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Borken (Hessen)
mit Großenenglis und Freudenthal (Stadt Borken, Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Borken bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Bereits im 14./15. Jahrhundert lebten einige jüdische
Personen in der Stadt. Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die
Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Die erste urkundliche Erwähnung von
Juden in der Stadt ist von 1596. Im 17. Jahrhundert waren im Durchschnitt
fünf bis sechs jüdische Familien in der Stadt. Im 17. und 18. Jahrhundert war
Borken der "Judenlandtage". 1777 werden sieben jüdische Familien mit
zusammen 28 Personen gezählt. Bereits damals gab es einen Lehrer und Vorbeter
("Judenschulmeister").
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1827 83 jüdische Einwohner (7,4 % von insgesamt 1.118 Einwohnern),
1835 66, 1842 70 (5,1 % von 1.373), 1852 120 (8,5 % von 1.417, in 25 Familien), 1861 157 (10,6 %
von 1.480), 1885 182 (14,3 % von 1.273), 1895 204 (15,8 % von 1.290), 1905 171
(13,5 % von 1.266). Auch die in Großenenglis
und in Freudenthal lebenden jüdischen
Personen gehörten zur Gemeinde in Borken (in Großenenglis: 1835 14, 1842 5,
1861 8 jüdische Einwohner; Ende des 19. Jahrhunderts nur noch Familie Kaiser; in Freudenthal 1893 4 jüdische Steuerzahler, d.h.
Haushaltsvorstände). Die jüdischen Haushaltsvorstände verdienten den
Lebensunterhalt ihrer Familien als Krämer, Handelsleute, Metzger,
Pferdehändler; Mitte des 19. Jahrhundert gab es auch einen jüdischen
Buchbinder und einen Schuhmacher.
An den Freiheitskriegen 1813-1814 nahm aus Borken Isaac Lehrberger teil.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Israelitische
Schule (Israelitische Elementarschule von 1823 bis 1934, die Schule war
zunächst in gemieteten Räumen in den heutigen Gebäuden Bahnhofstraße 84 und
in der Hintergasse 1; seit 1896 in dem damals neu erbauten jüdischen Schulhaus
Pferdetränke 12), eine Mikwe und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet
tätig war. Zwischen 1872 und 1887 waren unter Lehrer D. Katzenstein zunächst 23,
zuletzt 43 Kinder in der Schule zu unterrichten. Ab 1888 war Lehrer Wolf Amram
in Borken. Er unterrichtete bis zu 66 Kinder (1896 im Jahr der Einweihung des
neuen Schulhauses). Als Lehrer Amram starb (1909, siehe Bericht unten), war die
Zahl der jüdischen Kinder bereits stark zurückgegangen. 1912 hatte die Schule
nur noch 17 Kinder. 1914 trat der letzte Lehrer der jüdischen Gemeinde seinen
Dienst an: Levi Katz. Er unterrichtete in der Folgezeit auch die jüdischen
Kinder in der Umgebung, u.a. in Homberg
(Efze) und Falkenberg.
Die Gemeinde gehörte mit den Gemeinden im ehemaligen Kreis Homberg
zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Nathan
Gottlieb (geb. 14.11.1891 in Borken, gef. 22.8.1915),
Willy Gottlieb (geb. 23.8.1897 in Borken, gef. 10.8.1918), Ober-Gefreiter Meyer
Lehrberger (geb. 22.1.1893 in Borken, gef. 13.3.1918), Moses Rosenbusch (geb.
19.6.1887 in Borken, gef. 18.11.1915), Gefreiter Leopold Rosenmund (geb.
18.10.1885 in Borken, gef. 13.8.1918).
