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im Elsass"
Hochfelden
(Dep. Bas-Rhin / Alsace / Unterelsass)
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Hochfelden bestand eine jüdische Gemeinde bis zur Deportation der
jüdischen Einwohner nach Südfrankreich 1940. Die Entstehung der Gemeinde geht
in das 17./18. Jahrhundert zurück. Bei der Volkszählung am 23. Dezember
1784
wurden zehn jüdische Familien mit zusammen 72 Personen gezählt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1807 111 jüdische Einwohner, 1846 217 oder 219, 1861 257, 1866 248,
1900 199, 1910 161.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische
Schule (im Schulhaus bei der Synagoge, siehe Fotos unten) und ein rituelles Bad
(im Untergeschoss des Schulgebäudes). Zur Besorgung religiöser Aufgaben war ein
Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.
Hochfelden hatte zeitweise einen eigenen Rabbiner am Ort (s.u. Bericht
zum Tod von Rabbiner Isaac Goldschmidt, 1860). Ansonsten wurde Hochfelden durch
das Rabbinat Brumath betreut; ab 1920 war
der Rabbiner von Saverne gleichzeitig für
Hochfelden zuständig.
1936 lebten noch 128 jüdische Personen
am Ort. Von ihnen wurden unter der deutschen Besatzung 1940 22 nach
Südfrankreich deportiert.
Von den in Hochfelden geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Marcel Alexandre (1893), Robert Alexandre (1903), Julien
Becker (1915), Julius Becker (1913), Leon Becker (1911), Sylvain Becker (1914),
Edmund Blum (1890), Fernand Blum (1862), Germaine Blum geb. Metzger (1895),
Henri Blum (1903), Huguette Blum (1922), Justin Blum (1895), Lippmann Blum
(1903), Flore Kern geb. Meyer (1895 oder 1898), Henriette Koch (1877), Arthur
Levy (1884), Maruia Levy (1879), Paul Levy (1896), Robert Levy (1919), Henriette
Marx (1876), Alice Meyer geb. Moch (1907), Arlette Meyer (1935), Marguerite
Nelken geb. Levy (1909), Oscar Meyer (geb. ?), Eduard Recht (geb. 1873), Cecil
Recht geb. Levi (geb. ?), Michael Recht (geb. 1880), Marthe Schwartz geb. Levy
(1914), Rebecca Sinay (1889).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates
Zum Tod des Rabbiners Isaac Goldschmidt (1860)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1860: "Hachefelden, im
Elsass. Unsere Gemeinde beklagt den Tod ihres gelehrten und verehrten
Rabbiners Isaac Goldschmidt; seine Verdienste um Schule und
Unterrichtswesen waren sehr bedeutend. Seine talmudische Ausbildung
verdankte er der Jeschiwa zu Mainz, woselbst er einer der bevorzugten Schüler des
berühmten Rabbi Herz Scheuer – das
Andenken an den Gerechten ist zum Segen – gewesen.
(Rabbi Herz Scheuer genoss das Glück, es zu erleben, dass gleichzeitig 40
seiner Schüler als Rabbiner ihren Gemeinden vorstanden. Die Redaktion.)." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Zur Gründung der jüdischen Literaturvereines (1904)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Oktober 1904: "Hochfelden im Elsass. Unter Anregung unseres Lehrers, Herrn Metzger,
von welchem auch zuerst der Gedanke dazu ausging, bildeten die jungen
Herren unserer Gemeinde, ca. 30 an der Zahl, einen ‚Literaturverein’,
welcher die Pflege der jüdischen Literatur bezwecken soll. Der Verein hält
im israelitischen Gemeindehaus wöchentlich zwei Leseabende ab, woselbst jüdische
Zeitungen und Bücher, die jüdische Geschichte betreffend, aufliegen.
Auch beabsichtigt der Verein durch die Herren Rabbiner der Umgegend von
Zeit zu Zeit Vorträge zu halten.
Möge der Verein blühen und gedeihen!! A.R." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zu den alt gewordenen Brüdern Samuel, Lehmann, Aron und David Blum (verstorben
um 1900)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1900: "Hochfelden, 28.
August (1900). Im Anschluss an eine in Nr. 63 des ‚Israelit’ unter
‚Straßburg’ erschienene Notiz möchte ich Folgendes mitteilen.
In einem Zeitraum von nicht ganz 1 ½ Jahren starben hier drei Brüder,
die das Gesamtalter von 272 Jahren erreicht hatten. Nachdem ihnen schon
vor 14 Jahren ein anderer Bruder im Alter von 73 Jahren, Samuel Blum, im
Tode vorangegangen war, starb vor ca. 1 ½ Jahren der älteste Bruder,
Lehmann Blum, im Alter von 96 Jahren. Ihm folgte nun vor 14 Tagen der jüngste
Bruder, der vor 1870 als Conskritshändler (?) im ganzen Elsass berühmte
Aron Blum, als 83jähriger Greis. Vorige Woche verstarb der letzte Bruder,
ältester Bürger von Hochfelden, der als reeller Handelsmann weithin
bekannte 91jährige David Blum.
Wie zahlreich die Nachkommenschaft dieser Verblichenen ist, beweist der
Umstand, dass es dem David Blum gegönnt war, 15 Enkel und 16 Urenkel zu zählen." |
Zum Tod von Gemeindevorstand Eugène Bicart (1905)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2.
