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Kreis "Südliche Weinstraße" und Stadtkreis Landau
Landau in der Pfalz
(Stadtkreis,
Rheinland-Pfalz)
Jüdische Geschichte / Betsaal / Synagoge
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Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihrer Synagogen
(english version)
In Landau bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter.
1273 wird erstmals ein jüdischer Bewohner genannt (Michel von Landau). Die
jüdischen Familien lebten in der 1329 genannten Oberen (und der vermutlich
gleichfalls bestehenden Unteren) Judengasse. Hier stand wahrscheinlich auch eine
Synagoge. Eine solche wird urkundlich jedoch erst 1435 genannt. Von der
Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 waren auch die Landauer Juden
betroffen. Sie konnten jedoch ihr Hab und Gut behalten und wurden nur
kurzfristig vertrieben. Seit 1354 sind wieder Juden in der Stadt bezeugt. Um
1400 lebten etwa acht, im 15. Jahrhundert mindestens zwölf jüdische Familien
in der Stadt. Die jüdischen Familien lebten im Mittelalter vorwiegend vom
Geldhandel, um 1500 auch vom Gewürz- und Arzneihandel. In der zweiten Hälfte
des 15. Jahrhunderts wurden die Juden zeitweise vertrieben oder verließen die
Stadt unter unbekannten Umständen.
1517 wurden erneut zehn jüdische Familien in der Stadt zugelassen.
Obwohl sie immer wieder von der Ausweisung bedroht waren, bestand seitdem eine
jüdische Niederlassung bis zur Vernichtung in der NS-Zeit im 20. Jahrhundert.
Nachdem schon im 16. Jahrhundert ein Betsaal vorhanden war, wurde eine
neue Synagoge 1648 erbaut. Nachdem sie niedergebrannt war, ist sie
1691
durch eine neue Synagoge ersetzt worden.
1810 wurden 237 jüdische Einwohner in
der Stadt gezählt. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1900 mit 821
Personen erreicht (1933 noch 596 Personen). Zur jüdischen Gemeinde
Landau gehörten seit 1884 auch die in Arzheim
lebenden jüdischen Personen (1924 12 Personen, 1932 13 Personen)
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge,
eine jüdische Schule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde hatte die Gemeinde Lehrer und Kantoren
angestellt. Seit 1838 war Landau Sitz eines Bezirksrabbinates für die in
den Bezirksämtern Landau, Bergzabern und Germersheim liegenden jüdischen
Gemeinden. Als Bezirksrabbiner wirkten Dr. Elias Grünebaum (1838-1893), Dr.
Berthold Einstein (1893-1934) sowie Kurt Metzger (1935-1938).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde (links das
Gefallenendenkmal in der Synagoge): Feldunterarzt
Rudolf Bloch (geb. 24.11.1891 in Straßburg, gef. 13.1.1917 in Gefangenschaft),
Paul Einstein (geb. 10.5.1896 in Landau, gef. 3.7.1916), Gefreiter Otto
Emsheimer (geb. 27.4.1896 in Landau, gef. 20.5.1918), Unteroffizier Paul
Emsheimer (geb. 17.5.1894 in Landau, gef. 30.6.1917), Vizefeldwebel Hermann
Fried (geb. 14.3.1888 in Ingelheim, gef. 15.7.1918), Unteroffizier Siegmund
Kullmann (geb. 14.4.1887 in Dahn, gef. 20.12.1914), Friedrich Levy (geb.
11.4.1889 in Landau, gef. 20.8.1914), Unteroffizier Ernst Löb (geb. 8.1.1894 in
Worms, gef. 23.11.1914), Unteroffizier Ernst Simon Marx (geb. 24.6.1891, gef.
30.8.1916), Franz Neuberger (geb. 27.2.1890, gef. 25.8.1914), Edwin Scharff
(geb. 15.12.1887 in Landau, gef. 20.7.1915), Gefreiter Richard Scharff (geb.
9.9.1895 in Landau, gef. 15.9.1915), Paul Schwarz (geb. 8.3.1889 in Landau, gef.
16.11.1915), Adolf Simon (geb. 3.12.1896 in Eschbach, gef. 9.4.1917), Sally
Sternweiler (geb. 28.9.1886 in Waldorf, gef. 8.7.1915).
Um 1924, als zur Gemeinde 733 Personen gehörten (5,1 % von insgesamt
14253 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Michael Brunner, Samuel
Levi, Arthur Schwarz, Otto Siegel und Eduard Kern. Als Rabbiner war der bereits
genannte Dr. Berthold Einstein (wohnt Glacisstr. 9), als 1. Kantor Willi Steinem
(wohnt Glacisstr. 30), als 2. Kantor und Rechner Salli Rosenberg tätig.
Religionsunterricht für die damals 116 schulpflichtigen jüdischen Kinder der
Stadt erteilten Lehrer Steinem und Rabbiner Dr. Einstein. An jüdischen Vereinen
gab es den Israelitischen Armenunterstützungsverein (1855 gegründet,
1924 unter Leitung von Samuel Levy, 1932 unter Leitung von Leo Klein, Ostring 5;
Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung ortsansässiger und durchreisender
Hilfsbedürftiger), den Israelitischen Krankenverein (gegründet 1846,
1924 unter Leitung von Max Dreifuß, 1932 unter Leitung von Leon Weil,
Kaiserring 18 mit 184 Mitgliedern; Zweck- und Arbeitsgebiet: Unterstützung
hilfsbedürftiger Kranker, Gewährung freier ärztlicher Behandlung und Arznei),
den Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (gegründet 1717, 1924/32 unter
Leitung von Max Dreifuß, Reiterstr. 37 mit 18 Mitgliedern; Zweck und
Arbeitsgebiet: Krankenpflege, Bestattungswesen) und den Israelitischen
Frauenverein (1924 unter Leitung von Berta Levi, 1932 unter Leitung von
Betty Einstein, Glacisstr. 9, Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenpflege,
Bestattungswesen). Der Verein Concordia hatte in der Friedrich-Ebert-Str.
12 eine Bibliothek. An Stiftungen gab es den Wohltätigkeits-R'Hilfsfonds
(1932 in Verantwortung von Michael Brunner). 1932 waren die
Gemeindevorsteher Michael Brunner (1. Vors., wohnt Kaiserring 12), Samuel Levy
(2. Vors., wohnt Nordring 27) und Anna Joseph (3. Vors., wohnt Ostring 14).
Nachfolger auf der Stelle des 2. Kantors und Rechners der Gemeinde war
inzwischen Max Zeilberger (wohnt Vogesenstr. 4). Die Gemeindeverwaltung hatte
folgende Ausschüsse: einen Finanzausschuss (Vors. Michael Brunner), einen
Friedhofsausschuss (Vors. Arthur Schwarz) und einen Wohlfahrtsausschuss (Vors.
Anna Joseph). Im Schuljahr 1931/32 wurden 94 Kinder der Gemeinde in Religion
unterrichtet.
Von den 1933 in Landau wohnenden 596 jüdischen
Einwohnern kamen nach den Deportationen mindestens 158 ums Leben.
Der Abschnitt zur jüdischen Geschichte in der
NS-Zeit muss noch ergänzt werden.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates
Landau
Unter Rabbiner Elias Grünebaum
Rabbiner Elias Grünebaum (geb. 1897 in Reipoltskirchen
bei Kusel, gest. 1893 in Landau): Ausbildung in Mannheim, Frankfurt, Studium in
München. 1835 Rabbiner in Birkenfeld (Hoppstädten),
von Juni 1838 bis zu seinem Tod 1893 Bezirksrabbiner In Landau, zuständig für
24 Gemeinden.
Zur Antrittspredigt von Rabbiner Elias Grünebaum in der Synagoge
Landau (1838)
Im nachstehenden Artikel werden gleichzeitig Predigten von Levi Herzfeld
(1810-1884), der von 1843 bis 1884 Landesrabbiner des Herzogtums Braunschweig
war; die Ausführungen zu seinen Predigten werden nicht wiedergegeben.
