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Mayen (Kreis
Mayen-Koblenz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Mayen bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter.
Erstmals wird sie 1313 genannt. Im Zusammenhang mit den Judenverfolgungen in der
Pestzeit 1348/49 wurde die Gemeinde vernichtet. In den folgenden
Jahrzehnten werden nur vereinzelt jüdische Familien in der Stadt genannt. 1418
wurden die Juden aus dem Kurfürstentum Trier und damit auch aus Mayen
vertrieben. Im 16. Jahrhundert wird 1547 und 1563 jeweils eine jüdische
Familie in Mayen genannt.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17./18. Jahrhundert zurück.
Im Zusammenhang mit der 1618 erlassenen "Judenordnung" der Trierer
Kurfürsten war es möglich, dass Juden unter dessen Schutz wieder in der Stadt
aufgenommen werden konnten. Im jüdischen Friedhof Mayens datiert der älteste Grabstein auf 1640. 1773 sind acht jüdische Familien mit zusammen 39 Personen in Mayen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt:
1808 56 jüdische Einwohner, 1815 61, 1826 72, 1858 206, 1895 321 und 1901 344 Personen. 1905 ging die Zahl leicht auf 328 jüdische Einwohner zurück
(in ca. 85 Familien). Die jüdischen Familienvorsteher verdienten den
Lebensunterhalt seit der zweiten Hälfte de3s 19. Jahrhunderts vor allem im
Einzelhandel. Ihre Läden befanden sich zumeist zwischen Brückenstraße,
Marktstraße und Marktplatz. Dazu gab es einige jüdische Viehhändler in der
Stadt.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religions- beziehungsweise
Elementar-/Volksschule (im Gebäude Im Hombrich 11), ein rituelles Bad sowie einen eigenen
Friedhof. Seit 1868 war Mayen Sitz eines Synagogenbezirkes. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war seit Mitte des 19. Jahrhunderts sowohl ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter
tätig war als auch ein Schochet (Schächter), der zugleich Hilfsvorbeter war. Von 1861 bis 1879
wirkte Lehrer E. Mendel in Mayen. Als aus der jüdischen Schule 1878 eine öffentliche
Israelitische Elementarschule wurde, ist als Elementarlehrer E. Nathan eingestellt
worden (1880). Er konnte 1905 sein 25-jähriges Ortsjubiläum feiern. Seit 1910
war Albert Levy in der Gemeinde als Lehrer und Kantor tätig.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Oskar Bonn (geb.
11.2.1879 in Metz, gef. 26.4.1916), Carl Mayer (geb. 20.9.1899 in Mayen, gef.
18.8.1918), Max Minkel (geb. 6.5.1894 in Mayen, gef. 18.8.1916),
Felix Treidel (geb. 7.7.1884 in Mayen, gef. 11.9.1915) und Heinrich Treidel (geb.
25.8.1887 in Mayen, gef. 14.4.1917). Außerdem sind gefallen: Unteroffizier Max
Gottschalk (geb. 8.6.1892 in Mayen, vor 1914 in Köln wohnhaft, gef. 5.3.1916),
Leo Löwenbach (geb. 18.8.1891 in Mayen, vor 1914 in Bonn wohnhaft, gef.
12.6.1915), Ludwig Wendel (geb. 25.3.1875 in Mayen, vor 1914 in Mainz wohnhaft,
gef. 25.3.1916) und Unteroffizier Walter Rosenthal (geb. 21.9.1895 in Mayen, vor
1914 in Dortmund wohnhaft, geb. 12.6.1918).
Um 1924, als zur Gemeinde 275 Personen gehörten (2,2 % von insgesamt ca. 13.000 Einwohnern), waren die
Vorsteher der Gemeinde Hermann Treidel, Daniel Mayer, Julius Treidel. Der Repräsentanz gehörten an: Juda Hartmann, Dr. Gottschalk, Jakob Kaufmann, Isidor Hirsch, David Mayer, Jakob Mayer, Max Löwenbach und Karl Günther. Als
Kantor und Lehrer war der bereits genannte Albert Levy angestellt. Er unterrichtete an der jüdischen Volksschule damals 18 Kinder und
erteilte Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen für 15 Kinder. An jüdischen
Vereinen bestanden die Chewra Kadischo Bachurim (Israelitischer Jünglingsverein, gegründet 1832, Ziel: Ausbildungsbeihilfen zur Erlernung produktiver Berufe, 1924/32 unter Leitung von Leopold Gottschalk, 1924 40 Mitglieder, 1932 31 Mitglieder, zum 100jährigen Jubiläum 1932 siehe Bericht unten), die
Chewras Noschim (Israelitischer Frauenverein, gegründet 1870, 1924 unter Leitung der Witwe von Josua Loeb, 1932 Vorsitzende Frau Minkel, Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger, 1932 60 Mitglieder) und der
Challoh-Verein (Brautausstattungsverein, 1924 unter Leitung von Frau L. Gottschalk, 1932 Frau Schloß). Außerdem bestanden ein
Jüdischer Jugendbund (1932 unter Leitung von Gustav Stern), eine Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (1932 unter Leitung von Dr. Hartmann) und eine
Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1932 unter Leitung von Jacob Mayer).
