Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Spangenberg (Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Zur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)         
     
In Spangenberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Möglicherweise gab es bereits im Mittelalter Juden in der Stadt. Der erste namentlich bekannte Jude Spangenbergs war Hona HaLevi, der um 1660 in Spangenberg geboren und hier 1715 gestorben ist. 1724 gab es sechs jüdische Familien in der Stadt, 1744 vier Familien. 1766 werden 18 Juden in der Stadt genannt (mit Familien), 1776 acht. Wie auch in Melsungen, Grebenstein und Borken, fanden in Spangenberg im 17. und 18. Jahrhundert die hessischen "Judenlandtage" statt (in Spangenberg u.a. 1726). 
 
Die jüdischen Familien lebten bereits im 18. Jahrhundert in verschiedenen Straßen der Stadt.    
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1827 77 jüdische Einwohner (4,5 % von insgesamt 1.720 Einwohnern), 1835 88 (4,4 % von 2.004), 1861 129 (7,7 % von 1.671), 1871 133 (8,1 % von 1.648), 1885 130 (7,8 % von 1.676), 1895 102 (6,5 % von 1.561), 1905 107 (6,5 % von 1.658). Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts angenommenen jüdischen Familiennamen waren Spangenthal (entstanden durch Abwandlung des Ortsnamens), Neuhaus, Levisohn, Lore (von hebräisch Lurie), Sommer, Scharfenberg, Rosenbaum, Katz.  
 
An den Freiheitskriegen 1813-1814 nahm aus Spangenberg Samuel Neuhaus teil (geb. 1789, gest. 1872 in Spangenberg). 
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Volksschule von 1840 bis Ende 1924), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. In besonderer Erinnerung blieben Lehrer Wannfried Tannenbaum (1830), Josef Luß (genannt 1865: Quelle; gest. 1889 und auf dem jüdischen Friedhof Spangenberg als einer der ersten beigesetzt; er unterrichtete 1868 26 Kinder, 1878 33 Kinder) sowie Lehrer Viktor (Victor) Blumenkrohn, der 1922 nach 40-jähriger Tätigkeit in Spangenberg verstorben ist. Er unterrichtete 1887 27 Schüler, 1894 22, 1903 16, 1907-12 noch 10). Seine Nachfolger waren nach 1922 Lehrer Max Moses, der zuvor in Herleshausen tätig war, und bis 1927 Lehrer H. Unikower, der in diesem Jahr nach Baisingen berufen wurde. Max Moses war der letzte Lehrer an der Israelitischen Volksschule, die Ende 1924 geschlossen wurde. Danach gab es noch eine Religionsschule, um 1930 mit Lehrer Erich Neumann. Die Gemeinde gehörte innerhalb des Kreises Melsungen zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.      
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Moritz Levisohn (geb. 15.12.1890 in Spangenberg, gef. 8.2.1916) sowie Moritz Spangenthal [1] (geb. 18.4.1879 in Spangenberg, gef. 31.8.1918) und Moritz Spangenthal [2] (geb. 13.2.1893 in Spangenberg, gef. 15.6.1915). Auch ein Sohn des Lehrers Victor Blumenkrohn (Hermann Blumenkrohn, geb. 14.6.1897 in Spangenberg, vor 1914 in Halberstadt wohnhaft, gef. 4.4.1918) ist im Weltkrieg gefallen (bei Amiens).  
 
Unter den jüdischen Gewerbetreibenden gab es mehrere Kaufleute (Inhaber von Textilgeschäften u.a.m.) und Handwerker (Angehörige der Familie Spangenthal). Bis 1933 gab es zwei Peitschenfabriken in jüdischem Besitz (1882 gründete eine der beiden Peitschenfabriken Ruben Spangenthal).    
  
Um 1924, als zur Gemeinde 99 Personen gehörten (4,5 % von insgesamt 1.943 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher B. Sommer und M. Goldschmidt. Als Lehrer, Kantor und Schochet war Max Moses tätig. Er unterrichtete 1924 im letzten Jahr an der zum 1. Januar 1925 geschlossenen Israelitischen Volksschule. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chewrah Gemilus chassodim (1924(32 unter Leitung von Jakob Spangenthal mit 1924 14, 1932 10 Mitgliedern), den Talmud-Torah-Verein (Chewra Talmud Tora, 1924/32 unter Leitung von Ruben Spangenthal mit 1924 17, 1932 12 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Bestattungswesen) und den Israelitischen Frauenverein (Bikur Chaulim, gegründet 1888, 1924 unter Leitung von Hilda Goldschmidt und Bertha Moses mit 30 Mitgliedern, zum 40-jährigen Jubiläum 1928 siehe Bericht unten, 1932 unter Leitung von Fanny Levisohn mit 33 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger). 1932 waren die Gemeindevorsteher Meier Goldschmidt (1. Vors.) und Moses Neubauer (2. Vors.). Als Lehrer und Kantor war nun Erich Neumann angestellt. Er hatte im Schuljahr 1931/32 14 Kindern den Religionsunterricht zu erteilen.     

