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Falkenberg mit
Hebel (Gemeinde Wabern, Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Falkenberg bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. 1744 gab es vier jüdische Familien in Falkenberg.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1835 68 jüdische Einwohner, 1861 85 (18,6 % von insgesamt 458
Einwohnern), 1871 84 (19,3 % von 436), 1885 53 (13,8 % von 385), 1895 46 (10,3 %
von 445), 1905 40 (9,3 % von 430).
Zur jüdischen Gemeinde Falkenberg gehörten auch die im benachbarten Hebel
lebenden jüdischen Personen (1835 10 jüdische Einwohner, 1861 21, 1905 24,
1924 17). Auch die in Homberg (Efze)
lebenden jüdischen Personen gehörten bis zur Bildung einer selbständigen
Gemeinde 1909 zur Gemeinde in Falkenberg.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (ab
1829 Religionsschule, 1872 in eine öffentliche Israelitische Volksschule
umgewandelt), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser
Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war. Um 1865 unterrichtete Lehrer R. Lange (Quelle),
nach 1872 Lehrer Abraham Hammerschlag in
Falkenberg. 1890
besuchten 11 Kinder die einklassig geführte Elementarschule; inzwischen war
Lehrer Seligmann Stahl (geb. 1865 in Gilserberg). 1895 hatte es noch 14, 1900
13, 1901/02 14, 1908/09 7 Schulkinder. 1908 wurde die Israelitische Volksschule -
unter Lehrer Wolf Lotheim - von Falkenberg nach Homberg
verlegt, dort allerdings bis um 1920 nur noch als private jüdische
Elementarschule weitergeführt. Die Gemeinde gehörte innerhalb des Kreises
Homberg zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.
Um 1924, als zur Gemeinde noch 31 Personen gehörten (6,1 % von insgesamt
515 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Siegfried Dannenberg und J.
Goldschmidt. Den Religionsunterricht der damals drei schulpflichtigen jüdischen
Kinder in Falkenberg erteilte Lehrer Levi Katz aus Borken. 1932 waren die
Gemeindevorsteher Meier Goldschmidt (1. Vors.) und H. Goldschmidt
(Schriftführer). Im Schuljahr 1931/32 erhielten noch zwei Kinder der Gemeinde
ihren Religionsunterricht durch Lehrer Levi Katz aus Borken.
1933 lebten noch 27 jüdische Personen in Falkenberg (5,2 % von insgesamt
523 Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (u.a. Familie Siegfried
Dannenberg nach New York, Ehepaar Rudolf Moses nach Argentinien, Erna Ascher
geb. Sauer nach Shanghai). Beim Novemberpogrom 1938 wurde das
Synagogengebäude zerstört. 1939 wurden noch 11
jüdische Einwohner gezählt (2,1 % von 523 Einwohnern).
Von den in Falkenberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Da es auch ein
Falkenberg in Oberschlesien gibt, kann es zu einzelnen Verwechslungen kommen;
nachstehend vermutlich die aus dem hessischen Falkenberg stammenden Personen:
Josef Dannenberg (1894), Maier Dannenberg (1858), Paula Eichholz geb. Heilbronn (1892), Lasar Fränkel
(1879), Max Fränkel (1910), Isaak Frenkel (1875), Simon Frenkel (1882), Harry Goldschmidt (), Isaak
J. Goldschmidt (1879),
Jenny (Henni) Goldschmidt geb. Katz (1887), Mendel Goldschmidt (1886), Emilie
Heilbronn (1867), Frieda Heilbronn (1899), Julius Heilbronn (1897), Max
Heilbronn (1857), Mendel Heilbronn (1889), Selma Heilbronn (1894), Berta Katz (), Pauline
Nathan geb. Goldschmidt (1884), Horst Rosenthal (1932), Meier Meinhard Rosenthal
(1905), Irmgard Wertheim (1924), Isaak Wertheim (1871), Lotte Wertheim (1922).
Aus Hebel sind umgekommen: Ilse Goldschmidt (1919), Lothar Goldschmidt
(1914), Meier Goldschmidt (1882), Selma Goldschmidt (1882), Selma Goldschmidt
geb. Katz (1888), Ida Heilbronn (1901), Klara Hirschberg (1894), Albert Vogel
(1884), Isaak Vogel (1874), Isaak Vogel (1889), Leopold Vogel (1895), Mina Wild
geb. Rosenblatt (1872).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
| Es wurden noch keine Anzeigen zur
Ausschreibung der Stelle in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts
gefunden. |
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Aus dem
jüdischen Gemeindeleben
Spendenaufrufe für den über 100-jährigen Mendel
Dannenberg (1877 / 1878 / 1879)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juli 1877:
"An edle Menschenfreunde!
In Falkenberg, Kreis Homberg, lebt ein Mann, der vor Kurzem seinen
hundertjährigen Geburtstag erlebte. Dieser hundertjährige Greis ist arm
und wird von seinem ebenfalls nicht bemittelten Sohne gepflegt und
ernährt.
Wohl tut Letzterer seine Schuldigkeit, aber derselbe besitzt selbst eine
zahlreiche Familie und beim besten Willen kann die Verpflegung doch nur
eine spärliche sein! Der Greis ist noch rüstig und besucht regelmäßig
den Gottesdienst! Liebesgaben sind hier gut angewendet und ich werde
solche mit Vergnügen besorgen.
