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Baden-Württemberg
Niederstetten (Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In Niederstetten, das wie Laudenbach von 1641 bis 1794 als
würzburgisches Lehen den Grafen, später Fürsten von Hatzfeld gehörte, lebten
Juden bereits im Mittelalter. Sie waren von der Judenverfolgung 1298 betroffen.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 17. Jahrhundert
zurück. Erstmals werden 1647 Juden am Ort genannt. 1748 gab es 15 jüdische
Haushaltungen mit zusammen 76 Personen am Ort. Bereits damals war die Gemeinde
von besonderer Bedeutung und Sitz von Rabbinern, u.a. von Reb Mahram, der als
Nachkomme des berühmten Rabbi Meier von Rothenburg galt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1807 138 jüdische Einwohner (9,0 % von insgesamt 1.540 Einwohnern),
1824 171 (10,3 % von 1.667), 1843 195 (11,0 % von 1.775), höchste Zahl jüdischer Einwohner um 1844 mit 217 Personen,
1854 215 (12,6 % von 1.701), 1871 185 (10,0 % von 1.857), 1880 196 (9,3 % von
2.111), 1900 163 (8,8 % von 1.859), 1910 116 (7,0 % von 1.669).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
israelitische Volksschule (Konfessionsschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (zeitweise war ein
zweiter Lehrer angestellt beziehungsweise wurden die Aufgaben des Vorbetens und
Schächtens anderen Personen übertragen). Insbesondere die folgenden Lehrer
waren in der Gemeinde tätig (vgl. die Artikel zu den einzelnen Lehrern unten):
1839 bis 1841 Abraham Hirsch Gutmann, 1841 bis 1864 Aron Hilberth, 1878 bis 1901 Lazarus Bernheim, 1901 bis 1919 Baruch
Adler, 1919 bis 1933 Isak Oberndörfer, 1933 bis 1937 Alexander Roberg und 1937
bis 1939 Justin Schloss. Die jüdische Gemeinde gehörte seit 1832 zum Rabbinatsbezirk
Mergentheim.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Manfred Grünfeld
(geb. 26.6.1894 in Niederstetten, gef. 11.4.1917) und Martin Laub (geb. 5.9.1892
in Gleicherwiesen, gef. 14.11.1914). Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal am Eingang zum
Ortsfriedhof.
Die jüdischen
Handels- und Gewerbebetriebe waren schon im 19. Jahrhundert von großer
wirtschaftlicher Bedeutung für die Stadt.
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde noch etwa 100 Personen gehörten,
waren die Vorsteher der Gemeinde Oberlehrer Oberndörfer, David Wolf, Nathan
Ney, ein weiterer Herr Wolf, ein Herr Braun sowie Max Stern. Neben Lehrer
Oberndorfer, der damals noch 7 Kinder an der Israelitischen Konfessionsschule
unterrichtete (dazu Religionsunterricht für Schüler höherer Schulen), war als
Schochet und Synagogendiener G. Rosenthal tätig. An jüdischen Vereinen
bestanden: der Israelitische Männerverein (1924 unter Leitung von David
Wolf mit 30 Mitgliedern), der Israelitische Frauenverein (1924 unter Leitung von
Lina Braun mit 32 Mitgliedern), der Wohltätigkeitsverein Gemillus chassodim
und die Chewra Neorim (1924 unter Leitung von Wolf Neu mit 20
Mitgliedern). An Stiftungen gab es Jahrtagsstiftungen, die Bernheim'sche
Stiftung und die Selz'sche Stiftung. Im Schuljahr 1931/32 besuchten die
Israelitische Volkschule 10 Schüler.
Bis um 1933 gehörten zahlreiche Betriebe jüdischen Familien, darunter
Fellhandlungen, Handelsgeschäfte für Wein und Landesprodukte, Textilgeschäfte,
Metzgereien, Viehhandlungen. Auch eine Diamantenschleiferei für
Industriediamanten war vorhanden. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt (Auswahl; Gebäude teilweise kriegszerstört oder abgebrochen): Fellhandlung Hirsch Braun
(Zehntscheunegasse 1, zerstört), Fellhandlung Max und Wolf Braun und jüdische Wirtschaft Wolf Braun (Lange Gasse 12,
zerstört), Wein- und Landesproduktenhandlung Max Ehrenberg und Max Thalheimer (Lange Gasse 14,
zerstört), Textilgeschäft Albert (Aron) Kahn (Bahnhofstraße 11), Metzgerei Max Kahn
(Bahnhofstraße 8), Viehhandlung Abraham Kirchheimer (Frickentalstraße 14), Manufakturwaren Max Kirchheimer
(Bahnhofstraße 38, zerstört und Hauptstraße 26, zerstört), Viehhandlung Simon Kirchheimer
(Frickentalstraße 25), Diamantenschleiferei Michael Levy (Frickentalstr.27), Viehhandlung Jakob Neu (Erbsengasse 11), Fellhandlung Fritz Neuburger
(Bahnhofstraße 1), Weinhandlung Hermann Ney (Brunnenstraße 3, zerstört), Manufakturwaren Klara Reichenberger
(Bahnhofstraße 16), Weinhandlung Otto Reis (Lange Gasse 17, zerstört), Textilgeschäft Siegfried Schlesinger
(Hauptstraße 18), Viehhandlung Julius und Leopold Schloßberger
(Vorbachzimmerstraße 13, zerstört), Bankier David Wolf (Lange Gasse 20, zerstört).
1933 wurden noch 81 jüdische Personen am Ort gezählt. Auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der
Entrechtung verließen mehrere der jüdischen Einwohner alsbald den Ort. Bereits
am 25. März 1933 kam es bei "Waffendurchsuchungen" jüdischer Häuser
durch SA-Leute zu schweren Misshandlungen jüdischer Männer (Michael Levi,
Fritz Neuburger, Max Stern, Leopold Schlossberger u.a.). Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge nicht zerstört (s.u.). Wenig später mussten die
letzten jüdischen Geschäfte schließen. 1941 und 1942 wurden aus Niederstetten
42 jüdische Personen deportiert.
Von den in Niederstetten geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Frieda Adler geb. Selz
(1905), Rosa Benjamin geb. Thalheimer (1872), Jette Braun geb. Selling (1874),
Julius Braun (1897), Max Braun (1865), Nelly Braun geb. Löwenthal (1883),
Samuel Braun (1886), Wolf Braun (1874), Recha Gold geb. Stern (1865), Hanna
Goldstein (1872), Rosa Haas geb. Reis (1869), Klara Herrscher geb. Straus
(1877), Gella Heß geb. Reis (1866), Betty Hirsch geb. Reis (1864), Max Hänlein
(1864), Albert Kahn (1882), Charlotte Kahn geb. Strauss (1887), Johanna Kahn
geb. Hänlein (1905), Klara Kahn (1903), Max Kahn (1895), Cilli Kirchheimer geb.
Rosenthal (1888), Jenny Kirchheimer geb. Löwenthal (1884), Josef Kirchheimer
(1931), Max Kirchheimer (1884), Ruth Kirchheimer (1918), Simon Kirchheimer
(1882), Mina Laub geb. Braun (1864), Berta Lazarus geb. Reis (1872), Regina
Lemle geb. Ney (1884), Else Levi geb. Seligmann (1881), Michael (Mihai) Levi
(1878), Mathilde Luchs geb. Ney (1879), Julius Löwenstein (1891), Mathilde
Löwenstein (1893), Sophie Mainzer geb. Kahn (1889), Fanny Mayer geb. Reis
(1889), Benno Neu (1899), Jakob Neu (1885), Jenny Oettinger geb. Reis (1892),
Emma Ottenheimer geb. Straus (1871), Frieda Ottenheimer geb. Wiesenbacher
(1888), Emil Reis (1930), Frieda Reis (1894), Henriette Reis (1900), Julius Reis
(1936), Mina Reis geb. Feuchtwanger (1903), Walter Reis (1932), Ida Rosenfeld
geb. Ney (1890), Gerson Rosenthal (1879), Jakob Rosenthal (1889), Moses
Rosenthal (1878), Rosa Rosenthal geb. Samfeld (1882), Grete Schloss (), Paula
Schloss geb. Lilienstrauss (1891), Samuel Schloss (1881), Lina Schlossberger
(1892), Rosa Schlossberger (1895), Henriette Schwerin (1909, Selma Schwerin geb.
