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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Talheim (Landkreis Heilbronn)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Talheim bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1941. Bereits im 15./16. Jahrhundert lebten hier Juden, die
vermutlich aus Heilbronn vertrieben worden
waren. 1491 wird Jud Nathan von Talheim genannt. Weitere Nennungen gibt
es bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 18. Jahrhundert zurück.
1778 wurden vier jüdische Familien und kurz darauf weitere Juden in
Talheim aufgenommen. Sie hatten zuvor in der Horkheimer
Burg gelebt und wurden von Württemberg in dem sogenannten Schmidberg'schen
Schlösschen, dem damals sehr baufälligen westlichen Teil der Talheimer Burg
aufgenommen. Nach 1806 konnten sich Juden auch im Dorf niederlassen und
eigene Häuser erwerben. Bis 1849 war Talheim Filialgemeinde der jüdischen
Gemeinde in Sontheim, danach eine selbständige
Gemeinde.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1806 48 jüdische Einwohner, 1824 63, 1843 78, 1858 122, 1872
105, 1893 103 (in 24 Familien), 1895 93 (7,0 % von insgesamt 1.335 Einwohnern,
in 20 Haushaltungen), 1900 85, 1910 77 (5,3 % von
1.465). Die jüdischen Familien lebten im 19. Jahrhundert zum großen Teil vom
Vieh- und Ellenwarenhandel.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Israelitische Elementar- und Religionsschule (1857 Bau des jüdischen
Schulhauses mit Lehrerwohnung in der Langen Gasse 5) sowie ein rituelles Bad.
Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof Affaltrach,
seit 1840/41 in Sontheim beigesetzt. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten Ausschreibungen der
Stelle). Unter den Lehrern sind zu nennen (bis nach 1914 Israelitische
Volksschullehrer): Salomon Aron Königsbacher (= Salomon Aron aus
Königsbach seit ca. 1792 in Talheim; bis 1836),
Isaak Sänger aus Oberdorf
(1836 bis 1857), Israel Friedberger (1857 bis 1860), Emil Marx (1860 bis 1864),
Lehrer Kahn (1864 - ?), Max Haymann (1871 bis 1874), Lehrer Weil (1874 bis
1875), Simon Weinstock (1876), Samuel Löwenstein (1876), Seligmann Pappenheimer
(1879), Bernhard Sahm (1884), Max Eichberg (1885 bis 1887), Lehrer
J. Oberndörfer
(1888), Felix Wolff (1889 bis 1890, Lehrer in Talheim und
Freudental), Samuel Rosenberger (1890 bis 1894,
unterrichtete 1892 10, 1893 12 Kinder an der Israelitischen Volksschule; nach
1894
in Öhringen), Theodor Rothschild (1894),
Moses Maier (1895 bis 1897,
unterrichtete 1897 17 Kinder an der Israelitische Volksschule), Berthold
Levi (1897 bis 1898), Hugo Rödelsheimer (1898 bis 1902, unterrichtete 1899 17
Kinder an der Israelitischen Volksschule), Hermann Haymann (1902 bis
1903), Jakob Schloss (1903, siehe unten), Milton Sahm (1914), Isak
Straus (1924 bis 1939 Religionslehrer, Berichte siehe unten).
Die Gemeinde wurde
1832 dem Rabbinat Lehrensteinsfeld
(seit 1864/67 Heilbronn) zugeteilt.
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1878 Leopold Marx; um 1892
M. Manasse, L. Marx, Moses Manasse; um 1893 L. Marx, M. Manasse, M. Wertheimer;
um 1897 M. Maier, M. Manasse, G. Manasse, M. Wertheimer; um 1899 Rödelsheimer,
M. Manasse, G. Manasse, M. Wertheimer.
Von den jüdischen Vereinen werden genannt: eine Chewra Kadischa
(Israelitischer Wohltätigkeits- und Bestattungsverein, genannt 1865
Spendensammlung s.u., später u.a. in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1891 S. 84, Vorsteher um 1892/93 J.
Hirschfeld, um 1897/99 M. Hirschfeld und G. Manasse), einen "Frauenverein"
(genannt 1865 Spendensammlung s.u.). Um 1897/99 gab es einen
Synagogenbauverein unter Leitung von M. Hirschfeld.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Moritz Hirschfeld
(geb. 25.6.1890 in Talheim, gef. 18.8.1917) und Gustav Manasse. Der Name des
ersteren findet sich auf dem Gefallenendenkmal der Gemeinde.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden
Handels- und Gewerbebetrieben jüdischer
Eigentümer sind u.a. bekannt: Oel-, Fett-, Woll- und Trikotagenhandel
Josua Hirschfeld (Lange Gasse 1), Manufakturwarengeschäft Ludwig Levi
(Hauptstraße 20), Viehhandlung Berthold Löwenthal (Hauptstraße 39), Metzger
Isaak Manasse (Seligmanns Sohn; Schozacher Straße 2), Vieh- und
Rauchwarenhandlung Isaak Manasse (Abrahams Sohn; Gartenstr.14), Vieh- und
Rauchwarenhandlung Julius Manasse (Gustavs Sohn; Hauptstraße 15), Pferde-,
Vieh- und Rauchwarenhandlung Julius Manasse (Abrahams Sohn; Gartenstraße 12),
Metzgerei und Viehhandlung mit Gastwirtschaft "Löwen" Julius Manasse
(Moses Sohn; Hauptstraße 9, abgebrochen), Weinhandlung Louis Manasse (Bergstraße
4), Viehhandlung Max Manasse (Hauptstr.12), Viehhandlung Moritz Manasse
(Hauptstr.46), Manufakturwarenhandlung Herbert Wertheimer (Hauptstraße 10).
1933 wurden noch 82 jüdische Einwohner gezählt. Auf Grund der
zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verzog ein
Teil von ihnen in den folgenden Jahren in andere Orte oder wanderte aus (bis
1939 mindestens 38 Personen nach den USA, Südafrika, England, Frankreich,
Belgien). 1937 wurde für die nichtjüdischen Talheimer, die noch mit Juden
verkehrten, ein "Judenpranger" eingerichtet. Zu den Ereignissen im
Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 siehe unten (Abschnitt
Synagogengeschichte). Seit Mai 1939 mussten die jüdischen Familien in
bestimmten "Judenhäusern" zusammenziehen. 1940/41 wurden die jüdischen
Talheimer zur Zwangsarbeit verpflichtet (Bau der Straße Flein - Haigern).
Mindestens 31 jüdische Einwohner sind zwischen Dezember 1941 und Dezember 1942
von Talheim aus in drei Transporten deportiert worden.
Von den in Talheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen
Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Mathilde Böttigheimer geb. Manasse (1874), Frieda
Hirschfeld (1885), Julius Hirschfeld (1897), Lionel Hirschfeld (1880), Max
Hirschfeld (1894), Moses Hirschfeld (1891), Ludwig Levi (1882), Auguste Löwenthal
geb. Erlebacher (1870), Berthold Löwenthal (1890), Hilda Löwenthal (1896),
Lydia Löwenthal (1899), Rosa Löwenthal (1902), Theo Löwenthal (1913), Alfred
Manasse (1923), Alfred Mannasse (1940), Albert Manasse (1890), Bertha Manasse
(1876), Berta Manasse (1922), Frieda Manasse geb. Manasse (1893), Gitta Manasse
geb. Wollenberger (1895), Hilda Manasse geb. Frank (1895), Irma Manasse (1914),
Ilse Manasse (1922), Isaak Manasse (1868), Isaak Manasse (1879), Johanna Manasse
(1926), Julius Manasse (1879 oder 1886), Louis Manasse (1881), Milian Manasse
(1924), Mina Manasse (1875), Rosa Manasse geb. Manasse (1889), Siegfried Manasse
(1922), Ferdinand Marx (1867), Bela Oberdorfer (1927), Elsa (Elisabetha)
Oberdorfer geb. Finke (1892), Julius Oberdorfer (1921), Karola Oberdorfer
(1925), Siegfried Oberdorfer (1890), Flora Wollenberger (1896).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1878 /
1902
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juli 1878:
"Die israelitische Gemeinde Talheim sucht zum sofortigen Eintritt
einen Elementar- und Religionslehrer, welcher das Vorbeter- und womöglich
auch das Schächteramt versehen kann. Gehalt Mark 700 pro Jahr und freie
Wohnung nebst Nebeneinkünften, die sich auf Mark 200 jährlich belaufen
können. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Meldung nebst Zeugnissen
innerhalb 3 Wochen franco an die unterzeichnete Stelle senden.
Thalheim (Württemberg), 8. Juli 1878. Das israelitische
Kirchenvorsteheramt Leopold Marx." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1902:
"Die Elementarlehrerstelle in Talheim, verbunden mit
Schächter und Vorbeterdienst ist mit einem Fixum von 900 Mark und
Nebenverdienste ca. 300 Mark bei freier Wohnung und Heizung per sofort
oder 1. August zu besetzen. Seminaristisch gebildete Bewerber wollen sich
bei der unterfertigten Stelle melden. Bezirksrabbinat Heilbronn am
Neckar." |
Über Lehrer Salomon Aaron
Königsbacher (ca. 1792 bis 1836 Lehrer in Talheim)
Quelle: Familienregister J 386 Bü. 568 zu Talheim
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446789-8 (teilweise schwer
lesbar).
| Salomon Aron (Schlomo Segal,
später Salomon Aaron Königsbacher) ist im März 1763 in
Königsbach geboren als Sohn von Aaron
Abraham von Königsbach und Merle Tochter des Baruch von Eppingen. Salomon
war seit etwa 1792 Lehrer in Talheim, wo er am 22. August 1794 heiratete:
Sprinz geb. Moses von Horkheim,
Tochter des Moses von Merchingen und
der Regina geb. Kahn von Horkheim. Die
beiden hatten sechs Kinder (außer Merle in Talheim geboren): Märle/Merle
(geb. 29. August 1795 wo?, nach Geburtsregister nicht in Talheim,
verheiratet nach Eschenau 1832, gest. 9.
März 1876 in Eschenau), Moses / Mosche (geb. 23. April 1797 in
Talheim, blieb in Talheim, verheiratet am 28. November 1838 mit Rösle geb.
Löwenthal, gest. 12. Februar 1870,
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2417042), Aaron
(geb. 9. Februar 1799, blieb in Talheim, verh. 15. Oktober 1839, gest. 9.
