|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen"
Zur Übersicht
"Synagogen im Werra-Meißner-Kreis"
Nesselröden (Gemeinde
Herleshausen, Werra-Meißner-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Nesselröden bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1937/38. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. 1744 werden drei jüdische Familien am Ort genannt; aus den Daten der
ab ca. 1823 geführten Sterberegistern lassen sich Geburten in Nesselröden bis
in die Zeit um 1750 zurückrechnen. Möglicherweise waren auch bereits vor dem
30-jährigen Krieg jüdische Familien unter dem Schutz der Herren Treusch von
Buttlar ansässig (diese nahmen im benachbarten Wommen
schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mindestens eine jüdische
Familie auf).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1835 76 jüdische Einwohner, 1861 107 (22,7 % von 472), 1871 97
(21,4 % von 454), 1885 56 (12,8 % von 436), 1895 57 (13,2 % von 432), 1905 45
(12,4 % von 364). Die jüdischen Familienvorsteher verdienten den
Lebensunterhalt als Vieh- und Pferdehändler; einige betrieben Textilhandel. In
der 1. Hälfte beziehungsweise in der Mitte des 19. Jahrhunderts werden darüber
hinaus genannt: ein jüdischer Buchbinder, zwei Metzger, ein Bäcker, ein Schuster und
ein Baumwollweber.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Schule (im Gebäude
der Synagoge; bis nach 1900 Israelitische Elementarschule, danach
Privat-Elementarschule, vgl. Ausschreibung der Lehrerstelle von 1907,
später noch Religionsschule), ein rituelles Bad (in einem kleinen Gebäude im
Hof hinter der Synagoge) und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Um 1825 wird ein Vorsänger Falk
Müller genannt; damals war Marcus Wolf Gemeindeältester (Vorsteher). Unter den
Lehrern sind bekannt: um 1866 L. Müller (Quelle),
Isaac Eichengrün aus Niedenstein
(Lehrer in Nesselröden 1875 bis zu seinem Tod 1878, erst 52
Jahre alt; zuvor war Eichengrün Lehrer in Meimbressen
gewesen). 1893 sollte die jüdische Elementarschule bereits geschlossen werden,
da es nur noch 10 bis 11 Schüler gab. Da zwischen 1879 und 1893 jedoch 24
jüdische Kinder geboren waren, blieb die Schule weiter bestehen, zuletzt
(1907/08) noch als private Elementarschule. 1901 hatte die Schule etwa 10
Kinder.
Die Gemeinde gehörte zum Kreisrabbinat Eschwege
innerhalb des Rabbinatsbezirkes Niederhessen mit Sitz in Kassel.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Unteroffizier Siegmund Buchheim
(geb. 27.6.1892 in Gilsa, gef. 11.11.1916) und Max Nußbaum (geb. 19.5.1881 in Mittelsinn,
gef. 6.7.1917).
Um 1924, als zur Gemeinde noch 12 Personen gehörten (2,9 % von insgesamt
418 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Julius Weinstein und Wilhelm
Katz. 1932 waren die Gemeindevorsteher Isidor Fink (1. Vorsteher) und Wilhelm
Katz (Schatzmeister).
1933 lebten 14 jüdische Personen in Nesselröden. In
den folgenden Jahren sind fast alle von ihnen auf Grund der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Der letzte
Gemeindevorsteher Wilhelm Katz konnte nach England auswandern. 1937 waren noch
10 jüdische Personen am Ort, 1938 fünf. Diese mussten die Ausschreitungen beim
Novemberpogrom 1938 miterleben. Dabei wurden an ihren Wohnhäusern die Fensterscheiben
eingeschlagen. Bis 1940 werden noch zwei jüdische Einwohner genannt, die
offenbar mit den letzten jüdischen Einwohnern von Herleshausen deportiert
wurden.
Von den in Nesselöden geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jenny Bercovici geb.
Blaubaum (1879), Clara Döllefeld geb. Wallach (1889), Isidor Fink (Freitod
1936), Goldina (Golda, Goldine)Hecht (1878), Jettchen Hecht (1880), Ida Hofmann
geb. Katz (1876), Meta de Jong geb. Neuhaus (1896), Berta Katz (1889), Max Klebe
(1873), Hedwig Levi geb. Wallach (1887), Jenny Levi geb. Wallach (1867), Sara
Levy geb. Oppenheimer (1858), Lina Löwenthal geb. Fink (1878), Rebekka Meyer
geb. Löwenstein (1870), Emma Müller (1862), Johanna Nußbaum geb. Wolf (geb.
in Unhausen 1866), Rosalie Rosenthal geb. Hecht (1870), Emma Schlösser geb.
