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"Synagogen im Kreis Limburg-Weilburg"
Bad Camberg (Kreis
Limburg-Weilburg)
mit Steinfischbach (Gemeinde Waldems, Rheingau-Taunus-Kreis),
Eisenbach (Gemeinde Selters, Kreis Limburg-Weilburg) und Walsdorf (Stadt
Idstein, Rheingau-Taunus-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Camberg bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17.
Jahrhunderts zurück. Bereits im 15./16. Jahrhundert gibt es einzelne
Nennungen jüdischer Einwohner. Im 30-jährigen Krieg litten die Juden der Stadt
in derselben Weise unter den Folgen des Krieges wie die Christen. Drei
Schwestern eines Camberger Juden seien damals an Hunger gestorben; er selbst habe
die Zeit nur knapp überlebt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
konnten mehrere jüdische Familien zuziehen: 1726 gab es 10 jüdische
Familien in der Stadt, 1731 7, 1770 10, 1780 5 Familien. 1792 wurden
26 jüdische Personen in vier Familien (einschließlich 2 Witwen)
gezählt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1822 46 jüdische Einwohner, 1842 82, 1871 102 (4,9 % von insgesamt
2.073 Einwohnern), 1880 115 (4,9 % von 2.357), 1885 108 (4,6 % von 2.373), 1895
86 (3,6 % von 2.386), 1905 92 (3,7 % von 2.511). Die jüdischen Familien lebten
vor allem vom Handel mit Pferden, landwirtschaftlichen Produkten (Fruchthandel),
Spezerei- und Ellenwaren u.a.m. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es
mehrere Handlungen beziehungsweise Läden in der Stadt, die jüdischen Familien
gehörten.
Zur jüdischen Gemeinde Camberg gehörten auch die in Eisenbach, Steinfischbach
(nach Auflösung der dortigen Gemeinde 1907) und Walsdorf lebenden jüdischen Personen. In diesen Orten entwickelte sich die Zahl der
jüdischen Einwohner wie folgt: Eisenbach: 1843 20, 1905 6, 1924 19 jüdische Einwohner;
Steinfischbach: 1843 27, 1905 17 (damals zu Soden), 1924 2 jüdische
Einwohner, Walsdorf: 1843 11 jüdische Einwohner.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt,
der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1879 hatte die Gemeinde 30
schulpflichtige Kinder, 1900 noch 14. Langjähriger Lehrer der Gemeinde war um
1900 Ferdinand Heymann. Nach seiner Pensionierung wurde er 1911 ausgezeichnet (s.u.).
Die Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk Wiesbaden.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Sanitäts-Gefreiter
Alfred Oppenheimer (geb. 12.6.1893 in Camberg, gef. 25.9.1915). Außerdem ist
gefallen: Heinrich Stern (geb. 8.11.1894 in Camberg, vor 1914 in Creglingen
wohnhaft, gef. 25.12.1918).
Um 1924, als zur Gemeinde 72 Personen gehörten (in etwa 15 Familien,
2,9 % von insgesamt
2.519 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Moritz May, M.
Lewenberg und Hermann Oppenheimer. Als Lehrer und Kantor war noch Lehrer a.D.
Ferdinand Heymann tätig; der Religionsunterricht wurde durch Lehrer Hirsch
Frank aus Idstein erteilt. Damals hatte die jüdische Gemeinde fünf schulpflichtige
jüdische Kinder (1932 weder sieben Kinder). An jüdischen Vereinen
bestanden der Armen- und Wohltätigkeitsverein (1924 ca. 20 Mitglieder,
1932 Vorsitzender Alfred Landau) und der Verein für jüdische Geschichte und
Literatur (Literaturverein; ca. 20 Mitglieder unter Leitung von Moritz
Landau). 1932 wurden 57 Gemeindeglieder gezählt. Damals gehörten zum
Gemeindevorstand Alfred Landau (1. Vors.), Hermann May (2. Vors.) und David
Liebmann (3. Vors.).