1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Hermann Treidel (1. Vors.), Isidor Hirsch (2. Vors.) und Jacob Mayer (3. Vors.). Der Repräsentanz gehörten neun Personen an unter Vorsitz von Jacob
Cossmann. Als Rabbiner war für Mayen Rabbiner Dr. Wolf aus Köln tätig. Lehrer und Kantor war weiterhin Albert Levy, als zusätzlicher Kantor wird Bernhard Jankelowitz genannt.
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 225 Personen) auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.), mehrere jüdische
Familien wurden überfallen, etliche Personen misshandelt. Am Tag nach dem
Pogrom wurden alle jüdischen Einwohner nach Aufforderung des Bürgermeisters
zur "Vernehmung" in die alte Turnhalle gebracht. 1941 wurden nur noch 76 jüdische Einwohner gezählt. Sie wurden 1942 deportiert.
Von den in Mayen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Nettchen Auerbach geb. Berger (1884), Rabbiner Dr. Oskar Baer (1856), Elisabeth Behrendt geb. Gottschalk (1898),
Moritz Bender (1878), Alexander Berger (1886), Emil Berger (1870), Erna Berger
geb. Bär (1896), Heinz Berger (1933), Hermann Berger (1888), Miriam Beate
Berger (1937), Rosa Berger (1893), Sophie Boley geb. Wolff (1871), Walther Boley (1901),
Martha Bonem geb. Treidel (1885), Sylvain Bonem (1881), Ernst Brasch (1891), Walter Brasch (1896), Amalie Brill geb. Mayer (1896), Rudolf Bonem (1923), Ernst Cohn (1923 oder 1925), Hermann Cohn (1887 oder 1888), Hilde Cohn (1922), Martha Cohn geb. Zelenka (1890 oder 1894),
Wilhelmine (Mina) Cohen geb. Wolf (1881), Johanna Cossmann geb. Schild (1884),
Sophie Daniel geb. Kahn (1882), Julia Dember geb. May (1883), Justine Deutsch geb. Kaufmann (1867),
Setta Diewald geb. Hartmann (1863), Anna Eggener geb. Baum (1892), Betty Eggener (1918), Emma Eggener geb. Oppenheimer (1884), Hermann Eggener (1887), Max Eggener (1873), Auguste Elburg geb. Treidel (1887), Jakob Elburg (1916), Klara Falk (1894), Anna Fröhling (1904), Leo Fröhling (1896), Max Fröhling (1877), Babette Gärtner geb. Blum (1881 oder 1883), David Gärtner (1884 oder 1889), Johanna (Hanna) Gärtner (1889), Moritz Gärtner (1884 oder 1886), Hertha Gerson geb. Gottschalk (1911), Juliane Goldschmidt geb. Bender (1884), Ottilie Goldschmidt (1920),
Sally Goldschmidt (1885), Hermine Gottfried geb. Löwy (1877), Emma Gottschalk geb. Haas (1876), Fanny Gottschalk geb. Schwab (1881), Otto Gottschalk (1865),
Robert Gottschalk (1864), Wolfgang Gottschalk (1864), Johanna Günther (1868), Emma Haimann geb. Siegler (1893), Ruth Haimann (1924), Walter
Salomon Haimann (1930), Alexander Hartmann (1891), Leopold Hartmann (1889),
Philipp Hartmann (1905), Paula Hertz geb. Lichtenstein (1893), Johanna
Hirschfeld geb. Treidel (1892), Rebekka Isay geb. Loeb (1873), Bertha Issen geb.
Kahn (1874), Else de Jong geb. Minkel (1882), Elli Jülich (1927), Johanna
Jülich geb. Berger (1891), Otto (1892), Elsa Juffe geb. Löwy (1895), Adolf
Kahn (1870), August Kahn (1869), Hedwig Kahn geb. Loeb (1867), Henrietta (Henni) Kahn (1876), Wilhelm Kahn (1879), Bertha Kaplan geb.
Meyer (1875), Moritz Kaufmann (1885), Selma Kaufmann geb. Treidel (1882), Bertha Levy geb. Gottschalk (1871), Emma Levy
geb. Treibel (1881), Kurt Levy (1908), Rosa Levy geb. Bähr (1873), Felix Lichtenstein (1896), Karoline Lichtenstein geb. Kaufmann (1864), Lore (Lora) Lichtenstein (1925), Mathilde Lichtenstein geb. Hertz (1892), Wilhelm Lichtenstein (1891),
Bertha Lindner geb. Schmitz (1884), Albert Löw (1867), Berta Löwenthal (1861),
Siegfried Lorig (1882), Augustine (Augusta) Marx geb. Treidel (1850), Jakob May (1890), Sigmund May (1860), Bernhard Mayer (1870), David Mayer
(1885), Helene Mayer geb. Simon (1875), Julius Mayer (1897), Max Mayer (1873), Moritz Mayer
(1861), Sally Mayer geb. Bretzfelder (1888), Siegfried Mayer (1892), Simon Meyer (1873), Adolf Minkel (1870), Regine Oppenheimer (1875), Irma Ratheim geb. Gottschalk (1907),
Martha Röther geb. Rosenthal (1882), Emilie Rosenstirn geb. Gottschalk (1868),
Adolf Rosenthal (1873), Artur Rosenthal (1897), Hugo Rosenthal (1881), Ilse
Rosenthal (1898), Minna Rosenthal geb. Löb (1856), Jeanette (Jenny) Salm geb.
