Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Boppard bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. Bereits im 11. Jahrhundert verkehrten Juden aus Worms in Boppard. Nach einer Urkunde Heinrichs IV. vom 18. Januar 1074 erhielten die Wormser Juden Zollbefreiung an der Zollstätte in Boppard. In der Folgezeit ließen sich mehrere jüdische Personen/Familien in der Stadt nieder - es kam zur Bildung einer jüdischen Gemeinde. Zu einer ersten schweren Verfolgung kam es im August 1179, als die jüdischen Einwohner Boppards des Mordes an einer christlichen Frau beschuldigt wurden, die man am Rheinufer gefunden hatte. 13 jüdische Einwohner, darunter der Vorbeter R. Jakob und der grausam gefolterte Toraschreiber R. Isaak wurden umgebracht und in den Rhein geworfen. Der Mord blieb ungesühnt. Die nächste Verfolgung traf die Gemeinde im Zusammenhang mit dem Kreuzzug ('Deutscher Kreuzzug') des Jahres 1196. Dabei wurden acht jüdische Gemeindeglieder durch fanatisierte Kreuzfahrer ermordet, darunter der Vorbeter R. Salomo. Diesmal fand eine Bestrafung statt: zwei der Mörder wurden auf Befehl von Otto, dem Pfalzgrafen von Burgund (Bruder von Kaiser Friedrich) geblendet.  
  
Aus dem 13. Jahrhundert sind die Namen einiger Bopparder Juden überliefert, darunter 1216 von Isaak, er einen der Bamberger Kirche gehörenden Bauplatz erwarb, um darauf ein steinernes Haus zu bauen. Als Zeugen des Kaufbriefs werden Elyas, Gersan, Hezzechinus, Michel und Ruben genannt. Nach der Reichssteuerliste von 1242 hatten die Bopparder Juden 25 Mark Silber zu bezahlen (zum Vergleich: die Wormser Juden bezahlten 130 Mark Silber). Die jüdischen Familien wohnten insbesondere in der "Judengasse" (seit 1250 nachgewiesen; heutige Eltzerhofstraße), wo jedoch auch Christen einige Grundstücke und Häuser hatten. Eine Synagoge war vorhanden. Die Toten der Gemeinde wurden in Koblenz beigesetzt.     
 
Weitere schwere Judenverfolgungen gab es seit Ende des 13. Jahrhunderts: 1287 traf die Gemeinde die Folgen der Ritualmordbeschuldigung in Oberwesel, 1337 fielen die "Judenschläger" und Bürger der Stadt über die jüdischen Einwohner her; 1348/49 wurde die Gemeinde schließlich in der Pestzeit vernichtet. Über über ein Jahrhundert später werden wiederum Juden in der Stadt genannt (1461 oder 1462). Wenige jüdische Personen aus Boppard werden in anderen Städten genannt (1433 in Landau; 1516 in Frankfurt). 
    
Von einer Vertreibung der Juden aus Boppard zu Beginn der Neuzeit ist nichts bekannt. Im 16., 17. und 18. Jahrhundert lebten wohl die meiste Zeit jeweils einige jüdische Familien in der Stadt. Doch kann es auch zu zeitweiligen Ausweisungen gekommen sein. Um 1670 gab es 6 jüdische Haushalte in der Stadt, 1755 4, 1781 11 jüdische Haushalte.   
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1803 53 jüdische Einwohner, 1835/37 etwa 60, 1847 70 (in 14 Familien), 1856 76 (in 18 Familien), 1858 75, 1895 77, 1903 98. Am 30. Juli 1853 wurde eine Synagogengemeinde in Boppard offiziell gegründet. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die meisten Bopparder Juden vom Hausier- und Trödelhandel; nur wenige hatten ein Ladengeschäft. Erst nach 1860 wurden mehrere jüdische Geschäfte und Handlungen in der Stadt von jüdischen Kaufleuten eröffnet, u.a. im Textilbereich sowie im Landesprodukten- und Viehhandel. 
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. die Ausschreibungen der Stelle unten). 
 
Im Ersten Weltkrieg sind von den jüdischen Kriegsteilnehmern keine gefallen.        
 
