Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Camberg (Kreis Limburg-Weilburg) 
mit Steinfischbach (Gemeinde Waldems, Rheingau-Taunus-Kreis), 
Eisenbach (Gemeinde Selters, Kreis Limburg-Weilburg) und Walsdorf (Stadt Idstein, Rheingau-Taunus-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Camberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Bereits im 15./16. Jahrhundert gibt es einzelne Nennungen jüdischer Einwohner. Im 30-jährigen Krieg litten die Juden der Stadt in derselben Weise unter den Folgen des Krieges wie die Christen. Drei Schwestern eines Camberger Juden seien damals an Hunger gestorben; er selbst habe die Zeit nur knapp überlebt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts konnten mehrere jüdische Familien zuziehen: 1726 gab es 10 jüdische Familien in der Stadt, 1731 7, 1770 10, 1780 5 Familien. 1792 wurden 26 jüdische Personen in vier Familien (einschließlich 2 Witwen) gezählt.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1822 46 jüdische Einwohner, 1842 82, 1871 102 (4,9 % von insgesamt 2.073 Einwohnern), 1880 115 (4,9 % von 2.357), 1885 108 (4,6 % von 2.373), 1895 86 (3,6 % von 2.386), 1905 92 (3,7 % von 2.511). Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Handel mit Pferden, landwirtschaftlichen Produkten (Fruchthandel), Spezerei- und Ellenwaren u.a.m. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere Handlungen beziehungsweise Läden in der Stadt, die jüdischen Familien gehörten.
 
Zur jüdischen Gemeinde Camberg gehörten auch die in Eisenbach, Steinfischbach (nach Auflösung der dortigen Gemeinde 1907) und Walsdorf lebenden jüdischen Personen. In diesen Orten entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: Eisenbach: 1843 20, 1905 6, 1924 19 jüdische Einwohner; Steinfischbach: 1843 27, 1905 17 (damals zu Soden), 1924 2 jüdische Einwohner, Walsdorf: 1843 11 jüdische Einwohner. 
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1879 hatte die Gemeinde 30 schulpflichtige Kinder, 1900 noch 14. Langjähriger Lehrer der Gemeinde war um 1900 Ferdinand Heymann. Nach seiner Pensionierung wurde er 1911 ausgezeichnet (s.u.). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Wiesbaden. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Sanitäts-Gefreiter Alfred Oppenheimer (geb. 12.6.1893 in Camberg, gef. 25.9.1915). Außerdem ist gefallen: Heinrich Stern (geb. 8.11.1894 in Camberg, vor 1914 in Creglingen wohnhaft, gef. 25.12.1918).      
   
Um 1924, als zur Gemeinde 72 Personen gehörten (in etwa 15 Familien, 2,9 % von insgesamt 2.519 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Moritz May, M. Lewenberg und Hermann Oppenheimer. Als Lehrer und Kantor war noch Lehrer a.D. Ferdinand Heymann tätig; der Religionsunterricht wurde durch Lehrer Hirsch Frank aus Idstein erteilt. Damals hatte die jüdische Gemeinde fünf schulpflichtige jüdische Kinder (1932 weder sieben Kinder). An jüdischen Vereinen bestanden der Armen- und Wohltätigkeitsverein (1924 ca. 20 Mitglieder, 1932 Vorsitzender Alfred Landau) und der Verein für jüdische Geschichte und Literatur (Literaturverein; ca. 20 Mitglieder unter Leitung von Moritz Landau). 1932 wurden 57 Gemeindeglieder gezählt. Damals gehörten zum Gemeindevorstand Alfred Landau (1. Vors.), Hermann May (2. Vors.) und David Liebmann (3. Vors.). 
    