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Juli 1838: "1)
Rede, gehalten bei dem Antritte seines Amtes als Rabbine des
Gerichtsbezirks Landau in der Synagoge zu Landau, von Elias Grünebaum.
Karlsruhe und Baden, bei D. R. Marx. 1838. S. 30.8.
…
Die erstere des Herrn Rabbinen Grünebaum ist im festen Bewusstsein
dessen, was jetzt unseren Gemeinden Not tut, klar und sorgfältig
gehalten. Die Aufgabe, die sich der Redner gestellt hatte, war: ‚Auf
welchem Wege können wir in unseren Tagen die gesunkene Religion am
leichtesten und sichersten wieder erheben?’ – welche Frage in zwei
Teilen beantwortet wird, nämlich: 1) welches der Weg sei zur Erhebung der
gesunkenen Religion? Hierzu ist notwendig a) die Kenntnis der Religion, b)
das Gefühl für das Göttliche, für die Wahrheiten der Religion; - 2)
was uns obliege, um den Weg zur Erhebung der
gesunkenen Religion zu
betreten und zu seinem Ziele zu gelangen? – Wir können und müssen die
Kenntnis der Religion ausbreiten und das Gefühl für ihre Wahrheiten
beleben a) in der Schule, b) im Hause, c) in der Synagoge. Daher dringt
der Redner auf Errichtung guter Religionsschulen, auf die Predigt im
Gotteshause, auf Hebung der Andacht in den Synagogen und Veredlung des
Gottesdienstes. Hiermit hat sich denn auch der Redner die Richtung seiner
Bestrebungen vorgezeichnet, die Objekte seiner Tätigkeit bestimmt, und
wir können nur den Wunsch hinzufügen, dass seine Gemeinden es nicht an
Willfährigkeit, ihm entgegenzukommen, fehlen lassen. Die Sprache ist kräftig
und überzeugend, dabei ruhig und sicher…." |
Rabbiner Grünebaum erhält Predigtverbot (1849)
Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 27. Juli 1849:
"Landau. Unserem Rabbiner, E. Grünebaum, wurde, weil er sich
der neuesten Bewegung anschloss, das Predigen untersagt, wahrscheinlich
wird er seiner Stelle entsetzt werden. - Bekanntlich ist derselbe einer
der eifrigsten Reformisten." |
Aus einem theologischen
Beitrag von Bezirksrabbiner Dr. Elias Grünebaum (1867)
Rabbiner Dr. Grünebaum hat zahlreiche Beiträge zu theologischen
Fragen in jüdischen Periodika publiziert. Hier ein Abschnitt aus einem
größeren Beitrag zur Thematik "Die Ethik des Judentums..."
Artikel in
der Zeitschrift "Ben Chananja" vom 1. Februar 1867: "Die Ethik
des Judentums anderen Bekenntnissen gegenüber. Von Dr. Grünebaum,
Bezirksrabbiner zu Landau. Fortsetzung.
Klarer und schöner noch ist der herrliche Doppelgedanke von dem Berufe
Israels und der Bestimmung aller Menschen ausgesprochen Jesaja 42,1-8:
‚Siehe, mein Knecht (Israel), den ich festhalte, mein Erkorner, an dem
meine Seele Wohlgefallen hat. Meinen Geist habe ich auf ihn gelegt, auf
dass er das Recht den Völkern verkünde. Er schreit nicht und erhebt
seine Stimme nicht laut, lässt sich auf der Straße nicht hören. Ein
geknicktes Rohr zerbricht er nicht, dunkelnden Docht löscht er nicht aus:
zur Wahrheit führt er das Recht. Er dunkelt nicht und bricht nicht, bis
er auf der Erde das Recht hat eingesetzt und die Eilande seiner Lehre
harren. Also spricht der Allmächtige, Gott, der die Himmel erschaffen und
sie ausgespannt, die Erde ausgebreitet mit ihren Sprösslingen, der Odem
gibt dem Volke auf ihr, und Geist denen, die auf ihr wandeln, ich Gott,
habe dich berufen zum Heile, ich habe dich erfasst an deiner Hand, ich
habe dich bewahrt und habe dich eingesetzt zum Bündnisse der Völker, zum
Lichte der Nationen, zu öffnen blinde Augen, aus dem Kerker herauszuführen
den Gefesselten, aus dem Gefängnisse die im Finstern Weilenden. Ich,
Gott, das ist mein Name, und meine Ehre lasse ich keinem anderen, meinen
Ruhm nicht den Götzenbildnern.’ Es ist also Israel Beruf, alle Völker
zu Gotteserkenntnis, zu Recht und Sittlichkeit zu leiten, und der
Menschheit Bestimmung, dieses erhabene Ziel zu erreichen.
In diesem Gedanken begreifen wir erst die Sendung der
israelitischen Propheten auch an auswärtige Völker, und wenn diese der
Mahnung des Propheten Folge leisten, so empfangen sie allesamt, auch die,
welche Israel am meisten knechteten, den göttlichen Segen: ‚Gesegnet
ist mein Volk Ägypten und Assur,
meiner Hände Werk, und mein Eigentum Israel (Jesaja 19,25).
Diesem Grundgedanken entsprechend erscheinen nun auch die einzelnen Lehren
und Gebote schon im Mosaismus. Der Dekalog stellt die Verbote des
Meineids, des Raubes, des Diebstahls, des falschen Zeugnisses, dem Gelüsten
nach fremdem Eigentum ganz allgemein auf (über den in den beiden letzten
Aussprüchen vorkommenden Ausdruck Re’e
für Nebenmenschen werden wir später sprechen). Ebenso allgemein sind die
bald darauf folgenden ausführlichen Gesetze über die äußeren
Rechtsverhältnisse 2. Mose 21,12 – 22.7 gehalten: ‚Wer einen Menschen
schlägt, dass er stirbt, soll des Todes sterben. Wer aber nicht
aufgelauert hat, sondern Gott hat es ihm unter der Hand geschickt, so
werde ich dir einen Ort einrichten, wohin er fliehen soll. So aber Jemand
an seinem Nächsten frevelt und ihn umbringt mit List, von meinem Altare
weg sollst du ihn führen zum Tode!’
Dieselben Gesetze werden 3. Mose 24,17ff zum Teil wiederholt, und hier heißt
es noch bestimmter: ‚Wenn jemand irgendeinen Menschen’ erschlägt, Kol
näfäsch adam (= irgendein Mensch) usw. und dann wird zum Schlusse
Vers 21 feierlich wiederholt: ‚Ein Rechtsgesetz – Mischpat
– sei hierauf für den Fremden, wie für den Einheimischen: denn ich bin
Gott euer Herr.’
