Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen" 
Zur Übersicht "Synagogen im Kreis Kassel"    
    

Naumburg / Hessen mit den Stadtteilen Altendorf, Altenstädt, Elben und Heimarshausen 
sowie Riede (Gemeinde Bad Emstal) (Kreis Kassel)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Naumburg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16/18. Jahrhunderts zurück. 1503 wird erstmals eine Jude in der Stadt genannt: Jud Lewe (Löw) aus Naumburg führte damals einen Prozess vor dem Freistuhl zu Sachsenhausen. 1692 werden sechs jüdische Einwohner (mit Familien?) aufgeführt.   

Zur jüdischen Gemeinde Naumburg gehörten auch die in Altendorf, Altenstädt, Elben, Heimarshausen und Riede (heute Gemeinde Bad Emstal) lebenden jüdischen Personen: in Altendorf 1728 3 jüdische Einwohner, 1861 0; in Altenstädt 1728 5, 1861 25 jüdische Einwohner (Familien des Levi Hecht, Feist Kugelmann und Isaac Höh; nach 1883 keine jüdischen Einwohner mehr am Ort); in Elben seit 1654 (Simon Jacob) jüdische Einwohner, 1774 Seligmann Heinemann, 1861 6 jüdische Einwohner, nach 1884 keine mehr; in Heimarshausen 1774 Familie des Abraham Katz, 1861 2 jüdische Einwohner; in Riede 1861 14, 1924 4 jüdische Einwohner.
    
1804 zahlten die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände Schutzgeld an den Landesherrn: Jacob Kaiser, Aron Moses, Schaft Elias, Selig Moises, Salomon Moises, Moises Kaiser, Joseph Kanter, Isac Moises; aus Altenstädt: David Mendels Witwe, Michel Schmul. 
  
An den Freiheitskriegen 1813/14 nahmen zwei Männer aus der jüdischen Gemeinde teil: Moses Katz und Aron Rosenbaum.  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1827 75 jüdische Einwohner (4,9 % von insgesamt 1.541 Einwohnern), 1855 81, 1861 65 (3,9 % von 1.649), 1871 67 (4,7 % von 1.430), 1885 47 (3,5 % von 1.329), 1905 53 (3,9 % von 1.376). 
   
Die jüdischen Familienvorsteher verdienten den Lebensunterhalt bis ins 19. Jahrhundert hinein fast durchweg als Händler; die meisten hatten ein eigenes Haus und etwas Garten beziehungsweise Ackerland. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere Geschäfte und Handlungen in der Stadt, die im Besitz jüdischer Einwohner waren. Um 1900 gab es zwei jüdische Metzger, einen Apotheker, einen Schuhmacher, einen Pferdehändler, einen Viehhändler, mehrere Handelsleute und Kaufleute    

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Elementarschule, 1890 aufgelöst, danach Religionsschule), ein rituelles Bad (um 1833 zwei private Mikwen im Haus des Gemeindeältesten Avram Josef Spittel und im Haus des Gumpert Hakelberg; 1836 neue Mikwe in einem anderen Privathaus; seit 1845 im Synagogen-/Schulgebäude) und ein Friedhof. Die Schule war von 1827 bis 1845 in gemieteten Räumen in der Stadt untergebracht. 1844/45 wurde unmittelbar neben der Synagoge und mit ihr verbunden ein Schulhaus mit Schulsaal und Lehrerwohnung erstellt. 1840 gab es 23 schulpflichtige Jungen und 17 schulpflichtige Mädchen in der Gemeinde. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). An Lehrern sind bekannt: Jacob Bamberger (ca. 1806-1814), Moses Müller (1820-1824), Lehrer Weinstein (um 1824), Emanuel Bien (1827-1857, dann mit Familie in die USA ausgewandert), Eliser Gutkind (aus Zierenberg, 1857-1866), Moses Levi (aus Ronshausen, 1866-1871, danach in Hofgeismar), Nathan Jaffa (aus Heinebach, ab 1872-1877), Simon Schön (1877-1891, letzter Elementarlehrer der Gemeinde); ab 1891 die Religionslehrer: Lehrer Heiser (1891-1884), Levi Grünstein (1894-1928(, Lehrer Katzenstein (1928-1937). Die Gemeinde gehörte innerhalb des damaligen Kreises Wolfhagen zum Provinzialrabbinat in Kassel.  
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Berthold Schon (geb. 16.9.1887 in Naumburg, vor 1914 in Hannover wohnhaft, gef. Februar 1917) und Unteroffizier Julius Schön (geb. 14.11.1884 in Naumburg, gef. 25.8.1918).            
    