1933 lebten noch 63 jüdische Personen in Camberg. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde durch SS-Leute die Synagoge eingerissen (s.u.). Danach wurden die Privat- und Geschäftshäuser der Familien Liebmann, Hermann May, Blumenthal, Adolf Kahn und Goldschmidt überfallen, geplündert und demoliert. Es kam zu Tätlichkeiten gegenüber den Bewohnern. Das Ehepaar May flüchtete in der Verzweiflung auf den jüdischen Friedhof und harrte dort aus. 1939 wurden nur noch 19 jüdische Personen in der Stadt gezählt. Die letzten jüdischen Einwohner waren im Juni 1942 die Eheleute David und Johanna Liebmann. Sie mussten in diesem Monat Camberg verlassen und wurden zwangsweise nach Frankfurt umgesiedelt, von wo sie einige Wochen später deportiert wurden.   
      
Von den in Camberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Seligmann Siegfried Bachenheimer (1871), Jettchen Blumenthal geb. Nachmann (1856), Emma Brasch geb. May (1867), Gustav Eschenheimer (1865), Jeanette Eschenheimer geb. Goldschmidt (1865), Irma Fleischer geb. May (1894), Rachel Herzko (1941), Johanna Hesdörffer geb. Joseph (1887), Johanetta (Jaquette) Heumann geb. Landau (1860), Louis Heymann (1879), Otto Heyum (1902), Therese Heyum geb. Kaiser (1906), Emilie Hirschberg geb. Rosenberg (1860), Adolf Kahn (1884), Dora Kahn geb. Mainzer (1885), Heinrich Kaiser (1875), Henriette (Jettchen) Landau (1867), Karl Landau (1858), Frida Lehmann geb. Landau (1862), Daniel Levi (1870), David Liebmann (1879), Johanna Liebmann geb. Oppenheimer (1879), Ernst Löwenberg (1899), Moritz Löwenberg (1879), Hermann Löwenthal (1867), Irma Löwenthal (1908), Regina Löwenthal geb. Heyum (1873), Henriette Lucas (1862), Albert May (1883), Emma May (1874), Siegmund May (1879), Recha Oppenheimer (1882), Ellen Piller geb. Schwarz (1908), Herta Rosenthal geb. Landau (1888), Ida Rosenthal geb. Aumann (1890), Klara Rubens geb. Würzburger (1888), Flora Schild geb. Aumann (1883), Lucie Sichel geb. Oppenheimer (1890), Hermann Steinberg (), Sally Würzburger (1879).  
     
Von den in Steinfischbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Adolf Kahn (1884), Jettchen Neumann (1869), Henri Nussbaum (1903), Ida Rothgießer geb. Kahn (1881).   
   
Von den in Eisenbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Albert Aumann (1903), Klotilde Aumann (1899), Rosalie Aumann geb. Marx (1861), Selma Aumann (1898), Sigmund Aumann (1895), Mathilde Mannheimer geb. Aumann (1901), Hildegard Stein geb. Cohn (1896), Berta Strauss geb. Aumann (1897).    
   
  
  

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet (1924)    

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 6. März 1924: 
"Wir suchen sofort oder eventuell später einen 
Religionslehrer und Kantor

Seminaristisch gebildete Herren mit guten Stimme wollen sich unter Beifügung von Zeugnisabschriften und Angabe ihrer Gehaltsansprüche an den Unterzeichneten werden. 
Camberg
(Taunus). Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde. Moritz May".   

     
Über Lehrer Josua Thalheimer (Bericht von 1905; um 1870 Lehrer in Camberg)        

Falkenstein FrfIsrFambl 12051905.jpg (33365 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai 1905: "Falkenstein im Taunus. Am 1. Mai schied der hiesige israelitische Lehrer Thalheimer aus seiner beinahe 35 Jahre innegehabten Stellung, um in den Ruhestand zu treten. Seine Amtstätigkeit begann er 1855 in Hochheim am Main, wirkte in Schierstein, Lorsbach und Camberg, um dann anfangs der 70er-Jahre zunächst nach Königstein und 1875 nach Falkenstein überzusiedeln". 
Anmerkung: unklar ist die Nennung von Lorsbach, da es dort zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde gab, vermutlich auch zu keiner Zeit mehrere jüdische Familien gelebt haben. 

        
Auszeichnung des pensionierten Religionslehrers Ferdinand Heymann (1911)  

Camberg Israelit 27071911.jpg (24805 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juli 1911: "Camberg, Hessen-Nassau, 19. Juni (1911). Dem pensionierten Religionslehrer der hiesigen jüdischen Kultusgemeinde, Ferdinand Heymann, wurde der Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern verliehen."

