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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Bemühungen zur Sanierung des Betsaales in Horb durch die
Förderstiftung "Jüdischer
Betsaal Horb" (interner Link)
Horb
am Neckar (Kreis Freudenstadt)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhundert zur Grafschaft
Hohenberg gehörenden Stadt Horb bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter,
die während der Judenverfolgung am 20. Dezember 1348 vernichtet wurde.
Bei der 1351 genannten Flur "Judengrube" könnte es sich um eine
Erinnerung an den Ort der Verbrennung oder Beisetzung der umgebrachten Juden
handeln.
Zu neuen
Ansiedlungen kam es zwischen 1396/98 und 1456. Auch seit der Zeit des Dreißigjährigen
Krieges (1628) lebten Juden in Horb (1633: 52 Personen), jedoch wurden sie
Anfang des 18. Jahrhundert (1708) wieder ausgewiesen.
Eine erneute Niederlassung
war erst nach 1862 möglich. Zunächst bildeten die jüdischen Familien eine
private Vereinigung; am 1. April 1903 wurde eine selbständige Gemeinde gegründet.
Sie bestand bis 1939.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie folgt: 1864 6
jüdische Einwohner (0,3 % von insgesamt etwa 1.880 Einwohnern), 1880 65 (2,9 %
von 2.237), 1890 101 (4,6 % von 2.187), 1900 134 (5,3 % von 2.527), Höchstzahl 1905 mit
138 Personen; 1925 109 (4,1 % von 2.655).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (Betsaal,
s.u.), eine Religionsschule und seit 1904 ein eigener Friedhof.
1913 bis 1936 war Horb Sitz eines Rabbinats, das die
israelitischen Gemeinden des Bezirks Horb (dazu Tuttlingen) und die Gemeinden Rottweil und
Reutlingen-Tübingen-Rottenburg umfasste.
Der einzige in Horb tätige Rabbiner war Dr. Abraham Schweizer (geb. 1875
in Schopfloch, gest. 1942 KZ Maly Trostinec/Polen): 1900-1913
Rabbiner in Weikersheim (Rabbinat 1914 aufgelöst),
1913 bis 1936 Rabbiner in Horb, 1936 Ruhestand, nach Stuttgart übergesiedelt, 1938 KZ Dachau, 1941 nach
Oberdorf eingewiesen, von hier 1942 nach Theresienstadt, später nach Maly
Trostinec (vgl. Wikipedia-Artikel).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Eugen Eßlinger
(geb. 5.2.1894 in Horb, gef. 23.10.1918), Hugo Stern (geb. 15.10.1887 in Dettensee,
gef. 20.9.1916) und Siegfried Stern (geb. 9.6.1896 in Dettensee,
gef. 17.9.1918). Ihre Namen
stehen auf dem Kriegerdenkmal an der Kirchenmauer der Stiftskirche.
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde etwa 110 Personen gehörten, waren
die Vorsteher der Gemeinde L. Schwarz sen., H. Tannhauser, Max Schwarz und Willy
Gideon. Zur jüdischen Gemeinde Horb gehörten inzwischen auch die noch in Mühlen
und in Nordstetten wohnhaften jüdischen
Personen (1924 8 beziehungsweise 15 Personen). Rabbiner Dr. Schweizer erteilte
den Kindern der jüdischen Gemeinde den Religionsunterricht. 1932 war
Gemeindevorsteher Siegfried Stern. Zur Gemeinde gehörten nun auch die im
weiteren Umkreis in Calw, Freudenstadt, Herrenalb und Wildbad lebenden
jüdischen Personen. An jüdischen Vereinen gab es einen Israelitischen
Frauenverein. Dieser war besonders rührig im Blick auf Aktivitäten
zugunsten eines Synagogenneubaus (s.u.). Im Schuljahr 1931/32 wurde der
Religionsunterricht der Gemeinde von 20 Kindern
besucht.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Textilhaus Fa. Carl Augsburger, Inh. Jakob Wolfsheimer
(Neckarstraße 17), Textilgeschäft Mina Augsburger (Marktstraße 5), Seifen-, Öl- und Fetthandlung Hermann Bernheim
(Marktstraße 3), Koschere Metzgerei Emil Dampf, dann Leopold Liebmann (Neckarstraße), Textilgeschäft Josef und Viktor Eßlinger
(Schulstraße), Öl- und Fettgroßhandlung Hermann Gideon (Dammstraße, abgebrochen), Seifenfabrik, Dampftalgschmelze Willy Gideon (Mühlener Torweg 19-23), Textilgeschäft, Bettwäsche Salo Gundelfinger
(Markstraße 9), Dentist Albert Hanhart (Neckarstraße 49), Kolonialwarengeschäft Adolf Landauer
(Neckarstraße), Viehhandlung Karl Lemberger (Gutermannstraße , abgebrochen), Wollhandlung Heinrich Levi
(Saarstraße 10), Lederhandlung Gebr. Feigenheimer, Inh. Simon Liebmann (Ihlinger
Straße
17), Manufakturwaren- und Weißwarenhandlung Gustav Schwarz (Schillerstraße), Jüdisches Café, Gastwirtschaft und Viehhandlung Sigmund Levi (Schillerplatz, abgebrochen), Viehhandlung Louis Schwarz
(Gutermannstraße 14, abgebrochen), Viehhandlung Max Schwarz (Mühlener Straße), Mechanische Kleiderfabrik L. Stern KG., Inh. Heinrich, Sally und Siegfried Stern (Mühlener Torweg 3), Schuhhandlung und Reparaturwerkstätte Hans, Hermann und Julius Tannhauser
(Neckarstraße, abgebrochen), Viehhandlung Viktor Wälder (Neckarstraße, abgebrochen), Bankgeschäft Karl Weil
(Schillerstraße).
