Worms
(Stadtkreis Worms,
Rheinland-Pfalz)
Judengasse mit Synagoge, Raschi-Haus, Mikwe
November 2011:
Anlässlich des 50. Jahrestages der
Wiedereinweihung der Wormser Synagoge: Festschrift von 1961 wird neu
aufgelegt
Zum 50. Jahrestag der Wiedereinweihung der Wormser Synagoge erscheint im Worms-Verlag ein erweiterter Nachdruck der Festschrift von 1961.
Kernstück sind die damaligen Forschungen zur Synagoge durch Professor Otto Böcher, die ergänzt wurden durch einen Aufsatz von Dr. Gerold Bönnen zur Zeit nach 1961 bis heute, dazu kommt eine aktuelle Bibliografie sowie der Festvortrag von Dr. Anthony D. Kauders, den er bei der Feierstunde am Donnerstag, 1. Dezember, halten wird. Im Anhang finden sich Quellentexte von 1961 und 1934.
Das Buch kann bereits jetzt zum Preis von 24,90 Euro im Worms-Verlag (Telefonnummer 0 62 41 / 20 00-3 14, oder unter
berthold.roeth@kvg-worms.de
) bestellt werden. Erhältlich ist das Buch auch am 1. Dezember Uhr nach der öffentlichen Buchvorstellung in der Synagoge."
.
1. Dezember 2011:
Feier des 50. Jahrestages der Wiedereinweihung
der Wormser Synagoge
Artikel von Ulrike Schäfer in der
"Wormser Zeitung" vom 1. Dezember 2011:
"Früh an Aufbau gedacht: Schon 1946 erste Pläne für Wormser
Synagoge..." Link
zum Artikel.
Interview von Ulrike Schäfer mit Stella Schindler-Siegreich in der
"Wormser Zeitung" vom 1. Dezember 2011:
"Vorsitzende
Stella Schindler Siegreich über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in
Worms..." Link
zum Artikel .
Artikel von Johannes Götzen in der
"Wormser Zeitung" vom 2. Dezember 2011:
"Gedenken und
Mahnen in Worms - Synagoge steht seit 50 Jahren wieder..." Link
zum Artikel.
An dieser Seite wird noch gearbeitet - bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei
Fotos (Fotos - wenn nicht anders angegeben - Hahn, Aufnahmedatum 2.-4.8.2005)
Die Wormser
Synagoge 2009 (Foto: Michael Ohmsen)
(für Anfragen zur
Verwendung der Fotos: E-Mail des
Fotografen, Fotoseite: www.panoramio.com/user/2867083/tags/Judaica)
Bei den eingestellten Fotos handelt es sich um ein hochauflösendes
Foto
(bitte anklicken, Dateigröße ca. 0,7 mb)
Jüdische
Geschichte in Worms
- Fotos von 2005
Die "Judengasse" in
Worms
Straßenschild
"Synagogenplatz"
Synagogenplatz mit Synagoge
(Fahnen zum "Raschi-Jahr" 2005
Eingang zur
(Männer-)Synagoge
Hinweistafel zur Geschichte
des Hauses
Aufnahmen von
Süden / Südwesten mit dem Anbau der "Raschi-Kapelle"
Historische
Inschriften
Im Betsaal der Männer
Blick in den Betsaal der
Frauen
Blick zum Toraschrein (Aron
HaKodesch)
Vorlesepult und Toraschrein
Vorlesepult (Bima)
Gedenktafeln mit den Namen der
in
der Shoa ermordeten Wormser Juden
Gedenklicht für die
Opfer der
Shoa
Raschi-Kapelle
Eingang zur "Raschi-Kapelle"
Der "Raschi-Stuhl"
Das Raschi-Haus
Torarolle und
andere Judaica im Ausstellungsbereich des Raschi-Hauses
Raschi-Statue von
Wolf Spitzer aus Speyer mit Hinweistafel
Die Mikwe
"Geschichtsfenster"
im Dom zur Erinnerung an Pogrome und Judenverfolgungen
Die Levy'sche
Synagoge -
erbaut 1875 in der Judengasse (Karte: Sammlung Hahn,
Foto: Hahn)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 11. Dezember 1843:
"Rabbi Juda Chasid's Mauer zu Worms. (Eine jüdische Sage von
A. Trendlau).
*) Nach Maase Nissim No. 8. - Mit einiger Veränderung auch Schalsch.
Hakk. S. 42. - Der Rabbi starb 1217 zu Regensburg. - Aus einer noch
ungedruckten zweiten Sammlung jüdischer Sagen und Legenden.
Hin zur Frauen-Synagoge, Die zu Worms am Rhein,
Führt ein Gässchen, ihr zur Linken, Dunkel schmal und klein.
Hier verweilt dein Führer, deutet Auf die Mauer dran,
'Rabbi Juda Chasid's Mauer!' Sagt der alte Mann.
Eine Blende ist es aber, Was dein Aug' erblickt,
Wie von einem Menschenkörper, Rückwärts
eingedrückt.
Und befragt dein Blick den Alten, Was dies heißen soll?
So beginn er, aufwärtsschauend, Leis' und wehmutsvoll:
'Dies ist auch noch so ein Denkmal, Aus der düstern Zeit,
Wo zum Bösen und der Gegner Allzeit war bereit.'
'Aber auch ein herrlich Zeichen Von der Macht des Herrn!
