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Mainbernheim (Kreis
Kitzingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Mainbernheim bestand eine jüdische Gemeinde bereits im
späten Mittelalter. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15.
Jahrhunderts zurück. 1409 und 1414 sind mehrere jüdische Einwohner aus
Mainbernheim erstmals nachweisbar. 1434 lebten mindestens vier, 1454 mindestens
zwei, 1489/90 mindestens sechs jüdische Familien in der Stadt. Die Familien
lebten vor allem vom Geldhandel. Der Würzburger Bischof legte für einen Teil
der Mainbernheimer Juden die maximale Zinshöhe fest. Seit 1431 hatte die
Stadt Mainbernheim das Recht, Juden aufzunehmen. 1479-81 wurde ein Christ
bestraft, der einen Mainbernheimer Juden gefangen genommen und beraubt hatte.
1489 wird ein Jude "von Mainbernheim" in Rothenburg ob der Tauber
genannt. Unter dem Druck des Würzburger Bischofs und der Markgrafen von
Brandenburg verzichteten 1489/90 sechs Mainbernheimer Juden auf ihre
ausgeliehenen Gelder. Im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts wurden die
Mainbernheimer Juden möglicherweise ausgewiesen; die letzten Nachrichten über
jüdische Ansässigkeit enden 1509.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht auf das Ende des 17.
Jahrhunderts zurück. 1698 wird erstmals wieder ein Juden in
Mainbernheim genannt. 1714 lebten sieben jüdische Familien in der Stadt.
Ihre
Blütezeit hatte die Gemeinde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit 125
jüdischen Einwohnern im Jahr 1814 (7,8 % von insgesamt 1.602) beziehungsweise
der Höchstzahl von 140 im Jahr 1837 (8,6 % von 1.633). Nach der Mitte des 19.
Jahrhunderts erfolgte eine starke Ab- und Auswanderung, sodass 1867 nur noch 44
jüdische Einwohner gezählt wurden (3,2 % von 1.392). Zahlreiche Familien
verzogen nach Kitzingen. Anfang 1871 lebten in Mainbernheim nur noch sechs
jüdische Familien. Bis 1910 entwickelte sich die Zahl wie folgt: 1890 48
jüdische Einwohner (3,3 % von 1.392), 1900 39 (2,9 % von 1.330), 1910 48 (3,4 %
von 1.394).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Mainbernheim auf
insgesamt 18 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände
genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Meier Löw Bonfet
(Viehhandel), Seligmann Samuel Sander (Schmusen und kleiner Weinhandel), Hirsch
Seligmann Seeligsberger (Ellenwarenhandel), Lea Hyeronimus Kronum (weibliche
Handarbeit), Lazarus Hirsch Herrmann (Weinhandel), Joseph Loew David Tamm (K.
Lottokollecteur und Weinhandel), Feist Loew Blumenthal (Galanterie- und
Schnittwarenhandel), David Isaac Kohn (Wechselgeschäfte), Jacob Elias Allmann
(Bücher- und Kleiderhandel), Amson Dessauer (Wein- und Pferdsmakler), Eysig
Isaac Kohn (Viehschmusen), Giedel, Witwe von Isaac David Kohn (weibliche
Handarbeit), Isaac Haenlein Haenle (Weinhandel), Nathan David Kohn (Weinhandel),
Jacob Kohn (Schmusen), Samuel Abraham Bamberger (Jugendlehrer), Caroline Aaron
Baer (Weinhandel), Henriette, Witwe von David Joseph Tamm (lebt von ihrem
eigenen Vermögen), August Haenle (Weinhandel, ab 1820).
An Einrichtungen waren eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule
und eine Mikwe vorhanden. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden im
Bezirksfriedhof Rödelsee beigesetzt. Mitte des 19. Jahrhunderts war Mainbernheim
einige Jahre Sitz eines Bezirksrabbinates (zuvor - seit den 1840er-Jahren
- war der Sitz vorübergehend in Marktsteft),
bis dieses 1871 aufgelöst und nach Kitzingen verlegt wurde. Vorletzter Rabbiner
in Mainbernheim war Faust Löw Thalheimer, der 1867 starb. Einige Monate
wurde das Distriktsrabbinat durch den Würzburger Rabbiner mit betreut. Zum 1.
September 1868 trat Rabbiner Immanuel Adler (geb. 1840 in Essingen, als
letzter Rabbiner von Mainbernheim die Stelle an. Er stellte auf Grund des
starken Rückganges der jüdischen Einwohner 1871 den Antrag an die Königliche
Regierung, den Rabbinatssitz nach Marktbreit verlegen zu können. Der damalige
Bürgermeister Schmiedel aus Kitzingen setzte sich jedoch dafür ein, dass das
Rabbinat nach Kitzingen verlegt wurde. Am 1. August 1871 verzog Rabbiner Adler
von Mainbernheim nach Kitzingen. Die jüdische Gemeinde in Mainbernheim bestand
- wenn auch nur noch mit etwa 40 bis 50 Gemeindegliedern - weiter und stellte
zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde einen Lehrer an,
der
zugleich Vorbeter und Schächter war. In den 1850er-Jahren war Jakob
Kahn in der Gemeinde angestellt; danach war er über 40 Jahre in Dettelbach
tätig. 1885 war die Gemeinde mehrere Monate auf
der Suche nach einem geeigneten Bewerber (siehe Ausschreibungstexte unten).
