|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"
Zur Übersicht "Synagogen im
Landkreis Südliche Weinstraße"
Edenkoben (VG
Edenkoben, Kreis
Südliche Weinstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden
Edenkoben bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die
Zeit des 17. Jahrhunderts zurück (erste Erwähnung jüdischer Einwohner 1660:
Jud Isaak von Bruchsal kann sich in Edenkoben
niederlassen); 1673/74 wird er als Jud "Seckell zu Edenkhoffen"
erwähnt, der damals zusammen mit Daniel zu Wachenheim und Jeremias zu Neustadt
noch 200 Gulden an Rekognitionsgeldern zu bezahlen hatte.
Um 1700 wird Jud Borich von Edenkoben als Judenvorsteher des Amtes Neustadt
genannt, der für die Eintreibung der von den Juden an die Regierung zu
zahlenden Abgaben verantwortlich war. Edenkoben entwickelte sich in der
Folgezeit zur größten jüdischen Gemeinde im Amt Neustadt: 1722 werden
am Ort (damals auch Edickhoffen oder Edencoffen genannt) folgende
jüdische Haushaltsvorstände genannt: Baruch,
Salomon, Ischi, Salomon Hayum, Hirsch, Levi, Hertz, Aaron Baruch und Mayer
Hertz. Auch 1746 wird ein Jude aus Edenkoben - Sender Isack - als
"Untergeldeinnehmer" der Landjudenschaft im Amt Neustadt
genannt. Damals (Liste von 1743) waren die jüdischen Haushaltsvorstände: Aron
Isaac, Aron Baruch, Alexander Baruch, Salomon Hayum, Jacob Hayum, Meyer Herz,
Löw Hayum, Feibel Isac, Michael Mandel, Mayum Löw, Isai Isac, Herz Bauer,
Daniel Herz, Benjamin Samuel, Smule Benjamin und Löw Salomon. 1752 zählten die
jüdischen Familien zusammen 52 Personen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1801 50 jüdische Einwohner (1,5 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808
88 (in 31 Haushaltungen, 2,1 %), 1825 162 (3,6 %), 1847 190, 1875 144, 1900 120,
1905 123 (2,4 %).
1809/10 werden die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände genannt: Aron
Abraham (Viehhändler), David Abraham (Kurzwarenhändler), Witwe Babette Alexander,
Moses Bloch (Händler), Nestor Dreyfuß (Kaufmann), Emanuel Hirsch
(Mehlhändler), Salomon Hirsch (Mehlhändler), Aron Isaac (Händler), Jesché
Isaac (Eisenhändler), Isaac Joachim (Metzger), Jesaias Löb (Metzger), Samuel
Löb (Händler), Salomon Löb (Händler), Witwe Fanni Mayer, Judas Michel
(Händler), Lazarus Neu (Händler), Herzog Seeligmann (Händler), Léon Wolff
(Kurzwarenhändler).
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule
(in einem 1830/31 erbauten Schulhaus neben der Synagoge), ein
rituelles Bad (hinter dem Schulhaus, wurde vom vorbeifließenden Mühlenbach/Triefenbach
gespeist) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der teilweise zugleich als Vorbeter und Schochet
tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). In der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts hatte die Gemeinde für diese Aufgaben zwei Personen
angestellt. Neben dem Elementarlehrer an der jüdischen Schule gab es einen
Vorbeter und Schochet. Als Elementarlehrer im 19. Jahrhundert ist vor allem
Maier Elsasser zu nennen, der 1855 sein 25-jähriges Amtsjubiläum in Edenkoben
feiern konnte (siehe Bericht unten) und bis 1865 am Ort blieb. Sein Nachfolger
war bis zu seiner Pensionierung 1889 Leopold Stern. Hierauf folgte Lehrer Josef
Weil, der 1907 in Edenkoben verstarb
(siehe Bericht). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Landau.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Georg Mayer (geb.
