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Abterode (Gemeinde
Meißner, Werra-Meißner-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Abterode bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/41. Ihre Entstehung geht in
die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück, als bereits eine jüdische
Gemeinde am Ort entstanden war: 1600 wird mit Jeremias erstmals ein jüdischer
Bewohner namentlich genannt; 1622 werden sechs jüdische Familien mit 27
Personen, 1630 7 und 1646 12 jüdische Familien gezählt. In der ersten Hälfte
des 18. Jahrhunderts war Abterode die größte jüdische Gemeinde im Bereich von
"Niederhessen", dem nordöstlichen Teil des späteren Kurhessen. Bei
der Landeshuldigung am 5. Dezember 1664 waren 16 jüdische Familien in Abterode.
1741 waren es 39 jüdische Familien mit zusammen 171 Personen, die 22,8 % der
Gesamteinwohnerschaft von Abterode ausmachten.
Die jüdischen Familien lebten am Ende des 18. Jahrhunderts vor allem in der
Ortsmitte (Kirchkranzbebauung, Steinweg).
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert
wie folgt: 1812 53 jüdische Familien, 1835 234 jüdische Einwohner,
1861 158 (1,4 % von insgesamt 1.096), 1871 139 (13,4 % von 1.040), 1885 183
(18,4 % von 997), 1905 131 (15,2 % von 860), 1910 122 (14,8 % von 826). Zur
jüdischen Gemeinde Abterode gehörten im 19. Jahrhundert auch die in den
umliegenden Orten Germerode (1835 3) und Vockerode (1835: 11,
1861: 11) lebenden jüdischen Personen. Die jüdischen Familienvorstände waren
überwiegend Händler (Viehhandel, Lebensmittel-, Manufakturwaren- und
Textilhandel) und waren Inhaber einiger für das wirtschaftliche Leben des Ortes
wichtiger Handlungen/Geschäfte. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auch
mehrere jüdische Handwerker (drei Metzger, drei Schuhmacher, zwei
Baumwollweber, zwei Färber, fünf Schneider, zwei Buchbinder und ein
Schreiner). Die meisten jüdischen Familien hatten auch eine kleine
Landwirtschaft. Vorangegangen war hierin in den 1820er-Jahren der Lehrer Levi
Oppenheim (siehe Bericht unten). Die häufigsten jüdischen Familiennamen waren:
Katzenstein, Kugelmann, Westheim, Wertheim u.a.m.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Israelitische
Elementarschule (im Gebäude Steinweg 47, Hinterhaus), eine Mikwe (hinter dem
Haus Am Sand 3, abgebrochen) sowie ein eigener Friedhof.
Die öffentliche Israelitische Elementarschule (bzw. Staatliche
Israelitische Volksschule) hatte im 19. Jahrhundert einen hervorragenden Ruf
in der weiteren Umgebung, der vor allem durch den seit 1. Januar 1842 hier
wirkenden jüdischen Lehrer B. Westheim begründet wurde (siehe Berichte unten;
sein 25-jähriges Ortsjubiläum war 1867). Vor der Gründung dieser Schule 1840
gab es eine traditionelle jüdische Schule, an der zuletzt die Lehrer Levi
Oppenheim und Aron Freudenberg unterrichteten. Die Schule hatte 1868 26 Schüler,
1881 34, 1893 48. In besonderer Erinnerung blieb auch der von 1884 bis 1921
wirkende Lehrer Joseph Bacharach sowie die letzten Lehrer Mendel Heilbronn
(1921-1927) und Hermann Spier (seit 1927). Zum 1. Januar 1934 wurde die öffentliche
Schule aufgelöst, nachdem sie zuletzt noch von 10 jüdischen Kindern besucht
worden war. Ab Dezember 1937 wurde nochmals eine private jüdische Schule eröffnet
für die 1935 15, 1938 noch 9 schulpflichtigen jüdischen Kinder in Abterode.
Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Niederhessen
beziehungsweise Kassel und wurde vom Kreisrabbiner aus Eschwege
betreut.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Kalmann Bloch
(geb. 30.11.1880 in Abterode, gef. 4.2.1916), Unteroffizier Friedrich
Goldschmidt (geb. 15.3.1889 in Frankershausen, gef. 29.7.1916), Siegfried
Goldschmidt (geb. 23.8.1897 in Abterode, gef. 1.4.1917), Daniel Katzenstein
(siehe Bericht unten, geb. 21.7.1894 in Abterode, gef. 17.7.1915)), Meier Levy
(bzw. Levi, geb. 1.8.1886 in Abterode, gef. 26.9.1917), Moses Joseph Oppenheim
(geb. 28.11.1891 in Abterode, gef. 5.12.1917), Ruben Robert Goldschmidt
(19.12.1894 in Felsberg, gef. 18.11.1918), Moritz Plaut (geb. 26.6.1880 in
Abterode, gest. an der Kriegsverletzung 11.2.1923) und Louis Schulhaus (geb.
7.3.1891 in Abterode, gest. an der Kriegsverletzung 23.5.1920).
Um 1924, als noch 102 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden
(11,2 % von 798 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde David Westheim,
Isak Stern. Als Lehrer und Kantor wirkte seit dem Weggang des Lehrers Bacharach
1921 Mendel Heilbrunn. Er unterrichtete an der Israelitischen Volksschule 10
Kinder erteilte auch den jüdischen Kindern von Frankershausen den
Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein
(Chewro gemilus chasodim, Zwecke und Arbeitsgebiet: Unterstützung Armer,
Verpflegung Kranker, Bestattungswesen; 1924 unter Leitung von J.M. Oppenheim, 35
Mitglieder, 1932 unter Leiter von Meier Stern, 24 Mitglieder) und den Israelitischen
Frauenverein (Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger,
Krankenpflege, Bestattungswesen; gegründet 1910, 1924/32 unter Leitung von Dina
Westheim, der Frau des Vorstehers David Westheim, 1924 25 Mitglieder). 1932
waren Gemeindevorsteher weiterhin David Westheim (1. Vors.) und Isaak Stern (2.
Vors.). Schatzmeister war Siegmund Stern.
1933 lebten noch 80 jüdische Personen in Abterode (9,4 % von 850
Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen (überwiegend nach Kassel und Frankfurt am Main) beziehungsweise
ausgewandert (6 nach Palästina, 10 in die USA, 7 nach Holland, 3 nach Afrika).
Die jüdischen Geschäfte wurden zum größten Teil bereits 1935 geschlossen. Im
Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 kam es zu Verwüstungen der Synagoge,
der jüdischen Wohnhäuser und zu Misshandlungen jüdischer Personen. Insgesamt
wurden in einem jüdischen Laden sowie in sieben jüdischen Wohnungen Fenster
und Türen eingeschlagen. Einen jüdischen Mann trieb man aus seinem Haus bis
zur Synagoge; nur das entschlossene Auftreten des damaligen Pfarrers Albert
Nolte verhinderte, dass er von der Empore der Synagoge gestürzt wurde. 1939
lebten noch 31 jüdische Personen, 1940 nur noch zehn am Ort. Bis 1941 sind offenbar alle jüdischen Personen von Abterode verzogen.
Von den in Abterode geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Adler geb.