Boley (1897), Mathilde Schäfer geb. Freilich (1901), Sally Schäfer (1874), Bertha Schlesinger geb. Löwy (),
Pauline Schochauer geb. Rosenthal (1889), Goldine Schloss geb. Katz (1867),
Hedwig Schloss geb. Gottschalk (1869), Hilde Schrein (1911), Isaak Schrein
(1878), Johanna (Jutta) Schulze geb. Minkel (1867), Frieda Schwab geb. Frank (1860), Gertrude Seewald geb. Treidel
(1903), Hedwig Stern geb. Gottschalk (1889), Irma Stock geb. Löwenbach (1918), Mathilde Süskind geb. Bender (1876), Alfred Treidel (1883), Arthur Treidel (1887), Bella Treidel geb. Oppenheimer (1886), Berthold Treidel (1883), Dorothea Treidel geb. Kronenberger (1882), Flora Treidel geb. Kaufmann (1896),
Grete Treidel (1923), Hugo Treidel (1885), Isaac Treidel (1866), Josef Treidel (1887), Karl Treidel (1876), Klara Treidel
geb. Heymann (1883), Leo Treidel (1880), Maximilian Treidel (1874), Mathilde Treidel geb. Herz (1891),
Norbert Treidel (1903), Otto Treidel (1920), Rebekka Treidel geb. Rosenthal (1860), Rosi Treidel (1930), Willy Treidel (1888),
Elias Vendig (1860), Else (Elsa) Waller geb. Zelenka (1892), Julie Weinthal geb. Treidel
(1880), Julie Weiss geb. Löb (1869), Johanna Westheimer geb. Mayer (1882), Josef Wolf (1882), Julius Wolf (),
Betty Wollziefer geb. Bähr (1893), Therese Zander geb. Mayer (1886), Eduard Zelenka (1860), Ida Zelenka geb. Jansen (1895), Max Zelenka (1893), Ruth Zelenka (1927), Thea Zelenka (1922).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
Lehrer und Kultusbeamten
Anmerkung: die jüdische Gemeinde Mayen hatte für die
Israelitische Elementarschule einen Lehrer angestellt, der zugleich als Kantor
(Vorbeter) und der Gemeinde tätig war. Außerdem war ein Schochet (Schächter)
angestellt, der zugleich Hilfsvorbeter war.
| Ausschreibungen der
Religions-, Elementarlehrer und Kantorstelle 1858 / 1858 / 1879 |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Januar 1858: "Bei
der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Religions-,
Elementarlehrers und Kantors mit einem jährlichen Gehalte von 200, 250
bis 300 Talern, exklusive der Nebeneinkünfte, vakant, und ist zu jeder
Zeit, längstens aber bis zum 1. Mai laufenden Jahres zu besetzen.
Bewerber wollen sich an den Vorstand wenden.
Mayen bei Koblenz, den 15. Januar 1858. Der Israelitische Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1878:
"Durch Verfügung der Königlichen Regierung in Koblenz wurde die
hiesige israelitische Schule als öffentlich anerkannt, und die Stelle zur
ordnungsmäßigen Besetzung eines Lehrers, verbunden mit der eines
Kantors, ausgeschrieben.
Reflektanten können sich innerhalb 14 Tage unter Einsendung ihrer
Zeugnisse beim hiesigen Kreisschulinspektor, Herrn Kelleter,
anmelden.
Gehalt 1200 Mark. Zur näheren Auskunft ist gern bereit der Vorstand
der Synagogengemeinde Mayen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1879: "Die
Lehrerstelle an der israelitischen Schule zu Mayen, welche von der
Königlichen Regierung in Koblenz als eine öffentliche anerkannt wurde,
ist zu besetzen.
Das Einkommen derselben beträgt einschließlich der Besoldung für den
Kantordienst jährlich 1200 Mark, neben freier Wohnung oder
Mietsentschädigung. Bewerbungen um die Stelle sind unter Beifügung der
Zeugnisse binnen 3 Wochen an den Kreisschulinspektor Herrn Kelleter zu
Mayen zu richten. Gemeinde: orthodoxe Richtung.
Nur auf einen tüchtigen und talentvollen Mann, welcher zugleich die
Befähigung hat, einen Chor zu leiten, wird reflektiert. Nebenverdienste
stehen in Aussicht. Zu einer jeden näheren Auskunft ist der Vorstand
bereit.