3.2.1893 in Edenkoben, gest. 27.3.1919), Julius (Jakob) Michel (geb. 6.12.1883
in Edenkoben, gef. 22.10.1915), und Gefreiter Paul Wolff (geb. 18.1.1889 in
Edenkoben, gef. 22.10.1915). Die Namen der jüdischen Gefallenen standen auf
einer Gedenktafel in der Synagoge und auf dem Ehrenmal der bürgerlichen
Gemeinde, von wo sie 1938 herausgemeißelt wurden.
Die jüdischen
Familien lebten überwiegend vom Handel mit Vieh sowie mit Landesprodukten,
insbesondere Wein. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten mehrere von
ihnen jüdische Handlungen und Geschäfte am Ort eröffnet.
Um 1924, als zur Gemeinde 84
Personen gehörten (1,3 % von insgesamt etwa 6.500 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher
Max Mayer, Julius Nachmann und Julius Hermann. Als Religionslehrer, Kantor und
Schochet war Leopold Schwarz in der Gemeinde tätig. Er erteilte an der
Religionsschule acht Kindern den Religionsunterricht; zugleich unterrichtete an
Religion an höheren Schulen. An jüdischen Vereinen gab es u.a. den Israelitischen
Wohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung von Julius Hermann, 1932 unter
Leitung von Max Mayer; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung in Not geratener
jüdischer Bürger, Gewählung von Lehrmitteln, Schulgeld usw.). 1932 waren die
Gemeindevorsteher Max Mayer (1. Vors.,) Moses Gärtner (2. Vors.) und Ludwig
Strauß (3. Vors.). Als Lehrer, Kantor und Schochet wird nun David Bär genannt
(Wohnung Bahnhofstraße 42).
Zur jüdischen Gemeinde Edenkoben gehörten nach Auflösung der dortigen
Gemeinden auch die in Maikammer und Edesheim lebenden jüdischen Personen: in
Maikammer 13 Personen, 1932 10 Personen; in Edesheim 1932 8 Personen.
1933 lebten noch 66 jüdische Einwohner in Edenkoben. Ein
größerer Teil von Ihnen konnte noch rechtzeitig auswandern, davon 20 in die
Vereinigten Staaten. Von 1936 bis 1938 ging die Zahl der jüdischen Einwohner
auf 41 zurück. Beim Novemberpogrom 1938 wurden jüdische Häuser
demoliert. Am 22. Oktober 1940 wurden 14 der noch in Edenkoben lebenden 16
jüdischen Einwohner nach Gurs deportiert. Die meisten kamen ums
Leben.
Von den in Edenkoben geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Elise Cohen geb. Kern (1904), Maximilian Dreifus (1881),
Zoe (Sofie) Dreifus geb. Gürsburger (1885), Bertha Eppler (1872), Grete S.
Gottlieb geb. Wolff (1906), Richard Ludwig Hirsch (1872), Siegmund Hirsch
(1884), Robert Kahn (1868), Emilie Kaufmann (1859), Franziska Kaufmann geb.
Mannheimer (1898), Emil Kern (1879), Ferdinand Kern (1867), Karoline Kern geb.
Sonnheim (1867), Meta Kern geb. Josephsohn (1882), Sigmund Kern (1869), Barbara
Mayer geb. Michel (1881), Else Mayer geb. Siegel (1889), Jakob Mayer (1890),
Margot Mayer (1920), Ruth Mayer (1924), August Hermann Neu (1888), Eduard
Rössner (1901), Suzanne Rosenthal geb. Kern (1873), Carl Samson (1875), Else
Samson (1910), Siegfried Samson (1913), Hermann Tausig (1886), Pauline (Bella)
Tobias geb. Kern (1870), Luise Wolf geb. Blum (1888), Max Wolff
(1878).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet 1847 /
1861 / 1902 / 1921 /1922
Anmerkung: bis Anfang des 20. Jahrhunderts gab es neben dem jüdischen
Elementarlehrer einen Vorsänger (Hilfskantor) und Schächter (Ausschreibungen 1847,
1861, 1902).
