Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sankt Goarshausen mit Stadtteil Wellmich und Bornich (VG Loreley, Rhein-Lahn-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In St. Goarshausen bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück, wobei damals (und auch bereits im 17. Jahrhundert) nur ein bis zwei jüdische Familien am Ort lebten.   
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809 sieben jüdische Einwohner, 1843 neun, 1871 16 (1,2 % von insgesamt 1.359 Einwohnern), 1895 36 (2,4 % von 1.519), 1900 32, 1905 29 (1,7 % von 1.663), 1910 29. Die jüdischen Familien lebten in sehr einfachen Verhältnissen als Händler, Hausierer usw.
     
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Bornich beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war sowie die in St. Goarshausen und Umgebung zu unterrichten hatte. 1859 wird von Lehrer Isaak Strauß aus Nievern berichtet, der seit 1. Januar 1859 in St. Goarshausen bei Salomon Grünewald wohnte. Er hatte 15 Schüler in Bornich, Nochern, Weyer, Wellmich und St. Goarshausen zu unterrichten. Er blieb jedoch vermutlich nur bis 1860 in St. Goarshausen. 1872 unterrichtete der Lehrer aus Ruppertshofen auch die in Niederwallmenach, Bornich und St. Goarshausen lebenden jüdischen Kinder in Religion. Um 1900 war es Lehrer Lormitz aus Oberlahnstein, der die jüdischen Kinder von St. Goarshausen gemeinsam mit den Kindern aus Weyer, Lierschied und Nochern wöchentlich zwei Stunden in Religion unterrichtete. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk (Bad) Ems (später später Bad Ems - Weilburg)  
    
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Unteroffizier Moritz Lion (geb. 8.8.1896 in St. Goarshausen, gef. 27.8.1915). Außerdem starb Sgt. Siegmund Hirsch (geb. 30.1.1883 in St. Goarshausen, lebte vor 1914 in Herne, Westfalen, gest. an den Kriegsverletzungen am 29.3.1919).   
  
Um 1924, als zur Gemeinde 27 Personen gehörten (1,8 % von insgesamt 1.528 Einwohnern; dazu in Wellmich noch vier Gemeindeglieder), waren die Gemeindevorsteher A. Morgenstern und Albert Lion. 1932 war Gemeindevorsteher weiterhin A. Morgenstern. Damals gab es fünf jüdische Kinder in der Gemeinde.   
 
1933 lebten noch 17 jüdische Personen in Sankt Goarshausen(in vier bis Familien; 1,0 % von 1.720; dazu zwei jüdische Einwohner in Bornich und vier in Wellmich). In den folgenden Jahren sind alle jüdischen Gemeindeglieder in St. Goarshausen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Der letzte jüdische Einwohner - Albert Lion - verließ den Ort im Juni 1938 (nach Mannheim verzogen und dort 1939 gestorben).   
    
Von den in St. Goarshausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Arthur Hecht (1892), Leo Hirsch (1889), Blanka Lion (1906), Johanna Maier (1874), Lina Mayer (1869), Jakob Meyer (1863), Selma Wolff geb. Hecht (1883).       
   
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1900 / 1901 
in Oberlahnstein - verbunden mit St. Goarshausen als Filiale     

Oberlahnstein Israelit 29101900.jpg (54756 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1900: "Die Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle zu Oberlahnstein ist sofort zu besetzen. Fixes Gehalt 800 Mark, Einnahmen für Schächten etwa 200 Mark. Auch in Gelegenheit geboten durch Privatstunden sich einen schönen Nebenverdienst zu erwerben und den Religionsunterricht in St. Goarshausen gegen eine Vergütung von 210 Mark zu erteilen. Nur seminaristisch gebildete Lehrer werden berücksichtigt. Bewerbungen sind zu richten an Seiner Ehrwürden Herrn Dr. Weingarten, Rabbiner in Ems".     
    
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1901: "Die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schochets in Oberlahnstein, verbunden mit St. Goarshausen als Filiale, ist zu besetzen. Gehalt 1.100 Mark. Für sprachenkundigen Lehrer ist lohnender Nebenverdienst geboten; außerdem ist der Anschluss einer zweiten Filialgemeinde sehr wahrscheinlich. Seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihre Zeugnisabschriften einsenden an Vorsteher Elias Landsberg, Oberlahnstein."   

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
 
Anzeige von Louis Lion (St. Goarshausen, 1903) 
    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. November 1903: 
"In meiner Samstags und Feiertage geschlossenen Metzgerei ist die Stelle eines 
Lehrlings
 
sofort zu besetzen und erbittet Offerten 
Louis Lion
St. Goarshausen am Rhein."     

           

    
        

Zur Geschichte der Synagoge

Nach 1820 wurde im Haus des damals zugezogenen Süßel Binge eine Betstube eingerichtet. Auch die jüdischen Familien in Wellmich richteten damals eine Betstube ein. Seitdem wurde abwechselnd an den beiden Orten der Gottesdienst abgehalten.  1840 wurde der Betsaal im Haus des Simon Hecht in der Bahnhofstraße 33 eingerichtet.  
  
1863 wurde der Plan durchdacht, eine Synagoge in Sankt Goarshausen für die hier und in Bornich, Wellmich und Weyer lebenden Juden einzurichten. Der Plan scheiterte jedoch an den nicht ausreichenden finanziellen Mitteln. Die Betstube in der Bahnhofstraße wurde weiterhin benutzt: am 21. November 1937 wurde letztmals gemeinsam am Schabbat Gottesdienst abgehalten. Danach wurde das Gebäude wohl zwangsweise verkauft. Es wurde zum "Adolf-Hitler-Haus" der NSDAP Kreisleitung umgebaut und am 19. Juni 1938 als solches eingeweiht. 
  
Das Gebäude ist als Wohnhaus erhalten.
        
   

Adresse/Standort der Synagoge:    Bahnhofstraße 33  
   
     
    
Fotos

Zur jüdischen Geschichte in St. Goarshausen sind noch keine Fotos oder Darstellungen vorhanden; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.      
     
     

    
   

Links und Literatur

Links:

Website der VG Loreley   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I, S. 269-270.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 525.  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 333 (mit weiteren Literaturangaben).
Ruppertshofen Lit 020.jpg (86035 Byte)Ellen Stein: Gemeinsam leben mit Milian und Sarah. Juden in Ruppertshofen, Bogel, Bornich, Miehlen, Nastätten, Niederwallmenach und Umgebung. 41 S. und Nachtrag. Ohne Jahr. 
    

     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Sankt Goarshausen Hesse-Nassau. A permanent settlement of one to two families dates from the 17th century. By 1905 the Jewish population was 29. Services were held with the Jews of Bornich and Wellmich. Emigration began in 1936, and by 1938 all Jews had left.    
             

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Dezember 2011