Reichenberger (1879), Nanny Schönwalter geb. Neu (1892), Gitta Selling geb.
Braun (1896), Mathilde Stein geb. Löwenstein (1883), David Stern (1869), Albert
Strauss (1890), Moses Talheimer (1855), Rosalie Weinberg (1887(, Mathilde Wolf
(1872), Heinrich Wortsmann
(1896).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer und Rabbiner
Lehrer Aron Hilbert überarbeitet eine Fibel zum Gebrauch in israelitischen Schulen
(1855)
Anmerkung: Lehrer Aron Hilberth ist am 19. Januar 1815 in Neckarsulm
als Sohn eines Handelsmannes geboren. Er studierte 1831 bis 1834 am
Lehrerseminar in Esslingen. Von 1841 bis zu
seiner Tod am 18. April 1864 war er Lehrer in Niederstetten. 1893 verstarb seine Witwe Pesle in Niederstetten (siehe Bericht
unten).
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Juni 1855: "Herr
Hilbert, Lehrer in Niederstetten (in Württemberg), hat durch seine
Umarbeitung der für die württembergischen Schulen verfassten Fibel zum
Gebrauche in israelitischen Schulen lobende Anerkennung sich erworben.
Wenn dieselbe auch nichts Jüdisches erhalten, so enthält sie doch auch
nichts Anti-Jüdisches, und das ist sicherlich ein Fortschritt. In Baden
wurde schon im Jahre 1842 durch Verfügung Großherzlichen Oberrats von
den in den meisten jüdischen Schulen eingeführten Stern’schen Fibeln
eine besondere Auflage für dieselben veranlasst. Zu bedauern ist, dass
jene Auflage längst vergriffen ist, und die Lesebücher für die höheren
Klassen nicht gleichfalls für jüdische Schulen umgearbeitet sind. Wir möchten
diese Sache dem Literaturverein empfehlen, der später vielleicht in der
Lage ist, die Herausgabe solcher Schulbücher zu bewerkstelligen." |
Beziehungen der Familie des Rabbiners Ellinger zu Sabbataj ben Meir
HaKohen (Artikel von 1867)
Bei dem im Artikel genannten "Schach" bzw. SchaCH handelt
es sich um den großen Gelehrten Sabbataj ben Meir HaKohen, geb. 1621 in
Wilna, gest. 1662 in Holleschau (Mähren). Von ihm erschien 1647 in Krakau das
Werk 'Sifte Kohen', ein bekannter Kommentar zum zweiten Teil des 'Schulchan
Aruch'. Bei den Judenverfolgungen unter Chmielnicki floh er aus seiner Heimat
und wurde Rabbiner in Dresin und Holleschau, wo er in der Folgezeit zahlreiche
halachische Werke schrieb. Bei dem unten genannten Werk Oruch Mischach
handelt es sich um das 'Sefer haaruch mi-SchaCH'.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1867:
"Aus Unterfranken. Am Schlusse der in diesen geschätzten
Blättern in mehreren Nummern fortgesetzten Erzählung 'des Königs Eidam'
sind mehrere Städte in weiter Ferne genannt, in denen sich noch Sprösslinge
aus der Familie des Schach befinden.
Nun wird es gewiss den verehrlichen Lesern dieser Blätter von Interesse
sein, zu erfahren, dass auch unsere Nähe noch würdige Abkömmlinge des
großen Gesetzeslehrers Schach aufzuweisen hat, und zwar in den Familien
der berühmten Gelehrten Rabbi Hirsch Berlinger zu Berlichingen und Rabbi
Josef Ahron Ellinger zu Niederstetten,
und entnehmen wir den desfallsigen Stammbaum dem Werke Oruch Mischach Teil
I.
Der Schach hatte noch einen Schwiegersohn namens Rabbi Ahron, Rabbiner zu
Luntschitz. Dieser hatte einen Sohn namens Rabbi Mosche, welcher der Vater
des Rabbi Ahron, des Verfassers der Hagohas Minchas Ahron (Erläuterung zu
genanntem Oruch Mischach), und welch' letzerer Rosch beth Din zu Berlin
war. Dieser Rabbi Ahron zeugte mehrere berühmte Söhne, von denen der
Eine, namens Rabbi Elieser Dajan zu Mainbernheim
war. Ein Sohn des Rabbi Elieser war Rabbi Moscheh, Rabbiner zu Trier,
dessen Tochter mit Rabbi Hirsch Berlinger verehelicht ist. Die Frau des
Rabbi Hirsch und dessen Kinder sind also aus der Familie des Schach. Die
Mutter des genannten Rabbi Josef Ahron Ellinger war eine Tochter des
erwähnten Rabbi Elieser; sohin gehörte auch dieser ehrwürdige Mann und
seine Kinder diesem Stamme an.
Höchst wichtig wird noch Folgendes zu erfahren sein. Es erschien nämlich
von Schach's Werken Oruch Mischach nur der erste Teil im Drucke. Rabbi
Hirsch Berlinger besitzt nun noch ein Manuskript genannten Werkes, das
zwar nicht auf den ganzen Joreh Deah, doch auf einen größten Teil
desselben sich erstreckt. - Vielleicht findet sich ein entsprechender
Verleger hiezu, und wird sich Rabbi Hirsch Berlinger vermutlich mit
Vergnügen bereit erklären, eine Abschrift dieses Manuskriptes zum Behufe
des Druckes desselben abzugeben. A." |
Zum Tod des aus Niederstetten stammenden Hauptlehrers (an der israelitischen
Realschule Fürth) Benzion Ellinger (gest. in Fürth 1938)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September
1938: "Fürth in Bayern, 5. September (1938). Vor kurzem
verschied im Alter von 75 Jahren der Hauptlehrer Benzion Ellinger in
Fürth in Bayern. Mit ihm ist eine Gestalt dahingegangen, die eine Epoche
der Geschichte verkörperte. Er war der unverfälschte Vertreter des
'alten Aschkenas', Gradlinig in seinem Handeln, eindeutig in seinem Wollen
und unbeugsam in der selbstverständlich gewordenen Erfüllung der Mizwaus.
Es war ein Leben, das sich ohne äußere Pose dafür mit umso größerer
innerer Aktivität auslebte. Benzion Ellinger war der Sohn eines
großen Talmud Chacham, Reb Josef Aron Ellinger in Niederstetten
(Württemberg), der Spross einer erlauchten bis auf Schach (= Sabbataj
ben Meir Hakohen, 1621 - 1662, hervorragender jüdischer Gelehrter des
17. Jahrhunderts, Verfasser zahlreicher halachischer und anderer
Werke) zurückführenden Ahnenreihe, ein würdiges Glied einer
lückenlosen Kette von Talmide Chachomim (Toragelehrte) und Jirej
Schomajim (Gottesfürchtige).
Selbst ein Talmid Chacham (Toragelehrter), war ihm die Tora, die er
besaß, niemals eine 'Axt des Broterwerbes'. Es hat es geradezu ängstlich
vermieden, von den Möglichkeiten, die ihm die Anerkennung seiner Werte
bei seiner jüdischen Mitwelt hätte geben können, den geringsten
Gebrauch zu irgend einem persönlichen Vorteil zu machen. Nur für Tora
und Mizwoth setzte er die Wucht seiner Persönlichkeit ein. In
anspruchsloser Still floss sein Leben dahin.
Mit Sabbatbeginn ging er in seine Welt ein. In aufrichtiger Klage
beteuerten es ihm seine näheren und weiteren Freunde und Kollegen, dass
mit ihm einer unserer Besten dahingegangen. Seine Seele sei eingebunden
in den Bund des Lebens." |
Zum Tod der Lehrerwitwe Pesle Hilbert (1893)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1893: "Aus Württemberg.
Am 5. Tamus verschied Frau Pesle Hilbert, Lehrerwitwe von Niederstetten.
Dieselbe war ein Muster der aufrichtigsten Religiosität, der echten
Gottesfurcht, der bereitwilligsten Nächstenliebe. Gewissenhaft in der Ausübung
und Erfüllung der religiösen und menschenfreundlichen Pflichten, waren
ihre Grundprinzipien Tora,
Gottesdienst und Wohltätigkeit. Sie war bestrebt, die Torabeflissenen
nach Kräften zu unterstützen, mit Ehrerbietung ihnen entgegenzukommen,
und für Witwe und Waisen im heiligen Lande Sorgfalt zu heben. L.W. HaLevi."