   
Lehrer Reichenberg wird neuer Lehrer der Gemeinde Alsheim (1912)  

Alsheim FrfIsrFambl 08031912.jpg (11473 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. März 1912: "Alsheim (Rheinhessen). Herr Reichenberg - Camberg wurde zum Lehrer unserer Gemeinde gewählt."

     
Hinweis auf den Anfang der 1920er-Jahre kurze Zeit in Camberg tätigen Lehrer und Kantor Siegmund Friedemann (1902-1984)
  

Hachenburg SFriedemann 010.jpg (19890 Byte)Über den Lebenslauf von Kantor Siegmund Friedemann informiert ein französischer Artikel von Joë Friedemann in judaisme.sdv.fr: Link zu diesem Artikel (auch als pdf-Datei eingestellt    
Siegmund Friedemann ist am 3. April 1902 in Altstadt-Hachenburg geboren. Er ließ sich am "Bildungsseminar für Jüdische Lehrer" in Hannover ausbilden. Nach abgeschlossenem Studium war er in Camberg tätig, anschließend in Wallau. 1926 trat er Stelle des Lehrers und Kantors in Merzig an. Hier heiratete er Herta geb. Kahn. Seit 1930 war er in Saarbrücken tätig. Im Oktober 1936 trat er in den Dienst der Gemeinde von Saverne (Zabern). Nach dem deutschen Einmarsch folgten Jahre, die durch Internierung, Flucht und ständige Bedrohung geprägt waren. Seit 1946 wieder im Dienst von Gemeinden im Bereich Elsass-Lothringen: Sarrebourg, Belfort und Sarreguemines.        



  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Vortrag im "Verein für jüdische Geschichte und Literatur" (1908)  

Camberg FrfIsrFambl 28021908.jpg (37665 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Februar 1908: "Camberg. Im hiesigen 'Verein für jüdische Geschichte und Literatur', der voriges Jahr von Herrn Lehrer O. Schwarz gegründet wurde, sprach letzten Sonntag vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft Herr Leopold Perlmutter aus Frankfurt am Main über 'Moses Mendelssohn'."  
   
Camberg Israelit 19031908.jpg (97167 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1908: "Camberg, 23. Februar (1908). Im hiesigen 'Verein für jüdische Geschichte und Literatur' sprach letzten Sonntag vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft Herr Leopold Perlmutter aus Frankfurt am Main über 'Moses Mendelssohn'. Von einem allgemeinen Überblicke auf die damaligen Zeitverhältnisse ausgehend, schilderte der Redner den Weltweisen und bot ein eingehends und übersichtliches Bild von dem Leben Mendelssohns und seinem Wirken als Philosophen, indem er seine hauptsächlichsten Werke anführte und besprach. Größeren Raum nahm die Darstellung der Tätigkeit Mendelssohns für die Juden ein, die der Redner in drei Teile zerlegte: 1. in Gegenwartsarbeit, die in dem Eintreten Mendelssohns für die bedrängte Lage einzelner jüdischer Gemeinden gestand, 2. in apologetischen Schriften, in denen er die Vorurteile, die selbst gebildete Christen gegen die Juden hatten, zu widerlegen wusste, 3. in der Bibelübersetzung. Reicher Beifall lohnte den Redner für die mit ehrlicher Begeisterung und hinreißendem Schwunge vorgetragenen Ausführungen."  

