|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia Judaica
Die Mitglieder der
Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und bestehende) Synagogen
Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale
in der Region
Bestehende jüdische Gemeinden
in der Region
Jüdische Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur und Presseartikel
Adressliste
Digitale Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"
zur
Übersicht "Synagogen im Landkreis Alzey-Worms"
Alsheim (VG Eich, Landkreis Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
Hinweis: es kann in Einzelfällen beim Ortsnamen "Alsheim" zu Verwechslungen
kommen mit dem nicht mehr bestehenden Alsheim bei
Bad Dürkheim: bis zur zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts gab es eine Kultusgemeinde Alsheim-Rödersheim (so
1869 genannt) bzw. nach dem "Statistischen Handbuch des Deutsch-Israelitischen
Gemeindebundes" von 1869 eine Israelitische Kultusgemeinde Alsheim, die
mit S. Oehlbert auch einen eigenen Vorbeter und Schochet hatte. Damals lebten im
pfälzischen Alsheim 15 und in den benachbarten Orten Assenheim 10, Rödersheim 33
und Schauernheim 16 jüdische Einwohner. Der Ortsname des pfälzischen Alsheim ist
seit 1969 "verschwunden", seitdem die Gemeinde Rödersheim-Gronau aus den bis
dahin selbständigen Kommunen Rödersheim und Alsheim-Gronau neu gebildet wurde.
In dem rheinhessischen Alsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis in die 1930er-Jahre. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals wurden
1529 Juden aufgenommen. 1550 werden vier jüdische Familien am Ort genannt. Die
Zahl der jüdischen Familien blieb bis Ende des 18. Jahrhunderts jedoch klein.
Zwar wurden 1722 drei, 1743 sechs jüdische Familien gezählt, doch ging die
Zahl bis 1799 wieder auf zwei Familien zurück.
Zur Bildung einer Gemeinde kam es Mitte des 18. Jahrhunderts. Bis um 1875
beziehungsweise um 1900 gehörten auch die in Gimbsheim
und Mettenheim
lebenden jüdischen Einwohner zur Gemeinde in Alsheim.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1807 14 jüdische Einwohner, 1828 38, 1861 73 (4,6 % von
insgesamt 1.588), 1856 54, 1871 79, 1887 59, 1889 51, 1895 53, 1900 43 (2,9 % von insgesamt 1.711), 1910 36
(2,0 % von 1.781). Durch Aus- und Abwanderungen ging die Zahl der jüdischen
Einwohner Alsheims seit Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Die jüdischen
Familien lebten insbesondere vom Handel mit Wein, aber auch von der
Landwirtschaft (1881 gab es fünf jüdische Landwirte).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule (neues Schulhaus 1867 s.u.; seit 1873 Israelitische Volksschule/Elementarschule, die 1881 von 18
Kindern besucht wurde, darunter auch zwei christlichen Kindern), ein rituelles
Bad und einen Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Prägend für das
jüdische Gemeindeleben war in der gesamten zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Lehrer und Vorbeter Karl Marx (1824-1910). Marx war seit 1847 in Alsheim.
Sein vierstimmiger
Synagogenchor mit seinem Repertoire u.a. an klassisch-liturgischen Gesängen war
weit über Alsheim hinaus bekannt. Marx spielte auch im Leben des gesamten
Dorfes Alsheim über Jahrzehnte eine große Rolle: er hatte u.a. den "Sängerbund"
gegründet (heute MGV Eintracht Alsheim) und war jahrzehntelang dessen
Dirigent. In verschiedenen überregionalen Lehrervereinen war er im Vorstand
(u.a. Ausschussmitglied des Allgemeinen Deutschen Lehrervereins Berlin;
siehe die Artikel zu Karl Marx unten). Seit 1912 war Julius Reichenberg (zuvor in
Camberg) Lehrer in Alsheim. Er starb jedoch
bereits 1913 (siehe unten). Sein Nachfolger wurde Bernhard Grünbaum, der
bis 1925 in Alsheim blieb.
Die jüdische Gemeinde war dem
Rabbinatsbezirk Worms
zugeteilt.
An jüdischen Vereinen gab es: einen Israelitischen
Wohltätigkeitsverein der Männer (um 1888/1889 unter Leitung von K. Marx,
Isidor David und Isaak David; 1899 K. Marx, Isidor David und J. Oppenheimer), einen Israelitischen Wohltätigkeitsverein der
Frauen (um 1888 unter Leitung der Frau von S. Oppenheimer, der Frau von F.
David und der Frau von E. Oppenheimer, 1899 unter leitend der Frauen von F.
David und K. Marx).
Als Gemeindevorsteher werden genannt: um 1857 Ferdinand um 1887/1888 F. David, H. Dewald
und D. Oppenheimer, um 1889 S. Oppenheimer, A. Levi und J. David, um 1891 A.
Levi, J. David, .
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gustav Gabriel (gef.
1915, siehe Bericht unten), Theodor Gabriel
(geb. 13.6.1883 in Alsheim, vor 1914 in Gelnhausen wohnhaft, gef. 26.11.1917),
Max Lutzki (geb. 4.9.1893 in Alsheim, vor 1914 in
Würzburg wohnhaft, gef.
30.6.1915). Für seinen Kriegseinsatz ausgezeichnet wurde: Unteroffizier
Moritz Mayer in Alsheim mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse (EK II) ("Israelitisches
Familienblatt" vom 10.2.1916 S. 3 und "Dr. Bloch's österreichische
Wochenschrift" vom 18.2.1916 S. 124 und Zeitschrift "Handwerk und Gewerbe" 1916
1./2. März-Heft S. 239; s.u. Moritz Mayer wurde nach der Deportation 1942
ermordet).
Um 1924, als noch 25 Gemeindeglieder gezählt wurden (1,3 % von insgesamt
etwa 1.900 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Jakob Otto David,
Salomon Mayer und Eduard David. An jüdischen Vereinen waren damals noch
aktiv (dieselben Vereine wir oben um 1888/1889): der Wohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung von Alfred David mit
acht Mitgliedern) und der Frauenwohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung
der Frau von Isidor David mit neun Mitgliedern).
1933 wurden 35 jüdische Einwohner gezählt (drei Familien David, eine
Familie Gabriel und je eine Familie Mayer, Oppenheimer, Schlösser, sowie der
angesehene Arzt Dr. Wolff). Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen
Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der
zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise
ausgewandert.
Von den in Alsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen
Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jakob Otto David
(1882, siehe Kennkarte unten), Johanna David geb. Sternberg (1873), Bernhard
Grünbaum (Lehrer, 1884), Fella Grünbaum geb. Bornstein (Frau von Lehrer
Grünbaum, 1888), Karoline Löb geb. Reiss (1862), Albert
Mayer (1865), Moritz (Moses) Mayer (1884), Franziska Müller geb. Oppenheimer
(1867), Albert Reiss (1874), Ida Schwab (1886), Regina (Recha) Vogel geb.
Mayer (1884), Amalie Wolff geb. David (1875), Bernhard Wolff (1870), Blanka Zeilberger geb. Lutzky
(1889).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine Berichte zur jüdischen Geschichte
Lehrer Karl Marx schildert die
Gemeinde- und Schulverhältnisse in Alsheim und Umgebung (1858, Beitrag von 1931)
Anmerkung: zitiert wird nur der einführende Abschnitt und die Beschreibung der
Verhältnisse in Alsheim.
Artikel
im "Mitteilungsblatt für die israelitischen Gemeinden Hessens" von 1931 Nr.
3 S. 5: "Wie sah es mit dem jüdischen Religionsunterricht in Hessen vor
70 Jahren aus?
Bekannt ist der Midrasch, der von Rabbi Chonia erzählt, wie dieser Gelehrte
eines Tages in einen siebzigjährigen Schlaf verfiel und bei seinem
Wiedererwachen die ganze Umgebung und die menschliche Gesellschaft so
verändert fand, dass er sich nicht mehr auskannte. An diesen Midrasch wird
man erinnert, wenn man die Zustände des israelitischen Religionsunterrichts
in Hessen, wie sie heute sind, vergleicht mit den Zuständen von vor etwa
siebzig Jahren. Wir besitzen nämlich einen sehr interessanten Bericht über
die Zustände in der damaligen Zeit und zwar in der von K. Klein
herausgegebenen israelitischen Schulbibliothek, ein Zentralorgan für
Synagoge, Schule und Haus, 1. Band, Mainz 1858. In diesem Bande
schildert uns der damalige Lehrer in Alsheim K. Marx von Seite 214 an, die
Lehrer- und Schulverhältnisse in einem großen Teil der jüdischen Gemeinden
Hessens. Wir bringen zunächst auszugsweise die Schilderung, wie sie von
einzelnen Gemeinden in dem genannten Artikel gegeben wird. In dem Artikel
heißt es:
Beginnen wir zuerst mit der nächsten Nähe: In hiesiger Gemeinde (Alsheim)
sind schon seit langen Jahren die Gemeinde- und Schulverhältnisse
geregelt. Die Gemeinde besteht zwar nur aus 12 Mitgliedern,
nichtsdestoweniger hat sie seit 15 bis 20 Jahren schon große Opfer gebracht.
Sie baute eine Synagoge, kaufte ein Schul- und Wohnhaus für den Lehrer mit
einem Kostenaufwand von über 5.000 fl. und stellte seit genannter Zeit nur
auf dem Seminar gebildete Lehrer an. Schreiber dieses fungiert seit 11
Jahren als Religionslehrer und Kantor hier. Er bezieht einen festem Gehalt
von 825 fl., nebst 12 fl. für Heizung des Schullokales und freier Wohnung.
Obschon die Schule nur Religions- und nicht eine vom Staate gegründete
Elementarschule ist, so wird doch zugleich der ganze Elementarunterricht in
derselben erteilt und sind die Kinder von der Kreisschulkommission von dem
Besuch der christlichen Schulen entbunden. Die Schülerzahl ist
durchschnittlich 8 bis 10. Von diesem Jahre an zahlt die allgemeine
Ortskasse einen kleinen Beitrag zu den Bedürfnissen der israelitischen
Religions-Gemeinde, seither war letztere ganz allein auf sich selbst
angewiesen. — Vor dem Jahr 1848 gehörte
Gimbsheim als Filiale zur Alsheimer israelitischen Religions-Gemeinde,
erstere hat sich aber 1849 von letzterer getrennt und sind seitdem dort die
jüdischen Kultus- und Schulverhältnisse in einem höchst verwahrlosten
Zustande, da die Gemeinde zu schwach ist, einen Lehrer allein zu besolden.
Diese Gemeinde gibt leider einen sprechenden Beweis von dem oben im
Allgemeinen Behaupteten..." |
Aus einem Reisebericht (1930)
Der Beitrag wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der
jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober
1877 in Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz.
Weitere Informationen:
https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).
Artikel
aus einem Reisebericht "Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande. V.
