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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Creglingen (Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Creglingen bestand eine jüdische Gemeinde im
Mittelalter (Judenverfolgung 1298) und in der Neuzeit bis 1938.
Die Entstehung
der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. In
der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach, zu der Creglingen seit 1448 gehörte,
wurden Juden in einer Zeit aufgenommen, in der sie aus den meisten Regionen
vertrieben wurden. Noch während des Dreißigjährigen Krieges konnte eine jüdische
Gemeinde in der Stadt entstehen. 1714 gab es 12 jüdische Familien in der Stadt,
1808 17 Familien.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt:
1824 105 jüdische Einwohner (8,7 % von insgesamt 1.202 Einwohnern), höchste Zahl
um
1846 mit 130 Personen, 1880 115 (8,6 % von 1.332), 1895 118, 1910 84 (6,9 %
von 1.210). Nach einem Bericht von 1870 gehörten die
damaligen Gemeindeglieder dem Mittelstand der Bevölkerung an. Viele lebten vom
Ellenwaren- und Hausierhandel.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule (Israelitische Volksschule von den 1830er-Jahren bis 1924), ein
rituelles Bad (zunächst vermutlich im Synagogengebäude, seit 1895 neues
rituelles Bad am sog. Hahnenweg am Herrgottsbach unterhalb der heutigen Treppe
zum Krankenhaus, bestand bis 1939) und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern an der Schule
sind insbesondere zu nennen: Ludwig Stern, Moritz Oberndörfer und Josef Preßburger (vgl. Berichte
unten). Das zuständige Rabbinat war von
1832 bis 1914 Weikersheim, von 1914 bis 1939
Mergentheim.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Heinrich Stern (geb.
8.11.1894 in Camberg, gef. 25.12.1918). Sein
Name steht auf dem Ehrenmal für die Gefallenen des Krieges im Friedhof an der
Herrgottskirche.
Um 1924, als etwa 90 jüdische Einwohner in Creglingen gezählt wurden,
waren die Vorsteher der Gemeinde Oberlehrer Josef Preßburger, Benjamin
Oberndörfer, Emil Lissberger, Max Gutmann und Rudolf Sinsheimer. Oberlehrer
Preßburger erteilte neun Kindern des Religionsunterricht; vier weitere Kinder
erhielten von ihm Religionsunterricht an höheren Schulen. An jüdischen Vereinen
gab es: die Chewra Gemilus Chesed (Wohltätigkeitsverein, 1924 unter
Leitung von Emil Lißberger), die Chewra Kadischa (Wohltätigkeits- und
Bestattungsverein), den Israelitischen Frauenverein (1924 unter Leitung
von Ida Oberndörfer), den Ohawei-Tora-Verein und die Baukasse
(gegründet 1887, 1924 unter Leitung von Josef Preßburger). An Stiftungen gab
es eine Brautaussteuerstiftung, Jahrtagsstiftungen und die
Krankenfürsorgestiftung. 1932 war weiterhin Oberlehrer Preßburger
erster Gemeindevorsteher. Inzwischen war als Religionslehrer Harry Katzenstein
angestellt. Er unterrichtete im Schuljahr 1931/32 sieben Kinder in
Religion.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handelsbetrieben im Besitz
jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Landesproduktenhandlung G. Ehrenberger und Söhne
(Hauptstraße 7), Aussteuerhaus Gutmann, Inh. Gutmann und Landauer (Kreuzstraße
5), Handelsmann David Gutmann (Torstraße 19), Tabak- und Zigarettengeschäft Emil Gutmann (Neue
Straße 17), Kaufmann Karl Gutmann (Neue Straße 15), Handelsmann Isaak Gutmann und Viehhandlung Max Gutmann
(Lindleinstraße 4), Viehhandlung Siegfried Güthermann (Poststraße 7), Manufakturwarenhandlung Emil Lissberger
(Hauptstraße 30; Emil Lissberger war bis 1933 Mitglied des Gemeinderats,
ebenso Vorstandsmitglied des Fußball- und des Gesangvereins in Creglingen), Manufakturwarenhandlung Adolf Oberndörfer
(Hauptstraße 41), Viehhandlung Meyer Rosenfeld (Lindleinstraße 16); Manufaktur- und Korbwarenhandlung Rudolf Sinsheimer
(Hauptstraße 23; der benachbarte Hausplatz Hauptstraße 25 war von 1692 bis 1897 in jüdischem Besitz), Viehhandlung Hermann Stern
(Hauptstraße 9).
1933 wurden noch 73 jüdische Personen in Creglingen gezählt. Am 25.
März 1933 kam es bei einem Pogrom durch die SA zur Ermordung von
zwei Creglinger Juden: der 67jährige Hermann Stern und der 53jährige Arnold
Rosenfeld starben auf Grund der erlittenen Misshandlungen. Der Vorfall bewirkte,
dass eine größere Anzahl jüdischer Einwohner kurz darauf im Ausland Zuflucht
suchte. 1935 richtete die jüdische Gemeinde für ihre Kinder eine Privatschule
ein, die bis 1938 bestand (Lehrer Harry Katzenstein). Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge demoliert; eine größere Zahl jüdischer Männer
wurde in das KZ Dachau verschleppt. 1939 verließen die letzten jüdischen Einwohner
die Stadt.
Von den in Creglingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ida Allersheimer (1884),
Bernhard Baar (1880), Frieda Baar geb. Allersheimer (1882), Jakob Blumenfeld
(1873), Rudolf Blumenfeld (1880), Fanny Cohn geb. Lissberger (1904), Zilli Elkan
geb. Fuchs (1877), Jakob Fuchs (1868), Karoline Grünewald geb. Gutmann (1857),
Minna Günther geb. Gutmann (1859), Jakob Abraham Gutmann (1851), Max Gutmann
(1884), Fanny (Ferdel, Fradel) Hahn geb. Gutmann (1867), Tekla Heinemann geb.
Stern (1891), David Kahn (1870), Rosa Kapp geb. Obenheimer (1871), Rosa Lehmann
geb. Ehrenberg (1889), Bernhard Lissberger (1907), Emil Lissberger (1873), Emma
Lissberger (1877), Sigmund Lissberger (1875), Emil Obenheimer (1897), Adolf
Oberndörfer (1864), Benjamin Oberndörfer (1879), Gertrud Oberndörfer (1901),
Helene Oberndörfer geb. Oberndörfer (1866), Sally Oberndörfer (1901), Sigmund
Oberndörfer (1904), Aron Rosenfeld (1880), Rosa Sinsheimer (1877), Cäcilie (Cilly)
Stern geb. Blumenfeld (1866), Hermann Stern (1866), Meta Thalheimer geb.