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 97 Personen gehörten, waren die Gemeindevorsteher Carl Trum, Adolf Forst, Sig. Meyer und Philipp Frank. Als Lehrer war Hermann Fein angestellt. Er erteilte an der Religionsschule der Gemeinde 12 Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es den Verein Chewra Kadischa (beziehungsweise Männerchewro, 1924 unter Leitung von Dr. jur. Hohenstein, 1932 unter Leitung von Lehrer Hermann Fein; Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit) und den Israelitischen Frauenverein (beziehungsweise Frauenchewro, 1924 unter Leitung der Frau von Robert Meyer, 1932 unter Leitung von L. Holberg; Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit). 1932 waren die Gemeindevorsteher Adolf Forst (1. Vors.), Hermann Kahn (2. Vors.) und Rudolf Loeb (3. Vors.). Die Repräsentanz hatte gleichfalls drei Vorsteher: Philipp Frank (1. Vors.), A. Loeb (2. Vors.) und S. Frank (3. Vors.). Der Gemeindevorstand hatte einen Friedhofsausschuss gebildet, dessen Vorsitzender Adolf Forst war. Weiterhin war Hermann Fein als Lehrer und Kantor tätig. Er unterrichtete im Schuljahr 1931/32 20 Kinder der Gemeinde.    
  
1933 lebten noch etwa 92 jüdische Personen in Boppard. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (vor allem in die USA, Südamerika und Südafrika). Beim Novemberpogrom wurde die Synagoge geschändet und demoliert (s.u.), jüdische Wohnungen wurden durch SS-Angehörige und Polizisten "durchsucht" und das Inventar zertrümmert. Die jüdischen Männer wurden verhaftet, ein Teil von ihnen in das KZ Dachau verschleppt. Im April 1942 wurden fast alle der noch 32 jüdischen Einwohner in Boppard von der Polizei in Richtung Bad Salzig geführt und im dortigen Hotel "Zum Schwan" interniert. Wenig später erfolgt der Abtransport in die Ghettos und Vernichtungslager des Ostens.  
  
Von den in Boppard geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Martha Benedick geb. Kahn (1894), Otto Benedick (1884), Rudolf Cohnen (1922), Sally Cohnen (1888), Selma Cohnen geb. Höxter (1891), Ella Daniel geb. Trum (1898), Selma Eppestein geb. Marx (1879), Rosa Feist geb. Ackermann (1908), Betty Forst (1896), Else (Ilse) Forst (1922), Erwin Forst (1928), Hermann Forst (1921), Jakob Forst (1887), Johanna Forst geb. Levy  (1880), Josef Forst (1896), Josef Erich Forst (1920), Julius Forst (1880), Leo Forst (1884), Max Forst (1886), Rosa Forst (1887), Rosette Wilma Forst (1932), Werner Forst (1924), Benjamin Haas (1872), Theodor (Theo) Haas (1904), Hermann Herz (1877), Alma Heymann geb. Benedick (1886), Jenny Hirsch geb. Kaufmann (1883), Maximilian Hohenstein (1883), Ella Margaretha Holberg (1925), Josef Holberg (1882), Karl Moritz Holberg (1937), Lina Holberg geb. Trum (1896), Amalie Isidor geb. Feist (1878), Jakob Isidor (1881), Emanuel (Emil) Kaufmann (1873), Hermann Kaufmann (1887), Max Kaufmann (1880), Walter Kaufmann (1901), Emil Löb (1872), Rosalie Mansbach (1862), Selma Marx (1873), Lina Mayer geb. Kombert (1884), Alma Meyer geb. Ruben (1877), Bessi (Bertha) Meyer geb. Königsberger (1903), Clementine Meyer (1870), Erich Meyer (1905), Julius Meyer (1868), Kurt Meyer (1903), Robert Meyer (1876), Ferdinand Oster (1881), Gisela Ingeborg Oster (1926), Rosa Oster geb. Ullmann (1891), Martha Regina Schmitz (1895), Betty Simon geb. Forst (1891), Maria Terwiel (1910).            
  
   
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 / 1901 / 1903 / 1909 / 1911  

Boppard Israelit 25071877.jpg (35658 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juli 1877: "Die hiesige Religionslehrer- und Vorbeterstelle ist mit einem Gehalte von 700 Mark nebst freier Wohnung sofort zu besetzen. Reflektanten wollen sich bei dem Vorsteher Joseph Meyer baldigst melden. 
Boppard am Rhein, den 5. Juli 1877. Im Auftrage des Vorstandes: S. Haas."        
  