Oppenheim (1888), Berta Blach (1878), Bruno Blach (1912), Bertha Cohen geb. Lautmann
(1877), Paula Fränkel geb. Seelig (1887), Rosalie Frank geb. Lautmann (1873), Abraham Goldschmidt (), Jeanette
Goldschmidt geb. Oppenheim (1890), Rosa Halbherr geb. Ronsheim (1892), Rieckchen
Hauptmann geb. Bloch (1883), Alexander Heilbrunn (1881), Bernhard Heilbrunn
(1870), Ida Heilbrunn geb. Goldschmidt
(1881), Julius Heilbrunn (1869), Julius Heilbrunn (1906)*, Isaak Heilbrunn (1871),
Hilde Höflich geb. Rothschild (1896), Sara Isenberg geb.
Katzenstein (1889), Israel Jacobs (1892), Jettchen Jacobs geb. Oppenheim (1892),
Berta Katz geb. Bachrach (1887), Else Katz (1887), Israel Katz (1884)*, Julie Katzenstein (1873), Meta Katzenstein
geb. Blach (1878), Sara Katzenstein (1877), Isidor Lautmann (1891), Maier
Lebensbaum (1886), Manfred Levi (1926), Markus Levi (1889), Rebekka Levi geb. Oppenheim (1897),
Simon Levi (1884), Auguste Levinski geb. Bacharach (1890), Rahel (Riekchen) Levor geb. Rothschild
(1887), Auguste Lewinsky geb. Bacharach (1894), Alice Mielzijnski (Mielczynski)
geb. Westheim (1911), Wilhelm Löwenbach (1871), Setta Moos geb. Katzenstein (1876), Hannelore Nussbaum (1929),
Levi Nussbaum (1899), Toni (Fani) Nussbaum geb. Katz (1899), Flora Oppenheim geb. Rothschild
(1892), Hess (Hiskia)
Oppenheim (1878), Jakob Oppenheim (1884), Josef Oppenheim (1895), Moses Oppenheim (1889),
Grete Plaut geb. Rothschild (1912; vgl. Gedenkblatt
links, Quelle: Yad Vashem Jerusalem), Emil Ronsheim
(1888), Gustav Ronsheim (1879), Horst Ronsheim (1923), Berthold Rothschild
(1894), Frieda Rothschild (1898), Harry Isidor Rothschild (1904), Ingrid
Rothschild (1936), Isaak Rothschild (1863), Jettchen Rothschild geb. Schaumberg
(1872), Julius Rothschild (1900), Leopold Rothschild (1893), Malchen Rothschild
geb. Goldschmidt (1868), Samuel Rothschild (1868), Minna Samuelson geb.
Katzenstein (1877), Fanny Schaumberg geb. Heilbrunn (1882), Arthur Schulhaus
(1894), Berthold Schulhaus (1899), Bettina Schulhaus geb. Bachenheimer (1898),
Margot Schulhaus (1929), Johanna Simons geb. Schulhaus (1896), Erwin
Sittenfeld (1924), Erwin Sittenfeld (1924), Ida Sittenfeld geb. Seelig (1890),
Lothar Sittenfeld (1923), Wolfgang Sittenfeld (1925), Alfred Stern (1926), Frieda
Stern geb. Stern (1898), Herbert Stern (1921), Isaak Stern (1885), Johanna Stern
geb. Moses (1871), Siegbert Stern (1928), Paul B. Stiefel
(1893), Rosa Stiefel geb. Seelich (1880), Mathilde Urbach geb. Lautmann (1881), David Westheim (1878), Dina
Westheim geb. Spangenthal (1884).
*Hinweise: Für die 1883 in Abterode geborene Rieckchen Hauptmann geb. Bloch
liegt in Hamburg (Bartelsstraße 30, Ecke Susannenstraße) ein
"Stolperstein. Für den 1906 in Abterode geborenen Julius Heilbrunn liegt
gleichfalls in
Hamburg (Eppendorger Baum 5) ein "Stolperstein". Für den 1884 in
Abterode geborenen Israel Katz liegt in Braunschweig (Jasperallee 22) ein
"Stolperstein".
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Bericht über die jüdische Gemeinde und ihren pädagogisch hoch qualifizierten
Lehrer Westheim (1852)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8.
November 1852: "In (der jüdischen Gemeinde in) Abterode am Fuße des
Meisner traf ich einen Talmudverein an, vielleicht noch Trümmer
eine Jeschiwa (Talmudhochschule), die in früheren Zeiten hier geblüht
haben soll. Überhaupt wird in dieser Gegend noch ein Wenig 'gelernt', so
leben auch in dem benachbarten Frankershausen einige sehr talmudisch
gebildete Männer. Abterode, aus dessen Mitte vielleicht mehr jüdische
Lehrer stammen, als aus irgend einer andern Gemeinde Kurhessens, besitzt
in der Person des ebendaher gebürtigen Herrn Westheim einen
ausgezeichneten Lehrer, Seine Methoden erweisen sich so sehr praktisch und
bewährt, dass der Schulinspektor des Sprengels häufig seine ihm
untergebenen Lehrer veranlasst, die Schule des Herrn Westheim zu besuchen
und sich dieselben ebenfalls anzueignen*). Übrigens findet sein Streben
aber auch zu jeder Zeit volle Anerkennung von Seiten der Regierung, sowie
des israelitischen Vorsteheramts zu Kassel, was die häufigen
Belobungsschreiben als auch Gratifikationen zur Genüge beweisen." |
(Anmerkung für Lehrer: Den Leseunterricht
erteilt er ganz à la Jacotot (d.h. nach den Lehrmethoden des
französischen Pädagogen Jean
Joseph Jacotot, 1770-1840); er bedient sich hierbei
selbstgeschriebener, großer, beweglicher Buchstaben, die er ihrer
Gelungenheit und zweckmäßigen Anordnung und Aufstellung halber, wodurch
das Kind zu gleicher Zeit mit der Deutschen Druck- und Kurrentschrift
bekannt wird, für die Schulen der Umgegend liefert. Zum hebräischen
Leseunterricht, der er ebenfalls nach der analytisch-synthetischen
Lesemethode erteilt, bedient er sich auch großgeschriebener, beweglicher
Buchstaben und für die Hand der Kinder Lewisohns 'hebräische Lesefibel'.
Die Resultate, die er durch diese Unterrichtsweise erzieht, sind wahrhaft
staunenerregend.