Wir wollen hier gleich im Anfange erklären, dass dieser letztere
Ausdruck, der merkwürdiger Weise gerade bei Rechts- und Sittengesetzen
fast überall vorkommt, entweder allein: Ich bin Gott, oder mit dem
Zusatze: Eurer Herr, offenbar nichts Anderes sagen will, als dass Gott,
der Herr der |
Kritische Stimme aus der
orthodox-konservativen Zeitschrift "Der Israelit" zu den
Familienverhältnissen der
Tochter von Dr. Grünebaum und seiner liberalen Haltung hierzu (1876)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1876: "Aus dem
Rabbinatsbezirk Landau, 7. November (1876). Wie ich mich und wohl auch
viele Leser dieses geschätzten Blattes sich erinnern, wurde vor einiger
Zeit in den Spalten desselben der Fall besprochen, dass eine Tochter des
Rabbiners Dr. Grünebaum zu Landau, mit Einwilligung ihres Vaters, sich
mit einem Nichtjuden verehelichte, und dass die intimsten
verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Schwiegereltern und
Schwiegersohn, welch letzterer auch in Landau wohnt, obwalten, Besuche und
Gegenbesuche, wie man mir sagte, fast täglich stattfinden. Nun erfahre
ich, dass dem Herrn Rabbiner ein weiteres Familienglück widerfahren,
indem seine Tochter vor einigen Tagen eines Knaben genesen sein soll.
Hinsichtlich der Erziehung des Neugeborenen hört man: dass der Herr
Rabbiner es durchsetzt, dass der junge Weltbürger konfessionslos erzogen
werde. Das nenne ich Konsequenz! Es verdient die von Herrn Dr. Grünebaum
hierbei bewiesene Toleranz gewiss, in weiteren Kreisen bekannt zu werden.
Herr Rabbiner!! Wir gratulieren Ihnen!" |
50-jähriges Dienstjubiläum von Bezirksrabbiner Dr. Grünebaum (1886)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Juli 1886:
"Landau, 26. Juni (1886). Das 50-jährige Dienstjubiläum des
Herrn Bezirksrabbiners Dr. Grünebaum gestaltete sich gestern zu einer
großartigen Feier, an der, außer der israelitischen Kultusgemeinde,
nicht nur die berufenen Vertreter der Behörden, sondern auch die gesamte
Bürgerschaft der Stadt Anteil nahm. Die Feier wurde des Vormittags auf
dem Stadthause durch eine Versammlung eingeleitet, in welcher Herr
Bezirksamtmann von Hartlieb dem Herrn Jubilar das ihm von Seiner Majestät
dem König Ludwig II. verliehene Verdienstkreuz des Ordens vom heiligen
Michael feierlich überreicht. Daran schloss sich ein Festgottesdienst in
der Synagoge, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Mayer von Zweibrücken die
Predigt und Herr Rabbiner Dr. Landsberg von Kaiserslautern die
Schlussansprache hielt. Mittags fand im Hause des Herrn Jubilars eine Festtafel
zu 40 Gedecken statt und nachmittags 3 Uhr erfolgte die feierliche
Überreichung der Geschenke und Glückwunschschreiben. Der Rabbinatsbezirk
Landau verehrte dem Herrn Jubilar einen silbernen Pokal, die Lehrer der
Bezirke die Oppenheim'schen Familienbilder, der Synagogenchor ein
Gedenkblatt und ein Diplom, in welchem Herr Dr. Grünebaum zum
Ehrenmitglied des Synagogenchor ernannt wird. Frühere Schüler des
Jubilars brachten ein Photographie-Album mit ihren Photographien, seine
Schüler der Realschule und Studienanstalt Honeggers 'Kulturgeschichte der
neuesten Zeit', seine Schülerinnen der Töchterschule einen Rauchtisch.
Der Mendelssohn-Verein in Frankfurt ließ dem Jubilar durch Herrn Rabbiner
Brüll ein Diplom als Ehrenmitglied überreichen; Herr Dr. Mayer von
Zweibrücken brachte im Namen des Deutschen Rabbinatsverbandes ein
Glückwunschschreiben und Herr Dr. Brüll von Frankfurt ein solches im
Namen des deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Außerdem erhielt der
Herr Jubilar noch von vielen Privaten Geschenke. Die Stadt Landau hatte
ihr Geschenk, zwei silberne Leuchter, schon Vormittags überreichen
lassen. So bekundeten diese Festakte, sowie die im Laufe des Tages aus
allen Teilen der Welt eingelaufenen über 70 Telegramme und etwa 300
Glückwunschbriefe, in wie weiten Kreisen und in wie hohem Maße der
greise Jubilar allgemeine Verehrung genießt. Abends fand ein Festbankett
unter großer Teilnahme statt." |
Zum Tod von Bezirksrabbiner Dr. Elias Grünebaum (1893)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Oktober 1893: "Landau, 1. Oktober (1893). Der hiesige Bezirksrabbiner Dr. Elias Grünebaum
ist am 25. vorigen Monats im Alter von 86 Jahren verschieden. Es hat in
seinem Amte seit 25. Juni 1838 gewirkt. In dem Verblichenen verliert die
Judenheit einen Mann, der neben vorzüglichen Charaktereigenschaften
allgemeines Wissen in hervorragendem Maße besaß. Er entfaltete neben
seiner rabbinischen und pädagogischen Wirksamkeit auch eine rege
literarische Tätigkeit. Am bekanntesten ist sein vortreffliches und viel
benutztes Hauptwerk: ‚Die Sittenlehre des Judentums anderen
Bekenntnissen gegenüber.’ Als guter Redner war der Heimgegangene weit
über die Grenzen des Bezirks hinaus bekannt und hoch geschätzt. Grünebaum
war einer der ersten, eifrigsten und konsequentesten Vertreter einer
Reform des Judentums. Seine Verdienste besonders um die Hebung des jüdischen
Schulwesens in Bayern sind auch an höchster Stelle nicht unbeachtet
geblieben. Im Jahre 1886 verlieh ihm König Ludwig II. den Michaelsorden
zweiter Klasse. Das große Ansehen und die Hochachtung, welche dem
Verstorbenen sowohl seitens seiner Schüler und Glaubensgenossen, als auch
von Seiten seiner Mitbürger und Vorgesetzten entgegengebracht wurden,
rechtfertigen die aufrichtige Teilnahme, welche sein Tod hervorgerufen." |
Ausschreibung der Stelle des Rabbiners nach dem Tod von Rabbiner Grünebaum (1893)
Anzeige in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Dezember 1893: "Bekanntmachung
– die Anstellung eines Rabbiners für den Rabbinatsbezirk Landau
betreffend.
Die Rabbinerstelle für den Rabbinatsbezirk Landau, umfassend die
israelitischen Kultusgemeinden der Königlichen Bezirksämter Landau,
Bergzabern und Germersheim ist durch den Tod des bisherigen Rabbiners in
Erledigung gekommen und soll unter folgenden Bestimmungen wieder besetzt
werden:
1. Der Rabbiner hat seinen Wohnsitz in der Stadt Landau zu nehmen.
2. Der Gehalt des Rabbiners beträgt pro Jahr: a) Jahresgehalt 3000 Mark.
B) Reise-Entschädigung für die in den einzelnen auswärtigen
Kultusgemeinden einmal abzuhaltenden predigten
300 Mark. C) Aversum für Regiebedürfnisse
1000 Mark. Summe
3.400 Mark.
3. Die Kasualien sind auf 1200 Mark zu veranschlagen. Außerdem hat der
bisherige Rabbiner beziehungsweise dessen Substitut für Erteilung des Religions-Unterrichts am Gymnasium und an der höheren Töchterschule
Landau eine Remuneration von 1.000 Mark bezogen.
Als äußerster Bewerbungstermin ist der 1. Januar 1894 festgesetzt und
sind bezügliche Bewerbungsgesuche nebst Belegen bis zu diesem Zeitpunkte
beim unterfertigten Amte einzureichen.