Speyer - Haardtgebirge - Worms - Mainz" von S. Lilienthal -
Wiesbaden im "Israelitischen Familienblatt" vom 4. September 1930: "Alsheim,
Flecken mit 1900 Einwohnern, darunter ca. 20 Juden. Hier ist noch früher als
in den beiden eben genannten Orten (sc. Westhofen und Osthofen),
1529, ein Jude nachweisbar: Gumprich, der sowohl nach Alzey als auch nach
Alsheim zu steuern hat, keinen Wucher treiben, auch nicht mit dem Schultheiß
oder andern ein 'Willkürbuch-Register' oder sonstige Verzeichnisse über 'leyhen
oder dergl. wucherlichen Kontrakt' führen darf. Wobei zu bemerken ist, dass
um jene Zeit 'Wuchern' zinsweises Geldausleihen schlechthin, also
nicht nur solches gegen übermäßigen Zins bedeutet. 1548 wohnen neben
Gumprich noch die Juden Beyfuß, Meir und Aaron dort, 1723 Isaac, Jakob, der
alte und der jüngere, 20 Jahre später sind es 6 augenscheinlich miteinander
Verwandte: Meyer Isaac, Löw Jacob, Jacob Isaac, Löw Daniel, Jacob David und
Isaac, von denen Meyer Jsaac 200 Fl. Jahressteuer zahlt, die beiden nächsten
je 150 Fl., also eine sehr wohlhabende Gemeinde. — Um 1900 hat die Gemeinde
50, 1913: 36, heute noch gegen 20 Seelen, eigene Synagoge und eigenen
Friedhof, aber keinen Lehrer mehr. Gottesdienst findet noch an den hohen
Feiertagen statt. — Von hier weitere 2,6 Kilometer nordwärts
Guntersblum, hübsches Städtchen mit
2600 Einwohnern, darunter 20 jüdische Familien. ..." |
Aus der Geschichte der jüdischen Schule und der Lehrer
Erste rheinische israelitische Lehrerkonferenz in
Alsheim (1858)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. September 1858: "Aus
Rheinhessen, im August. Am 8. August fand in Alsheim eine erste rheinische
israelitische Lehrerkonferenz statt. Es wurde bestimmt, dass dieselbe sich
jährlich zweimal versammeln, und dass eine Lehrerbibliothek und
Leseverein mit derselben verbunden werden soll. Die nächste Versammlung,
zu der auch Lehrer aus anderen Kreisen Zutritt haben, wird am 26.
September in Odernheim stattfinden. Möge sie recht zahlreich besucht
werden! Bei den ausgezeichneten Lehrerkräften Rheinhessens und der nächsten
Umgebung lässt sich von einer solchen Vereinigung viel Gutes erwarten." |
| |
Bericht über
die erste rheinische israelitische Lehrerkonferenz
in Alsheim am 8. August 1858 in "Der israelitische Volkslehrer"
vom Oktober 1858 S. 321-323 |
 |
 |
 |
Neunte Konferenz des rheinhessischen jüdischen
Lehrervereins in Alsheim (1863)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. August 1863:
"Aus Hessen-Darmstadt, im Juli (1863). Am 13. dieses Monats
hielt der rheinhessische jüdische Lehrerverein seine neunte Konferenz,
und zwar in Alsheim. Nach dem Urteile Aller, welche dieser Konferenz
beiwohnten, war dieselbe die schönste und belebteste, welche bis jetzt
von dem rheinhessischen Lehrerverein abgehalten wurde. Zugegen waren
ungefähr 24 Lehrer, darunter 6 Rheinbayern als Ehrengäste. Auch Herr Dr.
Aub aus Mainz und Herr Dr. Rosenfels aus Worms hatten dieselbe mit ihrer
Gegenwart beehrt. Gegenstand der Verhandlungen waren: ein Vortrag über
Konfirmanden-Unterricht von Herrn Aub; über die Frage bezüglich der
Stellung des Hauses zur Schule; über die Verhältnisse des Lesevereins
usw. Die lebhafteste Teilnahme an diesen interessanten Verhandlungen
zeigte sich bei allen Anwesenden. Die Konferenz währte von 10 Uhr
Vormittags bis 5 Uhr Nachmittags. Hervorzuheben ist, dass die wackere
Gemeinde zu Alsheim auf Anregung ihres würdigen Vorstehers, der Herrn F.
David, sämtliche Teilnehmer der Konferenz als ihre Gäste behandelte.
Überhaupt zeichnet sich diese Gemeinde vielfach aus; sie besitzt eine
gediegene Schule, sowie einen geregelten Gottesdienst mit Chorgesang und
Instrumentalbegleitung, und alles gedeiht unter den Segnungen der
Eintracht und des Frieden." |
Bildung eines Unterrichtsbezirks Alsheim - Gimbsheim - Eich
- Hamm (1904)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Februar 1904: "Worms. Das Großherzogliche Ministerium plant die definitive Anstellung
israelitischer Religionslehrer, welche ein den Volksschullehrern gleiches
Gehalt beziehen und dieselben Rechte genießen sollen, sobald sie wöchentlich
20 Stunden Religionsunterricht erteilen. Die nötigen Mittel sollen von
den Gemeinden, die zu dem betreffenden Bezirk gehören, aufgebracht
werden. An die Vorstände der israelitischen Gemeinden des Kreises Worms
ist bereits der ausgearbeitete Plan gesandt worden. Nach ihm sind die
Gemeinden in vier Unterrichtsbezirke eingeteilt und zwar: 1. Alsheim,
Gimbsheim, Eich und Hamm; 2. Osthofen,
Rhein-Dürkheim, Herrnsheim, Abenheim und Gundheim; 3. Hessloch,
Monzernheim, Eppelsheim, Gundersheim und Westhofen; 4. Monsheim,
Hohen-Sülzen, Nieder-Flörsheim,
Wachenheim, Mölsheim, Pfeddersheim
und Pfiffligheim. Die Gemeinden Heppenheim
a.d.W. und Offstein sollen der Gemeinde Worms zugeteilt werden. Bis
zum 1. Februar müssen die Gemeinden dem Kreisamte Worms Bericht erstattet
haben." |
|
|
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar
1904:
Derselbe Text wie oben. |
Zu Lehrer Karl Marx (1824 - 1910, Lehrer in Alsheim von 1847 bis 1910)
Die jüdische Gemeinde gibt Lehrer Karl
Marx eine Gehaltszulage - bei lebenslänglicher Anstellung (1857)
Mitteilung
im "Jahrbuch für Israeliten" vom 1858 S. 128 - Meldung vom Januar 1857: "Die
jüdische Gemeinde in Essen erhöht ans freiem Antriebe die Besoldung
ihres Lehrers Blumenfeld um jährlich 25 Thlr.; ebenso bewilligt die kleine
jüdische Gemeinde in Alsheim (Rheinhessen) ihrem sehr tüchtigen
Lehrer Marx eine jährliche Gehaltszulage von 75 fl., nachdem sie ihn schon
früher lebenslänglich angestellt hatte." |
Lob für Lehrer Karl Marx (1857)
Artikel
in "Der Israelitische Volkslehrer" 1857 Nr. 11 S. 337: "In Alsheim,
einer Gemeinde von nur zwölf Mitgliedern, deren Schule bislang immer
nur von 5-6 Kindern besucht wird, empfängt der Lehrer, mein Freund Marx,
einen Gehalt von 325 Gulden und freie Wohnung. Dabei erfreut sich derselbe
einer ungemeinen Popularität, einer verdienten Liebe und Zuneigung, die
keine Gelegenheit vorübergehen lässt, sich tatsächlich zu äußern." |
Lehrer Karl Marx wird nach Chicago
berufen, nimmt die Stelle jedoch nicht an (1857/58)
Mitteilung
in "Der israelitische Volkslehrer" Dezember 1857 S. "Die beiden
Stellen eines Rabbiners und eines Schuldirektors in Chicago sind
besetzt, letztere durch Herrn Lehrer Marx zu Alsheim am Rhein. Es
sind hierdurch mehrfache Gesuche erledigt, welche in diesem Betreff an uns
gerichtet wurden. — Nach Allem, was wir über Herrn Lehrer Marx gehört haben,
hat die junge Gemeinde zu Chicago an ihm eine gute Wahl getroffen, und
begleiten ihn unsere besten Wünsche in seinen neuen, erweiterten
Berufskreis." |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Februar 1858: "Herr
Marx, israelitischer Lehrer zu Alsheim (in demselben Kreise = Kreis
Worms), wurde als
Lehrer und Kantor der israelitischen Gemeinde zu Chicago (Nordamerika)
engagiert. Herr Marx gehört zu den tüchtigsten Lehrern Rheinhessens. In
letzterer Gemeinde (sc. Chicago) wurde ein Herr Dr. Mensor aus Dublin zum
Rabbiner gewählt."
Anmerkung: Rabbiner Dr. Mayer Mensor war nur für sechs Monate 1857/58
Rabbiner in Chicago und wurde nach Konflikten mit der Gemeinde wieder
entlassen. Nach einem Bericht in "Der Israelit" vom 16.3.1870 konvertierte
Dr. Mensor 1861 zum Christentum. |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Mai 1858: "Der tüchtige
Lehrer in der Landgemeinde des hiesigen Kreises, Herr Marx in Alsheim,
folgt nicht dem Rufe nach Chicago. " |
Lob der jüdischen Schule und ihres
Lehrers nach der Revision durch Dr. Lewysohn (1858)
Anmerkung: über Dr. Ludwig Lewysohn (Worms) vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Lewysohn
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Mai 1858: "Bei einer
Revision, die jüngst Dr. Levysohn in Alsheim, einer Landgemeinde des
hiesigen Kreises, vornahm, fand derselbe namentlich die Religionsschule in
so trefflichem Zustande, dass er sie in dem aufgenommenen Protokolle als
Muster für die Gemeinden des Kreises bezeichnete. An dieser Schule wirkt
Marx, Lehrer und Vorbeter daselbst, und ist hierin nochmals der Beweis,
dass die Gemeinden, welche ihre Lehrer gut besolden, nur ihr eigenes
Interesse befördern; leider aber gibt es auch im hiesigen Rabbinate mehrere
Gemeinden, die selbst eines Religionslehrers für ihre Kinder entbehren zu
können glauben." |
Einweihung eines neuen Schulhauses
neben der Synagoge (1867)
Artikel
in "Der israelitische Lehrer" vom 14. November 1867: "Obernheim, 3.
November. Gestern, am Schabbat Paraschat Noach (sc.
https://de.wikipedia.org/wiki/Noach_(Sidra)) feierte die
israelitische Gemeinde Alsheim in einfacher, aber erhebender Weise ein
seltenes und bedeutungsvolles Fest — die Einweihung eines neuen
Schulsaales. Für die wachsende Familie unseres Freundes Marx war die
Lehrerwohnung etwas enge geworden und auch die wachsende Zahl der
Schuljugend ließ das Bedürfnis nach einem geräumigeren Schulsaal laut
werden. Ist aber in Alsheim ein Bedürfnis erkannt, so, fehlt auch die
Abhilfe nicht. Bei einem gesellschaftlichen Festessen der stets in Liebe und
Eintracht zusammenwirkenden Gemeindeglieder, das im vorigen Herbst
stattgefunden, wurde die Anregung gegeben; schnell waren aus freiwilligen
Beisteuern, — die Gemeinde zählt nur 15 bis 16 Gemeindemitglieder, zu
welchen noch ein Mitglied aus der Filialgemeinde
Mettenheim, das sich in loyaler
Weise dein Werke anschloss, — die Mittel beschaffen und schon ein Jahr nach
jener freiwilligen Beschlussfassung steht das überaus nette und freundliche
Saalgebäude wohleingerichtet neben der schönen Synagoge und in demselben
Stile aufgeführt, ein herrlicher Schulraum, von welchem Licht und Liebe
ausgehen wird über die Gemeinde, wie die lichtvolle Auffassung der Aufgaben
einer jüdischen Gemeinde und liebevolle Eintracht, wie wir eine solche weit
und breit wohl vergeblich suchen, das Werk aufführte, dessen Einweihung wir
kurz gedenken wollen, als einer Feier, die der Aufzeichnung in einem
Schulblatte wohl würdig ist.