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Zum Tod von Rabbiner Löb Goldstein (1900)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1900: "Aus Württemberg.
Am 3. Dezember starb Rabbiner Lew
Goldstein – seligen Andenkens – von Niederstetten. Der
Verblichene war ein großer Jehudi, im vollsten Sinne des Wortes. In
Mergentheim, seinem Geburtsorte, wo Große aus Israel lebten und wirkten
und früher eine Stätte der Tora war, erglühte sein Innerstes für Tora
und Gottesfurcht, um sein ganzes Leben damit zu heiligen und zu weihen. Er
lernte zuerst bei Raw Josef
Schnaittach in Freudental und
besuchte die Jeschiwa des Gaon Rabbi
Seligmann Bär Bamberger – seligen Andenkens – in Würzburg.
Nachdem er wieder ins Privatleben zurückgekehrt, betrieb er ein
Ladengeschäfte, widmete aber seine ganze Zeit fast ausschließlich für Tora und Gebet. Mit der
peinlichsten Genauigkeit erfüllte er alle gesetzlichen Vorschriften. Wer
diesen Frommen persönlich kannte, wer ihn als Beter sah, wurde von
frommer Begeisterung ergriffen. Er mühte sich Tag und Nacht mit Tora ab: mit besonderer Vorliebe lernte er die Sifrei Chaije uChochmat Adam (sc. gemeint die beiden
halachischen Hauptwerke von Rabbiner Abraham Danzig in Wilna, lebte
1748-1820) und waren diese ihm für das praktische religiöse Leben zur
Richtschnur. Noch vor einigen Jahren hegte er immer den Wunsch, ins
Heilige Land überzusiedeln, welches zeitlebens sein sehnlichster
Wunsch war; dies konnte aber nicht verwirklicht werden, da Familienverhältnisse
und eingetretene körperliche Leiden dieses nicht gestatteten. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Über Lehrer Lazarus Bernheim (1878 - 1901 Lehrer in
Niederstetten)
| Lazarus Bernheim wurde ist am 22. Januar 1837 in
Laupheim als Sohn eines Handelsmannes
geboren. Er studierte am Lehrerseminar in Esslingen von 1858 bis 1860.
Anschließend war er bis 1863 Lehrer in Aldingen,
1863 bis 1865 in Hohebach, dann Unterdeufstetten,
von 1867 bis 1872 in Buchau. Von 1872
bis 1878 unterrichtete er in Nagelsberg,
danach von 1878 bis 1901 in Niederstetten. 1914 lebte er in St. Gallen in
der Schweiz. Sein Sterbedatum konnte noch nicht in Erfahrung gebracht
werden. |
Lehrer Bernheim sucht eine
Stelle für seinen Sohn (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1890:
"Für meinen 17 Jahre alten Sohn, der sich seit 1 1/2 Jahren in einem
Damenkonfektionsgeschäft in der Lehre befindet, suche ich wegen
gänzlicher Aufgabe des Geschäftes eine Stelle als Volontär. Derselbe
hat die Einjährigenprüfung mit 'gutem Erfolge' bestanden und erfreut
sich des besten Zeugnisses von Seiten seines Lehrherrn.
Lehrer Bernheim, Niederstetten,
Württemberg." |
Zum Tod von Hauptlehrer Baruch Adler (1925; 1901 bis
1919 Lehrer in Niederstetten)
Baruch Adler ist am 10. Februar 1856 in Braunsbach
als Sohn eines Bäckers geboren. Er studierte von 1872 bis 1875 am Lehrerseminar
in Esslingen. Danach war er bis 1878 Lehrer
in Eschenau, von 1878 bis 1901 in Aufhausen,
von 1901 bis 1919 in Niederstetten. 1922 lebte er in Augsburg, wo er 1925
starb.
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1925: "Niederstetten,
26. März (1925). Die hiesige Gemeinde wurde durch die dieser Tage
eingetroffene Nachricht von dem in Augsburg
erfolgten Tode des Hauptlehrers a.D. Baruch Adler in tiefe Trauer
versetzt. Obwohl fünf Jahre vergangen sind, seit Herr Lehrer Adler uns
verlassen hat, so war seine Tätigkeit in unserer Gemeinde und waren die
Vorzüge seiner Person noch in so guter Erinnerung, dass sein Hinscheiden
tiefen Eindruck machen musste. Hauptlehrer Adler seligen Andenkens war in Braunsbach
in Württemberg geboren. Er hatte nur zwei Stellen inne; Aufhausen,
wo er über 25 Jahre lang wirkte und Niederstetten, wo er fast 20 Jahre
lang tätig war. Ob er seine Schüler unterrichtete, ob er als Vorbeter am
Omed (Vorlesetisch) stand, ob er mit Rat und Tat dem Einzelnen half, oder
ob seine Tat der ganzen Gemeinde galt, oder auch wenn er sich im
geselligen Kreise bewegte – immer war er von einer tiefen Lauterkeit des
Gemütes erfüllt und immer ging ihm das Streben nach Frieden über alles.
So hat er sich im Herzen seiner Schüler und aller Mitglieder der Gemeinde
ein unvergängliches Denkmal gesetzt und alle, die ihn kannten sind dessen
gewiss, dass ihm die Frömmigkeit in dieser Welt den Anteil an jener Welt
sichern werde. Bei der in Augsburg stattgehabten Beerdigung war die
hiesige Gemeinde durch Herrn Oberlehrer Oberndörfer vertreten, welcher am
Grabe den Gefühlen der Gemeinde Ausdruck verlieh." |
Hauptlehrer Isak Oberndörfer wird zum Oberlehrer
ernannt (1922)
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November
1922: "Baisingen, 7. November (1922). Laut Staats-Anzeige für
Württemberg wurden durch Entschließung des Herrn Staatspräsidenten die
Herren Hauptlehrer: Oberndorfer in Niederstetten, Pressburger in Creglingen, Straßburger in
Baisingen, zu Oberlehrern in Gruppe 8 der
Besoldungsordnung ernannt." |
Oberlehrer Isak Oberndörfer tritt in den Ruhestand (1933,
1919 bis 1933 Lehrer in Niederstetten)
Isak Oberndörfer ist 1866 in Creglingen
geboren und studierte am Israelitischen Lehrerseminar in Würzburg. Seit 1886
war er als Lehrer tätig in Wachbach, Braunsbach,
seit 1919 in Niederstetten. Er trat 1933 in den Ruhestand und verzog nach
Frankfurt, wo er im Mai 1935 starb.
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1933: "Niederstetten, 27. Mai
(1933). Mit dem heutigen Tage trat unser Gemeindeführer, Herr Oberlehrer
Isak Oberndörfer in den Ruhestand. Unser Bezirksrabbiner Dr. Kahn aus
Mergentheim war auf
Veranlassung des Israelitischen Oberrates gekommen und feierte in seiner
Sabbatpredigt den hoch verdienten Mann als einen Charakter, der von tiefer
Gottesfurcht erfüllt, all den Anforderungen, die ihm als Lehrer, Vorbeter
und Gemeindeführer und nicht zuletzt als Mensch und Jehudi gestellt
waren, in vorbildlicher Weise nachgekommen ist und zwar nicht in der Art,
wie man den von Menschen gelehrten und geforderten Pflichten sich
unterzieht, sondern, wie der Prophet sagt, wie man ‚zitternd um das Wort
Gottes besorgt ist.’ Dem erstmals Dienst tuenden Amtsverweser Alex
Robert wurde Herrn Oberndörfer als leuchtendes Vorbild vorgestellt.
Herr Oberndörfer, 1866 in Creglingen geboren, hat die Israelitische
Volksschule seines Geburtsortes besucht und danach die Präparandenschule
in Höchberg und das Israelitische Lehrerseminar in Würzburg, stand seit
1886 im Dienste des Württembergischen israelitischen Oberrates als Lehrer
und Vorsänger in Wachbach, Braunsbach und seit 1919 in Niederstetten.