Landau – Pfalz, 17. November 1893. Königliches Bezirksamt. Trutzer." |
Unter Rabbiner Dr. Berthold Einstein
Rabbiner Dr. Berthold Einstein (geb. 1862 in Ulm, gest. 1935 in Landau):
Studium in Berlin und Breslau, 1885 Promotion in Tübingen; 1889
Rabbinatsstellvertretung in Heilbronn, 1891 zweiter Rabbiner ebd., 1892-1894
Rabbiner in Laupheim, 1894 bis Sommer 1934 Rabbiner in Landau.
Rabbiner Dr. Einstein ruft eine Tagung der
israelitischen Lehrer des Rabbinatsbezirks Landau ein (1895)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Mai 1895:
"Landau (Pfalz), im Mai. Am 25. April tagten hier die
israelitischen Lehrer des Rabbinatsbezirks Landau, nachdem man seit 10
Jahren keine Lehrerkonferenz abgehalten hatte, obwohl Anlass genug
vorhanden gewesen wäre, wichtige Fragen zu erörtern. Erst Herr Dr.
Einstein, dem seit Jahresfrist hier wirkenden Bezirksrabbiner, war es
vorbehalten, Abhilfe zu schaffen. freudig folgten sämtliche Lehrer des
Bezirkes, ca. 20 an der Zahl, seiner Einladung, und die Zeit des
Zusammenseins wurde mit ernster Arbeit ausgefüllt. Vor allem galt es,
einen neuen Normal-Lehrplan aufzustellen, da die jahrelange Erfahrung
lehrte, dass der unter dem früheren Rabbiner Dr. Grünebaum ausgearbeitet
nicht mehr genügte. Der Vorsitzende, Dr. Einstein, und zwei Kollegen
hatten ein diesbezügliches Referat übernommen. Nach längerer,
gründlicher Besprechung wurde der neu aufzustellende Lehrplan fixiert und
drei Herren mit der Ausarbeitung desselben betraut. Außerdem standen auf
der Tagesordnung: 'Der biblische Geschichtsunterricht' sowie die
'Schulaussetzung wegen religiöser Festtage unter Bezugnahme auf die
pfälzische Schul- und Lehrordnung'. Daran schlossen sich 'freie
Besprechungen' über das Wohl und Wehe der Lehrer. Herr Dr. Einstein
sprach sowohl bei Beginn als auch zum Schlusse der Konferenz wohlmeinende
Worte zu den anwesenden Lehrern. Seinen Ausführungen merkte man an, dass
es ihm darum zu tun ist,. das Judentum zu heben, und dass er als wichtiger
Faktor hierzu in erster Linie die Schule, den Lehrer sieht. Dass Herr
Rabbiner Dr. Einstein den Lehrern hilfreich zur Seite steht, erkennen
dieselben freudig an, und was ein Lehrer zu arbeiten und zu kämpfen hat,
weiß Herr Dr. Einstein als Sohn eines Lehrers ganz genau, wie er in
seinen Eingangsworten auch angedeutet hat. Diese freiwilligen
Lehrerkonferenzen werden jetzt regelmäßig ein- oder zweimal im Jahre
stattfinden." |
70. Geburtstag von Bezirksrabbiner Dr. Berthold Einstein
(1933)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1933: "Landau (Pfalz). Am letzten Tage des verflossenen bürgerlichen
Jahres durfte Herr Bezirksrabbiner Dr. Berthold Einstein – Landau
(Pfalz) seinen siebzigsten Geburtstag begehen. In Ulm
geboren, legte er nach Beendigung des theologischen Studiums am Jüdischen
Theologischen Seminar zu Breslau die staatliche württembergische
Rabbinerprüfung ab, wurde alsdann Rabbinatsstellvertreter in Heilbronn,
Rabbiner in Laupheim und bekleidet
nunmehr seit 39 Jahren die Stellung des Bezirksrabbiners in Landau.
Einstein gehört zu den ‚Stillen im Lande’. Er liebt es nicht, nach außen
hervorzutreten. Seine Freude ist die behagliche und gleichmäßige
pflichtgetreue Arbeit innerhalb seines Amtes und Kreises. Hier hat er
durch seine frohe Liebenswürdigkeit und seine natürliche Herzensgüte
sich überall Freunde und Verehrer erworben. Bis ins Kleinste hinein
peinlich korrekt – schon seine auffällig markante Schrift zeugt davon
– ist er in seiner geraden und ungeschminkten Wahrhaftigkeit, in seinem
Wesen ein ebenso unverkennbarer Sohn des Schwabenlandes, wie er es in
seiner Sprache geblieben ist. Auch in seinen religiösen Anschauungen
bekannte er sich zu einem aufrichtigen und offenen Liberalismus, freilich
wie jeder religiösen Aufdringlichkeit so auch jedem Radikalismus abhold.
Von seinem kritischen Humor gab er früher pseudonym, jedoch für
Eingeweihten wohl erkennbar, in jüdischen Blättern manche köstliche
Probe. Seinen Schülern und Schülerinnen suchte er nicht bloß Lehrer,
sondern auch Freund zu sein und kettete dadurch viele von ihnen in
Dankbarkeit an sich. In aller sozialen Arbeit erwies er sich zusammen mit
seiner gleichgesinnten Gattin als unermüdlicher Helfer, in allem schweren
Leid als Vorbild, da er das eigene schwere Leid des Verlustes seines
einzigen hoffnungsvollen Sohnes im Weltkrieg in würdigster Weise trug.
Voll Schlichtheit und Bescheidenheit den Lebensansprüchen gegenüber
suchte er von früh auf die reinste Erholung in der Musik, die er selbst
in trefflicher Weise ausübt. Seinen siebzigsten Geburtstag verbrachte der
Jubilar fern der Heimat im Hause seiner verheirateten Tochter, wohin ihm
zahlreiche Glückwünsche aus seinen Gemeinden, aus Vereinen und Verbänden
– auch vom Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden – sowie aus
der Schar seiner Freunde und Bekannten nachfolgten. Der engere
Freundeskreis ließ es sich jedoch nicht nehmen, ihm nach seiner Rückkehr
einen Festtag zu bereiten. Am 17. dieses Monats versammelten sich in
seinem Hause die Herren Rabbiner Dr. Freudenthal, Nürnberg, und Dr.
Seligmann, Frankfurt, beide seit der Studienzeit in vertrauter
Freundschaft mit ihm verbunden, sowie die pfälzischen Amtskollegen mit
ihren Frauen. Herr Rabbiner Dr. Freudenthal überbrachte die Glückwünsche
der Bayerischen Rabbinerkonferenz und die des engeren Freundeskreises, in
dessen Namen er Geschenk und künstlerische Widmung überreichte. Herr
Bezirksrabbiner Dr. Baron, Kaiserslautern,
dankte dem Senior und treuen Berater der pfälzischen Rabbiner, Herr
Bezirksrabbiner Dr. Nellhaus, Pirmasens,
sprach im Namen der Verbindung Amicitia, Herr Rabbiner Dr. Seligmann als
Freund des Hauses. Der Jubilar dankte tief bewegt für alle Freundschaft
und Kollegialität. Für den Abend hatte die Elias Grünebaum-Loge zu
einer Sitzung in die städtische Festhalle eingeladen. Der festlich geschmückte
Saal und die zahlreiche Beteiligung boten ein eindrucksvolles Bild. Herr
Justizrat Dr. Rheinheimer als Präsident der Loge begrüßte die
Erschienenen. Herr Rabbiner Dr. Freudenthal, der für diesen Abend einen
religionswissenschaftlichen Vortrag zugesagt hatte, ließ diesen in eine
warme Huldigung für den Jubilar ausklingen. Ihm schlossen sich Herr
Rechtsanwalt Dr. Goldberg als ehemaliger Schüler Dr. Einsteins, Herr
Albert Mayer in poetischer Widmung, Frau Justizrat Rheinheimer für den
Schwesternbund, Herr Dr. Nellhaus für die pfälzischen Rabbiner und Herr
Dr. Seligmann als Pfälzer und ältester Freund des Gefeierten an. Frau
Hedwig Katz trug mit klangvoller Stimme klassische Lieder vor. Lichtbilder
zeigten den Jubilar im Amt, im Haus und in der Familie. Zuletzt dankte
dieser selbst mit herzlichen Worten. Die frohe und zugleich weihevolle
Stimmung, die über allen Ehrungen lag, die herzliche Freude, mit der die
Versammelten teilnahmen, bedeuteten den verdienten Dank für die
charaktervolle Persönlichkeit wie für die langjährige Wirksamkeit des
noch immer jugendlich frischen Jubilars. Möge ihm zur Freude für seine
Freunde und Verehrer und zum Segen für sein Amt diese Rüstigkeit noch
manches Jahr erhalten bleiben!" |
Todesanzeige für Bezirksrabbiner Dr. Berthold Einstein
(1935)
Anzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni
1935: "Am 4. Juni 1935 verschied in Landau in der Pfalz
Seine Ehrwürden Herr Dr. Berthold Einstein, Bezirksrabbiner i.R.
