|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia Judaica
Die Mitglieder der
Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und bestehende) Synagogen
Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale
in der Region
Bestehende jüdische Gemeinden
in der Region
Jüdische Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur und Presseartikel
Adressliste
Digitale Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"
zur
Übersicht "Synagogen im Landkreis Alzey-Worms
Gimbsheim (Kreis
Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis Ende des 18. Jahrhunderts kurpfälzischen Gimbsheim bestand eine
kleine jüdische Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17.
Jahrhunderts zurück. Vermutlich lebten bereits in der Zeit vor dem Dreißigjährigen
Krieg Juden am Ort. Erstmals sind 1692/93 jüdische Einwohner urkundlich
nachgewiesen. Damals waren bereits acht jüdische Familien am Ort (Löw, Männel,
Elias, Peus, Simel, Itzig, Berle und Jeremias). Unter ihnen waren die Vorfahren
der späteren Familie Hirsch.
Im 18. Jahrhundert lebten jeweils zwischen 25 und 35 jüdische Personen
in Gimbsheim. Sie verteilten sich auf vier Familien in 1723 und drei
Familien in 1743. 1743 war die jüdische Einwohner Sander einer der größten
Steuerzahler der Pfalz, der 450 fl. jährliche Judensteuer zahlt.
Weitere Zahlen liegen erst seit dem 19. Jahrhundert vor. 1824 wurden 25 jüdische
Einwohner gezählt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl weiter zu: 1830
35 jüdische Einwohner, 1861 46 (2,3 % von insgesamt 1.956 Einwohnern), 1880/88 68
(in 16 Familien, 3,0 % von 2.570), 1900 72 (2,9 % von 2.451), 1903 78 (in
18 Haushaltungen),1910 57 (2,1 % von 2.635).
Zur Gründung einer selbständigen jüdischen Gemeinde kam es in Gimbsheim erst
um 1875. Zuvor gehörten die Gimbsheimer Juden zur Gemeinde in
Alsheim,
wo sich auch eine jüdische Volksschule befand. Nachdem es in Gimbsheim eine
selbständige Gemeinde gab, gehörten (vergleiche die Ausschreibungen der
Religionslehrerstelle zwischen 1889 und 1896) die im benachbarten
Eich
lebenden Juden als Filiale zur Gemeinde in Gimbsheim. Durch Aus- und Abwanderung
ging seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Einwohner
wieder zurück.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden
in Alsheim
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1887 wird Lehrer
J. Fuchs genannt (zwischen den Ausschreibungen 1884 und 1887?),
1888 Lehrer J. Goldschmidt (auch für Eich
zuständig), nach ihm (oder erst ab der Ausschreibung 1891?) bis 1893 Lehrer
J. Ledermann (unterrichtet 1889/1893 25 Kinder in der Religionsschule
Gimbsheim sowie 13 bzw. 1893 12 Kinder in Eich und Hamm, wird bei der Einweihung
der Synagoge im August 1892 genannt s.u.). Nachfolger Ledermanns war von 1893 bis 1896 Lehrer
M. Oppenheimer (unterrichtet 1894 zehn Kinder in Gimbsheim sowie zehn in
Eich-Hamm). Um 1899 war Lehrer Abraham Stern in Gimbsheim tätig (bis
1900, s.u. Ausschreibung). Seit 1902 wird Lehrer Abraham Eisenheimer genannt (siehe Neujahrsanzeige unten;
1904 Erwähnung von ihm im Zusammenhang mit der Feier des 80. Geburtstages von
Lehrer Marx in Alsheim;
auch im Verzeichnis 1932/33 wird Lehrer Abraham Eisenheimer genannt; unklar ist
nur, wieso 1907 und 1910 die Stelle ausgeschrieben wurde). Ab 1904
bildeten die jüdischen Gemeinden Alsheim, Gimbsheim, Eich und Hamm einen
gemeinsamen Unterrichtsbezirk mit einem gemeinsamen Lehrer (Mitteilung in
"Der Israelit" vom 28.1.1904 S. 162, "Israelitisches Familienblatt" vom 4.2.1904
S.4 und anderen Zeitungen). 1904 waren an der Religionsschule der Gemeinde
sechs Jungen und zwei Mädchen zu unterrichten. 1907 bis 1910 war Lehrer Max
Moses in Gimbsheim.
Die jüdische
Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk in Worms.
Als Gemeindevorsteher werden u.a. genannt: um 1884 David Keller, um 1887/96 Emil David II (vgl.
Bericht zu seinem Tod 1901 unten), A. Kahn und J. Hirsch; um 1900 David
Keller; um 1903 Emil David II, David Keller, Emil David I; um 1907/1910 Jakob Hirsch.
An jüdischen Vereinen werden genannt: ein Montefioreverein (um 1901/03
unter Leitung von S. Gottschalk, A. Guthmann und H. David) und eine
Israelitischer Frauenverein (um 1901/03 unter Leitungen der Frauen von A. David
II, J. Haas und Joh. David).
Die jüdischen Familien lebten (Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert) vom Vieh- und
Pferdehandel sowie vom Handel mit Grundstücken oder Landesprodukten. Die
meisten Familien hatten im Nebenerwerb Landwirtschaft. Einer Familie gehörte
ein Kolonialwarengeschäft. Ein anderer jüdischer Einwohner war als Schuhmacher
tätig.
Im Ersten Weltkrieg wurde für seines Kriegseinsatz mit dem Eisernen Kreuz
II. Klasse (EK II) aus Gimbsheim ausgezeichnet: E. David, Unteroffizier
bei Staffelstab 321, Sohn des Handelsmannes D. David ("Israelitisches
Familienblatt" vom 15.2.1917 S. 4). Stud.med. Ernst Hirsch aus
Gimbsheim war als Sanitär-Unteroffizier im Einsatz ("KC-Blätter" Heft 16 März
1917 S. 837; in "KC-Blätter" vom 20.11.1925 als Dr. med. in Gimbsheim wohnhaft
gemeldet).
Um 1925, als noch 30 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten, waren
die Gemeindevorsteher Jakob Hirsch, Heinrich David, Herr Keller und Jakob
Guthmann.