Januar 1875,
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2417056), Abraham
(geb. 20. Dezember 1802, blieb in Talheim, verh. 26. Oktober 1841 mit
Ernestine/Esther geb. Löwenthal, gest. 4. Januar 1887,
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2417078), Baruch
(geb. 4. März 1807, gest. 3. Oktober 1833), Regine / Rezelche (geb.
20. Dezember 1809, gest. 6. Februar 1890,
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2417086). Salomon
Königsbacher starb am 27. März 1839 in Talheim und wurde im
jüdischen Friedhof in Affaltrach
beigesetzt; seine Frau Sprinz am 29. Februar 1842. Sie wurde im
jüdischen Friedhof Sontheim beigesetzt
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2416959. |
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Anzeige von Abraham Königsbacher,
Sohn von Lehrer Königsbacher (1870)
Anmerkung: der oben genannte Sohn Moses / Mosche Königsbacher betätigte sich
als Sofer, d.h. als Toraschreiber usw. (https://de.wikipedia.org/wiki/Sofer).
Nach seinem Tod am 12. Februar 1870 bot sein Bruder Abraham (s.o.) die zum
Schreiben der Torarollen usw. notwendigen Utensilien mit einer Anzeige im
"Israelit" an: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1870: "Durch Ableben meines
Bruders habe ich einen großen Vorrat von verschiedenen ins Soferut-Fach
einschlagenden Artikeln und sämtliches hiezu gehöriges Handwerkzeug zu
verkaufen, die täglich bei mir eingesehen werden können.
Talheim (Württemberg), 5. März 1870. Abraham Königsbacher."
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Über Lehrer Isaac Sänger (1836 bis
1857 Lehrer in Talheim)
| Isaak Sänger ist am 15. September 1815 in
Oberdorf geboren als Sohn des dortigen Lehrers und Vorbeters Sänger. Er
studierte von 1833 bis 1836 am Lehrerseminar
in Esslingen. 1836 wurde er Lehrer in Talheim, nach 1857 in
Buttenhausen, dann bis 1865 in
Braunsbach, schließlich von 1865 bis
1882 in Hohebach. 1882 wurde er
pensioniert. |
Über Lehrer Israel Friedberger
(1857 bis 1860 Lehrer in Talheim)
Über Lehrer Emil Marx
(1860 bis 1864 Lehrer in Talheim)
Anmerkung: Emil Marx (geb. 26.2.1840 in Steinbach bei Schwäbisch Hall, gest.
4.2.1920 in Oberdorf): studierte 1856 bis 1858 am
Lehrerseminar in Esslingen;
1860 bis 1864 Lehrer in Talheim, danach an der Erziehungsanstalt
Homburg v.d.H.,
später in Laudenbach; seit 1870 Lehrer in
Oberdorf; 1906 Ruhestand. Seine erste
Frau verstarb 1883; seine zweite Frau Rosa Marx geb. Wechsler wurde 1942 nach
Theresienstadt deportiert, wo sie im Februar 1943 umgekommen ist. Von seinen aus
beiden Ehen zusammen 14 Kindern sind acht früh verstorben. Die 1881 in Oberdorf
geborene Tochter Nanette verheiratete Popper wurde 1941 von Frankfurt in das
Ghetto Kowno deportiert und ist umgekommen; die 1895 in Oberdorf geborene
Tochter Minna verheiratete Fröhlich wurde 1941 von Frankfurt in das Ghetto Lodz
deportiert und ist umgekommen.
Weitere Texte zu ihm in der Textseite zu Oberdorf.
Zum Tod von Lehrer Emil Marx (1920 in
Oberdorf)
Artikel
in "Israelitisches Familienblatt" vom 26. Februar 1920: "Lehrer und
Vorsänger Emil Marx.
Wohl als Senior in der jüdischen Lehrerwelt starb im Alter von fast 80
Jahren der überall hochgeschätzte und beliebte Lehrer a. D. Emil Marx
in Oberdorf-Bopfingen (Württ.). Während seine Wirksamkeit auf seinen
früheren Stellen in Laudenbach,
Homburg v.d.H. und Talheim
bei Heilbronn sich nur auf kürzere Zeiträume erstreckte, wirkte er hier (sc.
in Oberdorf) seit 1870 ununterbrochen
über 35 Jahre lang mit unermüdlichem Fleiß und Eifer an der hiesigen
jüdischen Volksschule und in der Gemeinde in der segensreichsten Weise.
Trotz mancher schlimmen Erfahrung, die ja wohl niemandem erspart bleibt, der
in öffentlichem Amte wirkt, bewahrte er seine hohe Berufsfreude und seinen
eisernen Pflichteifer und wirkte, solange seine Kräfte es ihm erlaubten.
Dabei war er von tiefer Herzensfrömmigkeit erfüllt und beobachtete die
religiösen Gebote mit peinlichster Gewissenhaftigkeit. An seinem Lebensabend
durfte er sich an der Liebe und Anhänglichkeit von zwei
Menschengeschlechtern erfreuen.
Die allgemeine Verehrung kam auch beim Gang zur letzten Ruhestätte zum
Ausdruck. In der Synagoge zeichnete Herr Rabbiner Dr. Kroner in beredten
Worten die hohen Verdienste und das segensreiche Leben und Wirken des
Verstorbenen; am Grabe sprachen der Schwiegersohn, Herr Rabbiner Dr.
Schweizer - Horb, der Amtsnachfolger
Hauptlehrer Erlebacher, letzterer auch im Namen und im Aufträge des Vereins
israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs, and Hauptlehrer Wechsler -
Aschbach, der Schwager des
Entschlafenen. Sie hoben sein großes Wissen im Jüdischen und Profanen
hervor, seinen bescheidenen Sinn, seine wahre Menschenfreundlichkeit und
seine Opferwilligkeit. Oberdorf-Bopfingen, Februar 1920.
Erlebacher." |
Über
Lehrer Seligmann Pappenheimer ("Elementar-Junglehrer" in Talheim ab 1879)
Lehrer Seligmann Pappenheimer ist am
26. November 1860 in Oberdorf geboren als Sohn des Handelsmannes Simon
Pappenheimer und seiner Frau Sara geb. Hainsfurter. Er studierte 1876 bis
1879 am Lehrerseminar in Esslingen. 1879 wurde er Lehrer in
Talheim,
später in Lauchheim. Seit dem 1. April 1889 war er Lehrer in
Mergentheim. Er ist vermutlich 1923
in den Ruhestand getreten und starb am 9. März (Familienregister, nach Fechenbach am 10. März) 1934 in
Mergentheim.
Seligmann Pappenheimer war verheiratet mit Regina geb. Wassermann
(geb. 20. Februar 1863 in Lauchheim als Tochter von Julius Wassermann und
seiner Frau Babette geb. Levi). Sie ist am 4. April 1935 in das
Israelitische Altersheim nach Heilbronn-Sontheim
verzogen. Sie wurde
1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 6. September 1962
umgekommen ist.
Quellen: Hahn: Jüdisches Leben in Esslingen S. 465; Fechenbach S.
31.185. |
70. Geburtstag von Oberlehrer a.D. Seligmann
Pappenheimer (gest. 1930 in Bad Mergentheim)
Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Dezember 1930: "Mergentheim.
Dieser Tage feierte Oberlehrer und Kantor a. D. Pappenheim seinen 70.
Geburtstag. Trotzdem der Jubilar sich jede Feier anlässlich dieses Tages in
bescheidener Weise verbeten hatte, ließen die Kollegen der näheren und
weiteren Umgebung die Gelegenheit doch nicht vorübergehen, um den allseits
verehrten Mann in schlichter Weise zu feiern.
Am Sonntag, den 23. November, trafen sich die Kollegen in
Mergentheim, um dem Jubilar ihre
Glückwünsche zu entbieten. Alsdann folgte ein gemütliches Beisammensein mit
seiner Familie bei Pension Gerstner, wobei zunächst Oberlehrer Preßburger
- Creglingen als ältester der
anwesenden Herren die Verdienste des Jubilars als Lehrer und Kantor
würdigte, insbesondere auf seine Bescheidenheit und seinen strengen
Gerechtigkeitssinn, den er sich auch in Schicksalsschlägen mit seiner
tapferen Gattin erhalten habe, hinwies. Oberlehrer Adler -
Cannstatt beglückwünschte Pappenheim
namens des 'Württembergischen Lehrervereins' und wünschte dem Jubilar
noch viele schöne und frohe Tage mit seiner Gattin in Gesundheit und
Geistesfrische. Mit einem Dankwort des Gefeierten, der in ergreifender Weise
seinen Werdegang vom 18-jährigen Elementar-Junglehrer in
Talheim bis zur Religionslehrer- und
Kantorstelle in Mergentheim schilderte, schloss die schlichte Feier." |
Über
Lehrer Max Eichberg (1885-1887 Lehrer und Vorsängeramtsverweser in
Talheim)
| Max Eichberg ist am 20. Juli 1865 in
Neubronn bei Laudenbach als Sohn des Eisenhändlers Ruben Eichberg und der
Friederike geb. Kaumheimer geboren (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-445952-60)
und studierte von 1882 bis 1885 am Esslinger Lehrerseminar. 1885 bis
1887 war er Vorsängeramtsverweser und Lehrer in Horkheim und Talheim
("Statistisches Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1887 S.
24), danach in Sontheim. In der
Sontheimer Zeit hat er am 18. Juli 1890 (in
Bruchsal) Johanna geb. Mayer
geheiratet, eine am 30. Oktober 1865 geborene Tochter des Lehrers
Leopold Mayer und der Rosa geb. Weil. Max und Johanna Eichberg hatten sechs
in Sontheim geborene Kinder: Rudolf (geb.
3. Juni 1891, gest. 3. August 1891), Friedrich (geb. 25. April 1893), Leo (geb.
30. April 1894), Rosa (geb. 12. Juli 1895, gest. 24. Juni 1896), früh verstorbenes Kind (geb. 26. Juni 1896, gest. 29. Juni 1896),
Julia (geb. 6.
