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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Michelbach an der Lücke (Gemeinde Wallhausen, Landkreis Schwäbisch Hall)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Hinweis: Informationen des Fördervereins -
Bitte um Spenden
Die ehemalige Synagoge in Michelbach/Lücke
wird derzeit umfassend renoviert.
Spenden sind sehr willkommen unter dem Stichwort "Synagoge Michelbach":
Konto der Gemeinde Wallhausen mit der Nummer 35 003 030 bei der
VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim ein (Bankleitzahl: 622 901 10). |
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| Weitere
Informationen über die Website des
Fördervereins: www.synagoge-michelbach-luecke.de |
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Fotos vom Stand der
Restaurierungsarbeiten Ende Juli 2011
(vgl. Presseartikel unten; Fotos erhalten von Bernhard Ritter,
Förderverein Synagoge Michelbach) |
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Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem (seit 1631) bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts
als Reichslehen zur Herrschaft
Schwarzenberg gehörenden Michelbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück.
Möglicherweise haben sich in der Gemeinde bereits einige der jüdischen Personen niedergelassen, die 1519/20 aus
Rothenburg ob der Tauber vertrieben worden waren. Die ersten Nachweise
jüdischer Einwohner liegen aus den Jahren 1556 (Mosche von Michelbach) und 1594
bis 1596 (Judas Jud zu Michelbach) vor.
Nach dem Dreißigjährigen
Krieg lebten sieben jüdische Familien am Ort (1660). Im 18. Jahrhundert
nahm die Zahl weiter zu: 1796 waren 26 jüdische Familien am Ort. Das jüdische
Wohngebiet konzentrierte sich zunächst auf die heute noch sogenannte
"Judengasse"; später wohnten jüdische Familien auch in anderen
Straßen des Ortes. 1732 besaßen die jüdischen Familien 13 Häuser am Ort, die
christlichen Familien 47 Häuser.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1812 139 jüdische Einwohner, 1824 172 (24,2 % von insgesamt 711
Einwohnern), 1847 184 (25,4 % von 723), höchste Zahl um 1858 mit 225 Personen,
1869 216 (31,2 % von insgesamt 692 Einwohnern), 1885 158 (22,3 % von 708), 1900
129 (19,5 % von 661), 1910 81 (13,3 % von 607). Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel
mit Vieh und Pferden, Landesprodukten und Waren. Die 1828 festgeschriebenen
Familiennamen waren insbesondere Elkan, Grünsfelder, Gundelfinger, Landauer und
Stern. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind zahlreiche jüdische
Einwohner nach Nordamerika, einer (Nathan Jakob Landauer) nach Australien
ausgewandert.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule (Israelitische Volksschule; Schulhaus zunächst als Anbau zur
Synagoge in der Judenhasse, seit 1844 Schulhaus in der Leitsweiler Straße 15),
ein rituelles Bad (unterhalb der heutigen Scheune des Anwesens Judengasse 9;
Badhaus wurde 1938 abgebrochen, die Scheune darüber 1949 erbaut) und einen
Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1832 wurde die
Gemeinde dem Rabbinat Braunsbach zugeteilt.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Nathan Gundelfinger
(geb. 6.12.1894 in Michelbach, gef. 18.5.1918).
Die jüdischen Einwohner waren im Leben des Ortes weitestgehend integriert. Um
1900 waren Hermann Gundelfinger und Otto Leininger (letzterer Inhaber einer
örtlichen Privatbank), etwas später Nathan Landauer Mitglieder des
Gemeinderates.