Dem schlichten und durch und durch gediegenen Manne, der ein ansehnlicher Ben
thauro (Sohn der Tora, Gelehrter) ist wünschen wir mit seiner Familie
Glück und Segen. (Alles Gute) bis 120 Jahre." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1933: "Niederstetten,
29. Oktober 1933. Vor wenigen Tagen hat Herr Oberlehrer Isaak Oberndörfer
mit seiner Familie unsere Gemeinde nach 14-jähriger Tätigkeit verlassen,
um den wohl verdienten Ruhestand in Frankfurt am Main zu verbringen. Herr
Oberndörfer war Elementarlehrer, Vorbeter, Vorsitzender des
Vorsteheramtes, Gemeinderechner, Rechner des Frauenvereins und
Vortragender in den Schiurim. Er ist zuhause in allen Räumen des
herrlichen Gebäudes unserer Tora und er belehrte seine Gemeinde mit
Inbrunst und Begeisterung. Mit vorbildlicher Pünktlichkeit und mit
unermüdlichem Eifer erfüllte er seine Pflicht als Lehrer und Vorbeter.
Mit größter Genauigkeit führte er die Rechnung der Gemeinde. Dabei sind
die Wohltätigkeit, welche er im Verein mit seiner Gattin übt und seine
Uneigennützigkeit überragende Kennzeichen seines Charakters. Durch sein
glänzendes Vorbild eines streng religiösen Lebenswandels hat Herr
Oberlehrer Oberndörfer in unserer Gemeinde jüdisches Leben erhalten und
gefördert, denn die einzelnen Gemeindemitglieder waren bestrebt, ihm
nachzueifern. Jedes einzelne Gemeindemitglied empfindet den Weggang des
Herrn Oberlehrer Oberndörfer als schweren Verlust für unsere Gemeinde.
Die allerbesten Wünsche seiner ihn verehrenden, dankbaren Gemeinde
begleiten Herrn Oberlehrer Isaak Oberndörfer und seine Familie nach dem
neuen Wohnort." |
Zum Tod von Lehrer Isak Oberndörfer (1935)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1935: "Lehrer Isak Oberndörfer
– das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Einen Mann von besten jüdischen
Qualitäten brachten wir heute auf dem Friedhofe der Israelitischen
Religionsgesellschaft zur letzten Ruhe. Isak Oberndörfer war eine
Lehrerpersönlichkeit alten Schlages. Selbst von reichem jüdischen Wissen
und tiefer Gottesfurcht erfüllt, war er stets darauf bedacht, Wissen und
Gottesfurcht auf die Schüler und die Gemeinde zu übertragen.
Generationen hat dieser jüdische Lehrer für Thora und Emunah (Wahrheit)
großgezogen. Zuletzt wirkte er etwa 15 Jahre in Niederstetten in Württemberg,
wo es galt, Traditionen großer Meister – die Gemeinde war in früheren
Zeiten Sitz großer Rabbiner – hochzuhalten. Wie war er da treuer
Führer und Lehrer der Kleinen und der Großen! Sein Haus war Mittelpunkt
der Gemeinde, wo sich jeder Rat und Hilfe suchte. In schwerer Zeit trug er
Trost und Kraft in die Herzen und Häuser, und eine Jugend bildete er
heran, die die Zukunft der alten Kehilla (Gemeinde) sichert. Seinen
Ruhestand wollte er seit wenigen Jahren in Frankfurt, wo seine Kinder echt
jüdische Häuser führen, genießen und rasch gewann der fromme
bescheidene Mann die Herzen aller, mit denen er zusammentraf. Bei jedem
Vortrag, bei jedem Schiur hatte er seinen Platz, und er trat im Mekor
Chajim (= Lehrverein der Israelitischen Religionsgesellschaft in
Frankfurt) wiederholt beim Morgen-Mischna-Schiur (morgendliche
Lern-/Lehrstunde zu Mischna/Talmud) auch lehrend hervor. An der Bahre
widmete ihm Herr Gemeinderabbiner Josef Horovitz einen warmen Nachruf und
Herr Lehrer Rohberg überbrachte den Danke der Gemeinde Niederstetten, der
Württembergischen israelitischen Synagogenbehörde und des Lehrervereins.
Wir werden Lehrer Oberndörfer ein getreues Gedenken bewahren. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Über Lehrer Alexander Roberg (1933 bis 1937 Lehrer in
Niederstetten)
| Alex(ander) Roberg ist am 2. April
1914 in Berlichingen als Sohn des Kaufmanns Feodor Roberg und der
Ernestine geb. Hanauer geboren. Er lernte 1927 bis 1933 an der
Präparandenanstalt in Höchberg, dann an der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. 1933 wurde er Lehrer in Niederstetten,
1937 in Stuttgart. Nach der Emigration war er Leiter der United Hebrew
Schools in Detroit, MI / USA. Später Executive Director der Congregation Gemilluth
Chassodim Detroit; dazu Vorsitzender der Friends of Shaare Zedek
Hospital in Jerusalem. Er veröffentlichte u.a. über die Israelitische
Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. 1981 lebte er im Ruhestand in Detroit.
Er starb am 22. Februar 1998 in Oak Park, Oakland, MI / USA. |
Über Lehrer Justin Schloss (letzter jüdischer
Lehrer in Niederstetten von 1937 bis 1939)
| Justin Schloss ist am 10. September
1915 in Berlichingen als Sohn des Religionslehrer Samuel Schloss und der
Paula geb. Lilienstrauß geboren. Er studierte 1935 bis 1937 an der
Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Danach war er als
Lehrer in Niederstetten tätig. Nach der Emigration in die USA Fortbildung
an verschiedenen Jeschiwot, später Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer an
der La Salle University in Chicago. Er starb im Dezember 1980 in New York
- Brooklyn. |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Gründung eines Talmud-Lernvereins (1851)
Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 12. September
1851: "In Niederstetten, einem Städtchen des Jagstkreises,
Residenz des Fürsten von Hohenlohe-Haltenburg, wo eine Gemeinde von etwa
40 jüdischen Familien sich befindet, hat sich im vorigen Herbst eine
(Name des Vereins nicht lesbar) Talmud-Lernverein gebildet, der
bereits 13 junge Männer als Mitglieder zählt; welche sich wöchentlich
dreimal, des abends, versammelt und immer drei bis vier Stunden dem Studium
des Talmuds widmet." |
Streit um die Einführung der gemeinsamen Konfirmation an
Stelle der traditionellen Bar Mizwa-Feier (1869)
Die Artikel wurden noch nicht ausgeschrieben - bei Interesse bitte
anklicken.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar
1869: |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März
1869: |
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| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April
1869: |
Gründung eines liberalen Vereins in der jüdischen
Gemeinde unter Jakob Stern (1870)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. März 1870: "Niederstetten,
am Taubergrund, im Februar (1870). In unserer Gegend ist die extreme
Orthodoxie leider noch stark vertreten und die Gesinnungsgenossen der Würzburger
und Mainzer Partei sind stets beschäftigt jede Spanne Fortschritt unmöglich
zu machen, jedes Fünkchen Licht von unserem Landvolke abzuhalten.
Nichtsdestoweniger beginnt es auch bei uns zu dämmern. So hat sich in jüngster
Zeit in hiesigem Orte ein israelitische Verein gebildet, unter dem Namen Schocher Tow, der sich zum Zweck stellt, allgemeine Bildung,
besonders aber religiöse Erkenntnis und Aufklärung unter den Mitgliedern
zu verbreiten, sowie auch durch Beiträge aus der Vereinskasse bedürftige
Personen zu unterstützen und sonstige edle Zwecke zu befördern. Die
Mitglieder versammeln sich jeden Sabbat nach dem Frühgottesdienst, in der
Behausung eines der Vereinsmitglieder, woselbst laut Statuten ‚aus einem
geeigneten Werke ein, dem religiösen Bewusstsein des modernen,
fortschrittfreundlichen Judentums entsprechender Vortrag, in deutscher
Sprache gehalten wird, nach dessen Beendigung einiges aus der
‚Allgemeinen Zeitung des Judentums’ vorgelesen wird.’
Ferner schafft der Verein populäre Werke und Zeitschriften an (die
Allgemeine Zeitung des Judentums wird in zwei Exemplaren gehalten), von
denen die Letzteren zirkulieren, die Ersteren zum Ausleihen bestimmt sind.