Unsrer Zeit, acht, ohne Glauben, Bleibt das Wunder fern-'
-
'Auf
dem Weg zur Synagoge Ging einst hier ein Weib,
Die den besten Gottessegen Barg im Mutterleib.'
'Plötzlich kommt ein Mensch gefahren, Lenkt ins Gässchen ein;
Nein ein Mensch nicht, nur ein Dämon Kann's gewesen
sein.'
'Wütend treibt er seine Pferde Auf das Weib hinan,
Wo im Nu ein Doppelleben Er zerdrücken kann.'
'Totenblass drängt sich die Arme An den kalten Stein;
Schließt, abwehrend, ihre Hoffnung Mit den Händen
ein.'
'Schon ist ihr der Wüt'rich nahe, Hört sie seinen Spott;
Und empfiehlt in Todesängsten Leib und Seele Gott.'
'Sieh, da weicht zurück die Mauer, Gibt ihr gnädig Schutz,
Und der Stein erbarmt sich ihrer Menschenwut zum Trutz.'
'Und vorüber rollt's verderben Rühret sie nicht an;
Denn sie barg im Mutterschoße Einen großen Mann.'
'Wohl war Rabbi Juda Chasid Solchen Wunders wert,
Und die Mauer trägt den Namen, Den die Welt verehrt.'"
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 12. April 1847: "Worms, 18 März (1847). Der Prediger
A. Adler hat veranstaltet, dass von Ostern ab Sonntag Nachmittag ein
deutscher Gottesdienst stattfinde."
Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter"
vom 9. September 1845:
"Die Toten von Worms.
In der alten Synagoge glänzt der Kerzen heller Schein,
Wirft sein Licht, das glanzerfüllte, auf der Beter ernste Reih'n;
Weiß die Farbe der Versöhnung, weiß die Farbe des Gewandes,
Also schwingt sich ihre Seele in das Reich des Gotteslandes.
Tiefe Stille, leises Schluchzen bietet der Versöhnungstag.
Und in manch verstocktem Herzen wird die bittre Reue wach;
Nicht bloß von der Kerzen Scheine sieht man jedes Aug' entflammt,
Nein! die Nähe ist's des Gottes, der versöhnet und
verdammt!
Und es tönt im Liede also: Herr, du mögest dich erbarmen,
Mögest rette deine Kinder mit der Adlers Fittichsarmen,
Mögest froh und frei vermehren deines Volkes heil'gen Samen,
Und so sprechet darauf Alle ein vernehmbar lautes: Amen!
Amen, tönt's - doch welch ein Summen, welch ein wunderlich
Gebrause,
Wogt und wallet auf und nieder in dem alten Gotteshause,
Keiner regt sich, und verhüllet sich die Häupter mit den Fäden,
Die von unserem Gottesbunde, Stumm und doch so deutlich reden.
Immer enger wird's den Betern, immer wächset das Gedränge,
Und es staunet Jeder zagend ob des Gotteshauses Enge,
Und es tönt im Liede weiter: Herr vom Leben und vom Sterben,
Lass am Tage des Gerichts uns der Väter Tugend erben!
Blick herab mit deiner Gnade auf das Herz, das schuldbefleckte,
Das von eitlem Wahn befangen, sich mit Schmach der Sünd'
bedeckte.
Allerbarmer! Allerhalter! lass für unsre schweren Sünden,
Uns, dein Volk, das lang geliebte, endlich doch Versöhnung
finden.
Da noch einmal tönt es Amen! - aber welch ein Donnerrufen.
Gleich dem Lied der Engelsscharen an des Gottesthrones Stufen.
Gleich dem schweren Ruf an jene, die das Urgesetz gebrochen,
Also ward das Amen, Amen, von der Menge jetzt
gesprochen.
Sieh! es fallen hier die Hüllen - und ein Schädel taucht empor,
Hier ein andrer - und es klappert der Gerippe grauser Chor!
Ja! aus ihren Gräbern stiegen sie, die lange schon verweset,
Deren Geist seit langen Zeiten schon vom Fleische ward erlöset.
Allen graust es, doch der Rabbi, er der fromme Knecht des Herrn,
Bleibet ruhig - seiner Seele ist die Furcht vor Geistern fern,
Und er ruft mit lauter Stimme: 'Seid ihr von dem Herrn entboten?'
'Ja wir sind es', tönet dumpf es in dem weiten Reich der Toten.
'Nun so geht in Gottes Namen'! - Welch Geschwirre, welche Gebrause.
Bald ist wieder luft'ge Weite in dem alten Gotteshause,
Denn der Abgeschiedenen Körper sind zur selben Zeit verschwunden
Und sie haben ihre Ruhe in des Grabes Schoß gefunden.
Also hat es sich begeben einst zu Worms, dem alten, freien.
Also haben sich vereinet die zwei feindlichen Parteien.
Tote haben mit Lebend'gen dort gefleht zum Himmelsheere.
Aus dem Grabe drang ein Rufen: 'Gebet Gott allein die
Ehre!'.
Zacharias."
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 15. August 1853: "Worms, im Juli (1853). Es hat sich hier
ein Komitee zur Renovierung jüdischer Altertümer gebildet und hat zu
diesem Behufe einen Aufruf an die jüdischen Gemeinden Deutschlands und
der angrenzenden Länder erlassen. Das Komitee besteht aus den Herren: J.
