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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg

Laupheim (Landkreis
Biberach)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Zur jüdischen Geschichte in Laupheim siehe
die Seiten der "Gesellschaft für Geschichte und Gedenken Laupheim
e.V."
www.ggg-laupheim.de
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
Die nachfolgende Darstellung wird noch überarbeitet -
bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts von Österreich
an die Herren von Welden verliehenen Laupheim bestand eine jüdische Gemeinde
bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Nachdem
1724 ein erster Schutzbrief ausgestellt worden waren, zogen 1730/32 mehrere
Familien in die Stadt.
Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich die jüdische
Gemeinde Laupheims zu der im 19. Jahrhundert im Gebiet Württembergs zeitweise
größten jüdischen Gemeinde. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um
1869 mit 843 Personen erreicht.
Bereits seit dem 18. Jahrhundert war Laupheim
Sitz eines Rabbiners (u.a. von ca. 1760 bis 1804 Rabbiner Meier Lämmle,
1804 bis 1924 Rabbiner David Levi); bei der Neueinteilung der württembergischen
Bezirksrabbinate 1832 wurde Laupheim zum Sitz eines der damals 13 württembergischen
Rabbinate. Rabbiner in Laupheim waren seit der Neueinteilung der
Bezirksrabbinate: 1825 bis 1835 Rabbiner Salomon Wassermann, 1835 bis 1852
Rabbiner Jakob Kaufmann, 1852 bis 1876 Rabbiner Abraham Wälder, 1877 bis 1892
Rabbiner Dr. Ludwig Kahn, 1892 bis 1894 Rabbiner Dr. Berthold Einstein, 1895 bis
1922 Rabbiner Dr. Leopold Treitel.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde u.a.: eine Synagoge (s.u.),
eine jüdische Volksschule / Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Die jüdische Volksschule wurde 1823 gegründet, wozu zunächst ein Schulraum im Gasthaus zum Rad gemietet wurde (Ecke
Radstr./Kapellenstr.; seit 1859 für einige Jahre in diesem Haus die Laupheimer Werkzeugfabrik von J. Steiner). 1829 sind in einem der Synagoge gegenüberliegenden Haus das Rabbinat und die Schule eingerichtet worden. Dieses Gebäude (Rabbinatsgebäude genannt) diente nach der Zerstörung der Synagoge als jüdisches Gemeindehaus mit Betsaal sowie bis 1942 als Zwangsaltersheim. Seit 1945 wird das Haus als Hotel
("Württemberger Hof", Synagogenweg 1) genutzt. 1868 wurde ein neues jüdisches Schulhaus in der
Radstraße 21 eingeweiht, das 1969 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Eine Erinnerungstafel für die
"Judenschule" befindet sich an der an ihrer Stelle erbauten Fernmeldevermittlungsstelle. Das
Türschloss der jüdischen Volksschule blieb erhalten. Das rituelle Bad lag an der Bronner Straße am Laubach (schräg gegenüber der Synagoge).
Im 19. Jahrhundert hatten die Juden Laupheims große wirtschaftliche
Bedeutung für die Stadt. Während sie zunächst im Vieh-, Pferde- und
Immobilienhandel sowie im Hausiergewerbe tätig waren, wurden seit Mitte des 19.
Jahrhunderts mehrere wichtige Industriebetriebe, angesehene Geschäfte und
Banken eröffnet.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Manfred
Bernheimer (geb. 26.1.1894 in Laupheim, gef. 24.7.1915), Max Louis Einstein
(geb. 13.7.1896 in Laupheim, gef. 23.8.1918), Gefreiter Fritz Kaufmann (geb.
19.5.1896 in Frankfurt am Main, gef. 3.7.1915), Leo Lewin (geb. 10.10.1882 in
Schwetz, gef. 9.10.1915), Leutnant Heinrich Steiner (geb. 14.4.1895 in
Laupheim, gef. 25.4.1918), Gefreiter Jakob Weiler (geb. 3.5.1896 in Laupheim,
gef. 17.11.1916). Außerdem ist gefallen: Unteroffizier Julius Regensteiner
(geb. 27.1.1897 in Laupheim, gef. 25.9.1915).
Bis 1933 (damals noch 235 jüdische Einwohner) waren Juden die wichtigsten Steuerzahler der Stadt. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt (Auswahl): Konditoreibetrieb und Kolonialwarengroßhandlung Isidor Adler, Inh. Jakob und Edmund Adler
(Kapellenstraße 44; Wohnhaus der Fam. Isidor Adler seit 1905: König-Wilhelm-Straße
21), Haarfabrik J. Bergmann & Co. (Radstraße 21; Villa der Fam. Bergmann seit 1911: Ulmer
Straße 88, heute Musikschule), Kaufhaus Daniel und Max Einstein
(Kapellenstraße 6), Tabakwaren Emil Einstein & Co., Inh. Artur Einstein und M. Pauson (Marktplatz 4), Seifensiederei E. Heilbronner (Judenberg 26), Knabenkleiderfabrik E. Heumann Nachf.
(Mittelstraße 11), Bankgeschäft O. Heumann und Schuhhaus S. Heumann (Marktplatz 15), Pferdehandlung Emil Kahn
(Kapellenstraße 64), Spezereihandlung L. Kirschbaum (Kapellenstraße 60), Metzgerei Samuel Laupheimer (Judenberg 13), Gasthaus
"Zum Ochsen", Inh. Beno Nördlinger (Kapellenstraße 21; jüdischer Gasthof 1814-1938; Treffpunkt von Künstlern und Literaten; 1982 bis 1984 restauriert und wiedereröffnet), Antiquitäten Adolf Rieser
(Kapellenstraße 23), Hotel "Zum Kronprinzen", Inh. Hermann Sternschein (seit 1842 koscherer Gasthof;
Kapellenstraße 70, heute noch als Gasthaus genutzt), Gerberei und Lederhandlung Leopold Steiner, Inh. Simon L. Steiner
(Kapellenstraße 8), Fa. Simon H. Steiner, Hopfen GmbH (Lagerhaus Ecke Schillerstraße
/Steinerstraße ; Verwaltung in der Kapellenstraße ), Schlossbrauerei Viktor Steiner, Inh. Muth Steiner (Kirchberg 11).
Zeit nach 1933 ist noch zu ergänzen.
Von den in Laupheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Clara
Adler geb. Friedberger (1894), Edmund Adler (1876), Eugen Adler (1860),
Friedrich Adler (1878), Helene Adler (1894), Jakob Adler (1875), Rosa Adler geb.