1933 lebten noch 100 jüdische
Personen in Horb. Die nationalsozialistische Hetze wirkte sich in Horb schlimm
aus. Schikanen, Beleidigungen und Repressionen waren alsbald an der
Tagesordnung. Fabrikant Willy Gideon, schwerverwundeter und hochdekorierter
Frontoffizier, wurde am 3. Januar 1934 von der Gestapo völlig willkürlich
verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis verbracht, musste jedoch vier Tage
später auf Druck der empörten Bevölkerung wieder freigelassen werden. Beim Novemberpogrom
1938 wurde der Betsaal geschändet und demoliert. Die Schaufenster
jüdischer Geschäftshäuser wurden eingeschlagen. Es kam zu Plünderungen. Seit
Ende 1938 wurden die Lebensbedingungen für die jüdischen Einwohner
unerträglich. 1941 wurden die letzten jüdischen Einwohner nach Rexingen
umgesiedelt. Von hier aus wurden bei den Deportationen seit Ende 1941 25
jüdische Horber deportiert, insbesondere nach Riga und
Theresienstadt.
Nach den Deportationen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in
Horb lebenden 100 jüdischen Personen mindestens 28 ums Leben.
Von den in Horb geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Mina Augsburger (1884),
Pauline Bernheim (1864), Rosalie Dampf geb. Ettlinger (1869), Selma Emanuel geb.
Landauer (1891), Adolf Esslinger (1891), Alice Esslinger geb. Stern (1905),
Helmut Esslinger (1936), Viktor Esslinger (1897), Fanny Fröhlich geb. Landauer
(1872), Selma Gumbel geb. Frank (1882), Amanda Gundelfinger geb. Augsburger
(1881), Mina Interstein geb. Fried (1867), Johanna Landau geb. Stern (1902),
Erich Lemberger (1935), Hilde Lemberger (1909), Lothar Lemberger (1933),
Siegfried Lemberger (1935), Friedrich Levi (1870, unklar ob dieses Horb oder
Horb am Main), Sidonie (Toni) Levi geb. Frank (1897), Sigmund Levi (1873),
Wilhelm Levi (1884), Hemos (Hemor) Neumann (1839), Bonna Schorsch geb. Schwarz
(1876), Ludwig Schwarz 1905), Abraham Schweizer (1875), Heinrich Stern (1875),
Hilda (Hildegard) Stern (1905), Lotte Stern (1914), Siegfried Stern (1872),
Hermine Strauß geb. Rothschild (1886), Fanny Wälder geb. Hirsch (1894), Heinz
Wälder (1925), Ruth Wälder (1922), Viktor Wälder (1884), Anna Zimmern geb.
Schwarz
(1877).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates in Horb
Überlegungen, den Rabbinatsbezirk Mühringen aufzulösen (1911)
Die Planungen, den Rabbinatssitz der klein gewordenen Gemeinde Mühringen
nach Horb zu verlegen, stießen verständlicherweise auch auf entschiedene
Ablehnung und Kritik, wie aus dem nachfolgenden Beitrag in der
konservativ-orthodox geprägten Zeitschrift "Der Israelit"
hervorgeht.
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1911: "Horb am
Neckar, 28. April (1911). Kaum ist der Ruf nach Sparsamkeit auch innerhalb
des Israelitischen Kirchenregimentes erklungen, als auch schon hier eine
Besprechung von einigen Lehrern des Rabbinatsbezirkes Mühringen und
einiger Kirchenvorsteher stattgefunden hat, die nichts weniger bezweckt,
als die Aufhebung des Rabbinats Mühringen. Wer den Herren Lehrern
Vollmacht gegeben hat, die Versammlung einzuberufen und im Namen ihrer
Gemeinden Beschlüsse zu fassen, müsste noch nachgewiesen werden.
Wahrscheinlich beruht die Bevollmächtigung der Herren auf ihrem eigenen
Tatendrang und auf ihrer Lust, sich selbst zum Range von Rabbinern erheben
zu sehen. Die Gemeindegenossen wollen aber in Ansehung des Niederganges
des religiösen Lebens in rabbinerlosen Gemeinden und Bezirken nichts von
der Aufhebung des Rabbinates Mühringen oder von dessen Angliederung an
ein weit entferntes Rabbinat und gar noch an ein neologes irgend etwas
wissen, und sie verurteilen die Voreiligkeit derer, die immer etwas Neues
haben wollen und sich zur Vertretung unberechtiger Wünsche gebrauchen
lassen. Wir wollen nicht mit Kaninen nach Spatzen schießen, weshalb in
eine ausführliche Besprechung der Affäre vorläufig nicht eingetreten
werden soll. Aber nochmals sei es gesagt: das Rabbinat lässt sich der in
seiner Mehrheit gut konservativ gesinnte Bezirk nicht rauben, zumal seine
Gemeinden nicht abnehmen, sondern stark zunehmen. Dem übereifrigen Führer
der Herren Lehrer aber empfehlen wir, etwas mehr Zurückhaltung zu
bewahren. Wir bedürfen seiner Vormundschaft nicht." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Die Bildung einer selbständigen israelitischen Gemeinde ist genehmigt (1903)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Mai 1903:
"Horb (Württemberg). Dem Antrag der hier ansässigen
Israeliten entsprechend, hat das Königliche Ministerium des Kirchen- und
Schulwesens mit Wirkung vom 1. April dieses Jahres ab die Bildung einer
selbständigen israelitischen Kirchengemeinde in der Stadtgemeinde Horb
genehmigt." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Dr. Rosenfeld wird zum Sanitätsrat ernannt
(1911)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. März 1911: "Stuttgart.
