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Homberg (Efze)
(Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal
Hinweis: Homberg (Efze) sollte nicht mit Homberg
/ Ohm verwechselt werden.
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Homberg (Efze) bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938. Zu vorübergehenden Niederlassungen einiger jüdischer
Personen kam es wohl bereits im 17. Jahrhundert (1636, 1679 genannt), dann
jedoch erst wieder in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zunächst gehörten die in Homberg - wie auch die in
Hebel - lebenden jüdischen
Personen zur Gemeinde in Falkenberg. Erst 1909
konnte in Homberg eine selbständige
jüdische Gemeinde begründet werden.
Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1871 6 jüdische Einwohner (0,2 % von insgesamt 2.996 Einwohnern), 1880
11 (0,3 % von 3,551), 1895 25 (0,8 % von 3.321), 1905 37 (1,9 % von 3.596), 1908
11 jüdische Familie mit 47 Personen.
An Einrichtungen bestanden ein Betsaal (s.u.), eine jüdische Schule und
ein Friedhof. Die
jüdische Schule war 1908 von Falkenberg
nach Homberg verlegt worden (hier als private jüdische Elementarschule mit
Lehrer Wolf Lotheim; Finanzierung durch die jüdischen Gemeindeglieder in
Homberg; 1913 12 Kinder, 1918-19 noch 4-5 Kinder; nach Schließung um 1920 noch
Religionsschule). Die
Gemeinde gehörte mit den anderen jüdischen Gemeinden des ehemaligen Kreises Homberg
(jüdischer Kreisvorsteher war 1924 Josef Heilbronn aus Homberg) zum
Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Heilbronn
(geb. 26.5.1893 in Falkenberg, gef. 26.5.1915) und Gefreiter Siegfried Lotheim
(geb. 22.2.1892 in Baumbach, gef. 12.4.1918). Außerdem ist gefallen: Moses Max
Frenkel (geb. 6.4.1881 in Homberg, vor 1914 in Geiswald, Sieg wohnhaft, gef.
19.2.1917).
Um 1924, als 36 jüdische Einwohner gezählt wurden (1,9 % von 3.520
Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Robert Katz. Den Religionsunterricht der
Kinder der Gemeinde erteilte Lehrer Levi Katz aus Borken. Auch 1932 war
Vorsteher der Gemeinde Robert Katz. Im Schuljahr 1931/32 gab es vier
schulpflichtige jüdische Kinder in Homberg, die Religionsunterricht
erhielten.
Unter den jüdischen Familienvorstehern gab es um 1909 vier Kaufleute, dazu ein
Viehhändler, ein Güterhändler und ein Trödelhändler; Anfang der
1930er-Jahre gab es zwei Textilkaufleute, einen praktischen Arzt (Dr. Heinemann
Goldschmidt, Schenkenweg 6), einen
Altwarenhändler und einen Gütermakler. Weit bekannt in der Region war das
Kaufhaus der Brüder Julius und Robert Höxter (seit 1902 bis 1938; das Kaufhaus
wurde beim Bau der Wallstraße 1938 abgebrochen).
1933 lebten noch 32 jüdische Personen in sechs Familien in Homberg. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (nach Luxemburg die Familie
des Kaufmanns Moritz Heilbronn).
Von den in Homberg (Efze) geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch die Angaben
aus der unten genannten Dokumentation der "Stolpersteine" in Homberg):
Bertha Frenkel (1893), Henriette Goldschmidt (1876), Max Goldschmidt (1902),
Paul Goldschmidt (1902), Siegfried Fritz Goldschmidt (1899), Alfred
Gotthelf (1930), Amanda Gotthelf (1930), Edeltrud Gotthelf (1932), Klara
Gotthelf (1937), Adolf
Heilbronn (1898), Claire Heilbronn (1903), Frieda Heilbronn (1899), Julius
Heilbronn (1897), Minna Heilbronn geb. Goldstein (1865), Selma Heilbronn (1894),
Robert Höxter (1875), Selma Höxter (1881), Auguste Kann (1873), Julius Kann
(1905), Meta Kann (1901), Frieda Katz (1896), Robert Katz (1884), Julius Lotheim
(1906), Emil Moses (1879), Emil Moses (1906), Rebecca Moses (1871), Abraham
Vogel (1884), Hedwig Vogel (1898), eventuell weitere Personen.
In Homberg wurden im März 2005 und im März 2006 "Stolpersteine" für
die vertriebenen und umgekommenen jüdischen Homberger verlegt: Stolpersteine
liegen für die Familie Dr. Goldschmidt (Schwenkenweg 6), Auguste Kann mit
Kindern (Lange Straße 23), Familie Höxter (Bahnhofstraße 1, heute
Drehscheibe), Familie Moses (Bischofstraße 5), Familie Sussmann Heilbronn
(Salzgasse 9), Familie Moritz Goldschmidt (Untergasse 30), Familie Robert Katz
(Holzhäuser Straße 3).
Siehe Online-Dokumentation
der "Stolpersteine" in Homberg (Efze) (Foto aus dieser
Dokumentation) .
Nach 1945 gab es durch die im Bereich von Homberg untergebrachten
jüdischen Displaced Persons vorübergehend eine neue jüdische Gemeinde.
