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Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Boppard bestand eine jüdische
Gemeinde bereits im Mittelalter. Bereits im 11. Jahrhundert verkehrten
Juden aus Worms in Boppard. Nach einer Urkunde Heinrichs IV. vom 18. Januar
1074 erhielten die Wormser Juden Zollbefreiung an der Zollstätte in Boppard.
In der Folgezeit ließen sich mehrere jüdische Personen/Familien in der Stadt
nieder - es kam zur Bildung einer jüdischen Gemeinde. Zu
einer ersten schweren Verfolgung kam es im August 1179, als die
jüdischen Einwohner Boppards des Mordes an einer christlichen Frau beschuldigt
wurden,
die man am Rheinufer gefunden hatte. 13 jüdische Einwohner, darunter der
Vorbeter R. Jakob und der grausam gefolterte Toraschreiber R. Isaak wurden
umgebracht und in den Rhein geworfen. Der Mord blieb ungesühnt. Die nächste
Verfolgung traf die Gemeinde im Zusammenhang mit dem Kreuzzug ('Deutscher
Kreuzzug') des Jahres 1196. Dabei wurden acht jüdische Gemeindeglieder durch
fanatisierte Kreuzfahrer ermordet, darunter der Vorbeter R. Salomo. Diesmal fand
eine Bestrafung statt: zwei der
Mörder wurden auf Befehl von Otto, dem Pfalzgrafen von Burgund (Bruder von
Kaiser Friedrich) geblendet.
Aus dem 13. Jahrhundert sind die Namen einiger Bopparder Juden
überliefert, darunter 1216 von Isaak, er einen der Bamberger Kirche
gehörenden Bauplatz erwarb, um darauf ein steinernes Haus zu bauen. Als Zeugen
des Kaufbriefs werden Elyas, Gersan, Hezzechinus, Michel und Ruben genannt. Nach
der Reichssteuerliste von 1242 hatten die Bopparder Juden 25 Mark Silber
zu bezahlen (zum Vergleich: die Wormser Juden bezahlten 130 Mark Silber).
Die jüdischen Familien wohnten insbesondere in der "Judengasse"
(seit 1250 nachgewiesen; heutige Eltzerhofstraße), wo
jedoch auch Christen einige Grundstücke und Häuser hatten. Eine Synagoge war
vorhanden. Die Toten der Gemeinde wurden in Koblenz
beigesetzt.
Weitere schwere Judenverfolgungen gab es seit Ende des 13. Jahrhunderts: 1287
traf die Gemeinde die Folgen der Ritualmordbeschuldigung in Oberwesel, 1337
fielen die "Judenschläger" und Bürger der Stadt über die jüdischen
Einwohner her; 1348/49 wurde die Gemeinde schließlich in der Pestzeit
vernichtet. Über über ein Jahrhundert später werden wiederum Juden in
der Stadt genannt (1461 oder 1462). Wenige jüdische Personen aus Boppard werden
in anderen Städten genannt (1433 in Landau; 1516 in Frankfurt).
Von einer Vertreibung der Juden aus Boppard zu Beginn der Neuzeit ist nichts
bekannt. Im 16., 17. und 18. Jahrhundert lebten wohl die meiste Zeit
jeweils einige jüdische Familien in der Stadt. Doch kann es auch zu
zeitweiligen Ausweisungen gekommen sein. Um 1670 gab es 6 jüdische Haushalte in
der Stadt, 1755 4, 1781 11 jüdische Haushalte.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1803 53 jüdische Einwohner, 1835/37 etwa 60, 1847 70 (in 14
Familien), 1856 76 (in 18 Familien), 1858 75, 1895 77, 1903 98. Am 30. Juli 1853
wurde eine
Synagogengemeinde in Boppard offiziell gegründet. Bis zur Mitte des 19.
Jahrhunderts lebten die meisten Bopparder Juden vom Hausier- und Trödelhandel;
nur wenige hatten ein Ladengeschäft. Erst nach 1860 wurden mehrere jüdische
Geschäfte und Handlungen in der Stadt von jüdischen Kaufleuten eröffnet, u.a.
im Textilbereich sowie im Landesprodukten- und Viehhandel.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(Religionsschule),
ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet
tätig war (vgl. die Ausschreibungen der Stelle unten).
