Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Feudenheim (Stadt Mannheim) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Feudenheim (1910 nach Mannheim eingemeindet) bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1672 Juden in Feudenheim genannt; 1774 zählte man 17 Juden am Ort. 
  
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1864 mit 129 Personen erreicht. 
  
Die Gemeinde gehörte seit 1827 zum Rabbinatsbezirk Ladenburg, der seit 1884 von Heidelberg aus versehen wurde. 
  
Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Handel mit Vieh und anderen Waren. 
  
Seit den 1870er-Jahren verzogen viele Mitglieder der Gemeinde nach Mannheim, einige wanderten aus, sodass 1905 nur noch 65, 1925 49 jüdische Einwohner in Feudenheim gezählt wurden.  
   
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 etwa 40 in Feudenheim lebenden jüdischen Personen mindestens zwölf ums Leben.  
   
  

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Lehrer Billigheimer erteilt auch am Knabeninstitut Schwarz in Mannheim Religionsunterricht (1899)  

Feudenheim Israelit 19101899.jpg (44197 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1899: "Mannheim, 16. Oktober (1899). Mit der Erteilung des israelitischen Religionsunterrichts am Knabeninstitut Schwarz dahier, welches von ca. 100 Schülern verschiedener Konfessionen - worunter 25 Israeliten - besucht wird, wurde Lehrer Billigheimer Feudenheim, welcher seit 10 Jahren an der hiesigen israelitischen Religionsschule tätig ist, betraut."   

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe  
Anzeige von F. Hammerschmidt, Mannheim-Feudenheim - Vertrieb von Koscherer Pflanzenbutter (1922)

Feudenheim CV-Ztg 07121922.jpg (76111 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 7. Dezember 1922: "Koscher - Koscher - Pflanzenbutter 'Kippo' - feinste ungesalzene Nussbutter, wie Teebutter, unter Kontrolle SEiner Ehrwürden des Herrn Provinzialrabbiners Dr. L. Cahn, Fulda, hergestellt. In Post- und Bahnsendungen franko - unter den Fabrikpreisen, gegen Nachnahme oder Rechnung. Jeder Versuch führt zu dauerndem Bezug! 
F. Hammerschmidt. Mannheim-Feudenheim"  

  
    

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Ein eigentliches jüdisches Wohngebiet gab es nicht. Da viele der jüdischen Familien jedoch in der Talstraße zwischen Haupt- und Ziethenstraße wohnten, wurde dieser Abschnitt früher die "Judengasse" genannt.  
    
Die Gottesdienste wurden nach einem Bericht von 1798 in einem Betsaal im Haus des Isaak Löw abgehalten. Er stellte ein Giebelzimmer seines Hauses der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung. Da dieser Raum bei der anwachsenden Zahl der Gemeindeglieder zu klein wurde, begann man nach 1800 mit der Sammlung von Spenden für den Bau einer neuen Synagoge.   
  
1809 hatte man ausreichende Spendengelder für den Kauf eines Grundstücks in der Neckargasse gesammelt. 1819 wurde eine Synagoge erbaut, die 1840/41 umgebaut wurde. Das einfache Gebäude mit rechteckigem Grundriss war durch seine an allen vier Wänden befindlichen Rundbogenfenster als Sakralbau zu erkennen. Die westliche Seite war abgewalmt, die Ostfassade zur Neckarstraße besaß einen Giebel. Man betrat das Gotteshaus vom Hof her, der vom Raum zwischen Synagoge und Schulhaus gebildet wurde. Im Innenraum ging eine Treppe an der Westseite hinauf zur Frauenempore. Die Wände waren vermutlich bemalt; ein großer Leuchter bildete eine Zierde des Betsaales. Seit 1888 war Karl Billigheimer als Religionslehrer und Vorbeter in der Feudenheimer Synagoge tätig. Sein Sohn Samuel erinnerte sich an das gottesdienstliche Leben in der Feudenheimer Gemeinde an Schabbat- und Festtagen: "In der 2. Hälfte der 1890er Jahre erlebte ich an diesen Tagen eine lebendige und volle Synagoge. Ich war stolz auf meinen Vater, wenn ich ihn an den hohen Feiertagen die erhebenden Melodien in seiner so ansprechenden Baritonstimme vortragen – und beten – hörte, denn der Beter war in ihm stärker als der Sänger [...] Hoch geschätzt wurde seine Toralesung..." Karl Billigheimer studierte auch Knabenchöre für den Gottesdienst ein. Er war bis 1910 in Feudenheim tätig.  
 
Nachdem die Zahl der Gemeindeglieder bereits Anfang des 20. Jahrhunderts stark abgenommen hatte, wurde es immer schwieriger, an Schabbat und Festtagen die erforderliche Zehnzahl von Männern zusammen zu bekommen. Schon in den 1920er-Jahren wurde die Feudenheimer Synagoge kaum mehr benutzt. Nur an den hohen Feiertagen fanden noch Gottesdienste statt, die der Mannheimer Rabbiner leitete.  
 
