Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Borken bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Bereits im 14./15. Jahrhundert lebten einige jüdische Personen in der Stadt. Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Die erste urkundliche Erwähnung von Juden in der Stadt ist von 1596. Im 17. Jahrhundert waren im Durchschnitt fünf bis sechs jüdische Familien in der Stadt. Im 17. und 18. Jahrhundert war Borken der "Judenlandtage". 1777 werden sieben jüdische Familien mit zusammen 28 Personen gezählt. Bereits damals gab es einen Lehrer und Vorbeter ("Judenschulmeister").     

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1827 83 jüdische Einwohner (7,4 % von insgesamt 1.118 Einwohnern), 1835 66, 1842 70 (5,1 % von 1.373), 1852 120 (8,5 % von 1.417, in 25 Familien), 1861 157 (10,6 % von 1.480), 1885 182 (14,3 % von 1.273), 1895 204 (15,8 % von 1.290), 1905 171 (13,5 % von 1.266). Auch die in Großenenglis und in Freudenthal lebenden jüdischen Personen gehörten zur Gemeinde in Borken (in Großenenglis: 1835 14, 1842 5, 1861 8 jüdische Einwohner; Ende des 19. Jahrhunderts nur noch Familie Kaiser; in Freudenthal 1893 4 jüdische Steuerzahler, d.h. Haushaltsvorstände). Die jüdischen Haushaltsvorstände verdienten den Lebensunterhalt ihrer Familien als Krämer, Handelsleute, Metzger, Pferdehändler; Mitte des 19. Jahrhundert gab es auch einen jüdischen Buchbinder und einen Schuhmacher. 
 
An den Freiheitskriegen 1813-1814 nahm aus Borken Isaac Lehrberger teil. 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Israelitische Schule (Israelitische Elementarschule von 1823 bis 1934, die Schule war zunächst in gemieteten Räumen in den heutigen Gebäuden Bahnhofstraße 84 und in der Hintergasse 1; seit 1896 in dem damals neu erbauten jüdischen Schulhaus Pferdetränke 12), eine Mikwe und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Zwischen 1872 und 1887 waren unter Lehrer D. Katzenstein zunächst 23, zuletzt 43 Kinder in der Schule zu unterrichten. Ab 1888 war Lehrer Wolf Amram in Borken. Er unterrichtete bis zu 66 Kinder (1896 im Jahr der Einweihung des neuen Schulhauses). Als Lehrer Amram starb (1909, siehe Bericht unten), war die Zahl der jüdischen Kinder bereits stark zurückgegangen. 1912 hatte die Schule nur noch 17 Kinder. 1914 trat der letzte Lehrer der jüdischen Gemeinde seinen Dienst an: Levi Katz. Er unterrichtete in der Folgezeit auch die jüdischen Kinder in der Umgebung, u.a. in Homberg (Efze) und Falkenberg.   
Die Gemeinde gehörte mit den Gemeinden im ehemaligen Kreis Homberg zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Nathan Gottlieb (geb. 14.11.1891 in Borken, gef. 22.8.1915), Willy Gottlieb (geb. 23.8.1897 in Borken, gef. 10.8.1918), Ober-Gefreiter Meyer Lehrberger (geb. 22.1.1893 in Borken, gef. 13.3.1918), Moses Rosenbusch (geb. 19.6.1887 in Borken, gef. 18.11.1915), Gefreiter Leopold Rosenmund (geb. 18.10.1885 in Borken, gef. 13.8.1918).           
 
1925 gehörten 145 Personen zur jüdischen Gemeinde (8,7 % von insgesamt 1.660 Einwohnern). 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Is. Appel II (1. Vors.), Hugo Moses (2. Vors.) und Max Rosenbusch (Schriftführer und Schatzmeister). Als Lehrer war der schon genannte Levi Katz tätig. Er unterrichtete an der Israelitischen Volksschule (mit 4 Klassen) 1924/25 17 Kinder. An jüdischen Vereinen gab es den Frauenverein (gegründet 1900, 1932 unter Leitung von Minna Kaufmann mit 35 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), den Männerverein (gegründet 1920, 1932 unter Leitung von Is. Appel II mit 16 Mitgliedern, Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Bestattungswesen) und die Milde Stiftung (gegründet 1835, 1932 unter Leitung von Liebmann Kaufmann mit 17 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger).         