Dezember 1897, gest. 15. Juli 1898). (Angaben nach Familienregister Sontheim J
386 Bü 526 Bild 38). 1899 bis 1900 war Max Eichberg Hausvater im israelitischen
Waisenhaus. 1901 oder wenige Jahre später ist Eichberg in die USA
ausgewandert. In den 1920er-Jahren war er als Lehrer in Chicago tätig. Er
starb am 21. November 1934 und wurde im Oheb Shalom Cemetery in Baltimore
MD/USA beigesetzt, siehe Grab
https://de.findagrave.com/memorial/193916785/max-eichberg. Seine
Frau Johanna starb am 10. Dezember 1938 und wurde ebd. beigesetzt. |
Rätsel von Lehrer J. Oberndörfer (1889)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni
1889: Rätsel.
Ins Erste tut man das hinein, Was oft nur bringt des Glückes Schein.
Und wenn im Zweiten blinkt das Gold des Weins, wer wäre ihm nicht hold?
Das Dritte mindert Deinen Wert, Den Menschen immer es entehrt.
Und wirst du jedes Wort vermehren, Fügst Du hinzu der Zeichen zwei.
So werden sie Dich wohl belehren, Wie Mancher zu erkennen sei.
Talheim - J. Oberndörfer, Lehrer". |
Über Lehrer Samuel Rosenberger
(1890 bis 1894 Lehrer in Talheim)
Über Lehrer
Moses Maier (1895 bis 1897 Lehrer in Talheim)
Moses Maier ist am 10. September 1874
in Lehrensteinsfeld geboren als
Sohn des Metzgers Aaron Maier und der Hanna geb. Juda. Er ist in Weinsberg
aufgewachsen und studierte von 1890 bis 1893 am
Esslinger Lehrerseminar. Von 1895 bis 1897
war er Lehrer in der jüdischen Gemeinde in Talheim. Wenige Jahre
später ist er nach Amerika ausgewandert und soll dort als
Mathematik-Professor tätig gewesen sein, was jedoch bislang nicht
verifiziert werden konnte..
Anmerkung: Die Mutter Hanna Maier, Tochter von Feis Henle Juda und der Mina
geb. Marx starb am 19. Februar 1898 in Weinsberg und wurde am 21. Februar
1898 im jüdischen Friedhof Affaltrach
beigesetzt.
Quellen: Hahn Jüdisches Leben in Esslingen S. 467. Personalakten 1893-1894
im Staatsarchiv Ludwigsburg E 212 Bü. 301.
Familienregister Lehren
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-445964-11 |
Über Lehrer Hugo Rödelsheimer (1898
bis 1902 Lehrer in Talheim)
Hugo Rödelsheimer ist am 25. Dezember
1877 in Baisingen als Sohn des
Schuhmachers Simon Rödelsheimer und seiner Frau Charlotte geb. Marx geboren.
Es studierte von 1894 bis 1897 am Esslinger
Lehrerseminar. Hugo Rödelsheimer war von 1898 bis 1902 in Talheim
tätig, eventuell kurz vorher (1897/98), zumindest nach 1902 in
Freudental (genannt u.a. in der
Zeitschrift "Der Sabbat" Dezember 1908 S. 78: Lehrer Rödelsheimer in
Freudental leitet dort die Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatfreunde; auch
genannt in "Der Israelit" vom 14. Oktober 1909 S. 12 bei einer
Goldenen-Hochzeit-Feier in Freudental). Hugo Rödelsheimer war seit 12.
Februar 1909 in Bödigheim verheiratet
mit Lina geb. Fleischmann (geb. 1883 in
Bödigheim als Tochter von Lehrer
Seligmann Fleischmann und seiner Frau Adelheid geb. Bravmann). Von 1913 bis
1922 war Hugo Rödelsheimer Lehrer und Kantor bei der jüdischen Gemeinde in
Bayreuth (genannt als "Kantor und
Lehrer in Bayreuth" u.a. in "Israelitisches Familienblatt" vom 18. Oktober
1916 S. 6 im Bericht zum Tod seiner Mutter Charlotte und "Israelitisches
Familienblatt" vom 15. April 1920 S. 9). Nach Bayreuth war er ab 1.
September 1922 in Neustadt an der Haardt
(= Neustadt an der Weinstraße) als Kantor und Lehrer in der jüdischen
Gemeinde tätig. Dazu war er ("Israelitisches Familienblatt" vom 24. Juli
1930 S. 10) auch Religionslehrer in den Volksschulen, am Gymnasium, der
Realschule und der Töchterschule ("Israelit. Familienblatt" vom 13.
Januar 1938 S. 15: Rödelsheimer feierte seinen 60. Geburtstag; im "Jüdischen
Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" noch in der letzten Ausgabe vom
1. November 1938 S. 8 genannt). Am 20. Oktober 1940 wurden er und seine
Frau in das südfranzösische Internierungslager deportiert. Lina Rödelsheimer
ist am 6. Dezember 1940 in Gurs umgekommen. Hugo wurde am 17. März 1941 in
Les Milles interniert, bis ihm über Marseilles und Casablanca die Flucht in
die USA gelang (Ankunft Juli 1942 Baltimore MD, später in New York). Er
starb am 23. November 1954 in New York und wurde im Beth-El Cemetery in
Paramus, Bergen NJ/USA beigesetzt.
Ein Sohn von Hugo und Lina Rödelsheimer war Siegbert/Sidney Roedelsheimer/Roedel
(1920-1997).
Grabstein-Foto Hugo Rödelsheimer in
https://de.findagrave.com/memorial/248310489/hugo-roedelsheimer
Sohn Sidney Roedel
https://de.findagrave.com/memorial/35859918/sidney-roedel
Vgl.:
https://gedenkbuch.saarbruecken.de/en/memorial_book/person_details/person-27110
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40-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Hugo Rödelsheimer (1937 in Neustadt
an der Weinstraße) |
Mitteilung
im "Jüdischen Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 6. Oktober
1937: "Neustadt Weinstraße. (Amtsjubiläum). Am 1. September waren es
15 Jahre, seitdem Herr Lehrer und Kantor Hugo Rödelsheimer sein Amt in
Neustadt angetreten hat. Im gleichen Jahre durfte der Jubilar auf ein 40
jähriges Amtsjubiläum zurückblicken. Es sei hiermit Herrn Rödelsheimer der
herzliche Wunsch ausgesprochen, dass ihm noch viele Jahre des Wirkens und
Lebens beschieden sein mögen." |
Lehrer Jakob Schloß von Talheim wechselt nach Malsch
(1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember
1905: "Karlsruhe: "Das neueste Verordnungsblatt des
Großherzoglichen Oberrates der Israeliten meldet folgende Veränderungen
in der Besetzung der Religionsschullehrerstellen: Jakob Lewin seither in Lorsch
nach Randegg, Sally Rosenfelder in Eubigheim
nach Buchen, Nathan Adler von Külsheim
nach Eubigheim, Kantor Simon Metzger
von Sulzburg nach Bretten,
Samuel Strauß von Berlichingen
nach Sulzburg, Jakob Schloß von
Talheim nach Malsch bei
Ettlingen. Auf Ansuchen wurden von ihren Stellen enthoben: Kantor Weiß in
Gailingen und Religionslehrer Jakob
Lorch in Untergrombach, letzterer
behufs Übernahme der Verwalterstelle der M.A. d. Rothschild'schen
Lungenheilstätte in Nordrach." |
Über den Lehrer Milton Sahm (1914
in Talheim)
| Milton Sahm ist am 11. Februar 1884
in New York geboren als Sohn des Lehrers Bernhard Sahm (aus Creglingen) und
der Sara geborene Straßburger (aus Hohebach). Die Eltern war 1882 in die USA
ausgewandert, kehrten aber schon 1885 wieder nach Deutschland zurück. Milton
Sahm wuchs im Hohenlohekreis auf, da sein Vater bis 1900 als Lehrer in
Hohebach, danach als Lehrer in
Öhringen tätig war. Milton Sahm
studierte von 1900 bis 1903 am Lehrerseminar
in Esslingen. Er war verheiratet mit Selma geb. Straßburger aus
Hohebach. Vor dem Ersten Weltkrieg war er eine Zeit lang als Vorsänger in
der jüdischen Gemeinde Öhringen
(eventuell Aushilfe für seinen dort noch tätigen Vater). 1914 war er
kurzzeitig an der jüdischen Schule in Talheim tätig. Wenig später war
er bis 1923 Verwalter und Obersekretär im Israelitischen Oberrat Stuttgart;
er starb am 2. November 1923 in Stuttgart und wurde im
israelitischen Teil des Pragfriedhofes
beigesetzt. |
Religionslehrer Straus wechselt von Michelbach a.d.L.
nach Talheim (1924 bis 1939 Lehrer in Talheim)
Anmerkung: Isaak Straus ist am 12. Juli 1884 in Niederstetten
geboren als Sohn des Lehrers Jakob Straus aus Niederstetten, später Oberlehrer
in Crailsheim und der Babette geb. Sahm aus Braunsbach. Er war seit 1910
(Crailsheim) verheiratet verheiratet von Sara (Serry) geb. Hallheimer, eine am 1.
Dezember 1887 in Crailsheim geborene
Tochter des Albert Hallheimer und der Bertha geb. Pappenheimer. Zwei Kinder sind
noch in Michelbach geboren: Helmut (geb. 18. Mai 1911) und Siegfried (Schmuel,
geb. 24. Oktober 1916). Lehrer Straus war von Dezember 1924 bis 1939 Lehrer
(Religionsoberlehrer) in Talheim, nebenberuflich Gemeindesekretär und Rechner
der Gemeinde Talheim, dazu auch Familienseelsorger der Familie Levi auf Schloss
Stettenfels und bis 30. Januar 1933 Schächter in Talheim. Am 20.
