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im Elsass"
Dambach-la-Ville (Dambach,
Dep. Bas-Rhin / Alsace /
Unterelsass)
Jüdische Geschichte / Histoire juive / Synagoge / Synagogue
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Dambach bestand eine - vom 17. bis 19. bedeutende - jüdische
Gemeinde bis zu ihrer Zerstörung 1940. Um 1613 werden die folgenden
Juden (Familienvorstände) am Ort genannt: Latzarus, Zaudick, Eliaß, Kosch,
Sannel und Aron.
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien zu: 1784
wurden 30 jüdische Familien mit zusammen 129 Personen gezählt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1807 189 jüdische Einwohner, 1846 348, 1861 314, 1870 295, 1900 108,
1910 69.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(Israelitische Konfessionsschule bis 1906; 1843 noch 40 Schüler, im Jahr der
Auflösung 1906 nur noch 5 Schüler) und ein rituelles Bad. Die Titen der
jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen
Friedhof Rosenwiller / Rosenweiler beigesetzt. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben war (neben dem für den Bezirk zuständigen Rabbiner) ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig
war.
Dambach war bis 1910 Sitz eines Bezirksrabbinates. Rabbiner waren:
bis 1870 Rabbiner Seligmann Weil (s.u.); 1872 bis 1883 Rabbiner Marc Levy; 1885
bis 1887 Rabbiner Dr. Salomon Singer; 1887 bis 1900 Rabbiner Eisig Roller; 1902
bis 1910 Dr. Joseph Bloch (verlegte das Rabbinat nach Barr,
wo er bis 1940 amtierte). Zum Rabbinat Dambach gehörten auch die in Epfig und
Barr lebenden jüdischen Personen.
1936 wurden noch 65 jüdische Einwohner in Dambach gezählt. Unter der
deutschen Besatzung wurden die letzten jüdischen Einwohner 1940 nach
Südfrankreich deportiert.
Von den in Dambach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Fernand Bader
(1899), Elie Bloch (1898), Isaac Blum (1887), Gabrielle Dreyfus (1891), Lucien
Kahn (1876), Rene Kane (1932), Fanny Luzzato (1882), Flore Meyer geb. Bader
(1890).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des
Rabbinates in Dambach
Zum Tod von Rabbiner Seligmann Weil
(1870)
Anmerkung: Rabbiner Seligmann Weil (geb. 1816 in Rosheim, gest. 1870 in
Dambach): studierte in Mainz; war bis 1870 Rabbiner in Dambach.
Hinweis: im "Biographischen Handbuch der Rabbiner" (hrsg. von Michael
Brocke und Julius Carlebach) werden die Dambacher Rabbiner bis 1870 nicht
aufgeführt.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1870: "Dambach,
16. November (1870). Unsere Gemeinde und mit ihr ganz Elsass, hat leider
einen großen Verlust erlitten. Rabbi Seligmann Weil, einer von denjenigen
Rabbinen Frankreichs, welche streng fromm vor Gott wandern und ihre
Gemeinden führen zur Tora, zum Gottesdienst und zur Wohltätigkeit,
ist nicht mehr. Samstag, 4. November, erlag er einer vierwöchentlichen
Krankheit, am 6. November fand das Begräbnis unter großer Beteiligung
statt. Der Rabbiner von Obernai - unser
Herr und Meister Jochanan - der Barmherzige möge ihn bewachen und ihn
erhalten, und der Rabbiner von Fegersheim, Herr Aron, Bruder des
Oberrabbinen von Straßburg, hielten die Leichenreden. Aus der ganzen
Umgegend war Alles herbeigeeilt, um dem allbeliebten, treuen Seelenhirten
die letzte Ehre zu erweisen. -
Der Verewigte war geboren zu Rosheim
und hatte seine Studien in Mainz unter Rabbi Löb Ellinger - das
Andenken an den Gerechten ist zum Segen - und Rabbi Samuel Bondi - sein
Licht leuchte - gemacht; er erreichte ein Alter von nur 54 Jahren. Der
Verlust ist für uns ein fast unersetzlicher; an Rabbinen ist kein Mangel,
aber, fromme gottgefällige Rabbinen sind heutzutage leider sehr, sehr
selten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Besetzung des Rabbinates mit Rabbiner Dr. Salomon Singer (1885)
Anmerkung: Rabbiner Dr. Salomon Singer (geb. 1850 in Güssing [Németújvár]
im Burgenland, gest. 1887); studierte 1876 bis 1882 in Berlin; 1883 bis 1885
Rabbiner im tschechischen Prerau (Přerov). Er blieb nur kurze Zeit als
Rabbiner in Dambach und wechselte 1887 nach Fegersheim, wo er kurze Zeit nach
seinem Dienstantritt verstorben
ist.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1885: "Straßburg
im Elsass. Die von dem israelitischen Konsistorium des Bezirks
Unter-Elsass vorgenommene Ernennung des Rabbiners Dr. Salomon Singer aus
Prerau (Österreich) zum Rabbiner in Dambach ist seitens des
Ministeriums genehmigt worden." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1885: "Dambach,
16. Juni (1885) (Unter-Elsass). Endlich wurde unsere, seit zwei Jahren
verwaiste Rabbinerstelle wieder und zwar durch Herrn Dr. Salomon Singer,
ehemaligen Rabbiner zu Prerau (Österreich) besetzt. Heute fand dessen
Einführung in sein Amt statt, mit welcher große Feierlichkeiten
verbunden wurden. Um 3 Uhr machte Herr Dr. Singer unter zahlreicher
Versammlung von Personen aller Konfessionen seinen Eintritt in die zu
dieser Feierlichkeit prachtvoll geschmückte Synagoge. In Vertretung des
Herrn Ober-Rabbiners wurde derselbe von Herrn Leon Schwarz, Bankier und
Mitglied des israelitischen Konsistoriums des Unter-Elsass, in sein Amt
eingeführt. Der Festlichkeit wohnten, außer der ganzen israelitischen
Gemeinde, auch die Herren Kreisdirektor, Amtsrichter, Bürgermeister und
Gemeinderat bei. Der Installierung in der Synagoge folgte ein solennes
Bankett.