Um 1924, als zur Gemeinde noch 45 jüdische Personen gehörten (8,1 % von
insgesamt 555 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Isaak Straus, Lippmann
Gundelfinger und Nathan Landauer. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet war
Isaak Straus tätig (er hatte im Ersten Weltkrieg auch den Unterricht an der
evangelischen Volksschule erteilt). In Michelbach hatte er damals noch einem
jüdischen Kind den Religionsunterricht zu erteilen. Es gab noch die folgenden
jüdischen Vereine in der Gemeinde: die Chewrat Jeruscholajim
(1924 unter Leitung von Lehrer Straus mit 18 Mitgliedern) und der
Wohltätigkeitsverein Chewrat Gemilut Chassodim (1924 unter Leitung von
Abraham Ries mit 18 Mitgliedern). 1932 war Gemeindevorsteher Feudy Stern. Einen
eigenen Lehrer hatte die Gemeinde nicht mehr, sondern wurde durch Lehrer Wilhelm
Kahn aus Crailsheim mitbetreut (die
Ausschreibung der Stelle 1929 war vermutlich nicht mehr erfolgreich gewesen).
Lehrer Kahn erteilte im Schuljahr 1931/32 zwei Kindern der Gemeinde den
Religionsunterricht.
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handelsbetrieben/jüdischen Wohnhäuser sind bekannt: Viehhandlung Moritz Eichberg
(Wallhauser Straße 22); Viehhandlung David Gundelfinger (langjähriger
ehrenamtlicher Vorbeter und Vorsteher der Gemeinde; Reubacher Straße 32), Familie Hugo
Gundelfinger (Gailrother Straße 1), Irma Gundelfinger (Reubacher Straße 21), Handelsmann Isaak Gundelfinger (Judengasse 3), Familie Lippmann Gundelfinger (gest. 1931, Reubacher
Straße 16), Viehhandlung Samuel Gundelfinger (Rossbürger Straße 1, ab 1939 Reubacher
Straße 10), Viehhandlung Louis Ries (Reubacher Straße 20), Woll- und Schnittwaren Vaitel Stern
(Reubacher Straße 6).
Jüdische Häuser im 19./teils bis Anfang 20. Jahrhundert waren außerdem (Auswahl): Hofgasse 2,8; Judengasse 1,3,4,5,7,8; Reubacher
Straße 2,3,7,8,10,11,14,16,19,20,22; Schlossstraße 14,16; Leitsweiler Straße 3,7,12,18,20,22; Wallhauser
Straße 7,11.
Zur Gemeinde gehörten in den 1920er-Jahren auch die - nach Auflösung der
dortigen jüdischen Gemeinde - noch in Wiesenbach
lebenden jüdischen Personen; bereits vor 1932 wurden auch die in Gerabronn
lebenden jüdischen Einwohner der Gemeinde Michelbach
zugeteilt.
1933 wohnten noch 35 jüdische
Einwohner in Michelbach. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts und
der zunehmenden Entrechtung hat ein Teil von ihnen in den folgenden Jahren
Michelbach verlassen. Mehrere konnten emigrieren. Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Synagoge demoliert (s.u.). Insgesamt 18 der jüdischen Einwohner von
1933 wurden am 1. Dezember 1941 nach Riga beziehungsweise am 22. August
1942 nach Theresienstadt deportiert. Von ihnen kehrten 1945 nur die später in
den USA lebende Thea Gundelfinger und Moritz Eichberg
zurück.
Von den in Michelbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Dreyfus geb.
Gundelfinger (1894), Maximilie (Maxi) Eichberg geb. Oppenheimer (1894), Albert
Elkan (1880), Klara (Clara) Elkan geb. Elkan (1878), Hugo Elkan (1882), Selma
Essinger geb. Löwenberger (1883), Jenny Grimminger geb. Stern (1895), Flora
Grünsfelder geb. Rosenthal (1857), Nathan Grünsfelder (1884), Adelheid
Gundelfinger geb. Berney (1868), Alfred Gundelfinger (1885), David Gundelfinger
(1857), Heinz Gundelfinger (1932), Hugo Gundelfinger (1898), Kurt Gundelfinger
(1936), Mina Gundelfinger geb. Gutmann (1895), Peppi Gundelfinger geb. Elkan
(1871), Samuel Gundelfinger (1869), Sara Gundelfinger geb. Stern (1861), Selma
Gundelfinger geb. Künstler (1905), Frieda Gutmann geb. Gundelfinger (1888),
Helga Kuder (1927), Irma Kuder geb. Gundelfinger (1903), Walter Kuder (1930),
Bernhard Löwenberger (1892), Senta Meyer geb. Stern (1903), Meta Neumann geb.