Der Verein trat am Schabbat
Paraschat Beschalach ins Leben und ward eröffnet durch eine kurze,
aber ausgezeichnete Rede des zurzeit unter uns weilenden
Rabbinatskandidaten J. Stern. Das Verdienst desselben ist es auch die Gründung
dieses Vereins angeregt und sein schnelles Zustandekommen energisch befördert
zu haben, wie sich denn derselbe überhaupt nichts verdrießen lässt, wo
es gilt die Bildung und Veredlung besonders der jüngeren Generation
anzustreben und der edleren Auffassung des Judentums Bahn zu brechen.
Julius Reis, Vorstand des Vereines Schocher
Tow." |
Chanukka-Fest der Gemeinde (1901)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
16. Dezember 1901: "Niederstetten, 9. Dezember (1901). Gestern
Abend beging im Löwensaale dahier die israelitische Gemeinde die Feier
des Chanukka-Tempelweihefestes', verbunden mit einer Gabenverlosung für
die Schuljugend. Den aufopfernden Bemühungen des Herrn Lehrers Adler war
es gelungen, den fast vollzählig anwesenden Gemeindemitgliedern einen
ebenso weihevollen wie genussreichen Abend darzubieten. Nach dem von der
Schuljugend wirkungsvoll vorgetragenen 'Moaus zur Jeschuosi' ergriff Herr
Lehrer das Wort zu einer formvollendeten herzlichen Festrede. In schwungvollen
Worten schilderte der Redner die innere Bedeutung des Lichtfestes als
Friedens-, Freuden- und Kinderfest. An der historischen Grundlage des
Festes erläuterte Herr Lehrer Adler die große Macht der Einigkeit.
Anschließend daran brachte der Redner einen, von einem Gemeindemitglied
verfasste Prolog zum Vortrag. Alle Anwesenden dankten für die großartige
rhetorische Leistung des Herr Lehrer Adler mit lang andauerndem
Beifall.
In anmutiger Abwechslung wickelte sich nun das Programm vor den Zuschauern
ab. Die schönen Gesangsvorträge und Deklamationen der Schüler und
Schülerinnen, welche sich alle der lebhaftesten Anerkennung erfreuten,
legten ein beredtes Zeugnis davon ab, wie viel Mühe der Arrangeur der
Feier, Herr Lehrer Adler, auf die Vorbereitungen verwandt hatte.
Verschiedene erwachsene Gemeindemitglieder trugen durch äußerst
beifällig aufgenommene Gesangs-, Klavier und deklamatorische
Vorträge zum Gelingen des Abends bei. Die Gabenverlosung verlief in
animiertester Stimmung.
Frau B. Strauß sprach hierauf in gewählten Worten über die
Bedeutung des 'Israelitischen Frauenvereins' in der hiesigen Gemeinde und
schloss mit einem Hoch auf denselben. Herr Dr. Luchs dankte in
warmer Rede namens der Anwesenden Herrn Lehrer Adler für dessen Mühe und
Darbietungen. In das Hoch des Redners auf den Gefeierten stimmte Alles
begeistert ein.
Zum Schlusse sprach noch Herr Max Stern über die auf die Erhaltung
der Eintracht in der Gemeinde und die würdige Ausgestaltung des
Gottesdienstes hinstrebenden Tätigkeit des Herrn Lehrers Adler und
schloss mit einem Hoch auf die israelitische Gemeinde und deren
Führer.
Die Veranstaltung gewann ihren Wert dadurch, dass sie aus der Erkenntnis
heraus geschaffen war, auch den Kindern gehören nach sauren Wochen frohe
Feste, und aus der gleich richtigen Erkenntnis, dass die Eltern die Freude
doppelt genießen, wenn sie ihre Kinder im Lichtglanz der Glückes
erblicken!" |
Die jüdische Gemeinde sammelt für die Opfer der
Brandkatastrophe von Ilsfeld (1904)
Anmerkung: am 4. August 1904 wurden bei einer Brandkatastrophe in Ilsfeld
(Kreis Heilbronn) etwa 200 Gebäude zerstört (Näheres im Wikipedia-Artikel
zu Ilsfeld).
Quittierung
von eingegangenen Spenden "Für die Abgebrannten in Ilsfeld"
in der "Tauber-Zeitung" vom 16. August 1904: "Sammlung
der israelitischen Gemeinde Edelfingen: Lehrer Kahn 1 M., Heimann Marx
2 M., Aron Adler 2 M., Adler und Heß 4 M., Adolf Heß, Metzger, 1 M.,
Samuel Adler, Kaufmann 1 M., Moses Adler, Viehhändler, 1 M., Witwe
Fröhlich 50 Pfg., Moses Frank 1 M., David Frank, senior 50 Pfg., S.
Rosenheimer 1 M., Isak Bamberger 50 Pfg., Salomon Frank 1 M., Julius
Adler, Metzger, 1 M., David Adler 1 M., F. Wertheimer 1 M., Moses Bierig 1
M., Julius Adler, Kaufmann 1.50 M., Elias Bierig 2 M., Elias Schorsch 1
M., Leopold Frank 1 M., David Frank jr. 50 Pfg., Isak Bierig 1 M., Ricke
Bär 50 Pfg., Max Bamberger 1 M., Samuel Adler, Viehhändler 1 M.,
zusammen 30 M., ab für Porto 20 Pfg., somit M. 29.80." |
NS-Zeit: Folgen des Schächtverbotes (1934)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1933:
"Stuttgart. Im Städtchen Niederstetten bei Mergentheim wurde, nach
Meldung der lokalen Presse, ein Fuhrwerk mit Geflügel beschlagnahmt, das
ihne vorhergehende Betäubung geschächtet worden sein soll. Der Fuhrmann
und sein Begleiter, sowie der Schächter als Hohenburg (?? = Hohebach??)
wurden verhaftet." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Über den jungen (späteren Rabbiner / Journalisten usw.) Jakob Stern nach seiner Rückkehr aus Preßburg (1866)
Anmerkung: Dr. Jakob Stern ist 1843 in Niederstetten geboren und 1911
in Stuttgart gestorben. Zunächst studierte er in Pressburg, von wo er als
Chassid zurückkehrte (siehe Bericht unten). Später veränderte es sich von
einem Extrem ins andere, war fortan von höchst liberaler Gesinnung geprägt.
Weitere Studien in Tübingen; 1873-1874 Rabbinatsverweser in Mühringen, 1874-1880
Rabbiner in Buttenhausen, vom Amt suspendiert, danach Journalist und freier Schriftsteller in Stuttgart, wurde über lange Jahre zum Wortführer der Sozialdemokraten Württembergs.
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1866: "Tübingen. Bei der
jüngsten Maturitätsprüfung haben 2 Württemberger Gymnasiasten das
Examen der mosaischen Theologie erstanden, Strauß von Berlichingen und
Stern von Niederstetten. Letzterer hat sich seine talmudischen Kenntnisse
auf der Jeschiwa in Pressburg erworben." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1866: "Vom Taubergrunde. In
Nr. 16 dieser geschätzten Blätter hat Ihr verehrter Württemberger
Korrespondent in Kürze die bestandene Maturitäts-Prüfung eines Herrn
Stern erwähnt, der in Pressburg seine talmudischen Kenntnisse erworben
hat. Ihr Herr Korrespondent scheint Wohlgefallen daran zu finden, dass
endlich auch für Württemberg, für welches Land ‚der Israelit’ schon
so Vieles und Ersprießliches geleistet hat, sich ein Rabbinats-Kandidat
herangebildet, welcher seine talmudischen Kenntnisse in Pressburg erworben
hat. Deshalb halte ich es für nötig, diese Persönlichkeit etwas näher
zu zeichnen. Genannter Herr Stern aus Niederstetten hat wirklich längere
Zeit in Pressburg Talmud studiert; er kam dann mit lang gedrehten
Seitenlocken (Peot) nach Hause,
hatte sich schon den polnischen Dialekt eigen gemacht, führte sich als Chassid,
enthielt sich an den Wochentagen des Fleischgenusses, ließ seine Mutter
alle Morgen um 4 Uhr schon zum Bäcker gehen, damit der junge Chassid
frisches koscheres Brot erhielt,
ließ sich auf Schabbat jedes Mal 12 so genannte Berches backen, ging am
Freitagabend aufs freie Feld um wie der heilige … (?, abgekürzter Name
für einen chassidischen Rabbiner) dort den Sabbat
zu empfangen, kurz er trieb den Chassidismus
so ziemlich hoch und laut.