Dr. Rosenfeld in Horb wurde zum Sanitätsrat und Stadttierarzt
Erlanger in Buchau zum Veterinäroffizier
ernannt." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Lehrlingssuche des Leder- und Rohwarengeschäftes Gebr. Feigenheimer
(1890)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. September 1890: "Offene
Lehrlingsstelle! In unserem Leder- und Rohwarengeschäft findet ein
junger Mann aus achtbarem Hause, der gute Schulkenntnisse besitzt, eine
Lehrstelle. Das Geschäft ist samstags und an den Festtagen
geschlossen.
Gebrüder Feigenheimer, Horb a.N., Württemberg."
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Anzeige der Firma Adolf Neckarsulmer (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1890: "Stellengesuch
als Konditor-Gehilfe.
Für einen jüdischen Konditor-Lehrling, der am 1. Dezember dieses Jahres
aus seiner Lehre tritt, wird eine Gehilfenstelle bei einem Konditor oder
Feinbäcker gesucht durch
Adolf Neckarsulmer, Horb am Neckar
(Württemberg)." |
L. Stern sucht eine Köchin für sein Hotel (1898)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1898:
"Für mein Hotel suche ich eine israelitische Köchin,
welche sich aber auch willig den bes. Hausarbeiten zu unterziehen hätte.
Dauernde Stellung und Lohn nach Übereinkunft. Eintritt 1.-15. November.
Offerten erbittet
L. Stern, Horb am Neckar." |
Anzeige von Max Stern (1916)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. September
1916: "Ich suche für meine Töchter, welche die höhere
Töchterschule besuchte, kaufmännische Lehre in größerer
Eisenhandlung, womöglich mit Kost und Wohnung im Hause.
Max Stern, Horb am Neckar (Württemberg)." |
Anzeige der Firma Gideol-Werke Horb am Neckar - Firma Bernheim & Cie.
(1921)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
3. Februar
1921: "Wir versenden direkt an Private unter Nachnahme und zum
billigsten Tagespreis ‚GIDEOL’ Ia koschere
Pflanzenbuttermargarine in 1/1 Pfd. Erzeugnis der Gideol-Werke Horb
a.N. hergestellt unter Aufsicht von Bezirks-Rabbiner Dr. Schweizer, Horb
a.N.
Bernheim & Cie., Horb a.N.
Telefon Nr. 101." |
Anzeige der Firma M. Berlinger, München
(1925)
Die die "Plochina-Pflaumen" anbietende Firma hatte ein
Zeugnis (Hechscher) des Rabbiner Dr. Schweitzer (Horb)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
19.
Februar 1925: "Für Wiederverkäufer!
Plochina-Pflaumen.
Koscher al Pessach (Koscher auch zu Pessach). Großstückige
50/60er Pflaumen in Kosten von 40 Paketen à 1 Pfd. Mit Hechscher
Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Schweitzer, Horb (Neckar).
Verlangen Sie bitte Offerte!
M. Berlinger, München. Liebherrnstraße 19. Verkaufsstelle: Berlin
NO. 55, Prenzlauer Allee 238." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Über das mittelalterliche
Wohngebiet und Einrichtungen dieser Zeit ist nichts bekannt. Das Wohngebiet des
17./18. Jahrhundert lag im Bereich der heutigen "Alten Nordstetter Steige".
Auch aus dieser Zeit wird nichts über Einrichtungen wie einen Betsaal oder eine
Synagoge berichtet.
Im 19. Jahrhundert wurden zunächst die Einrichtungen der
umliegenden jüdischen Gemeinden, insbesondere Nordstettens benutzt. Früh gab
es in den jüdischen Familien Horb Bemühungen, eigene Gottesdienste in den
Privathäusern abhalten zu können. So suchte L. Stern 1872 per Anzeige eine
Torarolle, möglicherweise damit in seinem Hotel oder Privathaus Gottesdienste
stattfinden konnten:
L. Stern sucht eine Torarolle
(1872)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1872: "Eine
noch gut erhaltene, wenn auch schon gebrauchte Sefer Tora
(Torarolle), wird zu kaufen gesucht. Franko-Offerten erbittet L. Stern
zur Stadt in Horb (Württemberg)." |
1903 oder schon zuvor konnte ein
Betsaal in Horb im Gebäude Fürstabt-Gerber-Straße 2 (Haus des Viehhändlers
Schwarz, frühere Adresse Ihlinger Straße 2) eingerichtet werden konnte (1903
oder schon zuvor). Dazu wurden in diesem Haus zwei Zimmer in einen kleinen
Betsaal verwandelt, über dessen Aussehen und gottesdienstliches Leben eine
Beschreibung aus den Lebenserinnerungen von Fritz Frank vorliegt. Dieser ist
1886 in Horb geboren und konnte 1935 in das damalige Palästina emigrieren:
"Aus etwa 30 Familien bestehend, besaß die kleine jüdische Gemeinde Horb
nichts, was sich gleichwertig an Größe und Schönheit einer Kirche gegenüberstellen
ließ. Ihre Synagoge, das sind zwei ineinandergehende Stuben über dem Stall des
Viehhändlers Schwarz. Das Gemuhe mischt sich in den Gottesdienst, ohne dass
dies von den Beters, die mit dem Vieh sozusagen groß geworden sind, als Störung
empfunden oder überhaupt wahrgenommen wird. Der Männersaal hat zur Einrichtung
den Schrank mit den Torarollen an der Ostwand, das Betpult mit einer samtenen
Decke und zehn Schulreihen. Rechts und links vom Betpult ist je eine schmale
Bank für die Kinder, die auf diese Weise unter dem Auge gehalten werden und
nicht stören. Der Frauensaal daneben,
mit einem türbreiten Durchbruch, gibt den Blick frei auf Betpult, Vorbeter und
Toraschrank. Einfache Stuhlreihen sind auch hier die ganze Ausstattung. Die Nüchternheit
und Ärmlichkeit beeinträchtigen nicht den Ernst des Gottesdienstes. So wenig
wie die Geräusche aus dem Stall, so wenig lenkt das Leben auf der Gasse, das in
den Betsaal hereindringt, ab, besteht es doch höchstens aus Kinder- und
Weibergeschrei, Bauernfuhren oder dem Doktorswagen. Stimmen und Geräusche, von
denen jeder der Beter, wenn er ihnen Achtung schenkte, wusste, wem sie zugehören.