Um 1924, als zur Gemeinde noch 40 jüdische Personen gehörten (2,7 % von insgesamt 1.468 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Siegmund Kaiser-Blüth und Isaak Wertheim (die beiden waren von 1911 bis 1925 Gemeindevorsteher). Als Lehrer und Vorbeter war der bereits genannte Levi Grünstein tätig. Er erteilte damals sieben jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es einen Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (1924 unter Leitung von Lehrer Grünstein). 1932 war Gemeindevorsteher Isaak Wertheim (von 1926 bis 1936 Gemeindevorsteher). Im Schuljahr 1931/32 erhielten noch drei jüdische Kinder der Gemeinde durch Lehrer Katzenstein Religionsunterricht.         
 
1933 lebten noch etwa 35 jüdische Personen in Naumburg. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Letzter Gemeindevorsteher wurde 1937 Gustav Schlesinger. 1938 waren noch Angehörige der Familien Blumenkron und Diekhof (Untere Straße 23), Kaiser-Blüth (Untere Straße 24), Plaut (Untere Straße 11), Rosenstein (Roter Rain), Schlesinger (Dielenhenn-Straße 2) und Wertheim (Im Altenhagen 1) in Naumburg. Am 3. Oktober 1938 wurden die jüdischen Familien von der Ortspolizei aufgefordert, den Ort binnen vier Wochen zu verlassen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude teilweise zerstört, die (damals leerstehenden) Häuser der Familien Rosenstein und Blumenkron wurden geplündert und angezündet.  
Der letzte Gemeindevorsteher Gustav Schlesinger konnte nach Chile emigrieren; der frühere Gemeindevorsteher Siegmund Kaiser-Blüth ist mit Familie über Frankfurt nach Argentinien ausgewandert. Die letzten jüdischen Einwohner sind im November 1939 von Naumburg weggezogen (teilweise Kassel, von wo einige deportiert wurden). Unter den Umgekommenen ist der Gemeindevorsteher (bis 1937) Isaak Wertheim. Insgesamt sind fünf Familien ausgewandert: drei nach Südamerika, zwei nach Palästina/Israel.    

Naumburg Hofgeismar Museum 100.jpg (86018 Byte)Von den in Naumburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", sowie nach der Gedenktafel im Stadtmuseum Hofgeismar, Jüdische Abteilung, siehe Foto links): Bertha Blumenkron geb. Meyberg (1857), Selma Blumenkron (1892), Walter Blumenkron (1897), Edith Diekhoff (1933), Erna Eva Diekhoff  geb. Blumenkron (1890), Herbert Diekhoff (1894), Margarete Diekhoff (1930), Werner Diekhoff (1931), Johanna Gotthelf geb. Blumenkron (1896), Karoline Grünstein geb. Herz (1857), Rosa Homberg geb. Blumenkron (1887), Julius Kaiser-Blüth (1873), Kurz Kaiser-Blüth (1903), Adolf Kander (1880), Johanna Kander geb. Levinstein (1893), Sally Lazarus (1901), Flora Levi geb. Rosenstein (1901), Elias Plaut (1879), Dora Plaut geb. Hammerschlag (1893), Siegberg Plaut (1931), Walter Plaut (1931), Ella Rosenstein geb. Levy (1904), Julius Rosenstein (1868), Jonny Rosenstein (1904), Bernhart Schlesinger (1857), Isfried Schön (1884), Ida Steinheim geb. Kaiser-Blüth (1910), Isaak Wertheim (1867). 