Februar 1939 ist er mit seiner Familie nach Erez Israel/Palästina
emigriert. Link:
Seite im
Familienregister Talheim
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 15. Oktober
1924: "Der Religionslehrer Straus in Michelbach
a.d. Lücke ist als ständiger Religionslehrer nach Talheim Oberamt
Heilbronn versetzt worden." |
50. Geburtstag von Oberlehrer Isaak Straus (1934)
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. August
1934: "Talheim. Oberlehrer Straus wurde anlässlich seines am
12. Juli stattgefundenen 50. Geburtstages von allen Seiten Gegenstand
herzlichster Ehrungen. Ein Beweis für die Wertschätzung, die unsere Gemeinde
und auch die übrige Bevölkerung dem trefflichen Menschen und Lehrer
entgegenbringen. Unter den Gratulanten waren auch die Schulkinder, die ihren
Lehrer durch einen Reigen und ein Angebinde erfreuten. Der Jubilar dankte
beim Sabbat-Morgengottesdienst der Gemeinde für ihre innige Anteilnahme und
gelobte, auch weiterhin in Freude und Leid treue zu ihr zu stehen." |
Helmut Straus - Sohn von Oberlehrer Straus - hat sein Staatsexamen bestanden
(1934)
Anmerkung: Dr. Helmut Straus war der Sohn des Volksschullehrers und
jüdischen Religionslehrers Isaak Straus (siehe oben) und seiner Frau
Sara (Serry) geb. Hallheimer. Helmut Straus ist am 18. Mai 1911 in
Crailsheim geboren und in
Michelbach a.d.L. und in Talheim
aufgewachsen, wo sein Vater als Lehrer tätig war. Helmut Straus besuchte das
Gymnasium in Heilbronn (Abitur 1930) und
studierte anschließend in Frankfurt und München Zahnmedizin (1934 zahnärztliches
Staatsexamen, doch erhielt er auf Grund der NS-Bestimmungen keine Approbation
und keine Zulassung zur Promotion). 1934 bis 1935 Studium und Promotion zum
Dr.med.dent. in Basel. Danach war er offenbar einige Zeit bei den Eltern in
Talheim, von wo aus er gemeinsam mit seinem Vater die Chanukkafeier in
Bonfeld veranstaltete. Noch 1936 emigrierte
er nach Palästina/Israel, wurde Mitglied in einem Kibbuz, nannte sich nun
Chaim Straus. 1938 heiratete er; mit seiner Frau hatte er zwei Kinder (Jochanan,
geb. 1942 in Afulah, und Uri, geb. 1947 in Petach Tikwah). Seit 1943 war er als
Zahnarzt tätig, doch konnte er durch gesundheitliche Probleme nur eingeschränkt
seinen Beruf ausüben. 1965 lebte er in Hadar Ramatayim (Stadtteil von Hod
HaSharon).
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Juni
1934: "Talheim, Helmut Straus, Sohn des Oberlehrers
Straus, hat an der Universität München sein Staatsexamen in der
Zahnheilkunde mit sehr gutem Examen bestanden." |
Chanukkafeier in Bonfeld mit Lehrer Isaak Straus und
seinem Sohn Dr. Helmut Straus
(1935/1936)
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Januar 1936: "Bonfeld. Für
die kleine Gemeinde Bonfeld war es eine große Freude, dass Oberlehrer
Straus mit der Bonfelder Schuljugend eine Chanukkahfeier in der
Synagoge veranstaltete. Dr. Helmut Straus hielt einen fesselnden
Vortrag, der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Max Flehinger
dankte als Vorsteher der Gemeinde für den genussreichen
Nachmittag". |
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben
Spendensammlungen in der Gemeinde
(1865 / 1887 / 1891 / 1893)
Anmerkung: in jeder jüdischen Gemeinde wurden regelmäßig
Spendensammlungen für unterschiedliche Zwecke durchgeführt. Die Ergebnisse der
Sammlungen wurden immer wieder in jüdischen Periodika bekanntgegeben.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1865 -
Spendensammlung in Eschenau und
Talheim zur "Linderung der Hungersnot in Palästina": "Durch Rabbiner
Dr. Engelbert in Heilbronn, von der Gemeinde Eschenau gesammelt:
Hirsch Bamberger 10 fl., Herz Berliner 48 kr., dessen Frau 48 kr., Frau
Bamberger 1 fl., M.L. Berliner 48 kr., Isak Gronauer 12 kr., Falk Lindner 5
fl., Nathan Lindner 1 fl. 18 kr., Moses Lindner 12 kr., Isak Kallmann 1 fl.
30 kr., Hirsch Kallmann 1 fl., Abraham Neumann 3 fl. 30 kr., Wwe.
Rosenberger 30 kr., Machol Rothschild 3 fl., H. Schwabacher 5 fl., Wwe.
Ullmann 12 kr., David Zirndorfer 1 fl., zus. 35fl. 18 kr. Von der Gemeinde
Talheim: Mos. Manasse 30 kr., Isak Manasse Söhne 24 kr., Seligmann
Manasse 30 kr., Manes Manasse 4 fl., Moses Hirschfeld 18 kr., Abraham
Löwenthal 1 fl., Witwe Hirsch 36 kr., Moses Löwenthal 4 fl., dessen Frau 1
fl., Salomon Levi 4 fl., Leopold Wertheimer 4 fl., Jonathan Wertheimer 1 fl.
12 kr., Hermann Manasse 30 kr, Leser Manasse 36 kr., Wohltätigkeitsverein 6
fl, Frauenverein 4 fl. 30 kr., Alex. Leser 12 kr., Aron Königsbacher 1 fl.,
Abraham Königsbacher 30 kr., Moses Königsbacher 1 fl., Hirsch Hirschfeld 24
kr., Leopold Marx 2 fl. 30 kr., zusammen 26 fl. 42 kr. Demnach ist die Summe
der heute überschickten Gelder, von Eschenau 35 fl. 18 kr., von Talheim 26
fl. 42 kr., von Z. aus Heilbronn 1 fl., zusammen 63 fl. Die Gesamtsumme der
von mir übersandten Gelder beträgt: 1. Sendung 80 fl. 14 kr., 2. Sendung 173
fl. 24 kr., 4,. Sendung 63 fl., zusammen 316 fl. 38 kr."
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Januar 1887 - "Spenden für das
Heilige Land" - Sammlung für Bikkur Cholim -
Krankenbesuchsvereine: "Talheim bei Heilbronn. Durch Lehrer M.
Eichberg: Sammlung in der Gemeinde 15 Mark für die Bikkur Cholim." |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1891 - Spenden "für die
unglücklichen russischen Glaubensgenossen": "Durch Lehrer Rosenberger
in Talheim: Wolf Hirschfeld 2, Josua Hirschfeld 3, Max Hirschfeld 1,
Witwe Hirschfeld 1,20, Witwe Löwenthal 2, Samuel Löwenthal 1, Abraham
Manasse sen. 0,50, Abraham Manasse jun. 2, Mannes Manasse 1, Max Manasse 2,
Moses Manasse 1, Gustav Manasse 3, Samuel Manasse 1, Jonathan Wertheimer 1,
Max Wertheimer 2, Leopold Marx 5, Hermann Manasse 2, Lehrer Rosenberger
1,30, zus. 32 Mark." |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. März 1893 - "Spenden für das
heilige Land": "Talheim. Durch Lehrer Rosenberger,
Challah-Geld von nachbezeichneten Frauen: Witwe Löwenthal 2, Lisette
Hirschfeld 1, Babette Rosenberger 1, Jette Hirschfeld 1, Amalie Löwenthal 1,
Lina Wertheimer 1.10, Ungenannte 0.20, Frau Manasse 1, Bertha Hirschfeld 1,
Auguste Löwenthal 1, Jette Manasse 1, Lina Manasse 1, Emma Manasse 1, Sophie
Marx 1, zus. abz. Porto 13.90 M. für Mazzot." |
Gottesdienstliche "Reformen" im
Blick auf eine gemeinsame Konfirmation anstelle der Bar Mizwa-Feier stoßen auf
Widerstand aus orthodox-konservativen Kreiseb (1870)
Anmerkung: 1831 wurde die "Konfirmation" in den
württembergischen israelitischen Gemeinden nach Vorbild der evangelischen
Konfirmation eingeführt. Die meisten der jüdischen Landgemeinden
konnten sich damit wenig anfreunden und zogen weiterhin die traditionelle Bar-Mizwa-Feier vor.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1870:
"Talheim Rabbinats Heilbronn, 20. Mai (1870). Auch hier zeigt sich,
wie am Sitze des Rabbinats, die erste Weigerung, Kinder konfirmieren, das
heißt an dem Weiheakt in der Synagoge teilnehmen zu lassen, nachdem das
Kultusministerium diese Teilnahme nach dem Grundsatze der
Gewissensfreiheit bekanntlich in das Belieben der Eltern gestellt hat.
In
Heilbronn schlossen sich am vorigen Sabbat unter 14 Schülern zwei
Mädchen von diesem Akte aus, und hier ist es ein Kind, dessen Eltern
glauben, ohne Konfirmation doch ein guter Jude sein zu können. Die
Rabbiner fürchten mit Recht, die Exempel könnten im folgenden Jahre
größere Nachahmung finden. Nachträglich erfahren wir, dass auch in
Lehrensteinsfeld, dem ehemaligen
diesseitigen Rabbinatssitz, alle Eltern der diesjährigen Konfirmanden
sich weigern, ihre Kindern konfirmieren zu lassen. Im Braunsbacher
Rabbinatssprengel haben sämtliche Gemeinden des Bezirks die Vornahme des Konfirmationsaktes
verweigert bis auf die Stadtgemeinde Crailsheim, wo auch Reformgottesdienst
mit Harmonium eingeführt ist. Man sieht hieraus, wie wenig dieses
christliche Institut der Konfirmation in den jüdischen Gemeinden Wurzel
zu fassen vermochte, obgleich es schon seit 1831 zwangsweise in
Württemberg existiert und wie der erste Hauch der Freiheit wegfegt, was
vier Jahrzehnte nur durch kirchliche Gewalt sich zu erhalten
vermochte." |
| |
| Anmerkung: in der (liberalen)
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juli 1870 S. 604 (Link)
war als Reaktion auf den obigen Artikel im "Israelit" vom 1. Juni 1870
folgende Anzeige zu lesen: "Der 'Israelit' jubelt in Nr. 22 zu früh über den
'Fortschritt der Orthodoxie' dahier; denn die Konfirmation des betreffenden
Knaben wurde lediglich durch ein bedenkliches Übel aufgeschoben, das ihn
betraf, und das ihn auch verhinderte, Bar Mizwa zu werden. Talheim
bei Heilbronn." |
| Die (konservativ-orthodoxe) Zeitschrift
"Der Israelit" legte am 10. August 1870 S. 599 nochmals nach (Link):
"Talheim bei Heilbronn a. N., 31. Juli. Die 'Allgemeine Zeitung des
Judentums' bringt in neuester Nummer ein kleines Inserat, dass jener Knabe
nicht aus Renitenz, sondern wegen Krankheit Heuer nicht konfirmiert worden
sei. Also 1 weniger unter den vielen Widerspenstigen gegen dieses spezifisch
christliches Institut. In seinem Eifer sagt der interessierte Einsender, der
Knabe sei ebendeshalb auch nicht Bar Mizwa geworden; soll wohl heißen, sei
an dem betreffenden Sabbat nicht in der Synagoge gewesen; denn Bar Mizwa ist
er jedenfalls geworden, als er 13 Jahre und 1 Tag alt war. Dazu bedarfs
keiner priesterlichen Einsegnung." |
Meldung aus dem Nachbarort Flein - der evangelische Pfarrer lobt die
Einhaltung des Schabbat (1924)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1924: "Heilbronn,
20. Januar (1924). In dem benachbarten Ort Flein hat der evangelischen
Pfarrer letzten Sonntag im Verlaufe seiner Predigt folgendes ausgeführt:
'Ich habe während des Herbstgeschäftes (Weinlese) leider wahrnehmen
müssen, dass viele Gemeindegenossen den Sonntag entweiht haben. Diese
mögen sich ein Beispiel nehmen an der Firma J.B.R. in Heilbronn (der
Herr Pfarrer nannte die jüdische Firma bei vollem Namen), diese Firma
hält ihr Geschäft Samstags geschlossen und ist noch dazu gezwungen von
Gesetzeswegen auch Sonntags die Arbeit ruhen zu lassen und ist dabei auch
noch nicht zurückgekommen. Der eine von den Herrn kommt ja viel hierher,
Ihr kennt ihn ja Alle." |
Einweihung der Kriegerdenkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges
(Dezember 1925)
Meldung
in der CV-Zeitung vom 8. Januar 1926: "In Talheim bei Heilbronn wurde
das Kriegerdenkmal unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung
eingeweiht. Außer dem katholischen und evangelischen Pfarrer sprach u.a.