Jedes Mitglied der Gemeinde hat seinen bestimmten Platz. Hindert Krankheit oder
Reise am Besuch; so bleibt der Platz unbesetzt und nimmt als solcher gewissermaßen
Anteil am Gottesdienst...". Der Betsaal diente am Samstagnachmittag auch
dem Religionsunterricht der jüdischen Kinder der Stadt, die ansonsten die
allgemeinen Schulen besuchten.
Pläne für einen Synagogenneubau gab es vermutlich
schon wenige Jahre nach der Einrichtung des kleinen Betsaals in der Ihlinger
Straße. Ein entsprechendes Bauvorhaben wurde zunächst durch den 1. Weltkrieg
verzögert und danach durch die inflationsbedingte Geldentwertung zunichte
gemacht. Mit den Beschlüssen einer Gemeindeversammlung am 13. November 1926,
die Kaufmann Siegfried Stern geleitet hatte, wurde ein neuer Anlauf genommen.
Sobald als möglich wollte man die Synagoge bauen, zu der bereits Pläne der
Stuttgarter Architekten Dr. Bloch und Guggenheimer vorlagen. Man hatte als
Bauplatz das städtische Grundstück Parzelle 666/10 an der Ecke Karl- und
Lindenstrasse in Aussicht genommen und bat die Stadt um eine unentgeltliche
Abtretung dieses Platzes. Nach den vorgelegten Planentwürfen sollte das
Bauwesen knapp 22 m lang, die breiteste Stelle etwa 9,2, die sonstige Breite 7,3
und die Höhe 8,1 m betragen. Die Baukosten wurden auf 25 000 RM geschätzt und
sollten teils durch die Gemeinde, teils durch eine Sammlung bei auswärtigen
Gemeinden aufgebracht werden. Der Horber Gemeinderat beschloss, die Parzelle Nr.
660/120 an die Israelitische Gemeinde zum Bau eines Gotteshauses zu geben und übertrug
es der Gemeinde Ende 1926 als Schenkung. Als sich jedoch die Amtskörperschaft
Horb ebenfalls für das Grundstück interessierte, um eine Autohalle für das
Sanitätsauto und andere Zwecke zu errichte, bat der Gemeinderat die jüdische
Gemeinde, auf die Schenkung zu verzichten. Im Gegenzug erhielt die jüdische
Gemeinde die Parzelle Nr. 1205/02 im Mühlener Torweg.
Nachdem die Bauplatzfrage geklärt war, konnte die Gemeinde
an die Verwirklichung des Synagogenbaus denken. Die Synagoge sollte ein "Schmuck
der Stadt werden" (GZ IV 16 S. 500). Vorübergehend dachte man 1927 darüber
nach, die Steine der vor dem Abbruch stehenden Synagoge in Dettensee
nach Horb zu fahren und dort beim Bau der neuen Synagoge zu verwenden. Doch
wurde dieser Plan aus Kostengründen fallen gelassen. Man bemühte sich um
Spender, unter anderem durch Zeitungsannoncen (vgl. Gemeindezeitung IV,15 vom
1.11.1927 S. 449) und hatte damit auch einigen Erfolg: der aus Horb stammende
Fabrikant Hermann Schwarz in Kreuzlingen überwies als erster 500 Mark nach
Horb. Die Gemeinde organisierte auch Veranstaltungen zu Gunsten des
Synagogenneubaus. Dazu gehörte der vom Israelitischen Familienverein Horb
durchgeführte "Unterhaltungsabend" am 31. Dezember 1927, dessen
Reinerlös dem Synagogenneubau zugute kommen sollte. Im Hotel "Lindenhof"
wurden an diesem Abend Theaterstücke und Gesangsvorträge dargeboten. Eine große
Anzahl jüdischer Gemeindeglieder aus Horb und der weiteren Umgebung, auch viele
christliche Mitbürger aus Horb waren gekommen und sorgten dafür, dass ein
erfreulich großer Betrag zusammengekommen ist. Trotz solcher Aktivitäten hat
sich der Baubeginn noch um einige Jahre verzögert.
Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 hat die
Verwirklichung der Pläne zunichte gemacht. Mitte Oktober 1934 teilte das
israelitische Vorsteheramt dem Bürgermeisteramt mit, dass das Vorhaben der
Erbauung eines Gotteshauses aufgegeben worden sei. Man wolle einen Betsaal in
einem anderen inzwischen erworbenen Anwesen in der Ihlinger Straße einrichten.
Doch auch dazu ist es nicht mehr gekommen.
Am Morgen des 10. November 1938 wurde der bisherige
Betsaal demoliert, die Inneneinrichtung zerstörte. SA-Männer hatten den Raum
ausgeräumt und die Einrichtung auf der Straße verbrannt. Auch eine Schulklasse
der Oberschule beteiligte sich auf Geheiß ihres Lehrers an den Zerstörungen
und dem Heraustragen und Zertrampeln von Schriften und Leuchtern.
Das Gebäude des ehemaligen Betsaales ist bis heute
erhalten. Die Lage des Betsaales ist an den Fenstern immer noch deutlich
erkennbar. Eine Gedenktafel ist angebracht. Eine Restaurierung des ehemaligen
Betsaales ist durch die 2005 gegründete "Förderstiftung Jüdischer
Betsaal Horb" geplant.