Neuburger (1861), Josef Bernheim (1861), Theodor Bernheim (1884), Else Bloch
geb. Einstein (1892), Therese Blättner geb. Einstein (1865), Betty Brumlik geb.
Obernauer (1893), Clara Brunner geb. Heilbronner (1874), Clothilde Böttigheimer
geb. Sänger (1864), Julie Cohn geb. Löwenthal (1875), Hedwig Einstein (1879),
Helene Einstein (1888), Irma Einstein (1888), Julius Einstein (1873), Julius
Einstein (1887), Leopold Einstein (1895), Minna Einstein (1872), Rosa Einstein
geb. Regensteiner (1861), Selma Einstein geb. Laupheimer (1878), Elise
Friedberger geb. Löwenthal (1876), Markus Friedberger (1863), Mina Friedberger
(1897), Therese Friedberger geb. Landauer (1864), Frieda (Lina) Goldfisch geb.
Heumann (1879 oder 1883), Jette Gottschalk-Sternberg geb. Rieser (1861), Arthur
Grab (1884), Louise Grab geb. Laupheimer (1882), Karl Guggenheimer (1882),
Leopold Guggenheimer (1882), Henriette Görtel geb. Löwenstein (1864), Martha Götz
(1886), Ludwig Haymann (1880), Berta Heilbronner (1877), Berthold Heilbronner
(1872), Jenny Henle geb. Weil (1894), Max Henle (1882), Flora Heumann (1891),
Friedrich Heumann (1892), Julius Heumann (1881), Siegfried Heimann (1894),
Karoline Isay (1891), Emil Kahn (1879), Julius Kahn (1921), Sara Kahn geb.
Wertheimer (1882), Rosa Kaufmann geb. Einstein (1898), Emma Kirchhausen geb. Nördlinger
(1876), Jette Kirschbaum (1861), Luise Kirschbaum geb. Löffler (1865), Saly
Kirschbaum (1859), Therese Kirschbaum (1862), Laura Kurz geb. Hirschfeld (1880),
Siegfried Kurz (1877), Adolf Laupheimer (1864), Adolf Laupheimer (1870), Emma
Laupheimer (1874), Frieda Laupheimer (1872), Regina Laupheimer (1868), Sigmund
Laupheimer (1880), Julius Levy (1877), Klothilde Levi geb. Rieser (1887), Särle
(Sara) Levi geb. Steiner (1872), Mathilde Lieser geb. Einstein (1873), Anna Lövinger
(1876), Bertha Lövinger (1898), Doris Löwenthal geb. Klein (1876), Julius Löwenthal
(1864), Lazarus Löwenthal (1865), Selma Löwenthal (1903), Emma Maas geb.
Steiner (1865), Emma Machol geb. Löwenthal (1877), Hedwig Märker geb. Weil
(1867), Hermine Maier geb. Rieser (1892), Ida Mann (1881), Simon Mayer (1868),
Hedwig Meinstein geb. Rieser (1890), Heinrich Meinstein (1882), Fanny Nathan
geb. Hermann (1858), Sara Nathan (1881), Helene Nathan geb. Einstein (1899),
Anna Neuburger geb. Einstein (1877), Richard Neumann (1885), Berta Neumayer geb.
Einstein (1885), Berta Neumetzger geb. Einstein (1901), Katie Nördlinger
(1866), Thekla Nördlinger geb. Leiter (1879), Jeanette Oppenheimer geb. Heumann
(1869), Irma Ostertag geb. Kirschbaum (1891), Recha Reutlinger geb. Friedberger
(1892), Helene (Lina) Richter geb. Laupheimer (1875), Amalie Rosenbaum geb.
Mendle (1885), Ida Rothschild geb. Weil (1869), Ida Rothschild geb. Adler
(1876), Bertha Schiller geb. Fischer (1867), Isidor Schmal (1871), Melanie
Schwarz geb. Kurz (1875), Rubin Schwarz (1865),
Sophie Sichel geb. Höchstetter (1872), Julie Simon geb. Weil (1869), Bella
Stein geb. Bernheim (1889), Sofie Steiner (1866), Benno Stern (1884), Ludwig
Stern (1874), Betty Wallach (1915), Karl Wallach (1883), Berta Weil geb.
Regensteiner (1862), Else Weil geb. Kahn (1882), Isidor Weil (1875), Ludwig Weil
(1866), Mina Weil geb. Lämmle (1899), Clara Weiler (1894), Jette Weiler geb. Löwenstein
(1864), Max Weiler (1866), Lina Wertheimer geb. Weil (1875), Maier Wertheimer
(1868), Selma Wertheimer (1902).
Unter den aus Laupheim stammenden wichtigsten
jüdischen Persönlichkeiten
sind zu nennen:
Kilian von Steiner (1833 Laupheim - 1903), um 1900 die erste Finanzkapazität Württembergs, u.a.
Mitbegründer der Württembergischen Vereinsbank, der BASF Ludwigshafen, hatte zuletzt das Ehrenpräsidium im Aufsichtsrat der Württembergischen Notenbank inne; Aufsichtsrat zahlr. Banken und Industrieunternehmen;
Mitbegründer der Schwäbischen Schillergesellschaft und des Schiller-Nationalmuseums. Sein Geburtshaus in Laupheim steht
Kapellenstraße 35; 1987 wurde für ihn im sog. Rosengarten vor dem Schloss Großlaupheim eine Bronzebüste aufgestellt. In Marbach am Neckar erinnert an ihn die
"Steinerstraße". Die Laupheimer "Steinerstraße" hat ihren Namen nach der Hopfenhandlung S.H. Steiner, die an der Straße lag.
Moritz Henle (1850 Laupheim - 1925 Hamburg), Kantor und Komponist, 1879-1913 erster Kantor an der Tempelgemeinde in Hamburg, Kompositionen auf dem Gebiet der Synagogen-Gesangsliteratur;
Mitbegr. des Allg. Deutschen Kantoren-Verbandes (Vorsitzender 1906-1919).
Carl Laemmle (1867 Laupheim - 1939 Beverly Hills), seit 1883 in den USA; eröffnete 1906 in Chicago sein erstes Kino, begründete 1912 Hollywood. An ihn erinnert der
"Carl-Laemmle-Weg", das Carl-Laemmle-Gymnasium und seit 1987 eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus
Radstraße 9. Laemmle war Ehrenbürger Laupheims seit 1919.