1933 lebten noch 63 jüdische Personen in Camberg. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom
1938 wurde durch SS-Leute die Synagoge eingerissen (s.u.). Danach wurden die Privat-
und Geschäftshäuser der Familien Liebmann, Hermann May, Blumenthal, Adolf Kahn
und Goldschmidt überfallen, geplündert und demoliert. Es kam zu Tätlichkeiten
gegenüber den Bewohnern. Das Ehepaar May flüchtete in der Verzweiflung auf den jüdischen
Friedhof und harrte dort aus. 1939 wurden nur noch 19 jüdische
Personen in der Stadt gezählt. Die letzten jüdischen Einwohner waren im Juni
1942 die Eheleute David und Johanna Liebmann. Sie mussten in diesem Monat Camberg
verlassen und wurden zwangsweise nach Frankfurt umgesiedelt, von wo sie einige
Wochen später deportiert wurden.
Von den in Camberg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Seligmann Siegfried
Bachenheimer (1871), Jettchen Blumenthal geb. Nachmann (1856), Emma Brasch geb.
May (1867), Gustav Eschenheimer (1865), Jeanette Eschenheimer
geb. Goldschmidt (1865), Irma Fleischer geb. May (1894), Rachel Herzko (1941),
Johanna Hesdörffer geb. Joseph (1887), Johanetta (Jaquette) Heumann geb. Landau (1860),
Louis Heymann (1879), Otto
Heyum (1902), Therese Heyum geb. Kaiser (1906), Emilie Hirschberg geb. Rosenberg
(1860), Adolf Kahn (1884), Dora Kahn
geb. Mainzer (1885), Heinrich Kaiser (1875), Henriette (Jettchen) Landau (1867),
Karl Landau (1858), Frida Lehmann geb. Landau (1862), Daniel Levi (1870), David Liebmann
(1879), Johanna Liebmann geb. Oppenheimer (1879), Ernst Löwenberg (1899), Moritz
Löwenberg (1879), Hermann Löwenthal (1867), Irma Löwenthal (1908), Regina Löwenthal
geb. Heyum (1873), Henriette Lucas (1862), Albert May (1883), Emma May
(1874), Siegmund May (1879), Recha Oppenheimer (1882), Ellen Piller
geb. Schwarz (1908), Herta Rosenthal geb. Landau (1888), Ida Rosenthal geb.
Aumann (1890), Klara Rubens geb. Würzburger (1888), Flora Schild geb. Aumann (1883), Lucie Sichel geb. Oppenheimer (1890),
Hermann Steinberg (), Sally Würzburger (1879).
Von den in Steinfischbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Adolf Kahn (1884),
Jettchen Neumann (1869), Henri Nussbaum (1903), Ida Rothgießer geb. Kahn
(1881).
Von den in Eisenbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Albert Aumann (1903),
Klotilde Aumann (1899), Rosalie Aumann geb. Marx (1861), Selma Aumann (1898),
Sigmund Aumann (1895), Mathilde Mannheimer geb. Aumann (1901), Hildegard Stein
geb. Cohn (1896), Berta Strauss geb. Aumann (1897).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
(1924)
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 6. März 1924:
"Wir suchen sofort oder eventuell später einen
Religionslehrer und Kantor.
Seminaristisch gebildete Herren mit guten Stimme wollen sich unter
Beifügung von Zeugnisabschriften und Angabe ihrer Gehaltsansprüche an
den Unterzeichneten werden.
Camberg (Taunus). Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde.
Moritz May". |
Über Lehrer Josua Thalheimer (Bericht von 1905; um 1870 Lehrer in
Camberg)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai 1905:
"Falkenstein im Taunus.
Am 1. Mai schied der hiesige israelitische Lehrer Thalheimer aus seiner
beinahe 35 Jahre innegehabten Stellung, um in den Ruhestand zu treten.