Im Ersten Weltkrieg sind von den jüdischen Kriegsteilnehmern keine
gefallen.
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 97 Personen gehörten, waren die Gemeindevorsteher Carl Trum, Adolf Forst, Sig.
Meyer und Philipp Frank. Als Lehrer war Hermann Fein angestellt. Er
erteilte an der Religionsschule der Gemeinde 12 Kindern den Religionsunterricht.
An jüdischen Vereinen gab es den Verein Chewra Kadischa
(beziehungsweise Männerchewro, 1924 unter Leitung von Dr. jur.
Hohenstein, 1932 unter Leitung von Lehrer Hermann Fein; Zweck und Arbeitsgebiet:
Wohltätigkeit) und den Israelitischen Frauenverein (beziehungsweise Frauenchewro,
1924 unter Leitung der Frau von Robert Meyer, 1932 unter Leitung von L. Holberg;
Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit). 1932 waren die Gemeindevorsteher Adolf
Forst (1. Vors.), Hermann Kahn (2. Vors.) und Rudolf Loeb (3. Vors.). Die
Repräsentanz hatte gleichfalls drei Vorsteher: Philipp Frank (1. Vors.), A.
Loeb (2. Vors.) und S. Frank (3. Vors.). Der Gemeindevorstand hatte einen
Friedhofsausschuss gebildet, dessen Vorsitzender Adolf Forst war. Weiterhin war
Hermann Fein als Lehrer und Kantor tätig. Er unterrichtete im Schuljahr 1931/32
20 Kinder der Gemeinde.
1933 lebten noch etwa 92 jüdische Personen in Boppard. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (vor allem in die USA,
Südamerika und Südafrika). Beim Novemberpogrom wurde die Synagoge geschändet
und demoliert (s.u.), jüdische Wohnungen wurden durch SS-Angehörige und
Polizisten "durchsucht" und das Inventar zertrümmert. Die jüdischen
Männer wurden verhaftet, ein Teil von ihnen in das KZ Dachau verschleppt. Im
April 1942 wurden fast alle der noch 32 jüdischen Einwohner in Boppard von der
Polizei in Richtung Bad Salzig geführt und im dortigen Hotel "Zum
Schwan" interniert. Wenig später erfolgt der Abtransport in die Ghettos
und Vernichtungslager des Ostens.
Von den in Boppard geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Martha Benedick geb. Kahn
(1894), Otto Benedick (1884), Rudolf Cohnen (1922), Sally Cohnen (1888), Selma
Cohnen geb. Höxter (1891), Ella Daniel geb. Trum (1898), Selma Eppestein geb.
Marx (1879), Rosa Feist geb. Ackermann (1908), Betty Forst (1896), Else (Ilse)
Forst (1922), Erwin Forst (1928), Hermann Forst (1921), Jakob Forst (1887),
Johanna Forst geb. Levy (1880), Josef Forst (1896), Josef Erich Forst
(1920), Julius Forst (1880), Leo Forst (1884), Max Forst (1886), Rosa Forst
(1887), Rosette Wilma Forst (1932), Werner Forst (1924), Benjamin Haas (1872),
Theodor (Theo) Haas (1904), Hermann Herz (1877), Alma Heymann geb. Benedick
(1886), Jenny Hirsch geb. Kaufmann (1883), Maximilian Hohenstein (1883), Ella
Margaretha Holberg (1925), Josef Holberg (1882), Karl Moritz Holberg (1937),
Lina Holberg geb. Trum (1896), Amalie Isidor geb. Feist (1878), Jakob Isidor
(1881), Emanuel (Emil) Kaufmann (1873), Hermann Kaufmann (1887), Max Kaufmann
(1880), Walter Kaufmann (1901), Emil Löb (1872), Rosalie Mansbach (1862), Selma
Marx (1873), Lina Mayer geb. Kombert (1884), Alma Meyer geb. Ruben (1877), Bessi
(Bertha) Meyer geb. Königsberger (1903), Clementine Meyer (1870), Erich Meyer
(1905), Julius Meyer (1868), Kurt Meyer (1903), Robert Meyer (1876), Ferdinand
Oster (1881), Gisela Ingeborg Oster (1926), Rosa Oster geb. Ullmann (1891),
Martha Regina Schmitz (1895), Betty Simon geb. Forst (1891), Maria Terwiel
(1910).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 /
1901 / 1903 / 1909 / 1911
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
25. Juli 1877: "Die hiesige Religionslehrer- und
Vorbeterstelle ist mit einem Gehalte von 700 Mark nebst freier Wohnung
sofort zu besetzen. Reflektanten wollen sich bei dem Vorsteher Joseph
Meyer baldigst melden.