Friedrich Adler (1878 Laupheim - 1942 Auschwitz), Kunstgewerbler, seit 1927 Prof. an der staatl. Kunstgewerbeschule Hamburg; bedeutend auf dem Gebiet der Innenarchitektur, entwarf Kultgeräte, Grabdenkmale usw. An ihn erinnern die Friedrich-Adler-Straße, die Friedrich-Adler-Realschule sowie sein Geburtshaus mit Gedenktafel in der Kapellenstraße (Café Hermes mit Nebenzimmer und Erinnerungsstücken).
Dr. Hertha Einstein-Nathorff (1895 Laupheim - 1993 New York), in Berlin erfolgreiche Medizinerin und Leiterin des Rot-Kreuz-Krankenhauses; gehörte nach ihrer Emigration in die USA zu den markantesten Persönlichkeiten im Kreis der Emigranten aus Deutschland mit einer Vielzahl von Tätigkeiten. Ihr Geburtshaus in Laupheim war das Haus Marktplatz 4.
Siegfried Einstein (1919 Laupheim - 1983 Mannheim), Schriftsteller, Verfasser von zahlr. Gedichten und Novellen; erhielt 1964 den Tucholsky-Preis.
Gretel Bergmann (1914 Laupheim), hielt 1936 den damaligen deutschen Rekord im Hochsprung, wurde aber von der Olympiade ausgeschlossen. In Berlin-Wilmersdorf ist eine Sporthalle nach ihr benannt.
Max Bergmann, Fabrikant, viele Jahre im Gemeinderat und Bürgermeister-Stellvertreter, gab der
"Bergmann-Straße" ihren Namen.
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Das jüdische Wohngebiet entstand auf dem heute noch so genannten "Judenberg". Die acht ältesten Häuser standen, in drei Reihen geordnet, parallel zur Kapellenstraße, und hatten von vorn und hinten freien Zugang (keine Abschrankungen; noch heute auffallend). Seit 1828 konnten sich jüdische Bewohner auch außerhalb des Judenbergs niederlassen. Danach entstanden zahlreiche neue Häuser, vor allem in der Kapellenstraße (zeitweise auch
"Judengasse" genannt), in der Bronner Straße, der Radstraße und der Schillerstraße. Jüdische Industriefirmen entstanden vor allem in der Fabrikstraße und in der Steinerstraße.
Bis 1771 wurden die Gottesdienste in einem Betsaal im oberen Stock des Hauses Judenberg 30
abgehalten. 1771 wurde neben dem Friedhof eine erste Synagoge erbaut. Sie befand sich teilweise an der Stelle der späteren Leichenhalle (Judenberg 24). Das Aussehen des Gebäudes ist nicht bekannt. Nach zeitgenössischen Lageplänen scheint das Gebäude L-förmig, vielleicht mit Eingang zu einem Treppenhaus an der Nord-West-Seite ausgeführt gewesen sein. Diese erste Synagoge wurde nach 1822 abgebrochen. Nach einer alten Überlieferung zeigt eine kleine Erhebung in der heutigen Südwestecke des Friedhofes die Lage des Toraschreines der alten Synagoge an. Hier wurde in den 1990er-Jahren ein Gedenkstein für die erste Synagoge aufgestellt.
Eine zweite Synagoge wurde 1822 erbaut. Auf Grund statischer Mängel war dieser Bau bereits 15 Jahre später baufällig. Die Gemeinde war dadurch gezwungen, schon
1836/37 einen Neubau zu erstellen (auf heutigem Grundstück Ecke Bronner Straße/Synagogenweg). Die für die damals 600 bis 700 jüdischen Gemeindeglieder entsprechend große Synagoge kostete 8.696 Gulden. Zur Finanzierung half ein Staatsbeitrag von 800 Gulden. Nach einer Baubeschreibung von 1845 war "die Synagoge 85 Fuß (ca. 24,3 m) lang und 43 Fuß (ca. 12,7 m) breit; damit aber zu klein. Sie hat eine hübsche Außenseite und auch ihre innere Beschaffenheit entspricht ihrer Bestimmung". Nachdem bereits in der Beschreibung von 1845 die Synagoge als
"zu klein" bezeichnet wird, wundert es, dass erst 1877 eine Erweiterung vorgenommen wurde. Damals erhielt der Bau die beiden Ecktürme, große Rundbogenfenster und eine Renaissancefassade.
Die Einweihung war am 7. September 1877.
Einweihung der Synagoge (1877)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. September
1877: "In Laupheim (Württemberg) wurde am 7. dieses Monats die
neurestaurierte Synagoge durch den Festgottesdienst eingeweiht. Der
Umbau wurde großenteils ein Neubau, da zwei Treppentürme und
Kuppeldächer dem jetzigen Gebäude ein monumentales Aussehen
geben." |
Seit 1849 bestand der israelitische Gesangverein
"Frohsinn" mit Männer- und gemischtem Chor, der sich die Pflege des weltlichen wie Synagogengesanges zur Aufgabe machte und nach einem Artikel in der
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" von 1900 "viel zur Erhebung und Erbauung und würdigen Gestaltung des Gottesdienstes
beigetragen" hat. Anlässlich des 50jährigen Jubiläums wurde am 16. Dezember 1899 ein großes Fest veranstaltet. Ein Festzug mit Musik und Fahne zog zur festlich geschmückten Synagoge.
"woselbst die andächtige Gemeinde den erhebenden Worten des Herrn Rabbiner Dr. Treitel aufmerksam
lauschte".
Einzelpersonen und Vereine machten im Laufe der Zeit wertvolle Stiftungen für die
Ausstattung der Synagoge. So schenkte die Chewra Kadischa Laupheim (Krankenpflege- und Leichenbestattungsverein) 1824 eine neue Torarolle, später kunstvolle Vorhänge für den Toraschrein und finanzierte 1903 ein von Prof. Friedrich Adler entworfenes buntes Glasfenster mit Bleifassung. Auch andere Fenster der Synagoge erhielten 1904 Buntverglasungen.
Was in vielen anderen jüdischen Gemeinden ein ganz gewöhnlicher Brauch war, ist in Laupheim erst in den 1930er-Jahren aufgenommen worden. An den Hohen Feiertagen im Herbst 1935 fungierten seit langer Zeit wieder einmal Laien-Vorbeter in der Synagoge. Nachdem sie an einem von Hauptlehrer Silbermann geleiteten Vorbeterkurs teilgenommen hatten, übernahmen Arthur Grab, Benno Nördlinger und Jonas Weil entsprechende Teile der Gottesdienste.
