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Guntersblum (VG Guntersblum,
Landkreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Guntersblum bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. 1548 werden
zwei jüdische Familien erwähnt, 1555 waren bereits
sechs jüdische Familien am Ort. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
waren es zwischen sechs und elf Familien. 1770 war eine Synagoge
vorhanden (s.u.).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1807 16 jüdische Familien, 1824 124 jüdische Einwohner, 1828 130, 1834
169 (Höchstzahl), 1861 138 (6,0 % von insgesamt 2.312 Einwohnern), 1880 126
(6,3 % von 2.009), 1900 80 (3,7 % von 2.183), 1910 83 (3,5 % von 2.394).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule,
ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt,
der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungstexte der
Stelle unten). Die jüdische Gemeinde hatte
im 18. Jahrhundert einen eigenen Rabbiner. Im 19. Jahrhundert wurde sie dem
Rabbinatsbezirk Mainz zugeteilt.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Theodor Monat
(geb. 4.9.1893 in Guntersblum, gef. 3.4.1915).
Mitte der 1920er-Jahre (auch noch nach 1930)
bildeten den Synagogenvorstand David Rüb, Adolf Mayer, David Monat und Isidor
Wolf. Lehrer und Kantor war Isaac Stein. Er unterrichtete Mitte der 1920er-Jahre
allerdings nur noch drei Kinder.
1933 lebten noch 40 jüdische Personen in Guntersblum. Auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien verließen
in den folgenden Jahren die meisten der jüdischen Einwohner Guntersblum,
verzogen in andere Orte oder wanderten aus.
Von den in Guntersblum geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt
durch einige Namen auf der Gedenktafel): Bertha Benjamin (1865), Elisabeth Bergheimer geb.
Heumann (1870), Helene Eisenmann geb. Vogel (1890), Amanda Gabriel geb. Mann (1873), Adolf Grünewald
(1878),
Johanna Grünewald geb. Schack (1870), Emanuel Haas (1874), Erna Haas (1906),
Rudolf Haas (1910), Salomon (Sally) Haas (1879), Carl Hartogsohn (1905), Hedwig Hartogsohn geb. Rüb (1911), Moritz Hertz
(1893), Klara Koch geb. Haas (1877), Emilie Kohlmann geb. Mayer (1890),
Betty Lichtenstein geb. Mann (1897), Betty
Liebmann geb. Kahn (1883), Paula Loeb geb. Heumann (1870 oder 1890),
Eva Mayer geb. Morgenstern (1867), Hugo Mayer (1862), Thekla Mayer (1896),
Martha Metzger geb. Mayer (1892), Friederike Michel geb. Mayer (1861), David Monat
(1864), Julius Moses (ca. 1880), Frieda
Reinheimer geb. Wolf (1874), Berta Rüb geb. Dornberger (1881), David Rüb (1878),
Eugenie Simon geb. Liebman (1876), Elfriede
Stolzenberg geb. Leopold (1911), Eugen
Wolf (), Georgine Wolf geb. Deusch
(1885), Isidor Wolf (1880), Johanna
Wolf geb. Mann (1895), Marianna Wolf ().
Zu drei in den Listen bisher genannten Personen haben sich neuere
Erkenntnisse ergeben (Recherchen des Arbeitskreises "Stolpersteine" in
Guntersblum - mitgeteilt von Fred Trumpler vom 4.4.2011); diese Personen
wurden daher aus obiger Liste herausgenommen: Johanna (Julia) Monat geb.
Guthmann (geb. 1867 in Guntersblum, gest. 19.8.1941 in einem Mainzer
Krankenhaus), Pauline (Paulina) Spier geb. Mayer (geb. 1891 in Guntersblum,
konnte mit ihrem Ehemann Dr. Spier über Russland und Japan in die USA fliehen);
Johanna Strauss geb. Oppenheimer (geb. 1874 in Fränkisch-Crumbach; hielt sich
nach dem 14. Dezember 1938 - von Michelstadt kommend - nur besuchsweise in
Guntersblum auf und konnte durch Flucht nach Johannesburg, Südafrika
entkommen).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer und der Schulen
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1898,
1901, 1902, 1903 und
1908 beziehungsweise Hilfsvorbeter (1886)
sowie Ausschreibung der Lehrerstelle an der Privat-Realschule 1879
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Januar 1898:
"Per sofort wird ein seminaristisch gebildeter Religionslehrer
gesucht, der auch Kantor sein muss, mit einem Jahresgehalt von 800 Mark,
bei freier Wohnung. Offerten nebst Zeugnisabschriften an den Vorstand J.