1925 gehörten 145 Personen zur jüdischen Gemeinde (8,7 % von insgesamt
1.660 Einwohnern). 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Is. Appel II (1.
Vors.), Hugo Moses (2. Vors.) und Max Rosenbusch (Schriftführer und
Schatzmeister). Als Lehrer war der schon genannte Levi Katz tätig. Er unterrichtete an
der Israelitischen Volksschule (mit 4 Klassen) 1924/25 17 Kinder. An jüdischen
Vereinen gab es den Frauenverein (gegründet 1900, 1932 unter
Leitung von Minna Kaufmann mit 35 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung
Hilfsbedürftiger), den Männerverein (gegründet 1920, 1932 unter
Leitung von Is. Appel II mit 16 Mitgliedern, Zweck und Arbeitsgebiete:
Unterstützung Hilfsbedürftiger und Bestattungswesen) und die Milde Stiftung
(gegründet 1835, 1932 unter Leitung von Liebmann Kaufmann mit 17 Mitgliedern;
Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung
Hilfsbedürftiger).
1933 lebten noch 141 jüdische Personen in der Stadt (7,2 % von 1.960).
In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bereits im Juni 1933
wurden jüdische wie auch andere der Partei unliebsame Personen in das damalige
Rathaus verschleppt und stundenlang misshandelt. 1934 musste die jüdische
Schule geschlossen werden (zuletzt 10 Kinder; der Religionsunterricht konnte bis
Ende des Schuljahres 1937/38 fortgeführt werden). Bis Ende September 1937 war die
Zahl jüdischer Einwohner auf 60, bis April 1938 auf 40 zurückgegangen. Im
Frühjahr 1938 kam das jüdische Gemeindeleben weitgehend zum Erliegen. Eine der
letzten besonderen Ereignisse im jüdischen Gemeindeleben war das 40-jährige
Dienstjubiläum von Lehrer Levi Katz und eine Bar-Mizwa-Feier am 1. April 1938.
Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 (s.u.) ging die Zahl der
jüdischen Einwohner bis 1939 auf 22 zurück (1,0 % von 2.109 Einwohnern). Am 25. August 1942 wurden die
letzten drei jüdischen Einwohner in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Von den in Borken geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Edith
Appel (1914), Isaak Appel (1875), Simon Appel (1881), Hermann Blum (1892),
Hildegard Blum (1923), Hugo Blum (1892), Margot Blum (1923), Martha Marga Blum
(1928), Martin Blum (1925), Moritz Blum (1867), Johanna David geb. Lehrberger
(1885), Veilchen Elias geb. Blum (1865), Berta Gottlieb geb. Bornheim (1890),
Ernst Moses Gottlieb (1923), Gustav Gottlieb (1886), Ilse Sitta Gottlieb (1921),
Jonas Hainz (1889), Rolf Jakob Hain (1924), Rosa Hain geb. Gottlieb (1895),
Susanne Hain (1926), Sara Heilbronn geb. Appel (1865), Bertha Heilbrunn (1918),
Leo Herrmann (1913), Hedwig Holzapfel geb. Lehrberger (1895), Hans Israel
(1920), Leo Israel (1923), Selma Israel geb. Rosenbusch (1892), Rosa Kanter geb.
Wittmüller (1860), Flora Katten geb. Appel (1885), Bertha (Herta) Katzenstein
geb. Weiler (1853), Max Kaufmann (1898), Paula Kaufmann geb. Sauer (1893),
Siegfried Kaufmann (1882), Emma Kohlhagen geb. Appel (1874), Emil Lehrberger
(1880), Leopold Friedrich Lehrberger (1888), Margot Lehrberger (1923), Max
Moritz Lehrberger (1879), Menny (Henny) Lehrberger (1882), Lina Levi geb.
Rosenmund (1883), Max Mordechai Nadel (1884), Siegfried Nagel (1903), Eduard
Nussbaum (1878), Friederike Nussbaum geb. Nussbaum (1893), Leopold Nussbaum
(1901), Minna Nussbaum (1922), Moritz Nussbaum (1888), Pauline Nussbaum geb.
