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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Bonfeld (Stadt Bad Rappenau, Landkreis
Heilbronn)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Freiherren von Gemmingen
gehörenden Bonfeld bestand eine jüdische Gemeinde von der Zeit des 16./18.
Jahrhunderts bis 1939. 1598 wird in der Judenordnung
der Reichsstadt Wimpfen Bonfeld als Wohnstätte von Juden genannt. 1717 lebten
zwei Juden im Ort (Süßkind/Süßle und Jodel/Judele/Judas), die nicht lange zuvor
in Bonfeld zugezogen waren. Mitte des 18. Jahrhunderts gab es fünf bis sechs
jüdische Haushaltungen in Bonfeld (1767/77: Mordig, Gumpel, Sandel, Ruben,
Manasse und Moses). In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert nahm die Zahl jüdischer
Familien zu, 1795 waren es bereits 14 Familien, 1803/04 15 jüdische
Haushaltungen: Marx Judel, Moses Judel, Seligmann Judel, Simon Lazarus, Jonas
Lazarus, Judel Manasse, Moses Manasse, Lazarus Manasse, Lazarus Moses, Lazarus
Ruben, Moses Löw Ruben, Joseph Ruben, Salomon Samuel, Hirsch Samuel und Löw
Samuel.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1807 92 jüdische Einwohner, 1824 98 (7,6 % von insgesamt
1.290 Einwohnern), Höchstzahl um 1852 mit 131 Personen, 1872/73 44, 1892 54 (in
14 Familien), 1900 44,
1910 43 (4,3 % von 979 Einwohnern). 1825 hatten die jüdischen Familien folgende
Familiennamen angenommen: Bamberger, Blumenthaler, Ottenheimer,
Rosenthaler, Strasburger, später erscheinen die Familiennamen Flehinger, Hertz,
Ladenburger, Schlesinger und Zion.
Nach der Neueinteilung der
israelitischen Gemeinden 1832 war Bonfeld Filialgemeinde zur israelitischen
Gemeinde Massenbachhausen, bis diese Gemeinde 1865 aufgelöst wurde. Seitdem war
die jüdische Gemeinde in Bonfeld wieder selbständig. An Einrichtungen
hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (zum Bau
eines Schulhauses wurde 1843/44 ein Staatsbeitrag bewilligt; die Bonfelder
Schule war in der Folgezeit zunächst Konfessionsschule, danach noch Religionsschule bzw.
jüdischer Religionsunterricht in der Volksschule des Ortes, vor 1911 aufgelöst) und ein rituelles
Bad (im Untergeschoss des Fachwerkhauses Rappenauer Straße 7, das Bad bzw. das
Tauchbecken ist nicht erhalten). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Heinsheim
und Waibstadt beigesetzt. Die Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk Lehrensteinsfeld, nach dessen Auflösung 1864 zum
Rabbinatsbezirk Heilbronn. Von den
jüdischen Lehrern sind bekannt: ca. 1835 bis 1838 Aron Hilbert
(danach in Oedheim, ab 1841 in
Niederstetten, hier ausführliche
Informationen), um 1884/91 Lehrer Leopold Flehinger (ehrenamtlich?, lebte
1846 bis 1903). Nach 1903 erteilte Lehrer Reiß aus
Massenbach Religionsunterricht den 1903 12
jüdischen Schulkindern in Bonfeld.
Von den Gemeindevorstehern sind bekannt: um 1892 L. Schlesinger (zugleich
Synagogendiener), L. Adler und L. Hirsch.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Josef Zion (geb.
19.12.1893 in Bonfeld, gef. 3.10.1916). Sein
Name steht auf dem Bonfelder Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten
Weltkrieges. Mit dem Eisernen Kreuz II wurde für seinen Kriegseinsatz
ausgezeichnet: Kaufmann Julius Zion, Leutnant und Kompanieführer im
württembergischen Reserveregiment Nr. 248 (Israelit. Familienblatt vom
17.2.1916 S. 3, Ernennung zum Leutnant im Infanterieregiment Nr. 122 nach Dr. Bloch's österreichischer Wochenschrift vom 23.4.1915 S. 315).