Der Vorstand der Synagogengemeinde." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1879:
"Erklärung. Meine Schule, an welcher ich bereits 18 Jahre tätig
bin, wurde von Königlicher Regierung als öffentliche erklärt und schon
zweimal ausgeschrieben. Immer bemüht, zur allseitigen Zufriedenheit zu
wirken, kann ich wohl hoffen, wiedergewählt zu werden. Meine geehrten
Herren Kollegen werden auch gewiss nicht dazu beitragen wollen, mich um
meine Stelle bringen zu helfen. Mir jetzt noch eine andere zu suchen,
würde mir sehr beschwerlich sein. Mayen, den 3. Juni 1879. E. Mendel,
Lehrer." |
| Trotz der Erklärung von Lehrer E.
Mendel wurde mit dem Lehrer und Prediger E. Nathan eine neue Person
eingestellt (zu seinem Dienstjubiläum siehe Bericht unten). |
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| Ausschreibungen der
Stelle des Schochet und Hilfsvorbeters 1886 / 1907 / 1920 / 1922 / 1923 |
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1886: "Die
Synagogen-Gemeinde Mayen sucht einen streng religiösen Stadt-Schochet;
musikalisch gebildet bevorzugt. Gehalt nach Übereinkunft. Der Vorstand
Elias Rosenthal". |
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Anzeige im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. November 1907: "Synagogengemeinde
Mayen sucht per 1. Januar 1908 einen tüchtigen gewandten
Schochet
und Hilfsvorbeter. Gehalt Mark 1.500 M.
Der Vorstand. Elias Rosenthal". |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1920: "Die Gemeinde
Mayen (Rheinland) sucht zum baldigen Eintritt einen
Schochet, Hilfsvorbeter und Synagogendiener.
Möglichst unverheiratete Bewerber wollen ihr Angaben richten an den
Synagogen-Vorstand
Leopold Gottschalk in Mayen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1922:
"Die Gemeinde Mayen, Rheinland, sucht zum baldigen Eintritt einen
Schochet und Hilfsvorbeter. Möglichst unverheiratete Bewerber wollen ihre
Angebote richten an den Synagogen-Vorstand Leopold Gottschalk in
Mayen." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1923: "In hiesiger
Gemeinde ist die Stelle des Schochets und Hilfsvorbeters zu besetzen.
Bewerbungen möglichst Unverheirateter an den Vorstand der
Synagogengemeinde Mayen (Rheinland), Leopold Gottschalk". |
25-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers und Predigers E.
Nathan 1893 (in Mayen seit 1880)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. April 1893:
"Mayen, 4. April (1893). Am 1. April waren 25 Jahre verflossen, seit
der Lehrer und Prediger der hiesigen Synagogengemeinde, Herr E. Nathan,
sein Amt angetreten. Von diesen 25 Jahren hat derselbe die letzten 13
Jahre hier in unserer Gemeinde segensreich gewirkt. - Am 1. Tag Pessach,
nach Beendigung des Gottesdienstes, erschien deshalb der gesamte Vorstand
in Begleitung der Herren Repräsentanten der Gemeinde in der Wohnung ihres
Lehrers, um demselben ihre Glückwünsche zu seinem Jubiläum
darzubringen. Dabei überreichte ihm der Vorstand einen mit entsprechender
Widmung versehenen, prachtvollen, silbernen Pokal als Ehrengabe der
Gemeinde.
Es ist ein ehrendes Zeugnis für das Wirken des Herrn Nathan, aber auch
für die Gemeinde, die in solcher Weise die hingebende Arbeit ihres
Lehrers zu würdigen weiß." |
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| 25-jähriges
Ortsjubiläum des Lehrers und Kantors E. Nathan (1905) |
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. März
1905: "Mayen (Rheinprovinz). Am 1. April (1905) wird Herr E.
Nathan sein 25-jähriges Jubiläum als Lehrer und Kantor der hiesigen
Gemeinde feiern." |
Zum Tod des Kantors Jacob Treidel
(1908)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Februar
1908: "Mayen (Rheinprovinz). Im Alter von 71 Jahren verschied
nach 40-jähriger Amtstätigkeit unser Kantor, Herr Jacob Treidel. Er
hinterlässt das Andenken eines frommen, edlen
Menschen." |
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Levi
(1924)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1924:
"Mayen (Rheinland), 1. April (1924). Am 1. April waren es 25
Jahre, dass Herr Lehrer Levi in den Schuldienst trat. Nach seiner
Tätigkeit in einigen westfälischen Gemeinden wurde er im Jahre 1910 in
unsere Gemeinde berufen, wo er einen vielseitigen Wirkungskreis
fand.