Morgenstern, Guntersblum" |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1901:
"Vom 1. Oktober dieses Jahres ab ist die hiesige Religions- und
Kantorstelle, mit einem jährlichen Gehalt, mit neunhundert Mark,
nebst freier Wohnung zu besetzen. Reflektanten, seminaristische gebildet,
belieben ihre Zeugnisse einzusenden an
Otto Mann, Vorstand, Guntersblum." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1901:
"Die hiesige Religionslehrer- und Kantorstelle, mit einem jährlichen
Gehalt von eintausend Mark, nebst freier Wohnung ist zu besetzen.
Reflektanten, seminaristisch gebildet, belieben ihre Zeugnisse einzusenden
an
Otto Mann, Vorstand, Guntersblum." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1902: "In Guntersblum
(Rheinhessen) ist die Religions- und Kantorstelle per 1. April dieses
Jahres zu besetzen. Jährlicher Gehalt Mark 1.000 nebst freier Wohnung.
Seminaristisch gebildete Lehrer belieben ihre Zeugnisse an den
Unterzeichneten einzusenden. Ausländer sind ausgeschlossen.
Otto Mann,
Guntersblum, Vorstand."
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Ausschreibung
der Stelle im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24.
April 1903: "Religionslehrer und Kantor per sofort in
Guntersblum. Gehalt Mark 1.000 und freie Wohnung. Offerten seminaristisch
gebildeter Bewerber zu richten an den Vorsteher, Herrn Otto
Mann." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1908: "In Guntersblum
(Rheinhessen) ist die
Religionslehrer- und Kantorstelle
per 1. Januar 1909
zu besetzen. Jährlicher Gehalt Mark 1.000 nebst freier Wohnung.
Seminaristisch gebildete Lehrer belieben ihre Zeugnisse an den
Unterzeichneten einzusenden. Ausländer sind ausgeschlossen.
Otto Mann,
Guntersblum, Vorstand."
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1886: "Die hiesige
Gemeinde sucht auf Rosch Haschana
und Jom Kippur oder auch nur,
wenn gewünscht wird, für den Versöhnungstag allein, einen Hilfsvorbeter
(Chasan), und wollen sich Interessenten mit ihren Ansprüchen wegen
Honorar an den Vorstand dahier franco wenden.
Guntersblum. Der Vorstand J.
Guthmann." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1879: "In
der Gemeinde Guntersblum wird die Stelle eines Lehrers an der
Privat-Realschule, sowie die eines Kantors vakant und sollen diese bis zum
15. Oktober, spätestens 1. November dieses Jahres mit einem akademisch
gebildeten Manne besetzt werden. Gehalt beträgt Mark 1.600 nebst freier
Wohnung und Garten.
Qualifizierte Bewerber werden gebeten, ihre Zeugnisse
an den Vorstand der Privat-Realschule einzusenden." |
Anstellung von Lehrer Schwarz an der Volksschule
Guntersblum (1891)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1891: "Oppenheim. Bei der
vor Kurzem stattgehabten Umwandlung der bisherigen Frenzel’schen
Privatschule in Guntersblum in eine erweitere Volksschule wurde der
israelitische Lehrer Schwarz daselbst als Schulvikar an dieser Schule
angestellt." |
Anstellung von Herrn Leopols aus Warburg als Lehrer der
israelitischen Gemeinde (1909)
Meldung in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. August 1909: "Guntersblum, 20.
August (1909). Zum Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde wurde,
nachdem die Stelle acht Monate unbesetzt war, Herr Leopols aus Warburg
bestellt." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Über das gute Miteinander zwischen den
Konfessionen in Guntersblum (1838)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juli 1838: "Vom Rhein, 1.
Juli (1838). Mit Freuden berichte ich Ihnen ein schönes Gegenstück zu
den an den östlichen und westlichen Rändern Preußens künstlich
hervorgerufenen religiösen Aufregungen. Am verflossenen Mittwoch, den 27.
Juni wurde in Guntersblum die Tochter eines israelitischen Bürgers, der
schon seit langen Jahren durch das Vertrauen seiner Mitbürger als
Gemeinderat fungierte, zur Erde bestattet. Trotz der dringenden Geschäfte,
die der Landmann in der jetzigen Jahreszeit im Felde zu besorgen hat,
schloss sich der bei weitem größte Teil der dortigen katholischen sowohl
als evangelischen Gemeinde dem wohlgeordneten Leichenzuge an. Herr Dr.