Blach (1873), Johanna Oppenheim (1880), Frieda Philippsohn geb. Rothschild
(1893), Frieda Poortje geb. Lehrberger (1888), Jettchen Rosenberg geb. Kaufmann
(1900), Flora Rosenbusch geb. Katzenstein (1894), Hanne Rosenbusch (1860), Max
Rosenbusch (1890), Adele Emma Rosenmund (1878), Hedwig Rosenmund (1893), Jenni
Rosenmund (1892), Sara Sauer geb. Guttheim (1871), Margareta (Grete) Schönfeld
geb. Katz (1909), Franziska Speier geb. Rosenbusch (1893), Levi Speier (1885),
Ursel Speier (1924), Berta Stern (1869), Delfine Stern geb. Katzenstein (1888),
Franziska Stern geb. Rosenbusch (1886), Rosa Stern geb. Appel (1879), Gerti
Wallach geb. Rothschild (1889).
Achtung: es kann bei einzelnen Recherchen zu Verwechslungen von Borken in
Hessen mit Borken in Westfalen kommen.
Von den in Großenenglis geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):
Josef Kaiser (1873).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Zum Tod von Lehrer Wolf Amram (1909)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Oktober 1909: "Aus
Kurhessen, 19. Oktober (1909), am 15. dieses Monats wurde Lehrer Amram,
Borken, unter großer Beteiligung zu Grabe geleitet. Es ist leider nicht
erlaubt, die vielfachen Verdienste des Verstorbenen um die Lehrerfrage zu
würdigen, da er letztwillig sich jeden Nachruf verbeten hat und dieses so
verklausuliert, dass diese Zeilen wohl schon zu viel sind. Er ruhe in
Frieden!" |
Anmerkung:
Lehrer Wolf Amram war u.a. langjähriger Vorsitzender der israelitischen
Lehrerkonferenz Hessens; er sprach als solcher bei der Feier zum Abschied
von Lehrer Aron Katz 1905 in Fritzlar.
Zur Person und Familie: Lehrer Wolf Amram ist um 1850 (?) in
Diemerode geboren. Er ließ sich zum
Lehrer ausbilden und unterrichtete nach 1872 an der Israelitischen
Elementarschule in Zwesten, seit
1888 in Borken, wo er 1909 gestorben ist. Er war verheiratet mit
Julie geb. Lomnitz (geb. 1857 in Bischhausen).
Seine Tochter Frieda (geb. 6. Oktober 1885 in Zwesten)
wurde später Oberin des Kinderhauses der Weiblichen Fürsorge in
Frankfurt am Main. Zeitweise wurde sie in dieser Aufgabe unterstützt von
ihrer jüngeren Schwester Goldine (Dina) Hirschberg geb. Amram, die mit
dem 1894 in Zwesten geborenen
Lehrer Seligmann Hirschberg verheiratet war. Die Mutter Julie Amram ist
1942 im Ghetto Theresienstadt umgekommen. Ihre Tochter Frieda wurde 1942
in Auschwitz ermordet.
vgl. zu Frieda Amram die biographischen Anmerkungen zu ihr in www.juedische-pflegegeschichte.de.
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40-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Levi Katz (1938)
Mitteilung
im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 25. März 1938: "Borken.
Am 1. April dieses Jahres kann Herr Lehrer L. Katz - Borken auf
eine 40-jährige Dienstzeit zurückblicken." |
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Anzeige
im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 8. April 1938:
"Für die mir anlässlich meines 40-jährigen Dienstjubiläums
übermittelten Glückwünsche und erwiesene Aufmerksamkeit seitens der
hiesigen Gemeinde und meines Kollegen- und Freundeskreises spreche ich
allen meinen verbindlichsten Dank auf diesem Wege aus.
L. Katz, Lehrer i.R. Kantor und Prediger.
Borken (Kassel), den 3. April
1938." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen
Gemeinde
Goldene Hochzeit von Levi Kaufmann und Rebecka geb.
König (1895)
Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12.