Der Verewigte wirkte mehr als 40 Jahre als Bezirksrabbiner in Landau in
der Pfalz und war erst im Sommer 1934 im 72. Jahre seine Lebens in den
wohlverdienten Ruhestand getreten. Er gehörte dem Vorstand unseres
Verbandes seit 1917 an und war auch Mitglied der Tagung des Verbandes
Bayerischer Israelitischer Gemeinden.
Der Verstorbene, ausgestattet mit reichen Haben des Geistes, verfügte
über ein umfassendes Wissen auf jüdischem und profanem Gebiet. Seine
Kanzelreden und sonstigen Ansprachen standen jederzeit auf hoher geistiger
Stufe. Mit ganzem Herzen widmete er sich seiner Aufgabe als Lehrer und
Erzieher und erwarb sich auf diesem Wege viele dauernde Freunde unter
seinen zahlreichen Schülern und Schülerinnen. Mit seltener Pflichttreue
versah er trotz schwerer körperlicher Behinderung sein nicht immer
leichtes Amt bis in sein hohes Alter. Im Ausschuss unseres Verbandes blieb
sein kluger Rat nie ungehört.
Er war eine vornehme Persönlichkeit, offen und wahr, zuverlässig und
treu, voll Güte und Hilfsbereitschaft.
Sein Tod bedeutet einen schweren Verlust für unser Pfälzer Judentum. Wir
danken ihm an dieser Stelle für sein Wirken und werden sein Andenken
stets in Ehren halten.
Landau in der Pfalz, den 5. Juni 1935. Verband der israelitischen
Kultusgemeinden der Pfalz." |
Einführung von Bezirksrabbiner Kurt Metzger (1935)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. August 1935:
"Einführung des neuen Bezirksrabbiners in Landau in der Pfalz. Als
Nachfolger des verewigten Bezirksrabbiners Dr. B. Einstein wurde Herr Kurt
Metzger aus Nürnberg zum Bezirksrabbiner von Landau in der Pfalz gewählt.
Die Einführung fand am 6. Juli im Rahmen des Sabbat-Morgengottesdienstes
in der festlich geschmückten Hauptsynagoge statt. Der Vorsitzende des
Synagogenrates, Herr Artur Schwarz, gedachte des verstorbenen
Bezirksrabbiners Herrn Dr. Einstein und des früheren Vorsitzenden der
Gemeinde, Herrn Michael Brunner. Er dankte sodann Herrn Kantor Steinem für
die Ausübung seines Amtes während seiner 45-jährigen Wirksamkeit, sowie
Herrn Religionslehrer und Kantor Zeilberger für die Arbeit, die er in der
Verwesung des Rabbinats und in der Betreuung der Jugend geleistet hat. Er
begrüßte sodann Herrn Metzger als den neuen Inhaber des Rabbinatssitzes
und verpflichtete ihn durch Handschlag zu den von ihm zu übernehmenden
Pflichten. Herr Zeilberger gedachte seines früheren Vorgesetzten im
geistlichen Amt, dankte Herrn Schwarz sowie der Gemeinde und der Jugend für
das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde und begrüßte Herrn
Metzger. Hierauf ergriff Herr Kommerzienrat Joseph, der Vorsitzende des
Verbandes pfälzischer Gemeinden, das Wort. Er begrüßte Herr Metzger im
Namen des Verbandes und legte ihm in zu Herzen gehenden Worten die
Pflichten nahe, die man heute von einem Bezirksrabbiner in der Betreuung
der Landgemeinden erwartet, welche so sehr nach seelsorgerischer Betreuung
verlangen. Herr Metzger dankte zunächst allen Rednern sowie seinen Eltern
und Lehrern, die ihn bis zu diesem Tage geleitet haben. In seiner Gemeinde
eine Stätte reiner Lehre, treuen Bekennens zu schaffen, diese Ziele ganz
besonders in der Jugend zu verwirklichen und dieses Streben in Gemilus-chessed
(Wohltätigkeit), in der Ausübung der Nächstenliebe zu krönen, legte
der künftige Seelsorger das Gelöbnis ab. Chorgesang, ein Solo von Frau
Tony Maier, sowie ein Gesang des Kinderchors umrahmten die Feier, die in
ihrer Schlichtheit bei allen Teilnehmern tiefen Eindruck hinterließ." |
Aus der Geschichte der Lehrer und Kantoren
Ausschreibung einer Stelle des Hilfsvorbeters (1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1904: "Die
israelitische Kultusgemeinde Landau (Pfalz) sucht für die hohen Feiertage
(Neujahr- und Versöhnungsfest) einen stimmbegabten Hilfsvorbeter.
Meldungen mit Honoraransprüchen und Zeugnisabschriften sind sofort spätestens
bis zum 15. Juli dieses Jahres zu richten an
Salomon Marx, Synagogenvorstand." |
60. Geburtstag von Kantor und Lehrer Willy Steinem (1928)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1928: "60. Geburtstag. Unser langjähriges, treu bewährtes
Vereinsmitglied, Herr Oberkantor und Lehrer Willy Steinem in Landau
(Pfalz), feierte am 18. Mai seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass
wurden ihm seitens seiner dankbaren Gemeinde und anderer Korporationen
wohlverdiente Ehrungen zuteil. Ist er doch nicht nur ein tüchtiger
Schulmann, sondern, mit prächtigem Bariton ausgestattet, auch ein
anerkannter Künstler auf dem Gebiete des synagogalen Gesanges. Steinems
Wiege stand in Merchingen (Baden).
Früh verwaist, wurde er im Hause des Lehrers Oppenheimer in Arnstein
(Unterfranken) erzogen, besuchte dortselbst die Präparandenschule,
sodann das staatliche Schullehrerseminar in Würzburg. Nachdem er einige
Jahre in Kirn an der Nahe und Wiesbaden amtierte, wurde er an die
Kultusgemeinde Landau berufen, woselbst er nun über 3 Jahrzehnte
segensreich wirkt. Weit über den Kreis seiner Amtstätigkeit hinaus ist
er in allen Schichten der Bevölkerung als charaktervoller Mann geachtet
und geehrt, ob seines sonnigen Gemüts und unverwüstlichen Humors,
besonders von seinen Kollegen geschätzt und geliebt. A.St. – U." |
Zum 40jährigen Amtsjubiläum von Kantor und Lehrer Willi
Steinem (1931)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1931: "Unser
Mitglied, Kantor und Lehrer Willi Steinem in Landau (Pfalz) feierte am 18.