1933 wurden 109 jüdische Einwohner gezählt (5,2 % von insgesamt 2.098 Einwohnern). In den folgenden Jahren sind alle jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Je neun Personen sind in die USA und nach Palästina/Israel ausgewandert, drei nach Südamerika, je eine Person nach Südafrika und nach der Schweiz. Die meisten anderen sind (zunächst) innerhalb Deutschlands verzogen, viele davon nach Kassel. Einige verstarben noch in Spangenberg. 1935 kam es zu einer brutalen antijüdischen Aktion auf Grund der Initiative des NSDAP-Ortsgruppenleiters. Er ließ in der Nacht des 15. September 1935 die bei jüdischen Familien beschäftigten "arischen" Hausangestellten gewaltsam in das damalige SA-Sturm-Lokal "Zur Traube" bringen; einige Frauen wurden mit Gummiknüppeln geschlagen. Bei einem gleichzeitigen Fackelzug von Nationalsozialisten durch die Stadt wurden durch SA-Leute die Haustür des Kaufmanns Blumenkrohn und anderer jüdischer Häuser gewaltsam aufgebrochen sowie die Fensterscheiben eingeschlagen und in den Häusern selbst erheblicher Sachschaden angerichtet; bei dem Fabrikanten Ruben Spangenthal wurden die Geschäftsräume verwüstet. Diese Ereignisse führten zu einer beschleunigten Abwanderung der jüdischen Familien aus Spangenberg.    
  
Von den in Spangenberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; ergänzt durch Angaben aus dem Buch von Ogdan/Vaupel s.Lit.): Fanny Abt geb. Spangenthal (1880), Johanna (Hannchen) Bär geb. Rosenbaum (1876), Johanna (Hannchen) Berghausen geb. Goldschmidt (1880), Selma Cahn geb. Tannenbaum (1868), Hanna Friedmann (1922), Philipp Friedmann (1886), Rebekka Friedmann geb. Levi (1887), Luise Goldbach geb. Müller (1894), Meier Goldschmidt (1877), Selma Goldschmidt geb. Löwenstein (1887), Ursula Goldschmidt (1929), Sara Haas geb. Rosenbaum (1880), Levi Heilbrunn (1878), Rosa Kahn geb. Spangenthal (1885), Moses Katz (1873), Naftali Kessler (1879), Rebekka (Riekchen) Kessler geb. Spangenthal (1887), Selma Kron geb. Blumenkrohn (1890), Brunhilde Kugelmann (1916), Nanny Kurzmann (1879), Sofia Löwenthal geb. Mayerfeld (1880), Helene Lorge geb. Hammerschlag (1873), Moses Max Meyerfeld (1878), Rosalie Meyerfeld (1876), Helwina (Helwine) Müller geb. Jüngster (1870), Meier Müller (1862), Josef Rosenbaum (1875), Regina Rosenbaum geb. Lilienfeld (1874), Selma Rosenbaum (1902), Rosel Rosenberg geb. Spangenthal (1887), Frieda Rubin geb. Stern (1905), Louis Schartenberg (1888), Sigmund Sender (1887), Baruch Sommer (1882), Sara Sommer geb. Goldschmidt (1886), Berthold Spangenthal (1889), Gustav Spangenthal (1890), Hedwig Spangenthal geb. Adler (1895), Irene Spangenthal geb. Stenger (1904), Jeanette Spangenthal geb. Goldschmidt (1856), Julius Spangenthal (1905), Leopold Spangenthal (1893), Levi Spangenthal (1865), Lutz Ludwig Spangenthal (1893), Robert Spangenthal (1904), Vera Spangenthal (1937), Wolf Spangenthal (1862), Meta Spier geb. Blumenkrohn (1886), Dina Westheim geb. Spangenthal (1884), Rosa Winterberger geb. Spangenthal (1888), Paula Wolff geb. Spangenthal (1878).   
 