auch Lehrer Straus als Vertreter der israelitischen Gemeinde." |
Frühlingsfeier in der Gemeinde (1926)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. April
1926: "Talheim. Lehrer Strauß veranstaltete mit seinen
Schülern am Sonntag, den 14. März, eine in allen Teilen wohl gelungene
Frühlingsfeier, bei der die Knaben und Mädchen der Gemeinde vor einer
großen Zuhörerschaft allerlei deklamatorische und gesangliche Darbietungen
reizend zum Vortrag brachten. Oberlehrer Müller, der Vorstand der
katholischen Schule, sprach dem Kollegen und seiner jugendlichen
Künstlerschar den anerkennenden Dank der Anwesenden aus." |
Chanukkafeier für die Schüler der Gemeinde auf
Schloss Stettenfels (1928)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Januar
1928: "Talheim. Wie seit einigen Jahren, so wurde auch heuer
wieder den schulpflichtigen Kindern eine schöne Chanukka-Feier auf Schloß
Stettenfels bereitet. Per Auto abgeholt, wurden sie von den
liebenswürdigen Gastgebern, Herrn und Frau Levi herzlich empfangen. Nach dem
Entzünden der Lichter, dem Gesang des Maos Zur und der Aufführung
einiger Theaterstückchen nahmen die Kinder voll Jubel ihre schönen Geschenke
in Empfang. Frau Levi erfreute noch die Anwesenden durch ein herrlich
vorgetragenes Lied. Reich bewirtet und frohgemut verließ nun die muntere
Schar die herrlichen Räume des Schlosses und wurde in die Heimat
zurückgebracht." |
Theateraufführung mit den Schülern der jüdischen
Gemeinde (1928)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. März
1928: "Talheim. Oberlehrer Strauß veranstaltete auch in diesem
Jahre eine Theateraufführung mit seinen Schülern, die am Samstag und
Sonntag unter größter Beteiligung stattfand. Die sieben Schüler führten
überaus anmutig das reizende Stück 'Frühlings Erwachen' auf. Pfarrer Fischer
dankte im Namen der Erschienenen dem Spielleiter und den Darstellern für
ihre schöne Leistung. Die Veranstaltung bewies wieder einmal das freundliche
Einvernehmen der Konfessionen innerhalb unseres Ortes." |
Wahl zum Israelitischen Vorsteheramt (1930)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. August
1930: ""Talheim. Bei der am 6. Juli stattgefundenen Wahl zum
Israelitischen Vorsteheramt wurden einstimmig gewählt: Siegfried Levi,
Schloss Stettenfeld und Julius Gustav Mannasse." |
Chanukkafeier der jüdischen Gemeinde und
Einladung der Schüler der Gemeinde auf Schloss Stettenfels (1930/31)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Januar
1931: "Talheim. Oberlehrer Strauß arrangierte für
unsere Gemeindemitglieder vor kurzem eine wohl gelungene Chanukka-Feier.
Das, was die Kleinen und Kleinsten an Chanukka-Liedern, Reigen und
Theateraufführungen boten, zeugte für das feine Verständnis des tüchtigen
Spielleiters und dessen unermüdlichen Fleiß. Den Schluss der harmonischen
Feier bildete eine Gabenverlosung.
Am 21. Dezember vorigen Jahres fuhren die Schüler nach Schloss
Stettenfels, wo sie von den Eheleuten Gutsbesitzer Levi gastlich
bewirtet und mit praktischen Geschenken erfreut wurden." |
Chanukkafeier der jüdischen Gemeinde (1932/33)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Februar
1933: "Talheim. Die Israelitische Gemeinde feierte am 26.
Dezember vorigen Jahres ihr Chanukka-Fest. Nach einer
Begrüßungsansprache von Oberlehrer Straus, der die Veranstaltung
bestens leitete, wurden die Anwesenden durch kleine Theaterstücke, Gedichte,
Gesänge und reizvolle Reigen erfreut. - Darbietungen, die zeigten, was
Sachkenntnis und nie versagende Geduld des Lehrers, aber auch der Fleiß der
Kleinen vermögen. Eine Gabenverlosung, die besonders den Kindern viel Freude
bereitete, war ebenfalls in das Programm aufgenommen. Die wackere kleine
Spielschar wurde von Frau Oberlehrer Straus in einer kleinen Nachfeier
festlich bewirtet." |
Vortragsabende mit Helmut Straus und Oberlehrer Straus
(1934)
Anmerkung: Dr. Helmut Straus war der Sohn des Volksschullehrers und
jüdischen Religionslehrers Isaak Straus und seiner Frau Sara (Serry)
geb. Hallheimer. Helmut Straus ist am 18. Mai 1911 in
Crailsheim geboren und in
Michelbach a.d.L. und in
Talheim aufgewachsen, wo sein Vater jeweils als
Lehrer tätig war. Helmut Straus besuchte das Gymnasium in
Heilbronn (Abitur 1930) und studierte
anschließend in Frankfurt und München Zahnmedizin (1934 zahnärztliches
Staatsexamen, doch erhielt er auf Grund der NS-Bestimmungen keine Approbation
und keine Zulassung zur Promotion). 1934 bis 1935 Studium und Promotion zum
Dr.med.dent. in Basel. Danach war er offenbar einige Zeit bei den Eltern in Talheim,
von wo aus er gemeinsam mit seinem Vater u.a. auch eine Chanukkafeier in
Bonfeld veranstaltete. Noch 1936 emigrierte er
nach Palästina/Israel, wurde Mitglied in einem Kibbuz, nannte sich nun Chaim
Straus. 1938 heiratete er; mit seiner Frau hatte er zwei Kinder (Jochanan, geb.
1942 in Afulah, und Uri, geb. 1947 in Petach Tikwah). Seit 1943 war er als
Zahnarzt tätig, doch konnte er durch gesundheitliche Probleme nur eingeschränkt
seinen Beruf ausüben. 1965 lebte er in Hadar Ramatayim (Stadtteil von Hod
HaSharon).
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. November
1934: "Talheim. Zahnarzt Helmut Straus, Sohn des Oberlehrers
Straus, hielt unlängst im Frauenverein einen mit großem Beifall
aufgenommenen Vortrag über 'Die Aufgaben der jüdischen Frau in heutiger
Zeit.'
Am 3. November sprach Oberlehrer Straus vor der ganzen Gemeinde über
'Moses Montefiore und sein Wertk'. Auch dieser Vortrag fand eine dankbare
Hörerschaft. An beide Veranstaltungen schloss sich ein gemütliches
Beisammensein an." |
Chanukkafeier mit der Schuljugend und Oberlehrer
Straus (1934)
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Dezember
1934: "Talheim. Am 1. Chanukkaabend veranstaltete Oberlehrer
Straus mit seiner Schuljugend eine in allen Teilen wohl gelungene
Feier, die fast von der ganzen Gemeinde besucht war. Die sich anschließende
Verlosung bereitete den Kindern große Freude. Besonders beifällig wurde das
von einem schönen Reigen umrahmte 'Moaus Zur' aufgenommen, aber auch
die anderen Stückchen wurden von den Kindern tadellos aufgeführt. So hielten
wirklich gemütliche Stunden die Gemeinde in fröhlicher Stimmung zusammen." |
"Gemütliches Zusammensein" der Gemeinde mit
einem Vortrag von Oberlehrer Straus (1935)
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Januar
1935: "Talheim. Auf Einladung ihres Lehrers versammelte sich vor
kurzem der größte Teil der Gemeinde zu einem gemütlichen Beisammensein.
Oberlehrer Straus erfreute die Anwesenden durch einen Vortrag über
'Moses Mendelssohn und sein Werk', der beifällig aufgenommen wurde. Auch die
Kinder der Oberklasse zeigten ihren Eltern, dass sie über die Einteilung der
Bibel gut Bescheid wussten." |
Vortragsabend über den Talmud mit Oberlehrer Straus
(1935)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. März
1935: "Talheim, Oberlehrer Straus hielt vor zahlreicher
Hörerschaft vor kurzem einen Vortrag über den Talmud, der mit dankbarem
Beifall aufgenommen wurde." |
Vortragsabende in der Gemeinde (1935)
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Juni
1935: "Talheim. Vor kurzem hielt Siegfried Straus, Sohn
unseres Oberlehrers Straus, einen wertvollen Vortrag über 'Maimonides'.