Boppard am Rhein, den 5. Juli 1877. Im Auftrage des Vorstandes: S. Haas."
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
22. Juli 1901: "In hiesiger Gemeinde ist die Stelle als Religionslehrer,
Kantor und Schochet am 1. Oktober dieses Jahres zu besetzen.
Gehalt 800 Mark sowie freie Wohnung mit Einrichtung. Seminaristisch
ausgebildete Bewerber, mit angenehmer Stimme wollen sich bei dem
Unterzeichneten melden.
S. Haas, Vorsteher der israelitischen Gemeinde
Boppard." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 7. Mai 1903:
"In der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers,
Chasan und Schochets per 1. Oktober, eventuell früher, vakant.
Gefällige Offerten sind an den Vorsteher Herrn Joseph Meyer dahier
zu richten.
Boppard, 4. Mai." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 11. Mai 1903:
"In der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle
eines
Religionslehrers,
Chasan und Schochets per 1. Oktober, eventuell früher, vakant.
Gefällige Offerten sind an den Vorsteher Herrn Joseph Meyer dahier
zu richten.
Boppard, 4, Mai." |
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Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 15. Mai 1903:
"Boppard am Rhein. Meldungen an Joseph Meyer". |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
15. Juli 1909: "Lehrer-Vakanz.
Die hiesige Lehrer-, Vorbeter- und Schochetstelle ist per 1. Oktober
dieses Jahres neu zu besetzen. Gehalt Mark 1.000 bei freier Wohnung und
Heizung. Nebenverdienst ca. Mark 200. Boppard hat Königliches
Lehrerseminar. Unverheiratete seminaristisch gebildete Herren belieben
Offerten und Zeugnisabschriften einsenden zu wollen an den
Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde Boppard S. Haas." |
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Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom
13. Januar 1911: "Frankfurt am Main. Vakanzen -
... Boppard, Religionslehrer, Vorbeter und eventuell Schächter per
bald. 1.200 Mark Gehalt und freie Wohnung..." |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Spendenaufruf (1884)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1884:
"Bitte. 'Wohl dem, der sich des Armen annimmt... (Psalm
41,2).
Ein sehr braver Jehudi von hier, welcher schon seit Monaten an
einem chronischen Magenübel leidet, auch vier Wochen in Bad Ems war,
jedoch leider ohne Erfolg, soll nunmehr auf Anraten der Ärzte in eine
Klinik. Vater von 7 Kinder, wovon noch keines erwerbsfähig ist, leidet
die Familie bittere Not, zu deren Linderung Unterzeichneter ganz ergebenst
um milde Gaben bitte, welche in dieser Zeitung veröffentliche. Boppard,
den 26. Juni 1884. Achtungsvoll S. Haas.
Wir sind gerne bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiter zu
befördern. Die Expedition des 'Israelit'." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Hinweis auf Dr. Adolf Hohenstein (1881-1935)
(Hinweis auf Grund einer Mitteilung von Carola Riethmüller,
Boppard)
| Dr. Adolf Hohenstein (geb. 7.3.1881
in Boppard, gest. 1935 in Südafrika): war Jurist und von 1928 bis 1932
Polizeipräsident in Kassel; 1933 wurde er entlassen. Sein Privathaus in
Boppard (Mainzerstraße 31) wurde Ende März 1933 von Mitgliedern der
Kasseler SS besetzt und durchsucht (Link
zu dem Vorfall). Dr. Hohenstein emigrierte in die Tschechoslowakei,
später nach Südafrika. |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Lehrlingssuche des Frucht- und Mehlgeschäftes von Lazarus Loeb (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1890: "In
meinem Frucht- und Mehlgeschäft ist eine Lehrlingsstelle vakant. Kost und
Logis im Hause.
Lazarus Loeb, Boppard am Rhein." |
Anzeigen des Getreide- und Mehlgeschäftes L. Jansen (1901 / 1906)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juli 1901:
"Für mein Getreide- und Mehlgeschäft, suche ich einen
Lehrling mit guter Schulbildung.