Seit 1933 trafen die nationalsozialistischen antijüdischen Maßnahmen
auch die noch in Gimbsheim lebenden jüdischen Einwohner. 1933 lebten noch etwa
20 jüdische Personen am Ort. Von ihnen wanderten in den folgenden Jahren
mindestens fünf aus. Die anderen verzogen bis spätestens 1939 in andere Orte.
Von den in Gimbsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen
Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Julie Alke geb. Maier
(1889), August Julius David (1880), Bernhard David (1881), Berta Feder geb.
Kirchheimer (1873), Beate Irena (Erna) Grünberg geb. Rosenthal (1894), Emmy
(Emilie) Hirsch (1896), Friedrich Hirsch (1888), Heinrich Hirsch (1858), Irma
Hirsch geb. Metzger (1906), Lina Hirsch geb. Keller (1868), Richard Hirsch
(1898), Rosalie Hirsch geb. Löwenstein (1865), Albert Keller (1873), Arthur
Keller (1921), Eugen Keller (1911), Siegmund Keller (1871), Martha Löb geb.
David (1878), Lina Rosenthal geb. Kahn (1867), Elisabetha (Beta) Spiegel geb.
Hirsch (1896), Emmi Regina Weis geb. Keller (1905.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine Berichte zur jüdischen Geschichte
Aus einem Reisebericht (1930)
Der Beitrag wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der
jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober
1877 in Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz.
Weitere Informationen:
https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).
Artikel
aus einem Reisebericht "Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande. V.
Speyer - Haardtgebirge - Worms - Mainz" von S. Lilienthal -
Wiesbaden im "Israelitischen Familienblatt" vom 4. September 1930: "Gimbsheim,
Städtchen mit 2.900 Einwohnern, darunter 30 (jüdische) Seelen. Hier wohnt um
1700 der Jude Mennle, der einer der beiden Vorsteher der Judenschaft des
Amtes Alzey ist. 1723 gibt es hier vier Familien, 1743 zwar nur drei,
darunter ist aber Sander einer der größten Steuerzahler der Pfalz, der 450
fl. jährliche Judensteuer zahlt. (Die Gesamtsteuersummen der Juden der Pfalz
beträgt damals für 48 Familien 36 517 Fl., also im Durchschnitt 75 Fl. Der
höchste Einzelbetrag ist 500, der kleinste 10 fl. — 1905 hat die Gemeinde 72
Seelen, einen Beamten und 8 Schulkinder. Heute sind's rund 25 Seelen, kein
Beamter und keine Jugend sind da. Die Synagoge wird wohl noch an den hohen
Festtagen benutzt. — Alle nach Worms erwähnten Gemeinden gehören zum
Kreisrabbinat Worms." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1884 /
1887 / 1889 / 1891 / 1893 / 1896 / 1900 / 1907 / 1910
/ 1911/13
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1884:
"Die hiesige Religionslehrer- und Kantorstelle ist zum 24. August
dieses Jahres vakant. Gehalt 500-550 Mark fix, extra einige hundert Mark
Nebenverdiente. Unverheiratete Bewerber werden bevorzugt. Anzeige
innerhalb 3 Wochen. Im Fall, noch nicht geprüft, muss sich derselbe bei
Herrn Rabbiner Dr. Stein in Worms prüfen lassen. Adresse an den
israelitischen Vorstand David Keller in Gimbsheim bei
Guntersblum." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Mai 1887: "In der hiesigen
Gemeinde ist die Stelle eines
Religionslehrer, Kantors und Schochet per 15. September, eventuell auch
früher, zu besetzen. Gehalt
700 Mark nebst freier Wohnung, sowie Nebenverdienste.
Schechita wird besonders bezahlt.
Bewerber wollen sich bei dem unterzeichneten Vorstand melden.
Ein seminaristisch gebildeter Mann bevorzugt.
Emil David II.
in Gimbsheim bei Guntersblum." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1889:
"In der hiesigen Gemeinde mit Filiale Eich ist die Stelle eines
Religionslehrer, Kantors und Schochet per 1. September zu besetzen. Gehalt
750 Mark, sowie freie, möblierte Wohnung. Nebenverdienste mit Schechita
betragen circa 3000 Mark. Ein seminaristisch gebildeter Mann bevorzugt.
Bewerber wollen sich bei dem Unterzeichneten melden.
Emil David II.
Gimbsheim bei Guntersblum." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1891:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schochets in hiesiger
Gemeinde, mit Filiale Eich, ist sofort zu besetzen. Anfangsgehalt 700
Mark, Nebenverdienst ca. 400 Mark, sowie freie, möblierte Wohnung. Nur
dem gewählten werden Reisekosten vergütet. Bewerber muss
Reichsangehöriger sein. - Meldungen mit Zeugnisabschriften sind zu
richten an
Emil David II., Gimbsheim bei Oppenheim am Rhein." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1893:
"Da ich durch Militärverhältnisse genötigt bin, meine Stelle zu
verlassen, wird die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters
in Gimbsheim mit Filiale Eich (Rheinhessen) soeben vakant. Die Stelle
trägt mit Nebenverdiensten Mark 1.300 ein nebst freier möblierter
Wohnung. Kann die Stelle als unbedingt gut jedem Kollegen empfehlen.
Geeignete seminaristisch gebildete Bewerber wollen sich unter Einsendung
ihrer Zeugnisse an den Vorstand der Gemeinde Gimbsheim wenden.
J.
Ledermann, Lehrer." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1896: "Die
Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle zu Gimbsheim mit Filiale
Eich (Rheinhessen), mit einem Fixum von Mark 800, sowie Mark 400
Nebeneinkommen und freier Wohnung nebst Garten ist per 1. August oder 1.
September dieses Jahres zu besetzen. Bewerber wollen sich an den
Unterzeichneten wenden. Nähere Auskunft erteilt der seitherige Lehrer
Herr M. Oppenheimer.
Der Vorsteher: Emil David II." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Januar 1900:
"Infolge anderweitiger Berufung unseres bisherigen Lehrers, wird in
hiesige Gemeinde am 1. April dieses Jahres die Stelle eines
Religionslehrers, Vorbeters und Schächters vakant. Fixes Gehalt pro Jahr
Mark 1000, Nebeneinkommen Mark 5-600, bei freier Wohnung nebst Garten.