Bamberger, Rabbiner und Vorsitzender, Dr. Heichelheim,
Stellvertreter; S. Raß, Kontrolleur; N. Frank, Sekretär
und aus den beisitzenden Mitgliedern Dr. Lewysohn, Prediger; M.
Cahn; M. Mannheimer und M. Edinger. - Der Aufruf ist
begleitet von einer Zuschrift an die resp. Vorsänge und einem offenen
Briefe der hiesigen beiden Geistlichen an die Herren Rabbiner und Prediger
der resp. Gemeinden. Es mag dem Korrespondenten gestattet sein auch hier
einige Worte über den angeregten Zweck zu äußern.
Worms ist die älteste Gemeinde in Deutschland; die in verschiedenen
Monographien der hiesigen Stadt niedergelegten historischen Data setzen
die Existenz der hiesigen Gemeinde in das vorschriftliche Zeitalter und
ist hierorts auch ein Leuchenstein im Stadthause eingemauert, dessen
Aufsicht ein Alter von 16 Hundert Jahren bekundet. Außer den Gräbern
vieler Märtyrer und Heroen der jüdischen Literatur, von welchen im
gedachten Aufruf Einige namentlich erwähnt sind, sind die
Raschi-Monumente besonders berühmt. Es existiert noch die Kapelle und der
in derselben eingemauerte Stuhl, welcher jener allbekannte und berühmte
Gelehrte eingenommen; auch ist noch das Haus (Klause) vorhanden, in
welchem die Jeschiba, deren Lehrer Raschi war, gewesen ist. Alle diese und
ähnliche zahlreiche Monumente haben dem nagenden Zahn der Zeit nicht
widerstehen können; es sollen daher dieselben auf eine einfache, aber
würdige Weise wieder hergestellt werden. Worms ist für die Besucher der
herrlichen Rheinlande wegen seiner historischen Erinnerungen ein
mächtiger Anziehungspunkt, und jeder Wissbegierige durchreist nicht Worms
ohne die ehrwürdige Synagoge und die angrenzenden Altertümer zu
besuchen; es vergeht keine Woche, wo nciht Geistliche und Laien
verschiedener Konfession dieselben angelegentlich betrachten und
bewundern: es ist daher eine moralische Verpflichtung des Judentums
Einiges für die Erhaltung der gedachten Altertümer zu tun. Wir rechnen
umso mehr auf die Teilnahme unserer deutschen Glaubensbrüder, da uns
schon von außerhalb der deutschen Grenze mannigfache Teilnahme und Ermunterung
zugekommen sind. Wir fügen dieser Mitteilung noch hinzu, dass ein
Gedenkbuch in der Raschikapelle niedergelegt wird, in welches die Namen
sämtlicher Gebet - ohne Unterschiede des Betrages - eingezeichnet werden
und dass alljährlich ein öffentlicher Gottesdienst zum Andenken an die
Geber abgehalten werden soll. Soll das
Judentum anderen Konfessionen nicht nachstehen, die zur Erhaltung ihrer
Altertümer das Möglichste tun, so ist der Wunsch gewiss gerechtfertigt,
dass ein Jeder mit Wort und Tat den löblichen Zweck
unterstützt!
Der betreffende 'Aufruf' lautet folgendermaßen.
Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass kein Volk der Erde das Andenken
an seine Verstorbenen mehr ehrt, als Israel. So wie der sterbende Israelit
schon Gegenstand der frömmsten Aufmerksamkeit und von Freundeshand in die
Ewigkeit geleitet wird, so bleibt sein Andenken den Seinen auf ewige
Zeiten heilig und wird, durch Handlungen der Pietät fortgepflanzt,
gleichsam der schützende Genius der Familie.
Männer aber, welche die Väter, d.h. die geistigen Erzieher für ganz
Israel waren, verdienen diese Pietät im höchsten Grade. Alle Völker
ehren ihre großen Männer durch Monumente, sie glauben, und mit vollem
Rechte, sich selbst damit zu ehren.
Wenn wir nun auch nach dem Ausspreche des jerusalemischen Talmuds ...
prunkende Monumente nicht setzen sollen, so ist es aber doch gewiss im
höchsten Grade Pflicht und Schuldigkeit, schon bestehende Denkmäler dem
Verfall zu entreißen, und was die Vergangenheit uns an solchen
überlieferte, der Nachwelt zu erhalten.
Worms, die älteste israelitische Gemeinde in Deutschland, birgt eine
große Menge solcher Denkmäler der Vorzeit. So steht noch heute die
Synagoge von Raschi (die Klause) und dessen Lehrhaus (Raschi-Stuhl).
Auf dem Friedhof befindet sich eine große Zahl von Leichensteinen
berühmter Männer, welche hier gelebt und gelehrt haben, und teilweise
als Märtyrer für den Glauben gestorben sind, unter denen die von ... Maharam
von Rothenburg, Eliahu Baal Schem (Elia ben Moses Lonas), Maharil (Jakob
ben Moses halevi) und noch zahlreiche Große... Rothschild, genannt Mendel
Aschkenasi sind, welche ewig ehrwürdige Denkmäler unstreitbar dem
Verfalle anheim gegeben sind, wenn dem nicht, wenn dem nicht in aller
Kürze begegnet wird.
