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Hoof mit
Breitenbach, Elmshagen und Elgershausen (Gemeinde Schauenburg, Kreis Kassel)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Hoof bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts
zurück. Von der Ortsherrschaft, der Familie von Dalwigk, wurden in den drei
Orten jüdische Familie gegen Zahlung der geforderten Schutzgelder
aufgenommen. In Hoof (mit Breitenbach) bestand sich im 19. Jahrhundert die stärkste jüdische
Gemeinde im Landkreis Kassel.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: in Hoof 1823 26 jüdische Familien mit 128 Personen, 1861 172 jüdische Einwohner (16,5 % von insgesamt 1.041 Einwohnern),
1871 136 (13,5 % von 1.006), 1885 161 (13,6 % von 1.181), 1895 162 (13,2 % von
1.224), 1905 137 (9,9 % von 1.387); in Breitenbach
1823 10 Familien mit 34 Personen; 1861 54 jüdische Einwohner, 1905 31; in Elmshagen
1823 zwei Familien mit 11 Personen, 1861 14 jüdische Einwohner.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische
Volksschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Schule mit Lehrerwohnung
befand sich wie auch das rituelle Bad im Synagogengebäude. Die Israelitische
Volksschule wurde 1827 eröffnet; erster Lehrer war Abraham Goldschmidt aus
Nesselröden (geb. 1806, gest. 1886; siehe Bericht zu seinem Tod unten).
Nachfolger Goldschmidts war seit 1881 Meier Rothschild aus Waltersbrück
- er trat 1924 in den Ruhestand (siehe Bericht unten; 1887/90 hatte er 53 bis 56
Kinder zu unterrichten; 1902 noch 38); ihm folgte Menko Schirling (siehe
unten). Die Gemeinde gehörte innerhalb des Kreises Kassel zum Rabbinatsbezirk
Niederhessen mit Sitz in Kassel.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Wolfried Heiser
(geb. 8.5.1878 in Hoof, gest. 15.8.1917 in Gefangenschaft),
Isidor Japhet (geb. 15.12.1889 in Hoof-Breitenbach, gef. 20.7.1918), Julius Speier
(geb. 8.7.1883 in Hoof, gef. 24.3.1916) und Siegmund Wallach (geb.
26.8.1895 in Hoof-Breitenbach, gef. 18.10.1918). Außerdem sind gefallen: David
Goldschmidt (geb. 5.8.1884 in Hoof, vor 1914 in Gleiwitz wohnhaft, gef.
15.12.1917) und Emil Wallach (geb. 12.2.1889 in Breitenbach, vor 1914 wohnhaft
in Schlitz, gef. 25.2.1916). 1927 wurde eine Gedenktafel
in der Synagoge für die Gefallenen und die Kriegsteilnehmer
enthüllt.
Um 1924, als in Hoof noch 106 jüdische Personen gezählt wurden (7,0 %
von insgesamt 1.504 Einwohnern, dazu 19 Personen in Breitenbach und vier in
Elgershausen), waren die Vorsteher der Gemeinde Harry Wertheim und S.
Goldschmidt. Als Lehrer war bis 1924 der bereits genannte Meier Rothschild
tätig, als Schochet Heimann Kaiser und Josef Gumpert. An der Israelitischen
Volksschule erhielten 15 Kinder Unterricht. Der Religionsunterricht für die
Kinder der höheren Schulen wurde durch Lehrer Siegmund Jäckel aus Kassel
erteilt. An jüdischen Vereinen habe es den Wohltätigkeitsverein Chewra
Gemilus Chessed, Humanität (gegründet 1852, 1924 unter Leitung von Harry Wertheim mit 10 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Josef Gumpert; Zwecke und
Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Bestattungswesen) und den Jüdischen
Frauenverein (gegründet, 1932 unter Leitung der Frau von Felix Goldschmidt;
Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und
Bestattungswesen). 1932 waren die Gemeindevorsteher Harry Wertheim (1. Vors. und
Schatzmeister) und Gustav Gumpert (2. Vors.; Bericht zu seiner Wahl siehe
unten). Als Lehrer war inzwischen der bereits genannte Menko Schirling in
der Gemeinde tätig (geb. 1876, gest. 1936; war zunächst von 1895 an Lehrer in Rauschenberg,
bis die dortige Schule 1925 geschlossen wurde). Im Schuljahr 1931/32
unterrichtete er an der Israelitischen Volksschule 13
Kinder.