L. Jansen, Boppard am Rhein." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar
1906: "In meinem Getreide- und Mehlgeschäft ist per Anfang April
eine Lehrlingsstelle frei.
Kost und Logis im Hause L. Jansen, Boppard am
Rhein." |
Anzeige der Privatpension H. Kahn (1937)
Anzeige
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom
Juni 1927: "Boppard. Besuchen Sie Boppard, die Perle des
Rheins! Privatpension H. Kahn, Steinstraße 21. 1 Minute vom
Rhein. Fließendes (?) Wasser, Heizung, reichliche Verpflegung (nicht
rituell), garn. Frühstück. Pensionspreis von Rm. 4,25 an.
Verlangen Sie Hausprospekt." |
Zur Geschichte der Synagoge
Bereits im Mittelalter war eine Synagoge in der
Judengasse (heutige Eltzerhofstraße) vorhanden. Sie wird nach den Verfolgungen der Pestzeit 1356 und 1358
als iudenschole (Judenschule) genannt.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts (seit etwa 1845) war ein Betraum in der Judengasse
im Haus des Samuel Abraham vorhanden. Nach einer Beschreibung von 1856 war der
Betraum "18 Schritt lang und 7 Schritte breit. Die Frauen haben keinen
Platz auf einer Empore, sondern sind durch ein Geländer abgetrennt". Am 5.
Mai 1865 wurde dieser
Betsaal durch einen Brand zerstört. Die
Gemeinde konnte daraufhin in einem Gebäude in der Rheingasse einen provisorischen Raum
beziehen.
Zum Bau einer neuen Synagoge hatte die jüdische Gemeinde bereits 1862 in der
Bingergasse ein älteres Haus zur Einrichtung einer Synagoge gekauft. Durch
Kollekten und städtische Zuschüsse konnte ein Teil der für den Bau nötigen
Finanzmittel erbracht werden. Am 6. September 1867 wurde die Synagoge
eingeweiht. Mit einem festlichen Umzug vom bisherigen Betsaal in der Rheingasse
wurden die Torarollen in die neue Synagoge gebracht.
| Die Tagespresse berichtete über die Einweihung
der Synagoge 1867: "Juden aus nah und fern waren hier
versammelt, um der Feierlichkeit beizuwohnen... Aus dem
gemieteten Zimmer in der Rheingasse kamen die Vorsteher der Gemeinde mit
der Tora oder den zehn Geboten, welcher der Rabbiner mit dem Gemeinderat
der Stadt p.p. folgte; hier entwickelte sich eine Prozession, bei welcher
ihre Heiligtümer unter einem schönen Baldachin getragen wurden. Mit
Musik an der Spitze bewegte sich der große Zug bei schönstem Wetter nach
den neuen, mit grünen Maien und Fahnen geschmückten Synagoge. Ben
Israel, der Rabbiner aus Koblenz, hielt die Festrede und leitete den
ersten Gottesdienst. Nachmittags im Casinosaale Mittagessen und Harmonie
und mit Ball geschlossen. Das Gebäude besteht aus der Synagoge und einer
Wohnung unter einem Dach nebst kleinem Hofraum." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
u.a. durch SA- und SS-Angehörige geschändet und "unbrauchbar" gemacht.
Rituelle Gegenstände, darunter fünf Torarollen und ein Teil der Inneneinrichtung (Toraschrein) wurden auf
den Vorhof gebracht, mit Benzin übergossen und angezündet. Am folgenden
Samstag, 12. November, wurden die von der Polizei in "Schutzhaft"
genommenen Juden zur Synagoge gebracht, wo sie die zerstörten Gegenstände auf
dem Hof zu Kleinholz zerhacken und auch das Gotteshaus weiter demolieren
mussten. Dabei wurden die Säulen der Empore durchgesägt, die Wandbekleidung
teilweise abgerissen und die Fußbodenplatten zerschlagen.