Seine Amtstätigkeit begann er 1855 in Hochheim
am Main, wirkte in Schierstein,
Lorsbach und Camberg, um dann anfangs der 70er-Jahre zunächst nach
Königstein und 1875 nach Falkenstein
überzusiedeln". |
| Anmerkung: unklar ist die Nennung von
Lorsbach, da es dort zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde gab,
vermutlich auch zu keiner Zeit mehrere jüdische Familien gelebt
haben. |
Auszeichnung des pensionierten Religionslehrers Ferdinand Heymann (1911)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juli 1911:
"Camberg, Hessen-Nassau, 19. Juni (1911). Dem pensionierten
Religionslehrer der hiesigen jüdischen Kultusgemeinde, Ferdinand Heymann,
wurde der Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern
verliehen." |
Lehrer Reichenberg wird neuer Lehrer der Gemeinde Alsheim
(1912)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. März 1912:
"Alsheim (Rheinhessen). Herr Reichenberg -
Camberg wurde zum Lehrer
unserer Gemeinde gewählt." |
Hinweis auf den Anfang der 1920er-Jahre kurze Zeit in
Camberg tätigen Lehrer und Kantor
Siegmund Friedemann (1902-1984)
Über
den Lebenslauf von Kantor Siegmund Friedemann informiert ein
französischer Artikel von Joë Friedemann in judaisme.sdv.fr: Link
zu diesem Artikel (auch als
pdf-Datei eingestellt)
Siegmund Friedemann ist am 3. April 1902 in Altstadt-Hachenburg geboren.
Er ließ sich am "Bildungsseminar für Jüdische Lehrer" in
Hannover ausbilden. Nach abgeschlossenem Studium war er in Camberg
tätig, anschließend in Wallau. 1926
trat er Stelle des Lehrers und Kantors in Merzig
an. Hier heiratete er Herta geb. Kahn. Seit 1930 war er in Saarbrücken
tätig. Im Oktober 1936 trat er in den Dienst der Gemeinde von Saverne
(Zabern). Nach dem deutschen Einmarsch folgten Jahre, die durch
Internierung, Flucht und ständige Bedrohung geprägt waren. Seit 1946
wieder im Dienst von Gemeinden im Bereich Elsass-Lothringen: Sarrebourg,
Belfort und Sarreguemines. |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Vortrag im "Verein für jüdische Geschichte und
Literatur" (1908)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Februar
1908: "Camberg. Im hiesigen 'Verein für jüdische Geschichte und
Literatur', der voriges Jahr von Herrn Lehrer O. Schwarz gegründet wurde,
sprach letzten Sonntag vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft Herr
Leopold Perlmutter aus Frankfurt am Main über 'Moses Mendelssohn'." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1908: "Camberg,
23. Februar (1908). Im hiesigen 'Verein für jüdische Geschichte und
Literatur' sprach letzten Sonntag vor einer sehr zahlreichen
Zuhörerschaft Herr Leopold Perlmutter aus Frankfurt am Main über 'Moses Mendelssohn'.
Von einem allgemeinen Überblicke auf die damaligen Zeitverhältnisse
ausgehend, schilderte der Redner den Weltweisen und bot ein eingehends und
übersichtliches Bild von dem Leben Mendelssohns und seinem Wirken als
Philosophen, indem er seine hauptsächlichsten Werke anführte und
besprach. Größeren Raum nahm die Darstellung der Tätigkeit Mendelssohns
für die Juden ein, die der Redner in drei Teile zerlegte: 1. in
Gegenwartsarbeit, die in dem Eintreten Mendelssohns für die bedrängte
Lage einzelner jüdischer Gemeinden gestand, 2. in apologetischen Schriften,
in denen er die Vorurteile, die selbst gebildete Christen gegen die Juden
hatten, zu widerlegen wusste, 3. in der Bibelübersetzung. Reicher Beifall
lohnte den Redner für die mit ehrlicher Begeisterung und hinreißendem
Schwunge vorgetragenen Ausführungen." |
Vortrag des "Reichsbundes jüdischer
Frontsoldaten" (1933)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und
Umgebung" vom 10. Februar 1933: '"Reichsbund Jüdischer
Frontsoldaten (R.J.F.) im Taunus. In der Synagoge Camberg sprach
Kamerad Lilienthal Sonntag Abend in gedrängten Ausführungen über die