1933 lebten noch etwa 120 jüdische Personen am Ort. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (u.a. in die USA,
Argentinien und in die Niederlande). Die Israelitische Volksschule wurde Anfang
1934 aufgelöst; gleichzeitig trat Lehrer Menko Schirling in den Ruhestand
(gestorben 1936 und als einer der letzten im jüdischen Friedhof
beigesetzt). Über Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 liegen (zumindest
dem Webmaster) keine Berichte vor.
Von den in Hoof geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Meta Minna Bachrach
geb. Spier (1895), Mathilde Benedik geb. Heiser (1876), Bertha Benedik geb.
Heiser(1885), Dina Blumenfeld geb. Heiser (1888), Franziska Bondi geb. Harsir
(1899), Rebecka Cohen geb. Wallach (1880), Regina Eichenwald geb. Goldschmidt
(1871), Felix J. Goldschmidt (1880), Johanna Goldschmidt geb. Rosenbach (1888),
Siegbert Goldschmidt (1910), Siegmund Goldschmidt (1899), Julie Groß geb.
Kaiser (1883), Berthold Gumpert (1902), Gustav Gumpert (1864), Irma Gumpert geb.
Goldschmidt (1914), Josef Gumpert (1873), Meinhard Gumpert (1908), Moritz
Gumpert (1902), Joseph Hattenbach (1877), Siegfried Hattenbach (1879), Louis
Heiser (1882), Siegbert Heiser (1912), Theodor Heiser (1879), Dina Herz geb.
Rosenbach (1880), Josef Kaiser (1869), Leo Kaiser (1909), Emma Kaschmann geb.
Speier (1896), Johanna Levy geb. Gumpert (1878), Paula Lilienthal geb. Kaiser
(1901), Selma Löb geb. Gumpert (1884), Emma Oberdorff geb. Mondschein (1861),
Elfriede Petrakowski (1922), Jettchen Petrakowski geb. Rosenbach (1891), Feist
Rosenbach (1856), Gusta Rosenbach (1890), Jettchen (Jetty) Rosenbach (1859),
Lina Rosenbach geb. Rosenbach (1892), Max Rosenbach (1885), Toni Rosenbach
(1889), Erna Rosenbaum geb. Wertheim (1907), Berta Rothschild geb. Hattenbach
(1886), Agathe Schirling (1911), Brunhilde Speier (1922), Liselotte Speier
(1924), Max Speier (1897), Olga Speier geb. Wertheim (1900), Selma Speier geb.
Gumbert (1893), Simon Speier (1888), Hermine Stahl geb. Gumbert (1872), Jettchen
Stern geb. Goldschmidt (1877), Gerda Wallach geb. Gumpert (1900), David Wertheim
(1930), Johanna (Hanna) Wertheim geb. Kaiser (1905), Joseph Heinz Wertheim
(1931), Ludwig Wertheim (1937), Ruth Wertheim (1935), Sally Wertheim (1933),
Lina Westheimer geb. Rosenbach (1882).
Aus Breitenbach sind umgekommen: Ida Biermann geb. Levi (1912), Betty
Felsenthal geb. Kugelmann (1875), Frieda Felsenthal geb. Kugelmann (1879), Isaak
Heiser (1868), Isidor (Isaak) Heiser (1884), Ilse Jacob (1923), Sara Kaiser geb.