Cahn, der wackere Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde in
Mainz, der, von den Leidtragenden ersucht, eine Herz und Geist erhebende,
mit vielem Beifall aufgenommene Leichenrede abhielt, war so freudig überrascht
von der gegenseitigen Liebe und Achtung, die er unter den verschiedenen
Religionsgenossenschaften wahrnahm, dass er nicht umhin konnte, am
Schlusse seine Gefühle in einer kurzen, improvisierten Anrede
auszusprechen, die Anwesenden zu ermutigen, auf der betretenen Bahn
wechselseitiger Liebe und Anerkennung fortzuwandeln, um so dem erwünschten
Ziele religiöser Einigkeit immer näher zu kommen. – Wahrlich, wo, wie
in unserem Lande, die Ideen einer echt religiösen Toleranz selbst die
Landleute schon durchdringen hat, da müssen alle Versuche des
Obskurantismus scheitern. (F.J.)" |
Schweres Überschwemmungsunglück im Juni 1876
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1876. "Bitte an
Menschenfreunde! Von einem schweren Unglück wurden die Gemeinden Oppenheim, Dienheim, Ludwigshöhe,
Guntersblum und Gimbsheim am 22. Juni
durch den bei Ludwigshöhe erfolgten Dammbruch heimgesucht. Der größte
Teil dieser Gemarkungen steht heute noch 6-8’ unter Wasser. Von Dienheim
und Oppenheim sind fast alle Frucht und Kartoffelfelder sowie Weingärten
überschwemmt oder von Grundwasser durchzogen.
Da in den Niederungen meist die weniger Bemittelten begütert sind, so ist
die Not umso größer. Noch sind die Bestellungskosten der großenteils
zum zweiten Male bepflanzten Äcker, die im Frühjahr schon vielen Schaden
gelitten, nicht bezahlt, und schon ist die ganze Ernte vernichtet, von der
die Schulden getilgt und die Winterbedürfnisse bestritten werden sollten.
Die Verdienste der Arbeiter sind in manchen der genannten Gemeinden durch
die Verkehrsstockungen geringer. Daher sind viele Familien in einer
verzweifelten Lage.
Darum richten wir an Alle, denen die Not ihrer Mitmenschen zu Herzen geht,
die dringende Bitte, von ihrem Überflusse zur Linderung dieses
unberechenbaren Elendes an einen der Unterzeichneten eine Liebesgabe
beizusteuern.
Zugleich bitten wir die verehrlichen Expeditionen der verschiedenen
Zeitungen diesen Aufruf aufzunehmen und wie in anderen Fällen, so auch für
unsere Orte, der Sammlungen sich unterziehen zu wollen. Oppenheim etc.
etc., den 26. Juni 1876.
Balzhäuser, Fabrikant, Beny Jakob I., Oßwald, Bürgermeister, Rehn,
Gemeinde-Einnehmer, Weitzel, Pfarrer, von Gimbsheim. Blatz, Weinhändler,
Keller, Pfarrer, Küstner Wilhelm, Malzfabrikant, Schuppert, Bürgermeister,
von Guntersblum. Becker, Dr.,
Bürgermeister, Gräf Joh., Gemeinderat,
Schaad Ad. Beigeordneter, von Ludwigshöhe. Diehl, Pfarrer, Starck,
Bürgermeister, von Dienheim. Egly,
Bürgermeister, Herrmann,
Pfarrer, Koch, Fabrikant, Müller, Pfarrer, Müller,
Schulinspektor, Rechel,
Dirigent, Schmidt, Gr.
Kreisrat, Weil,
Obereinnehmer, von Oppenheimer. Lotheißen,
Gr. Kreisrat, Dr. Schröder,
Landtagsabgeordneter, von
Worms." |
Zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Wahl von Julius Heumann in den Gemeinderat (1913)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. September 1913.
"Guntersblum.
Julius Heumann wurde in den Gemeinderat gewählt." |
Auszeichnung für den Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg Gustav Grünebaum
(1915)
Meldung im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Februar 1915: "Guntersblum.
Gustav Grünebaum erhielt das Eiserne Kreuz". |
Zum Tod des langjährigen Vorstehers der Gemeinde Otto Mann (1918)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. November 1918: "Guntersblum.