1981 wurde auf dem Jüdischen Friedhof am Schloßberg/Schöffhöfen ein Gedenkstein aufgestellt mit der Inschrift "Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der Gewaltherrschaft 1933-1945. Die Stadt Spangenberg"; auf der Rückseite ein Zitat von Bertold Brecht: "Man muss gegen die Rohheit die Güte setzen". Die Anregung zu dem Gedenkstein war von Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse der Gesamtschule Spangenberg (Burgsitzschule) ausgegangen, die 1980 eine Ausstellung zur Geschichte der Jüdischen Gemeinde arbeitet hatten. Der damalige Vorschlag der Schülerinnen und Schüler, auf den Stein die Namen der Ermordeten zu meißeln, wurde nicht realisiert, da sich "alle diesbezüglich eingeholten Angaben als unzulänglich erwiesen" hätten.        
   
Im November 2008 und im April 2008 wurden an zwei Terminen zusammen 16 "Stolpersteine" für Personen aus Spangenberg verlegt, die in der NS-Zeit ermordet wurden. Weitere mindestens 14 Stolpersteine sollen noch verlegt werden. Die Bürgerinitiative "Stolpersteine" plant eine nächste Verlegeaktion (Stand: Mai 2012, siehe Presseartikel unten).    
    
  
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1925 / 1929 

Spangenberg Israelit 23071925.jpg (48135 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1925: "Wir suchen per sofort einen seminaristisch gebildeten Religionslehrer, Schauchet und Vorbeter. Schöne Dienstwohnung vorhanden. Besoldung nach staatlichen Grundsätzen. Auch abgebaute Lehrer können eventuell in Frage kommen. Bewerbungen sind alsbald an den Vorstand der Synagogengemeinde Spangenberg, Bezirk Kassel zu richten."  
   
Spangenberg CV 19091929.jpg (43817 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 19. September 1929: "Wir suchen zum sofortigen Eintritt einen seminaristisch gebildeten Religionslehrer, Vorbeter und Schauchet. Gehalt nach den staatlichen Grundsätzen. Schöne Wohnung vorhanden. Synagogengemeinde Spangenberg."  

  
Zum Tod von Lehrer Viktor Blumenkrohn (1922, Lehrer in Spangenberg seit 1883)  

Spangenberg Israelit 02031922.jpg (123220 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1922: "Spangenberg, 22. Februar (1922). Nach fast 40-jähriger segensreicher Wirksamkeit in unserer Gemeinde ist uns Lehrer Blumenkrohn nach kurzem Krankenlager durch den Tod entrissen worden. Das Scheiden dieses trefflichen Mannes, der in vorbildlicher Pflichttreue seines Amtes als Lehrer und Vorbeter waltete und dessen Lebensführung mustergültig gewesen, löste in allen Kreisen der hiesigen Stadt aufrichtige Trauer aus. Die ehrenden Nachrufe, die ihm die Synagogenältesten, der Bürgermeister, der Schulvorstand, der Lehrerverein widmen, zeugen von der Würdigung des allgemein beliebten und verehrten Mannes. Am 19. Februar wurde unter zahlreicher Beteiligung die sterbliche Hülle der Erde überantwortet. Herr Landrabbiner Dr. Walter, Kassel, schilderte in längerer Rede das Wirken des Verblichenen in Schule und Gemeinde, Herr Lehrer Rosenstein, Rotenburg, sprach als Berufsgenosse und Freund; Herr Lehrer Heilbrun, Kassel, entbot als Schüler dem teuren Lehrer den Dank der Schüler, in deren Herzen der Verklärt sich ein Denkmal gesetzt, dauernder als in Stein gehauen und als letzter Redner nahm der Schwiegersohn, Herr Lehrer Kron, Harmuthsachsen, mit tränenerstickter Stimme Abschied von dem geliebten Schwiegervater, dessen Andenken nie erlöschen wird. In später Stunde schloss sich das Grab, das der Besten einen birgt. Wir sagen mit dem Dichter 'Ach, sie haben einen guten Mann begraben, uns war er mehr'. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    
Anmerkung: Bei dem Schwiegersohn von Lehrer Blumenkrohn handelte es sich um Lehrer Gustav Kron (geb. 1878 in Wolfhagen), der seit 1919 Lehrer in Harmuthsachsen war (hier weitere Informationen zu Gustav Kron). Seine Frau - die Tochter von Lehrer Blumenkrohn - war Selma Kron geb. Blumenkrohn (geb. 1890 in Spangenberg). Beide sind in der NS-Zeit ermordet worden (deportiert von Hamburg am 25. Oktober 1941 in das Ghetto Litzmannstadt; im Mai 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno).   

 
Die Israelitische Volksschule wird aufgelöst (1925) 
Der genannte Lehrer Max Moses war 1922 von Herleshausen nach Spangenberg gekommen, wo die Israelitische Volksschule gleichfalls aufgelöst worden war. 