Gundelfinger (1885), Martha Neustätter geb. Löwenberger (1888), Julie Ries
geb. Gundelfinger (1858), Nathan Rosenthal (1888), Irma Schild geb. Gundelfinger
(1892), Marta Selig (1903), Benjamin (Beni) Stern (1862), Clotilde Wassermann
geb. Leiniger (1870).
Nach
1945 kehrte nur der Viehhändler Moritz Eichberg nach Michelbach zurück, wo er
bis 1961 lebte.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1929
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1929:
"Die Stelle eines unständigen Religionslehrers für die
israelitische Religionsgemeinde Michelbach a.d. Lücke soll wieder besetzt
werden. Die Stelle wird mit einem Bewerber besetzt, der die deutsche
Reichangehörigkeit besitzt und die erste Volksschullehrerdienstprüfung
erstanden hat. Die Besoldung wird nach den Grundsätzen für staatliche
Lehrer berechnet und aus der Israelitischen Zentralkasse bezahlt.
Dienstwohnung ist vorhanden. Bewerber, die bereit sind, die Schechitah
auszuüben, wollen sich unter Darstellung ihres Lebenslaufs und Anschluss
ihrer Zeugnisse bis zum 22. Februar 1929 melden bei Oberrat der
Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Stuttgart,
Reinsburgstraße 19/II." |
Lehrer Mainhardt wird ausgezeichnet
(1847)
Anmerkung: David Mainhardt ist am 13. Mai 1811 in
Michelbach als Sohn eines Handelsmannes geboren. 1828 bis 1831 ließ er sich im
Lehrerseminar in Esslingen ausbilden und war von 1832 bis 1848 als Lehrer in
Michelbach a.d.L. tätig, danach in Hochberg,
wo er 1871 verstarb.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Januar 1847:
"In der neuesten Nummer des Regierungsblatts wurde unter den Lehrern,
welche die evangelische Synode der für das Jahr 1846/47 ausgesetzten
Belohnungen für würdig erkannte, auch Lehrer Mainhardt an der
israelitischen Schule zu Michelbach an der Lücke, Dekanats Blaufelden
angeführt. Derselbe soll auch als tüchtiger Kirchenvorsteher von der
Oberkirchenbehörde anerkannt sein. Überhaupt haben wir in Württemberg
viele wackere Lehrer aufzuweisen, die nicht allein dem Lehrfache
gewachsen, sondern auch als Präsides des Kirchenvorstandes (in Orten, wo
kein Rabbinatssitz ist) im Gemeindewesen sehr viel Kenntnisse und Routine
haben." |
Zur Geschichte der Synagoge
Wohngebiet und Betsaal/Synagoge. Das jüdische Wohngebiet
konzentrierte sich zunächst auf die heute noch so genannte "Judengasse".
1756/57 wurde eine Synagoge erbaut, die einen bis dahin benutzten Betsaal
in einem der jüdischen Privathäuser ersetzte. Dieses Haus war inzwischen
"gänzlich zerrüttelt und baufällig geworden", sodass ein Neubau
unumgänglich war. Ein in jüdischem Besitz befindlicher Garten diente als
Baugrundstück. Die zuständige Ortsherrschaft erteilte im Oktober 1756 die
Baugenehmigung. Der Betsaal erhielt ein für den Synagogenbau dieser Zeit geläufiges
Tonnengewölbe und eine Frauenempore. Äußerlich gaben die Rundbogenfenster,
die kleine Apsis an der Ostseite und das darüber befindliche Rundfenster dem
Gebäude einen würdevollen und für ein kleines Dorf durchaus repräsentativen
Charakter.