Am 29. und 30. Mai 1937 konnte die Gemeinde das 100-jährige Bestehen der Synagoge im Rahmen einer musikalischen Feierstunde begehen. Dabei waren Darbietungen eines Kammerquartettes aus Stuttgart und des Laupheimer Synagogenchores unter Leitung von Lehrer Säbel zu hören. Am Schabbat hielt Rabbiner Dr. Julius Cohn aus Ulm die Festpredigt. Lehrer Säbel hielt einen Vortrag über die Geschichte der Synagoge. Der Gemeindevorsitzende Jonas Weil konnte unter den Gästen auch den Präsidenten des Oberrates der Israeliten in Württemberg, Dr. Siegfried Gumbel, und Dr. Otto Hirsch von der Israelitischen Gemeinde Ulm begrüßen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Leute in Brand gesteckt. Die jüdischen Männer mussten, von Parteiangehörigen eskortiert, zur Synagoge marschieren, sich dort die Schmährede eines SA-Führers anhören und anschließend vor dem brennenden Gotteshaus Kniebeugen und andere Sportübungen machen. Die Ruine der Synagoge wurde wenig später abgebrochen, das Gelände
1961 mit einem evangelisch-freikirchlichen Gotteshaus überbaut. Ein Gedenkstein erinnert seit
1958 an die Synagoge, dazu ist eine Hinweistafel in englischer und hebräischer Sprache angebracht.
1829 sind in einem der Synagoge gegenüberliegenden Haus das Rabbinat und die Schule eingerichtet worden. Dieses Gebäude (Rabbinatsgebäude genannt) diente nach der Zerstörung der Synagoge als jüdisches Gemeindehaus mit Betsaal sowie bis 1942 als Zwangsaltersheim. Seit 1945 wird das Haus als Hotel ("Württemberger Hof", Synagogenweg 1) genutzt
Adresse der Synagoge:
Synagogenweg / Bronner Straße
Fotos
Historische Fotos:
Fotos nach 1945/Gegenwart:
(Fotos: Hahn)
Fotos um 1985
(Fotos: Hahn) |
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Straßenschild
"Synagogenweg" |
Die auf dem Synagogengelände
erbaute Kirche |
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| Der Gedenkstein wurde bereits
1958 aufgestellt |
Hinweistafel in
englisch/hebräisch |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.9.2003) |
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Gedenkstein für die erste
Synagoge von 1771 an deren Standort
(inzwischen im Friedhofsbereich) |
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| Die auf dem Synagogengelände
der 1938 zerstörten Synagoge heute stehende Kirche |
Gedenkstein für
die Synagoge |
Hinweistafel in
englisch/hebräisch |
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Das Gebäude der früheren
Rabbinats
und der Schule, 1938 bis 1942 Notsynagoge
und jüdisches
Zwangsaltersheim |
Hinweistafel |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Dezember 2009:
Ein neuer Beirat für das "Museum zur
Geschichte von Christen und Juden" wurde gewählt |
Presseartikel
in der "Schwäbischen Zeitung" vom 23. Dezember 2009:
"Der Museumsbeirat wählt Prälatin Wulz zur Vorsitzenden.
Museumsbeirat (LAUPHEIM/sz). Der neu geschaffene Beirat des Museums zur Geschichte von Christen und Juden hat bei seiner ersten Arbeitssitzung Prälatin Gabriele Wulz von der evangelischen Landeskirche zu seiner Vorsitzenden gewählt. Ihr Stellvertreter ist Dr. Yitzak Heinrich Steiner, der als Vertreter der Nachfahren der ehemaligen jüdischen Gemeinde Laupheims dem Gremium angehört. Der Museumsbeirat setzt sich aus elf Mitgliedern zusammen, die den Kulturausschuss des Gemeinderats in Fragen der Museumsarbeit unterstützen sollen. Die Vorsitzende Wulz möchte möglichst zeitnah das Gespräch mit dem Kulturausschuss suchen, um die Handlungsfelder für die Arbeits des Beirats abzustecken. Unser Bild zeigt die Sitzungsteilnehmer in der Weldengalerie des Museums: von links Konrad Pflug (Landeszentrale für politische Bildung), Dr. Paula Lutum-Lenger (Haus der Geschichte), Dr. Veit Steinle (Wissenschaftsministerium), Dr. Bernd Holtwick (Landkreis Biberach), Elisabeth Lincke (Gesellschaft für Geschichte und Gedenken), Klaus Eckardt (kommissarischer Kulturamtsleiter, beratend), Dr. Yitzak Heinrich Steiner, Manfred Schmoldt (Freundeskreis des Museums), Gabriele Wulz, Dr. Michael Niemetz (Museumsleiter, beratend), Domkapitular Prälat Hubert Bour (Diözese Rottenburg-Stuttgart), Günther Wall (Stiftung zur Förderung des Museums), Landesrabbiner Netanel Wurmser (Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg). Foto: privat." |
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| August 2009:
Zum Film "Berlin 36" über Gretel
Bergmann (im Kino ab 10. September 2009) |
Artikel
von Nada Weigelt in der "Esslinger Zeitung" vom 20. August 2009
(Artikel):
"Ich wollte es ihnen zeigen"
Erst von den Nazis als Alibi-Jüdin missbraucht, dann bei den Olympischen Spielen gesperrt: Neuer Film erinnert an Gretel Bergmann
New York/Berlin - Olympische Spiele Berlin, 1936. Die Jüdin Gretel Bergmann, damals beste deutsche Hochspringerin, hat einen Alptraum, immer und immer wieder.
"Was tue ich, wenn ich gewinne? Ich kann nicht aufs Podium und die Hand zum Hitler-Gruß heben. Unmöglich." Nächtelang quält sie sich mit dem Gedanken, sie kommt zu keinem Schluss. Doch die Nazis nehmen ihr die Entscheidung auf eine perfide Weise ab: Sie schließen die Medaillenfavoritin in letzter Minute von den Spielen aus.
Der Film "Berlin 36", der heute in Berlin Premiere hat und am 10. September in die Kinos kommt, schildert das lange vergessene Schicksal der jüdischen Hochleistungssportlerin, die heute in New York lebt und aus Laupheim bei Ulm stammt. 95 Jahre alt ist sie inzwischen, schlank und fit, mit einem schönen, altersweisen Gesicht. Wenn sie erzählt, bekommen die Augen trotz aller Dunkelheit in ihrem Leben tausend winzige Lachfältchen.