Bei der Ausschreibung 1921 sind die Ämter des Lehrers und Kantors miteinander
verbunden, bei der Ausschreibung 1922 ist auch das Amt des Schächters Aufgabe
des Lehrers.
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. März 1847:
"Die hiesige Gemeinde bedarf eines Vorsängers und Schächters. Das
Fixum als Vorsänger ist 250 Gulden, die Schechita trägt ebenfalls 250
Gulden. Insbesondere bewünscht wird ein Mann von musikalischer Bildung.
Wenn derselbe nicht zugleich Schochet ist oder sein will, so kann er durch
Musikunterricht bedeutenden Nebenverdienst sich erwerben. Zu wenden an
den
Vorstand der Israelitengemeinde zu Edenkoben (bayerische
Pfalz)." |
| |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Juli 1861:
"Edenkoben (bayerische Pfalz), im Juni. Die hiesige Chasan-(Vorbeter-)
und Schochet-Stelle ist erledigt, und soll sofort besetzt werden.
Dieselbe gewährt ein Einkommen von 500 Gulden per Jahr. Bewerber, welche
hinreichende musikalische Kenntnisse besitzen, um einen Chor einzuüben,
belieben sich zu wenden an
Wolf Isaac, Synagogen-Vorstand." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 30. Dezember 1902: "Vakanz
in Edenkoben, Rheinpfalz ist die Stellung eines Hilfskantors,
Schächters und Synagogendieners zu vergeben. Mindest-Einkommen Mark
1100. Offerten mit allen bezüglichen Aufschlüssen und Zeugnisabschriften
zu richten an
Leo Kern, Fabrikant
in Edenkoben." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1921:
"Seminaristisch gebildeter Lehrer und Kantor zum baldigen
Eintritt gesucht. Gehalt 8.000 Mark und freie 4-Zimmer-Wohnung mit
Zubehör. Zuzug gestattet. Nebenverdienst durch Religionsunterricht in
Volks- und höheren Schulen etc. Selbstgeschriebene Offerten mit
Lebenslauf, Altersangabe, seitheriger Tätigkeit und Photographie erben an
den Vorstand des
Synagogenrats Edenkoben, Rheinpfalz." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Dezember 1922:
"Für 1. März 1923 suchen wir einen seminaristisch gebildeten
tüchtigen Lehrer, Kantor und Schauchet. Schöne 5-Zimmerwohnung
vorhanden. Gehalt zeitgemäß nach Übereinkunft. Zuschreiten mit
Zeugnis-Abschriften und Bild sind zu richten an den
Synagogenvorstand Edenkoben (Pfalz) Julius Nachmann." |
25jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Maier Elsasser (1855)
Maier Elsasser stammt aus Mußbach, hatte in
Kaiserslautern sein Lehrerexamen abgelegt und war - mit einer durch Krankheit
bedingten Unterbrechung in den 1840er-Jahren - bis 1865 Lehrer in Edenkoben. Er
war Autor von zwei in den jüdischen Schulen der Pfalz verbreiteten Bücher für
den Religionsunterricht: "Erster Unterricht in der israelitischen
Religion" und "Kurse biblische Geschichte von der Schöpfung bis zum
Sündenfall".