Am verflossenen Schabbos würdigte in der festlich geschmückten Synagoge
nach dem Einheben (sc. der Torarollen) der Vorsteher die Verdienste des
Jubilars um Schule und Gemeinde, worauf Herr Lehrer Levi in einer kurzen
Ansprache erwiderte. Nach Schluss des Gottesdienstes gratulierten Vorstand
und Repräsentanz in der Wohnung des Jubilars, wobei ihm ein hübsches
Geschenk überreicht wurde. Möge es dem verehrten Lehrer, der sich in
seiner Gemeinde, bei seinen Berufskollegen und in den weitesten Kreisen
der Bürgerschaft der größten Wertschätzung erfreut, vergönnt sein,
noch lange Jahre segensreich in unserer Gemeinde zu
wirken." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Zur Gründung des Vereines zur Unterstützung armer
durchreisender Israeliten (1882)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1882: "Mayen, 27. Dezember
(1881). Die hiesigen israelitischen Gemeindemitglieder hielten am
Sonntagabend eine Besprechung behufs Gründung einer Unterstützungskasse
für durchreisende israelitische arme Leute und Handwerksburschen. Diese
Unterstützungskasse hat den Zweck, das Hausbetteln zu verhüten. Sofort
wurden 600 Mark als freiwillige Beiträge gezeichnet und ist zu erwarten,
dass diese Summe sich noch um ein Erhebliches vermehrt. Die israelitische
Gemeinde hat dadurch eins schönes Beispiel gegeben, von dem man nur wünschen
muss, dass dasselbe auch andererseits Nachahmung finden möchte. (Mayener
Volkszeitung)." |
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Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Januar 1882 (leicht abgekürzt
wiedergegeben): "Frankfurt am Main, 8. Januar (1882). In Ihrer geschätzten
Zeitung Nr. 1 erzählt ein Bericht aus Mayen, dass die dortige jüdische
Gemeinde eine Unterstützungskasse gegründet habe, welche dem Dürftigen
die jüdischen Häuser verschließen soll, was jedoch dem göttlichen
Tora-Geiste durchaus nicht entsprechen dürfte... Unser Ahn Abraham
unser Vater – er ruhe in Frieden … wird uns von unseren Weisen seligen Andenkens als älterer, edelster Mann
der Gerechtigkeit, als Vorbild zur Nachahmung für alle Zeiten vorgeführt.
Sein Haus hatte nach allen 4 Seiten Eingänge, damit die Hilfesuchenden,
was nebenbei gesagt, - nicht Gleichgläubige waren, - nicht einmal einen
kleinen Umweg machen müssten, um einzukehren und gastlich aufgenommen zu
werden und statt der Türaufschrift: ‚Mitglied des Armenvereins’,
sollten in keinem jüdischen Hause die schönen Worte der Mischna: ‚es
sei dein Haus offen sein und es sollen die Armen die Kinder deines Hauses
sein’ … in leuchtender Frakturschrift fehlen, um würdige
Nachkommen unserer großen Ahnen, der Söhne
der Barmherzigkeit zu bleiben. J.G.
(Wer seinen Beitrag in eine Unterstützungskasse gibt und auf diese die
ihn ansprechenden Armen hinweist, verfehlt durchaus nicht gegen das jüdische
Religionsgesetz. – Red.)." |
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Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1882: "Mayen. In Nr. 2 Ihrer
geschätzten Zeitung befindet sich ein Artikel, datiert ‚Frankfurt’,
unterzeichnet J.G., worin der jüngst hier ins Leben gerufene Verein zur
Unterstützung armer durchreisender Israeliten einer scharfen Kritik
unterzogen wird. Sehr richtig hat die geschätzte Redaktion zwar schon
sogleich dazu bemerkt, dass eine solche Einrichtung unseren Vorschriften
nicht zuwiderhandele; dessen ungeachtet fühlen wir uns veranlasst,
hierauf zu erwidern, da andernfalls unser Stillschweigen als Zustimmung könnte
betrachtet werden; wir rufen dem Betreffenden zuvörderst zu (hebräisch
und deutsch): ‚Gebet Acht auf die Ehre der Armen!’ Dieses ist jedoch
nicht durch eine Gabe im Verborgenen zu erzielen und war sowohl dieses als auch die
Gefahr, dass durch das Aufsuchen der in der hiesigen Stadt wohnenden ca.
60 bis 70 jüdischen Familien die Armen von der Polizei häufig arretiert
werden, die Veranlassung zur Gründung des vorerwähnten Vereins. Der von
dem Betreffenden gebrachte Vergleich mit dem Hause unseres
Vaters Abraham - er ruhe in Frieden – ist hier nicht am Platze, da
einesteils an diesen Türen keine Polizisten zu finden waren, andernteils
die hierher kommenden Armen nach wie vor Essen und Trinken genügend
erhalten, und wird der Einsender es doch für keinen Verlust für die
Armen halten, dass dieselben fernerhin nicht mehr durch alle Straßen der
Stadt zu laufen haben, da die denselben zu gewährende Unterstützung nach
unserem Dafürhalten der ungefähren Schätzung des Ertrages entsprechen
wird. Wir bitten deshalb den Einsender, welcher, wie es scheint, hier
nicht sehr lokalkundig ist, fernerhin bei einer ähnlich zu erteilenden
Kritik etwas vorsichtiger zu sein, da es überhaupt bedeutend leichter
ist, eine jede Einrichtung zu bemängeln, als dieselbe zu verbessern." |
Erste Regungen des Antisemitismus in Mayen (1893 / 1894 / 1895)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1893: "Mayen, 1. März. In
hiesiger Stadt, in der von jeher die Mitglieder der jüdischen Gemeinde
mit ihren christlichen Mitbürgern im schönsten Einvernehmen leben,
glaubte ein Herr S., welcher bei der letzten Stadtratswahl, nach seiner
Meinung durch die Stimmen der israelitischen Wähler, durchgefallen war,
den Beruf zu haben, dem Antisemitismus auch hier Eingang zu verschaffen.