Am 21. starb hier im Alter von 56 Jahren der langjährige erste Vorsteher
unserer Gemeinde, Otto Mann. Das ungewöhnlich große Trauergefolge legte
beredtes Zeugnis von der Beliebtheit und Wertschätzung des Entschlafenen
ab. Am Grabe entwarf Rabbiner Dr. Levi – Mainz ein lebensvolles Bild des
Heimgegangenen und schilderte namentlich seine ernste Lebensauffassung,
strenge Rechtlichkeit und ausgezeichnete Führung der israelitischen
Gemeinde." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von David Monat (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1901:
"Suche ein Mädchen zur Stütze der Hausfrau per 1. Oktober,
ein Dienstmädchen noch vorhanden, Familienanschluss.
Schriftliche Offerten an
David Monat, Guntersblum, Rheinhessen." |
Verlobungs- und Heiratsanzeigen von Hede Rüb
(Guntersblum) mit dem Lehrer Carl Hartogsohn (Höchst am Main) (1936 /
1937)
Anmerkung: Carl Hartogsohn
aus Emden war der letzte jüdische Lehrer in Höchst
am Main; er und seine Frau Hede geb. Rüb wurden
nach der Deportation ermordet. Hede geb. Rueb war eine Tochter des jüdischen
Gemeindevorstehers David Rueb in Guntersblum. David Rueb und seine Frau Berta geb.
Dornberger sind nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 zu ihrer Tochter
nach Höchst geflohen; sie wurden nach der Deportation 1942 von Frankfurt
gleichfalls ermordet. Vgl. Seite
des Kulturvereins Guntersblum zu David Rueb.
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1936:
"Statt Karten - Gott sei gepriesen -
Hede Rüb - Carl Hartogsohn
Kantor und Lehrer - Verlobte
Guntersblum (Rheinhessen) - Emden
(Ostfriesland) / Frankfurt-Höchst.
November 1936 - Kislew
(5)697." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1937: "Gott
sei gepriesen.
Kantor und Lehrer Carl Hartogsohn - Hede Hartogsohn - Rüb.
Vermählte.
Frankfurt a.M. - Höchst - Guntersblum (Rhein). Elul (5)697 / August
1937.
Trauung und Empfang: Hotel Ulmann, Frankfurt am Main, Bethmannstraße 52.
29. August 1937, 14 Uhr. 1. Tag der Selichot". |
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Foto
links: Lehrer Carl Hartogsohn aus Frankfurt
- Höchst unterrichtet in einem Privathaus in
Guntersblum zwei jüdische Mädchen; Aufnahme vom 26. April 1936 in
Guntersblum. Von links: Ann Hellmann, Carl Hartogsohn und Inge Seeman.
Quelle: Archiv
des United States Holocaust Memorial Museum. |
Zur Geschichte der Synagoge
1744 wird erstmals eine "Judenschule" (Synagoge) am Ort genannt.
Ein Neubau erfolgte 1769/70. Dazu wurde ein schon bestehendes Gebäude erworben
und umgebaut. Neben der Synagoge wurde 1839 eine jüdische Schule erbaut, in der
auch ein neues rituelles Bad eingebaut wurde. 1860 bis 1862 erfolgte eine umfassende
Renovierung und ein Innenausbau der Synagoge. Zur Durchführung dieser Arbeiten
half eine Spende des Frankfurter Mayer Carl von Rothschild. Anfang Oktober
1862 wurde die Synagoge feierlich eingeweiht. Bis Oktober 1938 wurden hier die
Gottesdienste der jüdischen Gemeinde gefeiert.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde
die Synagoge geschändet, die Inneneinrichtung und die Ritualien teilweise
verbrannt. Ende Dezember 1938 erwarb ein Nachbar das Gebäude. Es wird seitdem
als Weinlager/Kelterhaus genutzt. Die Bausubstanz ist im Wesentlichen erhalten. Das
Gebäude steht seit 1984 unter Denkmalschutz. Eine Renovierung wurde 1996
durchgeführt.
Adresse/Standort der Synagoge: Bleichstraße 12, Jüdische Schule
in der Viehgasse 1.