Nach dem Mincha-Gottesdienst in der Synagoge versammelte sich die Gemeinde
in dem neuen Schulsaale. Nach einem vierstimmigen herrlichen Gesang — Freund
Marx ist des edlen Sanges Meister — übergab der Präses der Gemeinde, Herr
Ferdinand David, in einigen warm gefühlten Worten, in welchen er die
dreifache Bedeutung des neuen Raumes — als Schulsaal, als Gemeindesaal und
als Zeichen der Liebe und Hochachtung gegen den Lehrer — treffend
hervorhob, das neue Haus dem Lehrer, 'auf dass er lange Jahre sich dessen
freue und darin fort und fort so segensreich wirke, wie in dem alten Raume
seit mehr denn zwanzig Jahren.' Hierauf ergriff Marx das Wort und
entwickelte in einer dreiviertelstündigen Rede die hohe Bedeutung des Tages
für die Gemeinde, — denn die Schule ist der Urgrund des geistigen Lebens und
der Entwicklung, auf ihr ruht die Gemeinde, das öffentliche und Staatsleben;
und wenn man sich bei der Einweihung einer Synagoge freut, warum nicht
mindestens ebensosehr oder noch mehr bei der Einweihung einer Schule? Ohne
Schule, keine Synagoge. Der Redner zeichnete mit treffenden Worten an
Beispielen, die wir jüdischen Gemeinden des Umkreises und ganzen Ländern
entnehmen können, die Zerrüttung und die Zerfahrenheit, die der Mangel einer
guten Schule mit sich führt. Wir sind nicht im Stande, den geflügelten
Worten des Redners hier zu folgen. Aber wir bemerkten, wie sehr die Gemeinde
ergriffen war und dass der opferfreudige Sinn derselben stets bereit sein
wird, alles zu tun für die Schule und ihren Lehrer. Die Feier schloss mit
einem von Marx zu derselben besonders gedichteten paffenden Schlussverse zu
dem Festliede.
Abends versammelten sich die Mitglieder der Gemeinde und einige Freunde, zu
welchen auch wir auf erhaltene Einladung zu gehören das Vergnügen hatten,
bei einem heiteren Festessen im neuen Schulsaale. Es wurde wacker toastiert:
vom Präses der Gemeinde auf den Lehrer Marx, von Lehrer Marx auf die
Gemeinde, von Klingenstein auf die Jugend, insbesondere der Gemeinde
Alsheim, die in diesen Räumen unterrichtet werden soll u.s.f. Erheiternde
Gesänge von einem Harmonium begleitet, (das gewöhnlich in der Synagoge zur
Verherrlichung des Gottesdienstes benützt wird; es wird wohl wenig so kleine
Gemeinden geben, die sich eines solchen Chorgesanges erfreuen), musikalische
Vorträge aller Art, von musikkundigen Gemeindegliedern gespendet, ein
herrlicher munterer Geist trugen dazu bei, dies einfache Fest zu einem
heiteren und unvergesslichen zu machen.
Möge die herrliche Gemeinde blühen und gedeihen als erhebendes Vorbild für
andere jüdische Gemeinden! Möge sich Freund Marx lange, lange des Glückes
freuen, das ihn umgibt! K." |
Anzeige von Lehrer Karl Marx für
seine kleine Privatpension (1868)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der israelitische Lehrer" vom 9. September 1868: "Der
Unterzeichnete nimmt einige Knaben in Pension.
Außer gutem Elementar- und Religions-Unterricht, Französisch und Englisch,
auf Verlangen auch Musikunterricht.
K. Marx, Lehrer in Alsheim, Rheinhessen." |
Lehrer Karl Marx wird in den
Hauptausschuss des neu gebildeten "Hessischen Lehrervereines" gewählt (1868)
Artikel
in der Zeitschrift "Der israelitische Lehrer" vom 30. Dezember 1868: "Aus
dem Großherzogtum Hessen im Dezember. In unserem Lande bildet sich so
eben ein (allgemeiner) 'Hessischer Lehrerverein'. In den Hauptausschuss, der
aus 12 Mitgliedern besteht, wurde der israelitische Lehrer Marx aus
Alsheim gewählt, obwohl derselbe bei der betreffenden Versammlung nicht
zugegen war, und er selbst eigentlich nicht einmal staatlich angestellter,
öffentlicher Lehrer ist.— Bei der zu gleichem Zwecke am 16. Dezember zu
Alzey abgehaltenen allgemeinen
Kreis-Konferenz wurde Lehrer Klingenstein von
Odernheim zum Vorsitzenden des
Kreislehrervereins ernannt." |
Karl Marx vermittelt bei der
Lehrersuche einer jüdischen Gemeinde in Ohio (1869)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der israelitische Lehrer" vom 21. Juli 1869: "In einer
jungen israelitischen Gemeinde in Nordamerika (Staat Ohio) ist für einen
jungen israelitischen Lehrer eine angenehme Stelle offen. Dieselbe
ist mit einem fixen Gehalt von 500 Dollar verbunden.
Da wöchentlich nur mehrere Stunden hebräischer und deutscher Unterricht zu
erteilen sind, also sehr viel freie Zeit bleibt, so wären für einen
musikalisch gebildeten Mann, außerdem durch Musikunterricht mindestens
noch 500—600 Dollar, jährlich mit Leichtigkeit zu verdienen.
Reflektanten belieben innerhalb 3 Wochen ihre Meldungen und Zeugnisse an
K. Marx, Lehrer in Alsheim, Rheinhessen, portofrei einzusenden." |
Die Schüler der israelitischen
Schulen spenden für die "Alliance Israélite Universelle" (1869)
Anmerkung: zur Geschichte der Alliance Israélite Universelle" siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Alliance_Israélite_Universelle
Anzeige
in der Zeitschrift "Der israelitische Lehrer" vom 25. August 1869: "Alliance
isr. universelle.
Verzeichnis
der Schulkinder der israelitischen Gemeinde Alsheim, welche monatliche
Beiträge à 1 kr. zur Alliance isr. universelle beitragen. Die Sammlung
begann am 1. Juni 1869.
1) Wilhelm Adler, 2) Helene David, 3) Frida David, 4) Anna Feitel, 5) Bertha
Feitel, 6) Simon Hirsch, 7) Adolf Hirsch, 8) Karl Joseph, 9) Karl Kahn, 10)
Jakobine Loeb, 11) Leopold Levi, 12) Sigmund Levi, 13) Friederike Liebmann.
14) Albert Marx, 15) Joseph Marx, 16) Emil Mayer, 17) August Oppenheimer,
18) Regine Oppenheimer, 19) Friedrich Oppenheimer." |
Karl Marx ist als Beisitzer im
Vorstand des Vereines Achava (1872)
Mitteilung
im "Rechenschaftsbericht" des Vereines "Achawa - Verein zur Unterstützung
hilfsbedürftiger israelitische Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland" -
Siebenter Rechenschaftsbereich 1871 - 1872:
"Die Verwaltung der 'Achawa', Vereins zur Unterstützung
hilfsbedürftiger Israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in
Deutschland.
Dr. Rothschild in Alzey, erster
Präsident.
Leopold Beer in Frankfurt a. M., zweiter Präsident.
Julius Philipp Bonn in Frankfurt a. M., Schriftführer.
Leopold Dann in Frankfurt a. M., Rechner.
Adolf Teblée in Frankfurt a. M., Gegenschreiber.
J. Klingenstein in Oberingelheim,
Geschäftsführer.
K. Marx in Alsheim, Beisitzer.
H. Kahn in Flörsheim,
Beisitzer." |
25-jähriges Dienstjubiläum von
Lehrer Karl Marx (1872)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums vom 7. Mai 1872: "Alzey, im
April. (Privatmitteilung) Die letztere Zeit hat schon oft Meldung von
Dienstjubiläen jüdischer Lehrer gebracht. Die Gemeinden punkten dann vor der
Welt mit silbernen Pokalen, welche sie dem Lehrer geschenkt, mit Festessen,
die sie den Lehrern gegeben hatten, während sie früher dem Lehrer Amt und
Leben bitter und sauer genug gemacht hatten, ihn vor dem Jubiläum am
Hungertuch nagen ließen und nachher fortfahren, es zu tun. Die jüdischen
Gemeinden stehen mit diesem Verfahren nicht allein; die Lehrer aller Welt
sind schlecht gestellt und geben lautes Zeugnis davon, wie schlecht es um
unsere Volksbildung bestellt ist, und wie wenig Wert man ihr beilegt. Im
Grunde bringen die jüdischen Gemeinden noch mehr Opfer dafür, und ihre
Lehrer sind auch besser gestellt, als die christlichen, obwohl immer noch
nicht gut genug. Ja solche Jubelfeier und -Freude stimmt ganz zu den
kostbaren und teuren Monumenten, welche die Welt großen Männern nach ihrem
Tode zu setzen pflegt, nachdem sie ruhig zugesehen hat, wie sie ihr Leben in
Kummer und Entbehrungen verbrachten. Anders ist es in vorliegendem Falle.
Ich erzähle Ihnen von dem Jubiläum des Lehrers Karl Marx in Alsheim,
welches ihm und seiner Gemeinde zur wahrhaften Ehre gereicht. Alsheim
war die erste Stelle des Lehrers Marx, und er begleitet sie heute noch;
seine Gemeinde hat ihn stets zu fesseln und zu ehren gesucht und tut es
nicht bloß heute am 3. April, dem Tage des Jubelfestes. Das ist selten in
Israel, wo dem Lehrer gegenüber gar zu oft das Sturmeswort durch die
Gemeinde dröhnt: der Mann muss hinaus! Die Gemeinde ist klein, und doch
bringt sie so große Opfer. Die Gemeinde Alsheim zeigt, was der gute Wille
vermag; aber auch Marx zeigt, was ein guter Lehrer vermag für Schule,
Synagoge, Gemeinde und sich. Marx hat einen auskömmlichen Gehalt, eine
geräumige Dienstwohnung, definitive Stellung, und selbst Pension und
Witwengehalt sind gesichert. Alles dies sind allmähliche Erzeugnisse der
25-jährigen Wirksamkeit desselben. Da hat die Jubelfeier einen ganz anderen
|
Charakter.