Im Ersten Weltkrieg waren aus der jüdischen Gemeinde keine Gefallenen zu
beklagen.
Um 1924, als noch 25 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden
(1,8 % von insgesamt etwa 1.400 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde E.
Hausmann. Als Lehrer, Kantor und Schochet war Julius Bernstein angestellt (s.u.
Artikel zu seinem Tod 1928). Er
erteilte an der Religionsschule der Gemeinde damals noch drei Kindern
Religionsunterricht. Im Schuljahr 1931/32 wird nur noch ein
schulpflichtiges jüdisches Kind genannt, als "Schriftführer" der
Gemeinde war Hermann Liebenstein tätig.
1933 lebten noch 25 jüdische Personen in Mainbernheim.
Trotz der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts und der ständig zunehmenden
Repressalien verließen nur wenige der jüdischen Einwohner bis 1938 den Ort. Im
April 1937 waren von den damals 25 jüdischen Einwohnern, sechs auf
Unterstützung angewiesen. Beim Novemberpogrom 1938 wurden von 50-60
ortsansässigen SA-Leuten, dazu einigen SS-Leuten, NSKK- und HJ-Mitgliedern die
Häuser von sechs jüdischen Familien durchsucht, mehrere jüdische Einwohner
misshandelt, Möbel und Hausrat wurden zertrümmert, Kleider zerrissen. Ein
altes jüdisches Ehepaar erlitt durch in die Wohnung geworfene Steine schwere
Kopfverletzungen. Bis 1940 sind die meisten der jüdischen Einwohner
ausgewandert (fünf Personen) beziehungsweise in andere Städte verzogen (12
Personen). Die letzten vier wurden im März 1942 nach Izbica bei Lublin
beziehungsweise im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Von den in Mainbernheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jeanette Barth geb.
Schönfärber (1872), Eliezer Bernheimer (1887), Else Bernheimer geb. Kaufmann
(1889), Lazarus Bernheimer (1886), Sophie Frank geb. Liebenstein (1866), Bertha Gernsheimer geb. Samfeld (1912),
Heinz Hausmann (1930), Meta Hausmann
(1899), Pfeifer Philipp Hausmann (1878), Sigmund (Siegmund) Hausmann (1889), Ida Leopold geb. Hausmann (1890), Bela Lichtenstein (1901), Flora
Liebenstein geb. Klein (1887), Hermann Liebenstein (1879), Jacob Liebenstein
(1888), Ludwig Löwenstein (1928), Carolina Löwenthal
geb. Samfeld (1870 oder 1877), Zilli Oppenheim geb. Klein (1858), Selma Rapp
geb. Liebenstein (1879), Rosa Rosenthal geb. Samfeld (1882),
Adele Samfeld geb. Schloss (1884), David Samfeld (1881), Aron Schönfärber
(1865), Klara Seemann (1856), Anna Sichel geb. Goldschmidt (1859), Jakob Paul
Sondheim (1893), Fanny Stein geb.
Samfeld (1878), Babette Uhlfelder geb. Hausmann (1887), Berta Weiss geb. Levy (1881).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte des Rabbinates in
Mainbernheim
Letzte Ausschreibung des Rabbinates Mainbernheim im November 1867
Bekanntmachung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. November 1867:
"Bekanntmachung. Durch den Tod des Distriktsrabbiners Faust Löw
Thalheimer zu Mainbernheim ist das dortige Distriktsrabbinat in Erledigung
gekommen. Dessen Bezirk umfasst dermalen 30 israelitische Kultusgemeinden,
wovon 11 dem Bezirksamte Kitzingen, 11 dem Bezirksamte Ochsenfurt, 6 dem
Bezirksamte Volkach und 2 dem Bezirksamte Gerolzhofen angehören, und ist
mit dieser Stelle, ohne Einrechnung eines jährlichen Aversums von 60
Gulden für Regie- und Reisekosten, sowie der Nebenbezüge, ein
jährlicher Gehalt von 500 Gulden verbunden, welcher für die Folge
voraussichtlich noch erhöht werden wird. Bewerber um diese Stelle haben
ihre Gesuche bis längstens 30. November laufenden Jahres dahier
einzureichen und solchen die entsprechenden Zeugnisse über die Erfüllung
der gesetzlichen Vorbedingungen beizulegen. In dieser Beziehung wird auf
die Bestimmungen im § 27 der allerhöchsten Verordnung vom 10. Juni 1813,
'die Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen im Königreiche
Bayern' betreffend, hingewiesen mit dem Bemerken, dass auch verlangt wird,
dass die sich meldenden Kandidaten gründlich gebildet und zugleich den
echten mosaischen Glaubenslehren und Zeremonialsatzungen treu anhängen
und nicht verderblicher Neologie huldigen, worüber daher gleichfalls
genügende Ausweise vorzulegen sind.