1859/60 wurde die Synagoge für 275 Gulden
renoviert. Der württembergische König stiftete der Gemeinde aus Anlass der
Renovierung vier Kronleuchter.
Der König vermacht der Synagoge vier
Kronleuchter (1859)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Juni 1859:
"...Erst kürzlich schenkte auch Seine königliche Majestät der
israelitischen Gemeinde Michelbach für ihre restaurierte Synagoge vier
Kronleuchter." |
Die Michelbacher Synagoge blieb Bethaus der jüdischen
Gemeinde, bis sie beim Novemberpogrom 1938 demoliert wurde. Während des
Krieges war das Gebäude als Munitionslager von der Flugplatzverwaltung
Crailsheim beschlagnahmt. 1949 ging es in Privatbesitz über und diente schließlich
einer Mostkellerei als Lagerraum.
Mitte der 1970er-Jahre machte der Besitzer des Synagogengebäudes
beim Landratsamt Schwäbisch Hall eine Eingabe, das mittlerweile verwahrloste
Gebäude zum Bau eines neuen Lagerraumes abbrechen zu dürfen. Der Landkreis
erteilte keine Genehmigung, vielmehr löste der drohende Abbruch Bemühungen
aus, das Synagogengebäude zu retten. 1978 erwarb die Gemeinde Wallhausen
mit Mitteln des Landkreises das Haus, das ein Jahr später in das
Schwerpunktprogramm Denkmalpflege des Landes Baden-Württemberg als
erhaltenswertes Baudenkmal aufgenommen wurde. Für die Wiederherstellung wurden
aus diesem Programm rund eine halbe Million Mark (= ca. 250.000 Euro) aus
Landesmitteln zur Verfügung gestellt.
Das Gebäude war vor der 1982 begonnenen
Restaurierung in höchst baufälligem Zustand. Das Gewölbe der Decke war kurz
vor dem Einsturz. Durch einen Betongurt in Traufhöhe konnte der Bau
stabilisiert werden. Das Dach wurde nach dem alten Konstruktionssystem neu
gerichtet. Im Inneren wurden die originalen Wand- und Deckenbemalungen
wiederhergestellt. Durch Zufall fand man bei dem aus Niederstetten emigrierten
Bruno Stern, der in New York lebte, ein Foto, das einen Teil des Innenraums im
Zustand von 1932 zeigte. Mit Hilfe dieser Aufnahme konnte ein Teil des
Toraschreines und des Almemors rekonstruiert werden.
Am 12. Juli 1984 wurde das Gebäude als
Dokumentationszentrum für die Geschichte der Juden in der Region Franken
eingeweiht. Die Trägerschaft übernahmen die fünf Landkreise dieser Region.
Eine ständige Ausstellung, die sich vor allem auch für den Besuch von
Schulklassen und Jugendgruppen eignet, informiert über die Geschichte der Juden
in Franken, ihr Berufs- und Alltagsleben, die jüdischen Feiertage und vieles
mehr.
Fotos
Historische Fotos:
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Die Synagoge Michelbach um 1930
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser
und
Friedhöfe 1932 S. 102) |
Blick zum Toraschrein 1932
(Quelle: B. Stern) |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1965
(Quelle: Sauer s. Lit. Abb. 83 und Hauptstaatsarchiv Stuttgart): |
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Fotos 1979 vor Beginn
der Restaurierung:
(Quelle: Taddey, Jerusalem s. Lit. Abb. 49f) |
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Blick zum Eingang und dem Bereich
der ehemaligen Empore |
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Fotos 1982/83 während
der
Restaurierung
(Quelle: Taddey ebd. Abb. 70-71) |
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Zu Beginn der Restaurierung |
Ein neuer Dachstuhl wird aufgerichtet |
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Fotos von der Einweihung
der restaurierten
Synagoge
am 12. Juli 1984
(Fotos: Hahn) |
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Am Tag der Einweihung
mit Fahnenschmuck |
Ehrengäste bei der Besichtigung
der ehemaligen Synagoge |
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Rede von Prof. Herbert Strauss
vom Institut für Antisemitismusforschung
in Berlin |
Rede von Landesrabbiner
D. Joel Berger, Stuttgart
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Vortrag von Oberstaatsarchivrat
Dr. Gerhard Taddey
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Die ehemalige Synagoge
als Museum
(Foto: A. Winkler) |
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Rechts und Links ist ein Teil der Vitrinen
mit der Ausstellungsstücken zu
sehen |
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Die nachstehenden
drei Fotos wurden um 2000 von Eva Maria Kraiss und Marion
Reuter (gestorben 2007) erstellt. Die Verwendung dieser - in
hochauflösender Qualität eingestellten Fotos für publizistische Zwecke bedürfen der Genehmigung.