Wir erlauben uns daher, uns mit einem Aufrufe an ganz Israel zu wenden und
alle Gemeinden und Individuen aufzufordern, zur Erhaltung derselben
beizutragen.
Unsere Gemeinde würde sich dieser Pflicht allein unterziehen; aber
einerseits machen es ihr, schwere, auf ihr noch heute ruhende, aus der
Vorzeit herrührende Lasten unmöglich, die dadurch entstehenden
bedeutenden Kosten allein zu bestreiten, andererseits sind jene
leuchtenden Lehrer und ihr Andenken Gemeingut von ganz Israel, und wir
sind es der Gesamtheit schuldig, Keinen, nah oder entfernt, reich oder arm
- der Beitrag sei groß oder klein - von der Beteiligung an dem alle
ehrenden Werke auszuschließen.
Es sollen also durch diese Beiträge jene Grabmäler auf dem hiesigen
Friedhofe hergerichtet und Raschi's Lehrstuhl und Synagoge
renoviert werden.
Da diese Synagoge sich in einem alten, ebenfalls mit Verfalle drohenden
Gebäude befindet, und dieses nur unter der ausdrücklichen Bedingung
überlassen worden ist, dass die Synagoge von Raschi darin
erhalten, das Gebäude selbst aber einem frommen, wohltätigen Zwecke
geweiht bleibe, so soll das Letztere zugleich würdig hergestellt werden;
der etwaige Überschuss der freiwilligen Beiträge aber soll zu einem der
Idee und der Verehrung von Raschi entsprechenden Zwecke allgemeiner
Wohltätigkeit oder Verbreitung jüdischer Gelehrsamkeit verwendet
werden.
Die näheren Bestimmungen hierüber sollen hiernächst nach einer Beratung
mit einem Ausschusse der auswärtigen Förderer dieser Angelegenheit
getroffen werden. Die Namen aller Geber werden in ein zu dem Ende
hinterlegtes Gedenkbuch eingetragen, und alljährlich soll in Raschis
Synagoge zum Andenken an die Geber ein feierlicher Gottesdienst abgehalten
werden.
Überzeugt, dass mit diesem frommen Unternehmen dem Wunsche aller unserer Glaubensgenossen
begegnet wird, haben die Unterzeichneten keinen Anstand genommen, sich zu
einem Komitee zu bilden, das bereit ist, die eingehenden Beiträge entgegen
zu nehmen, und seinerzeit pünktliche Rechnung über deren Verwendung
abzulegen.
Möge an dem zu verewigenden Andenken jener großen Männer der Glaube und
die Zuversicht Israels erstarken und jene Verheißung sch verwirklichen.
-
'Wer Mildtätigkeit zu üben und stets Liebe zu erreichen strebt, der
findet Leben, Glück und Ehre.' Worms, im Juli
1853."
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 20. August 1855: "Worms, im Juli (1855). Zur
Renovation der hiesigen Altertümer ging an Beiträger ferner ein: Von
Herrn R. N. in Cammin 65 Thaler (wovon 64 Thlr. 5 Sgr. für die
Grabsteine und 25 Sgr. für die übrigen Altertümer bestimmt sind), und
von Herrn Dr. Beer in Dresden 3 Thlr. Hierzu laut Nr. 23 dieses
Blattes 2118 Fl. 55 Kr., zusammen 68 Thlr. und 2119 Fl. 55 Kr.; Summa 2237
Fl. 55 Kr. - Der erste Spatenstich zur Renovation der Raschi-Kapelle
geschah am 12. dieses Monats und hoffen wir, dass dieselbe bis 25. - es
möge uns zum Guten gereichen - renoviert sein wird; wir werden
alsdann nicht verabsäumen, eine detaillierte Rechnung in diesen Blättern
zu geben.
Das Komitee zur Renovation der hiesigen Altertümer."
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober
1855: "Worms, im September (1855). ... Kurz vor
Vollendung der Raschikapelle, der man in spätestens drei Wochen
entgegensieht, erhielt das Komitee noch fünf Pfd. Sterling aus
London..."
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 23. Januar 1861: "Worms. Dem alten Gottesdienste
unserer hiesigen Gemeinde droht der Sturm der Reform.
Unsere Gebete, die, geschöpft aus der Fülle des göttlichen Wortes,
gegründet auf die Lehren unserer Weisen, und fast in ganz Israel
angenommen und heilig gehalten, sollen nun nach neuester Facon teil
abgeändert, teils ausgelassen und Neues wieder hinzugefügt werden, und
zwar nach dem Muster der Mannheimer, Frankfurter, Breslauer und Koblenzer
Synagogen.
Die ewigen Wahrheiten des Judentums, in Verbindung mit den eigenen Worten
der heiligen Schrift in edler Einfalt und kraftvoller Kürze vortragend,
begründeten und beförderten diese Gebete, die Einigkeit des Glaubens,
und waren das schöne, engverknüpfende Band aller jüdischen
Gemeinden.
Über jeden Wechsel der Zeit erhaben, sind diese herrlichen Gebete auch
jetzt noch eben so erbauend, als sie es unsern frommen Vorfahren
waren.
Dessen ungeachtet will die Willkür an diese ehrwürdigen Denkmäler der Vergangenheit
Hand anlegen, um dem Zeitgeiste ein Opfer zu bringen. -
Die Orthodoxie in unserer Gemeinde wird diesem Streben entgegenzutreten
wissen.