Der israelitische Leseverein von Dambach." |
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Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juli 1885:
"Am 16. Juni wurde in Dambach im Elsass der neue Rabbiner
eingeführt. Es ist dies Herr Salomon Singer, ein
Österreicher." |
Über Rabbiner Marc Levy zu seinem 79. Geburtstag (Rabbiner
in Dambach von 1872 bis 1883; 1912)
Anmerkung: Rabbiner Marc (Marx) Levy (geb. 1842 in Quatzenheim, gest.
1926 in Metz): lernte in Straßburg und bei verschiedenen Rabbinern; 1861 bis
1867 Studium in Paris, 1872 bis 1883 Rabbiner in Dambach, 1883 Rabbiner in
Weißenburg (Wissembourg), seit 1898 Rabbiner in Haguenau; 1920 im
Ruhestand.
Sohn von Rabbiner Marc Levy war Rabbiner Dr. Emil Nathan Levy (geb. 1879
in Dambach, gest. 1953 in Tel Aviv, Israel): studierte 1897 bis 1903 in
Berlin, 1905 bis 1914 Rabbiner des Religionsvereins 'Westen' in Berlin und
Leiter einer Religionsschule; 1914 bis 1916 Feldrabbiner; 1916 Oberrabbiner in Straßburg;
1919 bis 1934 Rabbiner an der liberalen Gemeindesynagoge Berlin-Charlottenburg,
Pestalozzistraße; 1934 nach Palästina emigriert und Rabbiner in einer Gemeinde
in Tel Aviv.
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Mai 1912:
"Hagenau. Rabbiner Marc Levy begeht am 30. Mai den 79.
Geburtstag.
Rabbiner Levy amtierte von 1872 bis 1883 in Dambach, von 1883 bis 1898 in Weißenburg
und ist seitdem der Rabbiner der hiesigen Gemeinde. Er erwarb sich
überall die Liebe seiner
Gemeindemitglieder." |
Das Rabbinat wird von Dambach nach Barr verlegt (1909)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1909: "Barr
im Elsass, 4. Dezember (1909). Der Gemeinderat erklärte sich mit der
Verlegung des Rabbinats von Dambach nach Barr
einverstanden." |
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Kurzinformation zur Bezahlung des Lehrers und zur
Schule (1843)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juni 1843:
"Straßburg, im Juni (1843). Wir haben in voriger Nummer aus
den Auszügen, welche die Arch. isr. de France aus dem Bericht des
Großrabbinern über seine Rundreise durch seinen Sprengel bringen.
Einziges mitzuteilen versprochen. Diese Berichterstattung ist in
Frankreich selbst etwas Neues, und von der Art und Weise, wie die
israelitischen Angelegenheiten eines ganzen Landstrichs mit einem Blicke
übersehen zu werden angefangen werden, ein löbliches, erfreuliches
Zeugnis. In der Einleitung setzt der Großrabbine auseinander, wie erst
von der Bestimmung dieser Rundreisen an sich ein näheres, unmittelbares
Verhältnis zwischen dem Konsistorium und den ihm zur seelsorgerlichen
Obhut Anvertrauten datiert. Alsdann geht er die einzelnen Gemeinden durch,
und bezeichnet, was sie für ihre Synagogen und Schulanstalten getan; insbesondere
bemerkt er auch, was sie zu diesen von den städtischen Gemeinden an
Unterstützung erhalten. - Bouxwiller gibt 1.400 Fr. für seine Schule
aus, und erhält 500 Fr. von der Stadt und frei Lokal dazu; 47 Schüler.
Der Rabbine ist alt und blind. - Brumath
hat nur eine Privatschule, wozu die Stadt 250 Fr. gibt; 33 Schüler. - Dambach
gibt dem Lehrer 600 Fr., wozu die Stadt 200 Fr.; 40 Schüler..." |
Die jüdische Schule wurde aufgelöst (1906)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. August
1906. Straßburg. Am 1. April dieses Jahres bestanden in
Elsass-Lothringen 2844 öffentliche Elementarschulen mit 5426 Schulklassen
und 240.677 Schulkindern; davon waren 52 Schulen mit 56 Schulklassen und
1218 Schülern israelitisch. Außerdem gab es eine private israelitische
Elementarschule und 3 israelitische Kleinkinderschulen.