Deshalb erzähle ich der Welt davon, damit ganz Israel solches höre und nicht
mehr frevle an seinem Lehrerstande. Gehet hin, ihr Lehrer, gehet hin, ihr
Gemeinden, und tuet ein Gleiches. Ich habe Ihnen den Lehrer Marx genannt,
neben ihm verdient in der Gemeinde auch der Vorsteher Ferdinand David
genannt zu werden. Obwohl alle Mitglieder der Gemeinde von gleichem Geiste
beseelt sind, so sind doch Lehrer und erster Vorsteher die ruhmvollen Träger
und Nährer dieses Geistes. Die Art der Festfeier unterschied sich in Alsheim
ebenfalls. Man gab Geschenke, nicht weil man nicht umhin konnte, sie zu
geben; man gab gern, man gab in Fülle: Pianino, Stand- und goldene
Taschenuhren, silberne und andere Pokale, Kandelaber, silberne Leuchter,
Stickereien etc. etc. Auch Christen beteiligten sich an der Feier:
Geistliche, Bürgermeister, Lehrer etc. Seine auswärtigen Schüler und Freunde
hatten sich zahlreich eingefunden; die entfernteren hatten durch Briefe,
Telegramme und Geschenke Ihre Teilnahme zu erkennen gegeben. Selbst Tags
nachher liefen dergleichen noch ein, wie Abends vorher der von Marx
gegründete und geleitete allgemeine Gesangverein des Orts sich durch
Fackelzug und Serenade beteiligte. Der Achawa- und der Pestalozziverein
beglückwünschten den Jubilar ebenfalls durch ihre respektive Präsidenten,
Rabbiner Dr. Rothschild in Alzey und
Pfarrer Dr. Ehlers in Frankfurt am Main. Ein solennes Festmahl, zu welchem
mehrere Freunde des Jubilars als Ehrengäste geladen waren, zeichnete die
Feier besonders aus, und bei diesem machte sich wieder der Geist der Toaste
in eigener Art geltend. Es waren nicht Worte, kalt wie der Nebelwind, der
herbstlich durch die dürren Blätter fährt, sondern Reden voll Geist und
Gefühl, belebt vom Hauche einer warmen Frühlingssonne, geschmückt mit den
Farben eines reichen Blumenflors, gewürzt vom Dufte rosiger Blüten. Von
Rabbinern waren anwesend Stein aus Frankfurt, Stein aus Worms,
Rothschild
aus Alzey, von Lehrern Klingenstein und
viele andere." |
Lehrer Karl Marx wird in den
Ausschuss des (allgemeinen nicht jüdischen!) hessischen Landeslehrervereins
gewählt (1872-73)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelitische Lehrer" 1872-73 4 S. 20: "Von dem
toleranten Geiste des gesammten hessischen Lehrerstandes mag es ehrendes
Zeugnis geben, dass der Landeslehrerverein, der über 1600 Mitglieder zählt,
in seinen Ausschuss, der aus 12 Lehrern besteht und der vor Neujahr durch
allgemeine Abstimmung gewählt wurde, zwei Juden und zwar den Lehrer Marx
von Alsheim und den Herausgeber dieser Zeitschrift (sc. Lehrer J.
Klingenstein in Oberingelheim)
wählte." |
Lehrer Karl Marx übernimmt den Unterricht in den
Offenbacher Stadtschulen (1875)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1875: "Darmstadt.
Der Stadtvorstand von Offenbach hat den israelitischen Lehrer Marx von
Alsheim als ordentlichen Lehrer an die Stadtschule berufen und ihm
zugleich den Religionsunterricht für die Schüler der israelitischen
Konfession in sämtlichen Schulen übertragen. Es ist dies der vierte Fall
von Verwendung eines Israeliten an Kommunalschulen in Hessen." |
Silberne Hochzeit von Lehrer Karl Marx und seiner Frau
(1882)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. September 1882: "Man
schreibt uns aus Rheinhessen vom 29. August: Am 26. dieses Monats war das
silberne Hochzeitsfest des Lehrer Marx’schen Ehepaares in Alsheim. Dass
von den Kindern und Angehörigen der Familie dieser Tag gefeiert wurde,
dass die Mitglieder der jüdischen Gemeinde ihre Hochachtung durch
sinnreiche Geschenke, entfernte Freunde und Schüler durch Briefe,
Telegramme und Gedichte ihre rege Teilnahme aussprachen, ist hier wohl
nicht zu verwundern. Lehrer Marx ist seit 35 Jahren in dieser Gemeinde; es
ist seine erste und einzige Stelle seit seinem Austritte aus dem Seminar
und er hat es verstanden, sich die Liebe und Achtung Aller zu erwerben,
die seinem Hause näher traten. Dass aber auch die nichtjüdische Bevölkerung
sich lebhaft beteiligte, der Gesangverein zum Beispiel ein solennes Ständchen
schon am Vorabend brachte, am Tage ein sinnreiches Geschenk überreichte;
dass ein großer Teil der besten christlichen Familien des Ortes, der sich
von jeher durch Intelligenz und edlen Bürgersinn auszeichnete, seine
Teilnahme in jeder Weise, durch Blumenschmuck und andere spenden kund gab,
ist ehrend für die Geber wie für die Empfänger. Es gibt dem schönen
Familienfeste eine Weihe, die es zu einer erfrischenden Erinnerung
gestaltet." |
Zum 70. Geburtstag von Lehrer Karl Marx (1894)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Oktober 1894: "Alsheim, 1.
Oktober. Letzten Donnerstag, 27. September, beging Herr Lehrer Marx hier
seinen 70-jährigen Geburtstag. Der Gesangverein 'Sängerbund’, dessen
Dirigent derselbe seit 1848 ist, brachte abends vorher ein Ständchen mit
Lampions und Fackeln. Am folgenden Tag überreichte der israelitische
Vorstand im Namen der Gemeinde einen Lustre mit einer Ansprache. Herr
Wertheimer aus Heldenbergen, Vorsitzender des israelitischen Lehrervereins
unseres Landes, dessen Vorstandsmitglied und Mitbegründer der Jubilar ist,
gratulierte, dann überreichte Herr Lehrer Gabriel aus Offenbach namens
mehrerer Kollegen und Freunde einen prachtvollen silbernen Pokal. Der
Vorstand der 'Achawa’, verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger
israelitischer Lehrer in Frankfurt am Main, dessen Mitbegründer seit dem
Bestehen (1861) Vorstandsmitglied Marx ist, sandte eine kalligraphische künstlerisch
ausgeführte Adresse in prachtvollem Goldrahmen. Der Vorstand des Vereins
zur Unterstützung israelitischen Seminaristen in Hessen, welchem
ebenfalls der Jubilar als Vorstandsmitglied angehört, beehrte ihn mit
einer Gratulation. Außerdem liefen von Freunden aus der Nähe und Ferne
Geschenke, Depeschen und Glückwunschschreiben ein." |
|
|
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Oktober 1894:
Ähnlicher Bericht wie oben in der Zeitschrift "Der Israelit"
- zum Lesen bitte Textabbildung anklicken |
Leitartikel von Lehrer Karl Marx in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" (1895)
Das Ansehen, das Karl Marx in weiten Kreisen des Judentums und der jüdischen
Lehrerschaft in Deutschland genoss, zeigt sich daran, dass er in der
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" auch einen Leitartikel übernehmen
konnte.
Artikel in der
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Mai 1895:
"Der Deutsch-Israelitische Lehrerbund".
Der Artikel
wird nicht
ausgeschrieben, da es keinen direkten Bezug zur jüdischen
Geschichte
in Alsheim gibt. Bei Interesse bitte Textabbildungen
anklicken. |
 |
 |
|
Ankündigung des 50-jährigen Dienstjubiläums von
Lehrer Karl Marx (1897)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. März 1897: "Aus dem
Großherzogtum Hessen, im März. Der Nestor der hessischen Lehrerschaft,
Herr K. Marx in Alsheim (Rheinhessen), feiert am 1. April dieses Jahres
sein 50jähriges Dienstjubiläum. Die Gemeinde, in der Herr Marx nun 50
Jahre ununterbrochen tätig ist, sowie Schüler und Freunde des Jubilars
treffen bereits Vorbereitungen, um den Ehrentag des verdienstvollen
Lehrers und Philanthropen würdig zu begehen. Die Feier beginnt um ½ 11
Uhr Morgens. Anmeldungen zu dem Festessen (das Couvert 3 Mark inklusive ½
Liter Wein) nimmt der Vorstand der israelitischen Gemeinde, Herr A. Levi,
bis zum 25. Mrz entgegen. Wir werden später noch eingehend auf die reiche
Wirksamkeit des in weiten Kreisen bekannten und beliebten Schulmannes zurückkommen." |
Zum 50-jährigen Dienstjubiläum von Lehrer Marx (1897)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1897: "Alsheim (Kreis
Worms), 1. April. Heute wurde dahier das 50jährige Dienstjubiläum des
Lehrers Karl Marx gefeiert. Nachdem Marx vor 50 Jahren das Seminar zu
Bensheim verlassen hatte, übernahm er die hiesige Lehrer- und
Kantorstelle. Es gehört zu den Seltenheiten, dass ein Lehrer während 50
Jahren auf einer Stelle verbleibt. Deshalb ist es auch natürlich, dass
Gemeinde und Freunde des Jubilars es als ihre ernste Pflicht betrachteten,
diesen Tag würdig zu begehen, nachdem sie auch das 25jährige Jubiläum
und den 70. Geburtstag des Jubilars nicht ohne Feier vorübergehen ließen.
Anfangs der 70er-Jahre wurde die israelitische Lehrerstelle zu einer öffentlichen
staatlichen erhoben und so war es selbstverständlich, dass an diesem
Ehrentage auch der Großherzogliche Kreisrat und Großherzogliche
Kreisschulinspektor von Worms erschienen, um Herrn Marx zu begrüßen und
ihm das Verdienstkreuz Philipps des Großmütigen im Namen des Großherzogs
zu überreichen. Die Hauptfeier bestand in einem weihevollen
Gottesdienste, in welchem Herr Rabbiner Dr. Stein von Worms in
vortrefflichen Worten predigte, Lehrer des Kreises mehrere Lieder in künstlerischer
Ausführung vortrugen. Auf dem Rathause wurden dem Jubilare sehr wertvolle
Geschenke überreicht und zwar von früheren Schülern, seiner Gemeinde,
der Achawa , zu dessen Vorstande der Jubilar seit ihrer Gründung gehört,
dem israelitischen Lehrerverein, dem israelitischen Seminaristenverein und
den Lehrern des Kreises Worms. Die vielen Reden, die während des
Festmahls gehalten wurden, schilderten alle in beredten Worten Herrn Marx
als treuen Lehrer, als deutschen Mann, als treuen Kollegen und als warmen
Förderer der Wohltätigkeitsvereine. Die vielen Telegramme, welche während
des Essens einliefen (über 100 an der Zahl) bewiesen, dass man auch außerhalb
Alsheims des Jubilars gedachte. Möge demselben noch ein recht langer und
glücklicher Lebensabend beschieden sein." |
| |
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. April 1897: "Aus dem
Großherzogtum Hessen, im April. Die Feier seines 50jährigen Amtsjubiläums
gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Anerkennung und
Verehrung für Herrn Lehrer Marx - Alsheim. Am Vorabend brachte ihm der
von ihm vor nahezu 50 Jahren gegründete 'Sängerbund’ einen
Fackelzug. Am Festtage selbst fand zunächst ein Gottesdienst statt, an
dem auch die beiden Ortsgeistlichen teilnahmen. Den musikalischen Teil
desselben führten das von Herrn Marx begründete Lehrer-Doppelquartett
und sein gemischter Chor (beide aus lauter Nichtjuden bestehend) glanzvoll
durch. Herr Rabbiner Dr. Stein – Worms schilderte in schwungvoller Rede
die Verdienste des Jubilars als Jugendbildner und Philanthrop. Auf dem
Rathause fand sodann die Überreichung der zahlreichen Ehrengeschenke
statt. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund ließ ein
Anerkennungsschreiben überreichen, die israelitische Gemeinde einen
silbernen Tafelaufsatz, der Vorstand der Achawa eine Garnitur silberner
Essbestecke, der israelitische Lehrerverein Hessens eine kunstvolle
Adresse und einen silbernen Becher; die Lehrer des Kreises Worms gaben
einen Teppich und die ehemaligen Schüler einen reich ausgestatteten
Silberkasten. Eine ergreifende Ansprache des Herrn Direktor Dr. Baerwald
– Frankfurt, welcher seinen Freund als Vater der Armen feierte und die
Beteiligung der gesamten Einwohnerschaft rühmte, bildete den Schluss
dieser erhebenden Feier. Bei dem sich anschließenden Festmahl überreichte
der Kreisrat des Kreises Worms das vom Großherzog verliehene silberne
Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Unter den circa 100
Festteilnehmer waren etwa 75 Nichtjuden, gewiss ein ehrendes Zeichen für
die Wirksamkeit des Jubilars sowohl, als auch für seinen Wirkungskreis.