Juli 1895: "Am 8. Juli feierten Herr Levi Kaufmann und
dessen Ehefrau Rebecka geb. König, zu Borken, Hessen-Nassau, die
goldene Hochzeit. Das Jubelpaar, im 83. Lebensjahr stehend, ist noch recht
rüstig." |
Frau Rosenbusch und Frau Bachrach feiern hohe
Geburtstage (1911)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 26. Mai 1911: "In seltener körperlicher Rüstigkeit und
Geistesfrisch begingen vor einigen Tagen zwei Greisinnen in Borken
(Hessen) ihren Geburtstag: Frau Rosenbusch ihren 95. und Frau
Bachrach ihren 92. Beide Frauen beschäftigen sich noch im Haushalt
und Geschäft den ganzen Tag über." |
Zum Tod des langjährigen Gemeindeältesten Moses
Rosenmund (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1927: "Borken (Bezirk
Kassel), 19. Juni (1927). Im 76. Lebensjahr verschied hier der langjährige
Gemeindeälteste Moses Rosenmund. Er machte sich um das 1896 erbaute
Schulhaus mit Mikwoh sehr verdient". |
Zum Geburtstag von S. Kaiser in Großenenglis (1925)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1925:
"Fritzlar, 14. Juni (1925). In vollkommener Rüstigkeit beging in
Großenenglis der Rentier S. Kaiser seinen 80. Geburtstag. Dem Jubilar
wurden von nah und fern zahlreiche Ehrungen zuteil." |
96. Geburtstag von Feist Rosenbusch (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Borken (Bezirk
Kassel), 29. Januar (1928). Seinen 96. Geburtstag beging dieser Tage in größter
Rüstigkeit und Geistesfrische, Herr Feist Rosenbusch, früher
Metzgermeister und jetzt Rentner. Der alte Herr hat noch für alles
Interesse." |
80. Geburtstag von Betti Appel geb. Reuter (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1928: "Borken,
3. September (1928). In körperlicher und geistiger Rüstigkeit beging
hier Frau Betti Appel geb. Reuter im Kreise ihrer Kinder und Enkelkinder ihren
80. Geburtstag. Frau Appel, welche sich großer Beliebtheit erfreut, hat
stets eine offene Hand für die Armen gehabt und besonders ihre
Gastfreundschaft, auch an jedem Fremden, wird überall rührend
gelobt." |
Zum Tod von Veilchen Kaiser in Großenenglis
(1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1929:
"Borken, 21. Januar (1929). Im Alter von 85 Jahren verschied im nahen
Großenenglis Frau Veilchen Kaiser. Mit ihr ist eine seltene Frau
dahingegangen. Sie war erfüllt von tiefer Frömmigkeit. An jedem Schabbat
macht sie bis in ihr hohes Alter den weiten Weg zum Gotteshaus nach Borken
und verließ die heilige Stätte nicht bis abends nach Schluss. Ihr Haus
war weit und breit bekannt als ein Haus der Gastfreundschaft. Eine Freude
machte ihr, den Armen zu helfen und Tränen zu trocknen. Die Familie
Kaiser war die einzige jüdische Familie im Orte, trotzdem war jedes Haus
bei ihrer Beerdigung vertreten. Auch von nah und
fern waren sehr viele herbeigeeilt, ihr die letzte Ehre zu erweisen. Herr
Lehrer Katz - Borken schilderte vor dem Hause in Großenenglis und auf dem
Friedhof in Borken die Verstorbene als eine wahre wackere Frau
und spendete den Hinterbliebenen innige Trostesworte. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Verabschiedung weiterer Familien aus Borken - letzte Bar-Mizwa-Feier in Borken -
der Religionsunterricht wird eingestellt (1938)
Artikel
im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 8. April 1938: "Borken
(Bezirk Kassel). Der letzte Sabbath brachte unsere Gemeinde, die von 140
Mitgliedern auf 40 zusammengeschmolzen ist, einen durch mehrere Anlässe
ausgezeichneten Gottesdienst. Lehrer Katz verabschiedete in seiner Sabbatbetrachtung
die Familien Katz, Appel und Buchheim und segnete den letzten
Barmizwoh-Knaben Blum ein. Gemeindeältester Nußbaum überreichte sodann
dem Barmizwoh ein Buch als Geschenk des Preußischen Landesverbandes.