Im Club nicht mehr erwünscht. 1914 als Tochter eines wohlhabenden jüdischen Unternehmers geboren, entdeckt sie früh ihre Leidenschaft für den Sport. Doch schon kurz nach Hitlers Machtergreifung 1933 fangen die Schikanen an. Ihr langjähriger Trainer teilt ihr kurz und bündig mit, sie sei im Club nicht mehr erwünscht.
"Es war schrecklich. Die Juden wurden behandelt wie Aussätzige, wie Dreck. Unsere besten Freunde sind auf der Straße an uns vorbeigegangen und haben so getan, als hätten sie uns noch nie
gesehen." Ein halbes Jahr später geht sie nach England. Sie sucht eine Schule, auf der sie ihre Ausbildung abschließen kann. Mit Erfolg beginnt sie eine neue Sportkarriere. Doch dann beordern die Nazis sie unerwartet zurück: Die USA haben gedroht, die Olympischen Spiele wegen der Judenhetze in Deutschland zu boykottieren. Jetzt sucht die NS-Propagandamaschinerie nach einer Alibi-Jüdin.
"Ich war eine Fata Morgana. Sie haben mich nur als Lockvogel für die Amerikaner
benutzt", sagt Bergmann. "Ich wusste es eigentlich von Anfang an, dass sie mich nicht starten lassen. Aber ich wollte es ihnen zeigen. Ich wollte ihnen zeigen, dass eine Jüdin genauso gut sein kann wie jeder andere - und manchmal vielleicht
besser." Sie muss in die "Kernmannschaft", um das Täuschungsmanöver mitzuspielen. Angestachelt von ihrer Wut trainiert sie wie eine Wilde und stellt schließlich auf der
"Adolf-Hitler-Kampfbahn" in Stuttgart den damaligen deutschen Rekord von 1,60 Meter ein.
Doch dann kommt der Schock: Kaum hat die amerikanische Olympia-Mannschaft in New York das Schiff nach Deutschland bestiegen, bekommt Gretel Bergmann einen Brief. Ihre Leistungen seien nicht ausreichend, um sie zum Start zuzulassen, befindet der Reichssportführer. Stattdessen wird ihr die Karte für einen Stehplatz angeboten. Deutschland tritt bei den Spielen mit zwei statt mit drei Hochspringerinnen an. Die Goldmedaille geht für Bergmanns Marke von 1,60 Meter an eine Ungarin, Bronze erhält die
"arische" Leichtathletin Elfriede Kaun. Den Teamkollegen von Bergmann wird erzählt, sie könne wegen einer Verletzung nicht antreten. Kurz darauf verlässt Gretel Bergmann Deutschland und geht nach New York. Als sie am 1. September 1939 im Radio vom Kriegsbeginn in Europa hört, gibt sie den Leistungssport für immer auf.
Ohne Hass leben. Zwei Dinge hat sich die junge Emigrantin bei ihrer Flucht geschworen: nie mehr deutschen Boden zu betreten und nie mehr ein Wort Deutsch zu sprechen. Ihre Familie kann sie später in die USA nachholen, aber 30 Verwandte ihres Mannes werden in der Vernichtungsmaschinerie der Nazis umgebracht. Trotz allem: 1999 bricht Gretel Bergmann ihren Schwur und kehrt erstmals in die schwierige Heimat zurück.
"Ich habe verstanden, dass die jungen Leute heute nichts für das können, was damals passiert ist. Warum soll ich sie hassen? Das ist unfair. Mit Hass zu leben, ist nicht
gut." In diesem Sinn versteht sie auch den Film, der ihre Geschichte erzählt.
"Er ist wunderschön gemacht, auch wenn sie das wahre Leben ein bisschen aufgepeppt
haben", meint sie. "Ich habe ihnen gesagt: Wer will schon eineinhalb Stunden lang Hochspringen
sehen?" Mit Regisseur Kaspar Heidelbach und seinem Team hatte Bergmann von Anfang an einen guten Kontakt, die 25-jährige Hauptdarstellerin Karoline Herfurth nennt sie inzwischen ihre Zwillingsschwester. Und weil sie mit ihrem 98-jährigen Mann, mit dem sie vergangenes Jahr 70. Hochzeitstag feierte, nicht zur Premiere nach Berlin fahren kann, ist das Team kurzerhand zu einer privaten Vorführung nach New York gekommen. Nur Freunde und Bekannte durften in das eigens gemietete Kino.
"Mir gefällt der Film", sagt Gretel Bergmann. "Ich hoffe, dass er zeigt, dass so etwas nie, nie mehr passieren
darf." |
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| Filmvorstellung in der "Jüdischen
Allgemeinen" vom 20. August 2009: Artikel "Olympisches
Feigenblatt" - siehe
pdf-Datei |
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| Zur
Website des Filmes www.berlin36.x-verleih.de/ (direkter
Link) |
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| September 2009:
Gelungene Film-Premiere vor dem Laupheimer
Publikum |
Artikel in der "Schwäbischen
Zeitung" vom 11. September 2009 (Artikel):
"Sehenswert": Laupheimer sind begeistert von "Berlin "36".
(LAUPHEIM/ka/kf) "Berlin "36" erzählt die Geschichte der Laupheimer Hochspringerin Gretel Bergmann. Wie kommt der Film an beim Publikum und Bergmann-Kennern? Die SZ hat sich umgehört.
Ernest L. Bergman kennt Margret Lambert/Gretel Bergmann sehr gut. "Unsere Großväter waren Brüder", sagt er. Der 87-Jährige, der zurzeit seinen Schulfreund Sixt Brecht in Laup-heim besucht, hält in den USA bis heute den Kontakt zu seiner Großcousine. "Es ist ein guter Film", findet er, obwohl einiges nicht den Tatsachen entspricht. "Das bringt viele, viele Sachen zurück ins Gedächtnis." Als 14-Jähriger konnte Ernest Bergmann 1936 vor den Nationalsozialisten nach Sankt Gallen fliehen, bis heute hat er sich ein Schwäbisch mit Schweizer Akzent bewahrt.