Dies wurde denn auch von allen Rednern mit Genugtuung betont, so von Herrn
Dr. Stein, welcher die Orts und die israelitische Gemeinde Alsheims
feierte, von Herrn Dr. Saalfeld – Mainz, der sein Glas dem echt
deutschen Geiste weihte, wie ihn der Jubilar gepflegt, von dem Obmann des
hessischen Landeslehrervereins, welcher auf die Einigkeit im Lehrerstand
trank, und von Herrn Direktor Dr. Baerwald, der die Lichtpunkte im
Lehrerleben hervorhob. Wir schieden mit dem Bewusstsein, einen in jeder
Beziehung würdigen Jubilar würdig gefeiert zu haben." |
Zum 80. Geburtstag von Lehrer Karl Marx (1904)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. September
1904: "Aus dem Großherzogtum Hessen, im September (1904). Zu Alsheim
in Rheinhessen feierte am 27. dieses Monats der Lehrer Karl Marx, der
Nestor der israelitischen Lehrer Hessens, in voller Rüstigkeit und
Frische des Geistes und des Körpers seinen 80. Geburtstag. Marx nimmt in
den Lehrerkreisen nicht nur Hessens, sondern ganz Deutschlands eine
hervorragende Stellung ein. Geboren zu Geinsheim
bei Oppenheim, ist er seit 1847 ununterbrochen in dem freundlich am Fuße
rebenbestandener Hügel gelegenen Orte Alsheim tätig. Im Jahre 1897
feierte er unter der Teilnahme nicht bloß der jüdischen, sondern auch
der politischen Gemeinde und zahlreicher Kollegen und Freunde von nah und
fern das 50jährige Dienstjubiläum, wobei er vom Landesherrn durch den
Philippsorden ausgezeichnet wurde. Viele Vereine sowohl an seinem
Wirkungsort als auch in seinem engeren und weiteren Vaterland verehren in
Marx ihren Mitbegründer und eifrigen Förderer. Vor 40 Jahren gründete
er mit seinem unvergesslichen Freunde Klingenstein die 'Achawa' zur
Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrerwitwen und
-Waisen. Marx wirkt seitdem ununterbrochen im Vorstand dieses Vereins und
hat in Gemeinschaft mit anderen edlen Menschenfreunden schon viele Tränen
trocknen helfen. Marx ist außerdem Mitbegründer des israelitischen
Lehrervereins im Großherzogtum Hessen, dessen zweiter Vorsitzender er
ist, und eifriger Förderer des Verbandes der jüdischen Lehrervereine in
Deutschland. Er ist im Vorstand des Vereins zur Unterstützung
israelitischer Seminaristen in Jessen und war mehrere Jahre
Vorstandsmitglied des paritätischen hessischen Landeslehrervereins. Die
Gründungen an seinem Wirkungsort kommen allen seinen Mitbürgern, ohne
Unterschied des Glaubens zugute, so ein Männergesangverein, den er nun 57
Jahre leitet, und dessen vorzügliche Leistungen vielen Brudervereinen als
Vorbild dienen; ferner ein gemischter Chor, durch den er die Geselligkeit
wesentlich hob, und ein Leseverein, durch den er seinen Mitbürgern die
Werke unserer besten Schriftsteller nahe zu bringen suchte. Bei all diesem
gemeinnützigen Wirken hat Marx nichts in seiner engeren Berufstätigkeit
versäumt. Die Anhänglichkeit seiner Schüler zeigte sicht in geradezu
überwältigender Weise an seinem goldnen Amtsjubiläum, wo ihm Zeichen
der Dankbarkeit und Verehrung aus den fernsten Weltteilen dargebracht
wurden. In seinem Glauben, dem heiligsten Band, welches das Menschenleben
für seine kurze Dauer knüpft, zeigt sich Marx stets als der Mann des
Gemüts. Seine Religion ist in erster Linie rastlose, werktätige
Menschenliebe. Sein innerstes Wesen ist durchdrungen 'von jenem Glauben,
der sich, stets erhöhter, bald kühn hervordrängt, bald geduldig
schmiegt, damit das Gute wirke, wachse, fromme, damit der Tag dem Edlen
endlich komme.' Dieser Glaube ist Geist von jenem Geiste, der in den
großen Meistern der Pädagogik lebte, der das Geheimnis all ihres Sinnens
und Erfolges ist. So ist Marx ein ganzer Mann des Geistes und des Herzens,
in seinem Wesen und Wirken jedem desto höher, je mehr er mit ihm zu
verkehren Gelegenheit hat. Mögen dem Wackeren noch viele Jahre der Ruhe
in seinem hübschen Familienkreise vergönnt sein." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober 1904:
"Alsheim (Rheinhessen), 27. September (1904). Die heutige 80-jährige
Geburtstagsfeier des Herrn Lehrers Karl Marx, Nestor der israelitischen
Lehrer Hessens, gestaltete sich zu einem selten schönen Feste. Aus allen
Teilen Deutschlands hatten sich bedeutende Männer eingefunden, um
persönlich ihre Glückwünsche dem Jubilare, der unter der Lehrerschaft
Deutschlands eine der ersten Stellungen einnimmt, sowie dessen edlen
Gattin, die heute ihren 72. Geburtstag feierte, die Glückwünsche
darzubringen. Bei dem Festmahle eröffnete den Reigen der Ansprachen Dr.
Adler, Direktor des Philanthropins in Frankfurt am Main und gratulierte im
Namen des Verbandes der israelitischen Lehrervereine im deutschen Reiche,
dem der Jubilar als Vorstandsmitglied angehört. Dann sprachen: Lehrer
Wertheimer - Heldenbergen, Vorsitzender des israelitischen Lehrervereins
im Großherzogtum Hessen, namens dieser Korporation, deren zweiter
Vorsitzender der Gefeierte ist. Dr. Driesen, Direktor des Seminars in
Karlsruhe, Dr. Löhren - Frankfurt am Main, erster Schriftführer der 'Achawa'
(Unterstützungskasse für israelitische Lehrer-Witwen und -Waisen),
welche vortreffliche Institution vor 40 Jahren von Herrn Marx gegründet
wurde, überreichte ihm eine prachtvoll ausgestattete Adresse und ernannte
ihn zum lebenslänglichen Ehrenmitgliede, Volksschullehrer Rothschild -
Worms, Lehrer Nußbaum - Wiesbaden, Vorsitzender des Lehrervereins im
ehemaligen Kurhessen, Lehrer Salomon - Sprendlingen
(Rheinhessen), Gymnasiallehrer Gabriel - Offenbach am Main und Lehrer
Eisenheimer - Gimbsheim, sowie
verschiedene Freunde des Geburtstagskindes, das in bewegten Worten für
die vielen Ehrungen dankte. Von Behörden, Vereinen und Privaten aus allen
Teilen Deutschlands liefen Gratulationen ein. Man zählte während des
Nachmittags 128 Telegramme. Der Gesangverein Sängerbund, welcher vom
Jubilar seit 1847 dirigiert wird, brachte heute Abend seinem bewährten
Dirigenten eine schon arrangierte Ovation dar. Möge der allverehrte und
tüchtige Schulmann neben seiner Gattin noch viele Jahre in voller
Körper- und Geistesfrische wandeln, damit es ihm vergönnt ist, auch
ferner zu wirken zum Wohle der Lehrer und ganz Deutschlands." |
Goldene Hochzeit von Lehrer Marx und
seiner Frau (1907)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. August
1907: "Alsheim bei Worms. Herr Lehrer Marx und Frau feiern am 26.
dieses Monats in Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit." |
| |
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. August 1907: "Ein goldenes
Ehejubiläum.
Dem Nestor des jüdischen Lehrerstandes, dem Kollegen Karl Marx und
seiner Gattin Regine, aus Alsheim, Rheinhessen, ist das
seltene Glück beschieden, am 26. dieses Monats in körperlicher Rüstigkeit
und geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit zu begehen. An dem
verehrten Jubelpaare ist die Last der Jahre fast spurlos vorübergegangen.
Karl Marx wurde am 27. September 1824 in
Geinsheim, Provinz Starkenburg,
seine Gattin, am 27. September 1832 in
Mettenheim, Provinz Rheinhessen,
geboren. Unser Kollege entschloss sich erst im vorgerückten Jünglingsalter,
sich dem Lehrerberuf, zu dem ihn innere Neigung führte, zu widmen. Nachdem
er sich in seiner Heimat bei einem seiner Lehrer vorbereitet hatte, legte er
die Aufnahmeprüfung in Bensheim ab und
besuchte das dortige Großherzogliche Schullehrer-Seminar von 1845 bis 1847.
Er wurde mit einem ausgezeichneten, seltenen Zeugnis, der Gesamtnote
'vorzüglich', entlassen. Kurz nach seiner Entlassung wurde er am 1. April
1847 in Alsheim als Religionslehrer und Kantor angestellt. Oft war
ihm später Gelegenheit geboten, in anderen, größeren Gemeinden des In- und
Auslandes Anstellung zu finden, da man sehr bald auf den strebsamen jungen
Pädagogen aufmerksam wurde. Glänzende Offerten erhielt er aus
Edenkoben,
Wiesbaden und
Offenbach a. M., wohin er von der
Großherzoglichen Regierung an die Volksschule dekretiert wurde; ja sogar aus
Chicago; allein so verlockend das alles in sozialer wie in materieller
Hinsicht war, konnte er sich doch nicht entschließen, seine liebgewonnene
Gemeinde Alsheim zu verlassen. Die kleine Gemeinde hatte aber auch alles
aufgeboten, ihn zu halten und sein Leben so angenehm wie möglich zu
gestalten.
Ein Beweis, wie lieb die Gemeinde ihren Lehrer hatte, ist, dass dieselbe ihn
schon im Jahre 1856 als Religionslehrer definitiv anstellte und ihm Pension
und Witwengehalt vertragsmäßig zusicherte. Ein Schulfond zu Gunsten und zur
Sicherung der Pensions- und Witwenverhältnisse wurde von der Gemeinde
gegründet. Ehre einer solch' wackeren, dankbaren Gemeinde! Im Jahre 1874
wurde die Religionsschule zur öffentlichen Elementarschule erhoben, womit
der Jubilar als Volksschullehrer in den Staatsdienst trat. — Seine
Wirksamkeit aber beschränkte sich nicht bloß auf seine Religionsgemeinde,
sein Blick war auch auf Hebung der Gesamtgemeinde Alsheim gerichtet. Er
gründete einen Gesangverein, dem er noch bis vor Kurzem als Dirigent
vorstand und den er auf eine hohe Stufe brachte, desgleichen gründete er
einen Leseverein, der bis zur Stunde blüht und Bildung in allen Schichten
der Bevölkerung verbreitet. Auch auf die Hebung des Lehrerstandes im
allgemeinen richtete er sein Augenmerk; das erkannten denn auch die
hessischen Lehrer dadurch an, dass sie ihn wiederholt in den Vorstand des
Landeslehrervereins wählten. Außerdem ist er Mitbegründer der 'Achawa',
Unterstützungskasse für jüdische Lehrer, deren Witwen und Waisen, im
Deutschen Reiche, der er durch seine zielbewusste Tätigkeit, im Vereine mit
anderen edlen Männern, zu einer Achtung gebietenden Höhe verhalf. Den Verein
zur Unterstützung jüdischer Seminaristen half er mitbegründen und bis zur
Stunde verwalten, desgleichen ist er Mitbegründer und Vorstandsmitglied des
israelitischen Lehrervereins im Großherzogtum Hessen. In diesem Verein
entfaltet er trotz seines hohen Alters die lebhafteste, ersprießlichste
Tätigkeit; seine Ratschläge werden im Lehrerverein gerne gehört und mit Dank
gewürdigt.