Boppard Israelit 22071901.jpg (50805 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1901: "In hiesiger Gemeinde ist die Stelle als Religionslehrer, Kantor und Schochet am 1. Oktober dieses Jahres zu besetzen. Gehalt 800 Mark sowie freie Wohnung mit Einrichtung. Seminaristisch ausgebildete Bewerber, mit angenehmer Stimme wollen sich bei dem Unterzeichneten melden. 
S. Haas, Vorsteher der israelitischen Gemeinde Boppard."    
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1903: 
"In der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers
Chasan und Schochets per 1. Oktober, eventuell früher, vakant
Gefällige Offerten sind an den Vorsteher Herrn Joseph Meyer dahier zu richten. 
Boppard
, 4. Mai."  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1903
"In der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines 
Religionslehrers

Chasan und Schochets per 1. Oktober, eventuell früher, vakant. Gefällige Offerten sind an den Vorsteher Herrn Joseph Meyer dahier zu richten. 
Boppard
, 4, Mai."  
 
Boppard FrfIsrFambl 15051903.jpg (9738 Byte)Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Mai 1903
"Boppard am Rhein. Meldungen an Joseph Meyer".    
  
Boppard Israelit 15071909.jpg (64229 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juli 1909: "Lehrer-Vakanz
Die hiesige Lehrer-, Vorbeter- und Schochetstelle ist per 1. Oktober dieses Jahres neu zu besetzen. Gehalt Mark 1.000 bei freier Wohnung und Heizung. Nebenverdienst ca. Mark 200. Boppard hat Königliches Lehrerseminar. Unverheiratete seminaristisch gebildete Herren belieben Offerten und Zeugnisabschriften einsenden zu wollen an den 
Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde Boppard S. Haas."    
  
Boppard FrfIsrFambl 13011911.jpg (41153 Byte)Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. Januar 1911: "Frankfurt am Main. Vakanzen - ... Boppard, Religionslehrer, Vorbeter und eventuell Schächter per bald. 1.200 Mark Gehalt und freie Wohnung..."  

   
   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Spendenaufruf (1884)   

Boppard Israelit 30061884.jpg (57120 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1884: 
"Bitte. 'Wohl dem, der sich des Armen annimmt... (Psalm 41,2). 
Ein sehr braver Jehudi von hier, welcher schon seit Monaten an einem chronischen Magenübel leidet, auch vier Wochen in Bad Ems war, jedoch leider ohne Erfolg, soll nunmehr auf Anraten der Ärzte in eine Klinik. Vater von 7 Kinder, wovon noch keines erwerbsfähig ist, leidet die Familie bittere Not, zu deren Linderung Unterzeichneter ganz ergebenst um milde Gaben bitte, welche in dieser Zeitung veröffentliche. Boppard, den 26. Juni 1884. Achtungsvoll S. Haas.   
Wir sind gerne bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern. Die Expedition des 'Israelit'." 

  
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Hinweis auf Dr. Adolf Hohenstein (1881-1935) 
(Hinweis auf Grund einer Mitteilung von Carola Riethmüller, Boppard)   

Dr. Adolf Hohenstein (geb. 7.3.1881 in Boppard, gest. 1935 in Südafrika): war Jurist und von 1928 bis 1932 Polizeipräsident in Kassel; 1933 wurde er entlassen. Sein Privathaus in Boppard (Mainzerstraße 31) wurde Ende März 1933 von Mitgliedern der Kasseler SS besetzt und durchsucht (Link zu dem Vorfall). Dr. Hohenstein emigrierte in die Tschechoslowakei, später nach Südafrika. 

  
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen       

Lehrlingssuche des Frucht- und Mehlgeschäftes von Lazarus Loeb (1890)   

Boppard Israelit 03041890.jpg (20449 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1890: "In meinem Frucht- und Mehlgeschäft ist eine Lehrlingsstelle vakant. Kost und Logis im Hause. 
Lazarus Loeb, Boppard am Rhein."    


Anzeigen des Getreide- und Mehlgeschäftes L. Jansen (1901 / 1906)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juli 1901: 
"Für mein Getreide- und Mehlgeschäft, suche ich einen 
Lehrling
mit guter Schulbildung. 
L. Jansen,
Boppard am Rhein."    
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar 1906: "In meinem Getreide- und Mehlgeschäft ist per Anfang April eine Lehrlingsstelle frei. 
Kost und Logis im Hause L. Jansen, Boppard am Rhein."   

