Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Homberg (Efze) (Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal

Hinweis: Homberg (Efze) sollte nicht mit Homberg / Ohm verwechselt werden.    

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Beträume   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   

In Homberg (Efze) bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Zu vorübergehenden Niederlassungen einiger jüdischer Personen kam es wohl bereits im 17. Jahrhundert (1636, 1679 genannt), dann jedoch erst wieder in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zunächst gehörten die in Homberg - wie auch die in Hebel - lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Falkenberg. Erst 1909 konnte in Homberg eine selbständige jüdische Gemeinde begründet werden. 
  
Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1871 6 jüdische Einwohner (0,2 % von insgesamt 2.996 Einwohnern), 1880 11 (0,3 % von 3,551), 1895 25 (0,8 % von 3.321), 1905 37 (1,9 % von 3.596), 1908 11 jüdische Familie mit 47 Personen.  

An Einrichtungen bestanden ein Betsaal (s.u.), eine jüdische Schule und ein Friedhof. Die jüdische Schule war 1908 von Falkenberg nach Homberg verlegt worden (hier als private jüdische Elementarschule mit Lehrer Wolf Lotheim; Finanzierung durch die jüdischen Gemeindeglieder in Homberg; 1913 12 Kinder, 1918-19 noch 4-5 Kinder; nach Schließung um 1920 noch Religionsschule). Die Gemeinde gehörte mit den anderen jüdischen Gemeinden des ehemaligen Kreises Homberg (jüdischer Kreisvorsteher war 1924 Josef Heilbronn aus Homberg) zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.  
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Heilbronn (geb. 26.5.1893 in Falkenberg, gef. 26.5.1915) und Gefreiter Siegfried Lotheim (geb. 22.2.1892 in Baumbach, gef. 12.4.1918). Außerdem ist gefallen: Moses Max Frenkel (geb. 6.4.1881 in Homberg, vor 1914 in Geiswald, Sieg wohnhaft, gef. 19.2.1917). 
 
Um 1924, als 36 jüdische Einwohner gezählt wurden (1,9 % von 3.520 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Robert Katz. Den Religionsunterricht der Kinder der Gemeinde erteilte Lehrer Levi Katz aus Borken. Auch 1932 war Vorsteher der Gemeinde Robert Katz. Im Schuljahr 1931/32 gab es vier schulpflichtige jüdische Kinder in Homberg, die Religionsunterricht erhielten.     
  
Unter den jüdischen Familienvorstehern gab es um 1909 vier Kaufleute, dazu ein Viehhändler, ein Güterhändler und ein Trödelhändler; Anfang der 1930er-Jahre gab es zwei Textilkaufleute, einen praktischen Arzt (Dr. Heinemann Goldschmidt, Schenkenweg 6), einen Altwarenhändler und einen Gütermakler. Weit bekannt in der Region war das Kaufhaus der Brüder Julius und Robert Höxter (seit 1902 bis 1938; das Kaufhaus wurde beim Bau der Wallstraße 1938 abgebrochen). 
  
1933 lebten noch 32 jüdische Personen in sechs Familien in Homberg. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (nach Luxemburg die Familie des Kaufmanns Moritz Heilbronn). 
      
Von den in Homberg (Efze) geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch die Angaben aus der unten genannten Dokumentation der "Stolpersteine" in Homberg): Bertha Frenkel (1893), Henriette Goldschmidt (1876), Max Goldschmidt (1902), Paul Goldschmidt (1902), Siegfried Fritz Goldschmidt (1899), Alfred Gotthelf (1930), Amanda Gotthelf (1930), Edeltrud Gotthelf (1932), Klara Gotthelf (1937), Adolf Heilbronn (1898), Claire Heilbronn (1903), Frieda Heilbronn (1899), Julius Heilbronn (1897), Minna Heilbronn geb. Goldstein (1865), Selma Heilbronn (1894), Robert Höxter (1875), Selma Höxter (1881), Auguste Kann (1873), Julius Kann (1905), Meta Kann (1901), Frieda Katz (1896), Robert Katz (1884), Julius Lotheim (1906), Emil Moses (1879), Emil Moses (1906), Rebecca Moses (1871), Abraham Vogel (1884), Hedwig Vogel (1898), eventuell weitere Personen. 
 
Homberg Efze Sto 120.jpg (110185 Byte)In Homberg wurden im März 2005 und im März 2006 "Stolpersteine" für die vertriebenen und umgekommenen jüdischen Homberger verlegt: Stolpersteine liegen für die Familie Dr. Goldschmidt (Schwenkenweg 6), Auguste Kann mit Kindern (Lange Straße 23), Familie Höxter (Bahnhofstraße 1, heute Drehscheibe), Familie Moses (Bischofstraße 5), Familie Sussmann Heilbronn (Salzgasse 9), Familie Moritz Goldschmidt (Untergasse 30), Familie Robert Katz (Holzhäuser Straße 3). 
Siehe Online-Dokumentation der "Stolpersteine" in Homberg (Efze) (Foto aus dieser Dokumentation)  .   
  
Nach 1945 gab es durch die im Bereich von Homberg untergebrachten jüdischen Displaced Persons vorübergehend eine neue jüdische Gemeinde. Im September 1950 zählte sie noch 21 Mitglieder, in Mai 1951 16 Mitglieder, darunter drei in den Jahren zwischen 1946 und 1949 geborene Kinder.  
 
    
   

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde            
  

Es liegen - außer dem zur Einrichtung des Betsaales 1901 zitierten Bericht (s.u.) - noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte von Homberg aus jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts vor. 