1933 lebten noch 141 jüdische Personen in der Stadt (7,2 % von 1.960).
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bereits im Juni 1933 wurden jüdische wie auch andere der Partei unliebsame Personen in das damalige Rathaus verschleppt und stundenlang misshandelt. 1934 musste die jüdische Schule geschlossen werden (zuletzt 10 Kinder; der Religionsunterricht konnte bis Ende des Schuljahres 1937/38 fortgeführt werden). Bis Ende September 1937 war die Zahl jüdischer Einwohner auf 60, bis April 1938 auf 40 zurückgegangen. Im Frühjahr 1938 kam das jüdische Gemeindeleben weitgehend zum Erliegen. Eine der letzten besonderen Ereignisse im jüdischen Gemeindeleben war das 40-jährige Dienstjubiläum von Lehrer Levi Katz und eine Bar-Mizwa-Feier am 1. April 1938. Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 (s.u.) ging die Zahl der jüdischen Einwohner bis 1939 auf 22 zurück (1,0 % von 2.109 Einwohnern). Am 25. August 1942 wurden die letzten drei jüdischen Einwohner in das Ghetto Theresienstadt deportiert.   
  
Von den in Borken geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Edith Appel (1914), Isaak Appel (1875), Simon Appel (1881), Hermann Blum (1892), Hildegard Blum (1923), Hugo Blum (1892), Margot Blum (1923), Martha Marga Blum (1928), Martin Blum (1925), Moritz Blum (1867), Johanna David geb. Lehrberger (1885), Veilchen Elias geb. Blum (1865), Berta Gottlieb geb. Bornheim (1890), Ernst Moses Gottlieb (1923), Gustav Gottlieb (1886), Ilse Sitta Gottlieb (1921), Jonas Hainz (1889), Rolf Jakob Hain (1924), Rosa Hain geb. Gottlieb (1895), Susanne Hain (1926), Sara Heilbronn geb. Appel (1865), Bertha Heilbrunn (1918), Leo Herrmann (1913), Hedwig Holzapfel geb. Lehrberger (1895), Hans Israel (1920), Leo Israel (1923), Selma Israel geb. Rosenbusch (1892), Rosa Kanter geb. Wittmüller (1860), Flora Katten geb. Appel (1885), Bertha (Herta) Katzenstein geb. Weiler (1853), Max Kaufmann (1898), Paula Kaufmann geb. Sauer (1893), Siegfried Kaufmann (1882), Emma Kohlhagen geb. Appel (1874), Emil Lehrberger (1880), Leopold Friedrich Lehrberger (1888), Margot Lehrberger (1923), Max Moritz Lehrberger (1879), Menny (Henny) Lehrberger (1882), Lina Levi geb. Rosenmund (1883), Max Mordechai Nadel (1884), Siegfried Nagel (1903), Eduard Nussbaum (1878), Friederike Nussbaum geb. Nussbaum (1893), Leopold Nussbaum (1901), Minna Nussbaum (1922), Moritz Nussbaum (1888), Pauline Nussbaum geb. Blach (1873), Johanna Oppenheim (1880), Frieda Philippsohn geb. Rothschild (1893), Frieda Poortje geb. Lehrberger (1888), Jettchen Rosenberg geb. Kaufmann (1900), Flora Rosenbusch geb. Katzenstein (1894), Hanne Rosenbusch (1860), Max Rosenbusch (1890), Adele Emma Rosenmund (1878), Hedwig Rosenmund (1893), Jenni Rosenmund (1892), Sara Sauer geb. Guttheim (1871), Margareta (Grete) Schönfeld geb. Katz (1909), Franziska Speier geb. Rosenbusch (1893), Levi Speier (1885), Ursel Speier (1924), Berta Stern (1869), Delfine Stern geb. Katzenstein (1888), Franziska Stern geb. Rosenbusch (1886), Rosa Stern geb. Appel (1879), Gerti Wallach geb. Rothschild (1889).    
Achtung: es kann bei einzelnen Recherchen zu Verwechslungen von Borken in Hessen mit Borken in Westfalen kommen. 
  