Heiser (1880), Selma Katz geb. Levi (1888), Jenny Levi geb. Wertheim (1897),
Settchen Löwenstern geb. Japhet (1850), Hans Louis Reuter (1883), Friedel Roth
(1913), Meta Martha Stern geb. Heiser (1880), Herbert Wertheim (1912), Hermann
Wertheim (1872), Hilda Wolff geb. Heiser
(1876).
Hinweis: die Liste zu Breitenbach kann Fehler enthalten, da es ständig zu
Verwechslungen mit Breitenbach am Herzberg kommt.
Aus Elmshagen und Elgershausen werden in den genannten Listen keine Personen aufgeführt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Zum Tod von Lehrer Abraham Goldschmidt (1886, 56 Jahre
Lehrer in Hoof und Breitenbach)
Abraham Goldschmidt ist 1806 in Nesselröden geboren. Er hatte
die jüdische Lehrerbildungsanstalt in Kassel besucht. Er war erster Lehrer der
1827 in Hoof eröffneten Israelitischen Elementarschule. 1877 konnte er sein
50-jähriges Ortsjubiläum feiern. 1881 trat er in den Ruhestand; 1886 starb er
im Alter von 79 Jahren.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. März 1886: "Niedenstein
(Niederhessen). In unserer Nachbargemeinde Hoof-Breitenbach starb
Herr Lehrer Abraham Goldschmidt, ein von seinen zahlreichen Schülern und
den Gemeindegliedern hoch geehrter Mann. 56 Jahre wirkte er daselbst als
Lehrer, Vorbeter und Schochet und hatte sich als solcher die volle
Zufriedenheit seiner Gemeinde und der hohen Behörden erworben. Dies
zeigte sein im Jahre 1877 gefeiertes 50-jähriges Dienstjubiläum, das
sich damals zu einem wahrhaft großartigen Fest gestaltet. Zu seinem
Leichenbegängnisse waren seine vielen Freunde aus der Nähe und der Ferne
herbeigeeilt. viele Christen aus dem Orte und die christlichen Lehrer
wohnten demselben bei. Herr Landrabbiner Dr. Prager aus Kassel hielt die
tief durchdachte und warm empfundene Leichenrede, und ein Schüler des
Verstorbenen rühmte dankend seines Lehrers segensreiche Tätigkeit. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Lehrer Meier Rothschild tritt in den Ruhestand (1924)
Meier Rotschild stammte aus Waltersbrück
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Dezember 1924: "Hoof
(Kreis Kassel), 10. Dezember (1924), Herr Lehrer Meier Rothschild, der
seit 1881 in reichem Segen dahier, seiner ersten und einzigen Stelle,
gewirkt, ist am 1. November in den Ruhestand
getreten." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ausschreitungen gegen jüdische Familien (1848)
Bezieht sich vermutlich auf dieses Breitenbach und nicht auf Breidenbach
(Kreis Marburg-Biedenkopf)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 15. Mai
1848: "Kassel, 2. Mai. Die Exzesse gegen Personen und Eigentum in den
Landständen und Dörfern, namentlich gegen Beamte und Juden, nehmen auf
eine bedauerliche Weise überhand; von Hofgeismar, Melsungen, Rothenburg
und Breidenbach sind Judenfamilien mit ihren geretteten Habseligkeiten
hier eingetroffen; zugleich ist aber heute eine Anzahl der Exzedenten
gefesselt eingebracht worden. Es ist endlich einmal Zeit, gegen diese
Übeltäter, deren Absicht lediglich auf Plünderung und Raub gerichtet
ist, energisch einzuschreiben und die Gesetze wieder zu Ansehen zu
bringen. Vor allen Dingen sind die Aufwiegler und Verführer in Haft zu
nehmen und den Gerichten zu überweisen; die öffentliche Stimme hat deren
schon Mehre bezeichnet. So sollen namentlich in Rothenberg ein Advokat und
ein Kaufmann, der sich in seinem Gewerbebetriebe durch die Juden beengt
fühlt, die dortigen Szenen veranlasst haben. Milde und Nachsicht wäre
hier ein Verbrechen gegen das Land. (O.P.A.Z.)." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Gedenken an Wolf Breitenbachs (geb. 1751 in Breitenbach, gest. 1829 in
Offenbach, Artikel von 1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1929: "Zum
Gedächtnis Wolff Breidenbachs - das Andenken an den Gerechten ist zum
Segen. (Gest. am 28. Februar 1829. In der Nacht zum Heiligen
Schabbat 25. Adar zu Offenbach). Von L. Horwitz in Kassel."