Ebenso zweckmäßig ist die Art und Weise, wie er beim Übersetzen im
Pentateuch in der Oberklasse zu Werke geht. Neben den Übersetzungen von Philippsohn,
Zunz hat er auch das 'Vokabularium' von Nathan vor sich und gibt den
Kindern die Übersetzung des Wurzelwortes an, das diese sich neben Angabe
des Kapitels und Verses in ihre Heftchen eintragen und auswendig lernen,
sodann wird der jedesmalige Vers im Zusammenhange übersetzt. Kommt ein
Wort öfters vor, so wird auf das erste Mal verwiesen. So erlangen die
Kinder einen bedeutenden Wörtervorrat, dieser wird durch das
Selbsteinschreiben dem Gedächtnisse nachhaltiger eingeprägt und der
Mechanismus des ewigen Vor- und Nachsprechens vermieden." |
Anerkennung der Verdienste des Lehrers Westheim zum 25jährigen Dienstjubiläum
(1858, in Abterode seit 1842)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Februar 1859:
"Kreis Eschwege, im Januar (1859). Dem Verdienste seine
Krone! Das Vorsteheramt der Israeliten für die Provinz Niederhessen
zu Kassel, das so manches Gute für das Judentum in unserem Vaterland
geschaffen, und unter Anderem auch noch besonders sein Augenmerk auf die
Hebung des jüdischen Schulwesens und die Besserstellung der Lehrer
gerichtet ist, lässt keine Gelegenheit vorübergehen, dieses edle Streben
zu betätigen. Der wackere Lehrer Westheim zu Abterode (den Lesern
dieser Zeitung aus mehreren darin gelieferten Artikeln bekannt), der seit
dem 4ten Dezember 1833 als von kurfürstlicher Regierung bestellter
öffentlicher Lehrer mit seinen eigentlichen, größtenteils selbst
erfundenen Lehrweisen aufs Erfolgreichste im Schulfache wirkt, ist von
kurfürstlichem Vorsteheramt am 7. dieses Monats, als am Tage seines
fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläums mit folgendem schönen Schreiben
überrascht worden:
'Wir haben in Erfahrung gebracht, dass am 7ten dieses Monats das
fünfundzwanzigste Jahr Ihres Lehramts vollendet ist und benutzen diese
Gelegenheit, Ihnen zu dem Ablauf eines Zeitraums Glück zu wünschen,
welchen Sie durch eine anhaltende, fleißige, treue, pflichteifrige und
zugleich mit schönem Erfolg gesegnete Dienstführung zu Ihrer Ehre und
zum Frommen der dortigen Gemeinde erfüllt haben. - Indem wir zum Zeichen
der Anerkennung Ihnen eine Gratifikation von fünfzehn Talern auf den
Schulfonds anweisen, sprechen wir zugleich die Aufforderung zum weiteren
Beharren in Ihrem achtbaren Streben für das Gedeihen der Schule und des
Unterrichts und das dadurch geförderte bürgerliche und sittliche Wohl
der Ihnen anvertrauten Jugend aus und verbinden damit den Wunsch, dass der
Herr, vor dem kein Gutes verloren geht, auch gerner Ihrer Arbeit seinen
Segen verleihen, Ihnen noch für lange Jahre Kräfte dazu gewähren und
durch erfreuliche Früchte dieselben lohnen möge. Kassel, 6. Dezember
1858.'
Vorsteheramt der Israeliten dahier etc.'
Solche liebevolle, aufmunternde Worte, begleitet mit den Zeichen der
Anerkennung einer vorgesetzten Behörde, bekunden hinlänglich deren
väterliche Fürsorge und verdienen Nachahmung in allen Kreisen von allen Schulvorständen." |
Zum 25jährigen Ortsjubiläum von Lehrer B. Westheim
(1867)
Der Bericht wurde durch Westheims Kollegen Victor Müller (an der
jüdischen Elementarschule in Frankershausen) verfasst.
Der Bericht ist auf Grund einiger noch nicht übersetzter - teils
aramäischer Wendungen - leicht abgekürzt wiedergegeben.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1867:
"Frankershausen, bei Eschwege. Der, den Lesern dieser
geschätzten Zeitung durch Referate und sonstige Artikel wohl nicht
unbekannte Lehrer B. Westheim in Abterode, in moralischer
wie in intellektueller Beziehung einer der würdigsten Lehrer Kurhessens,
der sich sowohl durch vielseitiges und gründliches Wissen als auch durch
außergewöhnliches Lehrtalent auszeichnet, und schon seit 34 Jahren als
vor der vormals kurfürstlichen Regierung bestellter Lehrer mit
segensreichem Erfolge wirkt, die Achtung und Liebe aller seiner
vorgesetzten Behörden und seiner Kollegen sich erworben, feierte am 1.
Januar dieses Jahres das 25jährige Jubiläum seiner Amtstätigkeit in
Abterode. Siebzehn jüdische Lehrer aus der Nähe und Ferne und fünf
christliche hatten sich, vom Unterzeichneten auf diesen Zeitpunkt
aufmerksam gemacht, vereinigt, dem Jubilar durch die Widmung eines
Ehrengeschenkes ihre Anhänglichkeit und Liebe zu beweisen, und mich mit
der Ausführung beehrt.
Unser Herr Kreisrabbiner Goldmann zu Eschwege,
der mit dem Jubilar stets in einem freundschaftlichen Verhältnisse
gestanden und den ersten Impuls zur Feier gegeben, traf am gedachten Tage
mit den Lehrern aus der Umgegend und drei entfernteren Kollegen aus dem
Kreise Rotenburg - die Mehrzahl war leider! durch die schlechte Witterung
an ihrer persönlichen Beteiligung verhindert - beim Jubilar gegen 11 Uhr
vormittags ein, und eröffnete die Feier mit einer geist- und
schwungreichen, von echt jüdischem Geiste getragenen, das Lehrerleben im
Allgemeinen und das des Jubilars im Besonderen schildernde Rede - Worte,
die aus dem Herzen kamen und wieder zum Herzen drangen - in welcher er den
Jubilar mit Bezugnahme auf Daniel 12,3 und den talmudischen Ausspruch
(hebräisch und deutsch:) 'Die Lehrer, welche redlich und gewissenhaft
ihre Pflicht erfüllen, werden einst im Schatten Gottes sitzen' - auf
die göttliche Belohnung verwies. Als Beweis seiner besondern
persönlichen Achtung behändigte derselbe dem Jubilar ein in den
ehrendsten Ausdrücken abgefasstes Chower-Diplom; und nachdem er
demselben noch ein Gratulationsschreiben Königlichen Vorsteheramtes zu
Kassel, worin dem Jubilar die verdiente Anerkennung ausgesprochen und eine
Gratifikation von 15 Talern übersendet war, übergeben hatte,
überreichte ich, namens der beteiligten Kollegen, als wohl verdientes
Ehrengeschenk einen wertvollen, mit passender Inschrift versehenen Pokal,
wobei ich in der dabei gehaltenen Anrede unter anderem, ob der wohl
verdienten aber ausgebliebenen Anerkennung seitens der Gemeinde in corpere,
die Worte unseres Erzvaters Jakob (1. Mose 31,40): 'Wo ich war am Tage,
verzehrte mich die Glut, und der Frost in der Nacht: und es floh der Schlaf
meiner Augen' auf den Jubilar anwendete und denselben darauf hinwies,
dass, wenn auch die Undankbarkeit in allen Lebenssphären vielfach
vorkomme, dies bei den jüdischen Gemeinden ihren Lehrern gegenüber eine
nicht seltene Erscheinung sei; dass die Menschen in der Regel nur für
einen Vorschub ihres leiblichen Wohls dankbar sind, den des geistigen aber
kaum einer Anerkennung wert halten; dass die Mehrzahl die Mühen nicht
kennt, unter denen Erkenntnisse gewonnen und anderen beigebracht werden, -
den Wert der Wohltaten, die sie dem Lehrer zu verdanken haben, nicht zu
schätzen verstehen -; dass nur, wer selbst edlen Geistes ist, geistige
Wirksamkeit zu würdigen weiß und sich dazu gerungen fühlt; dass das
Bewusststein der Pflichterfüllung - dieser Hochgenuss - schon des Lohnes
reichste Fülle, - unabhängig vom Zufall der Anerkennung, - enthalte;
dass der Friede, welcher mit dem Bewusststein geübter Pflicht ins Herz einzieht, |
diese
wonnevolle Zufriedenheit, im Hinblick auf Gottes Vaterwohlgefallen, in
welchem die Seele des Gläubigen trunken schwelgt, unser höchstes
Entgelt, unsere Stütze und unser steter Antrieb zu weiterer rastloser
Tätigkeit zur Ehre Gottes und unserer heiligen Religion sein
müsse...