Im wirtschaftlichen Leben
des Ortes nahmen die Juden bereits im 19. Jahrhundert
durch verschiedene Handlungen und Gewerbebetriebe einen wichtigen Platz ein.
Um 1924, als noch 42 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (4,2 %
von insgesamt etwa 1.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Max Flehinger,
Leopold Schlesinger, Julius Zion und Sigmund Zion. Den Religionsunterricht der
damals fünf jüdischen Kindern der Gemeinde erteilte Lehrer Meyer aus Massenbach.
1932 war Gemeindevorsteher weiterhin Max Flehinger. Die im Schuljahr 1931/32 sieben
schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde wurden durch Religionsoberlehrer
Straus aus Talheim
unterrichtet.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
im Besitz jüdischer Familien sind bekannt: Manufakturwarenhandlung Max Flehinger
(Kirchhausener Straße 19), Vieh- und Fruchthandlung Ferdinand Hirsch (Fürfelder
Straße 9), Viehhandlung und Metzgerei Karl Ladenburger (Sonnenstraße 13), Fam. Elias Ottenheimer
(Kirchhausener Straße 3), Viehhandlung Ferdinand und Hermann Ottenheimer (Fürfelder
Straße 14), Landesproduktenhandlung und Schuhgeschäft Leopold Schlesinger (Rappenauer
Straße 13), Lebensmittelgeschäft Mathilde und Albert Schlesinger
(Martin-Luther-Straße 42), Kolonial- und Manufakturwarenladen Sophie und Moritz Schlesinger
(Kirchhausener Straße 18), Manufakturwarengeschäft Julius und Sigmund Zion (Kaufhaus
bzw. Bekleidungs- und Stoffgeschäft ZION; Rappenauer
Straße 27).
1933 wurden noch 40 jüdische Einwohner in Bonfeld gezählt. Auf Grund der
zunehmenden Repressalien und der Entrechtung sowie der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts sind in den folgenden Jahren mehrere von ihnen
ausgewandert oder in andere Orte gezogen. Unter dem Druck örtlicher
Parteifunktionäre wurde der Boykott immer schärfer durchgeführt. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge demoliert (s.u.), mehrere jüdische Personen schwer
misshandelt - der damalige Lehrer Stiegele hatte sich aktiv dabei eingebracht
und den SA-Männern die Häuser der jüdischen Familien gezeigt. An den Folgen der Misshandlungen starb Hugo Heinrich Hertz 1940 im
jüdischen Krankenhaus in Frankfurt. 1941/42 wurden die noch in Bonfeld lebenden
jüdischen Personen in die Vernichtungslager deportiert.
Von den in Bonfeld geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Erna Hertz geb.
Ottenheimer (1908), Friedrich Karl Hertz (1933), Hugo Heinrich Hertz (1898),
Inge Hertz (1932), Alfred Hirsch (1929), Elise Hirsch geb. Henle (1891),
Ferdinand Hirsch (1883), Margot Hirsch (1925), Karl Ladenburger (1879), Karoline
(Kathi) Ladenburger geb. Zion (1880), Johanna Marmorstein geb. Straßburger
(1864), Emma Metzger geb. Ottenheimer (1887), Ferdinand Ottenheimer (1883),
Frieda Ottenheimer geb. Wiesenbacher (1888), Richard Ottenheimer (1924), Joseph
Schlesinger (1870), Karoline Schlesinger geb. Marx (1873), Leopold Schlesinger
(1866), Mathilda Schlesinger (1877), Simon Schlesinger (1876), Heinz Zion
(1925), Julius Zion (Frontoffizier des Ersten Weltkrieges, 1885), Sofie
Zion geb. Ottenheimer
(1898).
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers, Vorbeters und
Schochet - gemeinsam für Massenbach und Bonfeld (1903 / 1910)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1903: "Lehrer
gesucht.