Im September 1950 zählte sie noch 21 Mitglieder, in Mai 1951 16 Mitglieder,
darunter drei in den Jahren zwischen 1946 und 1949 geborene Kinder.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| Es liegen - außer dem zur Einrichtung des
Betsaales 1901 zitierten Bericht (s.u.) - noch keine Berichte zur jüdischen
Geschichte von Homberg aus jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts
vor. |
Zur Geschichte der Beträume
Zunächst wurden die Gottesdienste in Falkenberg besucht. In
Homberg richtete 1901 die Familie Heilbronn einen Betraum in
ihrem Haus ein. Beim Haus der Familie Heilbronn handelte es sich um ein
dreigeschossiges Fachwerkhaus zwischen der Salzgasse und der Engen Gasse. Der
Betraum wurde im Erdgeschoss eingerichtet. Daneben war vermutlich auch ein Raum
für den Unterricht der jüdischen Kinder der Gemeinde.
Einrichtung eines Betsaales (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1901: "Homberg
(Reg.Bez. Kassel). Während in letzterer Zeit die traurige Erscheinung
zutage tritt, dass die alten Judengemeinden sich auflösen, und die
einzelnen Leute kaum in der Lage sind, an den hohen Feiertagen ihren
heiligsten Gefühlen Genüge zu leisten, sind wir hier in der glücklichen
Lage, einen günstigen Bericht zu erstatten.
Seit Menschengedenken gab es hier keine Stätte, wo die einzelnen
Glaubensgenossen ihre Gebete verrichten konnten; teils fehlte es an Minjan,
oder es scheiterte an dem Mangel der nötigsten Einrichtungen.
Diesmal ist es uns durch die Opferwilligkeit der Herren Goldschmidt, Katz,
Höxter und Heilbronn gelungen, unseren lang gehegten Wunsch, ein Betlokal
einzurichten, auszuführen. Besonders verdient gemacht hat sich um das
Zustandekommen dieses heiligen Zweckes Herr Jakob Goldberg aus Kassel, der
überall, wo es sich um die orthodoxen Interessen des Judentums handelt,
mit der größten Opferwilligkeit und Selbstverleugnung eifrig mitwirkt.
Von Herrn Goldberg erhielten wir die Einrichtung für unser Betlokal und
ging er uns auch mit Rat und Tat an die Hand. Es sei ihm auch an dieser
Stelle unser herzlichster Dank ausgedrückt. Möge dieses edle Beispiel
nacheifernd wirken und unsere junge Gemeinde gedeihen und
blühen." |
Später - vermutlich erst Anfang der 1930er-Jahre - wurde ein Betraum im
Haus der Familie Goldschmidt eingerichtet. Herr Goldschmidt
betrieb einen Vieh- und Fellhandel. Der gleichfalls im Erdgeschoss gelegene
Betraum war zwar etwas kleiner als der Raum im Haus der Familie Heilbronn, doch
reichte er aus, da Anfang der 1930er-Jahre die Zahl der jüdischen Einwohner
Homberg bereits zurückgegangen war. Bereits Anfang 1938 - noch rechtzeitig vor
dem Novemberpogrom 1938 - wurde das Haus der Familie Goldschmidt mit den dazu
gehörigen Stallungen und der Scheune an einen Schäfer
verkauft.
Beide Gebäude mit den früheren Beträumen
der Gemeinde sind als Wohnhäuser erhalten.
Adresse/Standort der Synagoge:
Betraum im Haus der Familie Heilbronn: zwischen der Salzgasse und der Engen
Gasse
Betraum im Haus der Familie Goldschmidt: Webergasse 10
Fotos
(Quelle: Altaras 1988 S. 53; dies. 2007 S. 156)
Ehemalige jüdische
Häuser
mit Beträumen
(Aufnahmen Juni 1987) |
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Ehemaliges Haus der Familie
Heilbronn
mit Betraum (vermutlich auch Schulraum)
im Erdgeschoss |
Ehemaliges Haus der Familie
Salomon Goldschmidt mit Betraum im
Erdgeschoss links des Eingangs |
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Haus der Familie
Heilbronn (neuere
Aufnahme von Klaus Bölling, siehe Website
unten zur Dokumentation der "Stolpersteine") |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2011:
Gedenken an den Novemberpogrom 1938 - Spaziergang
zu den "Stolpersteinen" |
Artikel in der "HNA" vom 10.
November 2011: "Spaziergang zu den Stolpersteinen.
Homberg. Mit einem Spaziergang zu einigen der Stolpersteine in der
Homberger Innenstadt machten sich am Mittwochabend rund 80 Menschen auf.
Dabei wurde den Opfern der Nationalsozialisten gedacht..."
Link
zum Artikel. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 300-301. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 53. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 51 (keine weiteren
Informationen). |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S. 156-157. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 177. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 441. |
 | Fritz Dreytza / Christiane Fäcke: Spuren
jüdischen Lebens im Kreis Homberg. Homberg (Efze) 2004.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Homberg an
der Efze Hesse-Nassau. Although Jews lived there from 1679, an
independent community was only established in 1909, numbering 36 (1 % of the
total) in 1925. It had no synagogue and the Jews worshiped in private homes.
Most left before 1939; two perished in the Holocaust.

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