Der Artikel wurde nicht ausgeschrieben, da der Geburtsort Breitenbach nur
kurz Erwähnung findet. Zum Lesen bitte Artikel anklicken. |
Gustav Gumpert wird zum zweiten Gemeindeältesten
gewählt (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1929: "Hoof
bei Kassel, 18. Dezember (1927). Der Handelsmann Gustav Gumpert von
hier wurde von den Mitgliedern der Gemeinden Hoof und Breitenbach durch
Stimmenmehrheit als zweiter Gemeindeältester gewählt und vom
Vorsteheramt in Kassel bestätigt." |
80. Geburtstag von Jeanette Gumbert (1928)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1928: "Hoof,
20. Mai (1928). Ihren 80. Geburtstag beging Frau Jeanette Gumpert dahier
in bester Gesundheit." |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1928: "Hoof,
3. Juni (1928). Ihren 80. Geburtstag beging in voller Frische Frau
Jeanette Gumbert dahier." |
75. Geburtstag von Witwe Japhet in Breitenbach (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1928: "Breitenbach,
1. Mai (1928). Ihren 75. Geburtstag beging hier die Witwe Moses Japhet in
größter Rüstigkeit." |
Harry Wertheim wird als Rechnungsführer der Gemeinde
wiedergewählt (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1928: "Hoof,
25. Juni (1928). Herr Harry Wertheim, der seit 26 Jahren das Amt eines
Rechnungsprüfers der hiesigen jüdischen Gemeinde verwaltet, wurde als
Rechnungsführer wiedergewählt." |
70. Geburtstag von Harry Wertheim als Gemeindeältester
(1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1928: "Hoof
bei Kassel, 27. August (1928). Herr Gemeindeältester H. Wertheim
begeht morgen seinen 70. Geburtstag und sein 25-jähriges Dienstjubiläum
als Vorsteher und Gelderheber. Er ist körperlich und geistig noch
rüstig," |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum oder eine erste Synagoge vorhanden.
Eine neue Synagoge und Schule wurde in einem 1830 (nach Balkeninschrift)
erbauten Bauernhaus eingerichtet. 1842 stellte die jüdische Gemeinde den
Antrag auf Baugenehmigung einer Erweiterung dieses Gebäude zur Vergrößerung
von Synagoge und Schule. Die
Ausführung des Umbaus verzögerte sich jedoch über mehrere Jahre. 1851
wurde der Antrag der jüdischen Gemeinde behördlicherseits genehmigt. Bis
Anfang 1854 wurden die Umbauten im Synagogengebäude vorgenommen. Damals
war Daniel Mondschein Vorsteher der Gemeinde.
Das Synagogengebäude war (ist) ein Fachwerkbau; der Betraum hatte 48 Männer- und 30
Frauenplätze. Aus der Geschichte der Synagoge liegen nur wenige Berichte vor,
einer von der Einweihung neuer Ritualien 1903, einer von der Einweihung der
Gefallenengedenktafel 1927:
Einweihung eines neuen Parochet (Toraschreinvorhanges)
(1903)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1903: "Hoof
(Bezirk Kassel), 17. Januar (1903). Unsere Synagoge erhielt zu Schabbos
Chanukoh (Schabbat am Chanukkafest = 27. Dezember 1902) ein prachtvoll
ausgestattetes Parochet sowie Decken für Schulchan und Omed
(die Vorlesetisch und -pult). Während dieses vom Wohltätigkeitsverein Chewra
Gemilut Chasodim gespendet wurde, schenkte unser verehrtes
Gemeindemitglied, Herr H. Goldschmidt, zwei äußerst elegante
Thora-Mäntelchen, welche nebst ersterem aus dem Atelier des Herrn B.