Informationen über E-Mail |
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| Hinweistafeln |
Blick auf die
ehemalige Synagoge |
Der Innenraum |
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Fotos 2003
(Fotos: Hahn und A. Winkler) |
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Blick zum Eingang der ehemaligen
Synagoge, von der Judengasse her
kommend |
Eingang zum
ehemaligen Betsaal |
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Die ehemalige Synagoge von Osten
gesehen (Foto: A. Winkler) |
Der Hochzeitsstein |
Hinweistafeln
am Eingang |
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Information en français
| Les pages suivantes ont été crées par Bruno Huet. Le texte est
aussi disponible sous forme de fichier
PDF. |
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Nous
avons besoin de votre aide afin de contunier nos recherches:
Comme vous proviez le lire sur les page précèdentes, beaucoup de
familles ont du fuir afin de pouvoir survivre et échapper à ce massacre
de cette dernière querre.
Nous serions très reconnaissant envers les personnes qui pourraient nous
donner des renseignements ou des adresses - contacts des familles portant
les noms suivant: Dreyfus, Gundelfinger, Grünsfelder, Eichberg, Elkan,
Essinger, Oppenheimer, Grimminger, Stern, Rosenthal, Berney, Gutmann,
Künstler, Kuder, Löwenberger, Meyer, Ries, Selig, Wassermann, Strauss,
Kahn, Leininger.
Mel-Conctact: brunohuet[et]web.de E-Mail |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Juni 2010:
Führung durch die Synagoge durch
Pfarrer Bernhard Ritter, Vorsitzender des "Fordervereins Synagoge
Michelbach" |
Foto
links (Privatfoto): Pfarrer Bernhard Ritter in der Synagoge von
Michaelbach an der Lücke - eine der ältesten ihrer Art in ganz
Baden-Württemberg.
Artikel in der "Südwestpresse" vom 19. Juni 2010 (Artikel):
"Sich dunklem Kapitel stellen.
Michelbach/Lücke. 20 Interessierte des Bezirksarbeitskreises Frauen besichtigten kürzlich zusammen mit Pfarrer Bernhard Ritter eine der ältesten noch erhaltenen Synagogen in Württemberg - die Synagoge in Michelbach/Lücke.
Die Frauen erfuhren, dass sich bereits 1520 nach der Judenvertreibung in Rothenburg eine kleine jüdische Gemeinde in Michelbach/Lücke angesiedelt hatte. Zirka 100 Jahre später erhielten die Juden von ihrem damaligen Grundherren, dem Fürsten von Schwarzenberg die Privilegien, Grundbesitz zu erwerben, Häuser zu bauen und auch ihre innerreligiösen Angelegenheiten selbst zu regeln. So wurde ihnen dann auch 1756 die Genehmigung für den Bau dieser Synagoge erteilt. Erst 1840 erhielt die jüdische Gemeinde dann auch noch die Erlaubnis, einen eigenen Friedhof am Rande der Gemarkung anzulegen, dadurch blieb ihnen dann der weite Weg nach Schopfloch erspart.