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. August 1855:
"Landau, 5. August (1855). Gestern wurde in Edenkoben
das 25-jährige Amtsjubiläum des israelitischen Lehrers Maier Elsasser
daselbst gefeiert. Schon der Festzug, der in der Synagoge, wo die
Feier stattfand - der Gottesdienst war bereits früher abgehalten worden -
sich bewegte, bezeugte die freudige Teilnahme, die alle erfüllte. Voran
die Schuljugend, Blumengirlanden und Laubgewinde tragend, sodann der
Bezirksrabbiner Dr. Grünebaum von hier mit den protestantischen
Geistlichen (der ebenfalls geladene katholische Geistliche war zu der
Feier nicht erschienen), der Bürgermeister mit den städtischen
Behörden, die Professoren der lateinischen Schule, die Lehrer sämtlicher
anderer Schulen, der Kultusvorstand und die Gemeinde, sowie andere
Schüler und Verehrer des Jubilars. In der Synagoge angekommen, wurde der
Jubilar von dem aus den ältesten anwesenden Schülern gebildeten Komitee
aus seiner im Synagogengebäude befindlichen Wohnung abgeholt, und es
hielt darauf zuerst der wackere Vorstand, Herr Wolf Isaak, in seiner
Eigenschaft als ältester anwesender Schüler, der, wie er sich
ausdrückte, 'zuerst hier den Segen des Unterrichts dieses Lehrers aus der
Schule mit in das Leben genommen', eine warme Ansprache in beredtem, tief
gefühltem Vortrage an den Jubilar und übergab ihm die auf einem
Tischchen vor der heiligen Lade ausgebreiteten Geschenke, bestehend aus
zwei bayerischen Staatsobligationen, einem herrlich gearbeiteten großen
silbernen Pokal, und einem Dutzend silberner Löffel, im Namen seiner
Schüler und Verehrer. Der Rabbiner richtete im Namen der Gemeinde
Glückwunsch und Dank an den Gefeierten. Gottesdienst mit Predigt und
Festtafel folgten." |
Die israelitische Lehrerstelle wird nach dem Tod von
Lehrer Weil in eine Verweserstelle
umgewandelt (1908)
Der in dem Abschnitt genannte Lehrer Josef Weil war von 1889 bis zu
seinem Tod 1907 Lehrer in Edenkoben.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1908: "Kaiserslautern,
29. Mai (1908). Die freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren
der Pfalz hielt gestern hier im Lokale der Julius Plotke-Loge ihre
Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende Lehrer Waldbott in Speyer eröffnete
die Versammlung, die von etwa 30 Mitgliedern besucht war, mit Dankesworten
an die Verwaltung der Loge für die Überlassung ihres Lokales zur
Abhaltung der Versammlung, begrüßte alsdann die anwesenden Vertreter der
Loge, sowie der israelitischen Kultusgemeinde Kaiserslautern, welche durch
den Bezirksrabbiner Dr. Landsberg und ein Vorstandsmitglied vertreten war.
Das Andenken der im Laufe des Vereinsjahres verstorbenen Kollegen Eigner -
Oberlustadt und Weil - Edenkoben
ehrten die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen. Rechtsanwalt Dr.
Rheinheimer begrüßte hierauf die Versammlung im Namen der Julius
Plotke-Loge, Bezirksrabbiner Dr. Landsberg namens der Israeliten-Gemeinde.
Der Jahresbericht der Vorsitzenden erwähnte zunächst die Umwandlung der
israelitischen Lehrerstelle in Edenkoben in eine Verweserstelle,
was weder den Interessen noch den Erwartungen der israelitischen Lehrer
der Pfalz entspreche. Die Erhaltung der israelitischen Lehrerstelle in Haßloch
sei durch große Opfer der dortigen Synagogengemeinde erfreulicherweise
gesichert. Dagegen harren die Verhältnisse in Kaiserslautern noch immer
der definitiven Entscheidung..." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Antisemitisches Verhalten einer nichtjüdischen Firma in Edenkoben (1929)
Artikel
in der Zeitung des "Central-Vereins" (CV-Zeitung) vom 25. April
1929: "Nach Edenkoben. Die Nachricht, dass die Firma Georg
Orth, Emaillierwerk in Edenkoben, an einem ihrer Kunden geschrieben hat:
'Wir kauften unsere Bleche bisher von einer christlichen Firma und werden
uns hüten, von unserem Prinzip noch einmal abzugehen', haben wir mit
Interesse gelesen." |
Berichte zu einzelnen Personen
aus der Gemeinde
Zum Tod von Mathilde Bloch (1863)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Juni 1863:
"Edenkoben (Rheinbayern), im Mai (Courr. du Bas-Rhin). Ein
junges Mädchen von zwanzig Jahren, israelitischer Konfession, Mathilde
Bloch, war zu Edenkoben am Vorabend ihrer Hochzeit gestorben. Der Vater
ist ein Geschäftsmann, der die allgemeine Achtung genießt; auch hat man
den größten teil der Bevölkerung sich dem Leichenbegängnisse
anschließen sehen. Die Glocken der protestantischen Kirche läuteten,
während der Zug in Bewegung war und die beiden protestantischen und der
katholische Pfarrer folgten dem Sarge mit dem Rabbiner, der eine Rede am
Grabe gehalten." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Jeschurun" vom 9. Juli 1863: "Edenkoben.