Die Vorsängeramtsverweser-Stelle in Massenbach -
Bonfeld soll
baldigst wieder besetzt werden (Einkommen ca. 1.000 Mark). Bewerbungen
wollen bis 15. Januar dem Rabbinat Heilbronn eingereicht werden.
Massenbach.
Israelitisches Kirchenvorsteheramt." |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. Dezember 1910: "Vorsänger,
Religionslehrer und Schochet in Bonfeld -
Massenbach, Sitz in Bonfeld. Einkommen ca. 1100 Mark und freie
Wohnung. Offerten an das Kirchenvorsteheramt in Bonfeld." |
Zu Lehrer Leopold Flehinger (um 1884/1903 Lehrer in
Bonfeld)
Grabstein
für Leopold Flehinger, Kaufmann/Lehrer in Bonfeld: Geboren am 9.
Februar 1846 als Sohn des Lehrers Wolf Flehinger und der Luise geb. Stahl.
Leopold heiratete am 22. Juni 1875 Mina geb. Adler, geb. am 25.
Januar 1843 als Tochter von Seligmann Adler und der Rachel geb. Strauß.
Leopold Flehinger starb am 9. Dezember 1903 und wurde im jüdischen Friedhof
in Waibstadt begraben (Foto links aus Wikimedia Commons).
Leopold und Mina Flehinger hatten vier Kinder: Wilhelm (Chajim Wolf, geb.
17. Mai 1876, verheiratet 20. Dezember 1907), Max (geb. 24. Februar 1880,
verheiratet 17. August 1909, siehe unten zum Tod 1936), Sofie (geb. 2. März 1881,
verheiratet 14. August 1905) und Selma (geb. 28. Dezember 1881, verheiratet
16. August 1908) .
Weitere genealogische Informationen siehe
https://www.wikitree.com/wiki/Flehinger-9. Familienregister Bonfeld:
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440609-7 |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Spendensammlung in der Gemeinde "für die Armen im
Heiligen Land" (1893 / 1899)
Anmerkung: Spendensammlungen wurden regelmäßig in der Gemeinde durchgeführt
und über ihr Ergebnis in jüdischen Periodika berichtet.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1893: "Bonfeld. Durch
L. Flehinger, A. ... von der Gemeinde 3.90 M. — B. Challah-Geld von
nachgenannten Frauen: Lina Ottenheimer 2.50, Esther Hirsch 2, Minna
Ottenheimer 3, Minna Flehinger 3, Hannchen Ottenheimer 1.50, Babette Zion 1,
Auguste Zion 1.50, Katti Adler 2.40 M. Zus. abz. Porto 20.60 M., wovon 3.60
M. für Zwecke im Heiligen Land". |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1899: "Bonfeld Durch
L. Flehinger, A. Aufrufspenden von: Benedikt Schlesinger 0.50, Max
Ottenheimer 4, Leop. Flehinger 1, Bernhard Ottenheimer 1, Elias Ottenheimer
1, Louis Adler 0.50, Seligmann Zion 0.50, Kaufmann Zion 0 50 M.
B. ... von der Gemeinde 3.70 M. — C. Challah-Geld von den Frauen:
Mina Ottenheimer 4, Lina Ottenheimer 1, Babette Zion 1, Auguste Zion 1,
Sofie Schlesinger 2, Mina Flehinger 3.40, Caroline Schlesinger 0.50, Kathie
Adler 3.55, Julchen Ottenheimer 2. Esther Hirsch 1M. Zus. abz. Porto 31.85
M., wovon 3.85 M. für Zwecke im Heiligen Land — D. Für Mizwot:
B. Ottenheim 1, Adler und Flehinger 3, zus. 4 M. — L. Für J. Badhab in J.:
Louis Adler 1 , Frau Judas Schlesinger Wwe. 1, zus. 2 M. — Für J. Zeilingold:
L. Flehinger 1.50 M. — Für die Rokeach'schen Kinder: Louis Adler 2 M.
Gesamtsumme 43.85 M." |
Vortrag von Heinz Koch (Heilbronn)
in Bonfeld (1935)
Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Juli 1935: "Freudental.