1933 lebten noch 35 Juden in Michelbach/Lücke, die jedoch dann ihre Geschäfte schließen mussten, als die gesellschaftliche Ächtung der Juden begann. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge zwar nicht angezündet, doch die Inneneinrichtung wurde völlig zerstört und das Gebäude durfte fortan nicht mehr genützt werden, später war sie dann Munitions- und Getränkelager. Bereits am 27. November 1938 wurden die ersten Juden über Crailsheim nach Stuttgart abtransportiert. Alle nicht arbeitsfähigen Juden wurden sofort umgebracht, der Rest kam zum Arbeitsdienst ins Konzentrationslager. So kam es, dass bis Ende 1941 die letzten Juden aus Michelbach deportiert wurden - bis zum 22. August 1942 wurde Württemberg so judenfrei gemacht.
Auf dem Friedhof wurden bis 1938 etwa 371 Juden aus den umliegenden Orten Michelbach, Hengstfeld und Wiesenbach bestattet. Da die Gräber grundsätzlich nur einmal belegt werden können, musste dieser schon bald erweitert werden. Da der Friedhof für Juden ein heiliger Ort ist, werden die Männer auch heute noch gebeten, ihn nur mit einer Kopfbedeckung zu betreten.
Erst als vor Jahren die an die Synagoge angebaute Getränkehandlung Ehnes einen Abbruchantrag für das sehr heruntergekommene Gebäude stellte, wurde im Landratsamt festgestellt, dass es sich hier um eine der ältesten erhaltenen Synagogen in Württemberg handelt. Der Abbruch wurde abgelehnt, das Gebäude renoviert und 1984 als jüdische Gedenkstätte wiederhergestellt. Heute gibt es einen Förderverein Synagoge, der es sich zur Aufgabe gemacht hat dieses historische Gebäude für die Nachwelt zu erhalten. Die teilnehmenden Frauen waren durch das Gehörte und Gesehene sehr beeindruckt und empfanden es als sehr wichtig, sich auch diesem dunklen Kapitel der Geschichte zu stellen, das in so unmittelbarer Nähe seine Spuren hinterlassen hat. pm." |
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| September 2010:
Kirchweihfest, verbunden mit Führungen durch den
jüdischen Friedhof und die ehemalige Synagoge |
Foto
links von Maja Reusch: Da der Friedhof normalerweise geschlossen ist,
besuchten viele Interessierte diesen heiligen Ort.
Artikel von Maja Reusch in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Crailsheim) vom 7.
September 2010 (Artikel):
"Michelbach/Lücke. Michelbach sorgte am Sonntag nicht nur für das leibliche, sondern auch für das seelische Wohl seiner Besucher: Synagoge und jüdischer Friedhof waren geöffnet, zudem stand die traditionelle Kirchweih
an.
Mit 250 Jahren ist die Michelbacher Synagoge das älteste erhaltene jüdische Gebetshaus in Württemberg. Klar, dass ein solches Kleinod am europäischen Tag der jüdischen Kultur ein breites Publikum anzieht. Aufmerksam lauschte und staunte man der Führung von Hartmut Sautter, Mitglied des Fördervereins Synagoge Michelbach. Seit er herausgefunden hat, dass sein Vater SS-Mitglied und Lageraufseher in einem KZ war, hat er ein persönliches Anliegen daran, den jüdisch-christlichen Dialog weiterzuführen. Seit acht Jahren lernt der Weikersheimer hebräisch, studiert das Judentum und fährt einmal im Monat nach Michelbach, um in der Synagoge sein Erlerntes weiterzugeben.
Auch der jüdische Friedhof außerhalb des Orts stand dem Publikum offen, was sonst nur nach Voranmeldung möglich ist. Zwischen 1840 und 1939 wurden 371 Juden hier begraben. Im Gegensatz zur Synagoge ist der Friedhof nach wie vor ein heiliger Ort, da er nicht von den Nazis geschändet wurde.