Oppenheimer (1872), Abraham Wolf (1879, wurde von Köln nach Lódz deportiert),
Hermann Wolf (1878), Justin Wolf (1917), Lazarus Wolf
(1877), Ludwig Wolf (1920), Marianne Wolf geb. Heidelberger
(1883).
Seit 1947/2001 erinnert im Sitzungssaal des Alten Rathauses sowie im
Eingangsbereich (Hauptstraße 13) eine Gedenktafel/Gedenkstätte an den Pogrom
im März 1933.
Seit November 2000 besteht ein jüdisches Museum
zur Erinnerung an die jüdische Geschichte der Stadt im Gebäude Badgasse 3.
Dieses 1880 errichtete Gebäude ersetzte ein altes Wohnhaus (frühere
Judenschule), das vom 17. bis zum 19. Jahrhundert von jüdischen Familien
bewohnt war.
Link: www.juedisches-museum-creglingen.de
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Lehrer Ludwig Stern tritt eine Stelle an der
Lehrerbildungsanstalt in Würzburg an (1864)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1864: "Aus
Württemberg. Dem inneren Berufe folgend, hat am Anfang dieses Monats ein
Mann das Schwabenland verlassen, dessen Verlust nicht nur die Gemeinden,
in deren Mitte er als Lehrer und Vorsänger gewirkt hat, sondern nahezu
das ganze Württemberg empfinden dürfte, für das er besonders in
jüngster Zeit in edelster Weise, ersprießlich und wacker gewirkt und
gekämpft hat. Ludwig Stern, bisher in Freudental angestellt, hat die
Lehrer- und Hausmeister-Stelle an der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg
angenommen, welche von den dortigen hochherzigen Rabbinen unter Protektion
der bayerischen Regierung ins Leben gerufen worden ist. Wie unser
Stammvater folgte auch er der inneren Himmelsstimme und zog weg aus seinem
Land und aus seiner Heimat wie aus dem Haus seines Vaters, verließ
Vaterland, Heimat, Verwandte und Freunde, um zu wirken für das Ideal, das
er auch bei uns zu erstreben bemüht gewesen, um vereint zu sein mit den
Verwandten des Geistes, die seinem Edelmute mehr gelten als irdische
Beziehungen. Rastlos wie seine pflichttreue Tätigkeit stieg auch er in
seiner äußeren Stellung von Stufe zu Stufe und bewährte sich an ihm
jeder göttliche Segen, der solchen Männern verheißen ist ‚und ich
will groß machen deinen Namen und er wird ein Segen sein’. Von der
kleinen Filialgemeinde Unterdeufstetten
aus, für die er ein Faktotum war, wie von Markelsheim
und Creglingen, wo die Gemeinden zu
jedem Opfer bereit waren, um ihn länger besitzen zu dürfen, wie durch
die größere Kehilla (Gemeinde) Freudental, wo sein hervorragendes
Wissen und Wirken, obschon neben einem Rabbinen, doch in der ehrenvollsten
Weise Anerkennung gefunden hat, verbreitete sich sein Name immer weiter in
den Gauen Württembergs. Sein rednerisches Talent und seine theologischen
und pädagogischen Kenntnissee fanden ihren besten Lobredner in seinen
Predigten, seinen Vorträgen und seinen schriftstellerischen und publizistischen Werken und Aufsätzen, welche auf der Kanzel vernommen
worden, oder durch die Presse in Büchern, Zeitschriften und Broschüren
an das Licht der Öffentlichkeit getreten sind. An der Spitze steht hierin
das von ihm erschienene ‚Deutsche Lesbuch für israelitische Schulen in
5 Abteilungen’ (Stuttgart 1862), das im Auslande fleißig gebraucht
wird, obgleich unsere israelitische Oberkirchenbehörde, deren meisten
Mitglieder nicht wohl die wahren Freunde eines solchen Strebens sein
können, es nicht offiziell in den württembergischen Schule eingeführt
hat. Mit einem wahren Eliasmute aber ist er als wackerer Kämpe in die
Schranken getreten, um eine Revision des israelitischen Kirchenwesens in
Württemberg zu erstreben, um die jetzt das ganze Land in allen seinen
Parteien einstimmig und sehnlich petitioniert. So hat sich sein Verdienst
über das Weichbild der Gemeinden hinaus durchs ganze Land nicht nur
ausgebreitet und unvergesslich gemacht, sondern auch – gestützt auf 1.
Samuel 12,23 – die Hoffnung erzeigt, dass die politische Grenze, die ihn
nun von uns trennt, keine Scheidewand zwischen uns sein werde in den
religiösen Bestrebungen, die wir bis jetzt gemeinschaftlich unternommen
haben, und bald zum segensreichen Ziele führen werden.
Möge er in Würzburg die Liebe und Achtung finden, die er unter uns
besitzt, seine Aufnahme dort so herzlich sein, wie sein Abschied von hier
und sein Wirken immer allgemeiner und segensreicher sich enthalten! Im
Namen der Freunde im Neckartale, im Taubergrunde und am Donaustrome. S.
Levy in Stuttgart." |
Neujahrsgrüße von Lehrer Moritz Oberndörfer (1898)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. September 1898: Allen
Freunden und Bekannten herzliche Gratulation zum
Jahreswechsel.