Fotos
Historische Fotos:
Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an den Webmaster von "Alemannia Judaica":
Adresse
siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto um 1965
(Quelle: Sauer s. Lit. Abb. 63) |
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Recht das Haus des Betsaals,
stadteinwärts gesehen |
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Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Das Haus Fürstabt-Gerber- Straße 2.
Der Betsaal war im
Erdgeschoss hinter
den Fenstern ohne Fensterläden |
Das Gebäude
stadteinwärts gesehen |
Hinter diesen Fenstern im
Erdgeschoss lag der Betsaal |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn) |
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Ansicht wie 1985 |
Eine Gedenktafel
ist angebracht |
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Vermutlich Abschrankung
zwischen
Frauen- und Männerbereich im Betsaal
(auf dem Dachboden des
Gebäudes) |
Das Gebäude
von der
Straßenseite |
Blick stadteinwärts |
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Foto Februar 2008
(Foto: Hahn) |
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Fotos Anfang
September 2011
(erhalten von Heinz Högerle) |
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Fotos
vom "Tag der Europäischen Kultur" am 4. September 2011, als der
Platz vor dem Haus des ehemaligen Betsaales
nach dem 1942 umgekommenen früheren Horber Rabbiner Dr. Abraham
Schweitzer benannt wurde (vgl. Berichte unten). |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Februar 2009:
Bald auch
Stolpersteine in Horb? |
Artikel von Gabriele Weber in der
"Neckar-Chronik" vom 3. Februar 2009 (Artikel)
"Bald auch Stolpersteine in Horb? Lebendige Erinnerungskultur und Geschichtsbewusstsein könnten so wachsen
Der Rexinger Synagogenverein und Bürgermeister Peter Rosenberger zeigen sich interessiert, auch in Horb eine Stolperstein-Initiative in Erinnerung an Opfer des Naziregimes zu gründen. Jupp Klegraf vom Initiativkreis Stuttgart-Nord informierte am Sonntagabend vor 80 Gästen in der ehemaligen Synagoge in Rexingen über die Aktion.
Rexingen. Rüdiger Vitt vom Nordstetter Ortsarchiv war am Sonntag in Rexingen anwesend. Er hatte einst die Vita des gebürtigen Nordstetter Juden Ludwig Levi ermittelt. Gegen das Vergessen wurde für Levi im Oktober in der Stuttgarter Leuschnerstraße, seinem letzten selbst gewählten Wohnort, ein solcher Betonstein mit Messingplatte und eingravierten Daten ebenerdig auf öffentlichem Grund eingelassen. Harald Weiß aus Tübingen dokumentierte in einem in Rexingen auch gezeigten Film, wie der Kölner Künstler Gunter Demnig, der ursprüngliche Begründer der
'Stolperstein'-Aktion, den Stein einmauert. Zugegen waren bei der Aktion in Stuttgart Rosenberger, Vitt und Barbara Staudacher vom Synagogenverein.
Das Stolpern ist im Sinne von Innehalten und Erinnern zu verstehen. 'Wenn du es lesen willst, musst du eine Verbeugung
machen,' so Demnig. Zur kurzen Vita auf der Platte gehören die Ergebnisse der Recherchen, die in einem Archiv zusammengetragen sind und beim Verlegungsakt verlesen werden. Jupp Klegraf, ehemaliger Bezirksvorstand Stuttgart-Nord:
'Wir wissen viel über abstrakte Zahlen, von sechs Millionen Opfern.' Doch die Info über das Einzelschicksal, am ehemaligen Wohnort verlesen, bringe unschätzbare neue Erfahrungen,
'was man mit der abstrakten Zahl von sechs Millionen nicht vermitteln kann'. Dies beweise die Resonanz mit zunehmendem Zulauf. Es waren Juden, politisch Andersdenkende, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und Behinderte, die in zwölf Jahren Rassenideologie, Ausgrenzung und NS-Terror ermordet wurden. Für sie gibt es meist kein Grab. Mit den Steinen sollen sie
'aus der Vergessenheit geholt werden und einen Platz mitten unter uns
erhalten'.
Synagogen-Vereinsvize Heinz Högerle informierte, es seien in Horb über 120 Personen zu recherchieren; von zehn liegen Biografien vor.
'Es ist ein riesiger Berg zu bewältigen. Wir brauchen Helfer.' Er legte eine Liste für Ehrenamtliche aus, die sich zu einem ersten Austausch treffen sollen. Klegraf meinte auf Anfrage von Högerle, dass Gunter Demnig wohl binnen einem halben Jahr für eine erste Verlegeaktion kommen könnte. 100 Euro kostet ein in der Regel von Spendern finanzierter Stein, davon gehen 95 Euro an Demnig für seine Arbeit.
Högerle möchte bei Interesse einen offiziellen Antrag an den Gemeinderat auf Verlegung auf öffentlichem Raum (Gehweg) stellen. In Stuttgart förderte OB Schuster und die Stadtverwaltung bereits die Anfänge. Freunde, Nachbarn, Mitschüler der Opfer, Hausbesitzer und Schulen initiieren und engagieren sich. Geschichtsbewusstsein und lebendige Erinnerungskultur wachsen. 99 % der Hausbesitzer sind mit der Verlegung einverstanden. Nur drei Farbschmierereien waren bisher zu verzeichnen.
Demnig ('Kunstprojekt für Europa') hat seit 2003 über 16 500 Steine in über 350 Kommunen in Deutschland, 12 in Österreich, in den Niederlanden und Ungarn verlegt. Bald sollen die Ersten in Tschechien, Polen, Norwegen, Frankreich und der Ukraine folgen. In Stuttgart wurden dank 15 Initiativkreisen (für 23 Stadtteile) in den vergangenen 5 Jahren in 218 Aktionen rund 400 Steine verlegt." |
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| Februar 2010:
Auch in Horb werden mit Beschluss des
Gemeinderates "Stolpersteine" verlegt |
Artikel in der "Neckar-Chronik"
vom 25. Februar 2010 (Artikel):
"Die Horber sollen stolpern - Stadt unterstützt das Projekt 'Stolpersteine' und übernimmt die Grabarbeiten.