Kitzingen, 24. Oktober 1867. Der königliche Bezirksamtmann:
Ploner. Wirsing." |
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| Anmerkung: in nachfolgendem Artikel aus
der liberal geprägten "Allgemeinen Zeitung des Judentums" wurde
die Ausschreibung in teilweise ironischer Weise kommentiert: |
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26.
November 1867: "Aus Bayern, 12. November (1867). In diesen
Tagen fiel uns eine Bekanntmachung in Nr. 37 der zu München erscheinenden
'*Süddeutschen Presse' auf. Dieselbe ist vom königlichen Bezirksamte zu
Kitzingen erlassen und betrifft die Besetzung des Distriktsrabbinats Mainbernheim.
Der Bezirk umfasst dreißig israelitische Gemeinden in vier verschiedenen
Bezirksämtern. Für diesen umfassenden Distrikt ist denn auch ein sehr
angemessenes Gehalt von 500 Gulden (285 Thaler)!!! Dass eine solche Stelle
besonderen Bedingungen noch unterworfen sein muss, lässt sich
voraussetzen, und diese sind von dem königlichen Bezirksamtmanne auch
nicht verhehlt worden. Er verweist auf die Bestimmung in § 27 der
Verordnung vom 10. Juni 1813 'die Verhältnisse der israelitischen
Glaubensgenossen im Königreich Bayern betreffend' - also gibt es keine
spätere Verordnung, keine späteren gesetzlichen Bestimmungen in Bayern
mehr? - fügt aber auch seinerseits das Bemerken hinzu: 'dass auch
verlangt wird, dass die sich meldenden Kandidaten gründlich gebildet und
zugleich den echten mosaischen Glaubenslehren, Zeremonialsatzungen treu
anhängen, und nicht verderblicher Neologie huldigen, worüber gleichfalls
genügende Ausweise vorzulegen sind.'
Man muss gestehen, dies ist sehr nativ. Da unseres Wissens in Bayern keine
jüdische Oberbehörde besteht, auch nicht etwa die anderen
Distriktsrabbinate in die Wahl einzureden haben, kann doch wohl nur das
königliche Bezirksamt selbst die Instanz sein, welche über die echten
mosaischen Glaubenslehren und Zeremonialsatzungen Entscheid gibt, und
feststellt, was 'verderbliche Neologie' ist. In der Tat muss es doch in
jedem aufrichtigen Juden Entrüstung hervorrufen, die uralte jüdische
Religionsgenossenschaft so von außen her bevormundet zu sehen, eine
Bevormundung, wovon unsere Väter in der Zeit der tiefsten Erniedrigung
und der schwersten Bedrückung nichts wussten." |
Beziehungen der Familie des Rabbi Elieser ben Aron, Dajan (Rabbiner) in Mainbernheim zu Sabbataj ben Meir
HaKohen (Artikel von 1867)
Anmerkung: Bei dem im Artikel genannten "Schach" bzw. SchaCH handelt
es sich um den großen Gelehrten Sabbataj ben Meir HaKohen, geb. 1621 in
Wilna, gest. 1662 in Holleschau (Mähren). Von ihm erschien 1647 in Krakau das
Werk 'Sifte Kohen', ein bekannter Kommentar zum zweiten Teil des 'Schulchan
Aruch'. Bei den Judenverfolgungen unter Chmielnicki floh er aus seiner Heimat
und wurde Rabbiner in Dresin und Holleschau, wo er in der Folgezeit zahlreiche
halachische Werke schrieb. Bei dem unten genannten Werk Oruch Mischach
handelt es sich um das 'Sefer haaruch mi-SchaCH'.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1867:
"Aus Unterfranken. Am Schlusse der in diesen geschätzten
Blättern in mehreren Nummern fortgesetzten Erzählung 'des Königs Eidam'
sind mehrere Städte in weiter Ferne genannt, in denen sich noch
Sprößlinge aus der Familie des Schach befinden.
Nun wird es gewiss den verehrlichen Lesern dieser Blätter von Interesse
sein, zu erfahren, dass auch unsere Nähe noch würdige Abkömmlinge des
großen Gesetzeslehrers Schach aufzuweisen hat, und zwar in den Familien
der berühmten Gelehrten Rabbi Hirsch Berlinger zu Berlichingen und Rabbi
Josef Ahron Ellinger zu Niederstetten,
und entnehmen wir den desfallsigen Stammbaum dem Werke Oruch Mischach Teil
I.