    
Anzeige der Privatpension H. Kahn (1937)

Boppard GblIsrGF Juni1937.jpg (42989 Byte)Anzeige im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juni 1927: "Boppard. Besuchen Sie Boppard, die Perle des Rheins!  Privatpension H. Kahn, Steinstraße 21. 1 Minute vom Rhein. Fließendes (?) Wasser, Heizung, reichliche Verpflegung (nicht rituell), garn. Frühstück. Pensionspreis von Rm. 4,25 an. Verlangen Sie Hausprospekt."   

    

     

       
Zur Geschichte der Synagoge

Bereits im Mittelalter war eine Synagoge in der Judengasse (heutige Eltzerhofstraße) vorhanden. Sie wird nach den Verfolgungen der Pestzeit 1356 und 1358 als iudenschole (Judenschule) genannt.   
  
In der Mitte des 19. Jahrhunderts (seit etwa 1845) war ein Betraum in der Judengasse im Haus des Samuel Abraham vorhanden. Nach einer Beschreibung von 1856 war der Betraum "18 Schritt lang und 7 Schritte breit. Die Frauen haben keinen Platz auf einer Empore, sondern sind durch ein Geländer abgetrennt". Am 5. Mai 1865 wurde dieser Betsaal durch einen Brand zerstört. Die Gemeinde konnte daraufhin in einem Gebäude in der Rheingasse einen provisorischen Raum beziehen.  
  
Zum Bau einer neuen Synagoge hatte die jüdische Gemeinde bereits 1862 in der Bingergasse ein älteres Haus zur Einrichtung einer Synagoge gekauft. Durch Kollekten und städtische Zuschüsse konnte ein Teil der für den Bau nötigen Finanzmittel erbracht werden.  Am 6. September 1867 wurde die Synagoge eingeweiht. Mit einem festlichen Umzug vom bisherigen Betsaal in der Rheingasse wurden die Torarollen in die neue Synagoge gebracht.  

Die Tagespresse berichtete über die Einweihung der Synagoge 1867: "Juden aus nah und fern waren hier versammelt, um der Feierlichkeit beizuwohnen... Aus dem gemieteten Zimmer in der Rheingasse kamen die Vorsteher der Gemeinde mit der Tora oder den zehn Geboten, welcher der Rabbiner mit dem Gemeinderat der Stadt p.p. folgte; hier entwickelte sich eine Prozession, bei welcher ihre Heiligtümer unter einem schönen Baldachin getragen wurden. Mit Musik an der Spitze bewegte sich der große Zug bei schönstem Wetter nach den neuen, mit grünen Maien und Fahnen geschmückten Synagoge. Ben Israel, der Rabbiner aus Koblenz, hielt die Festrede und leitete den ersten Gottesdienst. Nachmittags im Casinosaale Mittagessen und Harmonie und mit Ball geschlossen. Das Gebäude besteht aus der Synagoge und einer Wohnung unter einem Dach nebst kleinem Hofraum."  

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge u.a. durch SA- und SS-Angehörige geschändet und "unbrauchbar" gemacht. Rituelle Gegenstände, darunter fünf Torarollen und ein Teil der Inneneinrichtung (Toraschrein) wurden auf den Vorhof gebracht, mit Benzin übergossen und angezündet. Am folgenden Samstag, 12. November, wurden die von der Polizei in "Schutzhaft" genommenen Juden zur Synagoge gebracht, wo sie die zerstörten Gegenstände auf dem Hof zu Kleinholz zerhacken und auch das Gotteshaus weiter demolieren mussten. Dabei wurden die Säulen der Empore durchgesägt, die Wandbekleidung teilweise abgerissen und die Fußbodenplatten zerschlagen.  
 
Das Gebäude der Synagoge blieb auch nach 1945 erhalten. Das frühere Lehrerwohnhaus wurde bis 1951 von Katharina Kaufmann, der christlichen Witwe des zuletzt im Wohnhaus der Synagoge lebenden jüdischen Viehhändlers Emil Kaufmann (ermordet nach der Deportation) bewohnt. Von 1951 bis 1979 war im Synagogengebäude eine Schreinerei eingerichtet; bei Umbauten in den 1950er-Jahren wurden starke Veränderungen vorgenommen: der Turmaufsatz und die Front mit den prägenden drei hohen Bogenfenster verschwanden; im Betsaal wurde eine Zwischendecke eingezogen. Nach 1980 ist die ehemalige Synagoge wieder zu einem Wohnhaus umgebaut worden. 
  
