Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Kolbsheim bestand eine jüdische
Gemeinde bis in die 1930er-Jahre und nochmals wenige Jahre nach 1945. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück.
1784 wurden elf jüdische Familien mit zusammen 59 Personen
gezählt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1807 65 jüdische Einwohner, 1846 106, 1861 124, 1870 139, 1910 90.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen
Friedhof in Rosenwiller / Rosenweiler beigesetzt. Zur Besorgung religiöser
Aufgaben in der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war (zuletzt Isidor Spitzer). Die Gemeinde gehörte
zum Rabbinat Mutzig, seit 1915 zum Rabbinat Obernai.
1936 lebten noch 44 jüdische
Personen in Kolbsheim. Diejenigen, die in den folgenden Jahren nicht den Ort
verlassen haben, wurden unter der deutschen Besatzung 1940 nach
Südfrankreich deportiert.
Von den in Kolbsheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Anna Bloch geb. Kahn
(1892), Justine Bloch geb. Kahn (1858), Gunther Boettigheimer (1898), Selma
Boettigheimer (1890), Laura Heymann geb. Guggenheim (1895), Abraham Kahn (1895),
Berthe Kahn geb. Wolff (1889), René Kahn (1893), Suzanne Kahn geb. Löwenstein
(), Elise Olff (1888), Berthe Olff geb. Levy (1888), Isidore Spitzer (), Roland
Spitzer (1939).
Nach 1945 kehrte einige der überlebenden jüdischen Einwohner nach
Kolbsheim zurück. 1953 wurden 31 jüdische Einwohner
gezählt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Zur Geschichte der Synagoge
Eine aus dem 17. Jahrhundert stammende Synagoge wurde 1843
umgebaut. Sie wurde 1909 renoviert.
Nach 1945 wurde das Gebäude renoviert, doch einige Jahre später aufgegeben und
im Jahr 1963 verkauft. Es wird als Lagerraum verwendet.
Adresse/Standort der Synagoge:
Fotos
(Quelle: Rothè/Warschawski s.Lit. S. 89)