Hier und in Bonfeld sprach Heinz Koch (Heilbronn) über 'Palästina und
der Zionismus'." |
Chanukkafeier mit Lehrer Isaak Straus (Talheim) und
seinem Sohn Dr. Helmut Straus
(1935/1936)
Anmerkung: Dr. Helmut Straus war der Sohn des Volksschullehrers und
jüdischen Religionslehrers Isaak Straus (siehe
Seite zu Talheim) und seiner Frau Sara (Serry)
geb. Hallheimer. Helmut Straus ist am 18. Mai 1911 in
Crailsheim geboren und in
Michelbach a.d.L. und in
Talheim aufgewachsen, wo sein Vater als
Lehrer tätig war. Helmut Straus besuchte das Gymnasium in
Heilbronn (Abitur 1930) und studierte
anschließend in Frankfurt und München Zahnmedizin (1934 zahnärztliches
Staatsexamen, doch erhielt er auf Grund der NS-Bestimmungen keine Approbation
und keine Zulassung zur Promotion). 1934 bis 1935 Studium und Promotion zum
Dr.med.dent. in Basel. Danach war er offenbar einige Zeit bei den Eltern in
Talheim, von wo aus er gemeinsam mit seinem
Vater die Chanukkafeier in Bonfeld veranstaltete. Noch 1936 emigrierte er
nach Palästina/Israel, wurde Mitglied in einem Kibbuz, nannte sich nun Chaim
Straus. 1938 heiratete er; mit seiner Frau hatte er zwei Kinder (Jochanan, geb.
1942 in Afulah, und Uri, geb. 1947 in Petach Tikwah). Seit 1943 war er als
Zahnarzt tätig, doch konnte er durch gesundheitliche Probleme nur eingeschränkt
seinen Beruf ausüben. 1965 lebte er in Hadar Ramatayim (Stadtteil von Hod
HaSharon).
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Januar 1936: "Bonfeld. Für
die kleine Gemeinde Bonfeld war es eine große Freude, dass Oberlehrer
Straus mit der Bonfelder Schuljugend eine Chanukkahfeier in der
Synagoge veranstaltete. Dr. Helmut Straus hielt einen fesselnden
Vortrag, der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Max Flehinger
dankte als Vorsteher der Gemeinde für den genussreichen
Nachmittag". |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
80. Geburtstag von Vorsteher Elias Ottenheimer (1927)
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 1. Januar 1927: "Bonfeld.
In voller geistiger und körperlicher Frische feierte der um die hiesige
Gemeinde hochverdiente Vorsteher Elias Ottenheimer im Kreise seiner
Kinder und Kindeskinder seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar ist bereits vor
30 Jahren in das Vorsteheramt gewählt worden und gehört zu den
beliebtesten und geachtetsten Mitbürger der Gemeinde." |
Stiftung zugunsten armer Kinder
an die bürgerliche Gemeinde von Albert Ottenheimer (1929)
Anmerkung: Albert Ottenheimer (geb. 1886 in Bonfeld) machte sich später
als Kaufmann, Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen sich einen Namen machte.
Bereits als 24jähriger eröffnete er in Köln das selbständige
Großhandelsunternehmen "Albert Ottenheimer Eisengroßhandlung". Nach dem Ersten
Weltkrieg expandierte sein Unternehmen und unterhielt ein Filialnetz in
Deutschland und den Niederlanden. Zudem hielt Ottenheimer Beteiligungen an
Unternehmen der Eisen- u. Stahlindustrie und Maschinenbauunternehmen. 1937
emigrierte er über die Schweiz in die USA, wo er bis in die 1950er Jahre mit der
"Albot Industries" (New Jersey) als Unternehmer im Eisen-/Stahlhandel tätig war.