-
Rechtsanwalt Dr. Scheuer, Heilbronn.
referierte in fesselnder Weise über seine Palästinareise. Beiden Rednern
zollte eine zahlreiche Zuhörerschaft lebhaften Beifall." |
Chanukkafeier des jüdischen Jugendbundes (1935/36)
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Januar
1936: "Thalheim. Der Jugendbund veranstaltete unter der tatkräftigen
Leitung von Siegfried Straus eine wohl gelungene, von der Gemeinde
beifällig aufgenommene Chanukka-Feier, bei der auch eine Verlosung
stattfand." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
80. Geburtstag von Josua Hirschfeld (1926, geboren 1846)
und sein Tod im folgenden Jahr (1927)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Oktober
1926: "Talheim. Das älteste Mitglied der Gemeinde Talheim
Josua Hirschfeld, vollendet am 22. Oktober 1926 in körperlicher und
geistiger Frische sein 80. Lebensjahr. Der Jubilar ist wegen seines lauteren
Charakters und seiner Menschenfreundlichkeit überall beliebt und geachtet.
Möge ihm ein weiterer glücklicher Lebensabend beschieden sein." |
| |
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Juni
1927: "Talheim. Am 20. Mai 1927 verstarb im 81. Lebensjahr der Senior
der hiesigen Gemeinde, der in weiten Kreisen bekannte und beliebte Josua
Hirschfeld. Wegen seine unbestechlichen Rechtschaffenheit und Geradheit,
verbunden mit einem friedfertigen und leutseligen Wesen, war er eine
Zierde seines Standes. Die für ländliche Verhältnisse ganz
außerordentlich große Beteiligung an seiner Beerdigung zeugte von der
Wertschätzung und Verehrung dieses wackeren Mannes, der auch für die Fragen
der jüdischen Gemeinschaft jederzeit tätige Anteilnahme bezeugte. Wir werden
seiner stets in Liebe gedenken!" |
Zum Tod des Gemeindevorstands Gustav Manasse (1927)
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Juli
1927: "Talheim. Die Gemeinde hat durch den Tod ihres
Gemeindevorstands Gustav Manasse einen schweren Verlust erlitten. Er
wurde am 12. Juni unter allgemeinen Anteilnahme bestattet. Er hatte fast 40
Jahre lang dem Vorsteheramt angehört und Jahrzehnte lang aushilfsweise an
Sabbaten und immer an den hohen Festtagen den Vorbeterdienst ausgeübt. Als
Gemeindepfleger und Schochet leistete er lange Zeit vortreffliche Dienste.
Er gehörte zu den angesehensten Mitgliedern der hiesigen Gemeinde. Sein
Andenken sei gesegnet." |
85. Geburtstag von Therese Manasse (1928)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Januar
1928: "Talheim. Vor einigen Wochen konnte unsere allgemein
hochgeschätzte Mitbürgerin, Frau Therese Manasse, in seltener
geistiger Rüstigkeit im Kreise ihrer sie hoch verehrenden Kinder ihren 85.
Geburtstag feiern. Von allen Seiten wurden ihr herzliche Glückwünsche
entgegengebracht. Möge der Jubilarin, die aus ein arbeits- und segensreiches
Leben zurückblicken kann, noch eine Reihe von schönen Jahren beschieden
sein!" |
Siegfried Levi (Schloss Stettenfels) wird Ehrenmitglied
der jüdischen Gemeinde (1929)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Juni
1929: "Talheim. Siegfried Levi aus Schloss Stettenfels wurde
vom Israelitischen Vorsteheramt in Würdigung seiner Verdienste um die
Gemeinde zu deren Ehrenmitglied ernannt. Am 7. April wurde ihm in
Stettenfels durch Oberlehrer Straus im Beisein der beiden Vorsteher Max
Wertheimer und Isaak Manasse eine künstlerisch ausgeführte
Ehrenurkunde unter Worten den Dankes überreicht. Siegfried Levi hatte zur
Schmückung der hiesigen Synagoge eine herrlich ausgeführte, aus kornblauem
Samt gearbeitete Synagogengarnitur, bestehend aus Vorhang, zwei
Toramäntelchen, einer Schulchandecke und drei Deckchen für Kanzel und
Vorbeterpult gestiftet. Erstmals wurden diese schönen Stücke am 1. Tag
Pessach aufgelegt. Beim Festgottesdienst wurde in der Predigt in Anwesenheit
des Stifters und seiner Gattin seiner Verdienste um die Gemeinde gedacht." |
80. Geburtstag von Fanny Manasse (1930)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Oktober
1930: "Talheim. Frau Fanny Manasse konnte unter
Anteilnahme der ganzen Gemeinde am 4. September in voller körperlicher und
geistiger Frische ihren 80. Geburtstag feiern. Der 'Frauenverein'
ließ seinem treuen Mitglied unter Worten der Anerkennung und Dankbarkeit für
die geleisteten Dienste durch Oberlehrer Strauß ein Geschenk
überreichen. Besondere Freude erregte überall das vom Israelitischen
Oberrat übersandte ehrende Glückwunschschreiben. Möge der Jubilarin noch
ein langer und sonniger Lebensabend beschieden sein!" |
89. Geburtstag von Therese Manasse (1930)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Dezember
1930: "Talheim. Am 8. Dezember darf Frau Therese Manasse
in geistiger Frische ihren 89. Geburtstag feiern. Wir wünschen der würdigen
Greisin noch weiterhin einen gesegneten Lebensabend." |
75. Geburtstag von Max Wertheimer (1931)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. März
1931: "Talheim. Am 29. März darf Gemeindevorsteher Max
Wertheimer seinen 75. Geburtstag feiern. Wir wünschen dem Jubilar, der
sich überall hohen Ansehens erfreut, noch viele gesegnete Lebensjahre." |
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Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. April
1931: "Talheim. Unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde konnte
Vorsteher Max Wertheimer am 29. März seinen 73. Geburtstag feiern. Am
Vormittag erschienen die Gemeindevorsteher und überbrachten die Glückwünsche
der Gemeinde. In einer Ansprache hob Oberlehrer Straus hervor, wie der
Jubilar in seiner 39jährigen Zugehörigkeit zum Vorsteheramt stets als
'Friedensfürst" zum Wohle der Gemeinde in Uneigennützigkeit und aufopfernder
Pflichterfüllung gewirkt habe und überreichte als äußeres Zeichen der
Dankbarkeit einen Blumenkorb. Auch namens der Chewra Kadischa
dankte er für die Treue, die Wertheimer dem Verein sowohl als Vorstand als
auch als Mitglied stets bewahrt habe. Der Redner übergab im Namen des
Vereins ein Angebinde. Besonders ehrenvoll war für den Jubilar ein
herzliches Glückwunsch- und Anerkennungsschreiben des Oberrats, wie
er überhaupt Gegenstand liebevoller Aufmerksamkeit von allen Seiten war.
Möge dem verdienten Manne noch ein langer und gesegneter Lebensabend
beschieden sein!'" |
70. Geburtstag von Fanny Jordan geb. Manasse (1931)
Anmerkung: Fanny Jordan ist geboren am 16. April 1861 in Talheim als Tochter
von Lazarus Manasse und der Jette geb. Manasse. Sie heiratete im Juli 1892
Wolf
Jordan aus Zaberfeld (siehe unten). Sie wurde am 23. August 1942 in das Ghetto
Theresienstadt deportiert, wo sie am 23. September 1942 umgekommen ist.
Siehe Beitrag von Wolfgang Schönfeld: Das tragische Schicksal der jüdischen
Familie Wolf Jordan aus Zaberfeld. In: Zeitschrift des Zabergäuvereins Heft 3,
Jahrgang 2009
(eingestellt als pdf-Datei).
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Mai
1931: "Talheim. Frau Fanny Jordan konnte am 16. April
unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde ihren 70. Geburtstag feiern. Von
überall, besonders aber von Seiten der Heilbronner 'Neckarzeitung', als
deren treue Mitarbeiterin sie seit vielen Jahren eifrig wirkt, wurden der
Jubilarin Beweise der Wertschätzung und Anerkennung zuteil. Oberlehrer
Straus übergab ihr namens des Frauenvereins unter herzlichen Wünschen
ein Angebinde. Mögen der würdigen Frau, die im Leben schon viel Leid hat
erfahren müssen, die aber nie den Mut, den heiteren Sinn und das
Gottvertrauen verloren hat, noch viele schöne und sonnige Tage beschieden
sein!" |
Rückblick: Hilfeaufruf für Fanny
Jordan, die aus Talheim stammende und hier wieder wohnhafte Witwe von Wolf
Jordan in
Zaberfeld - 10 Jahre nach
einem Brandunglück in
Zaberfeld (1913)
Anmerkung:
Wolf Jordan (geb. 27. Mai 1841 in
Zaberfeld) starb bei dem Brandunglück am 21. November 1903 und wurde im
jüdischen Friedhof in Freudental
beigesetzt. Die Grabinschrift berichtet: "Hier liegt begraben Benjamin, Sohn des
Mosche, ein aufrichtiger Mann aus
Zaberfeld. Er ging in seine Welt zum
Leidwesen seiner Frau, in Feuerflammen mit seinem Sohn und seiner Tochter, am
Tag des Heiligen Schabbat, dem 2. Kislew 664 n.d.kl.Z." Die Tochter
Rosa (geb. 9. Juli 1897) wurde in einem Kindergrab im jüdischen Friedhof
Freudental beigesetzt, gleichfalls ihr älterer Bruder Leopold (geb. 30. April
1897), beide sind auch am 21. November 1903 gestorben. Vgl.:
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2982330, wo die Angabe 1905 zu
korrigieren ist in 1903.
Die erste Frau von Wolf Jordan war Ernestine (Esther), gest. 26. November 1890.
Die aus Talheim stammende zweite Frau war Fanny (Fradel) Jordan (geb. 1848),
gest. 1929. Beigesetzt im jüdischen Friedhof in
Sontheim.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. September 1913: "Aufruf.
Zehn Jahre sind es her, dass in dem kleinen Örtchen
Zaberfeld der
Handelsmann Wolf Jordan nebst seinen zwei Kindern den Tod in den Flammen
fand. Die Frau desselben hatte infolge schwerer Verletzungen ein
langwieriges Krankenlager durch zu kosten, um nach ihrer Genesung zu
erfahren, dass sie vor dem Nichts stehe. Eine damals in die Wege geleitete
Sammlung ermöglichte der Frau in ihrer Heimat Talheim ein wenigstens
sorgenloses Leben zu führen. Leider hat ihr ungetreue Verwalter aus
Stuttgart neben anderen größeren Summen auch dieses Geld unterschlagen,
sodass Frau Jordan wiederum vor schweren Sorgen steht. Um dieser zum zweiten
Mal zur schwer heimgesuchten Frau ein einigermaßen erträgliches Dasein
bereiten zu können, sieht sich das unterzeichnete Kirchenvorsteheramt
genötigt, die Beihilfe mildtätiger Glaubensgenossen in Anspruch zu nehmen.