Der Schach hatte noch einen Schwiegersohn namens Rabbi Ahron, Rabbiner zu
Luntschitz. Dieser hatte einen Sohn namens Rabbi Mosche, welcher der Vater
des Rabbi Ahron, des Verfassers der Hagohas Minchas Ahron (Erläuterung zu
genanntem Oruch Mischach), und welch' letzerer Rosch beth Din zu Berlin
war. Dieser Rabbi Ahron zeugte mehrere berühmte Söhne, von denen der
Eine, namens Rabbi Elieser Dajan zu Mainbernheim
war. Ein Sohn des Rabbi Elieser war Rabbi Moscheh, Rabbiner zu Trier,
dessen Tochter mit Rabbi Hirsch Berlinger verehelicht ist. Die Frau des
Rabbi Hirsch und dessen Kinder sind also aus der Familie des Schach. Die
Mutter des genannten Rabbi Josef Ahron Ellinger war eine Tochter des
erwähnten Rabbi Elieser; sohin gehörte auch dieser ehrwürdige Mann und
seine Kinder diesem Stamme an.
Höchst wichtig wird noch Folgendes zu erfahren sein. Es erschien nämlich
von Schach's Werken Oruch Mischach nur der erste Teil im Drucke. Rabbi
Hirsch Berlinger besitzt nun noch ein Manuskript genannten Werkes, das
zwar nicht auf den ganzen Joreh Deah, doch auf einen größten Teil
desselben sich erstreckt. - Vielleicht findet sich ein entsprechender
Verleger hiezu, und wird sich Rabbi Hirsch Berlinger vermutlich mit
Vergnügen bereit erklären, eine Abschrift dieses Manuskriptes zum Behufe
des Druckes desselben abzugeben. A." |
Rabbiner Immanuel Adler wird als Rabbiner eingeführt - das Rabbinat bleibt
zunächst in Mainbernheim (1868)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. September
1868: "Kitzingen, im
September (1868). Bezugnehmend auf meine Korrespondenz in Nr. 18 dieses
geschätzten Blattes, die Wahl eines Rabbiners für den Rabbinatsbezirk
Mainbernheim betreffend, habe ich Ihnen heute nach 3 Monaten mitzuteilen,
dass der von gewisser Seite gegen die Wahl des Herrn Rabbinatskandidaten
Immanuel Adler erhobene Rekurs, sowohl von hoher Kreisstelle als auch vom
allerhöchsten Staatsministerium als unbegründet erachtet wurde, und dem
zufolge Herr Adler am 14. vorigen Monats beim Bezirksamte Kitzingen
verpflichtet worden ist, und am 7. September seine Stelle in Mainbernheim
- woselbst der Rabbinatssitz vorerst verbleibt - angetreten hat. Am 13.
dieses Monats wird Herr Rabbiner Adler seine Antrittsrede abhalten, wozu
sämtliche Vorstände des Bezirks geladen sind.
Möge es unserem nunmehrigen Herrn Rabbiner vergönnte sein, recht viel
Gutes zu wirken; möge er insbesondere unseren Religionsschulen die
größte Aufmerksamkeit zuwenden." |
Das Ende des Rabbinates Mainbernheim mit
der Übersiedelung des Distriktrabbiners Immanuel Adler nach Kitzingen (1871)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1871:
"Kitzingen. Schon lange wurde der hiesigen Stadt in Ihrem
geschätzten Blatte keinerlei Erwähnung zuteil, trotzdem dieselbe auf
jüdischem Gebiete der Erwähnung wert ist; denn lange, sehr lange durfte
hier kein Jude wohnen, und jetzt ist unsere Gemeinde schon 25 Familien
stark und ist im steten Zunehmen begriffen. Durch die demnächst
stattfindende Übersiedlung unseres hochverehrten Herrn Distriktrabbiners
J. Adler von Mainbernheim hierher gewinnt unsere Gemeinde in jeder
Beziehung an Bedeutung; die königliche Regierung von Unterfranken und
Aschaffenburg hat nämlich mittels Reskripts vom 28. vorigen Monats
beschlossen, dass der Rabbinatssitz von Mainbernheim hierher verlegt
werde. Wir müssen es rühmend erwähnen, dass unser verehrter Herr
Bürgermeister es sich sehr angelegen sein ließ, den Rabbinatssitz
hierher zu verlegen und nicht wie von vielen Gemeinden gewünscht wurde,
nach Marktbreit. Möge es unserem
hochverehrten Herrn Rabbiner vergönnt sein, auch von seinem neuen
Wohnorte aus sein edles Streben stets mit gutem Erfolge gekrönt zu sehen.
J." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers/Vorbeters/Schächters
1868 / 1885 / 1887/ 1891
und Hilfsvorbeter 1902 / 1903
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1868:
"Die Religionslehrer- und Vorsängerstelle der Kultusgemeinde
Mainbernheim ist vakant. Jährliches Fixum: 200 Gulden nebst freier Wohnung
und 10 Gulden für Holz. Bei Mitbesorgung der Schächterfunktion nochein Erträgnis
von 50-60 Gulden per annum. Bewerbungen, die auch von ungeprüften
Schuldienst-Exspektanten ausgehen dürfen, wollen baldigst an den
israelitischen Kultus-Vorstand zu Mainbernheim gerichtet werden." |
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Anzeige
in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 7. Mai 1885: "Die israelitische Gemeinde
zu Mainbernheim in Unterfranken sucht zum sofortigen Eintritt einen
Religionslehrer, welcher den Vorsängerdienst und die Schächterfunktion
mit zu versehen hat. Fixum 400 Mark nebst freier Wohnung und Holz.
Schächterfunktionen und Nebenverdienste belaufen sich auf circa 500 Mark.
Der israelitische Kultusvorstand Abr. Samfeld. |
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Anzeige in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 9. Juli 1885: "Offene israelitische
Religionslehrerstelle zu Mainbernheim in Unterfranken. Es wird dahier
womöglich zum sofortigen Eintritt ein geprüfter Religionslehrer, welcher
die Schächterfunktion und den Vorsängerdienst mit zu versehen hat,
gesucht. Fixer Gehalt 500 Mk. Für Schächterfunktion und Nebenverdienste
werden für weitere 500 Mk. Garantie geleistet. Holz und Wohnung frei.
Bewerbern, welche gute Fähigkeiten besitzen, ist noch ein weiterer
Nebenverdienst in Aussicht gestellt. Reisespesen werden nur dem vergütet,
der die Stelle erhält.
Mainbernheim im Juli 1885. Der isr. Kultusvorstand Abr. Samfeld". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1887:
"Die hiesige israelitische Religionslehrerstelle ist bis zum Januar
1888 wieder zu besetzten. Es ist die Schächterfunktion und Vorbeterstelle
mitverbunden und beträgt das Fixum 400 Mark. Außerdem bringt die
Schächterfunktion mit Nebenverdienst 500 Mark. Es ist auch Gelegenheit
geboten, in zwei Nachbarorten einen nicht unbedeutenden Nebenverdienst zu
erhalten. Als Bewerber werden nur seminaristisch Gebildete
berücksichtigt. Reisespesen werden nur dem vergütet, welcher die Stelle
erhält.
Mainbernheim (Unterfranken), Dezember 1887. Der israelitische
Kultusvorstand Abraham Semfeld." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1891: "Die
unterfertigte Kultusgemeinde sucht zum sofortigen Eintritt einen
Religionslehrer, welcher die Schächterfunktion und den Vorbeterdienst mit
zu versehen hat. Fixer Gehalt 400 Mark, die Schächterfunktion und
Nebenverdienste belaufen sich auf ca. 400 Mark. Wohnung und Heizung
frei.
Mainbernheim, im August 1891. Der israelitische Kultusvorstand: Abr.
Samfeld." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1902:
"Von der Kultusgemeinde Mainbernheim Unterfranken wird auf
Rosch-Haschono und Jom-Kippur ein
Hilfsvorbeter gesucht. Darauf
Reflektierende mögen ihre Honorar-Ansprüche und eventuelle Bedingungen
an der unterfertigten Vorstand senden.
Abraham Samfeld". |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 27. August 1903: "Hilfsvorbeter
wird gesucht für bevorstehendes Neujahrs- und Versöhnungsfest von der
unterfertigten Kultusgemeinde.
Mainbernheim, im Auugust.
Der Kultusvorstand: Abraham Samfeld." |
Zum Tod von Lehrer Julius Bernstein (1928)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Zeitung" vom 15. November
1928: "Abraham Rau - Julius Bernstein. Wieder sind uns zwei
liebe Freunde und treue Kollegen durch den Tod entrissen worden. Am 14.
Oktober starb Hauptlehrer a.D. Abraham Rau in Hirschaid, ihm folgte am 26.
Oktober Lehrer Julius Bernstein von Mainbernheim ins Grab.
Rau gehörte zu den immer seltener werdenden Beamten, deren ganze
Lebensarbeit einer einzigen Gemeinde gewidmet ist. Kurz nach seinem im
Jahre 1883 erfolgten Seminaraustritt kam er nach Hirschaid, wo er, zuerst
als Religionslehrer, dann vom Jahre 1903 ab als Volksschullehrer, im
ganzen 46 Jahre wirkte. Auch als vor einigen Jahren seine Schule infolge
Kindermangels aufgelöst wurde, blieb er seiner Gemeinde, die wie zu einem
Vater zu ihm aufschaute, treu. Die hohe und allseitige Verehrung, deren er
sich erfreute, fand bei seiner Beerdigung ebenso beredte wie ergreifenden
Ausdruck. Auch unserem Vereine, dem er seit 1884 angehörte, war Rau der
Getreuesten einer. Durch das Vertrauen der Mitglieder wurde er in die
Verwaltung berufen, in der er mehrere Jahre in sachlichem Ernste und
hingebungsvollem Eifer mitarbeitete. Den Dank, den wir dem Heimgegangenen
wollen, rief ihm der 2. Vorsitzende unseres Vereins, Herr Dr. Bamberger
(Nürnberg), ins offene Grab nach.