Seminaristisch-gebildete Bewerber, deutscher Staatsangehörigkeit, wollen
Zeugnisabschriften an den unterzeichneten Vorstand einsenden.
Gimbsheim,
Rheinhessen, den 21. Januar.
David Keller." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1907: "Die
Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle ist infolge anderweitiger
Berufung unseres seitherigen Lehrers am 1. Oktober dieses Jahres zu
besetzen. Das jährliche Einkommen, bei freier Wohnung mit Garten,
beläuft sich auf ca. 1.800 Mark und zwar: 800 Mark Fixum, 500 Mark für
das Unterrichten an der höheren Privatschule und etwa 500 Mark
Nebenverdienste. Bewerber, welche mit Erfolg die erste Prüfung
(Seminarabgang) abgelegt haben, wollen sich sofort unter Beifügung ihrer
Prüfungszeugnisse, unter Angabe ihrer Personalien melden.
Gimbsheim
(Kreis Worms). Der Vorstand Jakob Hirsch." |
| |
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30. Dezember 1910: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochets in
hiesiger Gemeinde ist sofort zu besetzen. Fixes Gehalt 900 Mark nebst
4-500 Mark Nebenverdienst und freier Wohnung. Seminaristisch gebildete
Bewerber wollen sich sofort bei dem unterzeichneten Vorstand melden.
Gimbsheim (Rheinhessen). Jakob Hirsch." |
| Anmerkung: die Besetzung gestaltete sich
sehr schwierig; die obige Ausschreibung erschien in den folgenden drei
Jahren regelmäßig ohne Erfolg, u.a. in "Der Israelit" vom 23. Februar 1911
oder auch im "Israelitischen Familienblatt" am 31. August 1911 oder ebd. am
22. August 1912 und ebd. am 19. Dezember 1912 oder ebd. am 17. Juli 1913
|
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 31. August 1911: "In hiesiger
israelitischer Gemeinde ist die Stelle eines
Religionslehrers, Kantors und Schochets
vakant. Das Gehalt mit Nebeneinkünften beträgt ca. 1500 Mk. nebst freier
schöner Wohnung mit Garten.
Bewerber wollen Offerten richten an den Vorsteher
Jakob Hirsch Gimbsheim (Rheinhessen)." |
Gemeinsame Ausschreibung der
Lehrerstelle für Alsheim, Gimbsheim,
Eich mit Hamm (1920)
Anmerkung: der bereits 1904 im Miteinander der jüdischen Gemeinden
Alsheim, Gimbsheim,
Eich und Hamm beschlossene gemeinsame
Unterrichtsbezirk mit einem gemeinsamen Lehrer (Mitteilung in
"Der Israelit" vom 28.1.1904 S. 162, "Israelitisches Familienblatt" vom 4.2.1904
S.4 und anderen Zeitungen) zeigte sich erst 1920 in einer gemeinsamen
Ausschreibung der Lehrerstelle.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. Juli 1920: "Die unterzeichneten 3
Gemeinden Alsheim,
Eich, Gimbsheim, suchen per 1. Juli
dieses Jahres einen stimmbegabten. musikalisch gebildeten
Kantor, Religionslehrer und Schächter
mit einem jährlichen Gehalt von Markt 4.500 (Nebeneinkunft extra), freier
Wohnung mit kleinem Garten und Obstbäumen in
Alsheim. Meldungen und Zeugnisse sind an den Vorstand in
Alsheim zu richten. ('Ausländer
ausgeschlossen.')
Für die drei Gemeinden
der Vorstand Alfred David." |
Anzeige von Lehrer M. Oppenheimer
(1894)
|
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1894: "Knaben, die sich
für den kaufmännischen- oder Lehrerberuf, oder für den Besuch einer
Realschule vorbereiten wollen, finden bei mir Aufnahme, Ausbildung und
Verpflegung. Beste Referenzen.
M. Oppenheimer, Lehrer,
Gimbsheim bei Worms." |
Positive Prüfung der Religionsschule in Eich, wo Lehrer
Abraham Eisenheimer unterrichtet (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1901: "Aus
dem Kreise Worms. Dass unsere Religionsschulen in ihrer äußeren Stellung
und in ihrem Verhältnisse zur amtlichen Schulbehörde, wenn auch ein
langsames Tempo, aber immerhin Fortschritte machen, bezeugt der Umstand,
dass am 27. März mit dem Herrn Rabbiner Dr. Stein mehrere
Mitglieder der Großherzoglichen Kreisschulkommission, darunter Herr
Inspektor Prof. Dr. Karg, sowie der christliche Schulvorstand in Eich, die
Religionsschule des Herrn Lehrers Eisenheimer zu
Eich (Filiale zu Gimbsheim) prüften und sich lobend über das Resultat aussprachen. Es
wäre zu wünschen, dass das Verhalten der Wormser Kreisschulkommission
zahlreiche Nachahmung finde." |
Lehrer Abraham Eisenheimer
referiert bei einer Lehrerkonferenz (1901)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1901:
"Unabhängiger Verein der israelitischen Lehrer im Großherzogtum Hessen.
Generalversammlung
am Mittwoch den 25. Dezember (1. Weihnachtsfeiertag), Vormittags 10 Uhr in
Frankfurt a. M Am Thiergarten 52, Turnhalle der Realschule der
israelitischen Religionsgesellschaft, zu welcher alle Freunde des Vereins
höfl. eingeladen sind. Tagesordnung:
1. Bericht des Vorstandes.
2. Rechnungsablage
3. 'Garten- und Obstbau als Nebenbeschäftigung des jüdischen Lehrers'.
Referent: Herr Sulzbacher - Groß
Bieberau.
4. 'Schule und Haus', Referent: Herr Eisenheimer - Gimbsheim.
5. Das Ergebnis des vorjährigen Rundschreibens und Stand der Hilfskasse.
Etwaige Anträge beliebe man mindestens 8 Tage vor der Versammlung beim
Vorsitzenden Herrn Dr. Barnaß, Pfungstadt,
einreichen zu wollen.
In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist ein recht zahlreiches
und pünktliches Erscheinen dringend erwünscht.