Wir richten daher an alle gleich uns fühlenden Menschen die innige und
dringende Bitte, durch hochherzige Gaben dazu beizutragen, dass unser
Beginnen mit Erfolg gekrönt wird. Besonders bitten wir die verehrliche
Kultusvorstände durch Veranstaltung von Sammlungen in ihren Gemeinden
unseren edlen Zweck zu unterstützen. Die Gaben wollen an das
Kirchenvorsteheramt Talheim bei Heilbronn gesandt werden, welches dann das
weitere veranlasst. Auch das Rabbinat Heilbronn ist zur Empfangnahme von
Gaben gerne bereit.
Talheim Württemberg, den 15. September 1913.
Israelitisches Kirchenvorsteheramt.
Vorsitzender M. Sahm.
Richtig und befürwortet Talheim bei Heilbronn, den 16. September
1913. Schultheißenamt." |
Zum Tod von Moses Manasse (1932)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Mai
1932: "Talheim. Im Alter von 77 Jahren verstarb vor kurzem Moses
Manasse, tief betrauert von allen, die den frommen und wohltätigen Manne
kannten. Oberlehrer Straus ehrte den entschlafenen Gemeindegenossen,
der viele Schicksalsschläge mit vorbildlicher Gottergebenheit ertragen hat,
durch einen warmherzigen Nachruf. Sein Andenken wird stets in hohen Ehren
gehalten werden." |
Zum Tod von Vorsteher Max Wertheimer (1932)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Mai
1932: "Talheim. Unter großer Anteilnahme aus allen Kreisen der
Bevölkerung wurde unlängst Vorsteher Max Wertheimer im 76.
Lebensjahre zu Grabe getragen. In vorbildlicher Pflichterfüllung hat der
Verstorbene seit 40 Jahren unsere Gemeinde betreut und ihr alle seine Kräfte
gewidmet. Oberlehrer Straus zeichnete in seiner Grabrede Max
Wertheimer als unermüdlichen Arbeiter für das Wohl aller Gemeindemitglieder.
Sein Andenken wird nie verlöschen." |
Zum Tod von Julius Max Manasse (1934)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Juni
1934: "Talheim. Unsere Gemeinde wurde durch den plötzlichen
Tod des allgemein beliebten, erst 47jährigen Gemeindemitglieds Julius Max
Manasse in tiefe Trauer versetzt. Um ihn trauern die Witwe mit ihren
zwei unmündigen Kindern und eine 83jährige ehrwürdige Mutter. Auf dem
Friedhof schilderte Oberlehrer Straus in bewegten Worten die Schwere
des Trauerfalles und rühmte vor allem die Treue, Menschenliebe und fromme
Rechtschaffenheit des verstorbenen Freundes, dessen Wertschätzung auch in
der ungemein großen Beteiligung an der Beerdigung zum Ausdruck kam. Das
Andenken Manasses wird nie verlöschen." |
Zum Tod von Henriette Manasse (1935)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Juli
1935: "Talheim. Am 21. Juni ereilte unsere Gemeinde die
traurige Nachricht, dass Frau Henriette Manasse im Heilbronner Krankenhaus
einer schweren Erkrankung erlegen ist. Vor einem Jahre erst hatte die
Verewigte ihren Gatten verloren, der sie mit zwei unmündigen Kindern
zurückgelassen. Oberlehrer Straus würdigte am Grab mit bewegten Worten die
hohen Tugenden der Entschlafenen, ihr friedfertiges, menschenfreundliches
Wesen, womit sie die Herzen aller gewann. Mit den betagten Eltern und den
früh verwaisten Kindern trauert die ganze Gemeinde um die Frühvollendete,
die nie vergessen werden wird." |
80. Geburtstag von Bertha Hirschfeld geb. Löwenthal
(1935) sowie
Todesanzeige für sie (1937)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Juli
1935: "Talheim. Am 21. Juni konnte Frau Bertha
Hirschfeld geb. Löwenthal im Kreise ihrer weit verzweigten Familie in
voller körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag
feiern. Unsere ganze Gemeinde nahm am Ehrentage dieser wackeren Frau
herzlichsten Anteil. Der Frauenverein ließ durch Oberlehrer Straus
ein schönes Angebinde überreichen, und große Freude löste das
Glückwunschschreiben des Israelitischen Oberrats aus. Möge der würdigen
Greisin noch ein langer, schöner Lebensabend beschieden sein!." |
| |
Anzeige
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom
16. Juni 1937: "Talheim bei Heilbronn am Neckar.
Unsere treu besorgte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante
Frau Berta Hirschfeld geb. Loewenthal
ist nach schweren Leidenstagen am 2. Juni im Alter von fast 82 Jahren für
immer von uns gegangen.
Rosa Levi geb. Hirschfeld - Ludwig Levi -
Lotte Levi
Die Beerdigung fand am 4. Juni statt.
Gleichzeitig danken wir auf diesem Wege herzlichst für erwiesene Teilnahme."
|
85. Geburtstag von Fanny Manasse (1935)
Artikel
in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. September
1935: "Talheim. Getragen von der Wertschätzung ihrer Gemeinde konnte
Frau Fanny Manasse am 4. September in körperlicher und geistiger
Frische ihren 85. Geburtstag feiern. Die ganze Gemeinde nahm an diesem Tage
lebhaften Anteil. Der Frauenverein ließ der würdigen Jubilarin, die den
Armen immer eine hilfreiche Stütze war, durch Oberlehrer Straus ein
schönes Angebinde überreichen. Besondere Freude bereitete ein
Glückwunschschreiben des Israel. Oberrats. Mögen Frau Fanny Manasse noch
viele gesegnete Jahre im Kreise der Ihren beschieden sein!" |
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
| - 1884: Spendensammlung "für die Armen
des heiligen Landes" bei der Hochzeit von Herrn Greif in Hanau mit Frl.
Marx in Talheim (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1884
Beilage S. 1). |
| - 1934: 81. Geburtstag von Lisette
Hirschfeld in Talheim (in: "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen
Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1934 S. 48). |
| - 1937: 70. Geburtstag von Emma
Mannasse Witwe in Talheim am 7. Juni 1937 (in: "Gemeinde-Zeitung für
die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1937 S. 40)
|
- 1937: Bar Mizwah am 16. Oktober 1937
von Millian, Sohn des Albert Manasse und Gitta geb. Wollenberger in
Talheim (in: "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Oktober 1937 S. 126)
Anmerkung: alle drei genannten Personen wurden in der NS-Zeit ermordet:
Millian (geb. 2. November 1924) emigrierte 1939 nach Frankreich und
wurde am 27. Juli 1942 ab Drancy in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet
("für tot erklärt"). Seine Eltern Albert Manasse (geb. 16. März 1890
in Talheim, vom 11. November bis 17. Dezember 1938 interniert im KZ Dachau)
und Gitta geb. Wollenberger (geb. 7. Februar 1895 in Talheim), wurden am 1.
Dezember 1941 ab Stuttgart nach Riga-Jungfernhof deportiert und ermordet
("für tot erklärt"). |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Moses Königsbacher verkauft eine Torarolle (1858)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Februar 1858:
"Bei dem Unterzeichneten ist eine noch ganz neue, 1 Elle hohe, vorzüglich
schön und korrekt geschriebene Gesetzesrolle, Sefer Tora, zu einem
äußerst billigen Preis zum Verkauf ausgesetzt. Etwaige Liebhaber wollen
sich in portofreien Anfragen wenden an Moses Königsbacher in
Talheim bei Heilbronn, Königreich Württemberg." |
Lehrlingssuche von Metzgermeister
S. Manasse (1872)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1872: "Nach den
Osterfeiertagen nehme ich einen jungen Mann aus achtbarer Familie gegen
geringes Lehrgeld und unter günstigen Bedingungen in die Lehre auf.
Talheim (Württemberg), im Januar 1872. S. Manasse, Metzger." |
Verlobungsanzeige für Rosel Schloss und Arthur Manasse
(1936)
Weitere Informationen zu Arthur Manasse (1906-1983):
https://www.geni.com/people/Arthur-Manasse/6000000034018001000
Grab von Arthur und Rose Manasse
https://de.findagrave.com/memorial/90823804/arthur-manasse
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. Oktober 1936:
"Rosl Schloss - Arthur Manasse
Verlobte Oktober 1936
Obbach / Bayreuth -
Talheim / Heilbronn. |
| |
Grab von Arthur Manasse (7. Juni 1906 - 2. März 1983) und Rose
geb. Schloss (14. April 1915 - 19. Dezember 2003) im Beth David Cemetery
in Conklin, Broome County, New York, USA. (Foto aus:
https://de.findagrave.com/memorial/90823804/arthur-manasse)
|
Nach
der Emigration: Hochzeitsanzeige von Moritz Manasse und Leoni geb. Marx (USA,
1942)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau"
vom 30. Januar 1942: "Statt Karten.
Zu unserer am 1. Februar 1942 stattfindenden Trauung laden herzlich
ein
Moritz Manasse - Leoni Manasse geb. Marx
früher Talheim - früher Baisingen
650 W. 177. Str., Apt. 43, N.Y.C.
Trauung Sonntag, 1. Febr., 1:00 Uhr
K'HALL ADATH JESHURUN 90 Bennett Ave., zw. 185. u. 186.
Str." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Die 1778 im württembergischen
Teil der Talheimer Burg (seitdem "Judenburg" bzw. "Judenschloss" genannt)
aufgenommenen jüdischen Familien haben sich alsbald einen Betsaal in der Burg
eingerichtet. Seit etwa 1792 hatte die Judenschaft mit Salomon Aron aus Königsbach
(später Salomon Königsbacher) einen Vorsänger und Lehrer. Er betrieb zur
Aufbesserung seiner bescheidenen Einkünfte einen Ellenwarenhandel.