Die Synagoge soll und muss in ihrer Lehre und Anordnung, die Gemeinschaft
des jüdischen Glaubens auf das Feststehende und Ewige des Judentums
gründen; es soll durch die Gleichförmigkeit desselben, nicht
allein eine gemeinschaftliche Überzeugung, sondern auch eine heitere
Seelenruhe und fromme Zuversicht in den entsprechenden Gedanken
erzeugt werden, dass es dieselben Lobpreisungen, Danksagungen, Bitten und
Fürbitten sind, welche unsere Vorfahren seit Jahrhunderten, ja seit
Jahrtausenden beteten, und die nach uns unsere Kinder - so Gott will -
beten werden.
Von diesen Ansichten geleitet, sind viele Gemeindemitglieder fest
entschlossen, sobald man es wagen sollte, eine Reform der Gebete zu
bewerkstelligen, die Synagoge zu verlassen und einen Separat-Gottesdienst
zu gründen.
(Also auch an die Wormser Synagoge, dieses altehrwürdige Denkmal
jüdischen Geistes, will die sogenannte Reform ihre frevelnde Hand legen,
nicht achtend des ehrwürdigen und gelehrten greisen Rabbiners, nicht
achtend des Andenkens all jener Geistesheroen, die in dieser Synagoge
gelehrt haben! Red.).
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 28. Juli 1863: "Worms, im Juli (1863). Vor
einiger Zeit sah unsere Synagoge, die ihres Alters wegen sehr oft von
Fremden und weiter Ferne besucht wird, einen sehr hohen Gast in ihren
ehrwürdigen Mauern. Seine Königliche Hoheit, unser gnädiger
Großherzog, höchst dessen Besuch früher angekündigt war, erschien in
Begleitung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig, Schwiegersohn
der Königin Victoria von England, und mehrerer anderer Personen, die sich
dem Gefolge anschlossen, in unserer Synagoge, und geruhten daselbst, sowie
in der damit verbundenen Raschi-Kapelle, einige Zeit zu verweilen. Der
Großherzog wurde, an dem vor der Synagoge befindlichen Platz angelangt,
von den dort harrenden Vorstandsmitgliedern ehrfurchtsvoll empfangen und
in den inneren Vorhof geleitet, wo mehrere Personen versammelt waren, und
die Konfirmandinnen, weiß gekleidet, Spalier bildend, sich aufgestellt
hatten. Am Eingange der Synagoge standen die Geistlichen und geleiteten
den Landesherrn in den inneren Raum des Gotteshauses, wo sie den üblichen
Segen sprachen. Einen tiefen Eindruck machen die wenigen, aber
gehaltvollen Worte der Begrüßung, welche unser verehrter Geistliche,
Herr Dr. Rosenfeld, an Seine Königliche Hoheit richtete und in welchen er
in sinniger und edler Weise den Gefühlen der Achtung und Verehrung der
israelitischen Gemeinde gegen ihren hochherzigen Landesherrn einen
würdigen Ausdruck verlieh. Seine Königliche Hoheit unterhielt sich dann
in huldvoller Weise mit den Geistlichen, erbat sich Auskunft über manche Gegenstände,
zeichnete höchst Ihren Namen in das in der Rasch-Kapelle befindliche
Fremdenbuch und äußerte beim Weggehen dem Vorstande höchst Ihren Dank
und Wunsch für das fernere Gedeihen der hiesigen israelitischen Gemeinde;
geruhte auch, vom Vorstande eine angemessene Summe zum Synagogenbau
überreichen zu lassen. Solche Wohlwollensbezeugungen, welche so sehr die erfreulicheren
Lichtpunkte der Zeit darstellen, sind sicherlich nicht zu unterschätzende
Momente im Entwicklungsgange des israelitischen Lebens, und hat dieses Ereignis
auch nicht verfehlt, in der hiesigen Gemeinde eine freudige Sensation zu
erregen, umso mehr, das seit Menschengedenken keines Regenten Fuß unsere
an Alter so hervorragende Synagoge je betrat.
Was die Restauration unserer Synagoge betrifft, so ist das Bedürfnis
hierzu nicht allein längst anerkannt, sondern es sind auch von Seiten des
Vorstandes umfassende Maßregeln hierzu getroffen, und was die Hauptsache
ist, die betreffenden Gelder bereits bewilligt worden. Jedoch sind in
letzter Zeit Schwierigkeiten eingetreten, die für den Augenblick den
Beginn des Baues verzögern. Hoffen wir jedoch, dass es dem strebsamen
Vorstande bald gelingen werde, die Schwierigkeiten zu beseitigen und den
beabsichtigten Anbau zu beschleunigen, mit dem ja auch die zweckmäßige
Umgestaltung des Gottesdienstes so eng verknüpft ist."
Der proponierte Umbau der Synagoge zu Worms (Teil I, 1863)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 19. August 1863:
Über den "proponierten Umbau der Synagoge zu Worms" (Teil II, 1863)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 9. September 1863:
Artikel
in der Zeitschrift "Ost und West" vom Oktober
1901:
Abbildung in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 19. Dezember 1901 mit Untertext: "Innere Ansicht der Synagoge
zu Worms. Aus dem soeben in zweiter unveränderter Auflage
erschienenen Werkchen 'Aus Vergangenheit und Gegenwart der Israelitischen
Gemeinde Worms.' Von Samson Rothschild, Lehrer an der Stadtschule zu Worms
am Rhein."