Lage des deutschen Judentums. Er wies auf die ernsten Möglichkeiten hin,
vor denen wir stehen, z.B. öffentliche und private Benachteiligung auf
den Gebieten der Kunst und Wissenschaft, Erziehung, Wirtschaft, politische
Geltung. Gegenmittel: Gegenseitig Hilfe, möglichste Behauptung unserer
bisherigen Positionen mit Hilfe derer, die uns nicht hassen, sondern für
das Recht zu streiten bereit sind, auch wenn es das Recht des jüdischen
Bürgers gilt; absolute Ehrlichkeit im Handel und Wandel; Schaffung von
Darlehnskassen, Genossenschaftsbanken, Unterstützung jüdischer
Kreditbedürftiger, endlich der Glaube an unsere gute Sache. - Kamerad
Moritz Landau, der die erschienene Gemeinde sowie den Redner begrüßt
hatte, dankte dem letzteren für seine Ausführungen und dem RJF, der mit
der Orientierung der Landgemeinden in dankenswerter Schnelligkeit wieder
eingesetzt habe." |
Gemeindebeschreibung aus dem Jahr 1937 (!)
Artikel
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom
Juni 1937 S. 21: "Camberg. 2.600 Einwohner. Altes schönes Städtchen
im fruchtbaren 'goldenen' oder 'Camberger Grund'. Erscheint 1157 als Dorf
Kamberch, erhält 1281 von Rudolf von Habsburg Stadtrechte, gehört
nacheinander Dillenburg, Eppstein, Katzenellenboden, Kurtrier; meist zweien
zugleich. 1806 kommt es an Nassau, 1866 an Preußen. - Eine Stadt der
Gegensätze: 1663 hat Camberg schon eine Apotheke, also früher als z.B.
Wiesbaden, und zur gleichen Zeit ist es eine Hochburg der Hexenprozesse.
Mehr als ein Dutzend 'Hexen' und 'Zauberer' werde allein im 17.
Jahrhundert hier verbrannt oder aufs Rad geflochten. - Heute ist Camberg
modernes und von Jahr zu Jahr besser besuchtes Diät- und Kneippbad.
Juden saßen spätestens in der Zeit des 30jährigen Krieges hier. Es wird
berichtet, dass einem Camberger Juden 3 Schwestern gegen Ende des Krieges
Hungers gestorben seien, und er selbst sei demselben Schicksal nahe
gewesen. 1790 bei etwa 1130 Einwohnern 27 Juden. Deren gutes Verhältnis
zur Bevölkerung ist dadurch bezeigt, dass 1825 in einer 25.000
Gulden-Stiftung des katholischen Regierungsrats Lieber ausdrücklich
bestimmt wird, auch unverschuldet arme Judenfamilien seien vom Genuss der
Stiftung nicht ausgeschlossen. 1879 hat die Gemeinde 101 Seelen, darunter
- welch märchenhafter Reichtum - 30 schulpflichtige Kinder gegenüber 389
katholischen und 8 protestantischen Kindern. 1900 sind unter 86 jüdischen
Seelen noch 14 Schulkinder; 1924 sind es noch 15, 1937 etwa 6 Familien.
Die Synagoge klein, aber würdig, aus der 2. Hälfte des vorigen
Jahrhunderts. - Camberg besitzt einen recht sehenswerten Marktplatz mit
schönen Fachwerkhäusern, alte Festungstürme und -Tore, einzelne schön
geschnitzte Giebel (Amtshof!). - Von Camberg mit der Bahn über das schon
besprochene Idstein nach dem jungen Luftkurort Niedernhausen. Sehr
schöner Aufstieg zum Feldberg und prächtige Wanderung über den
Kellerskopf nach Wiesbaden. - ..." |
Anzeigen jüdischer
Gewerbebetriebe
Anzeige des Manufaktur-, Herren- und
Damen-Konfektionsgeschäfts Jacob Stern
(1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1891: "Suche
per sofort für mein Manufaktur-, Herren- und Damen-Konfektions-Geschäft,
welches Sonn- und Feiertage geschlossen ist, einen Lehrling gegen
entsprechende Vergütung. Jacob Stern, Camberg, Bezirk
Wiesbaden." |
Suche einer Lehrlingsstelle (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1901:
"Einjährig-Freiwilliger, 17 Jahre alt, sucht Lehrlingsstelle
in einem Export-Geschäft. Freie Station erwünscht. Offerten beliebe man
an L.O. postlagernd Camberg, Regierungsbezirk Wiesbaden, zu
richten." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge (Judenschule) wird seit 1770 genannt. Vermutlich
handelte es sich um einen Betraum in einem der jüdischen Häuser oder bereits
um ein selbständiges Gebäude.