Anschließend überreichte Herr Nußbaum im Namen der Gemeinde dem Lehrer
Katz eine Blumenspende anlässlich seines 40-jährigen Dienstjubiläums,
worauf Herr Lehrer Katz für die Anhänglichkeit und Treue der Gemeinde
dankte. - Mit Schluss des Schuljahres geht der Religionsunterricht ein, da
das letzte Kind in Kassel die Schule besuchen
wird." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und
Privatpersonen
Mitarbeitersuche der Manufaktur- und Produktenhandlung
Levy Rothschild (1900)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1900: "Suche per sofort einen
im Landgeschäft erfahrenen Commis, sowie Lehrling für meine Manufaktur-
und Produktenhandlung. Schabbat und Feiertags streng geschlossen.
Levy
Rothschild, Borken, Bezirk Kassel." |
Lehrlingssuchen des Getreide- und
Manufakturwarengeschäftes / Getreide-, Futterartikel und
Düngemittelgeschäfts Levi Rothschild (1902 / 1908)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1902:
"Für mein Getreide- und Manufakturwarengeschäft suche einen
kräftigen Lehrling aus guter Familie. Samstags und Feiertag streng
geschlossen.
Levi Rothschild, Borken, Bezirk Kassel." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Mai 1908: "Suche für
mein Getreide-, Futterartikel- und Düngemittelgeschäft einen Lehrling
zum baldigen oder auch späteren Eintritt. Samstags und Feiertags
geschlossen.
Levi Rothschild Nachfolger, Borken, Bezirk Kassel." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst (17./18. Jahrhundert) dürfte ein Betsaal oder eine
erste Synagoge vorhanden gewesen sein.
1825 wurde eine neue Synagoge erbaut beziehungsweise in einer umgebauten Scheune
eingerichtet, der Baujahr nicht bekannt ist. Auch aus der Geschichte dieser Synagoge ist nur wenig bekannt. Von einem
besonderen Ereignis, der Schenkung und Einbringung einer neuen Torarolle
erfährt man 1887:
Levy Nußbaum stiftet eine neue Torarolle
(1887)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1887: "Borken, in Hessen, 7.
August (1887). Herr Levy Nussbaum hier schenkte der Synagoge eine
prachtvolle Sefer-Thora, welches gestern Nachmittag mit entsprechenden
Festlichkeiten in Anwesenheit der ganzen Gemeinde seiner Bestimmung übergeben
wurde." |
Beim Synagogengebäude handelte es sich um ein
zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Sattelbach, giebelseitig zum Straßenzug. Das
Gebäude stand auf einem hohen Quadersockel. Im Betsaal der Synagoge hatte es (zumindest zuletzt)
66 Männer- und 34 Frauenplätze. 1925 wurde zur Erinnerung an die
Gefallenen der jüdischen Gemeinde ein Gedenkleuchter eingeweiht.
Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus der Gemeinde in der
Synagoge (1926/27)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1925: "Borken (Kurhessen), 7.
März (1926). Die Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten hat
anlässlich des Volkstrauertages in der Synagoge eine Ampel mit 8
elektrischen Birnen auf achteckigem Holzuntersatz anbringen lassen zur
Erinnerung an die im Weltkrieg gefallenen 8 jüdischen Helden von hier.
Einmal im Jahre, an Paraschat Sachor
soll die Ampel brennen, um damit anzudeuten, dass ihr Kampf auch gegen die
Feinde und Verleumder des Judentums gerichtet war. Lehrer Katz hielt die
Weiheansprache. 8 Frontsoldaten sprachen das Kaddisch." |
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Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" von 25. August 1927. "Borken (Bezirk
Kassel(, 22. August (1927). Die vor 2 Jahren zur Erinnerung an die von
hier stammenden 8 Heldensöhne, die im Weltkriege gefallen sind,
angebrachte Gedächtniskampfe hat durch die hochherzigen Spenden der
Familie Rosenbusch in Duderstadt und des Herrn F. Gottlieb in Chicago 8
Messingschilder erhalten, auf welchen die Namen und der hebräische
Todestag der Gefallenen in schwarzem Tiefdruck eingelassen sind. Die Lampe
ist dadurch noch mehr ein Schmuckstück der Synagoge geworden."