Der zu Tränen gerührte Jubilar dankte alsdann in einer längeren,
gehaltvollen und ergreifenden Rede.
Hierauf wurde derselbe von einer Anzahl Gemeindemitglieder mit der
Überreichung eines silbernen Vorlegelöffels und von verschiedenen
Schülern mit anderen Geschenken, sowie durch eine Menge mit der
Mittagspost eingetroffenen Gratulationen in Prosa und gebundener Rede
erfreut.
Bei dem hierauf vom Jubilar aufs beste hergerichteten Festessen herrschte
die heiterste Stimmung. Toaste und pikante Auslegungen verschiedener
Schriftstellen wechselten mit freundlichen Unterhaltungen.
Da ein Teil der Festteilnehmer einen weiten Weg vor sich hatte, so
verließ derselbe schon gegen 4 Uhr die frohe Versammlung und eilte der
Heimat zu, während ein anderer Teil noch einige Stunden in ungezwungener
Heiterkeit beisammen blieb, bis auch für ihn die Zeit zum Aufbruche
gekommen.
Der Allgütige wolle Seine Gnade und Barmherzigkeit auch fernerhin unserem
gefeierten Kollegen zuteil werden lassen! V. Müller." |
Zum Tod des Lehrers Levi Oppenheim 1870 - Lehrer an der Schule gemeinsam mit
Aron Freudenberg bis in die 1830er-Jahre
Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1870:
"Abterode (Provinz Hessen), im Februar. Am 19. vorigen Monats (d.h.
19. Februar 1870) starb hier in einem Alter von 88 1/2 Jahren der frühere
Lehrer Levi Oppenheim. Von seinem Vater, der hier das Amt eines More
Zädäk ('Lehrer der Gerechtigkeit', Gelehrter, Beisitzer im
Rabbinatsgericht) bekleidete, in Bibel, Mischna und Gemara
unterrichtet, suchte er als Jüngling diese Kenntnisse in der heiligen
Tora bei Rabbi Moses Marburg - das Gedenken an den Gerechten ist
zum Segen - in Kassel zu erweitern. Sodann fungierte er als Lehrer in
einigen Gemeinden Westfalens. Später etablierte er sich hier, in seinem
Geburtsorte Abterode (neben dem Lehrer Aron Freudenberg, der vor 15 Jahren
in einem Alter von 89 Jahren verstorben [d.h. gestorben 1855, geboren
1766] ebenfalls als Lehrer, in welcher Funktion er verblieb, bis man vor
30 Jahren (d.h. 1840) damit umging, eine öffentliche israelitische
Elementarschule nach der Hessischen Verordnung dahier zu gründen.
Um dem Spruche unserer Weisen 'gut ist das Lernen der Tora verbunden
mit der Alltagsarbeit' (übertragene Übs.) und um den Lebensunterhalt
für sich und seine zahlreiche Familie, zu dem sein geringes Einkommen
nicht hinreichte, besser zu erschaffen, machte er vor 48 Jahren unter den
hiesigen israelitischen Einwohnern mit dem Betriebe des Ackerbaues, in
kleinem Maßstabe den Anfang, den er nach und nach vergrößerte, und bei
dem er mit Frau und Kindern mit eigener Hand tätig war. Diesem seinem
Beispiele folgten bald die übrigen Juden unserer Gemeinde, sodass jetzt
keiner derselben ohne eigentümlichen Besitz von Ackerland ist. - Sein
Bestreben fand bei der Feier seines achtzigsten Geburtstages von dem
Kurfürstlichen Vorsteheramt der Israeliten zu Kassel und der
Humanitätsgesellschaft daselbst verdiente Anerkennung.
Trotz seines hohen Alters versäumte der Hingeschiedene es nie, den
öffentlichen Gottesdienst zu besuchen. Noch am Sabbat vor dem Tode wohnte
er einer Versammlung des Wohltätigkeitsvereines (anlässlich einer
überstandenen Krankheit), dessen Mitglied er war, mit einer gebotenen
Mahlzeit in seinem Hause gefeiert wurde, bei." |
Zwei Berichte zum Abschied von Lehrer Joseph Bacharach, Lehrer in Abterode von 1884 bis
1921
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1921: "Abterode,
15. August (1921). Herr und Frau Lehrer Bacharach übernahmen mit dem 1.
September die Verwaltung des Israelitischen Altersheims in
Kassel." |
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Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1921:
"Abterode, 29. August. Am Schabbat Ekeb (d.i. der Schabbat mit
der Toralesung Ekeb = 5. Mose 7,12 - 11,25, dieser Schabbat war am
27. August 1921) fand hier eine schlichte, stimmungsvolle Feier statt. Sie
galt dem Lehrer der Gemeinde, Herrn Bacharach, der ihr siebenunddreißig
Jahre lang (d.h. seit 1884) treuen Dienst tat und sie nun verlässt. Herr
Kreisrabbiner Dr. Freier - Eschwege dankte ihm für seine seltene Hingabe
an sein Amt, für seinen unermüdlichen Eifer, Alt und Jung auf dem Weg
der Wahrheit zu erhalten und ihnen Freude für unseren heiligen Beruf
des Gottesdienstes ins Herz zu gießen. Wegen seiner großen Gottesfurcht
und Bescheidenheit wurde er von allen geliebt und verehrt. Auch die
Kinder dankten ihrem Lehrer in schönen Abschiedsworten, worauf Herr
Bacharach voll Rührung erwiderte. Herr Bacharach geht ins Altersheim in
Kassel. Gott mache lang seine Tage und seine Jahre. |
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1921:
"Abterode, 10. September (1921). Am vorletzten Sonnabend Nachmittag
versammelte sich die hiesige jüdische Gemeinde, Eltern und Kinder, zu
einer schlichten, stimmungsvollen Feier. Sie galt dem scheidenden Lehrer
Bacharach, der 37 Jahre in unserer Mitte treuen Dienst tat und von alt und
jung, um seiner gütigen, vornehmen Art, seiner innigen Demut willen,
verehrt und geliebt wurde. Kreisrabbiner Dr. Freier dankte ihm als dem
nimmermüden Führer und Bildner der Gemeinde und dem hingebendsten Lehrer
der Kleinen. Auch die Schüler und Schülerinnen ließen schöne Abschiedsworte
hören, worauf Lehrer Bacharach seine letzte Ansprache an die Gemeinde
hielt. Herr Bacharach geht wie schon gemeldet, ans Altersheim in
Kassel". |
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Vorsängers (1921)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1921:
"In Abterode bei Eschwege ist die
Stelle des Lehrers
an der öffentlichen israelitischen Volksschule zu besetzen.