Vor kurzem ereignete sich hier ein seltenes Beispiel der Toleranz; das
umso mehr auch in weitern Kreisen bekannt zu werden verdient. Es starb
hier nämlich ein junges Mädchen Mathilde Bloch in der Blüte
ihrer Jugend, 20 Jahre alt, am Abend vor ihrem Hochzeitstage. Der Fall
erregte umso mehr die allgemeine Teilnahme der Bevölkerung, als das junge
Mädchen allgemein beliebt, und ihr Vater in kommerziellen Kreisen sich
der unbedingtesten Achtung erfreut. Recht deutlich zeigte sich hier, wie
die verschiedenen Konfessionen, wenn sie nur die rein menschlichen
Tugenden gegenseitig anerkennen wollen, friedlich nebeneinander leben und
an allem Wohl und Weh des Lebens teilnehmen können. Die Beteiligung bei
dem Leichenbegängnis der jungen Jüdin war eine außerordentliche, ein
großer Teil der Bevölkerung war herbeigeeilt der Toten die letzte Ehre,
den unglücklichen Eltern ihre Teilnahme zu beweisen. Die Glocken der
protestantischen Kirche läuteten während des Leichenzuges; die zwei
protestantischen Pfarrer und der katholische Geistliche folgten mit dem
Rabbiner der Bahre. Es zeigte sich wie gesagt das herzlichste Einvernehmen
der beiden christlichen Konfessionen mit den Juden, und allgemein freute
man sich, als man die Vertreter der drei Kulten friedlich nebeneinander
herschreiten sah, um einem Mitmenschen die letzte Pflicht auf Erden zu
erweisen. Möge in immer weiteren Kreisen der religiöse Hass und
Fanatismus sein Ende finden, und möge man endlich einsehen, dass die
wahre Religion nicht im Anfeinden Andersdenkender
bestehe." |
Herausgabe eines Journals für Sprachunterricht
durch Emil Sommer in Edenkoben (1882)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. September
1889: "L'interprète, französisches Journal für Deutsch - The
Interpreter, englisches Journal für Deutsche - L'Interprete,
italienisches Journal für Deutsche m
it erläuternden Anmerkungen, alphabetischem Vocabulaire und
vervollkommneter Aussprachebezeichnung des Englischen und Italienischen.
Herausgegeben und redigiert von Emil Sommer.
Vorzüglichste und wirksamste Hilfsmittel bei Erlernung obiger drei
Sprachen, namentlich für das Selbststudium und bei Vorbereitung
auf Examina (Einjährig-Freiwillige), zugleich anziehenste und
erfolgreichste französische, englische und italienische Lektüre zur
Übung und Unterhaltung, durhc die besondere Einrichtung dieser Journale
schon bei den bescheidensten Kenntnissen in erspriesslichster Weise
verwendbar. - Wöchentlich eine Nummer . - Quartalpreis 1 M. 75 Pf. -
Probenummern gratis - Inserate (à 25 Pf. die 4-spaltige Petitzeile) von
erfolgreichster Wirkung.