Das Gebäude der Synagoge blieb auch nach 1945 erhalten. Das frühere
Lehrerwohnhaus wurde bis
1951 von Katharina Kaufmann, der christlichen Witwe des zuletzt im Wohnhaus der
Synagoge lebenden jüdischen Viehhändlers Emil Kaufmann (ermordet nach der
Deportation) bewohnt. Von 1951 bis
1979 war im Synagogengebäude eine Schreinerei eingerichtet; bei Umbauten in den
1950er-Jahren wurden starke
Veränderungen vorgenommen: der Turmaufsatz und die Front mit den prägenden
drei hohen Bogenfenster verschwanden; im Betsaal wurde eine Zwischendecke
eingezogen. Nach 1980 ist die ehemalige Synagoge wieder zu einem
Wohnhaus umgebaut worden.
Nach einem erneuten Besitzerwechsel 1990 wurde das
Synagogengebäude außen und innen behutsam restauriert. Der seitdem darin
befindliche Augenoptikbetrieb ist kombiniert mit einer Galerie, in der
regelmäßig Ausstellungen renommierter Künstler stattfinden. Zahlreiche Spuren
der ehemaligen Synagoge konnten wieder sichtbar und in Erinnerung gebracht
werden (siehe Fotos unten).
Adresse/Standort der Synagoge: Bingergasse
35
Fotos
(Quelle: Skizze, historische Ansicht und Foto von 1997
aus: Landesamt s.Lit. S. 124-125; Aktuelle Foto / Fotos in größerem Format): Optiker Holz,
Boppard)
Skizze und
historisches
Foto |
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Skizze der Synagoge mit
dazugehörigem
Wohnhaus des Lehrers / Schulraum -
(Zeichnung von Dorothee
Haas,
Mainz, 1994) |
Historische Ansicht der
Synagoge - Blick auf
die Fenster des Betsaales (Foto vor 1938)
Historische
Ansicht in größerem Format (aus Gedenkwand s.u., 793 KB) |
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Das ehemalige Synagogengebäude 1997
und aktuelle Ansicht |
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Aktuelle Ansicht
(aus der Website von Optiker Holz,
Boppard) |
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Aktuelle
Ansicht in größerem Format (979 KB) |
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| Nach 1990 im Inneren und
Äußeren der ehemaligem Synagoge: behutsame Spurensicherung |
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Muster des originalen
Terrazzobodens
im ehemaligen Synagogen-Vorraum |
Gedenkwand: Brett mit Spuren
der Pogromnacht; alte Synagogen-Nummer - Informationen zur Geschichte |
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Darstellung zur jüdischen
Geschichte auf Weinetiketten aus Boppard
(Weingut Höffling, Boppard
am Rhein; Weinetiketten aus Sammlung Hahn) |
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Zwar kein
Bezug zur jüdischen Geschichte Boppards, dennoch Bezug zur allgemeinen
biblischen mittelalterlichen jüdischen Geschichte: die biblischen
Kundschafter tragen die Trauben Kanaans - aus einer spätgotischen
Handschrift des Rudolf von Ems (1200- ca. 1254) - die Träger sind in
charakteristischer mittelalterlicher jüdischer Kleidung mit "Judenhütchen"
dargestellt. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica Bd. I S. 61-63; II,1 S. 96-97; III,1 S. 139-140. |
 | Karl-Josef Burkard/Hildburg-Helene Thill:
Unter den Juden - Achthundert Jahre Juden in Boppard. Hg. Geschichtsverein
für Mittelrhein und Vorderhunsrück. Boppard 1996. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 124-125 (mit weiteren Literaturangaben).
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Boppard Rhineland. A Jewish
community existed in the 12th century, augmented at the turn of the 12th century
by Jews expelled from France by Philip II. Jews lived in a Street of the Jews
and had the use of a synagogue. They were subject to repeated persecutions
during the Middle Ages and the community was finally destroyed in the Black
Death persecutions of 1348-49. Jews are again mentioned in 1462 and were present
in limited numbers until a permanent settlement was established in the mid-18th
century (a cemetery had been opened at the beginning of the 17th century). The
Jewish popualation rose from 51 in 1808 to a peak of 127 in 1905 (total 6.583).
A synagogue was consecrated in 1867. In June 1933, about four months after the
Nazis came to power, the Jewish population was 92. On Kristallnacht (9-10
November 1938), Jewish homes and stores were wrecked, Jews were beaten, and the
Torah scrolls and other objects were taken out of the synagogue and burned.
Jewish men were sent to a concentration camp. In 1933-41, most of the Jews left,
emigrating to the United States, South America, and South Africa. The 32 Jews
present in 1942 were deported to the east.

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