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 4. Dezember 1924: "Worms am Rhein, 23. November (1934). Am
vergangenen Sonntag wurde in Anwesenheit des Vorstandes der jüdischen
Gemeinde, der Beamten und der Vorstände sämtlicher jüdischer Vereine
ein 'Jüdisches Museum' eröffnet. -
Zur Erinnerung an die vor 300 Jahren von David Oppenheim erbaute Raschikapelle
fand am gestrigen Sabbate eine gottesdienstliche Feier statt. Aus diesem
Anlasse ist auch bei Christian Herbst hier eine Schrift 'Raschi'
von S. Rothschild erschienen, die ein Lebensbild des großen Mannes
gibt und mit 5 Bildern geziert ist (Preis 1,50 Mark)."
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 24. Mai 1934: "Worms. Am Sonntag, den 3. Juni (1934) kann
die alte Synagoge von Worms auf ihr 900-jähriges Bestehen zurückblicken.
Aus diesem Anlass findet in der Synagoge eine gottesdienstliche Feier im
engen Kreise der Gemeindemitglieder statt. Wir werden auf das Jubiläum
noch zurückkommen."
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung"
vom 1. Juni 1934:
"900-Jahrfeier der Wormser Synagoge. Am 3. Juni 1934 findet in
Worms aus Anlass des 900-jährigen Bestehens der Synagoge ein
Weihe-Gottesdienst statt. Die Synagoge, eine Stiftung des kinderlosen
Ehepaares Jakob und Rahel, ist im Jahre 1034 vollendet worden. Sie
spiegelt in ihrem Bau die wechselnden Schicksale der Wormser Gemeinde
wider und bildet ein steinernes Dokument für die Verbundenheit der
deutschen Juden mit deutschem Boden und deutschem Schicksal. Die Feier
findet nur im Kreise der Gemeindemitglieder statt unter Teilnahme des
Vorsitzenden der Reichsvertretung der deutschen Juden und einiger
Vertreter jüdischer Korporationen. Der Weihe-Gottesdienst wird aus einer
von musikalischen Vorträgen umrahmten Festpredigt bestehen. Aus Anlass
dieses denkwürdigen Tages ist eine vom Gemeindevorstand veranlasste
Gedenkschrift erschienen, die sich mit der Geschichte der Gemeinde und der
Synagoge Worms befasst und an der namhafte jüdische Historiker
Deutschlands mitgearbeitet haben.
Im Geleitwort weist der Vorstand der Wormser Religionsgemeinde darauf hin,
dass die Wormser Synagoge die einzige in Deutschland und wohl auch in
Europa ist, die vom hohen Mittelalter - die Synagoge wurde 1034 vollendet
- bis zur Gegenwart ihrer Bestimmung dient. Als Zeugnis für den
ungebrochenen Lebenswillen der jüdischen Religionsgemeinschaft und für
den Gottesdienst, der in ihr lebt und wirkt, rage sie aus alter Zeit in
die Gegenwart hinein. Einst eine 'Mutter in Israel' so heißt es in dem
Geleitworte, hat unsere Gemeinde in ihrer langen und ereignisreichen
Geschichte große und glückliche Tage gesehen, aber mehr noch schwere,
schmerzvolle Zeiten heroischen Leidens und bekenntnistreuen Martyriums.
Diese große Vergangenheit legt ihr Pflichten auch für die Zukunft auf.
Der unterzeichnete Vorstand glaubt, eine dieser Pflichten dadurch
erfüllen zu können, dass er trotz der großen Sorgen und Nöten, die
über das deutsche Judentum gekommen sind, das Jahr des 900-jährigen
Bestehens der Synagoge durch Herausgabe einer Denkschrift ehrt und
auszeichnet.
Das Heft, das durch einen Vorspruch von Rabbiner Dr. Leo Baeck über die
Bedeutung des Gotteshauses als Künder bleibender Heimat eingeleitet wird,
enthält eine von zahlreichen Illustrationen begleitete Beschreibung der
Synagoge aus dem Werke von Richard Krautheimer über 'Mittelalterliche
Synagogen', einen Aufsatz des Nürnberger Rabbiners Dr. Max Freudenthal
über die Eigenart der Wormser Gemeinde, die unter Ablehnung
französischer und östlicher Einflüsse frühzeitig einen eigenen
deutschen Rituals ausbildete; Rabbiner Dr. Max Dienemann schreibt über
'Die Geschichte der Einzelgemeinde'; die Rechtsstellung der Wormser Juden
im Mittelalter behandelt Dr. Guido Kisch, der Kölner Rabbiner Dr. Adolf
Kober hat einen Aufsatz 'Die deutschen Kaiser und die deutschen Juden'
beigesteuert. Prof. Ismar Ellbogen schildert Wirken und Bedeutung von drei
hervorragenden Persönlichkeiten aus den ersten Jahrzehnten der Wormser
Synagoge, des Rabbi Meier Ben Isaak, des Rabbiners Isaak Halevi, einer der
Lehrer Raschis, und Elieser Ben Isaak, der den Beinamen der Große
führte. Über den 'Wormser Reichsrabbiner Anselm' schreibt
Oberbibliothekar Dr. Moritz Stern, der Wormser Rabbiner Dr. Isaak Holzer
schildert nach dem Minhagbuch des Juspa Schammes Sitten und Gebräuche in
der alten Wormser Judengemeinde. Schließlich enthält das Buch
historische Beiträge von I. Kiefer, Rabbiner Dr. S. Levi, B. Rosenthal
und Rabbiner Dr. Paul Lazarus." "
Hinweis: der nachfolgende Artikel aus der
konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" enthält eine
scharfe Kritik, da auch "in schwerer Zeit" zu dieser Feier Orgel
und Damenchöre (beides wird von orthodoxer Seite abgelehnt) laut geworden
sind.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 7. Juni 1934: "Die 900-Jahrfeier in Worms.