Im Gegensatz zu Rau war Bernstein in einer ganzen Reihe von Gemeinden in
den verschiedensten Teilen unseres deutschen Vaterlandes tätig. Von Nenzenheim, seinem ersten Anstellungsorte, führte ihn die berufliche
Laufbahn über Oberhessen und die ehemalige Provinz Posen nach Graudenz,
wo er 26 Jahre wirkte. Als 63jähriger griff er nochmals zum Wanderstabe,
da er nach dem Übergange von Graudenz an Polen der deutschen Heimat treu
bleiben wollte In Mainbernheim, unweit seines ersten Wirkungskreises fand
er ein neues Feld der Betätigung und erwarb sich hier durch sein
schlichtes, anspruchsloses Wesen in allen Kreisen Liebe und
Wertschätzung. Vor kurzem erst in den Ruhestand eingetreten, hat ihn nun
der Tod zur Ruhe der ewigen Heimat heimgeholt.
Wir werden den dahingeschiedenen Kollegen ein treues und dauerndes
Andenken bewahren." |
Berichte zu einzelnen Personen der Gemeinde
Zum Tod von Louis Liebenstein (1908)
Artikel
aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1908:
"Mainbernheim, 24. Oktober (1908). In der Simchat Tora-Nacht verstarb
hier Herr Louis Liebenstein, einer der Edelsten unserer Gemeinde, nach
kurzem, aber schwerem Krankenlager. Die Kinder beweinen den besorgten
Vater, die Armen des heiligen Landes einen ihrer besten Gönner. Er war
ein schlichter Mann. Demutsvoll hielt er sich stets vor Augen, dass Gott
seine Arbeit gesegnet hat, und wie dieser Segen ihn erfreute und
beglückte, so war er auch bestrebt, andere zu beglücken, einzugreifen,
überall, wo es galt, Tränen zu trocknen und Not zu lindern. Sein
Andenken sei gesegnet. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Zum Tod von Abraham Samfeld (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1928: "Mainbernheim,
20. September (1928). Am 17. Elul hat man unsern allverehrten Abraham
Samfeld zu Grabe getragen. Im 77. Lebensjahr wurde er von seinem langen
Siechtum erlöst. Sein überaus großes Leichenbegängnis zeigte, welch
großer Beliebtheit und Wertschätzung sich der Dahingeschiedene erfreute.
Er war ein Mann von seltener Herzensgüte und jeder, der ihn kannte,
musste sich hingezogen zu ihm fühlen. Witwen und Waisen war er ein Vater
und Berater. Am Trauerhause hielt Herr Rabbiner Dr. Wohlgemuth aus Kitzingen
eine tiefergreifende Gedächtnisrede an die Trauernden, um die Verdienste
des Verstorbenen in kurzen Strichen zu zeichnen. Sein Leben war durch
seine besondere Friedensliebe ein harmonisches, glückliches und
geachtetes gewesen. Allerdings hat auch das Leid ihm nicht gefehlt, vor
einem Vierteljahrhundert ward ihm die treue Gattin entrissen. Aber seine
Gottesfurcht ließ ihn den Schmerz in Demut tragen. Möge seine
Hinterbliebenen der Gedanke trösten, dass ihr teurer Toter gekrönt mit
der Krone des guten Namens von dannen ging. Seine Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens." |
| vgl. unten Anzeige der Metzgerei A.
Samfeld von 1902 |
Zum 92. Geburtstag von Sofie Liebenstein (in Marktbreit, 1933)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1933:
"Marktbreit, 6. Januar (1933). Ganz in der Stille feiert Frau Sofie
Liebenstein, die älteste Einwohnerin Marktbreits, am 5. Tage Chanukka
ihren 92. Geburtstag. Früher in Mainbernheim wohnhaft, zog sie
nach dem Tode ihres Mannes zu ihrer Tochter nach Marktbreit. Die
Jubilarin, eine Frau nach alter jüdischer Sitte, übte jahrzehntelang in
beispielgebender Weise Wohltätigkeit, am letzten Jom Kippur weilte sie
noch von früh bis abends in der Synagoge und fastete ganz. Sie ist
geistig und körperlich noch vollkommen rüstig und erfreut sich heute
noch in allen Kreisen der Bevölkerung größter Beliebtheit, nicht
zuletzt durch ihre ausgedehnte Wohltätigkeit. (Alles Gute) bis 120
Jahre." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Metzgerei A. Samfeld (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1902: "Lehrling
gesucht, zum sofortigen Eintritt. Kräftiger Junge kann die Metzgerei und
Wurstlerei gründlich erlernen. Sabbat und Feiertage streng
geschlossen.