Spangenberg Israelit 25121924.jpg (24341 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Dezember 1924: "Spangenberg, 10. Dezember (1924). Wegen der geringen Schülerzahl ist die hier seit 1840 bestehende israelitische Volksschule zum 1. Januar 1925 aufgelöst und der Lehrer Moses in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden."   

   
Lehrer H. Unikower publiziert zu pädagogischen Fragen (1927) 

Aufsatz (nur Teilabschnitt) zu 
"Wie wir Hebräisch lehren müssen". 
Von Lehrer H. Unikower in Spangenberg. 
 
Der Beitrag wird nicht ausgeschrieben, da er mit der jüdischen Ortsgeschichte von Spangenberg in keinem direkten Zusammenhang steht.
Spangenberg Israelit 01091927.jpg (214722 Byte) Spangenberg Israelit 01091927a.jpg (204308 Byte)

  
Lehrer H. Unikower wird nach Baisingen berufen (1927)
 

Baisingen Israelit 08091927.jpg (26284 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1927: "Baisingen, 30. August (1927). Herrn Lehrer Unikower in Spangenberg wurde zum 1. November (1927) die Stelle eines ständigen Lehrers an der hiesigen Volksschule vom Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs übertragen."  

    
Aus der Zeit von Lehrer Erich Neumann (um 1931) 
Anmerkung (Informationen erhalten von Fredel Fruhman): Erich Neumann ist 1908 als Sohn von Salomon Neumann und Frieda geb. Dorfzaun in Kassel geboren. Er studierte von 1926 bis 1930 an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Danach war er in den jüdischen Gemeinden von Spangenberg, Schlüchtern, Eschwege und Gießen tätig. Er war verheiratet mit Fränze geb. Müller; das Ehepaar hatte zwei Söhne. Beim Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet und in ein KZ verschleppt. Nach seiner Entlassung betrieb er seine Auswanderung. Er konnte Deutschland nach England verlassen; seine Frau und seine Söhne konnten nicht mehr nachfolgen. Sie wurden nach der Deportation ermordet. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges war Neumann als Lehrer und als Gemeindesekretär in jüdischen Schulen und Gemeinden in England (London und Manchester) tätig. Nach 1945 verzog er in die USA, wo er sich nun Eric Neumann nannte. Er war als Kantor und Lehrer in der Synagogengemeinde Ohav Sholaum in New York tätig. Er heiratete in zweiter Ehe Anita geb. Eldod. Eric Neumann verstarb 1984 in New York.              

Fotos, erhalten im August 2010 
von Fredel Fruhman, 
eine Nichte von 
Lehrer Erich Neumann
Spangenberg Lehrer Neumann 011.jpg (42330 Byte) Spangenberg Lehrer Neumann 010.jpg (118801 Byte)
   Lehrer Erich Neumann, der älteste Sohn des Lehrers Salomon Neumann und seiner Frau Frieda geb. Dorfzaun (Salomon Neumann war lange Jahre Lehrer in Kassel; nähere Informationen zu ihm auf einer Seite zu Gochsheim Lehrer Erich Neumann mit 13 Schülerinnen 
und Schülern in Spangenberg (1931)
 


  

     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Der Jugendtag der jüdischen Jugendvereine Niederhessens in Spangenberg (1920) 

Spangenberg Israelit 29011920.jpg (72327 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1920: "Kassel, 10. Dezember (1920). In Spangenberg fand vor einigen Tagen der erste Jugendtag der jüdischen Jugendvereine Niederhessens statt. Dr. Alexander, Berlin, sprach über die Bedeutung und Ziele des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Der Vorsitzende des hessischen Landesverbandes Schwarzschild, Frankfurt am Main, veranstaltete das Korreferat. Die Versammlung nahm dann eine Kundgebung einstimmig an, wonach die Vertreter der jüdischen Jugendvereine Niederhessens ihre Aufgabe darin erblicken, bei der Jugend das Verantwortungsgefühl für die Erhaltung den Judentums zu wecken, sie zu aufrechten, charaktervollen, gesunden Menschen, wertvollen Staatsbürgern, würdigen Vertretern und Verteidigern der Ideen und Ideale der Menschheit heranzubilden."   
 
Anmerkung: Auch 1925 fand ein Treffen "hessischer Jugendvereine" in Spangenberg statt, bei dem Cora Berlinger aus Berlin das Hauptreferat hielt; anschließend war ein bunter Abend mit Ball. 1926 veranstaltete der Reichsbund jüdischer Fronsoldaten ein Treffen in Spangenberg. 