In Dambach wurde wegen zu geringer Schülerzahl - 5 Kinder im
ganzen - die israelitische Schule aufgelöst und die Kinder der
katholischen Schule überwiesen." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von J. Bader, Vater von 13 Kindern (1897)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli
1897: "Oberehnheim im
Elsass, 25. Juni (1897). Gestern vor acht Tagen trug sich auf dem
hiesigen Viehmarkt ein trauriger Fall zu. Unser Glaubensgenosse, der 52
Jahre alte J. Bader aus Dambach, Vater von 13 Kindern,
stürzte plötzlich vom Herzschlag getroffen, tot zu Boden. Sein Neffe, Ch.
Levy aus Mutzig, in dessen
unmittelbarer Nähe dieses plötzliche Unglück sich ereignete, fiel vom
Schrecken bewältigt neben der Leiche des Onkels hin, und man glaubte,
auch ihn habe das Schicksal des unglücklichen Onkels ereilt. Erst nach
langer und geraumer Zeit waren die Wiederbelebungsversuche von Erfolg
begleitet. Nachmittags wurde der Verstorbene nach Dambach
überführt, in seine Wohnung gebracht, so die untröstliche Gattin, der
man vorher schon die traurige Nachricht mitgeteilt hat, ohnmächtig zu
Bette lag und die unglücklichen Kinder in herzzerreißender Weise den
toten Vater empfingen. Freitag Vormittag fand die Beerdigung unter großer
Beteiligung statt. Die Leichenrede hielt der Rabbiner von Barr
im Hause des Verblichenen. An demselben Tag, fast zur selben Stunde brach
über eine achtbare Familie in Osthofen
ein noch schrecklicheres Unglück ein. Jakob Dreyfuß, 64 Jahre
alt, der länger als zwanzig Jahre an einer schmerzhaften Hirnkrankheit
litt und öfters Anfälle von Geistesstörung bekam, hat sich in seinem
Hause erhängt. Auf Grund des langjährigen, mit Geistesstörung
verbundenen Hirnleidens hat die Rosenweiler
Friedhofs-Verwaltung es gestattet, den unglücklichen Toten in
der Reihe der übrigen Toten zu begraben. Seine Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens." |
Über Théophile Bader (1864-1942), fondateur
des Galeries Lafayettes de Dambach-la-Ville au Boulevard Haussmann
siehe
Beitrag von Charles Reich
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen der Haarnetzfabrik S. Lanzenberg (1901 / 1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juli 1901: "Gesucht
israelitisches Mädchen zu älteren alleinstehenden Eheleuten bei guter
Behandlung und hohem Lohn. Offerten an S. Lanzenberg,
Haarnetzfabrik in Dambach (bei Schlettstadt im Elsass)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. August 1903:
"Gesucht wird für ein älteres, alleinstehendes Ehepaar ein
jüdisches
Mädchen
von 18-20 Jahren, aus guter Familie, das leichtere Hausarbeiten versteht.
Man würde später eventuell auch für seine Aussteuer sorgen. Offerten
erbeten an
Sal. Lanzenberg, Filets-Fabrik in Dambach, Kreis
Schlettstadt". |
Zur Geschichte der Synagoge
Über die alte Synagoe in Dambach, die aus dem 17. Jahrhundert
stammte, liegen keine Informationen vor. Um 1850 war sie in baufälligem
Zustand.
Eine neue Synagoge wurde durch den Architekten Antoine Ringeisen 1865
bis 1867 erbaut. Sie war für über 70 Jahre Mittelpunkt des jüdischen
Gemeindelebens in Dambach. Nach der Deportation der jüdischen Einwohner 1940
wurde das Gebäude geschändet und geplündert.
Nach 1945 blieb das Gebäude erhalten, wurde jedoch nicht mehr als
Synagoge verwendet. 1947/48 wurde das Gebäude vom Israelitischen Konsistorium
an die bürgerliche Gemeinde verkauft und danach als Turnhalle verwendet.
Die seitlichen Frauenemporen wurden entfernt.
Im Januar 2009 begannen die Renovierungs- und Umbauarbeiten am
Synagogengebäude mit dem Ziel, in diesem Haus ein Kulturhaus
einzurichten. Weitere Informationen über die unten stehenden Links zu einzelnen
Presseartikeln.
Adresse/Standort der Synagoge: 27 rue
de la Paix
Fotos
Links und Literatur
Links:
Literatur:
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Michel
Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire.
Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 34.59.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Dambach-la-Ville Bas-Rhin district.
The Jewish presence dates from the 16th century. A century later Dambach war
regarded as the site of an important Jewish community. In 1784 it consisted of
120 members. By 1865, the Jewish population was 315. It established a synagogue
in 1867. The community dwindled to 65 members in 1936. During worldwar II, they
were expelled by the Germans from their homes to the south of France. Four were
deported. The synagogue was looted and damaged.

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