A. Samfeld, Mainbernheim, Unterfranken." |
Neujahrsgruß der Familien Leopold und Schönfärber (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1902:
"Zum bevorstehenden Jahreswechsel herzlichen Glückwunsch allen
Freunden und Bekannten. Familien Leopold und Arnold Schönfärber,
Mainbernheim." |
Zur Geschichte der Synagoge
Es ist nicht bekannt, ob es bereits im 15. Jahrhundert eine
Synagoge gab. Vermutlich war ein Betraum in einem der jüdischen Wohnhäuser
vorhanden.
Auch die neuzeitliche Gemeinde wird Anfang des 18. Jahrhunderts zunächst
einen Betsaal in einem Privathaus eingerichtet haben. 1748 wurde eine
Synagoge erbaut. Diese Jahreszahl war über dem Eingang der Synagoge zu lesen.
In der Synagoge wurde ein Toramantel von 1720/21 aufbewahrt.
Auf Grund der starken Abwanderung der jüdischen Familien nach
der Mitte des 19. Jahrhunderts drohte die Auflösung der jüdischen
Gemeinde. Als 1871 nur noch sechs jüdische Familien in Mainbernheim lebten, war
das Abhalten des öffentlichen Gottesdienstes in Frage gestellt. Da sich jedoch
die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder in der Folgezeit auf 40 bis 50 Personen
stabilisierte, bestand die Gemeinde bis in die NS-Zeit fort.
Beim Novemberpogrom 1938 gingen SA-, SS, NSKK- und HJ-Leute sowie weitere
Bürger der Stadt auch gegen die Synagoge vor. Sie wurde nicht in Brand gesetzt,
weil die Sicherheit der benachbarten Gebäude gefährdet war. SA-Leute deckten
jedoch das Dach der Synagoge ab. Daran wirkten auf Anordnung des Bürgermeisters
auch mit Äxten und ähnlichen Geräten ausgerüstete Lehrlinge aus einer nahe
gelegenen Werkstatt mit. Die Inneneinrichtung der Synagoge, die Ritualien und
Torarollen (ein Teil war zusammen mit dem Totengedenkbuch schon 1934 dem Verband
der Bayrischen israelitischen Gemeinden in München übergeben worden), wurden
von der HJ und Schulkindern auf einen Platz geschleppt und dort
angezündet.
Nach 1945: Das Gebäude der Synagoge überstand den Krieg und wurde zu einem bis
heute stehenden Wohnhaus umgebaut. Aus der Synagogenzeit stammen noch die
Grundmauern und ein Teil der Außenmauern. Eine Hinweistafel ist angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Untere Brunnengasse 4
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.5.2006)
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| Die
"Judengasse" in Mainbernheim |
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| Das Gebäude der
ehemaligen Synagoge in Mainbernheim - zu einem Wohnhaus umgebaut |
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Hinweistafel am
Synagogengebäude |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| März 2009: Zweite "Stolperstein-Verlegung" in
Mainbernheim |
Bericht in der
"Main-Post" am 20. März 2009 (Artikel):
MAINBERNHEIM - Erinnerung an Mainbernheims Juden - Vier Stolpersteine erinnern an frühere Mitbürger
In der Unteren Brunnengasse und in der Herrnstraße in Mainbernheim verlegte der Kölner Bildhauer Gunter Demnig am Freitag Stolpersteine, die an die früheren jüdischen Bewohner der Häuser erinnern. Möglich wurde die Aktion durch die private Spenden und die Beteiligung der Stadt.
Ein Mensch ist erst wirklich tot, wenn sich niemand mehr an ihn erinnert, heißt es. Die Mainbernheimer Juden, die 1942/43 ihre Häuser im idyllischen Markgrafenstädtchen räumen mussten, konnten nicht lange Abschied nehmen: der Transport in Transit-Getto und Vernichtungslager wartete. Eine Reise ohne Wiederkehr, auch für die vier Mainbernheimer, an die seit Freitag mit Stolpersteinen des Kölner Bildhauers Gunter Demnig erinnert wird.
Es sind nicht die ersten Stolpersteine, die ins Mainbernheimer Straßenpflaster gelassen werden, zwei befinden sich bereits in der Schützen- und in der Herrnstraße. Am Freitag nun hält Demnigs roter Transporter zunächst vor dem Haus in der Unteren Brunnengasse 4, für die Geschichte der Mainbernheimer Juden ein historischer Ort. Durch den Hof des Anwesens gelangte man früher nämlich zur Synagoge, die während der Pogromnacht 1938 zerstört wurde und heute ein Wohnhaus ist.
Nach Ostpolen deportiert. Bei Demnigs Aktion geht es jedoch ums Vorderhaus. Hier wohnten Meta und Philipp Hausmann, geboren 1899 beziehungsweise 1878. Meta wurde 1942 ins Durchgangslager Izbica in Ostpolen deportiert, Philipp im selben Jahr nach Theresienstadt. Danach verliert sich ihre Spur. Jetzt sollen zumindest ihre Namen und ihr Schicksal wieder ins Bewusstsein der Mainbernheimer rücken. Einige von ihnen sind am Freitagmorgen gekommen, um zu beobachten, wie Demnig einen großen Pflasterstein gegen die beiden Gedenkplättchen tauscht. Die Märzsonne lässt die Messingplatten funkeln, nach ein paar Minuten glänzen sie sauber einzementiert vor der Hofeinfahrt des Hauses.