Von den in Großenenglis geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Josef Kaiser (1873).              
   
   
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zum Tod von Lehrer Wolf Amram (1909)  

Borken AZJ 22101909.jpg (32659 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Oktober 1909: "Aus Kurhessen, 19. Oktober (1909), am 15. dieses Monats wurde Lehrer Amram, Borken, unter großer Beteiligung zu Grabe geleitet. Es ist leider nicht erlaubt, die vielfachen Verdienste des Verstorbenen um die Lehrerfrage zu würdigen, da er letztwillig sich jeden Nachruf verbeten hat und dieses so verklausuliert, dass diese Zeilen wohl schon zu viel sind. Er ruhe in Frieden!"
Anmerkung: Lehrer Wolf Amram war u.a. langjähriger Vorsitzender der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens; er sprach als solcher bei der Feier zum Abschied von Lehrer Aron Katz 1905 in Fritzlar
Zur Person und Familie:
Lehrer Wolf Amram ist um 1850 (?) in Diemerode geboren. Er ließ sich zum Lehrer ausbilden und unterrichtete nach 1872 an der Israelitischen Elementarschule in Zwesten, seit 1888 in Borken, wo er 1909 gestorben ist. Er war verheiratet mit Julie geb. Lomnitz (geb. 1857 in Bischhausen). Seine Tochter Frieda (geb. 6. Oktober 1885 in Zwesten) wurde später Oberin des Kinderhauses der Weiblichen Fürsorge in Frankfurt am Main. Zeitweise wurde sie in dieser Aufgabe unterstützt von ihrer jüngeren Schwester Goldine (Dina) Hirschberg geb. Amram, die mit dem 1894 in Zwesten geborenen Lehrer Seligmann Hirschberg verheiratet war. Die Mutter Julie Amram ist 1942 im Ghetto Theresienstadt umgekommen. Ihre Tochter Frieda wurde 1942 in Auschwitz ermordet. 
vgl. zu Frieda Amram die biographischen Anmerkungen zu ihr in www.juedische-pflegegeschichte.de.   

   
40-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Levi Katz (1938)
   

Mitteilung im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 25. März 1938: "Borken. Am 1. April dieses Jahres kann Herr Lehrer L. Katz - Borken auf eine 40-jährige Dienstzeit zurückblicken."  
 
Anzeige im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 8. April 1938: "Für die mir anlässlich meines 40-jährigen Dienstjubiläums übermittelten Glückwünsche und erwiesene Aufmerksamkeit seitens der hiesigen Gemeinde und meines Kollegen- und Freundeskreises spreche ich allen meinen verbindlichsten Dank auf diesem Wege aus. 
L. Katz,
Lehrer i.R. Kantor und Prediger.
Borken (Kassel), den 3. April 1938."     

      
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Goldene Hochzeit von Levi Kaufmann und Rebecka geb. König (1895)      

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Juli 1895:  "Am 8. Juli feierten Herr Levi Kaufmann und dessen Ehefrau Rebecka geb. König, zu Borken, Hessen-Nassau, die goldene Hochzeit. Das Jubelpaar, im 83. Lebensjahr stehend, ist noch recht rüstig."  

        
Frau Rosenbusch und Frau Bachrach feiern hohe Geburtstage (1911)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Mai 1911: "In seltener körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrisch begingen vor einigen Tagen zwei Greisinnen in Borken (Hessen) ihren Geburtstag: Frau Rosenbusch ihren 95. und Frau Bachrach ihren 92. Beide Frauen beschäftigen sich noch im Haushalt und Geschäft den ganzen Tag über."        

         
Zum Tod des langjährigen Gemeindeältesten Moses Rosenmund (1927)    

Borken Israelit 23061927.jpg (20920 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1927: "Borken (Bezirk Kassel), 19. Juni (1927). Im 76. Lebensjahr verschied hier der langjährige Gemeindeälteste Moses Rosenmund. Er machte sich um das 1896 erbaute Schulhaus mit Mikwoh sehr verdient".