 
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 / 1893

Naumburg Israelit 11101871.jpg (78098 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1871: "Die israelitische Gemeinde Naumburg bei Kassel sucht auf sogleich oder zum baldmöglichsten Antritt einen Lehrer, Vorsänger und Schochet. Fixer Gehalt 150 Thaler nebst freier Wohnung, freier Heizung im Schul- und Wohngebäude, 2 Gemeindegärten. Die Schechita ist mit 60 Thalern veranschlagt, Synagoge, Schul- und Wohngebäude bilden ein Ganzes und sind sehr vollständig und schön eingerichtet. Nebeneinkünfte ca. 30 Thaler und steht einem tüchtigen und konvenierenden Manne noch eine extra persönliche Zulage in Aussicht, und ist einem solchen auch Gelegenheit geboten, circa 100 Thaler für Privatunterricht einzunehmen. Musikalisch gebildete Lehrer mit guter Stimme erhalten den Vorzug. Reflektierende wollen sich alsbald an den Gemeindeältesten B. Kaiser-Blüthe wenden."   
    
Naumburg Israelit 22061893.jpg (54450 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1893: "Die israelitische Synagogengemeinde Naumburg, Regierungsbezirk Kassel, sucht per sofort einen Religionslehrer, der zugleich Vorbeter und Schächter sein muss. Fixes Gehalt 750 Mark nebst freier, schöner Wohnung und Garten und freiem Brand. Nebenverdienste ungefähr 400 Mark. Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse an die Unterzeichneten wenden. 
Die Gemeinde-Ältesten: Jacob Kaiser Blüth I. & II."
Anmerkung: Jacob Kaiser-Blüth I und II waren von 1875 bis 1897 Gemeindevorsteher. 

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Erste jüdischen Handwerker in Naumburg (1818)

Naumburg Sulamith 1817 392.jpg (91592 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Sulamith" Jg. 1817/18 S. 392: "Auch im Kurfürstentum Hessen zeigen sich die wohltätigsten Folgen der Zivilisierung der Israeliten. Auch in diesem Staate verfehlen die weisen und humanen Maßregeln der hohen Landesregierung, die Kultur der Israelitischen Jugend zu befördern (wie z.B. die Zulässigkeit zu zunftmäßigen Gewerben) ihren edlen Zweck nicht. - So treiben bereits seit mehreren Jahren in der Residenz Kassel und deren Gegend folgende jüdische Professionisten (welche größtenteils in dieser Stadt ihr Handwerk erlernt), teils als Meister, teils als Gesellen und Lehrbursch zunftmäßige Gewerbe, als: 1 Rothgießer, 2 Buchbinder, 2 Schneider, 1 Sattler, 2 Schuhmacher, 2 Schlosser, 1 Bordenwirker, 1 Tischler und ein Schönfärber; und nicht zunftmäßige, mehr ins Gebiet der freien Künste gehörende Gewerbe treiben: 1 Mechanikus und 1 Tapezier.   
In Naumburg (unweit Kasel) befinden sich 1 Lohgerber, 1 Schönfärber, 1 Sattler und 1 Schuhmacher. 
Kassel 1818. B."  