Grünebaum, hebräische Buchhandlung, Kassel, hervorgingen und durch
feinste, eleganteste, sowie sorgfältigste Ausführung unsere vollste
Zufriedenheit fanden. Moses Goldschmidt." |
Einweihung der Gefallenengedenktafel in der Synagoge (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1927: "Hoof
bei Kassel, 25. September (1927). Am vorigen Sonntag fand unter
Beteiligung der ganzen Gemeinde von hier und Breitenbach die Einweihung
der Gedenktafel für die Frontsoldaten statt, die am Weltkrieg
teilgenommen hatten. Zur Einleitung der Feier sang der Synagogenchor,
worauf der Bildhauer Schönwald aus Breitenbach die Tafel enthüllte und
der Gemeinde übergab. Eine Schülerin sprach einen Prolog, Lehrer
Schirling hielt eine Rede über die Würde und Bedeutung der Tafel. Ein
Gebet für die Gefallenen und dann das Kaddisch, gesprochen von der ganzen
Gemeinde bildeten den Abschluss. Der Gemeindeälteste Wertheim übernahm
die Tafel und dankte allen, welche zu dem guten Werk beigetragen hatten.
Die in Granit gehauene Tafel ist eine Zierde für die
Synagoge." |
Über Ereignisse beim Novemberpogrom 1938
liegen keine Berichte vor.
1940 wurde die ehemalige Synagoge zu einem Wohnhaus umgebaut. In den
1950er-Jahren wurde ein beträchtlicher Teil des Gebäudes (vier Gefache durch
beide Geschosse mitsamt dem Dach) auf Grund der damals durchgeführten
Verbreiterung der Hauptstraße abgebrochen.
In den 1980er-Jahren wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Am 12.
Dezember 1985 beschloss die Gemeindeverstretung einstimmig die Anbringung
einer Gedenktafel, die im Sommer 1986 enthüllt wurde. Eine weitere Gedenktafel
zur Erinnerung an die aus Hoof und Breitenbach deportierten und ermordeten
jüdischen Personen wurde 1998 angebracht (siehe Fotos
unten).
Adresse/Standort der Synagoge: Korbacher
Straße 336
Fotos
(Quelle: Pläne aus Altaras 1988 S. 19 und 2007 S. 27; sw-Foto aus Arnsberg Bilder S. 99; neue Fotos: Hahn, Aufnahmedatum
16.6.2008)
| Skizze des Synagogen- und
Schulgebäudes vor dem Teilabbruch |
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Markiert ist der Bereich, der
in den 1950er-Jahren abgebrochen wurde |
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| Pläne mit Markierung des
in den 1950er-Jahren abgebrochenen Gebäudesteiles |
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Das Synagogen- und
Schulgebäude
im Bereich des Erdgeschosses |
Das Synagogen- und
Schulgebäude
im Bereich des ersten Stockes |
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Das Gebäude der ehemaligen
Synagoge
in den 1960er-Jahren |
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Das ehemalige Synagogen- und
Schulgebäude |
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Das Gebäude der ehemaligen
Synagoge
2008 |
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Blick auf das
ehemalige (in den 1950er-Jahren zur Straßenverbereiterung teilweise
abgebrochene) Synagogen- und Schulgebäude, heute als Wohnhaus verwendet. |
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| Blick
von der vorbeiführenden Straße auf den Südgiebel, an der sich auch die
Gedenk- und Hinweistafel befinden, links unten die Gedenktafel mit der
Inschrift "Wenn man die Toten vergisst, tötet man sie noch einmal.