Sorgen bereitet den Mitgliedern des Fördervereins ein Wasserschaden in der Synagoge, infolgedessen sich Schimmelpilze ausgebreitet haben. Trotz großzügiger Spenden fehlen noch immer 20 000 Euro zur Deckung der Renovierungsarbeiten. "Wir freuen uns über jede Unterstützung und hoffen, im Frühling mit einem Basar die Sanierung der Synagoge feiern zu können", sagt die Klezmermusikerin Herma Paul.
Wer nach diesem kulturell-religiösen Höhepunkt etwas Entspannung bei Blooz und Bier suchte, musste gar nicht lange suchen. Vor dem Kirchplatz wartete die traditionelle "Kärwa" mit Spiel, Musik und leiblicher Verpflegung auf. Für die diesjährige Kirchweih-Gaudi hat sich Ortsvorsteher Friedrich Strauß etwas Besonderes einfallen lassen: Teebeutelweitwurf. Wie das geht? Man nehme einen nassen Teebeutel, klemme den Faden zwischen die Lippen und versuche ihn durch eine schnelle Drehbewegung des Kopfes so weit wie möglich zu schleudern. Gewinner dieses Spektakels ist mit 5,67 Meter Karl-Heinz Müller aus Michelbach. Immerhin brachte ihm sein sportliches Talent einen Gutschein zum Spanferkelessen ein. Aber auch die kleinen Gäste amüsierten sich bei Kinderschminken, Luftballonwettbewerben und
Miniscooterfahren.
Ob beide Veranstaltungen nun zusammenpassen, sei dahingestellt. Fest steht aber eines: Für jeden Geschmack war etwas geboten!" |
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| August 2011:
Die Restaurierung und Neu-Einrichtung der
ehemaligen Synagoge ist weit vorangekommen |
Foto
links von Michael Ströbel: An der Verbindung der ehemaligen Lagerhalle und der Synagoge war der Wasserschaden entstanden.
Artikel in der "Südwestpresse" (Crailsheim) vom 5. August 2011
(Artikel):
"Eine Medienstation fehlt noch
Michelbach/Lücke. Vor drei Jahren hat ein Wasserschaden einen Umbau an der Michelbacher Synagoge erforderlich gemacht. Inzwischen sind die benötigten Gelder zum Großteil gesammelt, und der Umbau ist in vollem Gange.
Am vergangenen Sonntag lud der Förderverein zu einem "Basar der schönen Dinge" in die Synagoge nach Michelbach an der Lücke ein. Dabei wurden einmal mehr Spenden für die Finanzierung des Umbaus gesammelt. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über die Situation der Synagoge und den Stand der Renovierungsarbeiten zu informieren.
Vor rund drei Jahren hatte Wasser, das durch eine undichte Stelle im Dach eindrang, einen Schimmelschaden an dem 1757 erbauten Gebäude verursacht, der zwingend behoben werden musste. Zusätzlich beschlossen die Verantwortlichen, weitere veraltete und marode Bereiche der Synagoge auszubessern. "120 000 Euro veranschlagte das Architekturbüro Burk aus Crailsheim dafür", erklärt Michelbachs Pfarrer Bernhard Ritter. "Dieses Geld haben wir bereits zusammen - unter anderem dank des Entwicklungsprogramms ländlicher Raum und des Ausgleichsstocks des Landes Baden-Württemberg, der Stiftung des Landkreises Hall, der Sparkassenstiftung und zahlreicher großzügiger Spenden von Privatpersonen und Firmen", meint der Pfarrer zufrieden.
Nachdem die Firma Einsiedel eine direkt an die Synagoge gebaute Lagerhalle abgerissen hatte, konnten die Renovierungsarbeiten im Mai dieses Jahres beginnen. Neben dem an dieser Verbindungsstelle entstandenen Wasserschaden werden noch weitere, teilweise nicht weniger schwerwiegende Mängel behoben: Die Toiletten werden renoviert, die Synagoge wird an ein Blockheizkraftwerk angeschlossen und auch die Elektrik wird neu gemacht. "Das war auch dringend nötig, das Gebäude war in vielen Bereichen marode. Zudem hatten wir im ganzen Gebäude nur eine einzige funktionierende Steckdose", beschreibt Ritter die Situation vor dem Umbau.