Als Sammler war Ottenheimer – er war auch Mitglied im Kölner Museumsverein – an
moderner bildender Kunst interessiert und galt als Mäzan. Seine Kunstsammlung
befindet sich seit den 1990er Jahren im "Museum of Art" in Portland (Maine).
In seinem Geburtsort Bonfeld sorgte Ottenheimer im Jahre 1929 für eine Stiftung,
die Armen und Bedürftigen zu Gute kommen sollte. Dabei sollten die Zuwendungen
der nach ihm benannten "Bernhard-Ottenheimer-Stiftung" zu einem Drittel
jüdischen und zu zwei Dritteln nicht-jüdischen sozial Schwachen in Bonfeld
zugute kommen. Von den Stiftungsmitteln - 1939 in "Bonfelder Armenstiftung"
umbenannt - fehlt jegliche Spur.
Albert Ottenheimer (Otten) starb im Jahre 1985 in den USA. Zu Albert
Ottenheimer:
https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Ottenheimer
Zum Tod von Albert Otten in der New York Times vom 29. September 1985
https://www.nytimes.com/1985/09/29/nyregion/albert-otten-99-industrialist-who-fled-germany-in-1930-s.html
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden
Württembergs" vom 16. Oktober 1929: "Bonfeld. Der aus
unserer Gemeinde stammende Kaufmann Albert Ottenheimer, Köln, hat
anlässlich des 80. Geburtstages seines Vaters Bernhard Ottenheimer
der Stadtgemeinde Bonfeld RM 10.000.- mit der Bedingung gestiftet, dass
die Zinsen alljährlich an arme Kinder verteilt
werden." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Bernhard Ottenheimer
(1912)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 25. September 1912: "Haushälterin-Gesuch
Für alleinstehenden Herrn wird eine Haushälterin gesucht, welche
gut bürgerlich kochen kann, im Haushalt durchaus erfahren und tüchtig und
nicht unter 25 Jahre alt ist. Nur Süddeutsche wollen sich melden.
Bernhard Ottenheimer.
Bonfeld b. Heilbronn." |
Todesanzeige für den langjährigen Gemeindevorsteher Max
Flehinger (1936)
Anmerkung: Max Flehinger war ein am 24. Februar 1878 in Bonfeld geborener Sohn von Lehrer
Leopold Flehinger (siehe oben) und seiner Frau Mina geb. Adler (geb. 17. Dezember 1878
vermutlich in Randegg als Tochter von Berthold Weil und Dolzine geb. Haarburger).
Max Flehinger war als Kaufmann tätig (seit 1922 Inhaber des elterlichen
Geschäftes "Adler & Flehinger", Manufakturwarenhandlung in der Kirchhausener
Str. ehem. Hauptstraße 19). Er war verheiratet mit Laura geb. Weil (geb.
4. Dezember 1878 in Randegg). Die beiden hatten zwei
Kinder: Berthold (Bert, geb. 25. Juni 1916 in Bonfeld) und Ruth
(geb. 1. August 1922 in Bonfeld, später verheiratete Kreisler). Max
Flehinger verstarb am 24. August 1936 an einer Lungenentzündung, seine Frau
Laura, die mit ihrer Tochter im Mai 1937 nach Baltimore Maryland/USA emigrieren
konnte (Berthold war hier bereits seit Juni 1934), starb am 22. September 1960
in Baltimore ebd.
Gräber: Laura Flehinger:
https://de.findagrave.com/memorial/35820844/laura-flehinger, Berthold
Flehinger (gest. 2003):
https://de.findagrave.com/memorial/35820837/berthold-flehinger, Ruth
Kreisler geb. Flehinger (gest. 2015):
https://de.findagrave.com/memorial/142556706/ruth-kreisler.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 3. September 1936: "Nach einem
arbeitsreichen Leben verschied nach kurzer, schwerer Krankheit unerwartet
schnell mein lieber Mann, unser guter Vater, Herr
Max Flehinger
langjähriger Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, im 58.
Lebensjahr.