Nachdem seit einigen Wochen die bekannten antisemitischen Flugblätter in
großer Masse verbreitet worden waren, berief Herr S. für Samstag, den
25. dieses Monats (25. Februar 1893) eine antisemitische Versammlung ein.
Zu derselben erschienen jedoch außer dem Einberufer selbst, nur einzig
und allein der Polizeibeamte, welcher die Versammlung überwachen sollte.
Diese ‚allgemeine Nichtbeteiligung’, welche unsere christlichen Mitbürger
in hohem Grade ehrt, dürfte Herr S. wohl davon überzeugt haben, dass für
seine Bestrebungen hier das geeignete Feld nicht vorhanden ist." |
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Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1894: "Koblenz, 25. Mai. Die
seinerzeit von der hiesigen Staatsanwaltschaft mit Beschlag belegte
Schrift ‚Das auserwählte Volk in Mayen’, bildete heute die
Anklage-Begründung gegen den Verleger der antisemitischen Zeitung
‚Koblenzer Volksfreund’, Anton Simonis hier. Strafantrag hatten die
Synagogengemeinde und 14 jüdische Einwohner in Mayen gestellt. Das
Gericht verurteilte den Herausgeber der Schrift, A. Simonis zu einer
Geldstrafe von 150 Mark und sprach den Beleidigten das Recht der Veröffentlichung
des Urteils zu." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Januar 1895:
"Das in Koblenz erscheinende Antisemitenblatt leistete sich vor
einiger Zeit das harmlose Vergnügen, einige angesehene Mitglieder der
jüdischen Gemeinde in Mayen durch eine Schmähschrift, betitelt: 'Das
auserwählte Volk in Mayen', zu verleumden und zu beschimpfen. Die
Beleidigten beschritten nun den Weg der Klage, und der betreffende
Redakteur wurde in allen Instanzen verurteilt, sodass der Spass ihm die
Summe von 288.30 Mark kostet." |
In Mayen wird eine zionistische Ortsgruppe gegründet (1906)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. März 1906: "Mayen
(Rheinpreußen), 25. März (1906). Samstag, den 18. dieses Monats sprach
hier in einer Propagandaversammlung, die von Herrn Lehrer E. Nathan
geleitet wurde, Herr Redakteur Julius Berger über den Zionismus. In der
sich anschließenden Diskussion sprachen die Herren Nathan und Dr.
Gottschalk ihre Bedenken gegen den Zionismus aus, und wurde ihnen von den
Herren Dr. Minkel, Lehrer Reinhardt und Julius Berger entgegnet. 31 Damen
und Herren erklärten sich für die Gründung einer zionistischen
Ortsgruppe.
Die Ortsgruppe ist nun vergangenen Samstag endgültig konstituiert worden,
nachdem Herr Lehrer Reinhardt über die Organisation des Zionismus
gesprochen hatte. - Ergebnis der Wahlen: Dr. Minkel, Vorsitzender, A.
Treidel, Schriftführer, B. Krämer, Kassenführer, M. Gottschalk, C.
Günter und A. Meyer, Beisitzer." |
100-jähriges Jubiläum der Chewrah Kadischa
(Wohltätigkeits- und Bestattungsverein) (1932)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1932: "Mayen, 18. Dezember
(1932). Am Sabbat Paraschat
wejischlach beging die Chewrah
Kadischah-Bachurim das Fest ihres 100jährigen Bestehens. Bei
Festgottesdienst am Sabbat morgen sang der Synagogenchor einige von Herrn
Lehrer Levi eigens hierfür eingeübte Gesänge. Vom Vorstand der Gemeinde
war das Aufrufen zur Tora für die Mitglieder der Chewrah reserviert. Herr
Lehrer Levi gab dann in formvollendeter Predigt einen Bericht über Gründungszeit
und Gründer der Chewrah und brachte aus den Statuten, dieselben sind auf
dem Jahre 1935, einige interessante Einzelheiten. Mit dem Lernkaddisch
schloss die eindrucksvolle Feier.
Abends um 8 Uhr versammelte sich die Gemeinde fast vollzählig zu einem
Festabend im Sterngartensaale. Der Jüdische Jugendbund und viele andere
hatten sich in den Dienst des Festes gestellt und brachten hier auf das
Fest bezügliche Vorträge und humorvolle Gesänge zum Vortrag.