Dabei studierte er nicht mehr viel Talmud, hierzu war der junge Chassid
schon zu gelehrt, beschäftigte sich dafür hauptsächlich mit
kabbalistischen Werken und behauptete trotz des Widerspruches von vieler
Seite, dass er diese Werke auch ohne Lehrer sehr gut verstehe. Endlich
trieb er den Chassidismus so
weit, dass er, um die kabbalistischen Werke besser begreifen zu können, (nota
bene, wie er behauptete) von
Schabbat zu Schabbat fastete.
Er lebte so ziemlich zurückgezogen, blickte kaum über seine ‚vier
Ellen’ (der Halacha) hinaus, und schimpfte über die jüdisch irreligiösen
Verhältnisse Württembergs sehr laut, besonders heftig eiferte er aber
gegen den Kirchenrat Herr Dr. Mayer in Stuttgart und wunderte sich stets,
wie man sich nicht einmal zu einem Attentat auf denselben herbeilassen möchte.
Die Urteile des Publikums über unseren Chassid
waren sehr verschieden. Während manche denselben wegen seines Chassidismus und seiner angeblichen Kabbala-Kenntnis anstaunten,
wollten andere von der ganzen Sache gar nichts halten, insbesondere da der
junge Mann es mit dem Gebote ‚Du sollst Vater und Mutter ehren’ nicht
eben genau nahm. Ein alter erfahrener Mann jener Gegend ging so weit,
zu |
äußern
‚Gebt acht, dass auf dem Chassid
kein Kofer (Häretiker)
werde.’
Dieses Treiben dauerte eine geraume Zeit und man erzählte sich gar
wunderbare Dinge, welche dieser junge Chassid
durch Kabbala hervorzubringen
beabsichtigt hatte, die ihm aber alle natürlich missglückt sein
sollen. Nun trat eine kritisch Wendung ein. Unser zur Erde schauender Chassid
erhob seine Augen zum Baum der
Erkenntnis und schaute sich sogar recht sehr um. Er wandte sich mit
Vorliebe zur Romanliteratur, und war kühn oder toll genug, auch hierfür
mysteriös klingende kabbalistische Gründe anzugeben, bis er endlich die
Maske abwarf, Spinozas Werke sich verschaffte, und mit einem Sprunge, war
unser von Schabbat zu Schabbat fastender Chassid ein Spinozist von reinstem Wasser geworden, leugnete jede
positive Religion, lebte ohne religiöse Beschränkung, wie es ihm passte
und seinen Leidenschaften zusagte, und wurde obendrein Hausfreund des
ehemals so verhassten Kirchenrates Dr. Mayer von Stuttgart, wo sich Herr
Stern mehrere Jahre aufhielt.
Dieses ist eine kurze Lebensskizze des jungen Kandidaten, Herrn Stern. Wie
nun ein so zum Spinozismus sich bekennender, jede positive Religion
leugnender Mann, und er hat diese Bekenntnisse sogar in Briefen an
ehemalige Freunde schriftlich niedergelegt, der noch sich in den Sinn
kommen lassen kann, Rabbiner zu werden, das übersteigt unsere Begriffe.
Denkt Herr Stern vielleicht wieder an einen gewaltigen Rücksprung?
Wir fanden es nötig, Ihrem Württemberger Korrespondenten und den anderen
Lesern Ihres geschätzten Blattes diese Mitteilung machen zu sollen, damit
es bekannt wird, mit einem wie gearteten Jünger der sonst allgemein
verehrten Pressburger Jeschiwa man es hier zu tun habe." |
Rezension der Publikation
"Gottesflamme, II. Band" von Jakob Stern (1873)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. November 1873: "Bonn, 20.
Oktober (1873), Gottesflamme. II. Band. Religiöse Reden über die
Festtags- und Wochenabschnitte. Von J. Stern, Rabbinatskandidat in
Niederstetten (Württemberg). Leipzig, Leiner 1873. Wir gestehen, dass das
Gedicht ‚Eine Vision’, welches der Verfasser statt des Vorworts gibt,
uns beinahe abgeschreckt hätte, einen weiteren Blick in das Buch zu tun.
Nicht als ob die Verse so schlecht wären, - es sind sogar einige gute
darunter, wenn sie auch sonst an zu großer Wortfülle und nicht ganz
angemessenen Ausdrücken leiden, z.B.: ‚Noch eine Gottesflamme willst Du
schreiben? – sondern weil im demselben der Verfasser eine Schilderung
seiner Glaubensgenossen gibt, die denn doch über alle Wahrheit
hinausgeht, und Dies nur darum, weil der erste Band, - doch wir wollen den
Vers selbst zitieren. Der Genius des Verfassers spricht:
‚Vergebens hast Du Treffliches geschrieben, Nicht Geld, noch Amt
hat es Dir eingebracht. Umsonst
bist Du der Wahrheit treu geblieben, Umsonst
hast Du gegrübelt Tag und Nacht. Die
grauen Neben wollten nicht zerstieben,
Nicht hat die Huld des Schicksals Dir gelacht.
Vergebens hast Du Deinem bösen Stamme
Ein Licht gebracht mit Deiner Gottesflamme.’
Dass das Verdienst nicht immer, oder erst spät gewürdigt wird,
ist richtig. Oft haben hieran mehr die Umstände, als die Personen Schuld.
Indes ist doch Jeder, der die ersten Schritte auf dem literarischen Felde
tut, und nicht gleich eine reiche Ernte einheimst, verpflichtet,
anzunehmen, dass Dies auch an ihm selbst und seinem Produkte, an dem Werte
und der Art desselben liegt. Wer ein Bändchen durch den Druck veröffentlicht,
der darf nicht hoffen, dass ihm alsbald die Welt huldigend zu Füßen
liegen werde. Dazu hat unsere Zeit zu wenig Geschmack an gedruckten
Predigten, und gibt es deren zu viele selbst der trefflichen. Wegen
solches geringen Erfolges alle diejenigen, welche Amt und Besoldung
erlangen, für ‚Heuchler und Gaukler’ erklären, ist kein Zeugnis für
die Tugenden, welche das Gedicht dem Verfasser beilegt, ‚Ehrlichkeit und
Bescheidenheit’. Um sich so misanthropisch über die Menschen äußern
zu dürfen, dazu gehört denn doch mehr Verdienst, und ein höheres Alter,
als der Verfasser besitzt, und auch dann wird man ihm nur Nachsicht für
seine Schwäche gewähren. – Indes ließen wir uns doch nicht abhalten,
und fanden in den einundzwanzig, meist kurz gehaltenen Predigten recht
viel Gutes, das zwar weder an Inhalt noch Form etwas Außerordentliches
ist, doch aber durch Innigkeit des religiösen und sittlichen Gefühls,
Lebendigkeit der Gedanken und passenden Ausdruck zu wirken vermag. Im
Detail hätten wir freilich manches zu bemerken. Zum Beispiel halten wir
es durchaus nicht für angemessen, kritische Bemerkungen und Hypothesen
auf die Kanzel zu bringen, wie es im Vortrage über das Purimfest
geschieht. Dass dieses Fest seinen bestimmten geschichtlichen Inhalt hat,
und sich darum an geschichtliche Tatsachen knüpft, dafür spricht die
ganze Natur des Festes, dafür die uralte Tradition, die schon Josephus
ebenfalls mitteilt. Dass das Buch Ester die geschichtlichen Fakten in
volkstümlicher freier Bearbeitung gibt, kann man leicht zugestehen. Das
Buch in einer Predigt immer wiederholt für einen ‚Roman’ zu erklären,
und das Fest als ursprünglich ein Dionysesfest auszugehen, das geht doch
wohl über die Grenzen einer Sabbatpredigt hinaus. Dem ungeachtet können
wir das Bändchen bestens empfehlen." |
Über den Mohel (Beschneider) Abraham Selz (Dokument von
1867)
Anmerkung: Abraham Selz (1819-1906) war nach den Angaben des von ihm
erhaltenen Beschneidungsbuches zwischen 1853 und 1881 als Mohel (Beschneider) in
Niederstetten und der weiteren Umgebung tätig. In diesem Buch sind über 450
Beschneidungen dokumentiert. Weitere
Informationen bei jewishgen.org. Abraham Selz wanderte in nach Nordamerika
aus (Baltimore, Maryland).