Lehrer, die auch den Vorsängerdienst versehen können, wollen sich bei
uns bis zum 25. dieses Monats unter Beifügung der Zeugnisse und eines
Lebenslaufes melden.
Kassel, den 6. September 1921.
Vorsteheramt der Israeliten." |
70. Geburtstag von Lehrer Joseph Bacharach (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1928: "Kassel,
16. Mai (1928). Am Erew Schawuoth (Vortag vor dem Wochenfest =
Donnerstag, 24. Mai 1928) feiert der Lehrer a.D., Joseph Bacharach, jetzt
Leiter des Israelitischen Altersheims, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar
war 37 Jahre segensreich als Lehrer in Abterode, Kreis Eschwege,
tätig und hat es verstanden, auch seinen neuen Wirkungskreis mit echt
jüdischem Geist zu beleben. Durch seine tiefe Frömmigkeit, seine Liebe
zur Tora, seine im Verborgenen geübte Wohltätigkeit und seine
Bescheidenheit erfreut er sich auch hier in allen kreisen der größten Wertschätzung.
Immer bestrebt, zu lernen und sch weiterzubilden, nahm er bereits von Abterode
aus unter den größten Schwierigkeiten allwöchentlich an den von
Rabbiner Cahn - das Andenken an den Gerechten ist zu Segen - geleiteten
Schiurim teil und gehört auch hier zu den ständigen Besuchern der
Schiurim. Mögen ihm noch viele Jahre körperlicher und geistiger Frische
im Kreise seiner Familie vergönnt sein." |
Lehrer Heilbronn verlässt die Gemeinde
(1927)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1927: "Dinslaken,
8. Mai (1927). Lehrer Heilbrunn, bisher in Abterode, wurde zum 1. Juli die
hiesige Lehrerstelle übertragen." |
Ausschreibung der Lehrerstelle im Mai 1927
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1927:
"Bewerber um die alsbald zu besetzende Lehrer- und Vorsängerstelle
an der öffentlichen israelitischen Volksschule zu Abterode, Kreis
Eschwege werden aufgefordert, ihre Meldungsgesuche mit beglaubigten
Zeugnisabschriften und kurzem Lebenslauf bis Ende Mai dieses Jahres
hierher einzusenden.
Kassel, den 2. Mai 1927. Vorsteheramt der Israeliten." |
Über den jüdischen Lehrer Hermann Spier (von 1927 bis
1934 Lehrer in Abterode)
(erstellt unter Mithilfe von Waltraut Zachhuber, Magdeburg)
| Hermann Spier ist am 20.
Januar 1899 in Merzhausen geboren. Er hat sich am Lehrerseminar in Kassel
ausbilden lassen und dort im Februar 1920 seine erste Lehrerprüfung
abgelegt. Er war seit 1924 verheiratet mit Caroline
geb. Nussbaum, geb. 1900, gest. 1938; zur Familie von Caroline geb.
Nussbaum siehe Seite
über Sara Nußbaum bei Regiowiki Kassel). Das Ehepaar hatte zwei
Kinder: Henriette genannt Henny (geb. 1924) und Berna (geb. 1928). Seine
erste ständige Stelle war in Abterode, wo er seit dem 1. Oktober 1927
tätig war. Hier in Abterode hat Spier im Mai 1929 seine zweite
Lehrerprüfung abgelegt. Nachdem Anfang 1934 die Israelitische
Elementarschule in Abterode aufgelöst worden war, bewarb sich Hermann
Spier auf die Lehrerstelle im ostfriesischen Leer, die er im April 1935
antreten konnte. Bis 1938 blieb Spier in Leer. Seine Frau Caroline starb
Anfang Oktober 1938 an Multipler Sklerose. Nach dem Novemberpogrom 1938
meldete Hermann Spier, der inzwischen die Lehrerstelle in Hildesheim
übernommen hat, seine Kinder für einen Kindertransport nach England an.
Am 6. Januar 1939 verließen Henny und Berna Spier Deutschland. Hermann
Spier wurde im März 1942 nach Warschau deportiert und in Treblinka
ermordet. |
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Lehrer Hermann Spier
um 1936
in Leer
(Quelle der beiden Fotos: Website der Gesellschaft
für christlich jüdische Zusammenarbeit Ostfriesland) |
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Ehepaar Spier mit Landrabbiner
Dr. Samuel Blum (Emden) |
Lehrer Hermann Spier
mit Familie |
Personalkarte für
Lehrer
Hermann Spier in Abterode |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Toraschreiber aus Abterode werden im Jahr 1730 zur
Begutachtung der Tefillin und Mesusot ausgesandt (Artikel von 1928)
Anmerkung:
Im nachfolgenden Text, der in die Zeit der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückführt,
geht es um eine damals unter Landrabbiner Veit Singer in Witzenhausen
angeordnete und durchgeführte Kontrolle der Tefillin und der Mesusot in den jüdischen
Häusern des Bezirks. Die Kontrolle wurde durch Toraschreiber aus Abterode
durchgeführt, die für die Kontrolle bzw. Erneuerung bestimmte Beträge
einziehen konnten.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1928: "Tefillin und
Mesussaus in Althessen. Dieser Überschrift soll den Leser nicht auf den
Gedanken führen, dass in einer Zeitung die vielen Ritualvorschriften über
die Erfüllung dieser heiligen Gebote gebracht werden, wenn es auch sehr nützlich
wäre. Eine Wochenzeitung ist eben kein ‚Chaje odom’ (Anm.: Chaje
Adam ist eine populär-halachische Schrift von Abraham Danzig [1748-1820]. Dennoch dürfte
man es gern lesen, welche Maßnahmen einst getroffen wurden, um die Gebote
ordnungsgemäß zu erfüllen. Eine Mahnung erließen die judenschaftlichen
Führer auf einer Tagung in Kassel am 20. Tewet 5490 (1726 [besser: 9.
Januar 1730]); und sie ist
unterzeichnet von dem Landrabbiner Veit Singer aus Witzenhausen, Israel aus St. Goar, Joßel
Lispenhausen;
Michael Katzenstein, Eschwege, Eisemann Levi und Moses Wolfhagen.
Niedergeschrieben ist sie im ‚Konstitutenbuch der althessischen
Judenschaft’ und lautet nach der dem hebräischen Original beigefügten
Übersetzung: ‚Wegen der Tefillin, welches ist das Handzeichen und
Stirngeschmeide, und Mesussoh, welches auf deinen Hauspfosten geschrieben
werden muss, haben alle Völker auf Erde gesehen, dass sie nicht gewarnt
sein, die Tefillin öffnen und lassen, ob dieselben richtig. Da aber
mehrmals dieselben unrichtig sind, den vorigen Landtag aber haben sie die
Tefillin nicht öffnen lassen, da ist ihre Missetat größer, denn dass
sie ihnen vergeben werden könnte. Also haben wir unsere Augen aufgetan,
dass die Gesetzesschreiber, so im Lande wohnen, namentlich Rabbi Salomon
und Rabbi Nathan in Abterode, Isaak Jestädt und der Bursch Feibes in
Abterode sollen im ganzen Lande herumgehen, nämlich ein jeder einige
Klassen (Bezirke), welche ihn durch das Los treffen werden, um die
Tefillin zu öffnen von denjenigen Männern, so ihre Tefillin beim
verflossenen Landtag 490 nicht besehen lassen und die Mesusaus an denen Türen
der sesshaften Juden zu besehen, ob sie richtig sind. Welcher nun von den
Gesetzschreibern in seiner Klasse nicht selbst herumreisen wollte, so soll
ein anderer an dessen Platz reisen und braucht dem Gesetzschreiber,
welcher nicht herum gegangen, nicht den geringsten Heller zu geben. Dies
ist die Belohnung der Gesetzschreiber: ‚Öffnen, besehen und schließen
der Tefillin 2 Albus; Öffnen eine Mesussoh und besehen 1 Albus. Für eine
neue Muesusso 1 Albus. Für eine Parschoh 6 Albus; für ein Paar
mittelgute Riesen ½ Kopfstück, für gute 4 Albus. Neue Battim (Gebäude)
½ Kopfstück (Kopfstück ist jede Münze mit dem Bruchbild des Münzherren
und hatte einen Wert von 20 Kreuzern oder 70,125 Pfennig der
Thalerwährung.)