Worms, 5. Juni (1934). Aus Anlass des 900-jährigen Bestehens der
Synagoge zu Worms wurde am letzten Sonntag, 11 Uhr, eine 'Weihestunde' in
der Synagoge abgehalten. Obwohl sie als Feier im internen Kreise der
Synagogenmitglieder gedacht war, waren doch viele Gäste, besonders
Rabbiner aus der hessischen, bayrischen und badischen Umgegend erschienen.
Von der Reichsvertretung in Berlin war Rabbiner Dr. Leo Baeck
anwesend. Die Feier begann mit einem Orgelpräludium und schloss
wiederum mit Orgelklängen und Damenchören in der Schul'
von Raschi und im Andenken an diesen Großen und seine Zeit!
Zwischen Orgelklängen und Damenchorgesängen wurden die Reden und
Ansprachen gehalten, und es klang nicht gerade harmonisch, dass der
Wormser Gemeinderabbiner, Dr. Holzer, seiner Festpredigt den Ruf an
Moses zugrunde legte: 'Streife deine Schule von Deinen Füßen ab, denn
der Platz, auf dem Du stehst, ist heiliger Boden.' Das Bewusstsein,
hier wirklich auf heiligem Geschichtsboden zu stehen, hätte die
Herren, so sollte man glauben, wenigstens an diesem Tage heiligen Gedenken
veranlassen sollen, dieses heilige Gedenken nicht durch fremde, die
äußerste religionswidrige Assimilation verkündenden Klänge zu
trüben.
Eindrucksvoll war die Rede von Rabbiner Dr. Baeck, Berlin, in der
er betonte, dass Adel, von dem diese Stätte zeuge, kein Äußerliches,
sondern immer ein Geistiges sei. Es sprachen noch die Herren Kommerzienrat
Mayer, Mainz, Rabbiner Dr. Freudenthal, Nürnberg, Dr.
Nathan Stein, Karlsruhe für den Badischen Oberrat und Sanitätsrat
Dr. Nickelsburg Worms, der den Rednern und auswärtigen Vertretern
dankte. Von den starken Impulsen, die aus solcher Gedenkfeier in schwerer
Zeit hätten ausgehen können, erfuhr man nicht die Spur. Es war eine Stunde
guter Musik und schönen Reden, weiter nichts. Neun Jahrhunderte
Worms sprechen auf die deutsche Judenheit ein, und sie wird sich diese
Sprache anders zu deuten haben, als dies in der Wormser Synagoge am
Sonntag geschehen ist."
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung"
vom 15. Juni 1934:
Artikel in der Zeitschrift "Aufbau"
vom 22. Juni 1945: "Worms' jüdische Heiligtümer gerettet!
Eine Nachricht, die alle jüdischen Herzen beglücken wird, kommt aus Worms.
Die uralte, mittelalterliche Stadt am Rhein, Jahrhunderte hindurch als
'Klein-Jerusalem' bekannt, weil in ihren Mauern en Raschi studierte
und lehrte, der größte aller jüdischen Bibel-Kommentatoren, und seine
Synagoge die älteste auf dem europäischen Kontinent war, hat die meisten
ihrer unschätzbaren jüdischen Heiligtümer und Reliquien retten
können.
Die alliierte Militärregierung hatte in ihrem Katalog der seltenen und
kostbaren Gegenstände die jüdische Museumssammlung in Worms bereits als
verloren oder zerstört aufgeführt. Als jedoch Major M.A. Braude aus
Chicago, jüdischer Feldkaplan der 7. amerikanischen Armee, die
historische Stadt am Rhein betrat, ging er sofort auf die Suche nach der
Raschi-Synagoge und der Sammlung des jüdischen Museums. Er ermittelte den
Kurator des städtischen Museums und erfuhr, dass dieser schon Jahre zuvor
verschiedene jüdische Kostbarkeiten vor den Nazis zu retten vermocht
hatte. Der Kurator zeigte Major Braude das Versteck im Museumsgarten. Dort
stand der weltberühmte Raschi-Stuhl unversehrt. Und unbeschädigt
fanden sich auch die Portale der Männer-Synagoge aus dem 12.
Jahrhundert.
Dann führte der Kurator den Major nach dem Rathaus durch mehrere dunkle,
unterirdische Keller und Gänge und brachte ihn nach dem Versteck, wo er
den unschätzbaren Machsor aus dem Jahre 1272 verborgen hatte. Er
war, bis auf ein paar Wurmlöcher im Pergament, in ausgezeichneter
Verfassung. Im gleichen Versteck lagen die kaiserlichen Patente und
Privilegien aus dem 15. und 16. Jahrhundert, ebenfalls in bemerkenswert
gutem Zustande. 'Der Wormser Kurator hat Großes getan, indem er die
Hauptstücke der Sammlung verbarg und rettete', erklärte Major Braude.