J. Lebermann, Schriftführer." |
| |
|
Bericht über die Lehrerkonferenz - Referat von Lehrer Eisenheimer (1901)
|
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1902: "Herr Eisenheimer -
Gimbsheim referiert
hierauf über das Thema 'Schule und Haus" und fordert, dass beide Faktoren
stets im Einklang bleiben müssen, sowohl in Erziehung, als in der Anleitung
zum Wissen durch gegenseitige Förderung und Unterstützung. Einzelne bis
jetzt häufig aufgetretene Missstände werden besprochen. Auch diese Arbeit
erntet den Dank der Versammlung." |
Neujahrsgrüße von Lehrer Eisenheimer und Frau
(1902)
Anmerkung: Anzeigen mit Neujahrsgrüßen von Lehrer Eisenheimer und seiner Frau
erschienen auch in den folgenden Jahren, u.a. "Der Israelit" vom 21.9.1903.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1902:
"Allen Bekannten eine gute Einschreibung und Versiegelung
Lehrer Eisenheimer und Frau, Gimbsheim". |
Lehrer Max Moses wechselt von
Gimbsheim nach Vlotho (1907 bis 1910 Lehrer in Gimbsheim)
Über Max Moses (Quelle:
https://stolpersteineaurich.com/2010/12/31/max-moses/): Max Moses
ist am 17. März 1883 in Lobsens, Kreis Wirsitz, Provinz Posen (heute: Łobżenica,
Polen) geboren als Sohn von Schneidermeister Salomon Moses und seiner Frau
Ernestine. Max Moses studierte am Lehrerseminar Kassel (Prüfungen 1904/05). Von
Juli 1904 bis Oktober 1905 war er an der Religionsschule in
Oberwesel tätig, dann folgten Stellen in
Driburg (1905-1907) und Gimbsheim (1.10.1907-15.12.1910). Max Moses
heiratete am 3. November 1907 Berta geb. Heilbrunn. Bertas Eltern waren
der Buchbindermeister Hirsch Heilbrunn (1856 in
Wichmannshausen – 1922 in
Sontra) und Karoline geb. Vogel (1855-1909 in
Sontra). Max und Berta Moses bekamen zwei
Kinder: Martha, geb. 29.12.1907, und Eugen, geb. 6.7.1909. 1911
wechselte Max an eine Privatschule in Vlotho; 1912 bis 1922 war er an der
jüdischen Volksschule in Herleshausen
tätig, von 1923 bis Juli 1925 in
Spangenberg. Im August 1925 übernahm er
die alleinige Lehrerstelle an der jüdischen Schule in
Aurich, wo er im Nebenamt auch als
Kultusbeamter und Rechnungsführer der Synagogengemeinde tätig war. Bis nach dem
Novemberpogrom 1938 wohnten Berta und Max Moses in Aurich. 1939 konnten sie in
die USA emigrieren. Am 19.6.1946 verstarb Max Moses in Chicago im Alter von 63
Jahren, seine Ehefrau Berta ebd. am 29.7.1949. Die Kinder konnten gleichfalls
emigrieren.
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 12. Januar 1911: "Vlotho a. Weser.
Zum Lehrer und Prediger der hiesigen Synagogen - Gemeinde wurde einstimmig
Herr Max Moses aus Gimbsheim (Rheinhessen) gewählt und hat
derselbe sein Amt bereits übernommen." |
| |
"Stolperstein" in Aurich in der
Kirchstraße 13: "Hier wohnte Max Moses Jg. 1883
Flucht 1939 USA" |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Schweres Überschwemmungsunglück im Juni 1876
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1876. "Bitte an
Menschenfreunde! Von einem schweren Unglück wurden die Gemeinden Oppenheim, Dienheim, Ludwigshöhe,
Guntersblum und Gimbsheim am 22. Juni
durch den bei Ludwigshöhe erfolgten Dammbruch heimgesucht. Der größte
Teil dieser Gemarkungen steht heute noch 6-8’ unter Wasser. Von Dienheim
und Oppenheim sind fast alle Frucht und Kartoffelfelder sowie Weingärten
überschwemmt oder von Grundwasser durchzogen.
Da in den Niederungen meist die weniger Bemittelten begütert sind, so ist
die Not umso größer. Noch sind die Bestellungskosten der großenteils
zum zweiten Male bepflanzten Äcker, die im Frühjahr schon vielen Schaden
gelitten, nicht bezahlt, und schon ist die ganze Ernte vernichtet, von der
die Schulden getilgt und die Winterbedürfnisse bestritten werden sollten.
Die Verdienste der Arbeiter sind in manchen der genannten Gemeinden durch
die Verkehrsstockungen geringer. Daher sind viele Familien in einer
verzweifelten Lage.
Darum richten wir an Alle, denen die Not ihrer Mitmenschen zu Herzen geht,
die dringende Bitte, von ihrem Überflusse zur Linderung dieses unberechenbaren Elendes an einen der Unterzeichneten eine Liebesgabe
beizusteuern.
Zugleich bitten wir die verehrlichen Expeditionen der verschiedenen
Zeitungen diesen Aufruf aufzunehmen und wie in anderen Fällen, so auch für
unsere Orte, der Sammlungen sich unterziehen zu wollen. Oppenheim etc.
etc., den 26. Juni 1876.
Balzhäuser, Fabrikant, Beny Jakob I., Oßwald, Bürgermeister, Rehn,
Gemeinde-Einnehmer, Weitzel, Pfarrer, von Gimbsheim. Blatz, Weinhändler,
Keller, Pfarrer, Küstner Wilhelm, Malzfabrikant, Schuppert, Bürgermeister,
von Guntersblum. Becker, Dr.,
Bürgermeister, Gräf Joh., Gemeinderat,
Schaad Ad. Beigeordneter, von Ludwigshöhe. Diehl, Pfarrer, Starck,
Bürgermeister, von Dienheim. Egly,
Bürgermeister, Herrmann,
Pfarrer, Koch, Fabrikant, Müller, Pfarrer, Müller,
Schulinspektor, Rechel,
Dirigent, Schmidt, Gr.