Moritz Oberndörfer und Familie,
Creglingen." |
25-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Preßburger
(1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 8. Dezember 1902: "Aus Württemberg, 3. Dezember
(1902). In Creglingen feierte Herr Lehrer Preßburger sein
25-jähriges Amtsjubiläum und durfte sich dabei vieler Beweise der
Anhänglichkeit und Wertschätzung der jüdischen wie christlichen
Einwohner erfreuen. Bei der festlichen Versammlung im Lammsaale wurden
seine Verdienste als Lehrer wie als Bürger in verschiedenen Reden
gewürdigt. Dem Jubilar wurde der Chowertitel
verliehen." |
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers (1928)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1928:
"Die Stelle eines unständigen Religionslehrers
für die Israelitische Gemeinde Creglingen soll wieder besetzt
werden. Die Stelle wird mit einem Bewerber besetzt, der die deutsche
Reichsangehörigkeit besitzt und die erste Volksschullehrerdienstprüfung
erstanden hat. Die Besoldung wird nach den Grundsätzen für staatliche
Lehrer berechnet und aus der Israelitischen Zentralkasse bezahlt. Wohnung
kann beschafft werden. Bewerber, die bereits sind, die Schechitah
auszuüben, wollen sich unter Darstellung ihres Lebenslaufs und Anschluss
ihrer Zeugnisse bis zum 21. Dezember 1928 melden beim
Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs Stuttgart,
Reinsburgstraße 19,2." |
Zum 75. Geburtstag von Oberlehrer a.D. Josef Preßburger
(1933)
Josef Preßburger (geb. 1858 in Rexingen,
gest. 1938 in Creglingen) war von 1877 bis 1924 jüdischer Lehrer und Vorbeter
in Creglingen, zeitweise Vorsitzender im Verein israelitischer Lehrer
Württembergs; spielte auch eine bedeutende Rolle im Verband der israelitischen
Lehrer Deutschlands. Von 1924 bis 1930 gehörte Preßburger als Vertreter der
Lehrer der Israelitischen Landesversammlung an. Preßburger trug wesentlich dazu
bei, dass sich in der kleinen Gemeinde Creglingen ein tiefreligiöser Geist bis
in die NS-Zeit erhielt.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1933: "Creglingen,
21. November (1933). Am 7. Dezember dieses Jahres begeht Herr Oberlehrer
a.D. Josef Preßburger, Creglingen (Württemberg) seinen 75. Geburtstag.
Herr Oberlehrer Preßburger kann auf eine lange arbeits- und segensreiche
Tätigkeit zurückblicken. Er wirkte als Elementar- und Religionslehrer
über 50 Jahre (von 1877 bis 1929) ununterbrochen in vorbildlicher Treue
und Anhänglichkeit an der hiesigen israelitischen Gemeinde. Ganze
Generationen blicken zu ihm in Dankbarkeit und Verehrung als ihrem Lehrer
und Erzieher auf. Fast sämtlichen württembergischen jüdischen
Wohlfahrtseinrichtungen stellte er während seiner hiesigen Wirksamkeit an
führender Stelle seine unermüdliche Arbeitskraft zur Verfügung. Mit
besonderer Liebe wandte sich seine Schaffenskraft der hiesigen Gemeinde
zu, war er doch jahrzehntelang Vorsitzender des israelitischen
Vorsteheramtes und in der Chewroh Kadischoh stets an erster Stelle und
beispielgebend tätig. Möge es dem allseits beliebten Jubilar vergönnt
sein, sich im Kreise seiner Familie noch vieler ungetrübter Jahre der
Frische und Gesundheit zu erfreuen. (Alles Gute) bis 120 Jahre." |
Zum Tod von Oberlehrer i.R. Josef Preßburger
(1938)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1938: "Creglingen
(Württemberg), 10. April (1938). Am 3. Nissan verschied hier nach kurzem
Krankenlager Oberlehrer i.R. Josef Preßburger, der mehr als fünf
Jahrzehnte hier als Volksschullehrer, Religionslehrer und Kantor wirkte
und auch seinen Ruhestand hier im Kreise der ihm lieb gewordenen Gemeinde
Creglingen verbrachte, die zu ihm als dem Erzieher von Generationen von
Schülern und stets hilfsbereiten Berat aufblickte. Als 19-jähriger, aus Rexingen
stammend, kam er im Jahre 1877 nach hier und entwickelte sich hier im
Laufe der Jahrzehnte zu einer jüdischen Persönlichkeit, deren Rat und
Stimme in allen Gremien der Gemeinde und der württembergischen Judenheit
geschätzt und geachtet wurde. So gehörte er lange Jahre dem
Israelitischen Vorsteheramt Creglingen, dem württembergischen und
allgemeinen israelitischen Lehrerverein als Vorstandsmitglied, und als
Mitglied der württembergischen israelitischen Landesversammlung an. Ein
vortrefflicher Jehudi, der seiner Gemeinde und dem württembergischen
Judentum ihr Gepräge gab, geht mit ihm dahin.
Die Bestattung fand am 5. Nissan auf dem altehrwürdigen Friedhof der
Israelitischen Gemeinde Creglingen statt. Es sprachen würdigende Worte
des Abschieds Lehrer H. Katzenstein, Creglingen, Herr Bezirksrabbiner Dr.
M. Kahn, Mergentheim, Herr Emil
Lißberger, Creglingen, im Namen des Israelitischen Vorsteheramtes,
Creglingen, Herr Anstaltsdirektor Theodor Rothschild, Esslingen,
im Namen des Israelitischen Lehrervereins und des Israelitischen Oberrats,
Stuttgart, sowie Herr Oberlehrer Adler, Cannstatt,
im Namen der württembergischen israelitischen Landesversammlung, und Herr
Karl Gutmann, Creglingen, im Namen der ehemaligen Schüler des
Verstorbenen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Gründung einer Ortsgruppe des "Central-Vereins" (1927)
Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 11. Februar 1927: "Am 29. Januar
wurde in Creglingen (Württemberg) eine neue Ortsgruppe des Centralvereins
gegründet. Ministerialrat Dr. Hirsch (Stuttgart) sprach in einer gut
besuchten Versammlung über 'Den Verstand des Judentums'. Sämtliche
anwesenden Familien meldeten sich als Mitglieder. Die allgemeine
Begeisterung war so groß, dass ein jugendlicher Zuhörer, der an diesem
Tage seine Barmizwoh feierte, dem Centralverein eine Spende von seinen
Geschenken machte." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Über die Geschichte der ursprünglich
christlich-sizilianischen, dann zum Judentum konvertierten Familie Blumenfeld in Creglingen
(1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. März 1928: "Die
Geschichte von zwei Städten. Mitgeteilt von Oberlehrer L. Preßburger
in Creglingen.
In dem bildschönen Taubertal lebten vor 70 Jahren 6 Familien namens
Blumenfeld in der kleinen Stadt Creglingen und zur Zeit, da dieses
geschrieben wird, sind eine Witwe mit einem unverheirateten Sohn die
Einzigen, die diesen Namen noch tragen.