            
  
   
Zur Geschichte der Beträume

Zunächst wurden die Gottesdienste in Falkenberg besucht. In Homberg richtete 1901 die Familie Heilbronn einen Betraum in ihrem Haus ein. Beim Haus der Familie Heilbronn handelte es sich um ein dreigeschossiges Fachwerkhaus zwischen der Salzgasse und der Engen Gasse. Der Betraum wurde im Erdgeschoss eingerichtet. Daneben war vermutlich auch ein Raum für den Unterricht der jüdischen Kinder der Gemeinde. 

Einrichtung eines Betsaales (1901)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1901: "Homberg (Reg.Bez. Kassel). Während in letzterer Zeit die traurige Erscheinung zutage tritt, dass die alten Judengemeinden sich auflösen, und die einzelnen Leute kaum in der Lage sind, an den hohen Feiertagen ihren heiligsten Gefühlen Genüge zu leisten, sind wir hier in der glücklichen Lage, einen günstigen Bericht zu erstatten. 
Seit Menschengedenken gab es hier keine Stätte, wo die einzelnen Glaubensgenossen ihre Gebete verrichten konnten; teils fehlte es an Minjan, oder es scheiterte an dem Mangel der nötigsten Einrichtungen. 
Diesmal ist es uns durch die Opferwilligkeit der Herren Goldschmidt, Katz, Höxter und Heilbronn gelungen, unseren lang gehegten Wunsch, ein Betlokal einzurichten, auszuführen. Besonders verdient gemacht hat sich um das Zustandekommen dieses heiligen Zweckes Herr Jakob Goldberg aus Kassel, der überall, wo es sich um die orthodoxen Interessen des Judentums handelt, mit der größten Opferwilligkeit und Selbstverleugnung eifrig mitwirkt. Von Herrn Goldberg erhielten wir die Einrichtung für unser Betlokal und ging er uns auch mit Rat und Tat an die Hand. Es sei ihm auch an dieser Stelle unser herzlichster Dank ausgedrückt. Möge dieses edle Beispiel nacheifernd wirken und unsere junge Gemeinde gedeihen und blühen."      

Später - vermutlich erst Anfang der 1930er-Jahre - wurde ein Betraum im Haus der Familie Goldschmidt eingerichtet. Herr Goldschmidt betrieb einen Vieh- und Fellhandel. Der gleichfalls im Erdgeschoss gelegene Betraum war zwar etwas kleiner als der Raum im Haus der Familie Heilbronn, doch reichte er aus, da Anfang der 1930er-Jahre die Zahl der jüdischen Einwohner Homberg bereits zurückgegangen war. Bereits Anfang 1938 - noch rechtzeitig vor dem Novemberpogrom 1938 - wurde das Haus der Familie Goldschmidt mit den dazu gehörigen Stallungen und der Scheune an einen Schäfer verkauft.      

Beide Gebäude mit den früheren Beträumen der Gemeinde sind als Wohnhäuser erhalten.    
  
  
Adresse/Standort der Synagoge       

Betraum im Haus der Familie Heilbronn: zwischen der Salzgasse und der Engen Gasse     
Betraum im Haus der Familie Goldschmidt: Webergasse 10  

Fotos
(Quelle: Altaras 1988 S. 53; dies. 2007 S. 156)

Ehemalige jüdische Häuser 
mit Beträumen
(Aufnahmen Juni 1987)
Homberg E Synagoge 111.jpg (81121 Byte) Homberg E Synagoge 110.jpg (66589 Byte)
  Ehemaliges Haus der Familie Heilbronn 
mit Betraum (vermutlich auch Schulraum) 
im Erdgeschoss 
Ehemaliges Haus der Familie 
Salomon Goldschmidt mit Betraum im
 Erdgeschoss links des Eingangs
     
      Homberg Haus Fam Heilbronn 010.jpg (43384 Byte)  
   Haus der Familie Heilbronn (neuere
 Aufnahme von Klaus Bölling, siehe Website
 unten zur Dokumentation der "Stolpersteine") 
 
     

  
    

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

November 2011: Gedenken an den Novemberpogrom 1938 - Spaziergang zu den "Stolpersteinen"      
Artikel in der "HNA" vom 10. November 2011: "Spaziergang zu den Stolpersteinen. 
Homberg.
Mit einem Spaziergang zu einigen der Stolpersteine in der Homberger Innenstadt machten sich am Mittwochabend rund 80 Menschen auf. Dabei wurde den Opfern der Nationalsozialisten gedacht..." 
Link zum Artikel.     
 
 


   
Links und Literatur

Links:

Homberg E Synagoge 112.jpg (24297 Byte)Website der Stadt Homberg (Efze) (Hinweis: beim > Stadtrundgang unter Nr. 24 "Jüdisches Bethaus" das Foto links)  
Website "Homberg (Efze) - ein Internet-Bilderbuch mit Dokumentation der "Stolpersteine"   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 300-301.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 53.    
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 51 (keine weiteren Informationen).
dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S. 156-157.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 177.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 441.  
Fritz Dreytza / Christiane Fäcke: Spuren jüdischen Lebens im Kreis Homberg. Homberg (Efze) 2004.   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Homberg an der Efze  Hesse-Nassau. Although Jews lived there from 1679, an independent community was only established in 1909, numbering 36 (1 % of the total) in 1925. It had no synagogue and the Jews worshiped in private homes. Most left before 1939; two perished in the Holocaust.   
    

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 11. Dezember 2011