Kreisrat, Weil,
Obereinnehmer, von Oppenheimer. Lotheißen,
Gr. Kreisrat, Dr. Schröder,
Landtagsabgeordneter, von
Worms." |
Anzeige des Armenvereins der jüdischen Gemeinde Gimbsheim (1901)
Anmerkungen: die jüdischen Gemeinden verfügten überall über eine
hervorragende Fürsorge für durchreisende/obdachlose arme jüdische Menschen.
In Gimbsheim gab es hierzu den "Armenverein". Die Fürsorge der
Gemeinden wurde jedoch immer wieder auch ausgenutzt, weswegen derartige Anzeigen
veröffentlicht wurden.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1901: "Mitteilungen
aus den jüdischen Armenvereinen und für dieselben. Sämtliche jüdischen
Wanderbettelvereine und Kassen für Durchreisende ging gebeten, uns
Mitteilungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Tätigkeit
machen, zukommen zu lassen).
Gimbsheim, 11. Juni. Vor wenigen Tagen erschien hier ein Herr namens
Stern, der erster Kantor in Pretoria gewesen sein will. Infolge des
dortigen Krieges sei er, wie er angibt, ausgewiesen worden. Besagter reist
in Begleitung seiner Frau und hält in den jüdischen Gemeinden respektive
bei den Lehrern oder Kultusbeamten um Unterstützung an. Die amtlichen
Papiere seiner Personalien fehlen im gänzlich, und auf Befragen nach
solchen äußert er, er habe sie an die Regierung nach England, von der er
Entschädigungen beansprucht, gesandt. Er weist Empfehlungen seitens
einiger Kantoren und Lehrer, die er durch Überregung veranlasst, jene zu
schreiben, auf und sucht solcher Weise die Herzen unserer Glaubensgenossen
zu gewinnen. Im Sefer zu lainen (= Tora zu lesen) ist er nicht im Stande.
Auch verschiedener Äußerungen seiner Frau zufolge zweifelt man an der
Richtigkeit seiner Angaben. Diese Zeilen mögen zur Vorsicht im raschen
oder vielfachen Geben dienen. Armenverein." |
Berichte zu einzelnen Personen
aus der Gemeinde
Zum Tod von Sarah David geb. Sonnenberg (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1891: "Gimbsheim
(Rheinhessen), 30. August. Gestern Abend verschied dahier im Alter von
nahezu 79 Jahren Frau Sarah David geb. Sonnenberg. Von der Liebe und
Achtung, deren sich die Verstorbene erfreute, legte ihr Leichenbegängnis
beredtes Zeugnis ab. — Nutzer der engeren und weiteren Familie, zahlreichen
Kindern, Enkeln u.s.w., hatten sich die Glaubensgenossen aller
Nachbargemeinden, sowie viele Nichtisraeliten unserer Gemeinde eingefunden.
Herr Lehrer Marx, Alsheim,
schilderte in ergreifenden Worten die Verdienste der Dahingeschiedenen um
ihre Familie und Gemeinde, hob ihre schlichte, aufrichtige Frömmigkeit, ihr
von wahrer Gottesfurcht geleitetes, rastloses Streben und wohltätiges Wirken
hervor. Möge ihr in jenem Leben vergolten werden, was sie hienieden
verdient hat. J. Ledermann, Lehrer." |
Helene David erhält Auszeichnungen (1891 / 1895)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. August 1891: "Worms.
Der Helene David von Gimbsheim, welche sich durch eine 40jährige treue
und redliche Dienstführung in der Familie des Herrn Michael Aron dahier
ausgezeichnet hat, ist als Zeichen der Allerhöchsten Anerkennung von
Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzoge die silberne Medaille des
Ludwigsordens verliehen und durch Herrn Kreisrat Gros heute überreicht
worden." |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juni 1895:
"Die jüdische Dienstmagd Helene David aus Gimbsheim (Kreis
Worms), welche nunmehr 44 Jahre in Diensten des Herrn Michael Aron hier
steht, wurde vor 4 Jahren mit der silbernen Verdienstmedaille von Ludwig
IV.* ausgezeichnet und erhielt bei dieser Gelegenheit von der hiesigen
Sparkasse ein Geschenk von 40 Mark. In den jüngsten Tagen erhielt sie von
der Großherzogin Victoria Melita* ein prachtvolles goldenes Ehrenzeichen
mit sehr schönem Diplom zugestellt." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1895: "Worms. Helene
David aus Gimbsheim (Kreis Worms), welche nunmehr 44 Jahre in
Diensten des Herrn Michael Aron dahier steht, wurde vor 4 Jahren mit der
silbernen Verdienstmedaille von Ludwig IV.* ausgezeichnet und erhielt bei
dieser Gelegenheit von der hiesigen Sparkasse ein Geschenk von M. 40. In den
jüngsten Tagen erhielt sie von der Großherzogin Victoria Melita* ein
prachtvolles goldenes Ehrenzeichen mit sehr schönem Diplom zugestellt."
*Anmerkungen: - Silberne Verdienstmedaille von Großherzog Ludwig IV. https://www.ehrenzeichen-orden.de/deutsche-staaten/silberne-verdienstmedaille-2.html
- Großherzogin Victoria Melia
https://de.wikipedia.org/wiki/Victoria_Melita_von_Sachsen-Coburg_und_Gotha
|
Moritz David aus Gimbsheim studiert im Seminar der Fraenkelschen Stiftung in
Breslau (1895)
Anmerkung: Das Jüdisch-Theologische Seminar
Fränckel’sche Stiftung in Breslau, 1854 durch Jonas Fränckel gegründet, war eine
führende Ausbildungsstätte für Rabbiner in Mitteleuropa und ein Zentrum der
Wissenschaft des Judentums. Nach der Verwüstung und Schließung durch
Nationalsozialisten 1938 wurde die bedeutende Bibliothek geraubt; die Stiftung
endete. Mehr zu Rabbiner Dr. Moritz David siehe unten.