An der Ecke der Hauptstraße und der Neuen Straße steht ein gut gebautes
Haus für zwei Familien, welches vor 120 Jahren von dem Großvater dieses
Schreibers, einem gewissen Raphael Blumenfeld, gebaut wurde, und dann
wurde es bewohnt von seinen beiden Söhnen Lazarus und Jacob Blumenfeld
und deren Familien. Mit Jakob Blumenfeld lebte der alte Großvater,
welcher schon viele Jahre ein Witwe war. Raphael war ein besonders
bemerkenswerter Mann, er war gut gebaut mit einem wohlwollenden Gesicht
und sehr feinen Zügen, streng orthodox in seinen religiösen
Anschauungen. In seinem Zimmer hatte er eine ziemlich große Bibliothek,
wo er viele Stunden mit Studieren verbrachte. An Sabbat und Feiertagen
nach dem Gottesdienst, als seine Freunde und Verwandten spazieren gingen,
um die Schönheiten der Natur zu bewundern, oder sich in anderer Weise
vergnügten, saß er immer in seinem Zimmer über große Buchbände
gebückt und las bis zur Dunkelheit: Auf diese Weise lebte er fast bis zu
seinem Ende, welches in seinem 87. Jahre kam, ohne dass er ein besonders
Leiden gehabt hatte. Eines Abends, im Jahre 1851, blieben drei seiner
Söhne die ganze Nacht bei ihm bis zum Morgen, als er starb. Er
hinterließ ein gutes Andenken.
Ein paar Tage nach der Beerdigung sagte Vetter Hermann Blumenfeld zu dem Schreiber
dieses: 'Lass uns einmal Großvaters Bibliothek durchsehen, welche er sein
ganzes Leben durch immer gut verschlossen hielt, aber jetzt ist der Schlüssel
im Schloss und niemand kümmert sich darum, was aus der Bibliothek wird;
denn wir sind |
nicht
so studienhaft angelegt.' Also untersuchten wir sie und nahmen ein Buch
nach dem andern aus den Regalen. In einem der schweren mit Leder
gebundenen Bände entdeckten wir ein flaches Paket, welches aus 10 Bogen
bestand, mit starkem Leinfaden zusammengenäht, mit sehr kleinen
Buchstaben beschrieben war, gut leserlich, obgleich ziemlich verblasst.
Wir erinnerten uns, dass der Verstorbene manchmal geheime Andeutungen gab
betreffs der Vorfahren der Blumenfelds, ohne irgend welche spezielle
Bemerkungen zu machen. Dieses alte Dokument, welches 1690 datiert war, hat
das Geheimnis geöffnet. Eine gedrängte Übersicht folgt hiermit:
Es lebte im 17. Jahrhundert zwischen 1620 und 1630 ein gewisser Ravaelo
Floricampo in Italien in der Provinz Sizilien an den Abhängen des Berges
Ätna, wo er große Weingärten besaß und viele Äcker, welche mit
Olivenbäumen bepflanzt waren. Sein Haus war ein großes solides
Steingebäude, nur einen Stock hoch wegen der in diesem Teil Italiens so
oft vorkommenden Erdbeben. Das größte Zimmer im Hause gebrauchte er für
eine Restauration. Hier kamen Gäste von nah und fern wegen seiner
vorzüglichen Weine sowie einer Portion Makkaroni, welche seine Frau
Bianka besonders gut zu bereiten verstand; während seine hübsche Tochter
Florina mithalf, die Gäste zu bedienen, und ihr Bruder, Ravaele junior,
half seinem Vater die Weinberge zu bebauen und die Weine im Keller zu behandeln.
Ravaelo Floricampo war erfolgreich und glücklich. Eines Tage kam unter
anderen Gästen ein vornehm aussehender junger Herr, um sich zu
erfrischen. Bianca war gerade daran, ihn zu bedienen, als ihre Tochter
Florina sagte: 'O Mutter, lass mich es für Dich tun.' Als ihm der
perlende Wein und die schmackhaften Makkaroni von dem lieblichen Mädchen
vorgesetzt wurden, machte deren Schönheit sofort einen tiefen Eindruck
auf ihn, und er fragte nach ihrem Namen, welchen sie ihm errötend angab.
'Mein Name', sagte er dann, ist Gustav Stürmer, von weit her in
Deutschland, geboren in Creglingen, einem Städtchen, wo meine verwitwete
Mutter und meine Schwester Agnes noch wohnen. Ich reise soeben in eurem
herrlichen Land, wo ich Kunstwerke, besonders Gemälde, studieren will;
denn ich selbst bin Maler. Darf ich wiederkommen, Sie zu sehen?' 'O,
nichts würde mir angenehmer sein', antwortete sie, und auf diese Weise
kam er oft hin und wurde als ein sehr intimer Freund der Familie
betrachtet. Aber dieser glückliche Zustand sollte nicht lange anhalten.
Eines Tages brach nach mehreren leichten Erderschütterungen, welche sie
nicht ängstigten, der Berg Ätna, nach vielen Jahren Ruhe, mit
schrecklicher Wucht aus, warf die feurige Asche auf viele Meilen aus,
bedeckte die ganze Umgegend mit einem knietiefen Mantel, zerstörte alles
Wachstum und nach einer weiteren schrecklichen Explosion floss glühende
Lava aus dem Krater die Berge hinunter und setzte Ravaelos Haus in Feuer
und zerstörte die Weingärten und Olivenbäume. Glücklicherweise sind
alle zur Zeit mit dem lebend davongekommen und es ist Vater Ravaelo
gelungen, seine Ersparnisse, welche aus einer großen Summe Goldmünzen
bestand, in Sicherheit zu bringen. Während all dieser Begebenheiten war
Stürmer eine große Hilfe für die Familie und unter eigener Lebensgefahr
trug er Florina, welche in Ohnmacht fiel, hinweg von dem Wege und der
rasch sich nähernden Lavaflut.
Nachdem sich alle von den Schrecknissen dieser Tage etwas erholt hatten,
reisten sie mit ihrem Freund Stürmer in die Stadt Messina in derselben
Provinz. In einem Gasthaus dort fanden sie zeitweilig Quartier und ein
Familienrat wurde gehalten, in welchem entschieden wurde, mit Stürmer
nach seinem Heimatort zu reisen, um Creglingen zur zukünftigen Heimat zu
machen. Also schifften sie sich auf dem großen, starken, dreimastigen
Segelschiff 'The Harlem', Kapitän van Horn, nach Amsterdam in Holland
ein, wo sie ankamen, nachdem sie eine Woche auf dem Ozean verbracht
hatten. Dann ging es den Rhein und teilweise den Main aufwärts durch die
schönsten Landschaften, vorüber an berühmten Städten, Schlossern und
Kirchen, und alle waren sehr zufrieden mit dem Lande, welches von nun an
ihre Heimat werden sollte, welches von nun an ihre Heimat werden sollte.