 
Zum Geburtstag von S. Kaiser in Großenenglis (1925)  

Fritzlar Israelit 18061925.jpg (18796 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1925: "Fritzlar, 14. Juni (1925). In vollkommener Rüstigkeit beging in Großenenglis der Rentier S. Kaiser seinen 80. Geburtstag. Dem Jubilar wurden von nah und fern zahlreiche Ehrungen zuteil."

  
96. Geburtstag von Feist Rosenbusch (1928)  

Borken Israelit 09021928.jpg (25004 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Borken (Bezirk Kassel), 29. Januar (1928). Seinen 96. Geburtstag beging dieser Tage in größter Rüstigkeit und Geistesfrische, Herr Feist Rosenbusch, früher Metzgermeister und jetzt Rentner. Der alte Herr hat noch für alles Interesse."  

   
80. Geburtstag von Betti Appel geb. Reuter (1928)
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1928: "Borken, 3. September (1928). In körperlicher und geistiger Rüstigkeit beging hier Frau Betti Appel geb. Reuter im Kreise ihrer Kinder und Enkelkinder ihren 80. Geburtstag. Frau Appel, welche sich großer Beliebtheit erfreut, hat stets eine offene Hand für die Armen gehabt und besonders ihre Gastfreundschaft, auch an jedem Fremden, wird überall rührend gelobt."    

   
Zum Tod von Veilchen Kaiser in Großenenglis (1929)  

Borken Israelit 31011929.jpg (83955 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1929: "Borken, 21. Januar (1929). Im Alter von 85 Jahren verschied im nahen Großenenglis Frau Veilchen Kaiser. Mit ihr ist eine seltene Frau dahingegangen. Sie war erfüllt von tiefer Frömmigkeit. An jedem Schabbat macht sie bis in ihr hohes Alter den weiten Weg zum Gotteshaus nach Borken und verließ die heilige Stätte nicht bis abends nach Schluss. Ihr Haus war weit und breit bekannt als ein Haus der Gastfreundschaft. Eine Freude machte ihr, den Armen zu helfen und Tränen zu trocknen. Die Familie Kaiser war die einzige jüdische Familie im Orte, trotzdem war jedes Haus bei ihrer Beerdigung vertreten. Auch von nah und fern waren sehr viele herbeigeeilt, ihr die letzte Ehre zu erweisen. Herr Lehrer Katz - Borken schilderte vor dem Hause in Großenenglis und auf dem Friedhof in Borken die Verstorbene als eine wahre wackere Frau und spendete den Hinterbliebenen innige Trostesworte. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

   
Verabschiedung weiterer Familien aus Borken - letzte Bar-Mizwa-Feier in Borken - der Religionsunterricht wird eingestellt (1938) 
  

Artikel im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 8. April 1938: "Borken (Bezirk Kassel). Der letzte Sabbath brachte unsere Gemeinde, die von 140 Mitgliedern auf 40 zusammengeschmolzen ist, einen durch mehrere Anlässe ausgezeichneten Gottesdienst. Lehrer Katz verabschiedete in seiner Sabbatbetrachtung die Familien Katz, Appel und Buchheim und segnete den letzten Barmizwoh-Knaben Blum ein. Gemeindeältester Nußbaum überreichte sodann dem Barmizwoh ein Buch als Geschenk des Preußischen Landesverbandes. Anschließend überreichte Herr Nußbaum im Namen der Gemeinde dem Lehrer Katz eine Blumenspende anlässlich seines 40-jährigen Dienstjubiläums, worauf Herr Lehrer Katz für die Anhänglichkeit und Treue der Gemeinde dankte. - Mit Schluss des Schuljahres geht der Religionsunterricht ein, da das letzte Kind in Kassel die Schule besuchen wird."   