Wolf (1899), Emma Stern geb. Wolf (1890), Jenny Süßkind geb. Wallach (1890),
Fritz Weinstein (geb. in Wommen 1869), Jeanette Weinstein (1871), Honet Wolf
(1861).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1904 /
1907
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1904:
"Die Gemeinde Nesselröden (Bezirk Kassel) sucht zum 1. April
1904 einen Religionslehrer, Vorbeter und Schochet bei einem Gehalt
von 800 Mark und 200 Mark Nebeneinnahmen, nebst freier Wohnung. Meldungen
sind zu richten an
S. Wolf, Gemeindeältester." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1907:
"Infolge Berufung unseres Lehrers in staatliche Stellung suchen wir
für unsere Privat-Elementarschule für möglichst bald einen Lehrer,
der auch Vorbeter und Schochet ist. Gehalt beläuft sich mit
Nebeneinkommen auf 1.200 Mark. Außerdem freie Wohnung. Bewerber wollen
sich melden an den Gemeindeältesten S. Wolf. Nesselröden." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
| Aus Nesselröden stammte Abraham Goldschmidt
(1806-1886), der seit 1827 über 54 Jahre als Lehrer in Hoof
tätig war. |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Viehgeschäftes Gebrüder Wolf
(1907)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1907: "Suchen
für unser Viehgeschäft einen kräftigen und tüchtigen jungen Mann,
zum sofortigen Eintritt. Gehalt nach Übereinkunft.
Gebrüder Wolf, Nesselröden, Bezirk Kassel." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der
jüdischen Häuser vorhanden (18. Jahrhundert). 1826 wurde eine Synagoge
eingerichtet.
Das zweigeschossige Gebäude hatte einen Vorbau mit runden Säulen und war mit unauffälligem und ortstypischem Fachwerk gebaut. Daher
legt sich die Vermutung nahe, dass das Gebäude zunächst Wohnhaus und Teil
eines Bauernhofes gewesen ist, das erst später zur Synagoge umgebaut wurde. In
dem zum Synagogenraum umgebauten Gebäudeteil gab es eine dreiseitige Empore. In
das Gebäude führten zwei Eingänge, über denen sich ein Vorbau mit einem
kleinen Walmdach befand (noch auf Foto aus den 1960er-Jahren erkennbar). Der
rechte Eingang führte in den Synagogenraum unter der Empore. Über die linke
Tür kam man in den Eingangsflur, von dem aus die Schulstube und die Küche der
Lehrerwohnung zu erreichen war. Über eine Treppe konnte man von hier zur
Frauenempore beziehungsweise in die Stuben der Lehrerwohnung auf der linken
Seite gelangen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
nicht zerstört, da sie bereits 1937 in den Besitz einer nichtjüdischen Familie
übergegangen war. Es wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. In der 1960er-Jahren
wurde das Gebäude durch massiv erstellte Konstruktionsteile nach und nach
ersetzt, sodass die Giebel massiv erstellt (gemauert worden).
Adresse/Standort der Synagoge: Am
wilden Graben 5
Fotos
(sw-Fotos 2. Fotozeile und 3. Zeile links aus Altaras 2007 S. 194,
Plan und dritte Fotorzeile rechts Spalte aus Kullmann/Wiegand S. 65).
| Historischer
Entwurf |
 |
|
| |
Entwurf zum Bau der
Synagoge in Nesselröden, gezeichnet von Landbaumeister Matthei 1826;
deutlich die beiden |
|
| |
|
|
| Das Gebäude
der ehemaligen Synagoge in den 1960er-Jahren |
 |
|
| |
Erkennbar ist der
kleine Vorbau, der über den ursprünglich zwei Eingängen erstellt wurde.
Der rechte Eingang führte in den Betraum der Männer, der linke zur
Lehrerwohnung und über die Treppe zur Frauenempore |
|
| |
|
|
| Das Gebäude
der ehemaligen Synagoge im April 1987 / 1988 |
 |
 |
| |
Durch den Umbau
wurden die Erinnerungen an das Synagogengebäude beseitigt |
| |
|
|
| |
Aktuelle Fotos
werden noch erstellt |
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 119. |
 | Erich Schwerdtfeger: Die jüdischen Gemeinden in
Herleshausen und Nesselröden. Herleshausen 1989. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 76-77. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 68 (keine weiteren
Informationen) |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S.
194-195. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S.
228. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 524-525. |
 | Karl Kollmann / Thomas Wiegand: Spuren einer
Minderheit. Jüdische Friedhöfe und Synagogen im Werra-Meissner-Kreis.
Hrsg. von der Historischen Gesellschaft des Werralandes. Kassel 1996. S. 96 u.ö. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Nesselroeden
(now part of Herleshausen) Hesse-Nassau. Established around 1776, the community
numbered 107 (23 % of the total) in 1861. Having dwindled to 14 in 1933, it
disbanded in 1937. The last Jews, three elderly sisters, were deported to the
Theresienstadt ghetto in 1942.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|