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im Elsass"
Obernai (Oberehnheim) (Dep. Bas-Rhin /Alsace / Unterelsass)
Ruelle des Juifs / Judengässle
Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde und der Synagogen in Oberehnheim
In der früheren Reichsstadt Obernai / Oberehnheim bestand eine jüdische Gemeinde im
Mittelalter. Erstmals werden Juden 1215, dann wieder 1326 in der Stadt
genannt. Während der Judenverfolgungen in
der Pestzeit 1348/49 wurden sämtliche am Ort befindlichen Juden der Brunnenvergiftung
beschuldigt und verbrannt. Seit 1404 sind wieder Juden am Ort, die vom
Geldhandel lebten. Zwischen 1477 und 1499 waren keine Juden in der Stadt.
Diejenigen, die sich um 1500 wieder niederließen, wurden 1507 von der Stadt mit
Hilfe Kaiser Maximilians I. vertrieben.
Erst Mitte des 17. Jahrhunderts (1647) konnten sich wieder Juden
dauerhaft in Oberehnheim niederlassen und eine neue Gemeinde begründen.
1720
lebten 21 jüdische Familie in der Stadt. Eine Synagoge wurde 1749
erbaut. 1784 lebten 196 Juden in Oberehnheim. Die höchste Zahl jüdischer
Einwohner wurde 1883 mit 219 Personen erreicht. Als die
Gemeinde im Laufe des 19. Jahrhunderts angewachsen ist, baute man 1876 eine neue
Synagoge, die bis zur Gegenwart in Gebrauch ist (Standort: 9, Rue de Selestat).
1936 wurden 138 jüdische Einwohner in Obernai gezählt. Die 1940 noch in
der Stadt befindlichen jüdischen Personen wurden unter der deutschen Besatzung nach Südfrankreich
deportiert.
Nach 1945 wurde die Synagoge restauriert (1948). 1970 lebten 70 jüdische
Personen in der Stadt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates
50jähriges Amtsjubiläum des Rabbiners Lewy (Levy) (1886)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. August 1886: "Die
Rabbiner Levy in Oberehnheim und Dreifuß in Zabern
(Elsass) haben jüngst ihr 50jähriges Amtsjubiläum teils als Lehrer,
teils als Rabbiner gefeiert, und haben vom deutschen Kaiser den
Kronenorden vierter Klasse erhalten. Dem Letzteren wurde diese
Auszeichnung in der Synagoge vom Kreisdirektor feierlich überreicht." |
Zur Beisetzung von Rabbiner J. Lewy (1894)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. März 1894: "Unter-Elsass, 6.
März (1894). Den ältesten
Rabbiner des Unter-Elsass, Herrn J. Lewy, Rabbiner in Oberehnheim, 86
Jahre alt, haben wir vorgestern zu Grabe getragen. Nachdem Herr Rabbiner
Dr. Netter aus Buchsweiler, ein geborener Oberehnheimer und Schüler des
Verewigten, im Trauerhause, welches bis zum letzten Winkel von Angehörigen,
Freunden, Verehrern und Bekannten des Verblichenen voll war, das Leben und
Wirken seines unvergesslichen Lehrers mit beredten Worten tränenden Auges
geschildert hatte, bewegte sich der fast unabsehbare Leichenzug in
folgender Ordnung der Synagoge zu: Herr Lehrer Levy mit der Schuljugend:
Herr Kantor Becker mit dem Chor; der Sarg von Mitgliedern der Gemeinde
getragen; ein Schüler des Gymnasiums, auf einem schwarzen Kissen das
Abzeichen des Kronen-Ordens tragend, mit welchem der Verblichene vor
einigen Jahren von Seiner Majestät dem deutschen Kaiser Wilhelm II,
dekoriert wurde, die beiden Söhne des Verstorbenen, wovon der älteste früher
Rabbiner in Dürmenach und Ober-Sulz (Ober-Elsass) war und jetzt in Paris
in gleicher Funktion ist und die Verwandten, sodann Herr H. Weil,
Oberrabbiner in Straßburg, in Begleitung fast sämtlicher Rabbiner des
Unter-Elsass, die meisten im Ornat: Herr Kreisdirektor, Herr Dr. Levy aus
Straßburg und der Konsistorial-Sekretär Asch, als Vertreter des
israelitischen Konsistoriums, der Bürgermeister in Begleitung des
Gemeinderats, sämtliche Beamten der Stadt, die Vorsteher der
Kultusgemeinden des Rabbinats und die Verwaltung der Oberehnheimer
israelitischen Gemeinde, der Vorstand des Rosenweiler Friedhofes, der
Vorstand des Oberehnheimer Friedhofes und endlich eine große Anzahl
Teilnehmer aus allen Ständen und Konfessionen der Oberehnheimer und auswärtigen
Bevölkerung. In der Schwarzumhängten Synagoge eröffnet Herr Kantor
Becker die Trauerfeier mit einem der Feier entsprechenden Chorgesang,
worauf Herr Oberrabbiner Weil die Schwarzdrapierte Kanzel bestieg, um dem
‚Amtsbruder, Freund und Verwandten’ ein Denkmal als Rabbiner,
Familienvater, Menschenfreund und Bürger zu setzen. Nach Beendigung
dieser mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Gedächtnisrede bewegte sich
der Leichenzug von der Synagoge bis vor die Stadt hinaus, wo Herr Dr. Levy
aus Straßburg dem Verblichenen einen Tiefbewegten Nachruf in französischer
Sprache widmete. Dann wurde die Leiche auf den dort bereitstehenden
Leichenwagen gesetzt, um sie nach dem Friedhofe Rosenweiler zu bringen,
gefolgt von der ganzen Gemeinde Oberehnheim und von vier Rabbinern Roller
- Barr, Lewy - Schirrhofen, Dr. Goldstein – Mutzig, Dr. Netter –
Buchsweiler, die drei erstgenannten Rabbiner, sowie Herr Levy, Lehrer in
Oberehnheim, hielten Tiefbewegte Trauerreden am Grabe des Verewigten.
Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Dienstantritt von Rabbiner Dr. Staripolsky (1894)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1894: "Oberehnheim im
Elsass. Heute kann ich Ihnen Gottlob von einem Siege des gesetzestreuen
Judentums berichten. Oberehnheim ist bekanntlich diejenige Stadt, in die
der Vater Rabbi Joselmanns von Rossheim flüchtete und wo Rabbi Joselmann,
der durch den unsterblichen Begründer Ihres Blattes zu neuem leben
erwachte, seine Jugendzeit zugebracht hat. Hoffentlich wird das Verdienst
des berühmten Mannes, der hier gelebt hat, es bewirken, dass unserer
heiligen Religion hier nunmehr eine neue und dauernde Stätte erblühe. Es
ist hierzu auch alle Aussicht vorhanden, denn gestern hat unser Herr
Rabbiner, Dr. Staripolsky – sein Licht leuchte -, seither Rabbiner in
dem nahe gelegenen kleinen Quatzenheim sein neues Amt hier angetreten. Was
diese Wahl für das gesetzestreue Judentum bedeutet, das kann nur ein mit
elsässischen Verhältnissen Vertrauter ganz erkennen. Viele
Zeitungsdruckfarbe wurde vergossen und mancherlei Kämpfe wurden
gefochten, bis diese Wahl erfolgte. Die Vornehmen der alten Reichsstadt
sträubten sich gar sehr gegen diese Ernennung seitens des Konsistoriums,
denn einen so überaus frommen Mann, der durch seine Tätigkeit
(bekanntlich war Herr Dr. St. einer der Mitbegründer der Ez-Chaiim-
Gemeinde in Straußburg) bereits in so heftigen Gegensatz gegen die
Spitzen der synagogalen Behörden des Elsass getreten, einen Mann, der
nicht einmal unrituell zubereiteten Wein trinke und der obendrein auch
kein Elsässer sei, hieß es, könne man hier nicht brauchen. Nur dem
Machtspruche der Kaiserlichen Regierung haben wir es zu verdanken, dass
wir heute ein geistliches Oberhaupt besitzen, welches ebenso durch sein
Wissen, als seine bekannte Opferfreudigkeit dem Judentume zur Zierde,
unserer Gemeinde zur Ehre gereichen wird. Es ist zu hoffen, dass unser
Herr Rabbiner dem auch bereits hier tief eingerissenen Indifferentismus in
Glaubensangelegenheiten ein energisches Halt gebieten werde.
Mit Rücksicht darauf, dass das Trauerjahr um das Absterben seines Vorgängers
noch nicht zu Ende gegangen ist, hatte der Titular angeordnet, dass die
Empfangs-Festlichkeit sich auf das Allernötigste beschränke.
Der israelitische Lehrer hielt folgende Empfangsrede: ‚Geehrter Herr
Rabbiner! Mit der Veröffentlichung dieser Urkunde nehmen Sie Besitz von
der Rabbinerstelle Oberehnheim. Ich biete Ihnen bei diesem Anlass ein
herzliches Willkommen! Dass ich, der Geringste unter denen, die hier das
Wort zu führen haben, heute allein an diese Stelle trete, um Sie in Ihr
Amt einzuführen, weist auf Umstände hin, die Ihnen bekannt sind. Im
Kapitel 44 des Buches Ezechiel, wo der Prophet die Befugnisse und
Verpflichtungen der Priester aufzählt, heißt es unter Anderem: ‚Sie
schlichten die Streitigkeiten ihres Volkes!’
Geehrter Herr Rabbiner! Mein erster Wunsch, den ich Ihnen heute
entgegenbringe, geht dahin, dass es Ihnen gelinge, dem Wort des Propheten
gerecht zu werden. Sie bedürfen hierzu keines andern Mittels, als Ihrer
Beredsamkeit und der Betätigung der Eigenschaften, mit denen die
Kultusbehörde im Aktenstück Ihrer Ernennung Sie anpreist. Ich gebe mich
der Hoffnung hin, dass die Lösung Ihrer Aufgabe Ihnen nicht allzu schwer
wird werden. Der Geist unserer Gemeinde war allezeit ein friedlicher, und
wir sind es dem Andenken Ihres verehrten Vorgängers schuldig, nicht
zuzulassen, dass ein Zwiespalt aufkomme in der Gemeinde, wo er über ein
halbes Jahrhundert Worte des Friedens und der Eintracht gesprochen.’