  
Vortrag des "Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" (1933)         

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und Umgebung" vom 10. Februar 1933: '"Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten (R.J.F.) im Taunus. In der Synagoge Camberg sprach Kamerad Lilienthal Sonntag Abend in gedrängten Ausführungen über die Lage des deutschen Judentums. Er wies auf die ernsten Möglichkeiten hin, vor denen wir stehen, z.B. öffentliche und private Benachteiligung auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft, Erziehung, Wirtschaft, politische Geltung. Gegenmittel: Gegenseitig Hilfe, möglichste Behauptung unserer bisherigen Positionen mit Hilfe derer, die uns nicht hassen, sondern für das Recht zu streiten bereit sind, auch wenn es das Recht des jüdischen Bürgers gilt; absolute Ehrlichkeit im Handel und Wandel; Schaffung von Darlehnskassen, Genossenschaftsbanken, Unterstützung jüdischer Kreditbedürftiger, endlich der Glaube an unsere gute Sache. - Kamerad Moritz Landau, der die erschienene Gemeinde sowie den Redner begrüßt hatte, dankte dem letzteren für seine Ausführungen und dem RJF, der mit der Orientierung der Landgemeinden in dankenswerter Schnelligkeit wieder eingesetzt habe."                 

  
Gemeindebeschreibung aus dem Jahr 1937 (!)  

Camberg GblIsrGF Juni 1937 21.jpg (162579 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juni 1937 S. 21: "Camberg. 2.600 Einwohner. Altes schönes Städtchen im fruchtbaren 'goldenen' oder 'Camberger Grund'. Erscheint 1157 als Dorf Kamberch, erhält 1281 von Rudolf von Habsburg Stadtrechte, gehört nacheinander Dillenburg, Eppstein, Katzenellenboden, Kurtrier; meist zweien zugleich. 1806 kommt es an Nassau, 1866 an Preußen. - Eine Stadt der Gegensätze: 1663 hat Camberg schon eine Apotheke, also früher als z.B. Wiesbaden, und zur gleichen Zeit ist es eine Hochburg der Hexenprozesse. Mehr als ein Dutzend 'Hexen' und 'Zauberer' werde allein im 17. Jahrhundert hier verbrannt oder aufs Rad geflochten. - Heute ist Camberg modernes und von Jahr zu Jahr besser besuchtes Diät- und Kneippbad.
Juden saßen spätestens in der Zeit des 30jährigen Krieges hier. Es wird berichtet, dass einem Camberger Juden 3 Schwestern gegen Ende des Krieges Hungers gestorben seien, und er selbst sei demselben Schicksal nahe gewesen. 1790 bei etwa 1130 Einwohnern 27 Juden. Deren gutes Verhältnis zur Bevölkerung ist dadurch bezeigt, dass 1825 in einer 25.000 Gulden-Stiftung des katholischen Regierungsrats Lieber ausdrücklich bestimmt wird, auch unverschuldet arme Judenfamilien seien vom Genuss der Stiftung nicht ausgeschlossen. 1879 hat die Gemeinde 101 Seelen, darunter - welch märchenhafter Reichtum - 30 schulpflichtige Kinder gegenüber 389 katholischen und 8 protestantischen Kindern. 1900 sind unter 86 jüdischen Seelen noch 14 Schulkinder; 1924 sind es noch 15, 1937 etwa 6 Familien. Die Synagoge klein, aber würdig, aus der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts. - Camberg besitzt einen recht sehenswerten Marktplatz mit schönen Fachwerkhäusern, alte Festungstürme und -Tore, einzelne schön geschnitzte Giebel (Amtshof!). - Von Camberg mit der Bahn über das schon besprochene Idstein nach dem jungen Luftkurort Niedernhausen. Sehr schöner Aufstieg zum Feldberg und prächtige Wanderung über den Kellerskopf nach Wiesbaden. - ..."

  
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe    
Anzeige des Manufaktur-, Herren- und Damen-Konfektionsgeschäfts Jacob Stern (1891)      

Camberg Israelit 14051891.jpg (33042 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1891: "Suche per sofort für mein Manufaktur-, Herren- und Damen-Konfektions-Geschäft, welches Sonn- und Feiertage geschlossen ist, einen Lehrling gegen entsprechende Vergütung. Jacob Stern, Camberg, Bezirk Wiesbaden."    

  
Suche einer Lehrlingsstelle (1901)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1901: "Einjährig-Freiwilliger, 17 Jahre alt, sucht Lehrlingsstelle 
in einem Export-Geschäft. Freie Station erwünscht. Offerten beliebe man an L.O. postlagernd Camberg, Regierungsbezirk Wiesbaden, zu richten."   