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Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, der Innenraum
verwüstet. Die Jüdische Gemeinde verkaufte unter dem Zwang der Verhältnisse
das Synagogengebäude mit dem Schulhaus am 20. Februar 1939 an die Stadt Borken.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Synagogengebäude als "Lager für
Altmaterial" zweckentfremdet.
Nach 1945 kam das Anwesen an die jüdische Vermögensverwaltung JRSO, die es im
September 1949 an einen Privatmann verkaufte, der die inzwischen baufällig
gewordene ehemalige Synagoge 1954 abreißen ließ, um einem Stall Platz
zu machen.
1990/91 wurde auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge eine kleine Gedenkstätte
(Gestaltung: Angelika Bernhammer, Marburg) eingerichtet. Der Steinsockel der ehemaligen Synagoge ist teilweise erhalten und
wurde in die Gedenkstätte einbezogen. Der Text der Gedenktafel lautet:
"Hier stand die Synagoge der ehemaligen jüdischen Gemeinde. Sie wurde am
9. November 1938 unter der Herrschaft des Nationalsozialismus verwüstet und
später abgerissen. Dieses Mahnmal soll an die Synagoge und die jüdischen
Mitbürger erinnern".
Adresse/Standort der Synagoge: an
der Kreuzung von Hintergasse und Dorfweg
Fotos
(Quelle: Arnsberg Bilder S. 27; Altaras 1988 S. 47 sowie
1994 S. 48)
Das Gebäude der
ehemaligen
Synagoge |
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Die ehemalige Synagoge
vor dem Abbruch 1954 |
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Grundstück nach Abbruch
der Synagoge
(Aufnahme vom Juli 1985) |
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Das Grundstück der ehemaligen
Synagoge |
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| Die Gedenkstätte für die
Synagoge |
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Die
Gedenkstätte für die Synagoge
im Frühjahr 2010
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 8.4.2010) |
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Blick auf die
Gedenkstätte |
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Gedenkstein
mit Gedenktafel (Text siehe oben) |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2010:
Gedenken am Jahrestag des Novemberpogroms
1938 |
Pressemitteilung der Stadtverwaltung Borken
vom 17. November 2010 (Artikel):
"Borken gedachte der Reichspogromnacht vor 72 Jahren.
Borken. 9. November 2010. Zur Gedenkstunde trafen sich um 18 Uhr rund 100 Borkener Bürger an der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in der Hintergasse. Auffallend groß die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die mit Kerzen die Szenerie zusätzlich beleuchteten. Vor 72 Jahren brannten in Deutschland nicht nur die Synagogen der jüdischen Bevölkerung. Die systematische Vernichtung eines Volkes erreichte neue Dimensionen. Als Reichskristallnacht ging der 9. November 1938 in die deutsche Geschichte ein..." |
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| November 2011:
Gedenken am Jahrestag des Novemberpogroms 1938
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Pressemitteilung aus den SEK-News vom 18.
November 2011:
"Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz bekämpfen. Kranzniederlegung
zum Gedenken der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus.
Borken. Vertreter der Kommune, der örtlichen Kirchen und der Schule
trafen sich am frühen Abend des 9. November zur Kranzniederlegung an der
Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in der
Hintergasse..."
Link
zum Artikel. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 86-87. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 27. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 47. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 48. |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007² S.
147. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S.
168-169. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 394-395. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Borken,
Hesse-Nassau. Established in the 18th century, the community maintained a Jewish
elementary school (1823-1934), numbered 204 (16 % of the total) in 1895, and was
affiliated with Kassel's rabbinate. Of the 141 Jews living there in 1933, 71
emigrated, the last three were deported to the Theresienstadt ghetto in
1942.

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