Freund Stürmer half ihnen, Unterkommen zu finden und stand ihnen in jeder
Weise zur Seite.
In jener Zeit führten die Brüder David und Salomon Amson eine bedeutende
Weingroßhandlung mit Kunden in den Niederlanden, Norddeutschland und Skandinavien
und suchten einen erfahrenen Leiter für ihre enorm großen Kellereien.
Auf die Empfehlung von Stürmer nahmen sie Ravaelo für diesen Posten und
Ravaelo junior als Gehilfskellermeister, in welcher Stellung sie sich die
vollste Zufriedenheit ihres Prinzipals erwarben.
Mit dem Geld, das Ravaelo von Italien mitbrachte, baute er sich ein sehr
gutes, solides Wohnhaus in dem Lendleinteil des Ortes, wo die Familie
wieder in Frieden und Glückseligkeit lebte, bis Biancas Gesundheit sehr
rasch abnahm, weil sie das Klima noch nicht gewöhnt war. Sie fühlte ihr
Ende nahen und äußerte den Wunsch, ihre Tochter Florina mit Stürmer
verheiratet zu sehen. Die Hochzeit wurde dann auch gehalten und sehr bald
darauf schloss die Mutter ihre Augen für immer.
Als der Vater für ein Begräbnis in dem christlichen Kirchhof nachsuchte,
wurde es ihm abgeschlagen, mit dem Vorwande, dass die Verblichene nicht
von demselben christlichen Glauben war, als die Leute hier zu Lande.
Jedoch das Direktorium des jüdischen Friedhofes bot ihm einen
Begräbnisplatz an und Bianca wurde dort zur Ruhe
bestattet. |
Der Witwer war sehr aufgebracht über die grausame Tat seiner christlichen
Brüder und dachte lange darüber nach, bis er beschloss zur jüdischen
Religion überzutreten, und er und seine Söhne traten der jüdischen
Gemeinde bei und seitdem blieben ihre Nachkommen bis zum heutigen Tag
diesem Glauben treu. Es war in allen Familien dieser Blumenfelds
gebräuchlich, einen der Söhne 'Raphael' zu nennen, in ehrendem Andenken
an den Gründer dieser Familie, aber Großvater Raphael, welcher im Anfang
dieser kleinen Geschichte genannt wurde, war der letzte, der diesen Namen
trug. Seitdem sind an ihre Stellen Namen getreten mit dem
Anfangsbuchstaben R, z.B. Rudolf, Raymond, Ralph, Robert
usw.
In der Neuzeit ist unser liebes kleines Heimatstädtchen 'Creglingen' von
den meisten der jüngeren Blumenfelds verlassen worden, um in
verschiedenen Teilen der Welt zu sein, wo sie überall gute Bürger wurden
und sich auszeichneten als Kaufleute, Journalisten, Erfinder
usw.
Stürmer, der Maler, war sehr erfolgreich und seine Gemälde fanden liberale
und reiche Abnehmer. Sein Ruhm verbreitete sich sehr schnell und er würde
an den Hof des Regierungen Herzogs Eberhard von Württemberg gerufen und
mit dem Titel 'Hofmaler' beehrt. Er zog deshalb mit seiner Familie nach
Ludwigsburg, wo die herzogliche Residenz war, und von dort aus besuchten
seine geliebte Florina und eine Anzahl kleiner Stürmer das alte liebe
Vaterstädtchen recht oft. Ein paar seiner Gemälde können immer noch in
der Stuttgarter Gemälde-Galerie gesehen
werden." |
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| Hinweis auf David Blumenfeld (geb.
1828 in Creglingen, gest. 1905 in Watertown, USA): Journalist und
Verleger, begründete und verlegte nach seiner Auswanderung 1850 den
"Watertown Weltburger", eine der bedeutendsten deutschsprachigen
Zeitungen Amerikas. Das Elternhaus von Blumenfeld stand Ecke Hauptstraße
/ Neue Straße. |
Zum Tod von Lazarus Oberndörfer, Onkel von Lehrer Oberndörfer in Archshofen
(1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1891: "Creglingen.
Einen tief schmerzlichen Verlust hat die hiesige jüdische Gemeinde durch
den Tod des Herrn Lazarus Oberndörfer erlitten. (Hebräisch und deutsch:)
'Gefallen ist die Krone unseres Hauptes', so ruft jammernd seine
Familie, so stimmt wehklagend seine Gemeinde mit ein. Von religiösen
Eltern abstammend, bewahrte der Dahingeschiedene die religiösen
Traditionen seines väterlichen Hauses im privaten und öffentlichen
Leben. Wenn auch nicht selbst ein Studierter, suchte er das
Torastudium durch pekuniäre Unterstützung entsprechender Anstalten etc.
zu fördern. Er war ein fleißiger Besucher des Gotteshauses, in welchem
er andächtig sein Gebet verrichtete. Ohne Lehrvortrag übte
er Wohltätigkeit. Arme und Kranke, Witwen und Waisen - sie alle
rühmten an ihm das warmfühlende Herz. 30 Jahre war er Mitglied des
Vorsteheramts, und was er in dieser Zeit geleistet, wird ewig
unvergesslich bleiben. Seinem rastlosen Eifer haben es die Gemeinden
Creglingen - Archshofen zu
verdanken, dass der gemeinsame Friedhof umzäunt wurde. 9.000 -
10.000 Mark waren hierzu nötig, welche größtenteils im Wege der
Sammlung vom Verstorbenen aufgebracht wurden. Viele Jahre war der
Dahingeschiedene auch ehrenamtlicher Vorbeter an den ehrfurchtgebietenden
Tagen, und Vorstand einer Chewra (Wohltätigkeitsverein). An
seinem Leichenbegängnisse beteiligten sich die sämtlichen Mitglieder der
hiesigen und viele aus auswärtigen Gemeinden, sowie eine große Anzahl
christlicher Mitbürger. Herr Lehrer Preßburger schilderte in
durchdachter, formvollendeter Rede den Verblichenen als Familienvater,
Bürger und Mensch, die Verdienste desselben entsprechend
würdigend.