Die Antrittsrede des Herrn Dr. St., die allenthalben des größten
Beifalls sich erfreute, stützte sich auf den Vers in Jesaja ‚Haus Jakob – wir wollen gehen im Licht des Herrn’, indem
derselbe entwickelte, in welchem Geiste ein Rabbiner, dessen Lebensaufgabe
es ist, dass er zu nichts anderem als zur Einhaltung
der Tora verpflichtet ist, zu wirken, und dass er nur in der Erfüllung
dieses Spruches den Lohn aller seiner Bemühungen erblicke.
Bl." |
Über Rabbiner Julius Weil (gest. 1925 oder 1926)
| Rabbiner Julius Weil stammte auch Bouxwiller,
Unterelsass. Er studierte 1907/08 bis 1912/13 am Rabbinerseminar in
Berlin. 1913 wurde er Rabbiner in Bollwiller,
danach (seit 1920?) in Obernai (Oberehnheim). 1924 bis zu seinem
frühen Tod 1925 oder 1926 war er Rabbiner in Dijon. |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Todesfall auf dem Viehmarkt in Oberehnheim (1897)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1897: "Oberehnheim im
Elsass, 25. Juni (1897). Gestern vor acht Tagen trug sich auf dem hiesigen
Viehmarkt ein trauriger Fall zu. Unser Glaubensgenosse, der 52 Jahre alte
J. Bader aus Dambach, Vater von 13 Kindern, stürzte plötzlich vom
Herzschlag getroffen, tot zu Boden. Sein Neffe, Ch. Levy aus Mutzig, in
dessen unmittelbarer Nähe dieses plötzliche Unglück sich ereignete,
fiel vom Schrecken bewältigt neben der Leiche des Onkels hin, und man
glaubte, auch ihn habe das Schicksal des unglücklichen Onkels ereilt.
Erst nach langer und geraumer Zeit waren die Wiederbelebungsversuche von
Erfolg begleitet. Nachmittags wurde der Verstorbene nach Dambach überführt,
in seine Wohnung gebracht, wo die untröstliche Gattin, der man vorher
schon die traurige Nachricht mitgeteilt hat, ohnmächtig zu Bette lag und
die unglücklichen Kinder in herzzerreißender Weise den toten Vater
empfingen. Freitagvormittag fand die Beerdigung unter großer Beteiligung
statt. Die Leichenrede hielt der Rabbiner von Barr im Hause des
Verblichenen." Das
Nachstehende bezieht sich auf ein Unglück in Osthofen. |
Fotos der Synagoge:
Historische Ansichtskarte
(Sammlung Hahn) |
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Die Karte ist
nicht gelaufen, daher keine keine Datierung möglich;
rechts die Synagoge (Ausschnittvergrößerung) |
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Fotos aus den 1980er-Jahren
(Fotos: Hahn, aufgenommen
im Mai 1987) |
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Die 1876 im Bereich der
mittelalterlichen Stadtbefestigung erbaute Synagoge |
Die Synagoge von der Stadt
aus
gesehen |
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Neuere Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 26.7.2004) |
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| Synagoge von Osten mit Nische
des Toraschreines |
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Synagoge von Süden gesehen |
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| Portalinschrift über dem
Haupteingang |
Der Platz neben der Synagoge
ist nach André
Neher* benannt |
Schülerin beim Besuch der
Synagoge Quelle: Schelztor-Gymnasium
Esslingen |
*André Neher (geb. 1914 Obernai, gest. 1988 Jerusalem) gehörte
zu den 40 jüdischen Weisen, die Israels Ministerpräsident Ben Gurion 1958
beauftragte, den Begriff der »jüdischen Identität« zu bestimmen.
Weitere Fotos der Synagoge: Link
1, Link
2
Links und Literatur
Links:
Literatur:

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Obernai (German
Oberehnheim) Bas-Rhin dist. The first evidence of the presence of Jews dates
from 1215. They were persecuted in 1336 and massacred in 1349. Over the next two
centuries, there were Jews in Obernai, but they only received permissions to
settle on a permanent basis in 1647, when Obernai was annexed to France. In
1720, 21 Jewish families resided in Obernau. A synagogue was built in 1749. By
1784 there were 196 Jews in Obernai and in 1883 there were 219. A synagogue was
inaugurated in 1876 and a small cemetery was purchased at the beginning of the
20th century. By 1936, the community consisted of 138 members. During worldwar
II, they were expelled to the south of France with the rest of Alsace-Lorraine
Jews and the synagogue was destroyed. In 1948, Obernai's Jews restored their
synagogue. In 1970, there were 70 Jews.

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