Horb möchte die Erinnerung an von den Nationalsozialisten in Konzentrationslager deportierte Einwohner bewahren. Der Gemeinderat hat dem
'Stolpersteine'-Projekt mehrheitlich zugestimmt.
Horb. Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat der Gemeinderat am Dienstag beschlossen, das Projekt
'Stolpersteine' zu unterstützen. Die Stadt wird die Grabarbeiten für die Einbringung der Steine in die Gehwege übernehmen.
'Mit den Stolpersteinen sollen die Opfer des Nationalsozialismus zurückgeholt werden in die Gemeinden, wo sie zum letzten Mal freiwillig gelebt
haben', sagte Heinz Högerle vom Rexinger Synagogenverein, der das Projekt im Gemeinderat vorgestellt hat.
Stolpersteine erinnern an von den Nationalsozialisten ermordete Juden, Sinti und Roma, Behinderte, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Widerstandskämpfer und politisch Andersdenkende, sagte Högerle. Der Initiator des Projekts, der Künstler Gunter Demnig, hat in über 480 Gemeinden in Europa bisher über 16 500 Stolpersteine verlegt. Stolpersteine sind Betonwürfel mit einer Länge von zehn Zentimetern, die in den Gehweg eingelassen werden. Auf der Messingoberfläche sind der Name, das Geburtsjahr und das Schicksal des ermordeten früheren Bewohners eingraviert.
Voraussetzung für die Herstellung von Stolpersteinen sind Bürger, die die Biografien von NS-Opfern recherchieren und Kontakt zu den Angehörigen aufnehmen. Die Steine werden von Privatpersonen gestiftet und gehen in das Eigentum der Gemeinde über. Bei der Verlegung eines Stolpersteins werde die Biografie des ehemaligen Bewohners verlesen.
'Jede Verlegung ist deshalb eine kleine Gedenkstunde für den Deportierten', sagte Högerle. Ein
'Erinnerungsbuch' im Internet soll alle biografischen Angaben sammeln.
Stolpersteine seien eine gute Möglichkeit zur Erinnerung, sagte Oberbürgermeister Peter Rosenberger, der bereits bei einer Steinlegung in Stuttgart dabei war.
'Die Stolpersteine zwingen den Betrachter zum Innehalten', sagte Rosenberger. Diese Entschleunigung stehe Horb gut.
'Das ist ein hervorragendes Projekt, das Einzelschicksale in den Mittelpunkt
stellt', sagte CDU-Stadtrat Andreas Bronner im Namen seiner Fraktion. Für informativ, wichtig und sinnvoll halte die FD/FW die Stolpersteine, sagte der Fraktionsvorsitzende Dr. Alfred
Seifriz. 'Das Bedürfnis in der Bevölkerung zur Aufarbeitung der Geschichte ist
da', sagte er.
'Die Stolpersteine setzen auch ein Zeichen gegen Rechtsextremismus', ergänzte Stadtrat Thomas Mattes für die SPD-Fraktion. Mit der Unterstützung des Projekts leiste Horb einen Beitrag dafür, dass das furchtbare Leid, das der Nationalsozialismus verursacht habe, nicht in Vergessenheit gerate.
'Es ist wichtig, dass Schüler in das Projekt eingebunden werden und Geschichte anhand von Einzelschicksalen
erfahren', meinte FD/FW-Stadträtin Dr. Margarete Rebholz. Die Stolpersteine seien eine Möglichkeit, aus der Geschichte zu lernen. Seiner Stimme enthalten hat sich Cihan
Polat. 'Ich kann nicht sagen, ob dieses Projekt richtig oder falsch ist', sagte der
OGL-Stadtrat.
Gegen die Unterstützung des Projekts hat 'Republikaner'-Stadtrat Rodolfo Panetta gestimmt...
Die Umsetzung des Projekts hat in Horb bereits begonnen: Seit Ende Januar recherchieren mehrere Rexinger die Biografien von Juden aus Rexingen. Auch in anderen Ortsteilen gibt es Nachforschungen. Das Stadtarchiv recherchiert zu NS-Opfern, die in der Kernstadt gelebt haben. Parallel dazu erstellen Schüler des Martin-Gerbert-Gymnasiums, die bei der Gemeinderatssitzung anwesend waren, seit Anfang des Schuljahres Seminararbeiten zu deportierten
Horbern. 'Insgesamt werden derzeit die Biografien von mehr als 40 Personen
recherchiert', sagte Heinz Högerle. Das Projekt habe eine große Dynamik. Problematisch sei, dass man über die Schicksale vieler NS-Opfer nur wenig wisse. Die ersten Stolpersteine sollen 2011 im Rahmen des Grünprojekts verlegt werden.'" |
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| Oktober 2010:
Der Platz vor dem Haus mit dem Betsaal soll in
"Dr.-Abraham-Schweizer-Platz" umbenannt werden |
Artikel von Andreas Ellinger in der
"Neckar-Chronik" vom 21. Oktober 2010 (Artikel):
"Ein Platz in der Stadtgeschichte
Zu Ehren des Rabbis Dr. Abraham Schweizer.