Der Neffe des Verstorbenen, Herr Lehrer Oberdörfer in Archshofen,
sprach hiernach den Dank der Familie aus. Der Dahingeschiedene hat sich
durch sein gemeinnütziges Leben und Streben die Krone des besten Namens
erworben." |
Zum Tod von Jeanette Oberndörfer, Mutter von Lehrer Oberndörfer (1907)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1908: "Hardheim,
29. Dezember (1907). Am 12. Tebeth (= 17. Dezember 1907) ist nach langem,
schwerem, aber mit großer Ergebung getragenem Leiden Frau Jeanette
Oberndörfer in Creglingen zur ewigen Ruhe eingegangen. Die
Verschiedene gehörte zu jenen hehren Frauengestalten, jenen frommen
Frauen, deren Verdienste unsere Weisen als bestimmend für das Schicksal
unseres Volkes erkannt haben. Das fühlte ein jeder bei der Kunde von dem
Tod dieser Frau, dass durch ihren Verlust eine große Lücke in unsere
Reihen gerissen worden sei. Sie alle, die gekommen waren von nah und fern,
um ihr die letzte Ehre zu geben, nahmen teil an dem Schmerz der Kinder,
dem Herr Lehrer Oberndörfer, der Sohn der Verstorbenen, im
Trauerhause Worte lieh. Auf dem Friedhof gab Herr Lehrer
Preßburger ein treffend gezeichnetes Bild von dem musterhaften Leben,
das Jeanette Oberdörfer nun vollendet hatte. Er sprach von ihrer tiefen
Frömmigkeit, ihrer Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, schilderte ihr
Wirken im Hause, in dem sie 44 Jahre mit ihrem Gatten in glücklicher Ehe
gelebt und eine Pflanzstätte echt jüdischen Lebens geschaffen, legte
dar, wie sie in der Gemeinde ein glänzendes Beispiel gegeben und zur
Nacheiferung angeregt, wie sie die Armen und Bedrückten gestützt und
ihren Nächsten in Freud und Leid eine ratende und helfende Gefährtin
gewesen. Ihr Schwiegersohn, Herr Ludwig Kohn aus Nürnberg, ergriff
sodann das Wort zu einem ergreifenden Nachruf, in dem er dieses Charakterbild
von der Entschlafenen ergänzte und sie als die wackere Frau
rühmte, deren Lob ihr eigenes Wirken verkündet. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Bericht von Gertrud Katzenstein aus Creglingen über das Simchas-Tora-Fest
in der Kinderheilstätte Bad Kreuznach (1937)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1937: "Simchas-Tauroh
im Kinderheim in Bad Kreuznach.
Simchas Tauroh war ich im Jüdischen Kinderheim in Bad Kreuznach. Dort war
es sehr schön. Am Simchas Taurohabend haben wir zuerst gegessen, und dann
sind wir in die Synagoge zum Gottesdienst gegangen. Danach haben wir uns
umgezogen und sind dann in den großen Spielsaal gegangen. Dort bekam
jedes Kind ein Fähnchen, und dann zogen wir durchs ganze Heim. Dabei
sangen wir viele jüdische Lieder, natürlich auch von Simchas Tauroh. Als
der Umzug fertig war, gingen wir wieder in den großen Spielsaal. Dort
standen die Stühle im kreis herum, da setzten wir uns hin. Tante Else
suchte dann Tanzpaare heraus, und dann tanzten wir lustig herum. Wir
Größeren tanzten natürlich auch Horrah solange, bis wir nicht mehr
konnten. Nach dem Tanzen trugen einige Kinder Gedichte vor oder sangen
Lieder. Zur Belohnung dafür bekamen sie Süßigkeiten. Als das fertig
war, gingen die Kleinen hinaus auf den Flur. Dort waren Tischchen und
Stühlchen aufgestellt. Dort aßen sie Kuchen und tranken Tee. Dann gingen
sie ins Bett.
Währenddessen kam ein Pilot mit einem Flugzeug (er stand auf einer
Leiter) und einer Landkarte zu uns. Er sang uns vor, wo er schon überall
gewesen war, und nach jeder Strophe sangen wir alle den Refrain mit: ‚Wir
sind die lustigen Piloten’
usw. Das war sehr schön. Zum Schlusse bekamen wir auch Kuchen und Tee und
mussten dann ins Bett.
Am Simchas Taurohmorgen war es in der Synagoge sehr schön. Das
Herumziehen mit der Sefer Tauroh (Torarolle) war sehr spaßig. Die Mädels
durften auch mit herumziehen. Während des Umzuges wurden Nüsse, Bonbons
und Schokoladezigaretten verteilt. Alle Jungens, auch die, die noch nicht
Barmizwoh waren, wurden aufgerufen, immer zehn zusammen. Beim Mittagessen
war es sehr gemütlich. Bei jedem Kind lag ein Geschenk auf dem Teller,
bei mir ein schönes Buch. Das war der schönste Simchas Tauroh, den ich
bis jetzt erlebt habe. Das werde ich nicht so schnell vergessen. Gertrud
Katzenstein (12 Jahre), Creglingen (Württemberg)." |
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jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Verlobungs- und Hochzeitsanzeige von Bettina Grünfeld und Moritz
Lissberger (1927 / 1928)
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in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1927:
"Baruch
HaSchem (Gott sei gepriesen)
Bettina Grünfeld - Moritz Lissberger
Verlobte
Tauberrettersheim (Bayern) - Creglingen (Württemberg)
Schabbat Chanukka - 24. Dezember 1927." |
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in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1928: Gott
sei gepriesen.
Emil Lissberger und Frau - Lina Grünfeld geb. Fromm
beehrten sich die Vermählung ihrer Kinder Moritz und Bettina
anzuzeigen.
Tauberrettersheim (Bayern) -
Creglingen (Württemberg).
Trauung: Dienstag, den 28. August / 12. Elul 5688. Hotel Miltenberg, Bad
Mergentheim." |
Geburtsanzeige des Sohnes von Harry Katzenstein und Flora
geb. Hausdorff (1935)
Harry Katzenstein war der letzte Lehrer der jüdischen
Gemeinde.
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in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1935:
"Mit
Gottes Hilfe. Die glückliche Geburt eines Sohnes zeigen
an
Harry Katzenstein und Frau Flora geb. Hausdorff.