In tiefer Trauer: Laura Flehinger geb. Weil Berthold Flehinger
Ruth Flehinger
Bonfeld, Baltimore U.S.A., den 24. Aug. 1936" |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Vermutlich gab es bereits in der
Mitte des 18. Jahrhunderts einen Betraum. 1753 lebte ein Rabbi Jecoff
(Jakob) in Bonfeld. Nach der starken Zunahme jüdischer Familien in der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde um 1780 eine Synagoge erbaut.
Sie bestand aus zwei Räumen im ersten Stock eines Wohnhauses auf den heutigen
Grundstück Rappenauer Straße 4. 1790 starb ein Bonfelder "Judenschulmeister".
Er wurde in Heinsheim begraben. In den 1803 von der Herrschaft Gemmingen
erlassenen "Instruktionspapieren" für den damaligen "Judenschultheiß" Lazarus
Ruben wurde geregelt, dass er unter anderem auf eine gute Ordnung in der Schule
(Synagoge) achten solle. Er solle vor allem "keine Händel und Zänkereien in
derselben dulden, sondern solche nach der vorhandenen Judenordnung bestrafen. Da
die Schule lediglich dem Dienste Gottes geweiht ist, und es sich nicht geziemt,
dass Vergehungen darinnen gerügt werden, so hat er die Untersuchung und
Bestrafung derselben bloß in seinem Haus vorzunehmen..." In der zugleich
verabschiedeten Judenordnung wurden die jüdischen Gemeindeglieder erinnert,
ihre Fest- und Feiertage mit Würde und Anstand zu begehen und sich allen anstößigen
Lärmens und Geräusches auf der Straße zu enthalten.
In der Zeit, als die jüdische Gemeinde Bonfelds eine
Filialgemeinde zu Massenbachhausen bildete (1832 bis 1865), wurde dennoch ein
regelmäßiger Filialgottesdienst in der Bonfelder Synagoge genehmigt, da
Massenbachhausen zwei Stunden entfernt lag.
Über 150 Jahre diente die Synagoge Bonfeld als Zentrum des
gottesdienstlichen Lebens der jüdischen Gemeinde in Bonfeld. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch auswärtige SA-Leute
vollkommen zerstört. Tags darauf nahm der
örtliche Schullehrer Stiegele seine Schulklasse zur Synagoge mit der
Aufforderung, noch mehr zu verwüsten und alles klein zu schlagen. Beim Pogrom
durch die SA-Leute wurden mehrere jüdische
Männer schwer misshandelt. Hugo Heinrich Hertz erlitt schwere innere
Verletzungen, an deren Folgen er zwei Jahre später starb. Wenige Wochen nach
den Ereignissen im November 1938 wurde das Synagogengebäude verkauft und
abgebrochen (1939).
1988 war geplant, zum Gedenken "50 Jahre Pogromnacht" am Platz der
ehemaligen Synagoge einen Gedenkstein aufzustellen. Ein Text für die
Tafel wurde von der evangelischen Kirchengemeinde und ihrem damaligen Pfarrer
Rudolf Eberle (1930-2015) vorgelegt. Der Plan konnte auf Grund heftigen
Widerstandes vor Ort jedoch nicht verwirklicht werden. 2002 wurde auf Anregung
von Susan Schoenenberger - Urenkelin von Jeanette und Karl Ladenburger aus
Bonfeld - eine bronzene Gedenktafel erstellt und bezahlt. Allerdings gab es
weiterhin Widerstand im Ort, worauf die Gedenktafel im Foyer des Rathauses Bad
Rappenau angebracht wurde. Erst am 28. November 2021 konnte die Gedenktafel in
der Bonfelder Ortsmitte aufgestellt werden; eine Rappenauer Firma lieferte die
zur Befestigung notwendige Konstruktion aus Cortenstahl.