Jürgen Littwin, zweifacher Weltmeister in der Altersklasse und Freund von Gretel Bergmann, findet-"Berlin '36" gelungen. "Der Film spiegelt vortrefflich wider, wie schwierig es war, unter widrigen Bedingungen eine Leistung abzuliefern, die Weltklasse war." Ein Wettkampftyp sei Gretel Bergmann bis heute, weiß
Littwin. Was sich die 95-Jährige in den Kopf gesetzt habe, schaffe sie auch. Beispiel gefällig? Sie muss dringend in den Flughafen, die Parkplätze sind belegt, nur derjenige für Menschen mit Behinderung ist frei, Margret Lambert parkt und humpelt auffällig - bis sie den Wachmann passiert hat.
Karl Neidlinger von der Gesellschaft für Geschichte und Gedenken hat für ein Buch die Bergmann-Dynastie erforscht: "Sehenswert" lautet sein Urteil zum Film "Berlin 36". Dramaturgische Zugeständnisse müsse man akzeptieren, schließlich werde dadurch eine Kernbotschaft vermittelt. Seine Kritik: "Ein bisschen mehr Laupheim hätten sie schon reinbringen können."
Das Publikum zeigt sich gleichermaßen begeistert. "Sehr gut, der Film hat mir super gefallen", sagt Silke
Bollinger. Die 31-Jährige aus Schwendi findet vor allem die Verbindung zu
Laupheim spannend. "Außerdem kann man einfach gut nachvollziehen, um was für eine Chance die Gretel Bergmann damals gebracht worden ist", so Silke Bollinger weiter.
Auch Thomas Seidler findet "Berlin "36" interessant. Vor allem weil darin eine einzelne Geschichte erzählt werde und es mal nicht nur ganz allgemein um Propaganda gehe. Als
Laupheimer habe er die Geschichte Gretel Bergmanns zwar grob gekannt. "Aber erst jetzt weiß ich so wirklich, warum diese Frau hier so berühmt ist", betont der 41-Jährige.
Heinz Einwiller ist Lehrer am Gymnasium in Ochsenhausen. Er will versuchen, eine Schulvorstellung zu organisieren. Den Film fand er "sehr gut". "Das ist einfach ein Aspekt der Geschichte, den man so noch nicht kennt", sagt Heinz
Einwiller. Trotzdem sei es natürlich wichtig, dass man auch die anderen Themen wie Konzentrationslager oder Reichspogromnacht nicht vernachlässige.
"Der Film kann beim jungen Publikum die Geschichte zwischen Juden und Deutschen wieder mehr ins Bewusstsein bringen. Das finde ich gut und wichtig", sagt Severine Arb. Die 27-Jährige aus Mietingen fand vor allem die Sequenz mit Margret Lambert heute in New York am Schluss des Films bewegend. "Da kamen mir fast die Tränen", verrät sie gerührt.
Bewegt zeigte sich auch die ältere Generation. "Meine Mutter hat die Bergmanns persönlich gekannt. Als
Laupheimerin ist so ein Film natürlich ein Muss", erzählt die 74-jährige Annemarie
Masch, die zusammen mit ihrer Tochter bei der Preview war. "Ich habe Gretel Bergmann persönlich gesehen, als sie vor einigen Jahren hier war und ihr Buch vorgestellt hat", sagt die 44-jährige Susanne Masch und fügt hinzu: "Die Frau beeindruckt mich." Es sei schön, dass Gretel Bergmann über ihren Schatten gesprungen und doch wieder nach Laupheim gekommen sei, obwohl sie zuvor gesagt habe, dass sie Deutschland nie wieder betrete.
"Ich fand den Film interessant, weil Dinge zu Tage kamen, die mir vorher so nicht bewusst waren", sagt Peter Bailer aus
Laupheim. Die Geschichte mit dem männlichen Konkurrenten habe er beispielsweise nicht gekannt. Dass dabei nicht alles immer den Tatsachen in Gretel Bergmanns Leben entspricht, stört den 60-Jährigen nicht. "Ich werde den Film auf jeden Fall weiterempfehlen."
(Erschienen: 11.09.2009) |
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| Aktuell:
16. Oktober 2010 - 9. Januar 2011: Sonderausstellung
"André Citroën" im "Museum zur Geschichte von Christen
und Juden" |
Pressemitteilung des
"Museums zur Geschichte von Christen und Juden" in Laupheim vom
6. Oktober 2010:
Können Autos lebendig werden? André Citroën, Gründer der Firma Citroën, hat das erreicht: durch
'die Ente' oder 'die Göttin', technisch 2CV und DS. So wurde aus seinem Nachnamen eine Marke, ja ein Mythos der Moderne.
Die bunte Ausstellung erzählt, wie Citroën ab 1919 den 'Typ A' als erster Europäer am Fließband produziert, als Erster serienmäßig mit Frontantrieb baut und die Autofirma zur innovativsten Marke des 20. Jahrhunderts macht. Hatten seine jüdischen Vorfahren noch von Amsterdam aus mit Limonen – daher sein Nachname – gehandelt, so entschied er sich früh für die technische Laufbahn. Von Beginn an wollte er erschwingliche und praktische Autos produzieren – etwa mit dünnerem aber gleichwohl stabilem Wellblech oder mit dem Ergebnis, dass es von jedem Modell auch eine Nutzfahrzeug-Variante gab.
Citroën war in vielerlei Hinsicht ein Genie. Früh erkannte er den Wert der Werbung und Markenbildung und machte aus dem Doppelwinkel des Zahnrades das Citroën-Logo. Zugleich führt er das 13. Monatsgehalt ein und stellt seinen Mitarbeitern Kinderkrippen zur Verfügung. Doch auch nach seinem Tod 1935 bleibt Citroën die Verkörperung der Avantgarde: Es folgen
'die Ente' als der französische Volkswagen und 1955 'la Déesse', die wohl größte Sensation der kreativen Automobilgeschichte. Bis heute beschwört Citroën die Pneumatik und verlässt immer wieder die Bodenhaftung des Konventionellen.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Rendsburg (Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss
Gottorf) und dem Conservatoire Citroën (Paris). Die ehemalig Rendsburger Museumsdirektorin Dr. Frauke Dettmer hatte die faszinierende Biografie des Firmengründers André Citroën entdeckt, der 1878 als fünftes Kind eines aus den Niederlanden stammenden jüdischen Ehepaars in Paris geboren wurde. Der Vater ist ein hochgeachteter Diamantenhändler. André geht aber auf eigene Faust an die École Polytechnique und trifft dort schon seinen späteren Konkurrenten Louis Renault.