Januar sein 40-jähriges Amtsjubiläum. Wie die jüdische Presse
berichtet, wurden dem Jubilar aus diesem Anlass besondere Ehrungen zuteil.
Auch wir wollen an dieser Stelle nochmals unsere herzlichsten Glückwünsche
zum Ausdruck bringen." |
Sally Rosenberg und seine Frau feiern ihre Goldene Hochzeit (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1928:
"Frankenthal in der Pfalz, 22. April (1928). Der Kantor und Rechner
der israelitischen Kultusgemeinde Landau in der Pfalz, Herr Sally
Rosenberg und seine Ehefrau Emma geb. Wälder feiern am 2. Mai das Fest
der goldenen Hochzeit." |
Ausschreibung der Stelle des 1. Kantors (1934)
Anzeige in
der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1934: "Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Landau (Pfalz).
Die Stelle eines 1. Kantors in unserer Gemeinde ist frei. Wir
suchen einen Vorbeter für unsere Synagoge mit Orgel, der folgenden
Anforderungen entspricht:
1. Ausgezeichnete Stimme.
2. Seminaristisch-pädagogische Schulung, welche zur Erteilung von
Religionsunterricht an höheren Schulen befähigt.
3. Der Bewerber muss predigen können.
Gehalt nach Vereinbarung. Pensionsberechtigt. Angebote mit
Zeugnisabschriften und Lichtbild, Lebenslauf und Referenzen sind
schriftliche zu richten an die Verwaltung der israelitischen
Kultusgemeinde Landau (Pfalz). Persönliche Vorstellung ohne Aufforderung
zwecklos." |
Ausschreibung der Stelle des 2. Kantors, Schochets und
Rechners (1930)
Anzeige in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1930: "Israelitische Kultusgemeinde Landau in der Pfalz. Die Stelle
eines zweiten
Kantors, Schochets und Rechners ist in unserer Gemeinde neu zu
besetzen. Eintritt baldmöglichst. Seminaristische Vorbildung jüngerer
Bewerber erwünscht, aber nicht Bedingung. Bezahlung nach der
Gehaltsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Persönliche
Vorstellung vorerst nicht erwünscht. Selbstgeschriebene Bewerbungen mit
ausführlichem Lebenslauf und Lichtbild sind zu richten an den
Vorsitzenden des Synagogenrats Michael Brunner." |
| |
Anzeige in
der "CV-Zeitung" (Zeitung des Centralvereins) vom 31. Januar 1930: "Israelitische Kultusgemeinde Landau (Pfalz). Die Stelle eines II.
Kantors, Schochet und Rechners…" (wie oben) |
Eine jüdische Schule wird eröffnet (1936)
Hinweis: die Begriffe "Judenschule" und "Judenschüler"
sind aus der "Frankenthaler Zeitung" übernommen und zeigen den
NS-Sprachgebrauch.
Artikel
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom
Oktober 1936 S. 18: "Landau - Pfalz. Die 'Frankenthaler
Zeitung' meldet aus Landau: Die seit einiger Zeit geplante Judenschule
wurde mit Wiederbeginn des Unterrichts in Landau eröffnet. Sie wird von
42 Judenschülern besucht, nämlich 13 aus Landau, 13 aus den Gemeinden
des Bezirks Landau und 16 aus jenen des Bezirksamtes
Bergzabern." |
| |
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10.
September 1936:
Dieselbe Mitteilung wie oben. |
Sonstiges
Antijüdische Entscheidung beim Militär (1908)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. September
1908: "Landau. Von 16 Vize-Feldwebeln, die im 18.
Infanterie-Regiment die Kaisermanöver als Offiziers-Aspiranten
mitmachten, wurde nur der einzige Jude unter ihnen, ein hiesiger
jüdischer Rechtsanwalt, als nicht qualifiziert zum Reserveoffizier
befinden, - und das, obwohl er nach Aussage des Obersts ein guter Soldat
von tadelloser Führung war und obwohl gegen seine und seiner Familie
gesellschaftliche Stellung nicht das Geringste einzuwenden
ist." |
Jahresversammlung der "Freien Vereinigung israelitischer
Lehrer und Kantoren der Pfalz" (1930)
Artikel
in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1930: "Freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz. Die
Jahresversammlung am 29. Mai 1930 in Landau stand unter einem guten Stern.
Fast sämtliche Mitglieder waren erschienen; dazu eine stattliche Anzahl
von Gästen. Wie im Vorjahre in Kaiserslautern, so ging auch diesmal der
Tagung eine erhebende Synagogenfeier voraus. Unser Kollege Steinem –
bald 40 Jahre Kantor und Lehrer der Gemeinde Landau -, ließ den
Abendgottesdienst für Schwuos (Laubhüttenfest) nach Lewandowsky, eine
groß angelegte Keduscha von Jahn u.a. vor uns erklingen, mit einer Stimme
von kaum verbrauchter Kraft und ungemindertem Wohlklang, er selbst das
Urbild des schlichten und doch begnadeten Vorbeters, begleitet von seinem
vorzüglichen Synagogenchor. Die Tagung fand (um 11 Uhr) im Tempel der
Elias-Grünebaum-Loge statt, der uns liebenswürdigerweise für unsere
Besprechungen zur Verfügung gestellt worden war. In seinen Begrüßungsworten
wies der Unterzeichnete auf den ‚Dolchstoß’ der ‚Freiheitsgebete’
hin, dem wir unseren gesteigerten Willen entgegensetzen müssten, die uns
anvertraute Jugend auch weiterhin im Glauben an das Gute im Menschen zu
erziehen und an die Befriedung der Menschheit. Herzliche Worte der Begrüßung
sprachen Herr Michael Brunner namens des Synagogenrats der Gemeinde Landau
und Herr Kommerzienrat Joseph für den Verband der Israelitischen
Kultusgemeinden der Pfalz. Aus allen Worten leuchtete der starke Wille
unverdrossen und allen äußeren und inneren Schwierigkeiten zum Trotz
weiterzuarbeiten an den Aufgaben des Verbandes zum Heile des Judentums.
Vom gleichen Geiste beseelt waren die beiden Referate. In seinen
‚Gedanken zum heutigen Religionsunterricht’ verbreitete sich Herr
Bezirksrabbiner Dr. Einstein, Landau, in seiner gemüt- und humorvollen
Weise über Methode, Stoffumfang und –Anordnung des
Religionsunterrichts, während der zweite Redner, Kollege Bär, Edenkoben,
das Thema behandelte: Wie steigern wir den Erfolg unseres Unterrichts in
den Filialgemeinden? Die Aussprache, an der sich auch Herr Bezirksrabbiner
Dr. Steckelmacher und Herr Stadtrat Strauß, Bad Dürkheim, beteiligten,
war recht lebhaft und brachte manche wertvolle Winke und Anregungen. Sie
zeigte vor allem die erfreuliche Tatsache, dass es für die allgemeinen
Bemühungen der jüdischen Lehrerschaft, den Religionsunterricht
methodische und inhaltlich auszugestalten, an energischen Mitarbeitern
auch in der Pfalz nicht fehlt.
Nach harmonisch verlaufener Versammlung, die natürlich
auch das übliche Vereinsmäßige zu absolvieren hatte, fanden sich die
Kollegen beim gemeinsamen Mittagsmahl wieder vollzählig zusammen, das die
Gemeinde Landau in gastfreundlicher Weise bereitet hatte.
