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Thür mit
Kottenheim (Kreis Mayen-Koblenz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(diese Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Franz G.
Bell)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Thür (mit Kottenheim) bestand eine kleine jüdische
Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18./19.
Jahrhunderts zurück.
Bereits im 16. Jahrhundert werden Juden in Kottenheim genannt: im
Zusammenhang mit der Ausweisung der Juden aus dem Trierer Erzstift 1563 wird
Josef von Kottenheim genannt, der noch bis 1567 am Ort bleiben
konnte.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: in Thür: 1808 34 jüdische Einwohner, 1858 34, 1895 37, in
Kottenheim 1808 6 jüdische Einwohner (Familie Gottschalk), 1858 20, 1881
vier jüdische Familien, 1895 drei jüdische Familien mit zusammen 10 Personen.
Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten die in Kottenheim lebenden jüdischen
Personen zur Synagogengemeinde Mayen. Ab 1868
schlossen sich die Kottenheimer Juden mit den in Thür lebenden Glaubensgenossen
zu einer Synagogengemeinde zusammen.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge in Thür (s.u.), eine
jüdische Schule (Religionsschule) und ein Friedhof.
Um 1924, als in Thür noch etwa 25, in Kottenheim 10 jüdische Personen
lebten, war Gemeindevorsteher Albert Mayer (auch 1932 als Gemeindevorsteher
genannt).
Anfang der 1930er-Jahre werden in Kottenheim genannt: Benjamin Gottschalk
(genannt 'Jüde Benny'') mit seiner Ehefrau Hedwig, der eine Metzgerei in der
heutigen Junker-Schilling-Straße betrieb; Fritz und Meta Levy in der
Kirchstraße, die bei Ignatz Weiler lebten; sowie Gustav Gottschalk ('Jüde
Gustav'), der mit seiner Familie - Ehefrau und zwei Töchter, die Tochter Klara
mit ihrer vierköpfigen Familie - in der Bachstraße wohnte und eine
Viehhandlung betrieb.
1933 lebten noch 19 jüdische Personen in Thür und 9 in Kottenheim). In
den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Synagoge zerstört. Die letzten jüdischen Einwohner wurden am 14.
April 1942 "nach dem Osten" deportiert. Weitere Informationen im
Beitrag von Franz G. Bell siehe unten Literatur.
Von den in Thür geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Moritz Fröhling (1880),
Rosa Fröhling geb. Mayer (1887), Rosalie Levy geb.
Gottschalk (1873), Helena Mayer geb. David (1882), Leo Mayer (), Martin Mayer
(1877), Max Mayer (1879), Milian Mayer (1881), Simon Mayer (1888), Gela Moses
geb. Fröhling (1915).
Aus Kottenheim sind umgekommen: Marta Goldschmidt geb. Gottschalk
(1905), Benjamin Gottschalk (1876), Berta Gottschalk geb. Isselbacher (1881), Gustav
Gottschalk (1875), Hedwig Gottschalk geb. Kaufmann (1882), Hilde Gottschalk
(1926), Klara Gottschalk geb. Gottschalk (1913), Kurt Gottschalk (1937), Markus
Gottschalk (1907), Roni Gottschalk (1933), Hermann-Josef Kahn (1866), Sophie Kahn
(1862), Wilhelm Kahn (1879), Johanna Kaufmann geb. Gottschalk (1874), Fritz Levy
(1901), Meta Levy geb. Gottschalk (1906).
Biographische Angaben zu den genannten Personen sind in einem Beitrag von
Franz G. Bell zusammengestellt: "Ehemals
jüdische Mitbürger in Kottenheim - in der Nazi-Zeit deportiert"
(Stand: 9.4.2012; eingestellt als pdf-Datei).
In der 1922 errichteten Gedächtniskapelle der Gemeinde wurden 1955 neben den
Namen der Gefallenen der Weltkriege auch die Namen der aus Kottenheim
deportierten jüdischen Personen aufgenommen.
Hinweis: Die Angaben zu den aus Thür und Kottenheim umgekommenen jüdischen
Personen sind aktualisiert nach den Recherchen von Franz G. Bell in Kottenheim
(Stand: Mai 2011). Das in einigen Listen zu Thür genannte Ehepaar Frieda
Gottschalk geb. Rindsberg (1881) und Salomon Gottschalk (1877) konnte in die
USA emigrieren (gest. 1949 bzw. 1943). Die gleichfalls in einigen Listen zu
Thür genannte Lina von Geldern geb. Mayer (1880) ist am 27. Januar 1941 in
Bendorf-Sayn eines natürlichen Todes gestorben (Todesschein durch einen
jüdischen Arzt erstellt).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhunderts wurden zur jüdischen Geschichte in Thür noch keine Berichte
gefunden. |
Anzeigen jüdischer
Gewerbebetriebe
Anzeige der Metzgerei Benny Gottschalk
(erhalten von Franz G. Bell)
Text
der Anzeige:
"Ochsen- und Schweinemetzgerei
Benny Gottschalk
Kottenheim Junker-Schillingstraße.