Fotos
(Fotos: obere Zeile Mitte und rechts: Hahn, Aufnahmedatum 30.3.2005;
Pläne und Foto zweite Zeile rechts aus den Publikationen von Dieter
Michaelis s.Lit., Quelle: Website
des Kulturvereins Guntersblum)
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Lageplan von Jüdischer
Schule,
Bad und Synagoge |
Die ehemalige jüdische Schule
mit der Gedenktafel |
Gedenktafel am Gebäude
der
ehemaligen jüdischen Schule |
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| Rekonstruktion der
ehemaligen Synagoge Guntersblum: Außen- und Innenansicht |
Portalinschrift der Synagoge
mit Zitat aus Psalm 118,20: "Dies ist das Tor zum Herrn, Gerechte
ziehen durch es hinein". |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Februar 2010:
Die Guntersblumer CDU-Faktion verweigert
finanzielle Beteiligung an der "Stolperstein"-Aktion |
Artikel von Jockel Kohlmann in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 27. Februar 2010 (Artikel):
"Guntersblum - "Stolpersteine" bringen Rat ins Straucheln.
HOLOCAUST Guntersblumer CDU-Fraktion verweigert Beteiligung an Erinnerungsstücken.
In jüngster Gemeinderatssitzung lehnten es die fünf Mitglieder der CDU-Fraktion ab, sich finanziell mit Mitteln aus ihrer Fraktionskasse an der Aktion
'Stolpersteine' zu beteiligen. Stattdessen wollten sie Pflegearbeiten auf dem jüdischen Friedhof mit einer Spende unterstützen. Die dafür entstehenden Kosten allerdings werden komplett vom Land bezahlt..."
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| Juni 2010:
Nach aktuellen Recherchen sind 22
"Stolpersteine" in Guntersblum zu verlegen |
Aus einem Artikel von Jockel Kohlmann in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 24. Juni 2010 (Artikel):
"...Ingesamt 22 'Stolpersteine'
Im Februar beschloss der Gemeinderat mit der Stimmenmehrheit von FWG, GLG und SPD, so genannte Stolpersteine in Guntersblum verlegen zu lassen. Die CDU hatte eine Kostenbeteiligung abgelehnt. Mit diesen Gedenksteinen soll an das Schicksal jener ehemaligen Guntersblumer jüdischen Mitbürger erinnert werden, die während der Zeit des Nationalsozialismus vertrieben, deportiert, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden.
'Für die ermordeten Bürger gibt es keine Gräber, die Stolpersteine können die Gräber nicht ersetzen, aber sie können an die Menschen
erinnern', so Schmitt..." |
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| September 2010:
In Guntersblum sollen im Frühjahr 2011
"Stolpersteine" verlegt werden. |
Artikel in der "Allgemeinen
Zeitung" vom September 2010 (Artikel):
"Erinnerung an Nazi-Opfer.
GUNTERSBLUM. STOLPERSTEINE Guntersblum will 23 jüdischer Mitbürger gedenken.
(red). Voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres werden in Guntersblum die Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors verlegt werden..." |
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| April 2011:
Gedenkfeier und Verlegung von
"Stolpersteinen" in Guntersblum |
Artikel von Jockel Kohlmann in der "Allgemeinen Zeitung" vom 4.
April 2011 (Artikel):
"Versöhnen durch Erinnern
GUNTERSBLUM. NAZI-VERBRECHEN Rund 100 Bürger gedenken in Guntersblum der ermordeten Juden.
Rund 100 Gäste erlebten im Bürgerhaus eine würdevolle Gedenkfeier zur Verlegung der
'Stolpersteine', die an die ermordeten Guntersblumer Juden erinnern sollen. Im Beisein von Lotte Avner und Yael Hacohen (Jerusalem), Dina Romero (USA), Daniel Avner (Berlin), Heinz-Erhard Thiele (Montabaur) sowie Christel Thiele (Guntersblum), allesamt Nachfahren der einstigen jüdischen Mitbürger, dankte Ortsbürgermeister Reiner Schmitt der Projektgruppe
'Stolpersteine' für deren großes Engagement..." |
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Weiterer Artikel von Jockel Kohlmann in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 4. April 2011 (Artikel):
"Symbolische Verbeugung vor NS-Opfern
GUNTERSBLUM. ALSHEIMER STRASSE Kölner Künstler verlegt Stolpersteine in Guntersblum / Einstiger Weinhändler Moritz Herz deportiert
Lautlos verrichtet der Kölner Künstler Gunter Demnig (63) seine Arbeit. Genau nach Zeitplan erscheint er mit einem ebenso stillen Mitarbeiter vor dem Anwesen Alsheimer Straße 1, um hier drei so genannte
'Stolpersteine' im Bürgersteig zu verlegen. Schnell haben sich rund 50 Zuseher um ihn geschart..."