Fotos / Pläne
| Historische Fotos / Pläne
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Karten von Bonfeld
aus dem 19. Jahrhundert mit jeweils eingetragener Synagoge an
der
Rappenauer Straße (Quelle für Karten ohne Eintragung: Heimatbuch Bonfeld
2000
s. Lit. S. 205 und vor Rückumschlag) |
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Bonfeld um 1900: links vom
Rathaus
die Kelter und das Feuerwehrmagazin
(mit dem vorgebauten "Waghäusle"),
danach die Synagoge |
Ausschnitt aus dem Foto links:
die
ehemalige Synagoge in Bonfeld mit dem
Betsaal im ersten Stock;
vermutlich
gehörten die drei Fenster links zum
Männerabteil, die beiden
Fenster
rechts zum Frauenabteil |
Innenaufnahme der ehemaligen
Synagoge (Quelle: Jüdische
Gotteshäuser und
Friedhöfe in
Württemberg. 1932. S. 59) |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
Juli 2018: In
Bonfeld werden vier Stolpersteine verlegt.
Siehe Artikel
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Bad_Rappenau
Auf Initiative der gebürtigen Bonfelderin Hilde Lansche geb. Bothner wurden am 4. Juli
2018 in Bonfeld vor dem Haus Kirchhausener Straße 1 vier Stolpersteine
verlegt. Drei davon für Erna Hertz geb. Ottenheimer (geb. 1908) und
ihre Kindern Inge Hertz (geb. 1932) und Friedrich Carl Hertz
(geb. 1933), die Ende November 1941 deportiert und in Riga ermordet wurden
sowie für den Mann von Erna bzw. Vater von Inge und Friedrich Hugo
Heinrich Hertz (geb. 1898), der bei den Ausschreitungen in der
Pogromnacht 1938 schwer verletzt wurde und an den Folgen dieser Misshandlung
am 28. Juni 1940 im Jüdischen Krankenhaus in Frankfurt am Main verstarb.
Das Haus der Familie Hertz (ehem. Kirchhausener Str. 3 / Hauptstraße 3) ist
in den 1970er-Jahren zusammen mit dem alten Rathaus abgebrochen worden; am
Hausgrundstück sind heute Garagen mit einer Einfahrt) |
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| November 2021:
In Bonfeld wird eine Gedenktafel eingeweiht |
Artikel
von Gabriele Schneider in der "Kraichgau Stimme" ('Heilbronner Stimme' -
Regionalausgabe) vom 29. November 2021: "Ein Licht im Dunkeln sein.
Gedenktafel für deportierte und ermordete Bonfelder auf dem Dorfplatz
aufgestellt.
Bad Rappenau. Am 28. November vor genau 80 Jahren wurden Bonfelder Juden
aus dem Dorf gerissen, abtransportiert und über Zwischenstationen ins KZ
nach Riga deportiert. Daran haben fast 50 Jugendliche, Frauen und Männer am
ersten Advent erinnert. Seit gestern gibt es eine Gedenktafel am Dorfplatz.
Rundgang. Die evangelische und katholische Kirchengemeinde sowie die
Stadt Bad Rappenau hatten zur Gedenkstunde im Freien eingeladen. Unter der
Leitung der Pfarrerin im Ruhestand Renate Cochrane machte sich die Gruppe
auf den Weg durchs Dorf, stoppte bei den Häusern, in denen die 24
deportierten und ermordeten Menschen der Familien Hertz, Hirsch, Ladenburger,
Zion, Ottenheimer und Schlesinger einst wohnten. An jedem Haus verlas
Cochrane ganz schlicht, aber dadurch umso ergreifender, die Namen und, falls
bekannt, Sterbedaten. Nach dem Rundgang wurde die Gedenktafel eingeweiht.
Die vergangenen 19 Jahre stand diese im Foyer des Bad Rappenauer Rathauses.
Die Amerikanerin Susan Schoenenberger, Nachfahrin von Jeanette und Karl
Ladenburger, schenkte diese 2002 der Stadt Bad Rappenau. Das nach Bonfeld
umgezogene Original wird im Rathaus durch ein Duplikat ersetzt werden.