Creglingen (Württemberg). 17. Februar 1935. 14. Adar Rischon." |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
1618 konnte Jud Simson zu
Reinßbronn ein Haus in der Badgasse 3 erwerben. Möglicherweise hat er bereits
wenig später in diesem Haus auch einen Betsaal eingerichtet. Auf jeden Fall war
im 17. Jahrhundert ein solcher in Creglingen vorhanden. Noch während des
Dreißigjährigen Krieges wurden zwei junge jüdische Männer in der Creglinger
Synagoge ermordet. 1659 wird von einem
Streit zwischen dem jüdischen Schulmeister von Creglingen mit seinem Kollegen
von Aub (Landkreis Würzburg) berichtet: "Beide
Juden Schulmeister von Aub undt hier, haben ein groß geschrey uf der gaßen
gehabt und sich mitteinander gezanckt, sindt umb 10 Taler abgestrafft worden".
Das Gebäude in der Badgasse blieb mehrere Generationen in Familienbesitz. Von 1704 an gehörte es Simsons Urenkel Lazar Moses. Spätestens unter ihm wird sich ein Betsaal/Synagoge in diesem Haus befunden haben. 1709 wird davon berichtet, dass im Haus des Marx Levi (er war
"Mitvorsteher und Parnaß der Judenschaft" und wohnte seit 1707 im Haus Hauptstraße 29) eine neue Torarolle für die Creglinger Synagoge geschrieben wurde. Diese wurde
"in Begleitung sämtlicher Judenschaft von daraus in ihre Synagoge ohne weitere Sollenitäten still gebracht, sonsten auch nichts weiteres dabei sich
ereignet".
Zeitweise, möglicherweise auch vor der Einrichtung eines Betsaales in der Badgasse 3, könnte es einen solchen auch im Haus Lindleinstraße 30 gegeben haben. Auch dieses Haus (genannt
"das alte Judenhauß") war vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert (ausgenommen die Jahre 1716 bis 1766) in jüdischem Besitz. Als es 1766 von Eysig Jacob erworben wurde, fand er im Keller noch eine
"Juden-Tauch" (ein rituelles Bad) und auf den alten Fenstersimsen in der Stube eingeschnittene hebräische Buchstaben. So könnte auch hier ein Betsaal gewesen sein.
1731 gab es einen Gottesdienst mit einem ungewöhnlichem Zwischenfall. Nachdem sich die Gemeinde in der
"Schul" zum Gebet versammelt hatte, sollten wie üblich die Torarollen aus dem Schrank ausgehoben und an den Schulmeister weitergereicht werden. Mit dem Ausheben war Eyßig Lazar an der Reihe, der aber schlug dem Schulmeister Hirsch die Rolle ins Gesicht, sodass er blaue und gelbe Flecken am Kopf bekam. Lazar hatte mit Schulmeister Hirsch schon längere Zeit Streit und ihm auch
"das Schulklopfen" und das Sammeln für die Armen in seinem Haus verboten. Sein Verhalten in der Synagoge wurde mit einem Gulden Strafe belegt sowie der Auflage, das dem Schulmeister bisher verweigerte Geld zu bezahlen.
Bereits 1765 plante die jüdische Gemeinde den Bau einer Synagoge. In dem bislang in einem jüdischen Wohnhaus befindlichen Betsaal wurde keine dauerhafte Lösung gesehen. Die Gemeinde erwarb zum Bau der Synagoge ein
baufälliges Haus neben dem Faulturm, um hier eine "Schul" mit einer Wohnung für den Lehrer zu bauen. Der Bau verzögerte sich jedoch, wurde erst im
Mai 1799 begonnen und im Jahr 1800 eingeweiht. Baumeister war der Freudenbacher Maurer und Steinhauer Johann Leonhard Vorherr. Nach den Bauakten befand sich in dem Gebäude auch ein rituelles Bad. Der Betsaal lag im 1. Stock des Gebäudes (über dem Schulraum im Erdgeschoss); die Frauenempore lag im Bereich des 2. Stockes. Auch der baulich mit der Synagoge verbundene Faulturm war seit 1849 im Besitz der jüdischen Gemeinde. Die Turmwohnung vermietete die Gemeinde später auch an christliche Bürger, die Armenunterstützung bezogen. Auf Anfrage der Stadt stellte sie den Faulturm kostenfrei als Jugendherberge zur Verfügung. Dazu wurde der Turm 1932/33 umgebaut.
In den 1860er-Jahren wurde die Synagoge gründlich renoviert. Im Blick auf einige Veränderungen in der Inneneinrichtung versuchte die Gemeinde auf Grund ihrer sehr angespannten finanziellen Situation Geld zu sparen. Vorsänger Kahn und die drei Gemeindevorsteher richteten daher an den württembergischen König Karl die Bitte, der Creglinger Gemeinde zur Ausschmückung der Synagoge
"drei Kronleuchter zu einem Gnadenpreis" zu überlassen. Leider ohne Erfolg, da der Hofmarschall des Obersthofmeisteramtes am 22. August 1870 mitteilen musste, dass
"sich schon länger keine derartigen entbehrlichen oder abgängigen Kronleuchter bei der Königlichen
Schlossverwaltung" mehr finden würden. Nach der Synagogenreparatur und dem damals gleichzeitig notwendigen Erwerb einer Lehrerwohnung hatte die Gemeinde trotz Gewährung eines Staatsbeitrages eine Schuldenlast von 1450 Gulden. Wenig half dabei das außer den Immobilien im Gemeindebesitz befindliche Stück Wiese, das einen jährlichen Pachtertrag von vier Gulden abwarf.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude im Inneren demoliert, sämtliche Fenster wurden eingeschlagen.
1939 kam das Gebäude samt dem Faulturm in den Besitz der Stadt. Das Synagogengebäude wurde zusammen mit dem Faulturm als Jugendherberge genützt, bis es
um 1970 in Privatbesitz überging und danach Lagerzwecken diente. 1987 wurde das Gebäude restauriert; es wird seitdem als Restaurant genutzt. Eine Hinweistafel zur Erinnerung an die Geschichte des Hauses ist seit 1987 am Gebäude angebracht. Der Faulturm wurde im
Frühjahr 2002 restauriert.