Spendenliste
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai 1867 zum "Bau
jüdischer Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem": "Durch
A(braham) Selz in Niederstetten: gesammelt bei der Brit Mila
(Beschneidung) des Moritz Oberndorfer in Creglingen
5 fl. 30 kr., bei der Brit Mila des Bähr in Wiesenbach
3 fl. 46 kr., bei der Brit Mila des Rieß, Lehrer in Wachbach,
3 fl., bei der Brit Mila des S.A. Hirsch in Mergentheim
7 fl., bei der Brit Mila des Wolf Hirsch daselbst 3 fl. 48 kr., bei der
Brit Mila des Marx Grünsfelder in Rettersheim
3 fl. 18 kr., bei der Brit Mila des Mayer Rieß in Michelbach
1 fl. 57 kr., bei der Brit Mila des Jakob Stern in Niederstetten
1 fl. 33 kr., bei der Brit Mila des A. Selz daselbst 2 fl., bei der
Brit Mila des D. Rosenthal in Nagelsberg
2 fl., 13 kr., Ellinger das. 4 fl. 21 kr., S. Rosenthal das. 2 fl., 6 kr.,
Naphtali Strauß das. 2 fl., 27 kr., Cahn Hirsch das. 45 kr., Obermayer
das. 14 kr., A. Selz das. 6 fl. 27 kr., Jakob Hirsch Selz das. 12 kr.,
Benzion Selz das. 12 kr., Moses Selz das. 12 kr., Isaac Selz das. 12 kr.,
unbenannte Frau nach der Niederkunft 10 fl., zusammen 61 fl. 12 kr.
-". |
Zur Goldenen Hochzeit von Kaufmann Moses Stern und Frau
(1892)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1892: "Niederstetten (Württemberg).
Das Fest der goldenen Hochzeit beging hier Herr Kaufmann Moses Stern mit
Frau. Auf ausdrücklichen Wunsch des Jubelpaares ward von jeder
offiziellen Feier abgesehen. Herr Stern zählt 84 und seine Frau 75 Jahre.
Beide erfreuen sich sowohl körperlicher als geistiger Frische. Bei der
ungeteilten Ehre, welche dem Jubelpaare von allen Seiten entgegengebracht
wird, möge ihnen ein froher Lebensabend beschieden sein." |
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Ergänzendes Dokument zu
Kaufmann Moses Stern
(aus der Sammlung von
Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries) |
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Karte, gesandt am
27. Mai 1894 von Niederstetten nach Schweinfurt: Kaufmann Moses Stern
bittet bei der Handlung Eisenheimer in Schweinfurt um Preismitteilung für
Drahtstifte (Nägel), rechts Absenderstempel von Moses
Stern. |
Zum Tod von Samuel W. Goodman aus Niederstetten (in
Philadelphia, 1906)
Anmerkung: Samuel Wolf Gutmann ist am 30. Juni 1837 in Niederstetten geboren
als Sohn des Vorsängers und Schullehrers Abraham Hirsch Gutmann (aus Aldingen
bei Ludwigsburg; verstarb bereits 1841 in Niederstetten) und seine Frau Beßle
geb. Rosenthal. Er verließ Niederstetten am 11. April 1856, um nach Amerika
auszuwandern.
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. November
1906: "Philadelphia. Samuel W. Goodman, geb. 1837 zu
Niederstetten (Württemberg) - verschied plötzlich letzten Donnerstag.
Der Verstorbene spielte im jüdischen Gemeindeleben Philadelphias eine
bedeutende Rolle." |
Zum Tod von Isaak Rosenthal (1908)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1908: "Niederstetten, 18. März
(1908). Am letzten Purim hat unsere Gemeinde einen unersetzlichen Verlust
durch den Tod des Herrn Isaak Rosenthal erlitten. Der Verstorbene, der nur
ein Alter von 59 Jahren erreicht hat, war eifrig bemüht, bei der Erfüllung
der religiösen Pflichten und in Ausübung von Liebeswerken seiner
Umgebung mit bestem Beispiel voranzugehen. Seine Liebe zur Tora war
vorbildlich. Sein Andenken wird uns unvergesslich bleiben." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen der Manufakturwaren En Gros- und En Detail-Geschäfts Hermann Selz
(1901/02)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1901: "Gesucht.
Lehrling für mein Kurz-, Weiß- und Wollwaren-Engros- und
Endetail-Geschäft bei günstigen Bedingungen. Kost und Logis im Hause.
Samstags und Feiertage streng geschlossen.
Hermann Selz, Niederstetten, Württemberg." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1902:
"Für mein Manufakturwaren-Engros- und Detail-Geschäft suche per
sofort einen tüchtigen jungen Mann von 18-21 Jahren als Verkäufer
und Detailreisender, gegen hohen Gehalt. Solche, die schon gereist
haben, erhalten den Vorzug. Samstags und Feiertage ist streng
geschlossen.
Hermann Selz, Niederstetten (Württemberg)." |
Anzeige des Gemischtwaren-, Getreide- und Mehlgeschäftes N. Strauß
(1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1903: "Lehrlings-Gesuch.
Suchen zum sofortigen Eintritt in unser an Samstag und Feinertagen streng
geschlossenes Gemischwaren-, Getreide- und Mehlgeschäft, jungen Mann,
mit guter Schulbildung, aus ordentlicher Familie, als Lehrling
unter günstigen Bedingungen.
N. Strauß, Niederstetten in
Württemberg." |
Verlobungsanzeige von Sophie Kahn und Dr. Moritz
Mainzer (1921)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 14. Juli 1921: "Statt Karten.
Sophie Kahn - Dr. phil. Moritz Mainzer. Verlobte.
Niederstetten (Württemberg) - zur Zeit
Karlsruhe - Frankfurt am Main -
Hanauerlandstraße 1
Empfang Karlsruhe, Akademiestraße 67 den 16. und 17. Juli
1921." |
Hochzeitsanzeige für Otto Reis und Mina Reis geb.
Feuchtwanger (1929)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1929: "Statt Karten – Gott
sei gepriesen.
Otto Reis – Mina Reis geb. Feuchtwanger. Vermählte.
Niederstetten (Württemberg) – Schwabach (Nürnberg).
Trauung in Ansbach, Hotel Zirkel, 1 Uhr am 17. November 1929. 14.
Cheschwan 5690". |
Hochzeitsanzeige von Hannchen Jonas und Lazarus
Oberndörfer (1931)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1931: "Zu
der - so Gott will - Dienstag, den 5. Mai - an Lag BaOmer - in
Frankfurt am Main, Liederhalle, Langestraße 26, um 1 1/4 Uhr
stattfindenden Trauung ihrer Kinder Hannchen und Lazarus beehrten sich,
Bekannte und Freunde einzuladen
Oberlehrer W. Jonas und Frau, Illingen
(Saargebiet) -
Oberlehrer J. Oberndörfer und Frau, Niederstetten (Württemberg).
Telegrammadresse: Langestraße 55,I. Man bittet, die Telegramme
zugunsten des Schulwerks der Agudoh abzulösen." |
Verlobungsanzeige von Gitta Oberndörfer und Hugo Katz (1933)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1933:
"Gott sei gepriesen. Gitta Oberndörfer - Hugo Katz.
Verlobte.
Frankfurt am Main, Uhlandstraße 53 - Niederstetten.
Adar 5693 - März 1933." |
Weitere Dokumente zu jüdischen
Gewerbebetrieben
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
1680 erhielten die bis dahin in
Niederstetten aufgenommen Juden einen Generalschutzbrief, der 1714 von Franz
Graf von Hatzfeld und Gleichen erneuert wurde, In ihm war für die Juden in den
Ämtern Haltenbergstetten (das heißt Niederstetten und Laudenbach) geregelt,
"dass diesen gesamten, jetzigen und künftigen Juden, eine Synagog zu
halten und einen Rabbiner, Vorsänger und Schulmeister anzunehmen und zu ihren jüdischen
Zeremonien zu gebrauchen wie zu Prag, Frankfurt und sonst im Römischen Reich
bevorab im Lande Franken üblich und Herkommens ist, gnädig erlaubt...(ist)".
Noch im Jahr 1714 richteten die jüdischen Familien Niederstettens einen Betsaal
ein, wobei es sich vermutlich um ein Zimmer in einem jüdischen Haus gehandelt
hat. Der Standort ist unbekannt.
