Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Trendelburg bestand eine kleine jüdische
Gemeinde bis März 1937. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts
zurück. Erstmals werden 1676 Juden in der Stadt genannt. 1731 lebten 21 jüdische Personen in der Stadt, 1750 19.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1827 31, 1835 (zusammen mit Wülmersen) 24, 1855 18, 1895 12.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (im
Gebäude der ehemaligen Synagoge),
ein rituelles Bad im Nachbargebäude sowie ein Friedhof.
Mitte des 19. Jahrhunderts (1864 genannt, von 1865 weitere Quelle) hatte die Gemeinde zeitweise auch einen eigenen
Lehrer namens H. Schönthal, der in diesem Jahr in Trendelburg einen
Männerturnverein gründete, dem er als aktiver Turner angehörte. Unter den
Turnfreunden (passive Mitglieder) wird damals auch der Kaufmann Abraham
Dannenberg erwähnt.
Das rituelle Bad (im 17. Jahrhundert angelegt) ist im Februar 2001 bei
Umbauarbeiten des Hauses "Am Brunnen 6" wiederentdeckt worden. Auf Grund
vorliegender Quellen ließ sich feststellen, dass 1783 der ehemalige jüdische
Hausbesitzer (Joseph Levi Dannenberg) die Stadtverwaltung um eine
Wasserableitung für das Bad gebeten hatte. Nach dem Großbrand in der Stadt am
31. Januar 1868, bei der das Haus bis auf die Grundmauern zerstört wurde, war die Mikwe in Vergessenheit geraden.
Anmerkung: Die Mikwe ist seit 2003 über die Räume des Tourismusbüros
für Besucher zugänglich. Öffnungszeiten des Tourismusbüros Mo.- Fre. 9-15
Uhr und So. 12-15 Uhr. Tel. 05675-749918. Internet: www.trendelburg.de.
Um 1924 lebten noch neun jüdische Personen in Trendelburg, die inzwischen zur
Gemeinde in Deisel gehörten.
1933 lebten noch fünf jüdische Personen in Trendelburg. Auch gegen
sie richteten sich alsbald gewaltsame Aktionen von Nationalsozialisten. So wurde
Alexander Giesberg (geb. 1909 in Trendelburg, gest. 1977 in Niniveh NY) am 26.
März 1933 von SA-Männern verhaftet, zum Verhör nach Hofgeismar gebracht und
dort schwer misshandelt. Gegen das Haus der Familie Giesberg gab es regelmäßig
Anschläge: die Haustüre wurde Woche für Woche nachts mit dem
"Stürmer" beklebt, häufig wurden Steine durch die Fenster in die
Wohnung geworfen. Familie
Giesberg ist 1937 in die USA emigriert; Lydia Griesbach verzog 1936
nach Kassel.
Von den in Trendelburg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Artur
Dannenberg (1884), Minna Markus geb. Giesberg (1888), Hildegard Neugarten
(1923), Johanna Neugarten geb. Giesberg (1893), Rieckchen Reifenberg geb.
Rosenblatt (1871).
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Es wurden noch keine Berichte in jüdischen
Periodika des 19./20. Jahrhunderts zu Trendelburg gefunden.
Zur Geschichte der Synagoge
Ein Gebäude mit einer Synagoge unbekannten Alters war
vorhanden. Bei dem Gebäude handelte es sich um einen zweigeschossigen
Fachwerkbau, in dessen Obergeschoss der Betsaal eingerichtet war. Im 19.
Jahrhundert war in dem Gebäude auch die Schulstube mit der Lehrerwohnung
untergebracht, Im dahinterliegenden Garten befand sich das rituelle
Bad.
Bis 1933 sollen in dem Gebäude Gottesdienste abgehalten worden sein.
Danach wurde das Gebäude vermutlich verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut.
Als solches ist es bis heute erhalten.
Adresse/Standort der Synagoge: In
der Ortsmitte: zwischen "Am Brunnen" und der Pfarrstraße
Fotos
(Quelle: Altaras s. Lit. 1988 S. 46; Fotos der Mikwe
links: aus
dem Regio-Wikipedia-Artikel zu
Trendelburg, rechts aus der Website der
Stadt Trendelburg; Foto 2008 und 2011: Hahn)
Lage und Ansicht
der ehemaligen Synagoge |
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Plan von Trendelburg, unter
Nr. 4
ist das ehemalige Synagogengebäude
eingetragen |
Gebäude, in dem sich im
Obergeschoss
der Betsaal, im unteren Bereich die
Schulstube mit der
Lehrerwohnung befand. |
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| Die Mikwe (rituelles Bad)
nach der Entdeckung 2001 |
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Fotos der Gebäude
vom Juni 2008 sowie der
Mikwe im April 2011 |
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Das Gebäude, in
dessen Untergeschoss sich die Mikwe aus dem 18. Jahrhundert befindet;
hinter den Fenstern die Büros des Tourismusbüros. |
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| Neben dem Gebäude mit dem
früheren Ritualbad das Gebäude, in dem sich früher der Betsaal und die
jüdische Schule befanden; hier wohnte bis 1936 die Familie Giesberg |
Fenster
des
Tourismusbüros |
Hinweistafel am
Tourismusbüro |
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| Abgang zur Mikwe |
Vorraum mit einigen
Fundgegenständen |
Durchgang zur Mikwe |
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| Raum mit dem Tauchbecken |
Feuerstelle |
Das Tauchbecken |
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Das Tauchbecken |
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 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 308-309. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 45-46. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Gießen und Kassel. 1995 S.
85-86. |
 | Claudia Müller, Heinrich Klose: Die Mikwe in
Trendelburg - stadtgeschichtliche, architektonische und kulturelle
Bedeutung. In: Harald Schmidt (Hg.), Spurensuche - zur Geschichte
Trendelburgs. Kassel 2004. |
 | ebd. auch zwei Beiträge von Thea Altaras: Die
Ritualbadanlage in Trendelburg und: Das jüdische rituelles
Tauchbad. |
 | Karl-Friedrich Baas: Von Trendelburg nach New York.
Die Erfahrungen der jüdischen Familie Giesberg auf ihrem Weg in die
Freiheit. In: Juden - Hessen - Deutsche. Beiträge zur Kultur- und
Sozialgeschichte der Juden in Nordhessen. Hofgeismar 1991. (Schriftenreihe:
Die Geschichte unserer Heimat. Bd. 8). S. 147-154. |
 | Thomas Thiele / Michael Dorhs: Zufallsfund
unter Bauschutt. Spätmittelalterliche Mikwe in Trendelburg entdeckt. In: Helmut Burmeister/Michael Dorhs (Hg.): Das
achte Licht. Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte der Juden in
Nordhessen. Hofgeismar 2002 (Schriftenreihe: Die Geschichte unserer Heimat.
Bd. 39) S. 47-49. |
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Informationsblatt von Harald Schmidt, Stadt Trendelburg 2011, erhältlich
beim Tourismusbüro der Stadt Trendelburg (E-Mail)
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