40jähriges Stiftungsfest des Israelitischen Frauenvereins (1928)

Spangenberg Israelit 15031928.jpg (70283 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1928: "Spangenberg, 1. März (1928). Der israelitische Frauenverein Bikur Cholim (Krankenpflegeverein) feierte sein vierzigjähriges Stiftungsfest. Im festlich geschmückten Vereinslokal begrüßte die Vorsitzende, Frau Fanny Levisohn, die Mitglieder und Gäste und gab einen Rückblick über die Gründung und segensreiche Wirkung des Vereins, der heute 31 Mitglieder zählt. Acht Frauen, die vor 40 Jahren den Verein mitgründeten, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Als bleibende Erinnerung an diesen Tag stiftete der Verein ein Portal mit Inschrift für den hiesigen Friedhof. Allseitigen Dank erntete die Vorsitzende für ihre umsichtige und gewissenhafte Amtsführung und für die Veranstaltung der Feier."    

   
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   

Levy Spangenthal wird zum Gemeindeältesten gewählt (1927)    

Spangenberg Israelit 18081927.jpg (14245 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1927: "Spangenberg, 14. August (1927). Herr Levy Spangenthal wurde zum Gemeindeältesten gewählt und von der Regierung bestätigt."   


Zum Tod von Henriette Spangenthal (1928)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1928: "Spangenberg, 11. November (1928). Im 89. Lebensjahre verschied hier Frau Henriette Spangenthal, die älteste Bürgerin der hiesigen Stadt. Die Greisin erfreute sich bis zu ihrem Lebensende körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische."    

    
80. Geburtstag von Fanny Goldschmidt geb. Wolff (1929)   

Spangenberg Israelit 24041929.jpg (40491 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1929: "Spangenberg, 4. April (1929). Vor kurzem beging Frau Witwe Fanny Goldschmidt geb. Wolff dahier in geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin nimmt noch an allen Geschehnissen der Zeit regen Anteil. Als fromme jüdische Frau besucht sie noch regelmäßig den Gottesdienst und verrichtet noch täglich ihr Mincha- und Maariw-Gebet."  

   
Zum Tod des Lehrers Meier Levisohn aus Spangenberg (1935, langjähriger Lehrer in Rees)  

Spangenberg Israelit 07021935.jpg (99959 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1935: "Rees am Rhein, 4. Februar (1935). In der Nacht zum Freitag starb plötzlich der langjährige Lehrer der alten jüdischen Gemeinde Rees, Meier Levisohn aus Spangenberg, Bezirk Kassel, im 70. Lebensjahre. Ungefähr die Hälfte seines Lebens wirkte er hier in treuer Hingabe und Arbeitsfreude für die religiösen Interessen des überlieferten Judentums in Gemeinde, Schule und Haus an der Seite der trefflichen gleichgesinnten Gattin Emilie geb. Winter aus Kempen. Das Haus, eine Stätte der Gottesverehrung und Erfüllung der religiösen Gebote (Mizwot), bildete den Mittelpunkt der klein und kleiner werdenden Gemeinde, die nun verwaist ist und nicht mehr in der Lage sein wird, die Institutionen aus eigener Kraft aufrecht zu erhalten, was schon bisher sehr schwierig war. - Die Beerdigung bekundete nochmals die Verehrung, Liebe und Dankbarkeit, die der Verstorbene in der Gemeinde und darüber hinaus in allen Bürgerkreisen der Stadt und Umgebung sich erworben hatte. Der langjährige Freund des Hauses, Rabbiner Dr. Wolf, Köln gab in knappen und erhebenden Worten der Größe des Verlustes Ausdruck. Möge Gott die Witwe und die Kinder trösten und das Vorbild des Entschlafenen an religiöser Pflichterfüllung und Hilfsbereitschaft lebendig erhalten in den Herzen der um ihn trauernden Gemeinde! Seine Seele sein eingebunden in den Bund des Lebens.  N."     

   
Zum Tod von Jakob Spangenthal aus Spangenberg in Palästina (1938)    

Mitteilung im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 7. Oktober 1938: "Jacob Spangenthal, ein Einwanderer aus Deutschland wurde beim Angriff auf einen jüdischen Omnibus bei Ramle erschossen. Bei einem anderen Angriff auf einen Omnibus aus Ataroth wurde der jüdische Einwanderer aus Deutschland, Gerschon Perl, schwer verwundet."     
   
Mitteilung im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 14. Oktober 1938: "Wir berichteten in der letzten Ausgabe dieses Blattes über den Tod des Herrn Spangenthal. Wie wir jetzt erfahren, handelt es sich um Herrn Jakob Spangenthal aus Spangenberg, der vor etwa einem Jahre nach Palästina ausgewandert ist. Derselbe ist bei einer Omnibusfahrt auf der Strecke zwischen Jerusalem und Tel Aviv von Arabern durch einen Halsschuss getötet worden."    