Die Firma Citroën beginnt schon um die Jahrhundertwende mit der Produktion von Winkelzahnrädern, deren Patent André Citroën erworben hatte. Daraus wurde dann das bis heute bekannte Firmenlogo. Während des 1. Weltkrieges produziert Citroën noch Granaten für die französische Armee, doch 1919 beginnt seine spezielle Automobilgeschichte, nachdem er schon 1908 in die französische Autofirma
'Mors' eingestiegen war. Es entstehen vom Fließband der 'Typ A', der erste Frontantrieb
'Traction Avant', aber auch Kettenfahrzeuge, PKW mit Dieselmotoren und das erste europäische Ganzstahlmodell. Citroën ist ein wahrer Technikfreak, immer am Experimentieren und immer für die Sache unterwegs: Früh fängt er auch mit umfangreichen Marketingmaßnahmen an, etwa durch Citroën-Spielzeugautos, den Einsatz des Eiffelturms als Werbemittel und mit Filialen in ganz Europa.
Die Wirtschaftskrise machte auch vor Citroën nicht halt: Hatten sie noch 1929 die höchsten Produktionszahlen in Frankreich gehabt, so musste Citroën doch 1934 Konkurs anmelden und an Michelin verkauft werden. Am 3. Juli 1935 stirbt André Citroën an Magenkrebs.
Die Ausstellung erzählt nicht nur diese legendäre Automobilgeschichte, sondern erhellt auch den Familienweg der Citroëns vom 16. Jahrhundert bis in unsere Tage. Dabei erfährt man auch, dass die Ahnenreihe mütterlicherseits bis auf Rabbi Löw zurückgeht, der 1580 den Prager Golem erschaffen haben soll. Die Frau und die drei Kinder André Citroëns entkamen den Nationalsozialisten nach Großbritannien und schreiben die Geschichte dieser Familie bis heute fort.
Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen!
André Citroën - Ausstellung 16.10.2010 bis 09.01.2011 - Sa., So., Feiertag 13-17 Uhr
Museum zur Geschichte von Christen und Juden
Claus-Graf-Stauffenberg-Str. 15 - 88471 Laupheim
- 07392-968000 www.museum-laupheim.de."
Flyer
zur Ausstellung (pdf-Datei) |
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| Einige Abbildungen zur
Ausstellung: |
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Citroën - Zahnrad
von 1905; erst ab 1919 wurden Autos gebaut |
Werbeplakat für
den B 14 von 1926 |
"Himmelswerbung"
von Citroën um 1922 |
Andre Citroën
um 1929 |
Die Urversion
des 2CV von 1948 |
Vorstellung der DS 19 im
Herbst 1955 |
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| Ende
Oktober 2010: Zum Tod von Ernst Schäll siehe Berichte
auf der Seite zum jüdischen Friedhof in Laupheim |
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| Januar
2012: CD mit traditioneller
Synagogenmusik aus Laupheim erschienen |
Artikel in der
"Schwäbischen Zeitung" vom 23. Januar 2012: "Was in der
Synagoge erklang. Haus der Geschichte gibt CD mit traditionellen
Liedern aus Laupheim heraus...."
Link
zum Artikel |
Pressemitteilung vom 21. Januar
2012 (übernommen aus der "Augsburger Allgemeinen" vom 22.
Januar 2012, Artikel):
"Synagogengesänge - Jüdisches Liedgut - CD erinnert an Laupheim
Stuttgart/Laupheim/Ulm Eine CD mit traditionellen jüdischen Synagogengesängen aus Laupheim gibt das Haus der Geschichte Baden-Württemberg heraus. Sie umfasst 27 Gesänge, die in der dortigen jüdischen Gemeinde gepflegt wurden, bis die Nationalsozialisten diese im Jahr 1942 endgültig auslöschten.
Die Lieder wurden ursprünglich im Jahr 1922 in Berlin aufgenommen. Die Initiative für das aktuelle Projekt ging vom Laupheimer Lokalhistoriker und langjährigen Gemeinderat Rolf Emmerich aus sowie von Yitzhak Heinrich Steiner, der in Israel lebt. Er ist der Enkel von Simon Leopold Steiner. Dieser spielte bei der damaligen Aufnahme das Harmonium. Der Sänger war Kantor Emil Elias
Dworzan.
Thomas Schnabel, Leiter des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, ist stolz darauf, dass das Haus der Geschichte daran mitwirkt, verlorene Schätze jüdisch-deutschen Kulturgutes wieder zu heben:
'Die technisch leicht überarbeiteten Synagogengesänge sind ein beeindruckendes Zeugnis jüdischen Lebens in Laupheim und bieten einen ganz eigenen, akustischen Zugang zu dieser
Zeit.'
Dass 1922 zwei Musiker aus Laupheim nach Berlin reisten, um mithilfe eines Edison-Phonographs die Gesänge auf Wachsmatrizen aufzunehmen, ist einem berühmten Laupheimer Sohn zu verdanken: Carl Laemmle, der 1884 in die USA ausgewanderte Gründer der Universal Filmgesellschaft, Los Angeles, unterstützte seine Heimatgemeinde, wo er nur konnte.
(az)
Synagogengesänge Die CD kostet 19,90 Euro. Bestellungen unter (0711) 212-3986." |
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| Januar
2012: Rolf Emmerich wurde mit dem
"German Jewish History Award" ausgezeichnet |
Artikel von Sabine Lennartz in der "Schwäbischen Zeitung" vom
25. Januar 2012: "Preis krönt Rolf Emmerichs Lebenswerk.
Laupheimer Lokalhistoriker wird als Pionier der deutsch-jüdischen
Versöhnung ausgezeichnet..."
Link
zum Artikel.
Link zum Text
der Ehrung von Rolf Emmerich auf der Website des "German Jewish
History Awards" |
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| April
2012: In Ludwigsburg wurden vier
Stolpersteine für NS-Opfer aus Laupheim verlegt |
Artikel in der
"Schwäbischen Zeitung" vom 26. April 2012: "Die
Geschwister Laupheimer bleiben unvergessen. In Ludwigsburg erinnern
jetzt vier Stolpersteine von Gunter Demnig an NS-Opfer aus
Laupheim..."