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zur Beisetzung des Musketiers Appel aus Naumburg in Kassel (1847)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. August 1847: "Kassel, 7. August (1847). Das Frankfurter Journal enthält von hier aus folgenden bittern Artikel: 'Folgender Fall erregt hier außerordentliches Aufsehen. Unter fünf Soldaten, die an einem schweren gastrischen Fieber gestorben, befand sich auch einer, der sich zur mosaischen Religion bekannte. Kaum hatten die Vorsteher der israelitischen Gemeinde Kunde davon erhalten, als sie auch alles aufboten, um die Bestattung des Leichnams nach jüdischem Ritus zu erwirken. Es ist ihnen auch gestattet worden; obgleich es gar vielen nicht einleuchten will, was die Vorsteher bewegen konnte, zu verhindern, dass der Verstorbene mit militärischen Ehren zur Erde bestattet werde. Der einfache Grund mag wohl darin zu suchen sein, dass sie nicht wissen, was sie tun, indem die hiesige israelitische Gemeinde nun schon seit fünf Jahren ohne Seelsorger, man kann nicht sagen besteht, sondern vegetiert. Wo dem Israeliten es gestattet ist, in den Reihen der vaterländischen Krieger zu stehen, da soll er im Leben und im Tode auch die gleichen Rechte genießen. So lange Einzelne das nicht begreifen, und wenn sie selbst sich Vorsteher nennen, so sind sie nicht reif zur Emanzipation mit ihren christlichen Mitbürgern oder das Blatt hat sich gewendet, die Unduldsamkeit gegen Andersglaubende herrscht bei ihnen; sie sind nicht mehr die Unterdrückten, sondern die Unterdrücker.'"  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. September 1847: "Kassel, 12. August (1847). Das Frankfurter Journal enthält folgende Berichtigung des in voriger Nummer mitgeteilten Artikels: 'Der wahre Sachverhalt ist folgender: In dem vom Regimentskommando des 1. (Leib-)Infanterieregiments, welchem der Verstorbene angehörte, an den Vorstand der israelitischen Gemeinde gemachten schriftlichen Anzeige vom erfolgten Ableben des Musketiers Appel aus Naumburg, israelitischer Religion, wurde demselben zugleich eröffnet, dass in Folge höchster Ordre die Beerdigung der Soldaten israelitischen Konfession der betreffenden israelitischen Gemeinde obliege und nicht durch das Regiment zu geschehen habe usw. Hiernach musste die Beerdigung auf dem israelitischen Friedhofe von den Glaubensgenossen des Verstorbenen übernommen werden. Dem Sarge folgte aber nichtsdestoweniger der Hauptmann, der Feldwebel, mehrere Unteroffiziere und ein großer Teil der Kameraden des Verstorbenen, um demselben die letzte Ehre zu erweisen. Dieses ist die einfache und zuverlässige Darstellung jenes Vorganges."               

 
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeigen des Manufakturwarengeschäftes B. Kaiser Blüth Sohn (1901 / 1902)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juli 1901: "Für mein Manufakturwarengeschäft, Samstags und Feiertage streng geschlossen, suche per sofort eventuell per 1. August, einen tüchtigen, angehenden 
Commis
 
für Lager und Comptoir; ferner einen Lehrling mit guten Schulkenntnissen unter günstigen Bedingungen. Kost und Logis im Hause. 
B. Kaiser Blüth Sohn,
Naumburg, Regierungsbezirk Kassel."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1902: "Per sofort oder per 1. Dezember suche einen tüchtigen jüngeren Commis f
ür mein Samstags und Feiertage streng geschlossenes Manufakturwarengeschäfte. Station im Hause. 
B. Kaiser Blüth Sohn. Naumburg, Regierungsbezirk Kassel."   

    
Anzeige von Siegfried Appel (1903)  

Naumburg Israelit 26111903.jpg (42102 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1903: "Für einen kleinen Haushalt Dienstmädchen vorhanden, suche per sofort zuverlässige tüchtige Person zur Führung des Haushalts. Offerten mit Gehaltsansprüchen per Monat erbitte sofort 
Siegfried Appel, Naumburg, Bezirk Kassel."  