Ein paar Meter weiter, in der Herrnstraße, wird vor dem Haus Nummer 34 an Aron Schönfärber erinnert, der als 78-Jähriger den Todestransport nach Theresienstadt antreten musste. Ein alter Mann, der Hitlers Reich nicht mit Milde rechnen durfte – ebenso wenig wie die 53-jährige Else Bernheimer aus der Herrnstraße 43, die 1942 nach Polen deportiert und ermordet wurde.
Den jüdischen Mitbürgern in Mainbernheim hatte es auch nichts genützt, dass sie sich – wie viele Juden in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert – fest in die Gesellschaft integriert hatten. Ein Dokument aus der Sammlung des Mainbernheimer Historikers Kurt Kraus belegt so zum Beispiel, dass bei einer Haussammlung des CVJM in den 20er Jahren auch neun Juden eine Spende gaben. Schon wenige Jahre später war es der Mainbernheimer Stadtrat, der 1935 per Beschluss
"Abwehrmaßnahmen" gegen die Juden anordnete. Wer sich nicht fügte, wie der
"Falken"-Wirt Gustav Jaeger, musste mit Sanktionen rechnen. "Dieser Wirt kauft Fleisch beim Juden" stand eines Tages auf einem Schild am Vierröhrenbrunnen, eine Aufschrift auf dem Pflaster vor dem Eingang des Gasthauses stempelte Jaeger als
"Judenknecht" ab.
Einrichtungen verbrannt. Von der Ausgrenzung bis zum offenen Terror war es nur noch ein kurzer Weg, wie Kraus in einem Zeitzeugenbericht schreibt:
"Am 9. November 1938, der so genannten Reichskristallnacht, verwüsteten SA-Leute, unterstützt von zahlreichen Bürgern, sowohl die jüdischen Wohnungen als auch die Synagoge und verbrannten auf dem Schießhausplatz deren Inneneinrichtung samt sämtlicher Bücher." Wo man Bücher brennt, verbrennt man am Ende auch Menschen, prophezeite der Dichter Heinrich Heine.
Vor dem Mord stand die Misshandlung. Wie das Buch "Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945" berichtet, bekamen in Mainbernheim auch nichtjüdische Bürger den Terror zu spüren: So wurden zwei Frauen verprügelt, nur weil sie 1942 einem jüdischen Ehepaar beim Packen halfen. Es gab auch andere Gegenbeispiele – wie das der Mainbernheimer Frauen Hilde Dietz und Gretel Dorsch, die auch nach 1933 zu ihrer jüdischen Freundin Mirra Bernheimer hielten und die sich alle 1995 wiedersahen.
Täter und Opfer, Mitläufer und stille Helfer lebten Wand an Wand: Mainbernheim, ein ganz normales Städtchen im Deutschland des 20. Jahrhunderts. |
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Historische Aufnahme des
Anwesens
Brunnengasse (rechts).
© Foto Archiv Kurt Kraus |
Gunter Demnig beim Verlegen
der Steine in
der Unteren Brunnengasse 4, wo sich auch
der Eingang zur
Synagoge befand |
Die beiden Steine für Meta
und Philipp
Hausmann, die ins Pflaster vor der Unteren
Brunnengasse 4
eingelassen sind |
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| November
2011: Über die
"Stolpersteine" in Mainbernheim |
Artikel in "infranken.de"
(Kitzingen) von Marianne Kehrer vom 21. November 2011: "In Stein
gemeißelte Erinnerung.
Gedenken. Die Familie Hausmann lebte einst in Mainbernheim - bis sie als
Juden vertrieben und umgebracht wurden. Stolpersteine des Künstlers
Gunter Demnig erinnern in ganz Europa an solche Schicksale, jetzt auch in
Mainbernheim..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt als
pdf-Datei. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica III,2 S. 784-786. |
 | Naphtalie Bamberger: Geschichte der Juden von
Kitzingen. 1908. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 351-352. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 86. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 516-518. |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 199.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Mainbernheim Lower
Franconia. Jews are first mentioned in the late 14th century and lived there in
small numbers during the next centuries. In 1837 the properous community
numbered 140 (total 1.633), engaged mainly in the wine and cattle trade. During
the 19th century (until 1871) Mainbernheim was the seat of the district
rabbinate. The Jewish population dropped to 44 in 1867 and 20 in 1933. On Kristallnacht
(9-10. November 1938), Jews were severly beaten and their homes were wrecked, as
was the synagogue. In 1933-40, 20 Jews left Mainbernheim, 12 of them for other
German cities. The last Jews were deported to Izbica in the Lublin district
(Poland) and to the Theresienstadt ghetto in 1942.

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