– Es werden nun die genannten Gesetzesschreiber ernsthaft gewarnt, dass
sie nicht über die festgesetzte Belohnung nehmen und in specie, dass sie
des Herren Werk nicht saumselig tun sollen, denn es ist geschrieben: ‚Du
sollst dich vor deinem Gott fürchten.’
Findet man aber, dass der Gesetzesschreiber nachlässig ist und den
Menschen betrügt, so sollen ihm Rabbiner und Vorsteher eine harte
Geldstrafe auferlegen, wovon der gnädigste Landesherr die Hälfte erhält.’
– Über sonstige soziale und religiöse Anordnungen aus jener Zeit
vielleicht später Näheres. L. Horwitz, Kassel." |
Zur Gründung des Vereins "Ez Chajim" unter
Lehrer Westheim (1868)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1868: "Bischhausen
(Kreis Eschwege) in Hessen, im März (1868). Am 23. vorigen Monats, also
am 1. Adar, besucht ich meinen lieben Freund und Kollegen Westheim in
Abterode und erfuhr bei dieser Gelegenheit, dass daselbst für das
Verständnis und das geistige Eindringen in unsere Heilige Tora
Rühmenswertes geschieht. So hat sich vor etwa 4 Monaten ein Verein,
bestehend aus jungen, unverheirateten Leuten gebildet, der sich unter der
trefflichen Leitung des Herrn Westheim die Aufgabe stellt, in einer
wöchentlich dreimaligen Versammlung einen Vortrag aus den Kommentarien
über den Pentateuch anzuhören, von welchen letzteren der von Raschi
bevorzugt wird. Das Bemerkenswerteteste bei der Sache ist, dass Rabbi Leb
Oppenheim in Abterode den ersten Impuls dazu gegeben und als Mann von 86
Jahren von Haus zu Haus gegangen und die Leute persönlich zur Beteiligung
an diesem löblichen Unternehmen eingeladen. Der Verein zählt 15
Mitglieder und führt den ebenso bedeutungsvollen, als hübschen Namen 'Ez
Chajim" (= Lebensbaum). Möchte es dem würdigen Greis noch viele
Jahre gegönnt sein, die segensreichen Früchte seines Werkes ernten zu
können und möchten auch anderwärts ähnliche Institute ins Leben
gerufen werden! J. Werthan,
Lehrer." |
Generalversammlung des Jüdischen Frauenvereins (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1928: "Abterode,
19. November (1928). Am 11. November fand unter Vorsitz der Frau David
Westheim die Generalverstammlung des Jüdischen Frauenvereins statt. Nach
Besprechung über die Anschaffung verschiedener ritueller Gegenstände
fand die Vorstandswahl statt. Zur 1. Vorsitzenden wurde Frau David
Westheim, zur 2. Frau Lehrer Spier gewählt." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Gefallen im Ersten Weltkrieg: Daniel Katzenstein
(1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1915: "Abterode,
29. Juli (1915). Wieder ist einer unserer hoffnungsvollsten jungen Lehrer
im Feindesland gefallen. Daniel Katzenstein hauchte am 17. vorigen Monats
auf den Feldern Russlands im Alter von 21 Jahren seine reine Seele aus.
Katzenstein stammte von hier und genoss seine Ausbildung in der
Präparandenanstalt in Burgpreppach und im Lehrerseminar zu Kassel. Durch
rastlosen Eifer eignete er sich vielseitige und gründliche Kenntnisse auf
allen Gebieten der Schule an. Dabei schmückten ihn die schönsten
menschlichen Tugenden. Im Besitze eines für sein Alter großen jüdischen
Wissens, war er auch als Vorbeter und Vorleser sehr geachtet. Nach seinem
Abgang vom Seminar fand er Anstellung an der dreiklassigen Israelitischen
Volksschule in Kassel und erwarb sich Liebe und Vertrauen der Vorgesetzten
und Kollegen. Freudig, voll Mut und Begeisterung, trat er im Januar 1915
in die Reihen der Tapferen, um die heiligste Pflicht fürs geliebte
Vaterland zu erfüllen, der er nun das Leben geopfert. Tief betrauert wird
er von den gottergebenen frommen Eltern und Geschwistern, aber auch von
seiner Heimatgemeinde. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Goldene Hochzeit von Levi Ronsheim und Marianne geb.
Goldschmidt (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1915: "Abterode,
12. September (1915). In körperlicher und geistiger Rüstigkeit begingen
Herr Levi Ronsheim und Frau Marianne geb. Goldschmidt dahier das Fest der
goldenen Gochzeit. Von den noch lebenden 10 Kindern des Jubelpaares stehen
4 unter den Fahnen. Herr Kreisrabbiner Dr. Cohn - Eschwege überreichte
die vom Kaiser verliehene Jubiläumsmedaille." |
Diamantene Hochzeit von Levi Ronsheim und Marianne geb. Goldschmidt
(1925)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1925: "Abterode
bei Eschwege, 31. August (1925). Die Eheleute Levi Ronsheim und Marianne
geb. Goldschmidt, 87 beziehungsweise 81 Jahre alt, konnten heute im Kreise
ihrer großen Kinder, Enkel und Urenkel die Diamantene Hochzeit feiern.
Das Ehepaar hatte 12 Kinder; 8 sind noch am Leben. Herr Ronsheim war über
vier Jahrzehnte Gemeindeältester." |
Zum Tod von Rickchen Plaut (1925)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1925:
"Abterode (Kreis Eschwege), 10. Mai (1925). Im Alter von 84 Jahren
verschied hier Fräulein Rickchen Plaut, die älteste Einwohnerin des
Ortes. Seit einigen Jahren war die Verstorbene erblindet und an beiden
Seiten gelähmt." |
Zum Tod von Joseph Oppenheim (1925)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1925: "Abterode
bei Eschwege, 31. August (1925). Im 75. Lebensjahr starb hier Joseph
Oppenheim, ein Mann von seltenen Gaben des Herzens und des Geistes. Vier
Jahrzehnte Gemeindeältester, sorgte er Vorbildlicherweise für das Wohl
der Gemeinde. Er wirkte als Hilfsvorbeter an allen Festtagen und Mohel
(Beschneider) eines großen Bekanntenkreis, eine Mizwoh (religiöse
Weisung), die er unentgeltlich geübt und für die sich viel Geld kosten
ließ. Selten groß in Gottesfurcht und Gottvertrauen, hatten die frei
Säulen des Judentums: Thauroh (Tora), Awaudoh
(Gottesdienst) und Gemilus chasodim (Wohltätigkeit) einen
ausgezeichneten Vertreter an ihm, wie solche in den kleineren Gemeinden
zur großen Seltenheit geworden sind. Der Lehrer der Gemeinde, sowie sein
Vorgänger schilderten in ihren Gedenkreden das vielseitige Wirken dieses Gottesdieners.