Der Platz vor dem ehemaligen jüdischen Betsaal in Horb soll nach Dr. Abraham Schweizer benannt werden. Doch wer ist Abraham Schweizer? Dass er den Mitgliedern des Städtebau- und Sanierungs-Ausschusses am Dienstag kein Begriff war, bestätigte Barbara Staudacher und Heinz Högerle von der Förderstiftung
'Jüdischer Betsaal' in ihrem Vorhaben, Abraham Schweizer mit der Platz-Benennung wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Högerle: 'Der Mann ist heute nicht mehr bekannt – in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war er
stadtbekannt.' In der Festschrift zum 700-jährigen Jubiläum der Stadt sei Schweizer mit einem Beitrag über
'Die Israeliten in Stadt und Bezirk Horb' vertreten gewesen. Jahrzehnte lang habe er zu den Honoratioren gehört. Högerle stellte fest:
'Er ist aus der Öffentlichkeit verschwunden. Heute haben wir nicht einmal mehr ein Bild von ihm. Das ist das, was die Nazis wollte: Auslöschen.'
Abraham Schweizer war von 1913 bis 1936 Rabbiner in Horb. Er war der erste und letzte Rabbiner der Stadt. Nachdem die jüdische Gemeinde in Mühringen geschrumpft und die Horber Gemeinde gewachsen war, kam der Rabbinats-Sitz 1913 nach Horb.
Schweizer wohnte in seiner Horber Zeit gegenüber dem Betsaal, in der Isenburger Straße 5.
'Als Rabbiner des größten Rabbinatsbezirks in Württemberg gehörte er über 20 Jahre zu den geistlichen Würdenträgern von Horb, er hat das religiöse Leben der Stadt mitgeprägt.' Das schreiben Barbara Staudacher und Heinz Högerle in ihrer Bitte an Oberbürgermeister Peter Rosenberger, den Platz zwischen Betsaal und ehemaligem Wohnhaus nach dem Rabbiner zu benennen.
Abraham Schweizer war am 3. Februar 1875 in Schopfloch bei Dinkelsbühl als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er besuchte die Lyzeen in Schwabach und Esslingen sowie nach einem weiteren Umzug das Karls-Gymnasium in Stuttgart. Nach dem Abitur im Jahr 1896 studierte er in Würzburg und Berlin, im Juli 1900 promovierte er in Tübingen. Als Rabbiner und zuvor als Vikar war er bis 1913 in Weikersheim tätig.
Abraham Schweizer war Vorstandsmitglied im Verein Württembergischer Rabbiner und Mitglied der Stuttgart-Loge. 1917 erhielt er das Charlottenkreuz. Das Internet-Lexikon
'Wikipedia' schreibt über diese Auszeichnung: 'Das Charlottenkreuz wurde am 5. Januar 1916 von König Wilhelm II. von Württemberg gestiftet und konnte allen Personen verliehen werden, die sich im Felde oder in der Heimat besondere Verdienste um die Pflege der Verwundeten und Erkrankten oder auf dem Gebiet der allgemeinen Kriegsfürsorge erworben
hatten.'
Verheiratet war der Rabbiner mit Zerline Schweizer, geborene Bamberger. Sie lebte von 1880 bis 1913. Der Sohn des Ehepaars, Arno, wurde in Auschwitz getötet.
1936 wurde Abraham Schweizer pensioniert. Er blieb in Horb, bis ihn Nazis am 10. November 1938 verhafteten – am Tag nach der
'Reichspogromnacht'. Vom 12. bis 29. November war er nach Recherchen von Heinz Högerle und Barbara Staudacher im Konzentrationslager Dachau gefangen. Nach seiner Entlassung zog er nach Stuttgart.
'Im Herbst 1941 wurde er nach Oberdorf am Ipf zwangsevakuiert und von dort am 23. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Am 29. September kam er ins Vernichtungslager Maly Trostinek in Polen und wurde dort
ermordet.'
Der Städtebau- und Sanierungs-Ausschuss sowie der Verwaltungs- und Technische Ausschuss des Gemeinderats haben empfohlen beziehungsweise beschlossen, dass der Platz vor dem jüdischen Betsaal Horb künftig
'Dr. Abraham Schweizer Platz' heißen soll. Auswirkungen auf die Postanschrift der umstehenden Gebäude gibt es keine. Eine Tafel mit seinen Lebensdaten soll an Abraham Schweizer erinnern." |
| Hinweis:
Die öffentliche Benennung des Platzes wird am "Europäischen Tag der jüdischen
Kultur" am 4. September 2011 um 14 Uhr sein. |
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| August 2011:
Veranstaltungen zum Europäischen Tag der
Jüdischen Kultur am 4. September 2011 in Horb und Umgebung |
Foto
links von Schülke: Das Haus des Betsaals in
Horb wird derzeit renoviert- am Europäischen Tag der jüdischen Kultur am 4. September kann man den einstigen Betsaal in Horb besichtigen.
Artikel in vom August 2011 (Artikel): "Einblicke in "Erbe und Modernität".
Horb/Rottenburg-Baisingen. Unter dem Motto "Erbe und Modernität" findet am Sonntag, 4. September, der Europäische Tag der Jüdischen Kultur statt.
Seit mehr als zehn Jahren findet am ersten Sonntag im September ein internationaler Gedenktag statt, an dem sich Synagogen, Gedenkstätten, Friedhöfe und Museen in rund 30 Ländern beteiligen.
In Baden-Württemberg und im Elsaß erinnern auch dieses Jahr am 4. September zahlreiche Veranstaltungen an die Geschichte und die Traditionen und Bräuche der jüdischen Gemeinden auf beiden Seiten des Rheins, wobei auch Einblicke in das aktive Leben der jüdischen Gemeinden heutzutage, wie zum Beispiel der jüdischen Gemeinde Ulms, gewährt werden.
Baisingen und Horb beteiligen sich ebenfalls an dem Gedenktag. So wird der Förderverein Synagoge Baisingen zwischen 14 und 16 Uhr Führungen in der Synagoge veranstalten und zwischen 15.30 und 17.30 Uhr über den jüdischen Friedhof mit seinen über 400 Grabsteinen führen.