Edenkoben, in der bayerischen Rheinpfalz. Die Direktion." |
Firma Em. Kern ausgezeichnet (1885)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 8. September 1885: "Edenkoben. Der bekannte
Großindustrielle Herrn Em. Kern, Fabrik chemische Branche in Edenkoben
(Rheinbayern), ist von der Weltausstellung in Antwerpen mit der broncenen
Medaille ausgezeichnet worden." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen der Weinhandlung von Simon Löb (1898 / 1899 /
1901 / 1904 / 1915)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
29. September 1898: "Koscher Weißwein, eigenes Wachstum,
Liter 35-60 Pf., Nachnahme oder Referenz. Fässer leihweise, frei
zurück. Station angeben. Simon Löb, Edenkoben,
Rhein-Pfalz." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
12. September 1899: "Koscher Weißwein, eigenes Wachstum,
Liter 40-60 Pfg. Nachnahme oder Referenz. Fässer leihweise, 20 Liter an,
aber frei zurück. Station angeben.
Simon Löb, Edenkoben, Rheinpfalz." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28. November 1901: Koscher Weißwein, eigenes Wachstum,. per
Liter 40 bis 60 Pfennig Nachnahme o. Referenz. Fässer leihweise. Station
angeben. Simon Löb, Edenkoben, Rheinpfalz." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
11. Februar 1904: "Koscher Weißwein, eigenes Wachstum,
per Liter 40, 50 u. 60 Pfennig. Nachnahme oder Referenz. Fässer von 20
Liter an leihweise, Station angeben.
Simon Löb, Edenkoben (Rheinpfalz)." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
18. März 1915: "Koscher Weiß- und Rotwein per Liter
80, 90, 100 Pfennig Nachnahme oder Referenz. Fässer von 20 Liter an
leihweise. Station angeben.
Simon Löb, Weingutsbesitzer, Edenkoben,
Rheinpfalz." |
Lehrlingssuche der Weinhandlung von Levy Wolff (1891)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
16. März 1891: "Lehrlings-Stelle in einer Weinhandlung
gesucht für meinen Sohn, 15 Jahre alt, Kost, Logis und Aufsicht im Hause
erwünscht.
Offerten erbittet mit Bedingungen Levy Wolff, Edenkoben
(Rheinpfalz)." |
Anzeige aus Gleisweiler (bei Edenkoben berücksichtigen?)
. auffallend: Koschere Küche bei Dr. Schneider (1887)
Anmerkung: aus Wikipedia-Artikel zu Gleisweiler: "1844 wurde in Gleisweiler die erste Kaltwasserheilanstalt Deutschlands eröffnet. Das schlossartige klassizistische Klinikgebäude wurde nach Plänen des königlich-bayerischen Hofbaumeisters Leo von Klenze errichtet. Die Klinik in Gleisweiler war ein Privatunternehmen des Arztes Dr. Ludwig Schneider, der das Haus mehr als dreißig Jahre lang leitete. Eine Besonderheit ist die Walddusche, eine Quelle mit Sturzbach, die für Kuranwendungen genutzt wird. Das
'Cafe im Park' ist ein beliebtes Cafe für Wanderer und Patienten."
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
29. August 1887: "Bad Gleisweiler (Pfalz).
Altbewährte Heilanstalt f
ür Nerven- und Brustkranke, Bleichsüchtige, Blutarme,
Serosulöse, Rheumatiker etc.
Schönster Landaufenthalt für Luftfrischler. Koschere
Küche.
Dr. Schneider, praktischer Arzt."
|
Zur Geschichte der Synagoge
1726 schlossen die jüdischen Familien in Edenkoben
einen Vertrag mit Baruch Isaac, "dass in seinem Hause in der Nähe der
'Pforte' ein Zimmer als Synagoge oder Schule eingerichtet und gebraucht werden
durfte'. 1769 gehörte das Haus mit dem Betsaal dem Aaron Isaac, dem
damaligen Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Zwischen ihm und einigen
Gemeindemitgliedern war es in diesem Jahr zu einem Streit mit einigen
Gemeindemitgliedern gekommen. Der Streit führte dazu, dass Aaron Isaac den
Mietvertrag kündigte und sich die Gemeinde nach einem anderen Gottesdienstraum
umsehen musste.