Seine 8 Kinder, darunter 5 Söhne, einer derselben Mohel
(Beschneider), wandeln in seinen Wegen. Der jüngste Sohn, der an der
Vorbereitung hierzu stand und ein besonderer wichtiger Mann war,
fiel im Weltkrieg. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
70. Geburtstag des langjährigen ehrenamtlichen Vorbeters Heß M. Oppenheim
(1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1927:
"Abterode, 15. Juni (1927). Seinen 70. Geburtstag begeht heute in
körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische Herr H. M. Oppenheim dahier.
Seit 50 Jahren versieht er ehrenamtlich das Amt eines Vorbeters und ist
bei Juden und Christen in höchstem Maße beliebt und angesehen.
Jahrzehntelang bekleidet er schon das Amt eines
Gemeindeverordneten." |
70. Geburtstag von Rosa Westheim
(1928)
Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1928:
"Abterode, 10. Juni (1928). Ihren 70. Geburtstag beging Frau Rosa
Westheim in größter Geistesfrische." |
Zum Tod von Levi Ronsheim (1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1929:
"Abterode, 21. Januar (1929). Hier starb Levi Ronsheim im 91.
Lebensjahr, das älteste Mitglied der hiesigen Gemeinde. 40 Jahre wirkte
er als Gemeindeältester in segensreicher Weise, bis er aus
Altersrücksichten gezwungen war, sein Amt niederzulegen. Mit seiner jetzt
84jährigen wackeren Gattin lebte er 63 Jahre in harmonischer Ehe. Vor 3
Jahren noch konnte er mit seiner Frau in größter Rüstigkeit und
geistiger Frische die diamantene Hochzeit feiern. An seiner Bahre
schilderte Herr Lehrer Spier das wechselvolle Leben des Dahingeschiedenen.
Eine große Trauergemeinde folgte seiner Bahre. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Goldene Hochzeit von Heß M. Oppenheim und seiner Frau
(1934)
Artikel
in der Zeitschrift vom 28. Dezember 1934: "Abterode, 22.
Dezember (1934). Am 25. Tebet, dem 31. Dezember, können bei seltener
geistiger und körperlicher Frische Herr Heß M. Oppenheim und Frau
das Fest der Goldenen Hochzeit feiern. Der Jubilar übt seit
ungefähr 50 Jahren ehrenamtlich das Amt des Vorbeters an den Feiertagen
und an den ehrfurchtgebietenden Tagen aus und viele, die diese Zeilen
lesen, werden sich erinnern, mit welcher Andacht Herr Oppenheim die Gebete
zu verrichten versteht. Auch andere Ehrenposten innerhalb der jüdischen
und früher auch in der politischen Gemeinde sind dem Jubilar seit
Jahrzehnten übertragen. - Möge es dem Jubelpaar vergönnt sein, noch
viele Jahre zu wirken. (Alles Gute) bis 120
Jahre." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Witwe Rahel Katzenstein
(1889)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Februar 1889:
"Suche für meine 16-jährige Tochter in religiösem Hause Stellung
als Dienstmädchen.
Witwe Rahel Katzenstein, Abterode". |
Anzeige der Buchbinders Levi Heilbrunn (1934)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Februar 1934:
"Buchbinderarbeiten
und sämtliche Drucksachen
preiswert und gut bei
Levi Heilbrunn,
Abterode, Bezirk Kassel". |
Verlobungsanzeige von Thea Grünebaum und Semi Plaut
(1936)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1936: "Gott
sei gepriesen.
Thea Grünebaum - Semi Plaut.
Verlobte.
Neukirchen Krs. Ziegenhain - Kirchhain, Bez. Kassel /
Abterode, Kreis Eschwege." |
Zur Geschichte der Synagoge
Bereits im 17. Jahrhundert dürfte ein Betsaal
vorhanden gewesen sein. Danach bestand eine erste Synagoge. Aus dem Jahr 1729
wird von der Einweihung einer neuen Torarolle berichtet, die mit einer üblichen
Prozession vom Haus des Stifters zur Synagoge durchgeführt wurde. Nach einem
Bericht von 1791 war die Synagoge damals im Gebäude Hinterweg 7. Das
heute hier stehende breit gelagerte Fachwerkhaus weist einen für die
Synagogenräume der Region typischen quadratischen Grundriss auf.
Das bis
heute erhaltene Synagogengebäude wurde um 1830 erbaut (nach älteren Angaben um
1870/71). Es steht inmitten des Ortes an einer Kreuzung mehrerer Straßen. Bei
diesem Bau handelt es sich (Beschreibung nach Altaras s. Lit. 1988 S. 70-71) um
einen zweigeschossigen Massivbau in Quadermauerwerk aus rotem Sandstein mit
einem Walmdach. Der Bau wurde vollkommen symmetrisch gestaltet, in dem sich
jeweils die gegenüberliegenden Seiten gleichen. Die Nord- und Südseite sind
durch Eck- und Mittellisenen auf zwei, die Ost- und Westseite durch zwei
Mittellisenen auf drei Felder unterteilt. Der Zugang ist von Westen her durch
ein großes Rundbogen-Eingangsportal in der Mittelachse. Gegenüber, in der
mittleren Fläche des Erdgeschosses an der Ostseite, findet sich ein schmales
Hufeisenbogen-Portal.
1929 wurde in der Synagoge eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten
Weltkrieges aus Abterode angebracht. Über die gottesdienstliche Feier zur
Einweihung liegt folgender Bericht vor:
Einweihung einer Ehrentafel für die
Gefallenen des Ersten Weltkrieges (1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1929:
"Abterode, 21. Mai (1929). In unserer nur 86 Seelen zählenden
Gemeinde fand die Einweihung einer Ehrentafel für die neun im Weltkrieg
gefallenen Heldensöhne aus unserem Orte statt, die von
Regierungsbaumeister Sichel - Kassel entworfen und von der Firma Gebr.
Halle - Kassel hergestellt worden war. Die schlichte Feier wurde
eingeleitet durch einen Psalmgesang, gesungen von Herrn Lehrer Spier.