Im Jahre 1857 erwählte er sich seine treue Lebensgefährtin, die sein
Lebensglück dauernd begründete. In ihr fand er eine treue Mitarbeiterin in
allen seinen edlen Bestrebungen. Sie schenkte ihm vier Söhne, von denen drei
in New York sich als Kaufleute in kurzer Zeit einen geachteten Namen
erwarben und ihm vier Enkel schenkten; der jüngste Sohn lebt in Alsheim
bei seinen Eltern. Seine edle Gattin, die Zierde des Hauses und der Familie,
fand nicht bloß Zeit und Kraft, ihren eigenen Kindern eine vorzügliche
Erziehung zu geben, sie erzog noch dabei eine lange Reihe von Jahren
hindurch in demselben Sinne und Geiste Waisenkinder, die ihrem Gatten von
Vereinen und Privaten zur Erziehung und zum Unterrichte anvertraut wurden.
Alle, die je in der Familie des Jubelpaares zu leben das Glück hatten,
hängen in unerschütterlicher Liebe und Dankbarkeit an demselben, in dem
Jubilar einen treuen Lehrer, einen sorgsamen Vater, in der Jubilarin eine
liebevolle Mutter verehrend. So hat das Jubelpaar sich ein Haus nach dem
Herzen Gottes gegründet, in dem die Hungrigen gespeist, die Nackten
bekleidet, die Trauernden getröstet und die Unmündigen belehrt und erzogen
wurden. Diese menschenfreundliche Tätigkeit hat das verehrte Jubelpaar
lebensfroh und lebenskräftig bis zur Stunde erhalten, dass es ihm durch
Gottes Gnade möglich werden wird, seine Goldene Hochzeit in Rüstigkeit des
Körpers und Frische des Geistes am 26. dieses Monats, umgeben von hoch
geachteten Kindern, Enkeln, Freunden und Verehrern begehen zu können. — Möge
der Allgütige die Jubilare ihren Kindern und Enkeln, ihrer dankbaren
Gemeinde, ihren ungezählten Freunden und Verehrern, wie der ganzen
Menschheit, der sie eine Zierde sind, erhalten: (alles Gute) bis 120
Jahre." |
Zum Tod von Lehrer Karl Marx (1910)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. April
1910: "Alsheim bei Worms. Im Alter von 86 Jahren verschied dahier
Karl Marx, der 63 Jahre als Lehrer der hiesigen jüdischen Gemeinde
wirkte." |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. April 1910:
"E.G. Aus dem Großherzogtum Hessen, im April. Am 13. April
starb zu Alsheim in Rheinhessen der in weiten Kreisen bekannte und
verehrte Lehrer Karl Marx, der Nestor der jüdischen Lehrer Deutschlands.
Mehr als sechs Jahrzehnte war er, trotz ehrender Anerbietungen von
außerhalb, an seinem Wirkungsorte tätig. Der Verstorbene war
Mitbegründer der 'Achawa', des Vereins zur Unterstützung israelitische
Seminaristen im Großherzogtum Hessen, des paritätischen und des
israelitische hessischen Landeslehrervereins, des Verbandes der jüdischen
Lehrervereine in Deutschland, sowie einer Anzahl gemeinnütziger Vereine
an seinem Wirkungsorte. Überall entfaltete er bis zu seinem Ableben eine
segensreiche Tätigkeit. Bei der imposanten Trauerfeier kam dies zu
beredtem Ausdruck. Herr Rabbiner Dr. Grünfeld -
Bingen entwarf ein
treffendes Bild des Verewigten, der auf den verschiedensten Gebieten
seiner Mitmenschen ein Segen geworden ist. Ein von dem Verblichenen vor
nahezu sechs Jahrzehnten gegründeter Gesangverein sang seinem alten
Dirigenten das Lied zum ewigen Schlummer, Altbürgermeister Braun dankte
für den von Marx gegründeten und geleiteten Leseverein, für den
paritätischen Lehrerverein sprach der Obmann des Bezirks Osthofen, für
den jüdischen Lehrerverein Herr Rothschild -
Worms, für den Verband der
jüdischen Lehrervereine in Deutschland Herr Direktor Dr. Adler -
Frankfurt am Main, für die 'Achawa' Herr Prof. Dr. Cohn - Frankfurt am
Main,
für die ehemaligen Schüler Herr Emil Gabriel -
Offenbach am Main. Mit
Marx ist einer der besten Söhne Israels dahingegangen. Möge es seinen
Mitarbeitern vergönnt sein, in nicht sehr ferner Zeit das Ziel zu
erreichen, für das Marx bis zu seinem letzten Atemzug gekämpft hat:
einen geachteten und materiell seiner Bedeutung entsprechend gestellten
Lehrerstand zum Segen des Gesamtjudentums!" |
Das Wirken von Lehrer Karl Marx bleibt
in Erinnerung (1929)
Artikel
in "Jüdische Bibliothek" vom 25. Juli 1929: "Alsheim (Kreis Worms).
Anlässlich des 49. Gau-Turnfestes hat der hiesige evangelische Pfarrer eine
'Geschichte des Festorts in Vergangenheit und Gegenwart' veröffentlicht, die
auch dem Wirken des jüdischen Lehrers Marx gerecht wird. Er
schreibt: 'Und verwunderlich ist es nicht, dass in Alsheim mehr und mehr im
19. Jahrhundert auch alle Bestrebungen gesellschaftlichen Zusammenschlusses
guten Boden fanden. Erwähnt sei hier die Gründung eines 'Lese-Vereins" schon
im Jahre 1854. Ins Leben gerufen durch den damals in Alsheim wirkenden
israelitischen Lehrer Marx und lange von diesem geleitet, kann er in diesem
Jahre bereits auf ein 75jähriges Bestehen zurückblicken und dient noch heute
durch Zirkulation guter Zeitschriften und eine über 1000 Bände umfassende
Bibliothek der Bevölkerung ohne Unterschied des Standes und der Konfession.'
Wir freuen uns der Anerkennung des längst verstorbenen Kollegen Marx, der
viele Jahrzehnte mit seinem Freunde Klingenstein an der Spitze der
hessischen jüdischen Lehrerschaft gestanden und mit diesem der Gründer der 'Achawa'
geworden ist." |
Lehrer Julius Reichenberg wird neuer Lehrer der Gemeinde Alsheim
(1912, Lehrer in Alsheim 1912/13)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. März 1912:
"Alsheim (Rheinhessen). Herr Reichenberg - Camberg wurde zum Lehrer
unserer Gemeinde gewählt." |
Anzeige von Lehrer Julius Reichenberg
(1912)
Anzeige erschien auch im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. November 1912 S.
18.
Anzeige im "Jüdischen Volksboten" 1912 11 S. 352: "Einem tüchtigen,
strebsamen jungen Manne, der sich selbständig machen will, ist günstige
Gelegenheit geboten durch Kauf eines Hauses
und eines nachweislich gutgehenden Kurz- und Manufakturwaren-Geschäfts.
Dasselbe kann auch vorerst auf 5 Jahre vermietet werden. Der Platz hat
Bahnstation und ist in der Nähe von Worms und Mainz. Etwaige Interessenten
belieben sich zwecks näherer Auskunft zu wenden an Lehrer Reichenberg
in Alsheim (Rheinhessen)." |
Zum Tod von Lehrer Julius Reichenberg
(1913)
Anmerkung: Julius Reichenberg ist am 17. Juni 1884 in Nordenstadt geboren
als Sohn von Raphael Reichenberg (1858 Marköbel
- 1943 Bronx NY/USA, vgl. Strätz Biographisches Handbuch WÜ Bd. II S. 451) und
der Beatrice (Babette) geb. Weiss (ca. 1855 - 1922 Nordenstadt). Julius
Reichenberg heiratete am 19. November 1909 in
Camberg Sidonie geb. Blumenthal (geb. 9. März 1882 in
Holzhausen über Aar, gest. 26. März 1943 in Wiesbaden;
sie war in 2. Ehe verh. mit
Johann Heinrich Görgens, geb. 15. Januar 1888 in Styrum, Mülheim an der Ruhr).
Quelle:
https://friedman.cs.illinois.edu/genealogy/Reichenberg.htm
Zu Sidonie Görgens
https://gedenkbuch.saarbruecken.de/en/memorial_book/person_details/person-11494
Julius Reichenberg starb am 17. Januar 1913 in Worms.
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. Januar 1913: "Alsheim
(Rheinhessen). Im jugendlichen Alter von nur 28 Jahren ist nach kurzem,
schweren Leiden Lehrer Julius Reichenberg gestorben. Obwohl nur kurze
Zeit erst in Alsheim amtierend, hat er sich die Liebe, Achtung und Verehrung
nicht nur seiner Gemeinde erworben, sondern auch die der nichtjüdischen
Mitbürger, wovon der imposante Leichenzug Zeugnis ablegte. Unter denen, die
ihm die letzte Ehre erwiesen, bemerkte man den Bürgermeister, den
katholischen Geistlichen und zahlreiche angesehene Bürger des Ortes. Am
Grabe gab Herr Rabbiner Dr. Holzer aus
Worms dem Schmerze der Angehörigen und der Gemeinde über den herben
Verlust in beredten Worten Ausdruck, wobei er auch das Wirken des
Entschlafenen im Gotteshaus, in der Schule und Gemeinde noch besonders
hervorhob. In Vertretung des durch Unwohlsein verhinderten Kollegen
Rothschild in Worms widmete Kollege Eschelbacher aus Mainz dem
Entschlafenen namens des Israelitischen Lehrervereins im Großherzogtum
Hessen einen warmen Nachruf. Ein Freund des Verewigten schreibt uns hierzu:
Wir schieden vom Gottesacker mit dem Bewusstsein, einen treuen Freund, einen
guten Kameraden und trefflichen Kollegen zur ewigen Ruhe gebettet zu haben.
— Volle Anerkennung und Dank gebührt der opferwilligen kleinen
Religionsgemeinde Alsheim, die es sich zur Aufgabe gemacht, die Stellung
ihres Lehrers so angenehm als nur möglich zu gestalten und ein
menschenwürdiges Dasein ihm zu bieten. Wären viele Landgemeinden von einem
solchen Geiste des Wohlwollens und Entgegenkommens für ihren Lehrer
beseelt, wahrlich viele berechtigte Klagen der letzteren würden verstummen.
Ins stille Trauerhaus zurückgekehrt, konnten wir deutlich in dem traurigen
Blicke der jungen Witwe die stumme Frage des Psalmisten lesen: 'M’ajin
jovau esri?' (Psalm 121,1) 'Woher wird mir und meinem kaum ein Jahr
alten Waisenkind Hilfe werden?' Ja! Woher? Wir fragen uns auch, wann
wird die Zeit kommen, wo dem jüdischen Lehrer in Hessen die schwere
Abschiedsstunde vom Leben erleichtert wird durch das Bewusstsein, dass für
seine Hinterbliebenen gesorgt ist? Hoffen wir, dass diese Zeit nicht mehr
fern ist." |
Anzeige von
Lehrer Bernhard Grünbaum (1913, Lehrer in Alsheim 1913 bis 1925)
Anmerkung: Bernhard Grünbaum ist am 17. Juni 1884 in Lodz geboren. Er
war verheiratet mit Fella geb. Bornstein (geb. 7. Oktober 1888 in Kovahl).