'Diese Reliquien sind jetzt nach Paris geschickt worden und werden dort an
sicherer Stelle aufbewahrt, bis eine endgültige Entscheidung darüber
getroffen ist, wohin sie für ihre künftige Erhaltung gebracht werden
sollen.'
Major Brande begab sich dann zur Raschi-Synagoge zurück, wo man mehrere Fuß
tief unter Trümmern vergraben, Kisten mit Torarollen, Torakronen und die
im Gefängnis von Rabbi Meir aus Rothenburg geschriebene Tora fand.
Man hofft, durch weitere Ausgrabungen, die bereits im Gange sind, noch
andere wertvolle Funde zu machen.
Die Fundamente der 1213 erbauten Frauensynagoge stehen noch, und die 'Mikvah',
das 1186 erbaute rituelle Frauenbad, ist intakt geblieben, wenn auch noch
durch Trümmer zugedeckt. Die Gräber und Grabsteine von Rabbi Meir aus
Rothenburg ('Maharam') und anderen mittelalterlichen jüdischen Gelehrten
haben den Nazismus überdauert. Leider aber ist die Sammlung von 600
Torabändern, auf denen die Namen und Geburtsdaten von Generationen
Wormser Juden eingestickt waren, verloren gegangen, wahrscheinlich durch
Zerstörung."
Januar 2009:
Aktuelles aus der Arbeit
des Raschi-Hauses
Artikel vom 27. Januar 2009 in der "Wormser Zeitung" von Susanne
Müller (Artikel): Begehrliche Blicke aufs Haus zur Sonne - Jüdisches Museum im Raschi-Haus kämpft mit Platzmangel / Neue Serie startet
Worms blickt auf eine lange Geschichte zurück, die in den Museen der Stadt erschlossen werden kann. Wie steht es mit den Kultureinrichtungen? Wie ziehen sie Bilanz, welche Wünsche und Projekte haben sie für die Zukunft? Heute ist das Jüdische Museum im Raschi-Haus im Fokus..."
Mai 2010:
In Worms werden zum fünften Mal
"Stolpersteine" verlegt
Pressemitteilung der Pressestelle der Stadt
Worms vom 26. April 2010: "Stolperstein für Herta Mansbacher - Veranstaltung von Warmaisa
Eigentlich ist es erstaunlich, dass bereits zum fünften Mal Stolpersteine in Worms verlegt werden und Herta Mansbacher noch nie dabei war, vielleicht, weil schon die Anlage am ehemaligen Juxplatz nach ihr benannt wurde und auch ihre ehemalige Schule, die Westendschule, durch eine Tafel am Haupteingang an sie erinnert. Doch am Montag, den 3. Mai, ist es soweit..."
Juni 2010:
Besuch des in Worms geborenen Walter Gusdorf in
seiner Heimatstadt
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 11. Juni
2010 (Artikel):
"Lebhafte Erinnerungen.
- WORMS. RUNDGANG Holocaust-Überlebender Walter Gusdorf besucht Worms mit seinen Angehörigen.
Was bewegt einen Mann wie Walter Gusdorf, wenn er mit seinen Söhnen und seinem Enkel in die alte Heimat kommt, und was zeigt er ihnen? Walter Gusdorf ist nicht irgendwer, er ist einer der wenigen Wormser Juden, die den Holocaust überlebt haben..."
April
2011: In Worms sind nun 77
"Stolpersteine" verlegt
Artikel von Gernot Kirch im "Nibelungen-Kurier" vom April 2011 (Artikel):
"Stolpersteine wider das Vergessen des NS-Terrors
Insgesamt 77 sogenannter Stolpersteine erinnern mittlerweile in Worms an die Vertreibung und Vernichtung von Juden durch die Nationalsozialisten
Es war die sechste Verlegung von Stolpersteinen in Worms durch den Verein Warmaisa. Damit ist die Zahl der mit einer Messingplatte versehenen Stolpersteine seit Donnerstag von 65 auf 77 angewachsen..."
Juni
2011:Ermittlungen zu dem Anschlag auf
die Synagoge im Mai 2010 werden eingestellt
Pressemitteilung
vom 16. Juni 2011: "Mainz/Worms. Ermittlungen nach Synagogen-Anschlägen eingestellt
Die Brandanschläge auf die Synagogen in Mainz und Worms bleiben wohl ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft Mainz hat die Ermittlungen in beiden Fällen eingestellt. Man habe keinen Täter ermitteln können, teilte die Behörde am Donnerstag
mit.
Im Hintergrund die von dem Brandanschlag in Mitleidenschaft gezogene Wormser SynagogeIn Worms war im Mai 2010 mit einem Brandbeschleuniger an mehreren Stellen des jüdischen Gotteshauses Feuer gelegt worden. Der Brand konnte schnell gelöscht werden, der Schaden hielt sich in Grenzen."
Film bei youtube.com über das Raschi-Haus in Worms:
Gang durch das jüdische Worms
Video-Film: "Der Juden Jerusalem am Rhein" - Sendung
von zdf-neo in drei Teilen - eingestellt bei YouTube (zusammen
ca. 45 Minuten)