Nachdem die Zahl der Gemeindeglieder zugenommen hatte,
wurde eine erste Synagoge 1741/44 erbaut (Gebäude Mittelgasse 2/1; 1988
abgebrochen; die Mittelgasse hieß bis in die NS-Zeit "Synagogengasse").
Als Lehrer und Rabbiner wird damals Nathan Hirsch genannt. Er war vermutlich um
1720 aus Feuchtwangen zugezogen.
Anfang des 19. Jahrhunderts entsprach die alte Synagoge
nicht mehr den Bedürfnissen der im Laufe der Jahre weiter gewachsenen Gemeinde.
1813 wurde daher für 550 Gulden ein Bauplatz zur Errichtung einer neuen
Synagoge gekauft. Es dauerte jedoch noch ein paar Jahre, bis man den Plan
verwirklichen konnte.1820 fasste der Gemeindevorstand endgültig den Beschluss,
eine neue Synagoge mit einem Gemeindehaus zu bauen. Der reiche Lämmlein Löw gab für
den Bau 500 Gulden als Stiftung und noch einmal 550 als nicht kündbares
Kapital. Nachdem die Pläne für die Synagoge von den Behörden genehmigt worden
waren, konnte man mit dem Bau beginnen. Er wurde 1824 fertiggestellt.
Durch Umlagen unter den Gemeindegliedern, weitere Stiftungen und durch Aufnahme
eines Kredits konnte die Bausumme von über 7.000 Gulden aufgebracht werden.
Eine Besonderheit der Niederstettener Synagoge war, dass die Frauen nicht nur
auf der Empore, sondern auch unten – wenngleich vollkommen von den Männern
getrennt – ihre Stände hatten. Nicht einig waren die Strengeren unter den
Gemeindegliedern allerdings damit, dass die Frauen im unteren Bereich denselben
Eingang wie die Männer benutzten. Die wertvollste und schönste Dekoration war
ein von Lämmle Goldstein gestifteter Goldbrokatvorhang für den Toraschrein,
der mit den Nebendecken 1.000 Gulden gekostet haben soll. Dieser Vorhang war bis
zum Untergang der Gemeinde vorhanden.
1877 wurden die Synagoge und die Schule gründlich
renoviert. Bei dieser Gelegenheit sind die beweglichen Stände abgeschafft und
dafür festes unbewegliches Gestühl aufgestellt worden. Die Arbeiten kosteten
4.628 Mark (2.740 Mark für die Synagoge, 1888 für Schule und Lehrerwohnung),
wofür ein Beitrag aus staatlichen Mitteln in Höhe von 400 Mark genehmigt
wurde.
Im Zusammenhang mit der Pogromnacht 1938 entging die
Synagoge in Niederstetten der Zerstörung. Allerdings wurde das Gebäude im Frühjahr
1945 bei einem Fliegerangriff völlig zerstört. Die Kultgegenstände
hatte die Fürstin von Hohenlohe-Bartenstein bei sich versteckt gehalten. Sie übergab
sie nach Kriegende dem amerikanischen Armeerabbiner D. Kahan. Reste der
Umfassungsmauer sind in einem heute hier stehenden Wohn- und Geschäftshaus
erhalten (eine Wand unverputzt; Mittelgasse 4).
Fotos
Historische Fotos
(Quellen: Foto des Hochzeitssteines aus dem Buch "Jüdische
Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg" 1932 S. 109; alle anderen
historischen Fotos aus dem Buch von Bruno Stern: Meine Jugenderinnerungen...
1968).
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Das Gebäude der 1741 erbauten
alten Synagoge |
Die 1824 fertiggestellte Synagoge
in Niederstetten,
1945 kriegszerstört |
Hochzeitsstein von 1751 in der ehemaligen Synagoge Niederstetten,
war ursprünglich wohl an der alten Synagoge |
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Blick über den Almemor
zum Toraschrein |
Blick in die Synagoge
mit Frauenempore |
Goldstein-Vorhang
in der Synagoge |
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| Männer vor der Synagoge |
Bruno Stern am Vorlesepult |
Die ausgebrannte Synagoge 1945 |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
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Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
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Das Gebäude der alten Synagoge |
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Die alte Eingangstüre
der alten Synagoge |
Das über den Grundmauern der 1945 zerstörten Synagoge
erbaute Haus |
Erhaltene Umfassungsmauer
der Synagoge |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn) |
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Die alte Synagoge links des noch
erhaltenen und "Judentauch"
genannten Hauses ist inzwischen abgebrochen worden |
Das "Judentauch" genannte Haus
deutet auf ein
ehemaliges
rituelles Bad hin
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Haus über der 1945
zerstörten Synagoge |
Die Steinmauer der Synagoge
verbirgt sich hinter Efeu |
Gedenktafel |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Mai 2009:
Nachfahren des 1826 in Niederstetten geborenen
und zwischen 1840 und 1850 nach Nordamerika ausgewanderten Moises Selz
(Morris Selz) besuchen Niederstetten |
Artikel
in der "Tauber-Zeitung" (Südwestpresse) vom 31. Mai 2009
(zugesandt von Hartwig Behr, Bad Mergentheim): "Spuren suche in
Niederstetten. Amerikanische Familie tief berührt vom Gang zu den
Lebensorten ihrer Vorfahren. Auf den Spuren ihrer Vorfahren hat die
Familie von Philip D. Block III aus Chicago den jüdischen Friedhof von
Niederstetten besucht. Doch auch nach dem Besuch bleiben für die Familie
viele Fragen offen..." Zum weiteren Leben Artikel links anklicken. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S.
134-136. |
 | Germania Judaica II,1 S. 323. |
 | Bruno Stern: Meine Jugenderinnerungen an eine württembergische Kleinstadt
und ihre jüdische Gemeinde. 1968. |
 | ders.: So war es. Leben und Schicksal eines jüdischen Emigranten. |
 | Hartwig Behr: GEDENKET UNSER - Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde von
Niederstetten. In: 650 Jahre Stadt Niederstetten (Hg. von der Stadt
Niederstetten 1991). S. 317-331. |
 | Elfriede Hahn: Jüdischer Alltag in Niederstetten. In: 650 Jahre
Niederstetten (Hg. von der Stadt Niederstetten). S. 332-335. |
 | H. Jestrabek (Hg.): Jakob Stern. Vom Rabbiner zum Atheisten. Ausgewählte
religionskritische Texte (vgl. http://home.t-online.de/home/Jestrabek/stern.htm) |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 114-117. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007. |
 | Herbert Henck: Else Thalheimer. Ein Lebensweg von
Köln nach Tel Aviv. Online
zugängliche Publikation.
Es handelt sich um eine ausführliche Biographie über die promovierte
Musikologin Else Thalheimer (geb. 1898 in Köln, gest. 1987 in Tel Aviv).
Else Thalheimers Vater war Jacob Thalheimer (geb. 1866 in Niederstetten,
gest. 1943 in Raanana, nördlich von Tel Aviv). Jakob Thalheimer war in
Köln Reisender, dann Mitbesitzer und schließlich Alleinbesitzer einer
Kleiderfabrik geworden (Berufskleiderfabrik).
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Niederstetten
Wuerttemberg. The medieval Jewish settlement was destroyed in the Rindfleisch
massacres of 1298. In the 17th century, Jews were living in Niederstetten under
a letter of protection. Despite various disabilities, they were able to expand
their economic activities, primarily in cattle, wool, wine and hides. The Jewish
population grew to 215 in 1854 (total 1,701), a subsequent decline being slowed
when commerce was boosted by the coming of the railroad in 1869. A synagogue was
dedicated in 1824 and a Jewish school founded in 1838. In the second half of the
19th century Jews owned some of the largest business establishments in the town,
including a diamond-polishing factory. In the Weimar period Jews were active in
public life but a strain of antisemitism also ran through the town. In 1933, 81
Jews remained, mostly leading a religious way of life. Persecution was severe
from the outset of Nazi rule in 1933 and the last Jewish stores were closed
after November 1938. Most of the yonug left; in all, 37 emigrated, mostly to
Palestine and the United States. Of the 42 deportet - to the Riga ghetto on 1
December 1941 and to the Theresienstadt ghetto in September 1942 - three
survived.

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Anmerkung: Zu Pfarrer Umfried 1933 in Niederstetten: hier
anklicken
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