Auf dem Dorfplatz sprach Renate Cochrane von 'Lichtern im Dunkeln', und dass
jeder ein solches sein könne. In der Zeit der Judenverfolgung habe es in
Bonfeld viel Dunkelheit gegeben, aber 'auch viele gute und herzenswarme
Menschen'. Bis kurz vor der Pogromnacht sei die Gemeinschaft von Christen
und Juden sehr gut gewesen. In der großen Armut etwa habe Metzger
Ladenburger kostenlos Rindfleisch verteilt. Dann sei das Berufsverbot für
Juden gekommen. Aber die Bonfelder Bauern gaben ihm und den anderen Juden
Arbeit auf ihren Feldern. Karl Ladenburger, so zitierte Cochrane aus einer
als Buch veröffentlichten Briefsammlung Schoenenbergers, habe einmal
geschrieben: 'In der Not erkennt man seine echten Freunde. Und Cochrane
benannte auch den Bonfelder Werner Schneider als Licht, schließlich habe
dieser sie bei ihren Recherchen mit wichtigem Wissen versorgt. Im Dorf habe
es aber auch Funktionäre der Dunkelheit gegeben, eine Urgewalt des Bösen
brach bald über das Dorf herein, die jüdischen Mitbürger wurden nach Riga
deportiert.
In der Dorfmitte. Dass es wichtig sei, dass die Tafel nun in der
Dorfmitte steht, begründete Cochrane damit, dass die Verschleppten in der
Ortsmitte gelebt haben, so wie auch die Synagoge dort stand. Cochrane
schloss mit dem Wunsch: 'Möge diese Tafel als Licht der Wahrheit unserem
Dorf zum Segen dienen'. Oberbürgermeister Sebastian Frey erklärte, ihn
erfülle es mit Zuversicht und Hoffnung, dass an diesem 80. Jahrestag der
Deportation württembergischer Juden so viele an der Tafelaufstellung
teilgenommen hätten. Sie sei 'ein weiterer Mosaikstein der Gedenkkultur in
Bad Rappenau, so der OB weiter." |
Links und Literatur
Links:
Quellen:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 136-137. |
 | Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in
Kreis und Stadt Heilbronn. S. 101-109. |
 | Germania Judaica III,1 S. 136-137. |
 | "Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung". Dokumentation
der Evangelischen Kirchengemeinde Bonfeld. November 1988. |
 | Bonfeld. Heimatgeschichtliche Beiträge aus Vergangenheit und
Gegenwart eines ehemals reichsritterschaftlichen Dorfes. Hg. von der Stadt
Bad Rappenau (Redaktion: Rudolf Petzold, Anne und Helmut Schüßler). 2000.
Darin von R. Petzold und Werner Schneider: Die Bonfelder Judenschaft S.
446-460.
|
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 63-64. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007. |
 | Renate Cochrane: "Vergesst uns nicht" Gedenken an
die jüdischen Mitbürger in Bonfeld. Teil 1, In: Bad Rappenauer Heimatbote.
Veröffentlichung des Heimat- und Museumsvereins Bad Rappenau sowie der Stadt
Bad Rappenau. 33. Jahrgang Dezember 2023 Nr. 35. S. 56-61.
Eingestellt als pdf-Datei. |
 | dies.: "Vergesst uns nicht" Gedenken an die jüdischen
Mitbürger in Bonfeld. Teil 2, In: Bad Rappenauer Heimatbote.
Veröffentlichung des Heimat- und Museumsvereins Bad Rappenau sowie der Stadt
Bad Rappenau. 35. Jahrgang Dezember 2024 Nr. 36. S. 44-61.
Eingestellt als pdf-Datei. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Bonfeld Wuerttemberg. The permanent Jewish
settlement dates from the second half of the 18th century, reaching a peak
population of 129 in 1854. Jews played a leading role in Bonfeld's economy,
owning stores and engaging in the cattle trade. In the Nazi era businesses
closed down and the synagogue was destroyed in the Kristallnacht disturbances
(9-10 November 1938). Half the town's 40 Jews emigrated until 1941; the rest
were deported to the east and perished.

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