Mittlerweile sind die Arbeiten in vollem Gange. "Das Gebäude ist bereits an ein Blockheizkraftwerk angeschlossen und wird in Zukunft über Biogas oder Hackschnitzel geheizt." Die Synagoge wird also ein Stück umweltfreundlicher. Und auch die übrigen Arbeiten seien auf einem guten Weg, wie Ritter erklärt. "Bis Oktober", so hofft er, "sind die Umbauarbeiten abgeschlossen."
Weitere 10 000 bis 20 000 Euro will der Förderverein jetzt noch sammeln, um eine Medienstation auf der Frauenempore einzurichten. Diese soll schwerpunktmäßig das religiöse Leben der Juden behandeln und eine ideale Anlaufstelle für Lehrer, Interessierte oder Schüler bieten, die beispielsweise Vorträge ausarbeiten müssen oder Material für ihren Unterricht benötigen.
"Um die Ausstellung erweitern zu können, sucht der Förderverein noch originale Gegenstände jüdischen Lebens, die mit Michelbach in Verbindung stehen", erklärt der Pfarrer. "Wir freuen uns über jeden Gegenstand."" |
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| November 2011:
Gedenken zum 70. Jahrestag der Deportation von
1941 |
Artikel von Erwin Zoll in der
"Südwest-Presse" (Lokalausgabe Crailsheim) vom 30. November
2011: "'Von Unrechtsregime zu Unmenschen erklärt'.
Michelbach/Lücke. Der Förderverein der Synagoge in Michelbach/Lücke
und die Gemeinde Wallhausen haben am Montag der Juden gedacht, die
deportiert und in den Vernichtungslagern des NS-Regimes umgebracht
wurden..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 126-129. |
 | Gerhard Taddey: Die jüdische Gemeinde von
Michelbach/Lücke. 1984. |
 | ders.: Kein kleines Jerusalem. Geschichte der Juden im
Landkreis Schwäbisch Hall. 1992. (= Forschungen aus
Württembergisch Franken Bd. 36). |
 | Gedenkstätte Synagoge Michelbach/Lücke (Gemeinde Wallhausen).
Dokumentation zur Geschichte der Juden in der Region Franken, hg. vom
Kreisarchiv Schwäbisch Hall. Schwäbisch Hall 1984. |
 | Joachim Hahn: Synagogen in Baden-Württemberg. 1987.
S. 70-72. |
 | Uri R. Kaufmann: Die Synagogen - Ablege in
Wallhausen-Michelbach an der Lücke. Fragen zur jüdischen Kultur
Württembergisch-Frankens. in: Württembergisch Franken 82 1998 S.
143-156. |
 | Otto Ströbel: Juden und Christen in dörflicher
Gemeinschaft. Geschichte der Judengemeinde Michelbach/Lücke. Crailsheim
2000. |
 | Emily C. Rose: Als Moises Katz seine Stadt vor
Napoleon rettete: meiner jüdischen Geschichte
auf der Spur. 1999; englisch: Portraits of Our Past: Jews of the German
Countryside. 2001. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 112-114. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Michelbach an der
Luecke Wuerttemberg. The first Jews were apparently refugees from
Rothenburg (1519-20). The community grew rapidly in the 19th century, numbering
216 (total 692) in 1869 but thereafter declining steadily through emigration.
The first synagogue was built in 1755 and a Jewish school was founded in the
1830s. From the second half of the 19th century, Jews were mainly engaged in the
cattle and horse trade and were among the town's wealthier residents, fully
involved in local life. The Gundelfinger family were social leaders and founders
of large steel plants in Nuremberg and Ulm. In
1933, 33 Jews remained, suffering from the social and economic boycott imposed
by the Nazis. Thirteen emigrated and of the 18 sent to ghettoes in Riga (1 December 1941) and Theresienstadt (22 August 1942) two
survived.

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