Als die jüdischen Familien 1793 an der Nordwand des
Burghofes ein Back- und Waschhaus erbauen konnten, sollte der Betsaal in dessen
Obergeschoss verlegt werden. Die württembergische Zustimmung hatte hierzu
vorgelegen, dennoch empfanden die Vertreter des Deutschen Ordens, die die Rechte
über den anderen Teil der Talheimer Burg hatten, dies als eine Provokation. Der
deutschordische Amtmann verhinderte zunächst die auf den 4. Januar 1793
geplante Einweihung des Betsaales, indem er die Fenster und Läden des Betsaales
ausheben und die Kultgegenstände konfiszieren ließ. Hierbei sind die Talheimer
Juden weniger Opfer antijüdischer als vielmehr antiwürttembergischer Gefühle
geworden. Nach Auskunft der Juden hatte ihnen damals der deutschordische Beamte
gesagt, dass er ihnen die Einrichtung von drei Synagogen erlaubt hätte, wenn
sie bei ihm um den Schutz gebeten hätten.
Nach den Protokollen des deutschordischen Amtmannes vom
Januar 1793 wurde der damalige Betsaal aus nichtjüdischer Sicht so beschrieben:
"Eine altarartige Gezierte in der Mitte des Zimmers; eine vorn bei den Fenstern
angebrachte halbsteinerne und halbhölzerne Pyramide, die mit einem Vorhang
versehen war, worin hebräische Worte eingenäht waren. Hinter diesem war ein Kästchen,
worin – wie sie sagten – die Zehn Gebote eingelegt würden; ein Lehrstuhl,
geziert und ringsum mit Wachslichtern besteckt in der Mitte des Zimmers, neben
herum Bänke und viele Pulte; verschiedene messingene Kronleuchter, auch
messingene Ampeln von oben herabhängend. Es war auch ein besonderer
Frauenzimmerstand, nach Judenweise, auch beleuchtet, angebracht; dann ein
eisernes an der Wand bei der Türe angebrachtes Opferstöckchen, verschlossen".
Folgende Gegenstände wurden von den Vertretern des Deutschordens beschlagnahmt:
"Ein stoffener Vorhang mit seidenen Quasten, worin sieben Linien hebräische
Buchstaben mit Gold eingestickt waren, mit goldenen Borten eingefasst und von
oben mit goldener Krone und zwei Löwen geziert (es war der Vorhang vor der ‚altarmäßigen
Pyramide’, von Freudental entlehnt), zwei dazu gehörige Kränze, auch von
Stoff, mit gestickten goldenen Borten und seidenen Quasten", "sechs neue Vorhänge
(Umgang vor den Weiberstühlen); die gelb tafetene Pultdecke mit blauen Bändern":
"einen grüntafetenen chorhemdmäßigen Anzug, worauf zwei hebräische
Buchstaben von goldenen Borten angebracht waren"; drei messingene Kronleuchter;
eine große mit Brennöl angefüllt "Schabbesampel"; zwei dicke gelbe und eine
Menge kleinerer Wachskerzen, den Opferstock und zwölf Betstühle.
Ein jahrelanger Streit zwischen Württemberg und dem
Deutschorden war die Folge. Das neu erbaute "Bet-, Wasch- und Backhaus" war drei
Jahre lang dem eindringenden Regen, Sturm und Schnee ausgesetzt. Erst 1796 kam
die Erlaubnis, das Gebäude zu reparieren. Und erst Anfang Dezember 1803 erhielt
die jüdische Gemeinde die 1793 beschlagnahmten Gegenstände zurück.
1836 wurde das "Bet-, Wasch- und Backhaus" völlig
umgebaut. Neben der vergrößerten Synagoge befanden sich nun nach einer
Beschreibung von 1851 im unteren Teil das rituelle Bad sowie die Schule und die
Lehrerwohnung. 1857 erwarb die Gemeinde für die Schule ein eigenes Haus,
nachdem inzwischen schon seit 20 Jahren eine freiwillige israelitische
Konfessionsschule in Talheim bestand. 1870 ist die Synagoge nochmals
umfassend renoviert worden.
Eine wertvolle Stiftung zur Ausschmückung der Synagoge
erhielt die Talheimer Gemeinde im Frühjahr 1929. Der auf Schloss
Stettenfeld (nahe Untergruppenbach) wohnende Siegfried Levi übergab eine aus
kornblauem Samt gearbeitete Synagogengarnitur. Sie bestand aus einem Vorhang für
den Toraschrein, zwei Toramänteln, einer Schulchandecke und drei Decken für
Kanzel und Vorbeterpult. Am 1. Pessach-Tag im Frühjahr 1929 wurden die neuen
Paramente bei einem festlichen Gottesdienst in Anwesenheit des Stifters erstmals
ausgelegt.
In der Pogromnacht am 9./10. November 1938 kam es in
Talheim noch zu keinen Ausschreitungen. Erst in der darauf folgenden Nacht wurde
durch Sontheimer SA-Leute die Synagoge demoliert, Kultgegenstände auf dem
Kelterplatz verbrannt, die jüdischen Wohnungen verwüstet und die Bewohner
misshandelt. Die demolierte Synagoge zerfiel und musste, nachdem sie 1945 noch
durch Kriegseinwirkungen beschädigt wurde und 1952 bei einem Unwetter teilweise
einstürzte, in dem letztgenannten Jahr abgebrochen werden.
Eine Gedenktafel an der Burgmauer erinnert seit 1983
an den Standort der Synagoge.
Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 konnten die
in Talheim noch verbliebenen Juden bis zu den Deportationen 1941/42 zu
Gottesdiensten noch im jüdischen Gasthaus "Löwen" (Hauptstrasse 9, Haus
besteht nicht mehr) zusammenkommen.
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Aufnahme des
Talheimer Schlosses. Die Synagoge
steht noch: Dach unterhalb des
schlanken
Turmes |
Die Synagoge in Talheim |
Weiteres Foto des
"Judenschlosses", auf
dem das Dach des Synagoge jedoch verdeckt
ist (erhalten von Claire-Lise Rosenfield,
Geneva, NY) |
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Plan:
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Die Bauphasen der Talheimer Synagoge: der vordere
(linierte) Teil markiert das alte Wasch- und Bethaus von 1793;
- - -
markiert die erweiterte Synagoge von 1836;
- . - . - markiert den
Treppenhausanbau aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
|
1964:
Publikation von Theobald Nebel zur
jüdischen Geschichte in Talheim |
Artikel von Ernst Gottfried Lowenthal (1904-1994,
Wikipedia-Artikel) im "Mitteilungsblatt des Irgun Oleh Merkas
Europa" vom 10. April 1964: "Talheim.
Talheim ist ein Städtchen im Landkreis Heilbronn. 1932 zählte es etwa 90
jüdische Einwohner. Hauptlehrer Theobald Nebel hat das Verdienst, 1963 die
'Geschichte der jüdischen Gemeinde in Talheim' niedergeschrieben zu haben,
und zwar, wie er im Titel betont, als 'ein Beispiel für das Schicksal des
Judentums in Württemberg'. Als Herausgeber des Büchleins, das 'zum ehrenden
Gedenken an die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft
ermordeten jüdischen Bürger' erscheint, zeichnet die Stadtgemeinde Talheim.
Bürgermeister Robert Ehrenfried hebt in seinem Geleitwort hervor, das
Einvernehmen zwischen Christen und Juden sei auch in den Jahren 1933/45 gut
gewesen: 'auch als nach der Machtergreifung über die deutschen Juden ein
grauenvolles Schicksal hereinbrach, erfuhren die hiesigen jüdischen
Mitbürger von der übrigen Bevölkerung Mitgefühl und Fürsorge, so dass das
tragische Ende der Talheimer Judengemeinde nicht bar jeder Hoffnung war'.
Wie das Ende aussah, wird klar ausgesprochen: 1932 waren es, so schließt der
Verfasser, 87 Menschen, 1940 sei ein Kind durch Geburt hinzugekommen. Von
den somit 88 Personen seien bis 1939 10 gestorben und 38 ausgewandert. Acht
seien bis 1942 weggezogen, eine Person im KZ gestorben. Die restlichen 31
wurden, so -heißt es in der Schrift, 'deportiert und später ermordet'.
Auch in dieser Arbeit stehen 19. und beginnendes 20. Jahrhundert im
Vordergrund, aber der Ton, der Akzent liegt ebenfalls auf der
Verfolgungsperiode. Viel Archivmaterial, sorgfältig konsultiert, ist
zitiert, ob es sich um Familiennamen, Gemeindesteuer und Schulwesen vor 100
Jahren oder um zur sog. Endlösung führende Maßnahmen oder die Versteigerung
jüdischen Mobiliars Ende 1941 bis Anfang 1942 handelt.
Auch diese Schrift, wie das Buch über Heilbronn, zeichnet sich durch gutes
Bildmaterial aus." |
| |
Links und Literatur
Links:
Quellen:
Literatur:
 | Germania Judaica III,2 S. 1448. |
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern.
1968. S. 173-176. |
 | Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in
Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 230-235. |
 | Theobald Nebel: Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Talheim.
1963. |
 | ders./Siegfried Däschler-Seiler: Neubearbeitung von Die Geschichte
der jüdischen Gemeinde in Talheim. 1990. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 92-94. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007. |
 | Talheim im nationalsozialistischen Deutschland
1933-1945. Mit einem Vorwort von Hansjörg Apprich. 46 Seiten.
Eingestellt als pdf-Datei. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Talheim. Few Jews resided in Talheim until the
second half of the 18th century, when a few families were allowed to occupy the
demolished western wing of a local castle and erect baking and mikve
facilities. The settlement developed under Wuerttemberg rule after 1806 and
reached a peak population of 122 in 1860, with some emigrating, mainly to the
U.S. Jews were fully integrated in the town's social life but were not active
politically. In 1933, 82 remained (total 1,512). Nazi pressure brought about the
social and economic isolation of the Jews. On 11 Nov. 1938, the day after the Kristallnacht,
SA troops wrecked the synagogue and beat and pillaged Jews in their homes. The
community was subsequently forced to "sell" the synagogue and Jewish
school building to the municipal council at a nominal price. In 1940-41, Jewish
men were put to forced labor paving a street; in 1941 a farm land still in
Jewish hands was impounded. Thirty-eight Jews managed to emigrate, 26 of them to
the U.S. Of the others, 38 perished after expulsion to the east in 1941-42.

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