    
  
      
Zur Geschichte der Synagoge     
      
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Eine erste Synagoge wurde um 1806 gebaut. In der Folgezeit (1820er-Jahre?) konnten die Schule und eine Lehrerwohnung in dem "Werner'schen" Wohnhaus untergebracht werden. Anfang der 1830er-Jahre gab es erste Überlegungen im Blick auf einen Synagogenneubau und ein größeres Schulhaus. Für den Lehrer sollte eine geräumigere Wohnung zur Verfügung stehen, weswegen zunächst überlegt wurde, wie die Wohnung der Lehrers im "Werner'schen Wohnhaus" um zwei Stuben vergrößert werden könnte. Im Mai 1833 legte Landbaumeister Augener Kostenanschläge und Baupläne dazu vor, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Vielmehr scheint die jüdische Gemeinde zunächst das Wohnhaus des Schreinermeisters Justus Appel für 255 RTh gekauft zu haben, um dem Lehrer bis zu einer Klärung der Bauvorhaben eine größere Wohnung zur Verfügung zu stellen.     
 
1839 lagen erste Pläne für einen Synagogen- und Schulhausneubau vor, die wiederum durch den Landbaumeister angefertigt worden waren. Alternativ wurden Pläne mit Renovierungs- und Erweiterungsvorschlägen für die bestehende Synagoge und das vorhandene Wohnhaus diskutiert. Da die erforderlichen Kosten nicht weit auseinander lagen (2.700 RTh für den Neubau, 2.500 für Renovierungen und Ausbauten), entschied sich die jüdische Gemeinde schließlich für einen Neubau. Ende 1846 war das Synagogen- und Schulgebäude fertiggestellt. Erstellt wurde ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit einem Satteldach und charakteristischen Zwerchgiebel in der Mittelachse. Im Mittelpunkt des Dreieckgiebels gab es ein der klassizistischen Form entsprechendes Halbkreisfenster. Der Haupteingang war von der Untergasse aus, der Nebeneingang vom Hof aus zugänglich. Vom Haupteingang aus lag rechts die Synagoge mit einer dreiseitigen Empore und einer gewölbtem Decke; links war die über zwei Geschosse verteilte Lehrerwohnung, wobei der Lehrer im Obergeschoss nur über zwei Zimmer verfügte. Der größere Bereich war für die Schulstube und den Gemeinderaum gedacht.
 
Im August 1855 stand eine erste Reparatur an. 
 
Fast 100 Jahre war das Synagogen-/Schulhaus Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Spangenberg.  
      
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude äußerlich nicht zerstört. Die rituellen Gegenstände waren bereits zuvor nach Kassel verbracht worden, wo sie im November 1938 zerstört worden sind. Das Gebäude wurde später zu einem Wohnhaus umgebaut und ist als solches erhalten.     
     
  
Adresse/Standort der Synagoge   Untergasse 7  (früheres Gebäude Nr. 231 nach Adresse 1932)
 
Das rituelle Bad:  An der Straße "Am Wäscheborn" liegt nahe dem dort vorbeifließenden Bach ein kleines würfelförmiges Gebäude mit einem spitzen Zeltdach, in dem ein rituelles Bad untergebracht war (im Volksmund "Judenbad"). Unklar ist, wie es im Verhältnis zu dem seit 1846 im Synagogengebäude eingebauten rituellen Bad genutzt wurde. Möglicherweise wurde das Bad im Synagogengebäude nur zeitweilig über überhaupt nicht benutzt. Das Badehäuschen könnte auch bereits älteren Ursprungs sein (die Bruchstein-Umfassungswände könnten Anfang 18. Jahrhunderts erstellt worden sein), doch stammt der erhaltene Bau mit der charakteristischen Dachform, dem Schornstein und den Backstein-Umfassungsmauern aus den 1830 bis 1840er-Jahren. Ein Tauchbecken ist nicht mehr vorhanden. Es lag wahrscheinlich entlang der südlichen, zum Bach hin gewendeten Seite, wofür ein kleiner Durchbruch an der Wand und einige andere Spuren sprechen.  

