Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Niedernai bestand eine zeitweise relativ große jüdische
Gemeinde bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des
17. Jahrhunderts zurück.
Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich auf die "Judengasse" (rue
des Juifs).
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu, bis 1784
die Höchstzahl von 37 jüdischen Familien am Ort mit zusammen 178 Personen
erreicht wurde.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1807 138 jüdische Einwohner, 1846 169, 1861 146, 1865 131, 1900 42, 1910
25.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule,
ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die
Gemeinde war Sitz von einem der drei Großrabbiner im Nieder-Elsass (und Sitz
eines Beit Din, Rabbinatsgerichtes). 1854 wurde der Rabbinatssitz nach Itterswiller
und 1867 nach Obernai verlegt wurde (Rabbinat de Niedernai-Itterswiller-Obernai).
1936 wurden noch 4 jüdische Einwohner in Niedernai gezählt. Diejenigen,
die in den folgenden Jahren den Ort nicht verlassen konnten, wurden unter der
deutschen Besatzung 1940 nach Südfrankreich
deportiert. .
Von den in Niedernai geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosine Gintzburger geb.
Bloch (1868), Louis Hallel (1895), Emanuel Meyer (1864), Lina Simon geb. Levy
(1865).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine Notiz zum Niedergang der Gemeinde
(1843)
Zur Geschichte der Synagoge
Es sind insgesamt drei Gebäude bekannt, die früher als
Synagogen verwendet wurden (Fotos von 1934 siehe die französische
Informationsseite unten).
1755 wurde eine Synagoge erbaut. Sie bestand bis zur Auflösung der Gemeinde in
den 1920er-Jahren und wurde 1925 verkauft.
Adresse/Standort der Synagoge: 225 rue des
Juifs (Rabbinat und Synagoge bis Anfang des 20.
Jahrhunderts)
Fotos