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Westhofen (VG
Westhofen, Kreis Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Hinweis: auch im elsässischen Westhoffen (Westhofen) gab es eine jüdische
Gemeinde. Im nordrhein-westfälischen Westhofen (Stadttteil von Schwerte) gab es
zwar keine Gemeinde, doch lebten auch hier wenige jüdische Einwohner (1924/32
zwei bis drei Personen).
Im rheinhessischen Westhofen bestand eine jüdische
Gemeinde bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des
18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1650 jüdische Einwohner am Ort
genannt. 1708 waren vier jüdische Familien am Ort.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1804 23 jüdische Einwohner, 1808 7 jüdische Haushaltungen, 1824 38
jüdische Einwohner, um 1840 über 50, 1861 46, 1900 12.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(Religionsschule) und ein rituelles Bad. Ein eigener jüdischer Lehrer war
vermutlich zu keiner Zeit am Ort. 1904 wurde ein gemeinsamer Unterrichtsbezirk
mit Hessloch, Monzernheim,
Eppelsheim, Gundersheim und Westhofen
(mit Sitz in Hessloch) gebildet. Der in
Hessloch lebende Lehrer unterrichtete danach auch die jüdischen Kinder in den
anderen Orten. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden vermutlich in Hessloch
oder in Osthofen beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk in
Worms.
Anfang des 20. Jahrhunderts ist die jüdische Gemeinde aufgelöst worden. Die in
Westhofen noch lebenden jüdischen Personen schlossen sich der Gemeinde in Osthofen
an.
1931 lebten noch zehn jüdische Personen am Ort. In
den Jahren nach 1933 sind jüdischen Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Ob direkt aus Westhofen
Personen deportiert wurden, ist nicht bekannt.
Von den in Westhofen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): u.a. Albert Michel (1890),
Ella Michel (1920), Irma Michel (1925).
Eine genaue Übersicht kann auf Grund der Angaben in den beiden Listen nicht
erstellt werden, da es ständig zu Verwechslungen zwischen dem elsässischen Westhoffen
und
dem rheinhessischen Westhofen kommt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhunderts wurden noch keine Beiträge zur jüdischen Geschichte in
Westhofen gefunden. |
Zur Geschichte der Synagoge
1699 wurde von Hirsch Samuel ein Grundstück in der
Seegasse 12 gekauft, auf dem er, versteckt im Hinterhof, 1708/09 auf
eigene Kosten eine Synagoge erbauen ließ. Unter dem Betsaal ließ er auch eine Mikwe
anlegen. Von dieser "alten Synagoge" ist heute noch der
Schlussstein über dem Kellereingang erhalten. Die beiden ersten Zeilen der
dreizeiligen hebräischen Inschrift informieren über das Baujahr (jüdisches
Jahr [5]469 = September 1708 - September 1709). Auch der Name des Bauherrn sowie
der Gebetsvers: "Der Herr erbaue seine Wohnstätte um des Erbarmens
willen" sind festgehalten. Der "Judenhof", in dem die Synagoge
stand, war bis 1888 im Besitz jüdischer Familien.
Eine neue Synagoge wird 1823 erstmals genannt. Sie wurde
vermutlich bis Ende des 19. Jahrhunderts benutzt und dann aufgegeben, weil nicht
mehr ausreichend Beter zum Gottesdienstbesuch erschienen. Nach einer
Beschreibung aus dem 19. Jahrhundert war die Synagoge ein "etwas düster
wirkender, aus Kalksteinen errichteter Bau". "Je zwei Fenster mit
gewölbten, auf einfachen Konsolen aufsitzenden Sandsteinbögen waren
verhältnismäßig hoch an den Längsseiten des Hauses angebracht. Der Eingang,
ähnlich wie die Fenster beschaffen, befand sich an der westlichen Giebelseite
in dem schmalen Reil, der hier das Anwesen begrenzt".
Nachdem die Synagoge in Westhofen geschlossen
wurde, ist sie verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut worden. Durch den Umbau
ist von der früheren Geschichte als jüdisches Bethaus nichts mehr
erkennbar.
Adresse/Standort der Synagoge: alte
Synagoge: Seegasse 12 neue Synagoge: Hobbelsgasse
12
Fotos
(Fotos von Michael Ohmsen, Aufnahmedatum September 2010 -
Fotoseite mit Fotos
in hoher Auflösung zu Westhofen)
Standort der ehemaligen alten
Synagoge
in der Seegasse 12 |
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Gebäude der ehemaligen neuen
Synagoge
in der Hobbelsgasse 12 |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Kein Artikel zu Westhofen bei Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. |
 | Kein Artikel zu Westhofen im Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch). |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 386-387 (mit weiteren Literaturangaben).
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