In Horb wird der Platz, der sich vor dem in diesem Jahr renovierten jüdischem Betsaal befindet, um 14 Uhr nach dem letzten Horber Rabbiner, Abraham Schweizer, umbenannt.
Des weiteren steht der Betsaal zur Besichtigung offen." |
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Eingestelltes
Dokument: "Zur Benennung des Platzes vor dem Jüdischen
Betsaal in Horb nach Rabbiner Dr. Abraham Schweizer am Sonntag, 4.
September 2011. Rede von Michael Theurer, MdEP, erster Vorsitzender
des Träger- und Fördervereins Ehemalige Synagoge Rexingen".
Eingestellt
als pdf-Datei. |
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| September 2011:
Auch im Geburtsort von Rabbiner Dr. Abraham
Schweizer wird die Benennung des Platzes in Horb wahrgenommen |
Artikel in der "Fränkischen Landeszeitung" (Lokal:
Dinkelsbühl) vom September 2011: "Platz-Benennung nach gebürtigem
Schopflocher. Schopfloch / Horb (pm/bi) - In der am östlichen Rand des
Schwarzwalds liegenden Stadt Horb am Neckar wurden Leben und Wirken des
aus Schopfloch stammenden Juden Dr. Abraham Schweizer auf besondere Weise
gewürdigt, denn der Platz vor der dortigen ehemaligen Synagoge trägt
jetzt seinen Namen (Foto)...." Zum weiteren Lesen des Artikels
bitte Textabbildung anklicken. |
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| November 2011:
In Horb und Stadtteilen wurden
"Stolpersteine" verlegt |
Artikel von Marion Tischbein im
"Schwarzwälder Boten" vom 28. November 2011: "Stolpersteine
erinnern an Juden.
Horb - Zum 70. Jahrestag der Deportation von 53 Rexinger Juden 1941
nach Riga wurden am Samstag an verschiedenen Orten im Horber Stadtgebiet
die ersten Stolpersteine für die in der NS-Zeit ermordeten Bürgerinnen
und Bürger gelegt..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei |
Zum selben Ereignis liegt auch ein Artikel
aus der "Neckar-Chronik" vom 28. November 2011 vor: "Gegen
das Vergessen - Stolpesteine erinnern an das Schicksal einstiger
jüdischer Mitbürger..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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| März
2012: Jahreshauptversammlung des
Träger und Fördervereins "Ehemalige Synagoge Rexingen"
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Artikel von Peter Morlok im
"Schwarzwälder Boten" vom 16. März 2012: "Synagogenverein
setzt Zeichen.
Horb-Rexingen. Auf ein Jahr voller Aktionen blickte der Träger- und
Förderverein 'Ehemalige Synagoge Rexingen' bei seiner
Jahreshauptversammlung zurück..."
Link
zum Artikel |
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Links und Literatur
Links:
 | Website der Stadt Horb am
Neckar |
 |
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Horb (interner
Link) |
 | Anmerkung:
Horb am Neckar sollte nicht verwechselt werden mit Horb am Main in
Oberfranken (Marktzeuln), wo sich
eine von Elieser Sussmann um 1730 ausgemalte Synagoge befand, die heute im Israel
Museum in Jerusalem zu sehen ist (Foto links).
Seite
zur Synagoge in Horb am Main (interner Link). |
 | Zur Seite Förderstiftung "Jüdischer
Betsaal Horb" (interner Link) |
 |
Horb:
Kultur- und Museumsverein, Postfach 1147, 72151 Horb, E-Mail,
Internet. |
 |
Internetseite der Grund- und Hauptschule
Horb-Altheim - Wandertag "Auf den Spuren der Landjuden - von Altheim
nach Eyach"; Adresse der Schule: Horb-Altheim:
Grund- und Hauptschule, Hindenburgstraße 53, 72160 Horb-Altheim, E-Mail,
Internet. |
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 108-110. |
 | Germania Judaica III,1 S. 573-574. |
 | Artikel zum Horber Synagogenbau in: Gemeindezeitung (GZ) für die
israelitischen Gemeinden Württembergs. 3. Jg. Nr. 17 vom 1.12.1926 S. 392;
4. Jg. Nr. 16 vom 16.11.1927 S. 499-500; 4. Jg. Nr. 19 vom 1.1.1928. |
 | Hans Peter Müller: Die Juden in der Grafschaft Hohenberg, in: Der Sülchgau
25 (1981) S.36-43. |
 | Fritz Frank: Verschollene Heimat, in: Jüdisches Leben in
Deutschland. Selbstzeugnisse zur Sozialgeschichte im Kaiserreich. Stuttgart
1979. |
 | Martin-Gerbert-Gymnasium Horn / Otto-Hahn-Gymnasium Nagold (Hg.):
Schattenrisse. Eine Annäherung an die Geschichte der jüdische Gemeinde von
Horb am Neckar 2000. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 76-79. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Horb Wuerttemberg. The 14th century community
was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. The Jewish settlement
was renewed in the second half of the 19th century and numbered 134 (5 % of the
total) in 1900. Jewish merchants controlled factories, business establishments,
and a bank and were a dominant factor in the town's commercial life while social
relations with the local population were satisfactory. In 1933, 100 Jews
remained. Window were broken and the house of prayer desecrated by Hitler Youth
on Kristallnacht (9-10 November 1938). Sixty Jews managed to emigrate; 25
were expelled to their deaths in Riga* and the Theresienstadt and the rest died
locally.**
*Encyclopedia reads "Kiev"
**Encyclopedia ends with the notice: "After the war the richly designed
wooden synagogue dating to 1733 was moved from Horb to the Städtisches Museum
in Bamberg, which loaned it to the Israel Museum, Jerusalem".
This wooden synagogue ist not from this Horb am Neckar, but from Horb am
Main!

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