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge      
  
Eine Synagoge (Judenschule) wird seit 1770 genannt. Vermutlich handelte es sich um einen Betraum in einem der jüdischen Häuser oder bereits um ein selbständiges Gebäude. 

1838 wurde eine eine Synagoge in einem ehemaligen Brauhaus eingebaut, das im Jahr zuvor von der jüdischen Gemeinde gekauft werden konnte. Die Synagoge hatte 41 Männer- und 24 Frauenplätze.

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SS-Leute geschändet und eingerissen. Auf eine Niederbrennung wurde mit Rücksicht auf die angrenzenden Häuser, die nichtjüdischen Familien gehörten, verzichtet. 

Am 8. November 1991 wurde auf Initiative des Vereins Historisches Camberg an der Stelle der ehemaligen Synagoge eine bronzene Gedenktafel angebracht. Sie trägt die Inschrift: "Und haben bis zum Grunde alle Stätten deines Namens entweiht. Psalm 74,7b. Auf der Hoffläche dieses Anwesens stand die Camberger Synagoge. In der Pogromnacht am 09. November 1938 wurde die Synagoge geschändet. Zu diesem Zeitpunkt lebten 69 jüdische Mitbürger in unserer Stadt. Einige konnten noch rechtzeitig auswandern, andere wurden in Konzentrationslagern ermordet. Das Schicksal von vielen ist ungewiss. 1945, am Ende der Naziherrschaft, lebten keine jüdischen Mitbürger mehr in Camberg. Möge diese Tafel mahnen, zu allen Zeiten und unter allen Bedingungen für das Recht und die Würde aller Menschen einzustehen."
  
  
Adresse/Standort der Synagoge    Schmiedegasse 4   
       

Fotos
(Quelle: Arnsberg Bilder S. 32)  

Historische Aufnahmen Camberg Synagoge 010.jpg (155452 Byte) Camberg Synagoge 011.jpg (130791 Byte)
     Das Synagogengebäude 
vor 1938
Die Zerstörung des Gebäudes 
beim Novemberpogrom 1938
          
Synagogengrundstück und 
Gedenktafel im März 2009

(Fotos: Inge Densch)
Bad Camberg Synagoge 171.jpg (64044 Byte) Bad Camberg Synagoge 172.jpg (75485 Byte)
   Synagogengrundstück (links) und Gedenktafel (Text siehe oben).
       
        
  Synagogengrundstück, Gedenk- 
und Hinweistafel im August 2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 21.8.2009)  
Bad Camberg Synagoge 152.jpg (76849 Byte) Bad Camberg Synagoge 151.jpg (68268 Byte)
  Das Synagogengrundstück; am Haus rechts (Schmiedgasse 2) die Gedenktafel.
      
    Bad Camberg Synagoge 153.jpg (67942 Byte) Bad Camberg Synagoge 150.jpg (78937 Byte)
    Rechts Gedenktafel (Text siehe oben), links Hinweistafel am Haus Schmiedgasse 2: 
"Das Haus ist im Jahre 1700 erbaut und erhält später an der linken Seite einen Anbau... 
Eine Gedenktafel erinnert an die 1938 zerstörte Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde, 
die sich an das Gebäude anschloss."  

  
       
   
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Bad Camberg   

Verein Historisches Camberg e.V.  

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Bad Camberg 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 108-109.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 32.
Caspar Hofmann: Die Juden in Camberg im 19. und 20. Jahrhundert. 1981.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 127-128.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 554-555. 

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Camberg (now Bad Camberg) Hesse-Nassau. The Jewish community, established in the 18th century, opened a new synagogue (1837) and numbered 115 (5 % of the total) in 1880. Jews participated in the town's social life and were eledcted to the town council. By 1925 the community (excluding members in Eisenbach and Steinfischbach) had declined to 82. On Kristallnacht (9-10 November 1938), a mob vandalized and then demolished the synagogue. Of the 63 Jews living there in 1933, 34 emigrated and four committed suicide; at least 17 perished in the Holocaust.  
   

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 21. April 2012