  
 

  
Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Von 1793 bis 1795 wurde eine Synagoge erbaut; als Bauherr wird Salomon Moises genannt. Das Gebäude umfasste einen Betsaal mit Empore und eine kleine Wohnung für den Lehrer der Gemeinde. Da das rituelle Bad sich in einem jüdischen Privathaus und die Schule in gemieteten Räumen in der Stadt befanden, bemühte sich der jüdische Lehrer Emanuel Bien seit Januar 1833 darum, dass auf dem Grundstück neben der Synagoge ein jüdische Gemeindehaus mit rituellem Bad, Schulhaus und Lehrerwohnung erstellt werden könnte. Dieser Anbau konnte jedoch erst 1844/45 erbaut werden. Für die Planung und Ausführung des Baus war Landbaumeister Schnackenberg aus Hofgeismar verantwortlich. Nach Abschluss der Bauarbeiten befanden sich in dem Anbau ein großer Schulsaal sowie für den Lehrer eine Wohnstube, eine Schlafkammer und ein Dachkämmerchen; im bisherigen Gebäude waren weiterhin weitere Wohnräumlichkeiten des Lehrers. Im Betsaal gab es nach einem Inventarverzeichnis von 1857 zehn Bänke (Stände) mit Platz für 40 Männer, auf der Empore 6 Bänke mit 27 Plätzen für die Frauen. Dazu noch zusätzlich Sitzplätze für Gäste und die Jugendlichen der Gemeinde. Der Synagogensaal verfügte über eine reiche und festliche Ausschmückung mit vielen Lampen und Leuchtern aus Messing.       
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude (am 11. November 1938) teilweise zerstört. Beteiligt waren an der Aktion auswärtige SA-Leute wie auch einheimische Personen. Die zweistöckige Anbau des Betsaal, der in den Garten / Hofteil ragte, wurde zum Einsturz gebracht und noch in derselben Nacht völlig abgebrochen. Eine Brandfackel wurde in das Gebäude geworfen. Wieviel Schaden sie zusätzlich angerichtet hat, ist nicht bekannt.  
  
Eine Hinweistafel ist am Gebäude angebracht (siehe Foto unten). 
   
  
Adresse/Standort der Synagoge      Graf-Volkwin-Straße 9 (ehemalige Gerichtsstraße) 
    

Fotos
(Quelle:  neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.6.2008)  

    Historische Fotos der ehemaligen Synagoge sind noch nicht vorhanden; über Zusendungen oder Hinweise freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.  
     
      
Naumburg Synagoge 152.jpg (94409 Byte) Naumburg Synagoge 151.jpg (87890 Byte) Naumburg Synagoge 150.jpg (109078 Byte)
Blick auf das Vordergebäude der ehemaligen Synagoge (Giebel zur Straße, in dem sich Teile der Lehrerwohnung befanden) und das der ehemaligen jüdischen Schule (links davon; mit ehemaligen Schulraum und Teilen der Lehrerwohnung)  Blick auf den erhaltenen Teil der 
ehemaligen Synagoge von der Hofseite. 
Im Hofbereich stand der ehemalige 
Betsaal mit Empore, der 1938 
zerstört wurde.  
Inschrift: "Baudenkmal. Gedenke. 
Von 1503 bis 1938 haben Juden in 
Naumburg gelebt. Von 1795 bis 1938 
war dies die Synagoge."  
  

   
   
Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Naumburg (Hessen) 

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Naumburg 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 112-114.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 (kein Artikel zu Naumburg).  
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 45-46.  
dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S. 138-140.   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 82-83.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 512-513.   
Naumburg Lit 010.jpg (57496 Byte)Volker Knöppel und der Magistrat der Stadt Naumburg (Hrsg.): "...da war ich zu Hause". Synagogengemeinde Naumburg 1503-1938. Gemeinschaftsausgabe des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde e.V. - Zweigverein Naumburg und des Geschichtsverein Naumburg: "Die Geschichte unserer Heimat" Band 29.  Hofgeismar/Naumburg 1998.

    
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Naumburg Hesse-Nassau. Established in the 18th century, the community dedicated a synagogue in 1795 and together with members in three local villages numbered 147 in 1847, but dwindled to 40 in 1925. The 30 Jews living there in October 1938 received notice to leave and only two families remained on Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue was destroyed. By September 1929 they had also left. Few emigrated, most settling in Frankfurt and Kassel.  
    

  

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge  

                  

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. Mai 2012