Mitteilung
im "Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars Fraenkel'scher
Stiftung. Breslau 1895": Das Seminar zählt gegenwärtig 38 Hörer, wovon fünf,
ohne noch für die Rabbinatsprüfung designiert zu sein, bereits eine feste
Anstellung erhalten haben. Neu eingetreten waren im April vorigen Jahres:
Moritz David aus Gimbsheim bei Worms (Hessen- Darmstadt), Max Dienemann
aus Krotoschin, Julius Grünthal aus Posen, Siegfried Grzymisch
aus Pleschen, Louis Boroschek aus Jarotschin (seit Oktober aus
Gesundheitsrücksichten wieder ausgeschieden); im Oktober: Johann Krengel
aus Wien, Jakob Neumann aus Preußisch-Friedland, Julius Winter
aus Magdeburg." |
Wahl eines Herrn David in den Gemeinderat (1892)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1892: "Alsheim
(Kreis Worms). Hier wurde Isidor David zum Gemeinderat gewählt; dessen
Name figurierte auf beiden Wahlzetteln. Auch in dem benachbarten Gimbsheim
wurde ein Herr David in den Gemeinderat gewählt." |
Zum Tod des langjährigen Vorstehers Emil David II
(1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1901: "Gimbsheim,
6. März (1901). Trauer und Klage herrscht in unserer Gemeinde; unsere
Zierde und Krone ist nicht mehr, denn der langjährige erste Vorsteher
Emil David II hat nach langem schweren Leiden, im Alter von 56 Jahren, das
Zeitliche gesegnet. Am Montag, 25. Februar, wurde der selige Verblichene
zur ewigen Ruhe bestattet und hatten sich zu diesem Anlass zahlreiche
Personen aller Konfessionen von Nah und Fern eingefunden, um dem teuren
Toten die letzte Ehre zu erweisen. Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr.
Stein aus Worms schilderte in kernhaften, inhaltsreichen Worten das
Leisten und Wirken des Verstorbenen, wie er ein treu besorgter Gatte und
Familienvater war, wie er mit jeder Faser des Herzens für das Wohl der
jüdischen Gemeinde strebte und arbeitete. Wahrlich, ein Mann mit selten
edlen Eigenschaften ist dahingeschieden, der es verstand, durch seinen
ehrenhaften Charakter und seine rechtschaffene Gesinnung sich bei
jedermann, Reich wie Arm, Hoch wie Niedrig, Jude und Nichtjude, das
vollste Vertrauen und größte Achtung zu erwerben. Auch auf dem Gebiete
der werktätigen Nächstenliebe war er hervorragend tätig; manche Träne
half er trocknen und manche Wunde heilen.
Möge der Allgütige der trauernden Gattin und den trauernden Söhnen
Trost spenden und das Andenken des teuren Toten zum Segen gereichen
lassen." |
Erinnerung an Abraham David aus Gimbsheim
Abraham David (geb. 1844 in
Gimbsheim, gest. 1914 in Wrightsville Beach bei Wilmington) wanderte im
Mai 1862 in die USA aus. Nach Zwischenstationen in New York und
Philadelphia (Pennsylvania) ließ er sich in Alexandria (Virginia) nieder,
seit 1865 in Wilmington (North Carolina). Hier eröffnete er 1867 unter
dem Firmennamen "A. David & Co." ein Bekleidungsgeschäft,
aus dem eines der größten Herrenbekleidungsunternehmen in Wilmington
wurde.
vgl. Publikation: Vom Rhein an den Cape Fear River. Abraham David aus
Gimbsheim - eine rheinhessische Auswandergeschichte aus dem 19.
Jahrhundert. Siehe unten in der Literaturliste.
Dazu Seite
in der Website www.auswanderung-rlp.de. Seite
in der Website www.erichgraf.de |
Hinweis auf Harold Hirsch, Justitiar des Coca Cola
Company, dessen Vater aus Gimbsheim stammte
Harold
Hirsch (1881-1939) war ein Sohn von Heinrich Hirsch (geb. 1838 in
Gimbsheim), der Mitte des 19. Jahrhunderts von Gimbsheim aus nach Amerika
auswanderte. Sohn Harold wurde in Atlanta geboren. Er hatte als Justitiar
der Coca Cola Company die geniale Idee, Coca Cola in einer
unverwechselbaren Flasche abfüllen zu lassen und gab 1915 mit einem
Wettbewerb den Anstoß, eine solche Flasche zu entwickeln. Seine Aufgabe
war, den Namen Coca Cola in der ganzen Welt bekannt zu machen.
Vgl. weitere Informationen auf der Seite www.erichgraf.de.
dazu ein Artikel in der Wormser Zeitung vom 12. November 2011: Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei.
Das Foto links zeigt die von Earl R. Dean 1916 entworfene Coca
Cola-Flasche (Quelle: Wikipedia-Artikel
Coca-Cola)
Link zu einem Foto von Harold Hirsch in http://www.georgiaencyclopedia.org/nge/Multimedia.jsp?id=m-2848 |
Gedenken an Leopold Hirsch und das
Schicksal der Familie Hirsch
Leopold Hirsch aus Gimbsheim - ein
Überlebender des Holocaust. Am 2. September 2011 jährt sich der
Todestag von Leopold Hirsch zum 35. Mal. Leopold Hirsch entstammt einer
jüdischen Familie aus Gimbsheim. Er hat den Holocaust überlebt, weil es
ihm gelang, in die Vereinigten Staaten zu emigrieren. Dass zum ersten Mal
in seiner früheren Heimat an ihn erinnert werden kann, ist Gabriele
Hannah und Hans-Dieter Graf zu verdanken, die es sich zur Aufgabe gemacht
haben, die Namen und Lebensdaten - soweit sie unbekannt sind - der in der
NS-Zeit emigrierten und umgekommenen jüdischen Mitbürger aus dem Bereich
der heutigen Verbandsgemeinde Eich zu ermitteln und wenn möglich, ihren
Lebensweg nachzuzeichnen.
Informationen und Dokumente zum Schicksal der Familie Hirsch usw. auf www.erichgraf.de |
 | Hans-Dieter Graf / Gabriele Hannah:
Familie emigrierte in Etappen. Der Gimbsheimer Leopold Hirsch
flüchtete vor der Judenverfolgung nach New York. In: Rhein Main
Presse (Wonnegau) vom 16. April 2013 S. 18. Beitrag
eingestellt als pdf-Datei. |
|
 | Weiterer Artikel zu Familie Hirsch vom Torben Schröder
in der "Wormser Zeitung" vom 6. September 2012: "Ausgewandert
oder umgebracht. Jüdische Familie - Repressionen der NS-Zeit
vertrieben die Hirschs aus Gimbsheim..."