1780 konnte die Gemeinde für 220 Gulden einen Bauplatz zum Neubau einer
Synagoge im Bereich der heutigen Bahnhofstraße 47-51 erwerben (Seitengasse,
heute 1. Mühlgasse). Im folgenden Jahr wurde die Synagoge eingerichtet. Sie befand sich im oberen Teil einer Scheune des Metzgers Samuel Löb. Der untere
Teil wurde von Samuel Löb als Scheune und Schlachthaus verwendet. 1824 war die Synagoge
nach der Beurteilung eines Maurer und eines Zimmermannes allerdings
einsturzgefährdet, nachdem das Holz verfault war und die beiden Wände durch
eiserne Stangen zusammengehalten werden mussten. Der Königliche Baukondukteur ordnete die Schließung der
Synagoge zum Dezember 1825 an. Inzwischen lagen die Pläne für einen
Synagogenneubau unmittelbar neben der alten Synagoge vor.
Mit dem Bau der neuen Synagoge wurde der Königliche Baukondukteur Marggraf beauftragt.
Erstellt wurde ein Gebäude im klassizistischen Stil. Am 19. September 1827
war die feierliche Einweihung.
Die Edenkobener Gemeinde war sehr reformfreudig. Im Gottesdienst wurden deutsche Gebete
eingeführt. Nachdem bereits früh eine Orgel in der Synagoge eingebaut worden
war, ist diese 1862 durch ein Harmonium ersetzt worden (Preis 330
Gulden). In der Synagoge hatte es
zuletzt 60 Plätze für Männer und 35 oder 46 Plätze für Frauen.
In den Tagen nach dem Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Männer des
Reichsarbeitsdienstes aus dem Lager Edesheim / Hainfeld gestürmt und verwüstet.
Wegen der engen Bebauung konnte das Gebäude nicht angezündet werden. In den
folgenden Tagen wurde das Gebäude durch den Reichsarbeitsdienst abgerissen. Zum Abbruch ließ man eine SA-Musikkapelle, die frühere Stadtkapelle
aufspielen. Die Inneneinrichtung, die Torarollen und andere Kultgegenstände wurden auf dem Marktplatz öffentlich verbrannt.
Das Harmonium hatte man dabei zunächst übersehen - es wurde wenige Tage
später demoliert.
Auf dem Synagogengrundstück blieben nur wenige Mauerreste erhalten. Das
Synagogengrundstück, das nach 1945 zusammen mit des rituellen Bad und
dem Schulhaus zunächst in den Besitz der Jüdischen Kultusgemeinde der Pfalz
gekommen ist, wurde von dieser Anfang der 1960er-Jahre an eine Edenkobener Familie verkauft. Die
ehemalige jüdische Schule wird seitdem als Wohnhaus verwendet. Auf dem
Synagogengrundstück befindet sich heute ein Garten und eine Garage mit
Parkplatz. Die erhaltenen Mauerreste der Synagoge lassen die Ausmaße des
Gebäudes noch erkennen. Über der früheren Mikwe (noch erhalten) wurde ein
Anbau zum Wohnhaus erstellt.
Presseartikel zur Geschichte der Synagoge
Artikel
von Dr. Meinhold Lurz: Edenkobener Reminiszenzen. Die Edenkobener
Synagogen.
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken. |
Adresse/Standort der Synagoge:
Bahnhofstraße 47 (ehemalige Judengasse)
Fotos
(Quelle: Landesamt s. Lit. S. 141-142; O. Weber s.Lit. - Foto der
Schule S. 66; F. Schmidt passim;
Farbfotos von März 2011 von Michael Ohmsen: hoch auflösende Fotos über
die Website
(Fotoseite) von Michael Ohmsen zu Edenkoben)
Innenaufnahme -
Blick zum Toraschrein |
 |
 |
| |
Die Synagoge ist zu
einem
Feiertag festlich geschmückt |
Blick auf den
Toraschrein mit
der Gedenktafel für die Gefallenen
des Ersten Weltkriege |
| |
| |
|
|
| Plan der
Inneneinrichtung von 1844 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Plan der Frauenempore
rechts und
links über dem Toraschrein |
Auf dem Plan ist
die Anordnung der Stühle in der Männersynagoge festgehalten.