   
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Mitarbeitersuche der Manufaktur- und Produktenhandlung Levy Rothschild (1900)  

Borken Israelit 07061900.jpg (42524 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1900: "Suche per sofort einen im Landgeschäft erfahrenen Commis, sowie Lehrling für meine Manufaktur- und Produktenhandlung. Schabbat und Feiertags streng geschlossen. 
Levy Rothschild, Borken, Bezirk Kassel."

     
Lehrlingssuchen des Getreide- und Manufakturwarengeschäftes / Getreide-, Futterartikel und Düngemittelgeschäfts Levi Rothschild (1902 / 1908)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1902: "Für mein Getreide- und Manufakturwarengeschäft suche einen kräftigen Lehrling aus guter Familie. Samstags und Feiertag streng geschlossen. 
Levi Rothschild, Borken, Bezirk Kassel."   
   
Borken FrfIsrFambl 15051908.jpg (39381 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Mai 1908: "Suche für mein Getreide-, Futterartikel- und Düngemittelgeschäft einen Lehrling zum baldigen oder auch späteren Eintritt. Samstags und Feiertags geschlossen.
Levi Rothschild Nachfolger, Borken, Bezirk Kassel."   

          
        

       
Zur Geschichte der Synagoge   

Zunächst (17./18. Jahrhundert) dürfte ein Betsaal oder eine erste Synagoge vorhanden gewesen sein.   
 
1825 wurde eine neue Synagoge erbaut beziehungsweise in einer umgebauten Scheune eingerichtet, der Baujahr nicht bekannt ist. Auch aus der Geschichte dieser Synagoge ist nur wenig bekannt. Von einem besonderen Ereignis, der Schenkung und Einbringung einer neuen Torarolle erfährt man 1887: 
   
Levy Nußbaum stiftet eine neue Torarolle (1887)    

Borken Israelit 16081887.jpg (29783 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1887: "Borken, in Hessen, 7. August (1887). Herr Levy Nussbaum hier schenkte der Synagoge eine prachtvolle Sefer-Thora, welches gestern Nachmittag mit entsprechenden Festlichkeiten in Anwesenheit der ganzen Gemeinde seiner Bestimmung übergeben wurde." 

Beim Synagogengebäude handelte es sich um ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Sattelbach, giebelseitig zum Straßenzug. Das Gebäude stand auf einem hohen Quadersockel. Im Betsaal der Synagoge hatte es (zumindest zuletzt) 66 Männer- und 34 Frauenplätze. 1925 wurde zur Erinnerung an die Gefallenen der jüdischen Gemeinde ein Gedenkleuchter eingeweiht.  
  
Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus der Gemeinde in der Synagoge (1926/27)   

Borken Israelit 11031926.jpg (55303 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1925: "Borken (Kurhessen), 7. März (1926). Die Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten hat anlässlich des Volkstrauertages in der Synagoge eine Ampel mit 8 elektrischen Birnen auf achteckigem Holzuntersatz anbringen lassen zur Erinnerung an die im Weltkrieg gefallenen 8 jüdischen Helden von hier. Einmal im Jahre, an Paraschat Sachor soll die Ampel brennen, um damit anzudeuten, dass ihr Kampf auch gegen die Feinde und Verleumder des Judentums gerichtet war. Lehrer Katz hielt die Weiheansprache. 8 Frontsoldaten sprachen das Kaddisch."
     
Borken Israelit 25081927.jpg (49933 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" von 25. August 1927. "Borken (Bezirk Kassel(, 22. August (1927). Die vor 2 Jahren zur Erinnerung an die von hier stammenden 8 Heldensöhne, die im Weltkriege gefallen sind, angebrachte Gedächtniskampfe hat durch die hochherzigen Spenden der Familie Rosenbusch in Duderstadt und des Herrn F. Gottlieb in Chicago 8 Messingschilder erhalten, auf welchen die Namen und der hebräische Todestag der Gefallenen in schwarzem Tiefdruck eingelassen sind. Die Lampe ist dadurch noch mehr ein Schmuckstück der Synagoge geworden."   