Die Jahresversammlung 1932 wird auf freundschaftliche Einladung des
Herrn Stadtrat Strauß in Bad Dürkheim stattfinden. H. Schottland
Vorsitzender." |
Brief des katholischen Arztes Dr. Weigel an einen jüdischen Freunde zum
Laubhüttenfest (1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1931:
"Ein Brief des bekannten katholischen Arztes Dr. Weigel, Landau
(Pfalz) 5678, Erew Suckauß. Hochverehrter Herr Doktor! Jedes Mal,
wenn die Stunde naht, dass Israel in die Hütten zieht, wird meine Seele
weich; es klingt durch sie von frommer Stimmung, die den Alltag flieht.
Nun nahen die Tage, das in Festesfreude das Gotteshaus durchrauscht wird
vom Lispeln der Festessträuße und in den Laubhütten fromme Weisen mit
sinnigen Gesprächen sich vereinen. Wenn die Erde herbstlich sich kleidet;
wenn überall die bunten Farbentöne im Mattglanz der Sonne leuchten und
frühe Nebel ihre Schleier niedersenken, verlässt Israel die feste
Wohnung und geht in die lichtgefügte Wohnung. Das ist eine merkwürdige
Anordnung. Menschlich gedacht wäre gerade das Umgekehrte zu erwarten!
Aber Gott hat es anders bestimmt. Die Schechina wandelt die Hütte zur
Feste. Und wir wollen mit starker Hand wachen über die Brüder, dass kein
feindlicher Wille ihnen in der Hütte Böses antue, nichts ihren Frieden
störe! Ich war immer gern Hüttengast und denke in Dankbarkeit der
Anregungen, die ich bei solchen Besuchen empfing. Nun muss ich um das
vierte Jahr den lieben Besuch missen. Aber ich denke zurück, und das Erinnern
macht mir Freude. So grüße ich denn in alter Treue und Freundschaft
hinüber von West zum Isartal und wünsche Ihnen und Ihrer Familie und
Ihrer ganzen Gemeinde Gut Jomtof! Allen sei Festesfreude zum Segen. 'Und
es wird ein Tag sein, den man erkennt als den Tag des Ewigen, nicht Tag
und nicht Nacht; aber zur Abendstunde wird es licht werden. Und der Ewige
wird König sein über die ganze Erde. An dem Tag wird der Ewige einzig
sein und sein Name einzig'." |
In der Volksschule wird eine "jüdische
Sonderklasse" eingerichtet (1936)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
Oktober 1936: "Speyer am Rhein. Am
1. September wurden im Bereich des Regierungsbezirkes Pfalz in vier
Städten jüdische Sonderklassen der allgemeinen Volksschulen errichtet,
in Ludwigshafen zwei Klassen
(vorläufig nur mit einem Lehrer besetzt), in Kaiserslautern,
Landau und Neustadt an der
Weinstraße je eine Klasse. Nach Ludwigshafen
wurde Lehrer und Kantor Schottland (Frankenthal)
angewiesen, nach Kaiserslautern
Lehrer i.R. Langstädter, nach Landau Lehrer und Kantor Zeilberger
(Landau) und nach Neustadt
Schulamtsbewerber Samson aus Landau. Sämtliche Lehrkräfte sind
auf Dienstvertrag mit monatlicher Kündigung angestellt. Jüdische Schulen
entsprechend dem bayerischen Schulbedarfsgesetz, deren Lehrer Beamte sind,
bestehen noch in Speyer, Pirmasens
und Rodalben." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum 60. Geburtstag von Kommerzienrat Albert
Joseph (1926)
Artikel
in der "CV Monatszeitung" vom Januar 1926: "Der Vorsitzende des
Verbandes israelitischer Kultusgemeinden der Pfalz, Herr Kommerzienrat
Albert Joseph in Landau (Pfalz), vollendete am 20. Januar sein 60.
Lebensjahr. Der Jubilar hat sich große Verdienste um die Zusammenfassung
des bayerischen und pfälzischen Judentums und die Gründung und Festigung
des Verbandes der israelitischen Kultusgemeinden in der Pfalz erworben.
Seit vielen Jahren steht er als Vorsitzender dem Synagogenrat der
Kultusgemeinde Landau vor; sein mannhaftes nationales Verhalten während
des Ruhrkampfes ist noch in frischer Erinnerung." |
Zum Tod von Valentin Wolf (1926)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1926: "Landau
(Pfalz), 14. Juni (1926). Unsere Gemeinde hatte am 3. Juni einen schweren
Verlust zu beklagen. Valentin Wolf seligen Angedenkens weilt nicht mehr
unter uns. Im gesegneten Alter von nahezu achtundachtzig Jahren ist er zu
seinen Vätern heimgegangen. Dieser Mann war ein Jude vom alten Schlage.
Die Tradition war verbindlich für ihn vom Anfang seines selbständigen
Denkens bis zu seinem Tode, dessen herannahen er lange vorher ahnte. Sein
Leben beruhte auf den drei Säulen Thauro (Tora), Awaudo (Gottesdienst)
und Gemiluss-Chassodim (Wohltätigkeit). Mit vieler Sorge erfüllte ihn
die heute Halb- und Unbildung unserer jüdischen Jugend. Der immer mehr
nachlassende Synagogenbesuch schmerzte ihn tief. Sein Wirken fand seinen Höhepunkt
in seiner vielseitigen Mitarbeit an Wohltätigkeitsbestrebungen. Möge das
Sechuß (Verdienst) dieses edlen Mannes seinen zahlreichen Kindern, Enkeln
und Urenkeln beistehen! Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod des Gemeindevorstehers Michael Brunner (1934)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Oktober 1934:
"Landau (Pfalz). Am 6. September 1934 wurde unser 1. Vorsitzender, Herr
Michael Brunner, zu Grabe getragen. Die israelitische Kultusgemeinde
erleidet durch den Verlust dieses Mannes einen schweren Schlag. Sein
Wirken um das Wohl der Gemeinde wird unvergesslich sein. An seiner Bahre würdigte
Lehrer Zeilberger die Verdiente des Verstorbenen. Bezirksrabbiner i.R. Dr.