1838 wurde eine eine Synagoge in einem ehemaligen Brauhaus eingebaut, das im
Jahr zuvor von der jüdischen Gemeinde gekauft werden konnte. Die Synagoge hatte
41 Männer- und 24 Frauenplätze.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch
SS-Leute geschändet und eingerissen. Auf eine Niederbrennung wurde mit
Rücksicht auf die angrenzenden Häuser, die nichtjüdischen Familien gehörten,
verzichtet.
Am 8. November 1991 wurde auf Initiative des Vereins Historisches Camberg
an der Stelle der ehemaligen Synagoge eine bronzene Gedenktafel
angebracht. Sie trägt die Inschrift: "Und haben bis zum Grunde alle
Stätten deines Namens entweiht. Psalm 74,7b. Auf der Hoffläche dieses Anwesens
stand die Camberger Synagoge. In der Pogromnacht am 09. November 1938 wurde die
Synagoge geschändet. Zu diesem Zeitpunkt lebten 69 jüdische Mitbürger in
unserer Stadt. Einige konnten noch rechtzeitig auswandern, andere wurden in
Konzentrationslagern ermordet. Das Schicksal von vielen ist ungewiss. 1945, am
Ende der Naziherrschaft, lebten keine jüdischen Mitbürger mehr in Camberg.
Möge diese Tafel mahnen, zu allen Zeiten und unter allen Bedingungen für das
Recht und die Würde aller Menschen einzustehen."
Adresse/Standort der Synagoge: Schmiedegasse 4
Fotos
(Quelle: Arnsberg Bilder S. 32)
| Historische Aufnahmen |
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Das Synagogengebäude
vor 1938 |
Die Zerstörung des Gebäudes
beim Novemberpogrom 1938 |
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Synagogengrundstück und
Gedenktafel
im März 2009
(Fotos: Inge Densch) |
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Synagogengrundstück
(links) und Gedenktafel (Text siehe oben). |
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Synagogengrundstück,
Gedenk-
und Hinweistafel im August 2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 21.8.2009) |
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Das
Synagogengrundstück; am Haus rechts (Schmiedgasse 2) die Gedenktafel. |
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Rechts Gedenktafel
(Text siehe oben), links Hinweistafel am Haus Schmiedgasse 2:
"Das
Haus ist im Jahre 1700 erbaut und erhält später an der linken Seite
einen Anbau...
Eine Gedenktafel erinnert an die 1938 zerstörte Synagoge
der jüdischen Kultusgemeinde,
die sich an das Gebäude
anschloss." |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 108-109. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 32. |
 | Caspar Hofmann: Die Juden in Camberg im 19. und 20.
Jahrhundert. 1981. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 127-128. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 554-555. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Camberg (now
Bad Camberg) Hesse-Nassau. The Jewish community, established in the 18th
century, opened a new synagogue (1837) and numbered 115 (5 % of the total) in
1880. Jews participated in the town's social life and were eledcted to the town
council. By 1925 the community (excluding members in Eisenbach and
Steinfischbach) had declined to 82. On Kristallnacht (9-10 November
1938), a mob vandalized and then demolished the synagogue. Of the 63 Jews living
there in 1933, 34 emigrated and four committed suicide; at least 17 perished in
the Holocaust.

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