marmor und verzeichnet in goldenen Buchstaben
deutsch und hebräisch die Namen der 18 gefallenen Helden der
Gemeinde. Zu der Feier waren neben den Gemeindemitgliedern die Spitzen der
Zivil- und Militärbehörden und Abordnungen der Krieger- und
Frontkämpfervereinigungen (darunter der Stahlhelm) erschienen. Nach dem
Chorgesang des Psalms 108, V. 18-19 hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn
die Gedenkrede, die einen tiefen Eindruck hinterließ. Ferner sprachen
Landrat Freiherr von Gagern, Oberstleutnant Scheffel, der mit anderen
Offizieren in Uniform erschienen war, Studienrat Eschelbach, Beigeordneter
Arnd, der mit Beigeordnetem Wißler den in Urlaub befindlichen
Oberbürgermeister vertrat, Ferdinand Schuster und Gemeindeältester Dr.
Herz. Chorgesang des Psalms Michtam von David (Psalm 16), Verse
9-11 beendete die würdige Gefallenen-Gedächtnisfeier." |
Eine Erweiterung der Synagoge wird vorgenommen
(1926)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
2. September 1926: "Fulda, 11. August (1926). Da der geplante
Neubau einer Synagoge, für den die jüdische Gemeinde dahier einen
Bauplatz in der Dalbergstraße besitzt, infolge der Geldverhältnisse in
der Nachkriegszeit nicht ausführbar ist, wird jetzt eine Erweiterung der
jetzigen Synagoge vorgenommen, nachdem sich die Gemeinde so sehr
vergrößert hat, dass der Raum nicht mehr ausreicht. Nach Beschloss der
Vorsteheramtes soll nun ein Erweiterungsbau nach der Mittelstraße
ausgeführt werden. Geplant ist eine Verlängerung des Hauptraumes mit
Emporen für Frauen und Chor, sowie des Treppenhauses. Der Erweiterungsbau
wird vollständig unterkellert und birgt im Keller die Garderobe und
Toiletten für Männer und Frauen. Die Arbeiten zum Erweiterungsbau werden
in den nächsten Tagen beginnen. Man hofft, dass die Vergrößerung bis Rausch
haschonoh (jüdisches Neujahrsfest) fertigt ist." |
Die Erweiterung der Synagoge geht ihrer Vollendung
entgegen (1927)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
21. Juli 1927: "Fulda, 11. Juli (1927). Der Erweiterungsbau
der hiesigen Synagoge geht seiner Vollendung entgegen. Die
Innenausstattung der Synagoge selbst, wie auch des neu angelegten
Treppenhauses und einiger neu geschaffener Nebenräume ist geschmackvoll
und künstlerisch ausgeführt. Die Anzahl der Plätze in der Männer wie
in der Frauen-Synagoge konnte mehr als verdoppelt werden. Es ist damit
einem sehr dringenden Bedürfnis abgeholfen, da unsere Gemeinde in den
letzten Jahrzehnten starb gewachsen ist. Man rechnet mit einer Einweihung
am Schabbat Nachamu". (sc. das wäre der 13.
August gewesen, der dem 9. Aw folgende Schabbat). |
Einweihung der erweiterten Synagoge am 9. September 1927
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
25. August 1927: "Fulda, 22. August (1927). Der
Erweiterungsbau der hiesigen Synagoge ist jetzt so weit fortgeschritten,
dass die Einweihung auf Freitag, den 9. September festgesetzt wurde.
Die Eröffnung der koscheren Küche im hiesigen Landeskrankenhaus findet
voraussichtlich am 1. September statt.
Die Küche steht unter Aufsicht des hiesigen Provinzial-Rabbiners Herr Dr.
L. Cahn." |
Nach der Einweihung der erweiterten Synagoge 1927war das
Gotteshaus nur noch elf weitere Jahre Mittelpunkt des jüdischen Lebens in der
Stadt.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
am Morgen des 10. November unter Anleitung des
SS-Standortkommandanten Otto Grüner und seinen Helfershelfern niedergebrannt.
Die Feuerwehr war anwesend und musste sich auf den Schutz der umliegenden
Wohnhäuser beschränken. Ende Januar 1939 begann der Abbruch der
Brandruine. Die Kosten wurden der jüdischen Gemeinde auferlegt. An der Stelle
der Synagoge blieb ein Baulücke. Erhalten ist neben der Synagoge das Gebäude
des Gemeindesekretariat, in dem sich auch die Jeschiwa (Toralehranstalt)
und das rituelle Bad (Mikwe) befanden.