Daraufhin hielt Herr Kreisrabbiner Dr. Baßfreund - Eschwege
die Weiherede. Anknüpfend an die Sefira-Zeit der Erinnerung an
jüdische Glaubenshelden, die selbst den Tod nicht gescheut haben, um der
Gesamtheit zu dienen, verglich er diese Märtyrer mit den Helden der
Neuzeit, die ebenfalls dem Tode mutig entgegen gingen, um die Heimat zu
schützen. Mit der Mahnung an die Gemeinde, die Ehrentafel in ihre
besondere Obhut zu nehmen, schloss er seine tief empfundene Weiherede. In
eindrucksvoller Weise sang Herr Kantor Bacharach Eschwege
das 'der Mensch - wie Gras sind seine Tage (Psalm
103,15)'". |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge im
Inneren völlig demoliert. Das Gebäude selbst wurde nur leicht beschädigt. Nach den vorliegenden Berichten (Quelle:
Heimatgeschichtlicher Wegweiser s. Lit. S. 233) wurde die Synagoge bereits am
Abend des 8. November 1938 demoliert. An diesem Abend brannte keine
Straßenbeleuchtung im Ort; die Polizei befand sich weit entfernt außerhalb des
Ortes, Menschen aus anderen Orten der Umgebung waren in großer Zahl nach
Abterode gekommen und die Bürgermeister nahmen an einer Sitzung in Eschwege
teil. Die organisierte Menge demolierte die Synagoge. und die Wohnungen der
jüdischen Einwohner, die auch misshandelt wurden. Während dieser Ereignisse
befand sich die SA und ihre Leitung zu einer Besprechung in der Gastwirtschaft
von Zimmermann, um über die kurzfristig geplanten Aktionen zum reichsweiten
Novemberpogrom zu beraten. Die Abteröder Juden wurden verhaftet und nach Eschwege
transportiert. 1944 kaufte der Spar- und Darlehnskassenverein das Gebäude
und verwendete es als Lagerraum.
Auch nach 1945 wurde das Synagogengebäude als
Lagerraum für Futtermittel verwendet. Zur Verwendung als Lager wurden eine
Rampe und ein Vordach im Westen angebaut. Ein kleiner moderner Neubau der
Raiffeisenbank wurde an der Nordseite angebaut. Anlässlich der
900-Jahrfeier von Abterode im Jahr 1976 wurde die Synagoge im Außenbereich
renoviert. Die Nutzung der ehemaligen
Synagoge als Lager wurde Anfang der 1990er-Jahre eingestellt, die Räumlichkeiten
wurden insgesamt zu einer Bankstelle umgebaut. Hierzu war der Einbau einer
Zwischendecke notwendig. Im Zusammenhang mit dem Umbau erfolgte eine
Renovierung des gesamten Gebäudes, bei der das Landesamt für Denkmalpflege mit
integriert war. Gefunden wurde beim Umbau eine Genisa mit zahlreichen
Schriften, Gebetbüchern und rituellen Gegenständen (u.a. Gebetsriemen, Megilat
Ester, Torawimpel). Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten der Wand- und
Deckenmalereien sind noch nicht abgeschlossen (Stand dieser Information vom
März 2007).
Die Hinweis- und Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge enthält den Text
(siehe unten): "Ehemalige Synagoge der jüdischen Gemeinde Abterode. Erbaut
1871. Seit 1944 im Besitz des Spar- und Darlehenskassenvereins Abterode.
Niederlassung der Raiffeisenbank Meißnervorland eG., die das bis dahin als
Zahlstelle und Lager genutzte Gebäude in 1992/93 grundlegend renovierte. Dem
Schicksal der Abteröder Synagoge und ihrer Gemeinde gedenkt die Eintragung
Abterodes im Tal zerstörter jüdischer Gemeinden 'Yad Vashem' in
Israel."
Adresse/Standort der Synagoge: Nähe der
Ortskirche (Hinterweg 1)
Fotos
(Quelle: Fotos in den mit *) markierten Zeilen aus der
Publikation von Kollmann/Wiegand s.Lit.; Fotos vom März 1985 aus: Altaras s. Lit. 1988 S.
71; neuere Fotos von Jürgen Hanke, Kronach aus www.synagogen.info)
Lage der
jüdischen Wohnhäuser
um 1791 in Abterode* |
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Die jüdischen
Familien wohnten in der
Kirchkranzbebauung und am Steinweg |
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| Die Synagoge in
Abterode* |
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Die Synagoge um
1900 |
Decken-
und Wandmalerei der Abteröder
Synagoge (im Obergeschoss der heutigen
Bankfiliale, Aufnahme 1996) |
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| Die ehemalige Synagoge in
den 1980er-Jahren |
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Das Gebäude von Norden mit
dem
angebauten Bau der Raiffeisenbank |
Die Laderampe an der Westseite
mit dem Vordach |
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| Die ehemalige Synagoge nach
der Restaurierung (2004) |
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Die ehemalige
Synagoge
im April 2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 8.4.2009) |
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Blick auf die
ehemalige Synagoge mit
dem heutigen Eingang in das Gebäude
links auf der
Nordseite |
Im Hintergrund die
Pfarrkirche
(1867/68 erbaut); rechts die Nordseite der ehemaligen Synagoge |
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Die
ehemalige Synagoge von zwei Seiten: deutlich ist der vollkommen
symmetrische Bau:
die Ost- und Westseite (siehe oben) sind durch
Mittellisenen in drei Felder unterteilt;
die Gurtgesimse ergeben eine
Aufteilung in jeweils sechs Flächen: jede Fläche hat eine
Tür- und
Fensteröffnung. |
Detailaufnahme mit
dem umlaufenden
Fries im Zahnschnittprofil unter dem
Dachgeschoss;
zweiteiliges Fenster
mit Mittelsäule |
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| Ostseite |
Links Südseite,
rechts Ostseite
des Gebäudes mit Blick zur Pfarrkirche |
Eingang in das
heutige Gebäude
(von innen gesehen) |
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Inschrift
- Zitat aus Jesaja 2,3: "lasset uns
hinaufgehen zum Berge des Ewigen,
zum
Hause des Gottes Jakobs" (die markierten
Buchstaben ergeben das
Jahr des
Synagogenbaus). |
Dekorative
Schmuckelemente
unter den Fenstern
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Gedenktafel
(Text siehe oben)
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| Funde aus der
Genisa* |
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| Fragment einer
Megilla (Buch Esther) |
Torawimpel:
Hochzeitspaar unter der
Chuppa und entrollte Tora mit Schrift:
"Dies
ist die Tora, die Mose gegeben hat" |
Hebräische
Schriften |
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Ehemaliges
jüdisches Schulhaus* |
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Das ehemalige
jüdische Schulhaus
im Steinweg 47, Hinterhaus |
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Weitere Fotos
im "Wissenschaftlichen Bildarchiv"
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 1 S. 25-26. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 70-72. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 68 (keine Ergänzungen
zum Band von 1988). |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 233-234. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 353-355. |
 | Karl Kollmann / Thomas Wiegand: Spuren einer
Minderheit. Jüdische Friedhöfe und Synagogen im Werra-Meissner-Kreis.
Hrsg. von der Historischen Gesellschaft des Werralandes. Kassel 1996. S.
73-76 u.ö. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Abterode
Hesse. Jews lived there from the mid-17th century and established the
largest rural community in the duchy of Hesse, numbering 39 families (23 % of
the total) in 1744 and 234 individuals in 1835. Many of the duchy's teachers
were first educated at the local Jewish elementary school (1840-1934).
Affiliated with the Kassel rabbinate, the community dedicated a new synagogue
(1871), which was vandalized with other Jewish property on Kristallnacht
(9-10 November 1938). Most of the 97 Jews registered there during the Nazi
period left before 1940; at least 17 perished in the Holocaust.

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