Am Sonntagmorgen begaben sich die Mitglieder der Chewrah zum Friedhof, wo
sie nach einer kurzen Ansprache an den Gräbern der Gründer des Vereines
Gebete sprachen." |
Veranstaltung des Jüdischen Jugendbundes
Mayen (1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1933:
"Mayen, 15. Februar (1933). Der Jüdische Jugendbund Mayen hörte in
seiner Vortragsreihe am 12. Februar Frau Rabbiner Käthe Jacobs aus Bad
Kreuznach. Die Rednerin sprach über Franz Rosenzweig, sein Leben und
Wirken und verstand es, den Menschen Franz Rosenzweig und sein Werk den
Zuhörern fühlbar nahe zu bringen. Selbst diejenigen, denen über den
Dichter und Philosophen nichts bekannt war, werden sich durch die klaren
und treffenden Ausführungen stets seiner
erinnern." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Stabsarzt Dr. S. Gottschalk wird mit dem EK I
ausgezeichnet (1916)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember
1916: "Mayen. Stabsarzt Dr. S. Gottschalk, Regimentsarzt im 4.
bayerischen Infanterie-Regiment wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse
ausgezeichnet." |
40-jähriges Amtsjubiläum von Hermann Treidel als Gemeindevorsteher (1927)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Januar 1927: "Mayen, 22. Januar. Am
19. Januar beging der 1. Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Hermann Treidel,
seinen 75. Geburtstag und gleichzeitig sein 40jähriges Amtsjubiläum als
Gemeindevorsteher. Aus diesem Anlass veranstaltete die Gemeinde einen
Festgottesdienst im Rahmen des Freitag-Abendgottesdienstes. In seiner Rede
würdigte der Herr Lehrer anhand des Wochenabschnittes die 40jährige Tätigkeit
des Jubilars, in treffenden Worten legte er dar, was es bedeute, so lange
in einer Gemeinde an der Spitze zu stehen. Nach ihm fand der 2. Vorsteher,
Herr Juda Hartmann, ebenfalls herzliche Worte der Anerkennung, besonders
die Zusammenarbeit mit den übrigen Vorstandsmitgliedern und den Repräsentanten
betonend.
Nach beendetem Gottesdienst am Schabbos Morgen gratulierten Vorstand und
Repräsentanten, denen sich der Bürgermeister der Stadt angeschlossen
hatte, in der Wohnung. Dort brachte Herr Hirsch als Vorsitzender der Repräsentanten
noch einmal die Glückwünsche der Gemeinde dar. Der Jubilar dankte mit
bewegten Worten für die ihm von allen Seiten bereiteten Ehrungen. (Alles Gute) bis 120 Jahre!" |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige zur Verlegung des Lukasmarktes wegen des
jüdischen Versöhnungsfestes (Jom Kippur) (1853)
Anmerkung: der Lukasmarkt - heute noch das größte Volksfest der Osteifel im
Herbst eines jeden Jahres - der in Mayen seit mindestens 1405 stattfindet, wurde
um einen Tag vorverlegt, weil das jüdische Versöhnungsfest 1853 auf einen an
sich feststehenden Markttermine fiel. Die Verlegung geschah nicht nur aus
Rücksicht auf die Mayener Juden, sondern vor allem aus dem Grund, da der
größte Viehmarkt der Region von vielen jüdischen Viehhändlern frequentiert
wurde (Anzeige und Erläuterung erhalten von Franz G.
Bell).
Anzeige im "Mayener Kreis- und Anzeigen-Blatt" vom 1853: "Kram-
und Viehmarkt zu Mayen.
Wegen des jüdischen Versöhnungsfestes wird der diesjährige Lucas-Markt
zu Mayen nicht wie gewöhnlich am Dienstag und Mittwoch, sondern am
Montag und Dienstag den 10. und 11. Oktober dieses Jahres
stattfinden, wovon das marktbesuchende Publikum hierdurch benachrichtigt
wird.
Mayen, den 5. September 1853. Der Bürgermeister,
Kneip." |
Anzeige
des Manufakturwarengeschäftes B. Nathan (1903)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 20. Mai 1903:
"Ein Lehrling und Volontärin per gleich gesucht. Pension im Hause
bei Familienanschluss.
B. Nathan, Manufakturwaren, Mayen." |
Zur Geschichte der Synagoge
Bereits im Mittelalter gab es einen Betsaal
beziehungsweise eine Synagoge (1313 genannt).
Im 18. Jahrhundert dürfte wieder ein Betsaal eingerichtet wurden sein.
Bis 1855 war dieser in einem Gebäude in der Keutelstraße. Mitte des 19.
Jahrhunderts war der Neubau einer Synagoge auf Grund der rasch gestiegenen Zahl
der jüdischen Einwohner dringend nötig. Die Gemeinde konnte 1854
"Im Entenpfuhl" ein Grundstück erwerben und vermutlich noch im selben
Jahr mit dem Bau einer neuen Synagoge beginnen. 1855 war die
Einweihung der Synagoge.