  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, der Innenraum verwüstet. Die Jüdische Gemeinde verkaufte unter dem Zwang der Verhältnisse das Synagogengebäude mit dem Schulhaus am 20. Februar 1939 an die Stadt Borken. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Synagogengebäude als "Lager für Altmaterial" zweckentfremdet. 
   
Nach 1945
kam das Anwesen an die jüdische Vermögensverwaltung JRSO, die es im September 1949 an einen Privatmann verkaufte, der die inzwischen baufällig gewordene ehemalige Synagoge 1954 abreißen ließ, um einem Stall Platz zu machen.   
 
1990/91 wurde auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge eine kleine Gedenkstätte (Gestaltung: Angelika Bernhammer, Marburg) eingerichtet. Der Steinsockel der ehemaligen Synagoge ist teilweise erhalten und wurde in die Gedenkstätte einbezogen. Der Text der Gedenktafel lautet: "Hier stand die Synagoge der ehemaligen jüdischen Gemeinde. Sie wurde am 9. November 1938 unter der Herrschaft des Nationalsozialismus verwüstet und später abgerissen. Dieses Mahnmal soll an die Synagoge und die jüdischen Mitbürger erinnern".   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge   an der Kreuzung von Hintergasse und Dorfweg        
      

Fotos
(Quelle: Arnsberg Bilder S. 27; Altaras 1988 S. 47 sowie 1994 S. 48)

Das Gebäude der 
ehemaligen Synagoge
Borken Synagoge 121.jpg (100086 Byte)   
   Die ehemalige Synagoge 
vor dem Abbruch 1954
  
      
Grundstück nach Abbruch der Synagoge
 (Aufnahme vom Juli 1985)
Borken Synagoge 120.jpg (71076 Byte)  
  Das Grundstück der ehemaligen Synagoge  
     
Die Gedenkstätte für die Synagoge  Borken Synagoge 122.jpg (62236 Byte) Borken Synagoge 123.jpg (67969 Byte)
       
         
Die Gedenkstätte für die Synagoge 
im Frühjahr 2010

(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 8.4.2010)
Borken Synagoge 473.jpg (97648 Byte) Borken Synagoge 470.jpg (111181 Byte)
  Blick auf die Gedenkstätte  
        
  Borken Synagoge 471.jpg (87991 Byte) Borken Synagoge 472.jpg (61045 Byte)
  Gedenkstein mit Gedenktafel (Text siehe oben)

        
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2010: Gedenken am Jahrestag des Novemberpogroms 1938  
Pressemitteilung der Stadtverwaltung Borken vom 17. November 2010 (Artikel): "Borken gedachte der Reichspogromnacht vor 72 Jahren. 
Borken.
9. November 2010. Zur Gedenkstunde trafen sich um 18 Uhr rund 100 Borkener Bürger an der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in der Hintergasse. Auffallend groß die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die mit Kerzen die Szenerie zusätzlich beleuchteten. Vor 72 Jahren brannten in Deutschland nicht nur die Synagogen der jüdischen Bevölkerung. Die systematische Vernichtung eines Volkes erreichte neue Dimensionen. Als Reichskristallnacht ging der 9. November 1938 in die deutsche Geschichte ein..."   
 
November 2011: Gedenken am Jahrestag des Novemberpogroms 1938  
Pressemitteilung aus den SEK-News vom 18. November 2011: 
"Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz bekämpfen. Kranzniederlegung zum Gedenken der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus.  
Borken.
Vertreter der Kommune, der örtlichen Kirchen und der Schule trafen sich am frühen Abend des 9. November zur Kranzniederlegung an der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in der Hintergasse..."  
Link zum Artikel.     
 

    
     
Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Borken   
Wikipedia-Artikel zu Borken 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Borken  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 86-87. 
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 27.    
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 47.  
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 48. 
dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007² S. 147.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 168-169. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 394-395. 

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Borken, Hesse-Nassau. Established in the 18th century, the community maintained a Jewish elementary school (1823-1934), numbered 204 (16 % of the total) in 1895, and was affiliated with Kassel's rabbinate. Of the 141 Jews living there in 1933, 71 emigrated, the last three were deported to the Theresienstadt ghetto in 1942.  
   

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 28. März 2012