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| April 2011:
Bericht über die gegenwärtige Nutzung der
ehemaligen Synagoge als Teil des Weingutes "Domhof" |
Artikel von "phi" in der "Allgemeinen Zeitung" vom 22.
April 2011 (Artikel):
"Guter Wein im ehrwürdigen Haus
GUNTERSBLUM - EHEMALIGE SYNAGOGE Historisches Guntersblumer Gebäude ist heute Teil des
'Domhofs'
Eine Gedenktafel in der Viehgasse an der ehemaligen Judenschule erinnert daran - hinter diesem Gebäude befand sich die Synagoge der jüdischen Gemeinde. In dem eng bebauten, ehemals jüdischen Viertel schmiegen sich die Gebäude dicht aneinander. Verschachtelt geht ein Anwesen in das andere über, bildet eine Hausmauer die Grenze zum Nachbargrundstück.
Die ehemalige Synagoge befindet sich in der Bleichstraße 12, auf dem Anwesen der Familie Baumann, im
'Domhof'. Der einstige Gemeindezugang befindet sich jedoch auf dem Nachbargrundstück..." |
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| Juli 2011:
Dokumentation des "Kulturvereins" zu
den "Stolpersteinen" am Ort (vgl. Literatur
unten)
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 1. Juli 2011 (Artikel):
"Wenn Stolpersteine sprechen lernen
GUNTERSBLUM. BROSCHÜRE Kulturverein gedenkt mit aufrüttelnder Dokumentation Opfern des NS-Terrors.
(red). Kleine, schlichte kubische Betonsteine mit einer individuell beschrifteten Messingplatte mahnen im Ort nun vor früheren Heimen und Geschäften der von Nazi-Terror Betroffenen als
'Stolpersteine'. Damit verwirklicht die Kommune, in der zur 'Machtergreifung' Hitlers noch mindestens 50 Juden lebten, die Idee des Künstlers Gunter Demnig. NS-Opfer, die das Terrorregime in Konzentrationslagern zu Nummern degradierte, erhalten Namen zurück. Im Ort, vor Ort funktioniert Verdrängung nicht länger. Sich häufig verdrängter Historie zu stellen, richtet Licht auf schmerzende Wunden. Eine reich illustrierte Dokumentation des Kulturvereins geht noch mutiger vor. Denn dort erhalten Vertriebene und Ermordete nicht nur den Namen, sondern dank Fotos ihr Gesicht und mittels Kurzbiographien ihren Lebenslauf zurück..."
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| Februar 2012:
Artikel über das Schicksal
der jüdischen Familie Grünewald (ehemals Bleichstraße 8 in
Guntersblum) |
| Link zum Artikel: Nur Sohn Hermann überlebt Holocaust (Allgemeine Zeitung, 27.02.2012) . |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Dieter Michaelis: Die jüdische Gemeinde Guntersblum. Von den
Anfängen bis zur Vernichtung durch den Nationalsozialismus. Guntersblum
1998. |
 | ders.: Synagoge, Judenschule, Judenbad, Jüdischer Friedhof, in:
Guntersblumer Geschichte(n). Guntersblum 1997 S. 85-100. |
 | ders. / Jutta Hager-Latz / Landesamt für
Denkmalpflege Rheinland-Pfalz: Der jüdische Friedhof in Guntersblumt.
Guntersblum 2002. 221 S. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 172-174 (mit weiteren Literaturangaben). |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 121-122. |
 | Reihe
"Guntersblumer Blätter", hrsg. vom Verein
zur Erhaltung Guntersblumer Kulturgutes e.V. Heft 01/2011: Stolpersteine
in Guntersblum. Weitere
Informationen.
Vgl. Artikel: Brauner Mob verwüstete Häuser (Allgemeine Zeitung, 17.02.2012)
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Guntersblum
Hesse. The community numbered 138 (6 % of the total) in 1861. Between 1933 and
1938, 17 Jews emigrated and 21 moved elsewhere. The village head who warned the
remaining 12 to leave before Kristallnacht (9-10 November 1938), when the
synagogue was burned down, tried to protect them during the riot. The last three
Jews were deported in 1942.

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