Nach einem erneuten Besitzerwechsel 1990 wurde das Synagogengebäude außen und innen behutsam restauriert. Der seitdem darin befindliche Augenoptikbetrieb ist kombiniert mit einer Galerie, in der regelmäßig Ausstellungen renommierter Künstler stattfinden. Zahlreiche Spuren der ehemaligen Synagoge konnten wieder sichtbar und in Erinnerung gebracht werden (siehe Fotos unten).   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge         Bingergasse 35      

Fotos
(Quelle: Skizze, historische Ansicht und Foto von 1997 aus: Landesamt s.Lit. S. 124-125; Aktuelle Foto / Fotos in größerem Format): Optiker Holz, Boppard)  

Skizze und 
historisches Foto
Boppard Synagoge 131.jpg (40399 Byte) Boppard Synagoge 132.jpg (88452 Byte)
Skizze der Synagoge mit dazugehörigem
 Wohnhaus des Lehrers / Schulraum -
 (Zeichnung von Dorothee Haas, 
Mainz, 1994)
Historische Ansicht der Synagoge - Blick auf 
die Fenster des Betsaales (Foto vor 1938)
Historische Ansicht in größerem Format (aus Gedenkwand s.u., 793 KB)
     
Das ehemalige Synagogengebäude 1997
 und aktuelle Ansicht
Boppard Synagoge 130.jpg (56970 Byte) Boppard Synagoge 140.jpg (67905 Byte)  
          Aktuelle Ansicht 
(aus der Website von Optiker Holz, Boppard)
    Aktuelle Ansicht in größerem Format (979 KB) 
     
Nach 1990 im Inneren und Äußeren der ehemaligem Synagoge: behutsame Spurensicherung Boppard Synagoge 141.jpg (146161 Byte) Boppard Synagoge 142.jpg (84211 Byte)
    Muster des originalen Terrazzobodens 
im ehemaligen Synagogen-Vorraum
Gedenkwand: Brett mit Spuren der Pogromnacht; alte Synagogen-Nummer - Informationen zur Geschichte
    
        
        
Darstellung zur jüdischen Geschichte auf Weinetiketten aus Boppard
(Weingut Höffling, Boppard am Rhein; Weinetiketten aus Sammlung Hahn)
Boppard Etik 011.jpg (83338 Byte) Boppard Etik 012.jpg (113326 Byte)
  Boppard Etik 010.jpg (121018 Byte)  Zwar kein Bezug zur jüdischen Geschichte Boppards, dennoch Bezug zur allgemeinen biblischen mittelalterlichen jüdischen Geschichte: die biblischen Kundschafter tragen die Trauben Kanaans - aus einer spätgotischen Handschrift des Rudolf von Ems (1200- ca. 1254) - die Träger sind in charakteristischer mittelalterlicher jüdischer Kleidung mit "Judenhütchen" dargestellt. 
          

   
   
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Boppard   

Wikipedia-Artikel zur "Synagoge Boppard"    

Website des jetzigen Eigentümers - Optiker Holz in Boppard  mit Seite über die Arbeit der opti art Galerie  
hier auch: "Auszug der Ansprache anlässlich der Gedenkausstellung zum 130. Jahrestag der Einweihung der ehemaligen Bopparder Synagoge"  

Google-Maps: Link zur ehemaligen "Judengasse", jetzt Eltzerhofstraße  

Literatur:  

Germania Judaica Bd. I S. 61-63; II,1 S. 96-97; III,1 S. 139-140.
Karl-Josef Burkard/Hildburg-Helene Thill: Unter den Juden - Achthundert Jahre Juden in Boppard. Hg. Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück. Boppard 1996. 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 124-125 (mit weiteren Literaturangaben).
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Boppard  Rhineland. A Jewish community existed in the 12th century, augmented at the turn of the 12th century by Jews expelled from France by Philip II. Jews lived in a Street of the Jews and had the use of a synagogue. They were subject to repeated persecutions during the Middle Ages and the community was finally destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. Jews are again mentioned in 1462 and were present in limited numbers until a permanent settlement was established in the mid-18th century (a cemetery had been opened at the beginning of the 17th century). The Jewish popualation rose from 51 in 1808 to a peak of 127 in 1905 (total 6.583). A synagogue was consecrated in 1867. In June 1933, about four months after the Nazis came to power, the Jewish population was 92. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Jewish homes and stores were wrecked, Jews were beaten, and the Torah scrolls and other objects were taken out of the synagogue and burned. Jewish men were sent to a concentration camp. In 1933-41, most of the Jews left, emigrating to the United States, South America, and South Africa. The 32 Jews present in 1942 were deported to the east.    
               

 

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Dezember 2011