Seit November 2000 besteht ein jüdisches Museum zur Erinnerung an die jüdische Geschichte in der Stadt im Gebäude Badgasse 3. Dieses 1880 errichtete Gebäude ersetzte ein altes Wohnhaus (zu dessen Geschichte s.o.).
Fotos
Historisches Foto
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg.
1932)

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| Die Creglinger Synagoge, angebaut an den
"Faulturm" |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos Dezember 1983 vor der Renovierung
(Fotos: Hahn) |
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1983 war das ehemalige
Synagogen-
gebäude in baufälligem
Zustand |
Eingangstüre, über der die Inschrift noch an
die
Benutzung als Jugendherberge erinnerte |
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Der Blick zum Dach zeigt den
schlechten Bauzustand |
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Fotos um 1990 nach der Renovierung des
Hauses
(Fotos: Hahn) |
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Nach der Renovierung präsentierte
sich das
Synagogengebäude
mit offenem Fachwerk |
Eingangstüre mit der Spur
einer Mesusa am Türpfosten |
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Fotos 2003
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.11.2003) |
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| Die ehemalige
Synagoge beim Faulturm - inzwischen ein Eiscafé |
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| Der Eingang der ehemaligen
Synagoge |
Die Mesusaritze - farblich
hervorgehoben |
Die 1987 angebrachte Gedenktafel |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Februar 2011:
Schülerinnen und Schüler der Creglinger
Realschule begeben sich auf Spurensuche |
Artikel in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Bad Mergentheim)
vom 8. Februar 2011 (Artikel):
"Creglingen. Creglinger Realschüler gedachten am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Ausschwitz der Opfer des Nationalsozialismus. Schüler der neunten und zehnten Klassen begaben sich auf Spurensuche.
Der 66. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz war in der Realschule Creglingen Anlass, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Es war nicht nur Geschichtsunterricht in anderer Form für die jeweils drei 9. und 10. Klassen, die sich in Creglingen auf Spurensuche machten - die Dokumentation der Entrechtung, des Ausschlusses aus der Gesellschaft, des Verlustes der Heimat, des Leidens und Sterbens jüdischer Mitbürger bewirkte bei den Schülern sichtliche Betroffenheit.
Die sechs Schülergruppen machten sich auf den Weg, an den Stationen erhielten sie die wichtigsten Informationen und Impulse durch die Geschichtslehrer. In der Schule gab Konrektor Siegfried Walz einen Abriss des langen Zusammenlebens der christlichen und jüdischen Gemeindemitglieder vom 16. Jahrhundert bis zum April 1939, als mit Emil Stern der letzte jüdische Mitbürger Creglingen verließ und Bürgermeister Liebert an die Kreisverwaltung meldete, dass Creglingen nun "judenfrei" sei. Das Zusammenleben in Creglingen war friedlich, jüdische Mitbürger waren sozial integriert, wie unter anderem Bilder vom Turnverein oder von Faschingsveranstaltungen belegen. Der jüdische Lehrer Josef Pressburger war bis zu seinem Tod 1938 insgesamt 60 Jahre eine zentrale Gestalt der jüdischen Gemeinde und gehörte zu den Honoratioren in Creglingen.
Die jüdische Gemeinde hatte Ende des 18. Jahrhunderts neben dem zur Stadtbefestigung gehörenden Faulturm auch das angrenzende baufällige Gebäude erworben und nach dessen Abriss eine Synagoge gebaut, die 1800 eingeweiht wurde und bis 1938 genutzt wurde. Was sich am heutigen "Bistro" noch von dieser Funktion als jüdisches Gotteshaus erkennen lässt, erfuhren die Schüler vor Ort von den sie begleitenden Lehrern.
Ab dem 25. März 1933 war für die Juden in Creglingen nichts mehr so wie vorher: Nur knapp zwei Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler wurden 16 jüdische Männer vom Gottesdienst aus der Synagoge förmlich herausgerissen, aufs Rathaus geschleppt und gefoltert.
Zwei von ihnen, Hermann Stern und Arnold Rosenfeld, starben an den Folgen dieser brutalen Misshandlungen, die anderen trugen bleibende physische und vor allem seelische Schäden davon. Über diese von Heilbronner SA mit Unterstützung durch einheimische Nazis vollzogene "Judenaktion" berichtete Jürgen Silberberger am Tatort im alten Rathaus, dessen ehemaliger Sitzungssaal seit 2005 Gedenkstätte ist. Der Raum selbst ist leer, der Besucher seinen eigenen Gedanken überlassen, wenn sich die Fenster im Wechsel immer wieder verdunkeln und erhellen.
Letzte Station für die Schüler war das jüdische Museum mit der Dauerausstellung, die den treffenden Titel "Wurzeln und Wege" trägt. Helmut Wörrlein informierte kurz über die Entstehungsgeschichte des Museums. Hauptthema war an diesem Tag aber die Dokumentation im zweiten Stock, die an Beispielen die Verfolgung und Entrechtung der Juden im Dritten Reich aufzeigt.
Es ist aber etwas anderes, ein Bild von einer Propagandaveranstaltung zu sehen, als im Geschichtsbuch etwas über die Nürnberger Gesetze zu lesen. Was mögen Menschen wie der gebürtige Creglinger Rudolf Sinsheimer damals gedacht haben, der ein Jahr zuvor, 1934, noch für seinen Einsatz als Soldat im Ersten Weltkrieg einen Orden bekommen hatte?
Rudolf Sinsheimer weigerte sich lange, seine Heimat zu verlassen, ehe er dann, mit einem dicken "J" und dem Zusatz "Israel" zu seinem Vornamen im Reisepass, auf den letzten Drücker auf Umwegen in die USA emigrierte.
23 Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Creglingen und Archshofen gelang es nicht, ihr Leben zu retten. hw." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Creglingen
Wuerttemberg. The first community was wiped out in the Rindfleisch massacres of
1298. The Jews again lived there in the 1530s but were expelled in 1560. In 1620
they were allowed to establish a permanent settlement, which grew to a
population of 130 in 1854 (around 10 % of the total) before declining through
emigration. In the Weimar Republik, Jews were influential economically and
active publicly. In 1933, 73 remained. In March 1933, 16 were dragged out of the
synagogue by the SA and severely beaten, two dying. By 1938, all Jewish stores
had closed down. The Jewish school opened in 1935 was closed after Kristallnacht
(9-10 November 1938). At least 52 Jews managed to leave Germany, most to the
United States. Of the 16 expelled from Creglingen, one survived.

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