Eine Neugestaltung des Synagogengrundstückes ist 2010 geplant.
Adresse/Standort der Synagoge: Judengasse
(frühere Adresse: Obere Judengasse Nr. 2; heute "Am Stockhaus)
Fotos
(Quelle: historische Fotos u.a. aus Arnsberg Bilder
s.Lit. S. 64; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 10.4.2009)
| Historische Fotos |
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Blick auf die ehemalige
Synagoge,
rechts des Gebäudes führt die
"Judengasse" entlang;
das Gebäude
der ehemaligen Synagoge |
Innenaufnahme mit Blick zum
Toraschrein; links an der Nordwand ist die 1926 eingeweihte Marmortafel
für die 18 Gefallenen der jüdischen Gemeinde zu sehen |
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| Das Grundstück der
ehemaligen Synagoge im Frühjahr 2009 |
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| Die Fotos zeigen
das Grundstück der ehemaligen Synagoge; die Blickrichtung des Fotos in
der Mitte entspricht der Blickrichtung des historischen Fotos oben; die
Inschrift der Gedenktafel: "Zum Gedenken an die Mitbürger jüdischen
Glaubens, deren Synagoge hier einst stand, wurde diese Gedenkplatte
errichtet. Bis 1920 war die Fuldaer jüdische Kultusgemeinde auf fast 1200
Mitglieder gewachsen. 1938 lebten in Fulda noch 658 Juden, die das schwere
Los der Diskriminierung und Verfolgung zu erdulden hatten. Viele von ihnen
verloren ihr Leben in den Vernichtungslagern der Gewaltherrschaft. Wir
wahren das Andenken an unsere jüdischen Mitbürger und ehren ihre Toten.
Die Bürgerschaft der Stadt Fulda". |
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Das Gebäude des
Gemeindesekretariates
und der Mikwe |
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| Ansichten der
ehemaligen Judengasse (heute "Am Stockhaus") |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2009:
Gedenken am 71. Jahrestag des Novemberpogroms
1938 |
Artikel von Wolfgang Hohmann in der "Fuldaer Zeitung" vom
10. November 2009 (Artikel):
"Gedenken an die Reichspogromnacht.
FULDA. Von einem 'fest gefügten Kalenderdatum' sprach Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU) am Montagabend und meinte nicht den Fall der Mauer oder 60 Jahre Bundesrepublik. Er bezog sich auf das Gedenken an die Reichspogromnacht 'am 9. November vor 71 Jahren und an diesem
Platz'..." |
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| März
2010: Das Grundstück der ehemaligen
Synagoge wird umgestaltet |
Artikel in "Fuldainfo" vom März
2010 (Artikel): "Gestaltung des Platzes der ehemaligen Fuldaer Synagoge
Fulda (fdi) - Die Stadtfraktion der Fuldaer Grünen begrüßen die geplante Umgestaltung des Ortes, an dem bis zum 10. November 1938 die Fuldaer Synagoge stand. Der Hintergrund dieser Pläne geht zurück auf den Antrag der Grünen, das Projekt Stolpersteine von Gunter Demnig auch in Fulda zu verwirklichen. Der Kölner Künstler erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten..."
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| Oktober
2010: Eine neue Gedenkstätte wird
eingeweiht |
Artikel von Volker Nies in der "Fuldaer Zeitung" vom 7. Oktober
2010 (Artikel):
"Neue Gedenkstätte für 252 deportierte Fuldaer Juden.
FULDA Regine Eschwege und Fritz Goldschmidt, Karl Strauss und Bea Weinberg – das sind vier von 252 jüdischen Bürgern, die 1940 bis 1942 aus Fulda deportiert wurden. Ein neuer Gedenkstein nennt alle Opfer jetzt erstmals mit
Namen..." |
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Weiterer Bericht mit Fotos
in den "Osthessen-News" vom 8. Oktober 2010:
"Dem
Vergessen entrissen" - Gedenkstätte mit Namen 252 deportierter Juden. |
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| November
2010: Vortrag über die Zerstörung
der Synagoge beim Novemberpogrom 1938 |
Artikel von Volker Nies in der "Fuldaer Zeitung" vom 10.
November 2010 (Artikel):
"Vortrag: Morgens um sechs brannte die Synagoge
Fulda In der Reichspogromnacht am 10. November 1938 wurde die Synagoge in Fulda zerstört. „Von der Zerstörung der Synagogen bis zum Massenmord an den Juden war es nur ein kurzer Weg“, sagte der Historiker Dr. Walter Mühlhausen in der Marienschule..."