Fotos
(Quelle: Altaras s. Lit. 1988, 1994 und 2007; Foto Synagogengebäude Aufnahme vor 1970 aus Arnsberg Bilder S. 188; aktuelle Aufnahmen von Dieter Vaupel)

Rekonstruktionen des Aussehens des früheren Synagogen- und Schulgebäudes

Spangenberg Synagoge 141.jpg (39132 Byte) Spangenberg Synagoge 142.jpg (46706 Byte) Spangenberg Synagoge 143.jpg (31777 Byte)
Straßenansicht mit Haupteingang 
von der Untergasse 
Grundriss des Erdgeschosses: rechts 
der Betsaal, links die Lehrerwohnung 
Grundriss des Obergeschosses mit 
dreiseitiger Frauenempore im Betsaal 
sowie Schulstube und Gemeinderaum
      
      
Die ehemalige Synagoge - 
nach 1945 als Wohnhaus verwendet
      
Spangenberg Synagoge 130.jpg (87686 Byte) Spangenberg Synagoge 140.jpg (95063 Byte) Spangenberg Synagoge 144.jpg (65544 Byte)
 Blick auf das Gebäude - 
Aufnahme vor 1970
Blick auf das Gebäude - Aufnahmen vom Sommer 1985
  
        
 Aktuelle Fotos 
(Fotos von Dieter Vaupel) 
   
Spangenberg Synagoge 290.jpg (179066 Byte) Spangenberg Synagoge 291.jpg (104441 Byte) Spangenberg Synagoge 292.jpg (239077 Byte)
Das ehemalige Synagogen- und Schulgebäude  Grundstein von 1845 (mit der hebräischen
 Jahreszahl 5605 = 1844/45)
 Das Foto oben rechts in höherer Auflösung 
Das rituelle Bad    
Spangenberg Mikwe 012.jpg (43378 Byte) Spangenberg Mikwe 013.jpg (37106 Byte) Spangenberg Mikwe 014.jpg (37383 Byte)
Lageplan des Bades - Am Wäscheborn 
(Nr. 1); eingetragen ist auch mit der Nr. 2 
das frühere Synagogengebäude 
Rekonstruktionszeichnung: 
senkrechter Schnitt (rechts im Plan 
von A-A eingetragen) 
Waagerechter Schnitt 
durch das Ziegelmauerwerk 
   
     
Altaras Lit 002.jpg (54577 Byte) Spangenberg Mikwe 011.jpg (62343 Byte) Spangenberg Mikwe 293.jpg (168488 Byte) Spangenberg Mikwe 290.jpg (165232 Byte)
Titelseiten des Bücher von Thea Altaras 
(1994 und 2007)  mit Foto des rituellen
 Badehauses in Spangenberg 
Die Badehäuschen des ehemaligen rituellen Bades (Fotos von Dieter Vaupel)  
   Das Foto oben in höherer Auflösung  Das Foto oben in höherer Auflösung 
     
   Spangenberg Mikwe 291.jpg (179727 Byte) Spangenberg Mikwe 292.jpg (265995 Byte)
    Im Inneren des Badehäuschens: 
Durchbruch an der Südseite  
Alter Wäscheplatz unweit 
des Badehäuschens 
   (Fotos oben von Dieter Vaupel)  
     

    
    

 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

April 2008: "Stolpersteine-Verlegung" in Spangenberg   
Artikel in den Schwalm-Eder-Kreis-News (SEK-News) vom 17. April 2008 (Artikel):  Nun doch: Sieben Stolpersteine können verlegt werden
Spangenberg
. Nun klappt es doch noch: Am 29. April können sieben Stolpersteine in der Spangenberger Altstadt zur Erinnerung an jüdische Bürger, die während der Zeit des Nationalsozialismus ums Leben kamen, vor ihren ehemaligen Wohnhäusern durch den Künstler Gunter Demnig verlegt werden. Das konnten die Mitglieder der Initiative Stolpersteine auf ihrer jüngsten Sitzung in dieser Woche erfreut feststellen..."     
   
April 2012: Die Bürgerinitiative "Stolpersteine" will ihre begonnene Arbeit fortsetzen  
Artikel in den Schwalm-Eder-Kreis-News (SEK-News) vom 28. März 2012: "Erinnerung an jüdisches Leben in Spangenberg. Initiative 'Stolpersteine' trifft sich wieder..."  
Link zum Artikel     
 
Mai 2012: Weitere 13 "Stolpersteine" sollen verlegt werden   
Artikel von Silke Schäfer-Marg in HNA-de vom 13. Mai 2012: Anstoß für 13 neue Stolpersteine. Spangenberg. Für Dr. Dieter Vaupel, den Hauptinitiator der Aktion Stolpersteine in Spangenberg, und seine Mitstreiter ist die Zeit gekommen: Nach vierjähriger Pause will die Initiative auch die 13 Stolpersteine in der STadt verlegen lassen, für die es damals keine Zustimmung gab..."   
Link zum Artikel     
 

    


Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Spangenberg 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Spangenberg 
Dokumente zu dem Pogrom im September 1936 (Dokumente mit den Nummern 3.0 - 3.4)  (Digitales Archiv Marburg)  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 262-264.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 188.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 58-59.   
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 59-61.
dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S. 169-171.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 186.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 597-598.  
Max Spangenthal: Eine hessische Kleingemeinde. Bulletin des Leo Baeck Instituts. Nr. 69 1984 S. 53-67. 
Dieter Vaupel: Die Vertreibung der Juden aus Spangenberg. Ein Beitrag zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht. In: Jahrbuch Schwalm-Eder-Kreis 1989. 
Spangenberg Lit 020.jpg (35500 Byte)Jechiel Ogdan / Dieter Vaupel: Sie werden immer weniger. 2004. 2., überarbeitete Auflage 2012. 
Zu diesem Buch (Pressemitteilung in den SEK-News vom 26.1.2012): 
'Sie werden immer weniger!' neu aufgelegt - Geschichte der jüdischen Gemeinde Spangenberg
Spangenberg
. Nachdem das 2004 erschienene Buch 'Sie werden immer weniger!“ über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Spangenberg seit einigen Jahren vergriffen war, haben sich die beiden Autoren nun zu einer überarbeiteten Neuauflage entschlossen. Jechiel Ogdan aus Jerusalem und Dr. Dieter Vaupel hatten das Buch damals als deutsch-israelisches Projekt gemeinsam umgesetzt. Die Resonanz auf die Veröffentlichung war so groß, dass die beiden Autoren aus dem Verkauf einen Überschuss von mehr als Tausend Euro erzielten. Dieser Betrag bildete dann den Grundstock für das Projekt 'Stolpersteine', das ab 2006 in Spangenberg umgesetzt wurde. Eine Bürgerinitiative unterstützte das Vorhaben und sammelte weitere Spendengelder. Mittlerweile hat der Künstler Gunther Demnig in zwei Aktionen in den Jahren 2006 und 2008 insgesamt 16 Stolpersteine vor Häusern in Spangenberg verlegt, in denen ehemals jüdische Bürger wohnten, die in der Zeit des Nationalsozialismus ums Leben kamen. Im Vorfeld hatte diese Aktion in Spangenberg heftige Diskussionen ausgelöst.
Spangenberg Fam Blumenkrohn 010.jpg (50576 Byte)Möglich war dies alles dadurch geworden, dass die beiden Autoren mit ihrer Schrift das Schicksal der Spangenberger Juden dem Vergessen entrissen (Foto links: Familie Blumenkrohn in Spangenberg). Der Buchtitel 'Sie werden immer weniger!' zitierte die Überschrift eines Artikels der Spangenberger Zeitung von 1937, in der sich jubelnd über die Flucht der Juden aus der Stadt geäußert wurde. Die dortige jüdische Gemeinde war ehemals eine der bedeutendsten in der Region. Im Jahr 1930 gab es noch fast 150 Juden in der Stadt, die nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten systematisch aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Einigen gelang es, ins Ausland zu fliehen. Die meisten suchten vor den Hetzkampagnen in der Kleinstadt, an denen sich die Presse massiv beteiligte, Schutz in der Anonymität der Großstädte. Für viele erfolgte von dort aus der Transport in die Konzentrations- und Vernichtungslager. Als Anfang 1940 die letzten Bürger jüdischen Glaubens den Ort in Richtung Kassel verließen, verkündeten die Nationalsozialisten stolz, dass Spangenberg jetzt 'judenfrei' sei. Damit war die Jahrhunderte lange Tradition der jüdischen Gemeinde für immer beendet.
Die Autoren, die beide in Spangenberg ihre Kindheit verlebten – Ogdan in den 30er, Vaupel in den 50er Jahren – dokumentieren die Geschichte der ausgelöschten jüdischen Gemeinde mit Texten, Fotos und zahlreichen Archivalien. Das 100-seitige Buch lebt auch von den persönlichen Erinnerungen Jechiel Ogdans, der als Manfed Blumenkrohn bis 1937 in Spangenberg lebte. Das Buch ist ab sofort als 'book on demand' zum Preis von 12 Euro zu bestellen bei www.epubli.de  sowie unter www.dieter-vaupel.jimdo.de  (red)

 
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Spangenberg  Hesse-Nassau. Jews lived there from the mid-17th century, opering a new synagogue in 1846 and numbering 133 (8 % of the total) in 1871. After Worldwar I, a branch of the Jewish Youth League Association was active. The Jewish school's closure limited Jewish teaching to religious instruction. Affiliated with Kassel's rabbinate, the community still numbered 109 (5 %) in 1933. By November 1938, however, Nazi violence had forced the Jews to dispose of their synagogue; most left, 24 emigrating.  
  

  

                   
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Stand: 14. Mai 2012