Die beiden zogen 1913 nach Alsheim, wo Bernhard die Stelle als Lehrer und Kantor
übernahm. In Alsheim sind die beiden Kinder geboren: Siegfried (geb. 1914) und
Jenny (geb. 1918). Im Sommer 1925 übernahm Bernhard Grünbaum die Kantoren- und
Lehrerstelle der jüdischen Gemeinde
Seligenstadt. 1929 zog die Familie nach Wiesbaden, wo Bernhard Grünbaum
seitdem als Kantor und Lehrer der
Altisraelitischen
Gemeinde tätig war. Außerdem unterrichtete er in Gemeinden der Umgebung (Kettenbach
und Laufenselden). Die beiden Kinder
Siegfried und Jenny besuchten Gymnasien in Wiesbaden. 1933 wurde der Familie die
1929 erworbene deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Seit Ende 1938 bemühten
sich die Familienmitglieder um Auswanderung. Jenny floh mit ihrem Mann Benno
Strauß über Panama in die USA. Siegfried promovierte 1938 an der Universität
Zürich, wo er nach 1945 als Professor tätig war. Bernhard Grünbaum kam November
1938 in das KZ Dachau, 1940 in das KZ Sachsenhausen. 1942 wurde er im Zuge mit
einer "Euthanasie"-Aktion in Bernburg/Saale ermordet. Sein Frau Fella, die
zuerst nach Brüssel geflohen war, wurde dort verhaftet und im April 1943 im KZ
Auschwitz ermordet. Vgl. Darstellung in einem
Erinnerungsblatt des "Aktiven Museums Spiegelgasse Wiesbaden".
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. Oktober 1913: "Habt Erbarmen!
Ein überaus braver und fleißiger Familienvater, bisher Lehrer in
Groß-Ostheim, ist gelähmt und
arbeitsunfähig geworden und in allergrößte Not geraten. Die Unterzeichneten,
die zu jeder Auskunft bereit sind, bitten edel denkende Menschen inständig,
diesem Ärmsten beizustehen und Gaben an Herrn Rabbiner Dr. Holzer, Worms
einzusenden
A. Fuld, Vorsteher der israelitischen Gemeinde
Groß-Ostheim.
B. Grünbaum, Lehrer in Alsheim." |
Gemeinsame Ausschreibung der
Lehrerstelle für Alsheim, Gimbsheim,
Eich mit Hamm (1920)
Anmerkung: die Anzeige erschien mehrfach zwischen Mai und Juli 1920. Offenbar
war die Stelle nicht leicht zu besetzen.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. Juli 1920: "Die unterzeichneten 3
Gemeinden Alsheim, Eich,
Gimbsheim, suchen per 1. Juli
dieses Jahres einen stimmbegabten. musikalisch gebildeten
Kantor, Religionslehrer und Schächter
mit einem jährlichen Gehalt von Markt 4.500 (Nebeneinkunft extra), freier
Wohnung mit kleinem Garten und Obstbäumen in Alsheim. Meldungen und
Zeugnisse sind an den Vorstand in Alsheim zu richten. ('Ausländer
ausgeschlossen.')
Für die drei Gemeinden
der Vorstand Alfred David." |
Ausschreibung der Vorbeterstelle für die Hohen
Feiertage (1921)
Anmerkung: Roschhaschono = Neujahrsfest
https://de.wikipedia.org/wiki/Rosch_ha-Schana Jomkippur =
Versöhnungstag
https://de.wikipedia.org/wiki/Jom_Kippur
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1921: "Die Gemeinde
Alsheim (Rheinhessen) an der Strecke Mainz - Worms, sucht für die
Feiertage Roschhaschono und Jomkippur bei freier Station einen
guten Vorbeter.
Angebote mit Forderung sind sofort erwünscht.
Alfred David, Vorstand der israelitischen Gemeinde." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Die jüdische Gemeinde ist bei einer
Versammlung israelitischer Lehrer des Großherzogtums Hessen unter Rabbiner Dr.
Formstecher vertreten (1857)
Anmerkung: der Gemeindevorsteher
Ferdinand David aus Alsheim traf sich mit reformorientierten jüdischen
Rabbinern und Lehrern und wird in diesem Artikel zusammen mit den prominenten
Rabbinern genannt. Die Versammlung fand am 17. Juni 1857 statt. Über sie liegen
ausführliche Berichte vor in: "Der israelitische Volksschullehrer" August 1857
S. 268-270 (hier wird betont (S. 270): "Ein Gemeinde-Vorsteher, Herr David aus
Alsheim, wohnte aus Teilnahme der Versammlung bei, was besonders hervorgehoben
zu werden verdient.") sowie in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12.
Oktober 1857 S. 576-578 ("Auch verdient erwähnt zu werden, dass der Vorsteher
der Landgemeinde Alsheim aus freien Stücken und aus reinem Interesse für
die hochwichtige Angelegenheit der Versammlung beiwohnte.") Lehrer Karl Marx
war nach dem Bericht in der AZJ S. 576 unter den zehn anwesenden Lehrern aus
Hessen.
Spendensammlung in der Gemeinde Alsheim für russische
Juden (1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1892:
"Alsheim (Kreis Worms). Auch hier hat sich ein Komitee zugunsten der
aus Russland vertriebenen Juden gebildet und steht an der Spitze derselben
außer dem Vorstande der israelitischen Religionsgemeinde, der
Bürgermeister mit dem Adjunkten, der evangelische und katholische
Ortsgeistliche. Die Kollekte hat denn auch ein sehr günstiges Resultat
ergeben." |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Februar 1892:
"Alsheim, im Januar (1892). In hiesigem Orte wurde dieser Tage ein an
alle Bewohner gerichteter Aufruf erlassen, welcher bezweckt, milde Gaben
für die armen verfolgten russischen Juden zu sammeln. Ist es schon
bezeichnend für die hier herrschende menschenfreundliche Gesinnung, dass
der Aufruf zu dieser Sammlung von den Herren Bürgermeister und
Beigeordneten, den Herren Geistlichen beider christlichen Konfessionen in
Gemeinschaft mit dem Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde
erlassen wurde, so ist es umso erfreulicher, als unsere hiesigen
Mitbürger fast alle sich an dem Liebeswerk beteiligten und eine im
Verhältnis zu der Größe unseres Ortes erkleckliche Summe für den
genannten Zweck zusammengebracht wurde. Möchte solches Beispiel
Nachahmung finden!" |
| |
Artikel
in "Die jüdische Presse" vom 4. Februar 1892: "Worms, 1. Februar.
(Eigene Mitteilung) In Alsheim hat sich ein Komitee zu Gunsten der
russischen Juden gebildet, an diesen Spitze außer dem Vorstand der
israelitischen Religionsgemeinde der Bürgermeister mit dem Adjutanten, der
evangelische und der katholische Ortsgeistliche stehen. Die Kollekte hat
denn auch ein sehr günstiges Resultat ergeben. In
Büdesheim wurden für den gleichen
Zweck 126 M. von 104 Personen gespendet und zwar meist von katholischen
Bürgern. " |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Siegmund Mayer ist aus der
englischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt (1919)
Artikel
in "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 18. Juli 1919: "Alsheim. Zum
Empfang des nach vier Jahren aus der englischen Kriegsgefangenschaft
heimgekehrten Sohnes der Witwe M. Mayer, Herrn Siegmund Mayer, fand
hier ein besonderer Gottesdienst statt. Bei dieser Gelegenheit stiftet der
Herr Mayer für die Synagoge das gesamte Lewandowsky Synagogenchorwerk." |
Wahl von Isidor David in den Gemeinderat (1892)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1892:
"Alsheim (Kreis Worms). Hier wurde Isidor David zum Gemeinderat
gewählt; dessen Name figurierte auf beiden Wahlzetteln. Auch in dem
benachbarten Gimbsheim wurde ein Herr David in den Gemeinderat
gewählt." |
70. Geburtstag von Max Meyer (1913)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums vom 26. September 1913:
"Aus Alsheim (Rheinhessen) wird uns geschrieben: Am 13. dieses
Monats feierte das älteste Mitglied der hiesigen israelitischen Gemeinde,
Herr Max Meyer, in körperlicher und geistiger Frische seinen 70.
Geburtstag. Herr Meyer ist als streng religiöser und wohltätiger Mann
gut bekannt und in allen Kreisen der jüdischen und christlichen
Bevölkerung sehr beliebt." |
Gedenkfeier für den gefallenen
Gustav Gabriel (1915)
Artikel erschien auch in "Der Gemeindebote" vom 31. Dezember 1915 S .4.
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. Dezember 1915: "Alsheim
(Rheinhessen). (Für einen gefallenen Helden.) Zur Beisetzung der
irdischen Reste des auf dem östlichen Kriegsschauplatze gefallenen Gustav
Gabriel läuteten die Ortsglocken, sämtliche Vereine nahmen mit umflorten
Fahnen teil und legten Kränze nieder. Herr Rabbiner Dr. Holzer -
Worms führte mit beredten Worten aus, dass der Heldentod dieses für sein
Vaterland und seine Religion begeisterten jugendlichen Kriegers einen
sichtbaren Ausdruck der Harmonie von Deutschtum und Judentum darstelle." |
Empfang und Gottesdienst für
Siegmund Mayer nach vierjähriger englischer Kriegsgefangenschaft (1919)
Artikel
in der Zeitschrift "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 18. Juli 1919: "Alsheim.
Zum Empfang des nach 4 Jahren aus der englischen Kriegsgefangenschaft
heimgekehrten Sohnes der Witwe M. Mayer, Herrn Siegmund Mayer, fand
hier ein besonderer Gottesdienst statt. Bei dieser Gelegenheit stiftete Herr
Mayer für die Synagoge das gesamte Lewandowsky'sche Synagogenchorwerk." |
Eduard David aus Alsheim spielt als
Organist bei einer Veranstaltung in Osthofen (1924)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 21. November 1924: "Osthofen.
Unter großer Begeisterung und Beteiligung sang am Freitag abend
lech-lecho zum ersten Male nach einer Unterbrechung von mehr als vier
Jahrzehnten, der unter Leitung des Herrn Kantor B. Grünbaum neu
einstudierte Knaben- und Mädchenchor. Vor auswärtigen Teilnehmern wirkte in
liebenswürdiger Weise Herr Eduard David aus Alsheim als Organist
mit." |
Kurze Mitteilungen
- August Kremer aus Alsheim ist Schüler der Sexta a im
Großherzoglichen Gymnasium in Mainz (Schuljahr 1872-1873 Programm S. 32)
- Verlobung von Johanna Meyer (Alsheim) mit Emil Stern (Frankfurt,
Fahrgasse 16) (in: "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" - "Neue
jüdische Presse" vom 1. August 1913 S. 5)
- Hochzeit von Johanna Meyer (Alsheim) mit Emil Stern (Frankfurt) (in:
"Das jüdische Blatt" vom 14. November 1913 S. 11)
- Tod von Isidor David (Alsheim) im Alter von 78 Jahren (in
"Israelitisches Familienblatt" vom 31. Januar 1924 S. 5)
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Hochzeitsanzeige von Moritz Mayer
und Irma geb. Neumann (1922)
Anmerkung: Moritz Mayer (geb. 9. März 1884 in Alsheim) war mit Irma
geb. Neumann (geb. 14. März 1899 in
Stadecken) verheiratet. Moritz war im Ersten Weltkrieg Kriegsteilnehmer und
wurde mit dem EK II ausgezeichnet (s.o.). Er war seit Anfang der 1920er-Jahre
als Weinkommissionär und Weinhändler in Worms tätig. Moritz und Irma Mayer
lebten mit ihren drei Kindern (Ruth, geb. 1922 in Alsheim), Manfred
(geb. 1926 in Worms) und Erich (geb. 1928 in Worms) in Worms im eigenen
Haus in der Andreasstraße 23. Beim Novemberpogrom 1938 wurde ihre Wohnung völlig
verwüstet. Moritz Mayer kam 1938 einige Zeit ins KZ Buchenwald. Die Kinder Ruth
(geb.1922 in Alsheim, später verheiratete Rothschild, gest. 2014 USA), Manfred
(Fred, geb. 1926 in Worms, gest. 2005 USA) und Erich (geb. 1928 in Worms, gest.