In den folgenden Jahrzehnten wurden immer wieder bauliche Veränderungen oder
Reparaturen vorgenommen. Dabei wurde u.a. 1902 die Frauenempore
erweitert, wobei zwei Anbauten an beiden Längsseiten des Gebäudes erstellt
worden sind.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von SA-Leuten
geschändet, die Inneneinrichtungen zerschlagen, aufgestapelt und mit
Benzin übergossen. Die Synagoge brannte völlig aus. Die herbeigerufene
Feuerwehr beschränkte sich auf den Schutz der Nachbargebäude. Die Brandruine
der Synagoge wurde wenig später abgebrochen.
Am 9. April 1981 wurde eine Gedenktafel an die Synagoge eingeweiht;
sie hat die Inschrift: "Hier stand von 1855-1938 die Synagoge der
Jüdischen Gemeinde Mayen. Sie wurde am 10.11.1938 zerstört. Die Stadt Mayen
1980". An der Bürresheimer Straße erinnert ein Mahnmal in Form
eines großen Davidsternes an die aus Mayen deportierten und umgekommenen Juden;
die Inschrift lautet: "Zum Gedenken an die Juden aus Mayen. Einst Mitbürger;
dann verfolgt, vertrieben, vernichtet"; auf der Rückseite: "Wir
erkennen, Herr, unser Unrecht; die Schuld unserer Väter: Ja gegen dich
gesündigt (Jer. 14,20)".
Adresse/Standort der Synagoge: Im
Entenpfuhl
Fotos
(Quelle der historischen Ansichten: Landesamt für Denkmalpflege
s.Lit. S. 264)
| Die 1855
eingeweihte, 1902 erweiterte und 1938 niedergebrannte Synagoge |
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Standort der Synagoge an der
Straße
"Im Entenpfuhl" |
Straßenseitige Ansicht der
Synagoge am
Entenpfuhl nach der Erweiterung 1902 |
Der Betsaal der Synagoge in
Mayen
(1930er-Jahre) - Blick über die
Bima zum Toraschrein |
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Synagogenstandort im Sommer
2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 24.08.2009) |
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Zwischen den parkenden Autos:
Blick zur Gedenktafel |
Blick auf das
Synagogengrundstück
am Entenpfuhl |
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Inschrift der
Gedenktafel: "Hier stand von 1855-1938 die Synagoge der jüdischen
Gemeinde Mayen. Sie wurde am 10. November 1938 zerstört. Die Stadt Mayen
1980". |
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Die ehemalige jüdische Schule
mit Gedenktafel
(Im Hombrich 11)
(Fotos: Franz G. Bell) |
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Inschrift der
Tafel: "Jüdische Schule. 1873 Erwerb eines Grundstückes bei der
Synagoge. 1875 Errichtung des schlichten Schulhauses mit Wohnung durch die
Synagogengemeinde. 1875 Umwandlung von einer Privatschule in einer
'öffentliche Volksschule'. 1908 Übergang in den Besitz der
Zivilgemeinde. 1910 Instandsetzung. Unter Lehrer Albert Levi bis 1938 als
Schule genutzt." |
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Erinnerung an ein aus Mayen
stammendes jüdisches Ehepaar
auf dem jüdischen
Friedhof in Zittau
(Foto: Hans-Peter Laqueur, August 2009) |
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Grabstein
für Max Loewenbach (1865 Mayen - 1932 Zittau) und Emma Loewenbach
geb. Blumenthal (1864 Mayen - 1931 Zittau) sowie Gedenkinschrift
für den im
Ersten Weltkrieg gefallenen Leo Loewenbach |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2011:
Schweigemarsch zum Gedenken an die Ereignisse in
der Pogromnacht 1938 |
Artikel im "Wochenspiegel" Region
Mayen vom 26.10.2011: "Schweigermarsch zum Gedenken an die
Reichspogromnacht.
Mayen. Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 - die
Reichspogromnacht - hat in der ganzen Welt für Erschütterung gesorgt.
Gewalt gegen jüdische Mitbürger und deren Hab und Gut waren nur der
Anfang für eine Verfolgung von Menschen, die auch im Rückblick nach
über 60 Jahren noch unerklärlich ist..."
Link
zum Artikel |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 263-265 (mit weiteren Literaturangaben).
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Mayen Rhineland. Jews first
arrived in the 14th century. During the Black Death persecutions of 1348-49, a
number of Jews were murdered and the community came to an end, its property
expropriated. Two Jewish families received letters of protection in 1570 but at
the end of the century, the Jews were again expelled.
Jewish settlement was renewed in the 18th century. In 1773, the Jewish
population was 39. In 1849, Mayen became the seat of a regional congregation and
a new cemetery was opened. A synagogue was consecrated in 1855 and a Jewish
elementary school was founded in 1860, becoming a public institute in 1878. The
community reached a peak population of 328 in 1905. In 1933, 225 Jews remained.
On Kristallnacht (9-10 November 1938), SA troops burned the synagogue and
damaged Jewish homes and stores. The Jewish school closed down in 1939. By May
1939, 95 Jews remained. Some managed to emigrate from Germany but the last 77
were deported to the death camps of the east in the 1941/42 periode.

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