Talmud. Zum Gedenken an die unter nationalsozialistischer Gewaltherrschaft
vertriebenen und getöteten Mitbürger jüdischen Glaubens aus den
Schauenburger Dörfern. Ihr Schicksal bedeutet uns stete Mahnung und
Verpflichtung zu Frieden und Toleranz. Die Bürger Schauenburgs
1998". Im Hintergrund rechts der Ostgiebel, der ehemaligen
Synagoge. |
Hinweistafel mit Inschrift:
"Zum mahnenden Gedenken - dieses Haus diente den Juden in Hoof und
Umgebung als Synagoge." |
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Fotos des ehemaligen
Gasthofes der
jüdischen Familie Meinhardt Gumpert
(Fotos erhalten 2/2011 vom Enkel von
Meinhardt Gumbert: Mario Gumbert Isaias,
Sohn von Erich Gumbert, der nach
Argentinien emigrieren konnte) |
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| Der Familienname
Gumpert wurde in Argentinien Gumbert geschrieben |
Historische Postkarte von Hoof
mit einer
Ansicht der Gastwirtschaft von Meinhardt
Gumpert und dem Saal der Gastwirtschaft |
Im Gasthof von Meinhardt Gumpert - links im
Hintergrund Meinhardt Gumpert mit seiner
Frau Julie geb. Oppenheim |
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Fotos des Gebäudes
des
ehemaligen Gasthofes Gumpert
1974 / 2011 |
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In Argentinien
beigesetzt:
Meinhardt Gumpert (Gumbert) und
seine Frau Julie geb. Oppenheim |
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Grabstein links
für Julie Gumbert geb. Oppenheim (geb. 1883 in Bebra, gest. in
Argentinien), rechts für Meinhard Gumbert (geb. 1879 in Hoof, nach
Argentinien emigriert und dort verstorben; Friedhof der Colonia Avidgor,
Entre Rios) |
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Selma Gumbert, Tochter von
Meinhardt Gumbert und
Julie geb. Oppenheim |
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Selma Gumpert
(geb. 1. Juli 1912 in Hoof, gest. 2002 in Argentinien), ist 1929 nach Soest
verzogen,
wo sie bis 1931 lebte. Im Dezember 1935 heiratete sie in Reichensachsen
Siegfried (Fritz) Plaut (geb. 1911 in Witten). Beide sind im Dezember 1935
nach Argentinien
emigriert, wo Siegfried Plaut am 12. Juli 1988 starb. |
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Aus dem Album von Erich
Gumbert,
Sohn von Meinhardt Gumbert und
Julie geb. Oppenheim |
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Familienausflug
zum Herkules in Kassel |
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Auf dem Foto
steht Erich Gumbert vermutlich im Hintergrund. |
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Fotos von Erich
Gumbert: geb. 30.6.1915 in Hoof, nach Argentinien emigriert, war
verheiratet mit Amalita geb. Kofmann;
er starb 2007 in Argentinien; sie starb 2008 ebd. |
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Reisepass von
Erich Gumbert
(1935) |
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Der
Reisepass für Erich Gumbert wurde am 29. Oktober 1935 auf dem
Landratsamt in Kassel ausgestellt. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 401-403. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 99. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 18-19.43-44. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 44. |
 | dies.: Neubearbeitung der genannten Bücher 2007 S.
26-27.136-137. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 84-85. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 441-442. |
 | Genealogische Informationen zu Familie Gumbert
(erhalten von Mario Gumbert Isaias): "The
descendants of Itzig Gumbert from Hoof" (compiled and edited by
Hans-Peter Klein, Melsungen, Juni 2010)
(pdf-Datei).
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Hoof
Hesse-Nassau. The Jews of Breitenbach, Elmshagen and Hoof established one
community in the 18th century. Wolf Breidenbach (1751-1829), who grew up there,
was a famous champion of Jewish emancipation. This rural community became the
largest in Kassel, enlarging its synagogue in 1854 and numbering 172 (over 6 %
of the total) in 1861. By 1925 it had declined to 106 (7 %). Most Jews emigrated
after 1933 and the fate of those who remain is uncertain.

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