Fabrikation feiner Fleisch- und Wustwaren mit elektrischem Betrieb.
Spezialität: ff. Aufschnitt. Eigene moderne
Kühlanlage". |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum vorhanden, vermutlich
bereits im frühen 19. Jahrhundert.
1864 sollte eine gemeinsame Synagoge für die in Kottenheim, Thür,
Niedermendig und Obermendig errichtet werden, doch konnte man sich auf keinen
Standort einigen. Erst 1886 fand sich eine Lösung mit dem Beschluss, zwei
Synagogen zu erbauen: eine in Thür für die in Thür und Kottenheim lebenden
jüdischen Personen, die andere in Niedermendig für die beiden anderen
Orte.
Bei der Synagoge in Thür handelte es sich um ein basalt-steinernes
Gebäude.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge völlig zerstört.
Adresse/Standort der Synagoge: Hagelstraße
(zwischen den Häusern Nr. 4 und 8; die Hagelstraße wurde auch "Judengässjen"
genannt, da in ihr mehrere jüdische Familien [Fröhling, Salomon, Meyer]
wohnten)
Fotos
(alle Fotos erhalten von Franz G. Bell)
Fotos
zu den jüdischen Familien
in Kottenheim |
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Haus der Familie
Gustav Gottschalk
(um 1900) |
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Foto von Sigmund
und Sarah Gottschalk,
die Eltern von Martha Gottschalk |
Martha Gottschalk (geb. 1905,
später (in
Herne) verheiratete Goldschmidt;
1943 in Auschwitz ermordet)
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Von links: Markus
Gottschalk (geb. 1907),
Roni (geb. 1933), Klara (geb. 1913) und Kurt
(geb. 1937) Gottschalk; alle sind nach der
Deportation umgekommen. |
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Das ehemalige Haus
von Marta Gottschalk -
Kirchstraße 19 (gegenwärtige Ansicht) |
Das Haus der
Familie Kahn -
Burgstraße 16 (um 1920) |
Hermann-Joseph
Kahn (geb. 1866; Foto
von 1939; nach der Deportation
umgekommen) |
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In der
Mitte des Fotos links: Wilhelm Kahn (geb. 1879 in Kottenheim) mit seiner
Familie
in Koblenz, von wo er und seine Frau Jenny geb. Salomon (geb. 1888 in Kruft) 1942
deportiert wurden; die beiden Kinder Margot und Rudolf konnten mit
Kindertransporten
nach England gebracht werden. Rechts "Stolpersteine" für das
Ehepaar in Koblenz
vor dem Haus Rizzastraße 22 (Foto links: privat, rechts: Franz G.
Bell)
vgl. Beitrag von Franz G. Bell zur Geschichte
der Familie von Wilhelm Kahn (vgl. Lit.) |
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Sammelort für die jüdischen
Personen
aus der Mayener Region im Frühjahr 1942,
vor der Deportation "in den Osten": die
Reiffsmühle im Nettetal in Mayen |
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Im Nebengebäude bzw. in
der Scheune der
Reiffsmühle wurden die jüdischen Personen
vor der Deportation vorläufig untergebracht |
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Gedenken in der
Gedächtniskapelle
in Kottenheim |
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Die
Gedächtniskapelle auf dem
alten Friedhof in Kottenheim;
die Kapelle wurde in der Zeit nach dem
Ersten Weltkrieg gestiftet. |
Gedenken:
"Aus der Familie Gottschalk:
Gustav, Berta, Hilde, Markus, Klara, Roni,
Kurt / Benjamin und Hedwig / Aus der
Familie Levy: Fritz und Meta" |
Die obige Tafel wurde neben
den in der
Kapelle bereits 1954 eingetragenen 11
Namen von umgekommenen jüdischen
Personen der NS-Zeit angebracht |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 363-364 (mit einer weiteren Literaturangabe).
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Zur Geschichte der Kottenheimer Juden Beiträge von Franz G.
Bell:
n.e.

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