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica I S. 113-114;
II,1 S. 267-268; III,1 S. 419-421. |
 | Paul Horn/ Naftali Herbert Sonn: Zur Geschichte der Juden in
Fulda. Ein Gedenkbuch. Tel Aviv 1969. |
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 221-235. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 63-67. |
 | Keine Abschnitte zu Fulda bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. und dies.: Neubearbeitung der
beiden Bände. 2007². |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S.
13-19. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 527-534. |
 |
Heinz-Jürgen Hoppe: Das jüdische Fulda. Ein historischer Stadtrundgang. Hünfeld
1998.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Fulda
Hesse-Nassau. Although Jews may have lived there in the ninth century, their
population only became substantial after the First Crusade (1096). A blood libel
in 1235 led to the martyrdom of 32 Jews, and nearly 200 perished during the
Black Death persecutions of 1348-49. Reestablished in 1367, the community
established a synagogue in the Jewish quarter (Judengasse) in 1423 and,
despite heavy taxation and restrictions, grew to number 77 families by 1653.
Fulda became the seat of a regional religious court, (beit din), one of
five in Germany. Its chief rabbis, who also headed the yeshiva, included Eliyahu
Loanz (1604-09) and Meir ben Yaakov ha-Kohen Schiff (the 'Maharam'; 1622-40), a
leading talmudist who was appointed at the age of 17. Although 2.000 Jews were
expelled from the diocese in 1671, some returned shortly afterward and
eventuelly opened one of the first German schools in 1784. French occupation
anthorities compelled them to adopt surnames in 1812, but they only obtained
civil rights in 1833. Abandoning their former occupations, the Jews became
department store owners, textile and paint manufacturers, lawyers, and
physicians. Catholics in Fulda discountenanced the rise of political
antisemitism and the community built a larger synagogue in 1859 to accomodate
new members from rural areas, growing from 237 (3 % of the total) in 1802 to 861
(4 %) in 1905. A district rabbi (1877-1919), Dr. Michael Cahn transformed
Orthodox Fulda Jewry into a bastion of Agudat Israel, denouncing both Liberal
Judaism and Zionism (including Mizrachi). Thanks to his initiative, phylacteries
(tefillin) 'made in Fulda' were prized throughout Europe. In response to
the Tiszaeszlar blood libel in 1882 Fulda's Catholic bishop circulated a
declaration refuting the charge. East European refugees founded a congregation
of their own during Worldwar I, but soon became an integral part of the
community. During the Weimar Republic era, branches of the Central Union (Central-Verein),
Jewish War Veterans Association, and B'nai B'rith were established. Leo Cahn
succeeded his father as rabbi (1919-38) and at its height the community numbered
1.137 in 1925. The synagogue was further enlarged and with the aid of Kalman
Kahana, a rabbi from Brody, Barukh Kunstadt reestablished a yeshiva. While the
older generation remained anti-Zionist until 1933, members of the Blau-Weiss
youth movement left for Palestine in the 1920s. Around that time a training farm
(hakhsara) was established by the religious Zionist Bahad movement in
Rodges, and its philosophy hat a great attraction for Orhtodox youth in
neighboring Fulda. A larger training farm at Geringshof survived until 1938.
Most of the graduates of these farms emigrated to Palestine, where they helped
found religious kibbutzim such as Yavne and Tirat Tzevi.
The Catholic Center Party in Fulda, which many Jews supported, retained an
absolute majority (51,5 % as against the Nazis' 27 %) in March 1933, when Hitler
war already chancellor. Nazi terror silenced the free press and deprived Jews of
their livelihood. Even the rabbi's sermons were monitored by Gestapo agents. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogue (with its ancient Memorbuch dating from
1550) war burned to ashes. One Jewish girl was raped and the men were sent to
the Buchenwald or Dachau concentration camp. Of 1.058 Jews registered in Fulda
at the beginning of 1933, 935 emigrated (195 to Palestine); virtually all the
remainder were deported: 132 to the Riga ghetto (December 1941); 36 to the
Lublin district (May 1942); and 75 to the Theresienstadt ghetto (September
1942). Among those who moved to Palestine, R. Barukh Kunstadt established the
Kol Torah Yeshiva in Jerusalem while Dr. Kalman Kahana, a founder of Kibbutz
Hafetz Hayyim, later served as Israel's deputy minister of education
(1962-69).

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