Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Erbes-Büdesheim lebten bereits im 16. und 17. Jahrhundert
jüdische
Personen. 1701 werden zwei Familien mit zusammen 15 Personen genant, 1733 sind
es drei Familien. In der Folgezeit blieb die Zahl der jüdischen Einwohner
gering: 1824 23, 1830 23, 1905 23 jüdische Einwohner. 1836 lebten zwei der drei
Familien in sehr armseligen Verhältnissen.
Die Gemeinde gehörte zum
Rabbinatsbezirk Alzey. Bis Mitte des 19.
Jahrhunderts gehörten die Erbes-Büdesheimer Juden offiziell zur
Synagogengemeinde Flonheim. Dann bildeten
sie zusammen mit den Juden in Wendelsheim
eine selbständige Gemeinde.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (Betraum),
eine Religionsschule und einen Friedhof.
Auch in Wendelsheim bestand für die dort lebenden jüdischen Familien ein Friedhof.
Mitte der 1920er-Jahre bildeten den
Synagogenvorstand Ottmar Strauß, H. Hirschbrandt und aus Wendelsheim Fritz
Schestowitz. Damals lebten in Erbes-Büdesheim noch 13, in Wendelsheim noch neun
jüdische Personen.
Von den 1933 noch am Ort lebenden acht jüdischen Einwohner sind bis
1939 alle vom Ort verzogen oder ausgewandert.
Von den in Erbes-Büdesheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Baum geb. Strauss (1891), Otto Hirschbrandt
(1889), Rosa Kauffmann geb. Mayer (1863), Sophie Kaufmann geb. Levies (1867), Edith Levy (1929),
Elisabeth (Else) Levy geb. Strauss
(1897), Jacob Levy (1900), Käthe Levy (1936), Kurt Levy (1931), Auguste Strauss (1896), Emilie
Strauss (1868), Johannette Strauss geb. Hochschild (1871), Richard Strauss (1888), Ruth Käthe Strauss
(1924), Bertha Weil geb. Weinmann (1854).
Von den in Wendelsheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bella Baumgarten geb.
Schestowitz (1892), Salomon Berger (1873), Paula Schestowitz
(1893).
Berichte aus
der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde wurden in jüdischen
Periodika des 19./20. Jahrhunderts noch nicht gefunden.
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge (Betsaal) wird 1790
erstmals genannt. Nach einem Bericht von 1849 war "ein Zimmer als Synagoge
eingerichtet" (im ersten Stock des Hauses Niedergasse 1). Regelmäßig
kamen damals aus Nieder-Wiesen jüdische Männer, damit die Zehnzahl der Männer
zum Gebet erreicht war. Das Gebäude gehörte damals einer Familie Strauß
und ging später in den Besitz des Schwiegersohnes Levy über. Über die
Inneneinrichtung erfährt man 1849 mehr. Es waren im Betsaal vorhanden: "10
Bänke, 1 'Altar' mit Decke, 5 Vorhänge, 2 Zehngebote, Kleidung derselben, 1
silberne Hand und 1 Posaunenhorn"*. Das Gebäude mit dem Betsaal
wurde 1939 von Elisabeth Levy verkauft und wird bis zum heutigen Tag als
Wohnhaus verwendet.
*'Altar' meint den Toraschrank, die 'Vorhänge' die
Parochot (Toravorhänge) vor den Torarollen, Zehngebote sind die Torarollen,
'Kleidung derselben' sind die Toramäntel, 'silberne Hand' ist die kleine Hand
(Jad, Lesestab) zum Lesen der Torarollen, Posaunenhorn meint das Widderhorn
(Schofar), das an den Hohen Feiertagen geblasen wurde.
Adresse/Standort der Synagoge: Niedergasse 1
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 3.8.2005)

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Erbes-Buedesheim
Hesse. Numbering only 39 (4,7 % of the total) in 1880, the community had its own
synagogue and burial ground. Only eight Jews remained; practically all left by
1939.

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