USA) konnten über Frankreich in die USA emigrieren. Moritz und Irma Mayer wurden
1942 deportiert und in Piaski bzw. Belzec ermordet. Für beide gibt es
Stolpersteine in Worms. Weitere Informationen siehe
https://www.warmaisa.de/stolpersteine/familie-mayer/ und
https://www.regionalgeschichte.net/rheinhessen/stadecken/einzelaspekte/juedisches-leben-in-stadecken.html?L=1
und
http://www.wormserjuden.de/Biographien/Mayer-XVI.html
Genealogische Informationen:
https://www.geni.com/people/Moses-Mayer/311836015010006427 bzw.
https://www.geni.com/people/Irma-Mayer/6000000023189573882
Anzeige der Weingroßhandlung Marx
Mayer (1927)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 24. November 1927: "Zur Führung des
Haushaltes wird
passendes Fräulein nicht unter 25 Jahren als Stütze gesucht.
Hausmädchen vorhanden. Offerten erbeten an
Marx Mayer, Weingroßhandlung, Alsheim Rheinhessen." |
| Kennkarte
aus der NS-Zeit |
| |
Am 23. Juli 1938 wurde
durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von
Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht
eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen
Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch"
galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste
Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt.
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv
zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände:
Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV:
Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm.
Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de |
| |
Kennkarte
für den
Kaufmann Jakob Otto David |
|
|
| |
Jakob Otto David ist am
25. November 1882 in Alsheim geboren, war später
wohnhaft in Mainz; deportiert im März 1942 von Mainz über Darmstadt in das
Ghetto Piaski, umgekommen. |
|
Aus der Festschrift "150 Jahre MGV Eintracht 1847 Alsheim e.V." von
1997
Erinnerung an den langjährigen Dirigenten Karl Marx
S.
32: "Seit 1529 sind in Alsheim Juden nachweisbar. Einer ihrer
berühmten Nachfahren war der auch in überregionalen Lehrervereinigungen
engagierte langjährige Dirigent des Gesangvereins, Karl Marx, der die
Geschichte des Vereins wesentlich mitbestimmt hat. Im 19. Jahrhundert
errichtete man in der Mittelgasse eine Synagoge und eine jüdische Schule.
Der jüdische Friedhof befindet sich heute noch in der Gimbsheimer Straße."
S. 48: "Am 18. Mai 1850 wurde einstimmig der jüdische Lehrer Karl
Marx zum Dirigenten gewählt. Marx hatte dieses Amt 57 Jahre (davon 2
Jahre als Ehrendirigent) lang inne und prägte so mehr als ein Drittel der
gesamten Vereinsgeschichte!"
S. 50: "Ganz im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand Lehrer Marx
dann 1897 bei dem 50jährigen Jubiläum. Ein Lampionzug und ein 'Comers'
unter Beteiligung aller Alsheimer Chöre, des Sängerbundes, des
Männergesangvereines 1875 und des gemischten Chors, bildeten den Auftakt
am Abend des 21. August 1897... Es wurden Reden gehalten und immer wieder
ein 'Hoch' auf den Verein, den Dirigenten Marx und die
Gründungsmitglieder ausgerufen. Glückwunschtelegramme waren sogar aus
New York von den dorthin ausgewanderten Söhnen des Lehrers Marx geschickt
worden..."
S. 50: "Am 30. November 1905 trat Karl Marx nach 55 Jahren
Dirigententätigkeit von seinem Amt aus gesundheitlichen Gründen zurück
und wurde zum Ehrendirigenten ernannt. Er verstarb im Jahre 1907. Seine
Person hatte den Verein wesentlich geprägt und, so vermitteln die Protokolle,
auch über manche Krisen hinweggetragen. Auch weiterhin blieb er noch
aktiv, 1906 etwa bei der Anschaffung eines Klaviers." |
Zur Geschichte der Synagoge
Ein Betsaal bestand um 1743. Damals hatte Jakob David in
seinem Haus einen Raum für Gottesdienst und Gebet zur Verfügung gestellt und
zugleich einen Tora gestiftet.
Eine Synagoge
wurde 1842-43 erbaut. Sie wurde damals auch von den in Gimbsheim und Mettenheim
lebenden Juden besucht. 70 Personen fanden in der Synagoge Platz. Auch die
jüdische Schule mit der Lehrerwohnung und dem rituellen Bad waren mit der
Synagoge verbunden. Unter Lehrer Karl Marx erfuhr der Gottesdienst in der
Synagoge einige Reformen. 1859 wurde eine Orgel (vermutlich Harmonium)
aufgestellt, die bei der "Konfirmation" (gemeinsame Bar Mizwa-Feier
des Jahrganges) in diesem Jahr zum ersten Mal gespielt wurde. 1863 wird in einem Bericht der liberalen
"Allgemeinen jüdischen Zeitung" von "einem geregelten
Gottesdienst mit Chorgesang und Instrumentalbegleitung" in der Alsheimer
Synagoge berichtet - "und alles gedeiht unter den Segnungen der Eintracht
und des Frieden" (siehe Bericht oben unter Geschichte der
Schule).
In der Alsheimer Synagoge wurde eine Orgel (vermutlich
Harmonium) aufgestellt (1859)
Anmerkung:
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 4. Juli 1859: "In vielen Gemeinden Rheinhessens wurden am
vergangenen Wochenfeste Konfirmationen gefeiert. Bemerkenswert ist, dass
bei dieser Gelegenheit zu Odernheim
und Alsheim zum ersten Male die Orgel*) beim Gottesdienste
mitwirkte. Hoffen wir, dass dieses Instrument sich mehr und mehr in der
Synagoge einbürgere.
*) Beiläufig bemerken wir, dass kleinere, die Orgel ersetzende
Instrumente (Harmonium) zu dem Preise von 36 Fl. an - für kleinere
Räumlichkeiten vollkommen ausreichend, in der Fabrik von Trayser in
Stuttgart zu beziehen sind."
Anmerkung: zu dem in der Synagoge aufgestellten Harmonium vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Druckwindharmonium oder einem
anderen Harmonium der Fa. Trayser (Stuttgart):
https://www.gebrauchtorgeln.de/ph__j__trayser-1-1-6-656-0.html bzw.
Bildersuche bei Google zu "harmonium trayser stuttgart".
Anm.: Dass in bo |
In der Synagoge in Alsheim
wurde ein neu gestiftetes Harmonium aufgestellt (1877)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 11. September 1877: "Man berichtet uns aus Worms, 30.
August (1877): In der benachbarten Landgemeinde Alsheim, in welcher
seit vielen Jahren ein schöner geregelter Gottesdienst mit Chorgesang
besteht, hat ein von dort gebürtiger junger Mann, Herr Albert David,
jetzt in Chicago ansässig, ein neues vorzügliches Harmonium in die
Synagoge gestiftet. Das prachtvolle Tonwerkzeug hat die Reise über den
Ozean glücklich zurückgelegt, und wurde durch einen feierlichen
Festgottesdienst eingeweiht, bei welchem der redekundige Lehrer K. Marx
eine gediegene Predigt hielt."
|
Ein besonderer Gottesdienst fand im Sommer 1919 für den nach vier Jahren
aus der englischen Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Siegmund Mayer statt. Bei
dieser Gelegenheit stiftete Mayer für die Synagoge das gesamte Lewandowski'sche
Synagogenchorwerk (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Lewandowski). Offenbar wurde in der
Alsheimer Synagoge auf der vorhandenen Harmonium-Orgel Stücke von Lewandowski
gespielt. Als Organist wird 1924 Eduard David genannt (siehe oben Bericht
von 1924).
Im September 1927 wurde in der Synagoge eine Gedenktafel für die
jüdischen Gefallenen aus der Gemeinde im Ersten Weltkrieg angebracht.
Ehrung für die Gefallenen des
Ersten Weltkrieges - Gedenktafel in der Synagoge (1927)
Artikel
in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 24. September 1927: "Alsheim (Gefallenen-Ehrung).
Hier wurde letzten Sonntag zum Andenken an die im Weltkriege gefallenen
Söhne der jüdischen Gemeinde in der Synagoge eine Gedenktafel enthüllt. Im
Mittelpunkt der schlichten und würdigen Gedenkfeier stand die
eindrucksvollen Ansprache des Rabbiners Dr. Holzer aus
Worms." |
| |
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1927: "Alsheim.
(Weihe einer Gedenktafel.) Die israelitische Religionsgemeinde Alsheim
hat zum Andenken an die Kriegsteilnehmer und Gefallenen ihrer Gemeinde eine
Gedenktafel errichtet. Eie Enthüllung dieser Tafel fand am Sonntag
mit einer würdigen Feier in der Synagoge in Alsheim statt. Rabbiner Dr.
Holzer (Worms) hielt die Gedenkrede."
|
Über die Geschichte nach 1933 beziehungsweise Ereignisse beim Novemberpogrom
1938 und nach 1945 liegen noch keine Informationen vor. Das Gebäude der
ehemaligen Synagoge ist - in den 1970er-Jahren völlig umgebaut - erhalten.
Adresse/Standort der Synagoge: Bereich Mittelgasse
14/16
Fotos
(Foto: Michael Ohmsen, Aufnahme von Anfang Juli 2011; vgl.
Fotoseite von M. Ohmsen: Fotos
zu Alsheim)
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
Juni 2006:
Presseartikel zur jüdischen Geschichte in
Alsheim
(geschrieben nach Erscheinen der Dokumentation zu den Synagogen in
Rheinland-Pfalz s.Lit.) |
Artikel
von Klaus Mümpfer in der "Wormser Zeitung" ("Allgemeine
Zeitung") vom 28. Juni 2006:
"Christen in der jüdischen Volksschule.
Vorbeter Karl Marx leitete um 1880 vierstimmigen Chor in der Synagoge in
Alsheim.
Alsheim. Auf fast 500 Seiten hat Pfarrer Stefan Fischbach für das
Landesamt für Denkmalpflege erstmals eine vollständige Dokumentation über
die Synagogen in Rheinland-Pfalz und im Saarland erstellt. Die AZ stellt
in loser Folge seine Recherchen in Rheinhessen
vor..." |
| |
|
März 2023: Auf
den Spuren der Vorfahren |
Artikel
von Christine Bausch in der "Allgemeinen Zeitung" vom 1. April 2023: "Reise
zu den jüdischen Vorfahren am Altrhein. Phyllis Brasch Librach,
Journalistin aus St. Louis, hat in Alsheim, Gimbsheim, Osthofen und Worms
die Geschichte ihrer Familie neu entdeckt..."
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 1 S. 32-33. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 68-69. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 72 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Gunter Mahlerwein: Alsheim - HALASEMIA.
Geschichte eines rheinhessischen Dorfes. Band 1: Von den Anfängen bis zum
Ende des 18. Jahrhunderts. Alsheim 1996. Band 2: Von der
französischen Revolution bis heute. Alsheim 2004. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Alsheim Hesse The community,
established in 1750, numbered 73 (5 % of the total) in 1861. Religiously liberal, it was celebrated for its choir. All 20 Jews living there in 1933 had
emigrated or moved elsewhere by Worldwar II.

nächste Synagoge
|