Wer es lieber selbst tun will, adressiere: Herrn Mendel Dannenberg in
Falkenberg, Kreis Homberg.
Kassel, den 17. Juni 1877. Landrabbiner Dr.
Adler." |
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in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1878: "Hilfegesuch!
Der am 12. Mai 1777 geborene, also über 100 Jahre alte Mendel Dannenberg
in Falkenberg bei Homberg (Hessen-Nassau) befindet sich in äußerst
dürftigen Verhältnissen. Derselbe ist noch ganz rüstig, besucht
regelmäßig den Gottesdienst und fastet noch die Hauptfasttage und hat
dabei einen recht guten Appetit. Er besitzt aber kein Vermögen und wurde
bisher von seinem bereits 62 Jahre alten Sohn Joseph Dannenberg
ernährt.
Letzterer aber, Vater von 10 Kindern, ernährt sich selbst höchst
kümmerlich und sieht sich daher veranlasst, im Namen seines alten Vaters
die Güte seiner barmherzigen Glaubensgenossen in Anspruch zu nehmen,
damit er im Stande sei, seinem greisen Vater eine gute Pflege zuteil
werden zu lassen.
Gaben wolle man entweder an Joseph Dannenberg oder an die Expedition
dieses Blattes senden." |
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in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1879: Text
ähnlich wie oben |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Joseph Dannenberg aus Falkenberg besteht die
Lehramtsnotprüfung (1914)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28.
August 1914: "Am israelitischen Lehrerseminar zu Kassel bestand am
13. und 14. August unter dem Vorsitz des Direktors Dr. Lazarus der
Seminarist Joseph Dannenberg aus Falkenberg die
Lehramtsnotprüfung. Bisher sind drei Lehrer der Anstalt zum Dienst
einberufen worden." |
Zum 81. Geburtstag von David Goldschmidt in Hebel (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1927:
"Homberg, 14. November (1927). Seinen 81. Geburtstag beging im nahen
Hebel Herr David Goldschmidt. Wegen seines großen Wissens im jüdischen Schrifttum
erhielt er von Herrn Landrabbiner Dr. Walter in Kassel den Titel Chower."
(= Ehrenrabbiner). |
Goldene Hochzeit von David Goldschmidt und Jettchen
geb. Rosenblatt aus Hebel (1928)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1928:
"Homberg, 25. Juni (1928). Ihre goldene Hochzeit begingen in
körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische Herr David Goldschmidt und
Ehefrau Jettchen geb. Rosenblatt im nahen Hebel. Herr Goldschmidt, der
voriges Jahr bei der Feier seines 80. Geburtstages des Chower-Titel
erhielt, versieht heute noch das Amt eines ehrenamtlichen Toralesers
und das Lernen in der Chawera (Wohltätigkeitsverein) in der nahen
Gemeinde Falkenberg." |
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| Anmerkung: nach P. Arnsberg I S. 173 war
David Goldschmidt in Hebel "der geistige Führer der
Gemeinde" (sc. Falkenberg). "Er sorgte dafür, dass die
Gemeinde selbstständig blieb und nicht mit Homberg vereinigt wurde. Nach
der Auflösung der Schule beziehungsweise der Verlegung nach Homberg (sc.
1908) war er der Thoravorleser der Gemeinde und gab auch Talmudkurse in
der Gemeinde Falkenberg-Hebel. Er wurde 1926 80 Jahre alt." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser
vorhanden. Wann eine Synagoge erbaut wurde, ist nicht bekannt. Bei Paul
Arnsberg liegt die Angabe vor: "Man schätzte das Alter der Gebäude (sc.
Synagoge, Lehrerwohnung und Mikwe) auf ca. 200 Jahre" (d.h. ca. 1730). Es gab in ihr
zuletzt 26 Plätze für Männer und 16 für Frauen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das bereits im Frühjahr 1938 nicht mehr
für gottesdienstliche Zwecke genutzte Gebäude durch SA-Leute zerstört.
Die Kultgegenstände aus der Synagoge waren zwar noch rechtzeitig nach
Kassel gebracht worden, wurden dort allerdings beim Novemberpogrom 1938 zerstört. Es handelte sich im
Einzelnen um sieben Torawimpel (im März 1937 nach Kassel gesandt), sechs
Torarollen mit sechs Wimpeln, sechs Toramäntel, eine Almemordecke, eine Decke
für den Vorbeterpult (alles im Mai 1938 nach Kassel gesandt).
Das Grundstück der ehemaligen Synagoge in Falkenberg ist unbebaut.
Adresse/Standort der Synagoge: Melsunger
Straße 34 (ehem. Dorfstraße)
Fotos
(Quelle: www.synagogen.info;
das Foto wurde 2007 von Frank-E. Skrotzki eingestellt)
Das Grundstück der
ehemaligen Synagoge |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 172-173. |
 | keine Artikel in de Büchern von Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. und dies. Neubearbeitung der
Bücher 2007. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 187. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 525-526.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Falkenberg
Hesse-Nassau. Established before 1750, the Jewish community opened a regional
elementary school (transferred to Homberg in 1909), hat members in the village
of Hebel, and numbered 85 (19 % of the total) in 1871. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogue was destroyed. Of the 27 Jews who lived
there in 1933, eight emigrated; at least eight more perished in the
Holocaust.

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