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Feudenheimer Synagoge durch SA-Leute zerstört. Sie rissen zunächst den Boden heraus und setzten anschließend das Gebäude in Brand. Nachmittags holten sie die jüdischen Männer aus ihren Wohnungen und zwangen sie, Gebetbücher in ein vor der Synagoge entfachtes Feuer zu werfen.  
 
Auf dem Synagogengrundstück in der Neckarstraße 10 ist nach dem Abriss 1962 bis zur Gegenwart die südliche Mauer der Synagoge mit den Ansätzen von drei Fenstern erhalten und durch Anbringung einer Gedenktafel (im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit am 14. März 1965) als Erinnerungsstätte hergerichtet. Beim Abbruch der Synagoge wurden auch zwei Grundsteine gefunden. Der Stein an der Synagogenmauer trug die Jahreszahl 1819, der Stein des benachbarten Schulhauses enthielt ein Bleirohr, eine verschlossene Glasflasche, zwei Silbermünzen von 1840 und 1841 sowie Papier- oder Lederreste. Die Grundsteine wurden nicht aufbewahrt und gingen verloren.  
   

    

Fotos / Skizzen: 
Skizzen:
(Rekonstruktionsversuch von Günther Löhr, 1984; bei V. Keller, Bilder s. Lit. S. 77)

Feudenheim Synagoge 010.jpg (25695 Byte) Feudenheim Synagoge 011.jpg (22160 Byte)
Skizze von Synagoge Feudenheim und 
jüdischem Schulhaus von der Westseite
Skizze der beiden Gebäude von der 
Straßenseite (vgl. Foto 1962 unten)  


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos 1962
(Quelle: Keller s. Lit., Bilder S. 78) 
Feudenheim Synagoge 021.jpg (155640 Byte) Feudenheim Synagoge 020.jpg (176184 Byte)
  Blick auf Synagogenruine und jüdisches
 Schulhaus vor dem Abbruch 
Abbruch des jüdischen Schulhauses 
im Sommer 1962 
     
Fotos um 1985
(Fotos: Hahn) 
Feudenheim Synagoge 101.jpg (67881 Byte) Feudenheim Synagoge 100.jpg (71061 Byte)
   Blick auf die die 1965 geschaffene
 Gedenkstätte für die Synagoge 
 Feudenheim
Gedenktafel in der 
südlichen Mauer 
der Synagoge
     
Fotos 2003 
(Fotos: Hahn) 
Feudenheim Synagoge 151.jpg (87178 Byte) Feudenheim Synagoge 152.jpg (78439 Byte)
   Blick ähnlich wie oben   Die Gedenktafel 
      
    Feudenheim Synagoge 150.jpg (83858 Byte) Feudenheim Synagoge 153.jpg (80768 Byte)
     Die südliche Mauer der 
ehemaligen Synagoge
Die Bebauung des Nachbargrundstückes
 hat sich verändert (vgl. Foto oben)
      
Foto Herbst 2009   
(Foto: Michael Ohmsen)  
Feudenheim Synagoge 410.jpg (667893 Byte)  Feudenheim Synagoge 570.jpg (499871 Byte)
    Das Grundstück der ehemaligen Synagoge und die Gedenktafel 
(Für Anfragen zur Verwendung der Fotos: E-Mail des Fotografen, 
Fotoseite: www.panoramio.com/user/2867083/tags/Judaica)   
Bei den eingestellten Fotos handelt es sich um ein hochauflösende Fotos 
(bitte anklicken, Dateigröße 0,7 mb)   

  
    

Links und Literatur 

Links:  

Website der Stadt Mannheim 
Website des Stadtteiles Feudenheim  
Zur Seite über den alten jüdischen Friedhof in Feudenheim (interner Link) 
Zur Seite über den neuen jüdischen Friedhof in Feudenheim (interner Link)   

Literatur:  

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 196. 
Karl Otto Watzinger: Die jüdische Gemeinde in Feudenheim, in: Mannheimer Hefte (1965) S. 14-17. 
Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Stadtkreises Mannheim 2 (1982) S. 1427, 1461. 
Volker Keller: Bilder vom jüdischen Leben in Mannheim. 1988. 
ders.: Jüdisches Leben in Mannheim. 1995 (zu Feudenheim: S. 190-193).
 


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Feudenheim  Baden.  The Jewish population in 1860 was 125, and the community maintained a synagogue and elementary school. The synagogue was destroyed on Kristallnacht (9-10 November 1938). The last 14 Jews were deported by the Germans to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. 
    

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 09. Dezember 2011