Link zum Artikel: Ausgewandert
oder umgebracht (Wormser Zeitung, 06.09.2012). |
|
Hinweis auf den aus Gimbsheim stammenden Rabbiner Dr.
Moritz David (1875-1956)
Rabbiner Dr. Moritz David (geb. 1875 in
Gimbsheim, gest. 1956 in Manchester): studierte in Breslau (siehe
Mitteilung oben von 1895) und Erlangen;
er war von 1901 bis 1934 Rabbiner in Bochum; danach zwar im Ruhestand aber
weiter Aktivitäten bei Wohlfahrtsaufgaben; Juni bis Dezember 1938
Rabbiner in Dortmund; nach dem Novemberpogrom im KZ Sachsenhausen;
Frühjahr 1939 nach England emigriert.
Weitere Informationen u.a. über Website exilarchiv.de - Artikel
zu Rabbiner Dr. Moritz David sowie über den
Wikipedia-Artikel
https://de.wikipedia.org/wiki/Moritz_David
An Rabbiner Dr. Moritz David erinnern u.a. eine Gedenktafel an der
Trauerhalle des jüdischen Friedhofes Wasserstraße in Bochum (Foto links
aus Wikimedia-Commons) sowie seit
1998 die Dr.-Moritz-David-Straße in Bochum. |
Erinnerung an Kurt Reinsberg (1916 in Gimbsheim - 2016
in New York)
Links: Artikel von Martin Graf in der "Allgemeinen Zeitung" vom
3. Mai 2016: "Erinnerung an Gimbsheim. Kurt Reinsberg mit 99
Jahren in New York gestorben..."
Link
zum Artikel (oder Textabbildung anklicken)
Anmerkung: Kurt Reinsberg war ein Enkel von Emil David I. (1843-1914)
aus Gimbsheim. Dieser wiederum war der Onkel von Abraham David
(1844-1914), der als junger Mann nach Amerika auswanderte und in North
Carolina ein großes Herrenbekleidungsgeschäft gegründet hatte (siehe
Literatur unten). Die Eltern von Kurt Reinsberg waren Lehmann Reinsberg
(1882-1971) und Clara Reinsberg geb. David (1886-1980) aus Gimbsheim.
Weiteres im Artikel links (bitte Textabbildung anklicken). |
Kleine Mitteilungen
- Isaak Hirsch - damals ältester Bürger am Ort - starb im
Alter von 97 Jahren in Gimbsheim (in: "Jüdische Volkszeitung" vom 21.
Dezember 1916)
- Verlobung von Hugo Hirsch (Gimbsheim) mit Else Metzger
(Mainz) (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 9. November 1922 S. 5)
- Verstorben ist Henriette Hirsch geb. Allenberg in Gimbsheim
im Alter von 71 Jahren am 2. Juli 1928 (in: "Israelitisches Familienblatt"
vom 19. Juli 1923)
- Verstorben ist Jetta Guthmann geb. Hirsch in Gimbsheim im Alter
von 81 Jahren (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 8. August 1929)
- Verlobung von Salli Fränkel (Biblis) mit Paula geb. Guthmann
(Gimbsheim) 1930 (in "Israelitisches Familienblatt" vom 13. Februar 1930)
- Hochzeit von Salli Fränkel (Biblis) mit Paula geb. Guthmann
(Gimbsheim) 1930 (in "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer
Religionsgemeinden Hessens" 1930 9 S. 15)
- Verlobung von Frieda Kahn in Gimbsheim mit Otto Gerson (Groß
Gerau - Kirchberg) (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 27. November 1930)
- Hochzeit von Otto Gerson (Kirchberg (Hunsrück)) mit Frieda geb. Kahn
aus Gimbsheim (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 5. März 1931)
- Verstorben ist Friedericke Hirsch in Gimbsheim am 8. Februar 1933
im Alter von 72 Jahren (in "Mitteilungsblatt des Landesverbandes
israelitischer Religionsgemeinden Hessens" 1933 3)
- 80. Geburtstag von Heinrich Hirsch in Gimbsheim am 4. Februar
1938 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 27. Januar 1938)
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen des Schuhmachermeisters Albert Keller
(1904 / 1909)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1904:
"Lehrling.
Ein Junge, aus ordentlicher Familie, kann sofort das Schuhmacherhandwerk
bei mir erlernen. Kost und Logis im Hause, Schabbos und Jomtof (sc.
Feiertag) frei.
Albert Keller, Gimbsheim, Kr. Worms." |
| |
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. Mai 1909: "Suche sofort
einen braven Jungen,
aus guter Familie, welcher bei mir das Schuhmacherhandwerk
gründlich erlernen kann. Auch kann sich derselbe in der Schuhwarenbranche
ausbilden. Samstags und Feiertage frei.
Albert Keller, Schuhmachermeister und Schuhgeschäft,
Gimbsheim (Rheinhessen)." |
Verlobungsanzeige von Emmi Keller
und Martin Weis (1936)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. März 1936:
"Emmi Keller - Martin Weis
Verlobte
März 1936
Gimbsheim/Rheinhessen - Worms am Rhein." |
| Kennkarte
aus der NS-Zeit |
| |
Am 23. Juli 1938 wurde
durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von
Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht
eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen
Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch"
galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste
Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt.
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv
zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände:
Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV:
Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm.
Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de |
| |
Kennkarte
zu dem in Gimbsheim
geborenen Hugo Hirsch |
 |
|
|
| |
Kennkarte (Mainz 1939)
für Hugo Hirsch (geb. 24. Juli 1885
in Gimbsheim, in der Karte verschrieben), Kaufmann |
|
|
Zur Geschichte der Synagoge
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten besuchten die jüdischen
Familien aus Gimbsheim die Synagoge in Alsheim. Möglicherweise gab es in
Gimbsheim eine eigene Betstube. Erst seit 1892 war eine Synagoge vorhanden. Ob
es sich dabei um einen neu erstellten Bau oder um ein umgebautes Wohnhaus
handelte, ist nicht klar. Über die Einweihung der Gimbsheimer Synagoge am
27. August 1892 liegt ein Bericht in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 9. September 1892 vor:
"Gimbsheim
(Kreis Worms). Am Samstag den 27. August (1892) fand die Einweihung der neu
hergestellten Synagoge statt. Am Vorabend wurden in feierlichem Zuge die
Torarollen ins Gotteshaus getragen. Samstag Morgen fand der Hauptgottesdienst
statt, an welchem sich außer zahlreichen Fremden, die Vertreter der
bürgerlichen Gemeinde nebst anderen Ortsbeamten einfanden. Herr Lehrer
Ledermann besprach in beredter Weise die Bedeutung und den Segen eines
Gotteshauses und schloss seinen Vortrag mit einem herrlichen Weihegebet."
|
Für mehrere Jahrzehnte war die Synagoge Zentrum der Gimbsheimer jüdischen
Gemeinde. Äußerlich zeigten die Rundbogenfenster, dass es sich um kein
einfaches Wohnhaus handelte. Wie lange in den 1930er-/1930-Jahren in dem
Gebäude noch Gottesdienste abgehalten werden konnten, ist unbekannt.
Die Gemeinde hat sich aufgelöst -
das Synagogengebäude wurde verkauft (Sommer 1938)
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. September 1938: "Gimbsheim
(Hessen). Die Gemeinde hat sich aufgelöst; die Synagoge ist an einen
Tischlermeister verkauft worden." |
Beim Novemberpogrom 1938 war das Gebäude bereits verkauft
und entging damit einer weiteren Zerstörung. Es wurde
zu einem Wohnhaus umgebaut (zeitweise mit Wagnerei), das bis heute erhalten ist.
Adresse/Standort der Synagoge:
Sandstraße 17
Foto
(Quelle: Arnsberg: Bilder Dokumente S. 75;
Fotos von 2011 - aufgenommen Anfang Juli 2011 - von Michael Ohmsen, vgl. Website
von M. Ohmsen mit Fotoseite
zu Gimbsheim).
Das Gebäude der
ehemaligen Synagoge |
 |
|
| |
Das Foto entstand vermutlich
in den 1960er-Jahren |
|
| |
|
|
Das Gebäude der
ehemaligen Synagoge
im Sommer 2011 |
 |
 |
| |
Am Gebäude
befindet sich eine Hinweistafel mit folgendem Text: "Ehemalige
Synagoge. Wahrscheinlich lebten schon vor dem Dreißigjährigen Krieg
Juden in Gimbsheim, urkundlich nachgewiesen sind sie seit dem späten 17.
Jahrhundert. Erst im späten 19. Jahrhundert war die Gemeinde so groß,
dass sie eine eigene Synagoge unterhalten konnte. Nachdem zunächst Räume
in einem Privathaus als Synagoge und Frauenbad genutzt wurden, wurde die
neue Synagoge 1892 eingeweiht. Es ist unbekannt, wie lange sie als
Synagoge genutzt wurde. 1938 war das Gebäude bereits zum Wohnhaus
umgebaut". |
| |
|
|
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
|
März 2023: Auf
den Spuren der Vorfahren |
Artikel
von Christine Bausch in der "Allgemeinen Zeitung" vom 1. April 2023: "Reise
zu den jüdischen Vorfahren am Altrhein. Phyllis Brasch Librach,
Journalistin aus St. Louis, hat in Alsheim, Gimbsheim, Osthofen und Worms
die Geschichte ihrer Familie neu entdeckt..."
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen.
Anfang - Untergang - Neubeginn. Darmstadt 1972. Bd. 1. S. 263-265. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 75. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 122. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 166-167 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Günter Reich: Die Juden in den Orten der
Verbandsgemeinde Eich / Rheinhessen. |
 |
Vom Rhein an den Cape Fear River
Eine rheinhessische Auswanderergeschichte von Hans-Dieter Graf, Martina Graf, Gabriele Hannah und Anton Hieke. Mit Illustrationen von Gisela Graf und vielen weiteren Abbildungen und
Fotos.
Diese Publikation erschien in der Buchreihe "Rheinhessen Geschichte(n)"
im Kehl-Verlag Osthofen
Zum Inhalt: Dieses Buch erzählt die Geschichte von Abraham David aus
Gimbsheim, der sich vor 150 Jahren (1862) - als junger Mann von kaum 18 Jahren zusammen mit seinem Cousin
Gabriel Haas aus Eich auf die abenteuerlichste Reise seines Lebens machte: nach Amerika. Hier erlebte er das, was man den
'American Dream' nennt: den Aufstieg vom kleinen Ladendiener zum Inhaber eines der größten Bekleidungsunternehmen im Süden der Vereinigten Staaten.
Abraham David geriet mitten in den amerikanischen Bürgerkrieg. Sein Weg führte ihn von New York über Philadelphia und Alexandria nach
Wilmington, einer im Bundesstaat North Carolina am Cape Fear River gelegene Hafenstadt. Verwandte und Bekannte aus der alten Heimat erleichterten ihm den Start. Hier traf er auch auf Abraham Weill aus Lambsheim, der sich als Fluchthelfer und Unterstützer der Familie des Südstaatenpräsidenten Jefferson Davis in die Geschichtsbücher von North Carolina eingetragen hat.
Abraham David war das, was man einen 'self made man' nennt: wagemutig und einfallsreich, aber auch anpassungsfähig und leistungswillig. Ein Mann, der nicht nur den geschäftlichen Erfolg suchte, sondern auch bestrebt war, sich in die vorhandenen gesellschaftlichen Strukturen seiner neuen Heimat zu integrieren und aktiv einzubringen.
132 Seiten im Format 16,5 x 24 cm. Hardcover - 1. Auflage. ISBN: 978-3-935651-49-3.
Preis 24,90 € zuzüglich Versandkosten.
Bestellungen online möglich direkt beim Kehl-Verlag
Osthofen (Medien-Service Reiner Kehl). |
Presseartikel: Von Gimbsheim nach Amerika (Wormser Zeitung, 22.10.2013).
Weiterer Artikel:
Den amerikanischen Traum gelebt (Wormser Zeitung, 25.11.2013) |
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Gimbsheim. Although Jews first
arrived there in the 17th century, an independent community was not established
until 1875, numbering 72 (3 % of the total) in 1900. It then declined, and by
December 1939 all the Jews had left.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|