Juni 1905: "Hochfelden im Elsass. Durch das am 17. dieses Monats
erfolgte Hinscheiden unseres Gemeindevorstandes Herrn Eugène Bicart, eines
biederen und tüchtigen Mannes, haben wir einen schmerzlichen Verlust
erlitten. Sein Leichenbegängnis legte Zeugnis ab von der Verehrung, die
ihm die gesamte Bevölkerung
entgegenbrachte." |
Hinweis auf Rabbiner Dr. Arthur Shimon Levy
(1881-1961)
| Rabbiner Dr. Arthur Levy (geb. 1881
in Hochfelden, gest. 1961 in Kiryat Bialik, Israel): studierte nach
dem Gymnasialbesuch in Zabern (Saverne) und Colmar 1900-1906 in Berlin und
Colmar, wurde 1908 in Straßburg promoviert; war von 1911-1914 Rabbiner in
Berlin (Schöneberg und Synagoge Lessingstraße), 1914-1918 Feldrabbiner
bei der 9. Armee, 1918-1935 wieder Rabbiner in Berlin (Schöneberg); 1935
nach Palästina emigriert und als Rabbiner in Kiryat Bialik tätig. |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Stabeisen-, Eisenkurzwaren- und
Baumaterialienhandlung E. Bicart (1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Februar 1904:
"Für mein Stabeisen-, Eisenkurzwaren- und Baumaterialienhandlung,
suche ich per 1. April einen tüchtigen, durchaus zuverlässigen jungen
Commis. Offerten mit Zeugnisabschriften und Gehaltsansprüchen
erbeten. E. Bicart. Eisen- und Baumaterialienhandlung, Hochfelden
im Elsass". |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Eine erste Synagoge wurde im 17. Jahrhundert
erbaut. Die bis heute in Hochfelden stehende Synagoge wurde
1841 erbaut und 1893 renoviert.
Seit 2002 ist in der ehemaligen Synagoge ein Museum
eingerichtet (Schwerpunkte: Biermuseum; auf der ehemaligen Frauenempore Museum
des Französischen Widerstandes.
Wesentliche Teile der früheren Synagoge sind erhalten geblieben (vom
Toraschrein bis zum Vorlesepult). Im Untergeschoss des benachbarten ehemaligen
jüdischen Schulgebäudes kann die ehemalige Mikwe
besichtigt werden.
Adresse/Standort der Synagoge und der Schule:
10 und 12, Place du Général Koenig, 67202 Hochfelden
Fotos
(Fotos obere Zeile: Rothé / Warschawsky s.Lit. S. 85; Fotos
zweite Zeile aus der Website des Ministére de la culture s.u. Links; Fotos von
2004: Hahn, Aufnahmedatum 26.7.2004)
Die Synagoge in
den
1980er-Jahren |
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Blick auf die
Synagoge |
Blick über die
Bima zum Toraschrein;
in der Mitte ein Chanukkaleuchter |
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Verschiedene Innenansichten der ehemaligen Synagoge |
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Das
Gebäude der ehemaligen Synagoge
im Sommer 2004 |
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| Das
Gebäude der ehemaligen Synagoge |
Blick
zum Eingangsbereich |
Der Eingang |
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| Inschrift über dem Eingang:
"Dies ist das Tor zum Ewigen, Gerechte ziehen durch es hinein"
(Psalm 118,20) |
Hinweistafel zum Museum
in der
ehemaligen Synagoge |
Ältere Innenaufnahme vor
Einrichtung des Museums
(Quelle: hier
anklicken) |
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Innenaufnahmen
der
ehemaligen Synagoge |
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Blick zum
ehemaligen
Toraschein |
Die erhaltene Bima
- das Vorlesepult
steht im Vorraum (s.u.) |
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Aufgang zur
Frauenempore |
Vitrinen und
Schränke des Museums
auf der ehemaligen Frauenempore |
Blick von der
Empore
in den Synagogenraum |
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Vorlesepult von
der
ehemaligen Bima |
Gebotstafeln -
vermutlich Aufsatz
auf den Toraschrein |
Toraschreinvorhang
(Parochet) |
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| Weitere
Ausstellungsgegenstände in einer Vitrine |
Glocke der
ehemaligen Synagoge
mit Inschrift (s.u.) |
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Das ehemalige
jüdische Schulhaus
neben dem Synagogengebäude |
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Von der Straße
aus gesehen |
Rechts hinter dem
Schulhaus
die ehemalige Synagoge |
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Die ehemalige
Mikwe,
das rituelle Bad |
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Abgang zur Mikwe |
In der Mikwe
erinnern Bilder und Dokumente an die jüdische Geschichte Hochfeldens |
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Das
Tauchbecken der Mikwe, mit Beton verfüllt |
Links und Literatur
Links:
 | Zum Musée du Pays de la Zorn: hier
anklicken |
 | Bericht über die Eröffnung der ehemaligen Synagoge als Musée du Pays de
la Zorn: hier
anklicken |
Literatur:
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Michel
Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire.
Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 32.85.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Hochfelden
Bas-Rhin dist. The Jewish community consisted of 71 members in 1784. The
synagogue was inaugurated in 1841. By 1865, the Jewish community incraesed to
257. In 1936, the community numbered 128 members. During Worldwar II, the
Germans expeled all, together with the rest of Alsace-Lorraine Jews, to the
south of Frankce. Altogether, 22 members of the community were deported. In
1965, only 35 Jews lived in Hochfelden.

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