Link
zum Artikel. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur (Auswahl):
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 116-120. |
 | Georg Schenk: Die Juden in Laupheim, in: Laupheim. 1979. S.286-302. |
 | Rolf Emmerich: Philo und die Synagoge - Dr. Leopold Treitel, der letzte
Rabbiner von Laupheim. In: Schwäbische Heimat 49. 1998. |
 | ders.: Beth Ha-Sefer, "das Haus des Buches" - Die jüdische
Schule in Laupheim. In: Schwäbische Heimat 51. 2000. Auch im
Internet: hier
anklicken |
 | ders.: Musica sacra in Synagoge und Kirche. 150 Jahre Moritz Henle. Im
Internet: hier
anklicken |
 | ders.: Moritz Henle und Laupheim. Im Internet: hier
anklicken |
 | Ernst Schäll: Gedenktafel für die Opfer der Judenverfolgung in
Laupheim. In: Schwäbische Heimat (1985) S. 78-79. |
 | ders.: Friedrich Adler. Ein Künstler aus Laupheim. In: Schwäbische
Heimat (1981) S. 46-61. |
 | ders.: Carl Laemmle – Ein Lebensweg von Laupheim nach Hollywood. In: BC
– Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach. 1992. |
 | ders.: Prof. Friedrich Adler. In: BC – Heimatkundliche Blätter für den
Kreis Biberach. 2. 1994. |
 | John H. Bergmann/Ernst Schäll, Der gute Ort. Die Geschichte
des Laupheimer jüdischen Friedhofs im Wandel der Zeit. In: Ulmer Forum (1983/84)
S. 37-47. |
 | Nathanja Hüttenmeister: Der jüdische Friedhof Laupheim. Eine
Dokumentation. Hg. von der Stadt Laupheim und dem Verkehrs- und
Verschönerungsverein Laupheim e.V. Laupheim 1998. |
 | Udo Bayer:
"I
am doing what my heart dictates me..." Carl Laemmles Bürgschaftserklärungen
für jüdische Flüchtlinge. In: BC – Heimatgeschichtliche Blätter für den
Kreis Biberach. 1/1996. Auch im Internet: hier
anklicken |
 | ders.: Carl Lämmle und unser Gymnasium. In: Von der Lateinschule zum
Carl-Lämmle-Gymnasium. 1994. |
 | ders.: Lämmle und Deutschland. In: BC - Heimatkundliche Blätter für den
Kreis Biberach 2/1997 (auch im Internet: hier
anklicken) |
 | ders.: Carl Lämmle - von Laupheim nach Hollywood. In: Schloss
Großlaupheim. Materialien zur Landeskunde und Landesgeschichte 16.
Oberschulamt Tübingen. Auch im Internet: hier
anklicken |
 | W. Eckert: Zur Geschichte der Juden in Laupheim. In: BC –
Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach. 2. 1988. |
 | Siegfried Kullen: Spurensuche. Jüdische Gemeinden im nördlichen
Oberschwaben. Blaubeurer Geographische Hefte 5. 1995². |
 | Günther Wirth: Verbotene Kunst 1933-1945. Verfolgte Künstler im
deutschen Südwesten. Stuttgart 1987. |
 | Benigna Schönhagen: Kilian von Steiner und Laupheim. 1998 (Reihe:
Spuren, Heft 42). |
 | dies./Myrah Adams: Jüdisches Laupheim. Ein Gang durch die Stadt.
Haigerloch 1998. |
 | Gretel Bergmann: "Ich war die große jüdische Hoffnung".
Erinnerungen einer außergewöhnlichen Sportlerin. G. Braun. Karlsruhe 2003. |
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Miriam Eberhard: Die Unentwegten. Eine Familiengeschichte. 2010.
Informationen zu diesem Buch auf der Website
der Autorin.
Zum Inhalt: Pauline und Friedrich Thiel waren die Großeltern der Autorin. Die Liaison der umworbenen, künstlerisch sehr begabten Kaufmannstochter mit dem technisch genialen, aber unvermögenden Autorennfahrer stellte sich jedoch für Paulines wohlhabende und standesbewusste Eltern als problematisch heraus. Friedrich und Pauline ließen sich nicht auseinanderbringen, heirateten in Laupheim bei Ulm – und bekamen zwischen 1927 und 1948 vierzehn Kinder, zwei verloren sie wieder. Ihr Anfang aber war höchstbelastet, denn die Zwangsversteigerung fast des gesamten Familienbesitzes während der Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre war nicht aufzuhalten – und so musste sich die wachsende Großfamilie in politisch brisanter Zeit mehr schlecht als recht durchschlagen: ein wahres Lebensabenteuer. Zugleich verhilft der Vater Friedrich Thiel während des
'Dritten Reiches' von seiner Autowerkstatt aus jüdischen und behinderten Mitbürgern und ausländischen Soldaten zur Flucht. Die 1730 gegründete jüdische Gemeinde in Laupheim war bis 1942 eine der größten in Württemberg gewesen.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Laupheim Wuerttemberg.
Jews
settled in Laupheim since 1724. The settlement grew* to be the largest in
Wuerttemberg in 1856 with a Jewish population of 796 despite large-scale
emigration to the United States (balanced by an influx from other communities).
Jews were a dominant factor in the trade in hops and leather an in the course of
the 19th century, became active in abmking and industry, owning texte,
wood-processing and wig factories. the town's first printing press was set up by
a Jew in 1844 and a disproportionate number of Jews were university graduates,
mainly in medicine and law. Relations with the local population were generally
satisfactory, with Jews serving on the municipal council after receiving civil
rights in 1869. The first synagogue was founded in 1822 and a year later a
Jewish elementary school was opened, reaching an enrollment of 162 in 1874. A
girls' vocational school was also operated by the community. After 1869, when
the Jewish polulation reached a peak of 852 (of a total 3,800), the number of
Jews declied steadily. In 1933 it stood at 231, suffering severe persecution and
economic boycott throughout the Nazi era. On Kristallnacht (9-10 November 1938),
the synagogue was set on fire and nearly 40 Jews were interned in the Dachau
concentration camp. By 1938 most Jewish businesses hat been closed or "Arvanized".
Many were able zo emigrate through the efforts of former townsman Carl Laemmle
(1867-1939), founder of Universal Studios in Hollywood. In all, at least 134
left Germany, antother 73 were expelled to their deaths in the Riga ghetto in
late 1941 and to the Theresienstadt ghetto in August 1942. A refugee camp was
set up in the town after the war, accomodating 2,000 Jews by 1948 when it was
dismantled and the Jews emigrated to Israel.
* Encyclopedia reads: An early Jewish settlement apparently
ended in the Black Death persecutions in 1348-49. The settlement was renewed in
1742 under various disabilities and grew...
The notice about Jews in Laupheim in 1348-49 is coming from a confusion
betwenn Laupheim and Leipheim!

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