Die
Sitzbänke verliefen entlang der Wände (rechts Ausschnittvergrößerungen
zum Lesen der Namen) |
| |
| |
|
|
Das
Synagogengrundstück
in der Bahnhofstraße
im März 2011 |
 |
 |
| |
Erkennbar sind die
Reste der Umfassungsmauern und des Eingangsportals;
der Toraschrein befand sich mittig an der Mauer links. |
| |
|
|
| |
|
|
| Jüdisches Schulhaus - als
Wohnhaus verwendet (2000 / 2011) |
 |
 |
|
Das ehemalige jüdische
Schulhaus
westlich des Synagogengrundstückes |
| |
|
|
| Ehemalige jüdische Häuser |
 |
 |
 |
| |
Das Haus Rhodter
Straße 5 mit hebräisch-deutscher Portalinschrift und Hinweistafel:
"Haus des Scherel Hertz. Ein interessantes Zeugnis für das einst
blühende jüdische Leben in Edenkoben ist die Inschrift des
Torbogen-Schlusssteins. Sie verweist auf den Erbauer Scherel Hertz. Die
hebräisch Inschrift bedeutet: 'Hertz, Sohn des Mosche, Jahr 400-100-9-6
(= 514 jüdischer Zeitrechnung; 1754/55 christlicher Zeitrechnung). Die
1827 errichtete 'neue Synagoge' wurde beim Pogrom im November 1938
verwüstet und anschließend abgerissen. Das 'Israelitische Schulhaus'
(Bahnhofstrasse 47) und Mauerreste des 'Frauen-Ritualbades' (am nahen
Mühlbach blieben erhalten; ebenso der Jüdische Friedhof (innerhalb des
Städt. Friedhofs von 1861) mit Grabsteinen u.a. der Familie Einstein,
Bloch, Frank, Loeb, Wolff und Weidenreich. Auch das Haus Rhodterstraße
Nr. 24 hatte jüdische Erbauer: Den Handelsmann Nestor Dreyfus und seine
Ehefrau Sara." |
| |
|
|
| |
 |
 |
| |
Das Haus Rhodter
Straße 24 mit Hinweis auf den Erbauer:
Handelsmann Nestor Dreyfus und seine Ehefrau Sara. |
| |
|
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Schmidt: Juden in Edenkoben. Spuren ihrer Geschichte.
1770-1942. (Hg. von der Sparkasse Südliche Weinstraße) Landau 1990. |
 | ders.: Die Steine reden. Zeugnisse jüdischen Lebens im
Landkreis Südliche Weinstraße. Rhodt 1989. |
 | Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum
gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts. 1992. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 84 (mit weiteren Literaturangaben). |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 141-143 (mit weiteren Literaturangaben).
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Edenkoben Palatinate. Jews
were continously present in Edenkoben from at least 1660. A synagogue was
erected in 1780-81; a new one was consecrated in 1827; and a Jewish school
operated from 1830 to the Weimar years. The congregation was one of the first to
reveal clear-cut Reform tendencies, introducing German-language prayers and an
organ into the synagogue. The Jewish population reached a peak of 190 in 1847,
declining to 120 (total 5.232) in 1900. In June 1933, about four months after
the Nazi rise to power, the Jewish population numbered 66. With the Nazis
receiving over 50 % of the vote in the 1932 elections, official antisemitism was
enthusiastically augmented by partisan violence against the Jews. As part of the
anti-Jewish boycott, eight Jewish wine merchants were banned from the trade and
business contacts with Jews were severely circumscribed. Twelve Jews left the
town by February 1935. In 1937-39, 20 left for the United States. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the windows of Jewish homes and stores were smashed and
all Jewish men arrested. Subsequently the electricity and water to Jewish homes
were cut off and women and children warned not to leave their houses. On 22
October 1940, 14 of the last 16 Jews in Edenkoben were deported to the Gurs
concentration camp. Some of these were sent afterwards to camps in the east
where they perished.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|