Einstein nahm sodann Abschied vom Freunde, mit dem er viele Jahre für das
Wohl der Gemeinde in Eintracht zusammenarbeitete. Synagogenrat Artur
Schwarz rief dem Entschlafenen Dankesworte für den Synagogenrat nach;
Kommerzienrat Albert Joseph für den bayerischen und pfälzischen Verband
Israelitischer Kultusgemeinden. Dr. Goldberg fand ebenfalls herzliche
Worte des Abschieds für den Freundeskreis." |
70. Geburtstag von Kommerzienrat Albert Joseph (1936)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1936:
"Zum
70. Geburtstag vom Kommerzienrat Joseph (20. Januar 1936). Unter den Männern,
die dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden seit seiner Begründung
im Jahre 1920 das Gepräge gegeben haben, steht Kommerzienrat Albert
Joseph in der vordersten Reihe. Wie das Trauben gesegnete Pfälzer Land im
bayerischen Staatsgebiet stets eine besondere Stellung eingenommen hat,
zugehörig und doch selbständig, dem Allgemeinen verflochten und in
seiner Eigenart doch stark betont, so hat der Verband der Israelitischen
Kultusgemeinden der Pfalz in dem Landesverband der bayerischen Gemeinden
von Anfand an, ungeachtet der treuen und hingebenden Tätigkeit für die
allgemeinen Interessen, im Einverständnis aller Beteiligten seine Selbständigkeit
behauptet. Der echte Repräsentant dieses Genius der Pfalz, die Verkörperung
seiner besten Kraft, der unermüdliche opferwillige Vertreter der
allgemeinen jüdischen Interessen des Landes, wie der sorgsame Behüter
der pfälzischen Eigenart ist jederzeit Albert Joseph gewesen. Es gereicht
uns stets zur besonderen Freude, die Ausführungen dieses Mannes zu hören,
getragen von durchschlagenden sachlichen Beweisgründen, aber auch
vorgebracht mit einer Überzeugungskraft und inneren Wärme, dass man fühlt,
Person und Amt sind hier nicht voneinander zu trennen. In der Tat,
unbeschadet der ausgezeichneten Leistungen seiner Mitarbeiter, ist Joseph
das Pfälzer Gewissen, und der Pfälzer Verband ist Joseph. So tritt er
als ‚der Vater seines Landes’, der für seine pfälzische Familie
sorgt und für die großen wie für die kleinen Angelegenheiten seiner
Angehörigen das gleiche Verständnis hat und den gleichen Eifer
entfaltet, im Rate unseres Verbandes auf und er wird von uns allen
verehrt, geschätzt und geliebt. Diese seine selbstlose aufopfernde Fürsorge
für die Interessen seines Bezirks wird auch von den staatlichen
Zentralstellen anerkannt und gewürdigt und so ist er bei den höchsten
Instanzen des Landes gerne gesehen und sein Wort hat Einfluss und
Bedeutung. Und wenn
dieser allverehrte Mann nunmehr das 70. Lebensjahr vollendet, so werden
ihm die herzlichsten Wünsche von der Leitung unseres Verbandes, der er
stets der getreueste Helfer gewesen ist, wie aus allen Gauen des
bayerischen Landes entgegengebracht. Wir wünschen unserem lieben Freunde,
dass er noch Jahre des Glückes in seiner Familie verbringe, dass er uns
gesund bleibe, dass er noch lange Zeit unserem jüdischen Gemeinwesen
erhalten werde mit seinem klugen Rat, seiner aufopfernden Fürsorge und
seiner liebenswerten Persönlichkeit. Dr. Neumayer.
Zum 70. Geburtstag von Kommerzienrat Albert Joseph in Landau wird uns von
besonderer pfälzischer Seite noch geschrieben:
Am 20. Januar 1936 vollendet Herr Kommerzienrat Albert Joseph in
Landau in der Pfalz, der Präsident des Verbandes der israelitischen
Kultusgemeinden der Pfalz, das 70. Lebensjahr. |
Der
Jubilar ist in Ingenheim bei Landau
geboren und entstammt einem angesehenen, echt jüdisch-religiösen Hause.
Er trat früh in den kaufmännischen Beruf, konnte sich aber infolge
seiner ungewöhnlichen Tüchtigkeit und der dadurch erzielten Erfolge
schon in jungen Jahren vom Geschäft zurückziehen. Seitdem widmet er
seine ganze Kraft dem Dienst am Judentum, dem schon immer sein Herz gehörte.
Er war 22 Jahre Mitglied des Synagogenrates Landau, zuerst als Beisitzer,
später als Vorsitzender. Es muss rühmend hervorgehoben werden und ist in
Landau unvergessen, dass die Finanzen der Gemeinde nie in so guter Ordnung
waren als in jener Zeit.
Sein Lebenswerk ist aber der Pfälzer Verband. An den Vorarbeiten zu
dessen Gründung, die in das Jahr 1916 zurückreichen, war er maßgebend
beteiligt und als es am 18. März 1918 in einer denkwürdigen Versammlung
zur Gründung des Verbandes kam, wurde Herr Kommerzienrat Joseph
einstimmig zum Präsidenten des Vorstandes gewählt und ist es seitdem
geblieben zum Segen des pfälzischen Judentums. Unter ihm entwickelte sich
der Pfälzer Verband zu dem, was er heute ist. Aus einem eingetragenen
Verein des bürgerlichen Rechts, der auf kümmerliche Mitgliederbeiträge
angewiesen war, wurde durch Verleihung der Staatsregierung eine Körperschaft
des öffentlichen Rechts, bei welcher die Kultusumlagen sämtlicher pfälzischen
Juden zusammenfließen und ohne deren Mitwirkung im gemeindlichen und
religiösen Leben der Pfalz nichts mehr geschieht. Wenn heute alle
Gemeinden der Pfalz ihren Verband, der doch auf freiwilligem
Zusammenschluss beruht, als eine nicht mehr wegzudenkende Einrichtung
betrachten, so ist das im Wesentlichen ein persönliches Verdienst des
Jubilars, der all die Jahre hindurch seine ganze Kraft dafür eingesetzt
hat, die Überzeugung von der Notwendigkeit des Verbandes in den
Verbandsgemeinden zu wecken und zu erhalten. Unter seiner Leitung ist
Bedeutendes erreicht worden. Die Finanz- und Gehaltsverhältnisse der
Gemeindebeamten, die teilweise recht im Argen lagen, wurden befriedigend
geregelt, die Notlage der kleinen Gemeinden wurden durch laufende Zuschüsse
weitgehend behoben, für Gottesdienst und Religionsunterricht in |
allen
Gemeinden wurde gesorgt und die auf dem flachen Lande wohnenden Hilfsbedürftigen
wurden der Fürsorge des Verbandes unterstellt. Vor allem aber wurde das
Gemeinschaftsgefühl in den pfälzischen Juden geweckt und gestärkt, ein
Erfolg, der gerade heute nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Die
derzeitigen Verhältnisse haben noch zu einer wesentlichen Erweiterung des
Tätigkeitsbereichs des Verbandes geführt. Die seit mehr als zwei Jahren
bestehende Wohlfahrtsstelle des Verbandes hat die Fürsorge für Arme und
Kranke nach modernen Grundsätzen neu organisiert, eine Berufsberatung und
Stellenvermittlung eingerichtet, kümmert sich um die so wichtige
Berufsumschichtung, berät und hilft bei Auswanderung und eine eigene
Darlehenskasse bestrebt sich, gefährdete Existenzen zu erhalten und zu
retten. Es ist bewundernswert, mit welcher geistigen Frische und mit
welchem Eifer sich der Jubilar diesen neuen Aufgaben zugewendet hat und
sich bemüht, sie zu meistens. Man sieht ihm sein Alter nicht an. Von früh
bis spät steht sein gastliches Haus Ratsuchenden offen und niemand kommt
zu dem hilfsbereiten und warmherzigen Manne vergebens. Es wird wenige
Gemeinden in der Pfalz gehen, die Herr Kommerzienrat Joseph nicht besucht
hat und deren Synagogen und Friedhöfe er nicht kennt und unter seinem
Schutze genommen hat. Wenn eine Gemeinde seinen Rat und seinen besuch wünscht,
ist ihm kein Weg zu weit und kein Wetter zu schlecht. Die Zahl der
Sitzungen und Besprechungen, besonders in den letzten Jahren, ist Legion
geworden. Dass
einem so tätigen Leben der äußere Erfolg nicht versagt blieb, ist
begreiflich. Der Jubilar ist heute und seit langem die populärste Persönlichkeit
in der pfälzischen Judenheit, allgemein gekannt, geachtet und geehrt. Nun
ist er 70 Jahre alt geworden und hätte gewiss das Recht erworben, nach
einem so reichen und gesegneten Leben sich zurückzuziehen und sich der
lange entbehrten Ruhe im Kreise der Familie hinzugeben. Aber es wird ihm
nicht vergönnt sein. Sein Rat und seine Arbeitskraft sind unersetzlich.
Dass ein so seltener Mann auch außerhalb der Pfalz die gebührende
Anerkennung gefunden hat, ist nur natürlich. So wirkt der Jubilar höchst
segensreich in engster Fühlung mit dem Präsidium des Verbandes
bayerischer israelitischer Gemeinden. Auch dem Beitrat der
Reichsvertretung der Juden in Deutschland gehört er als Mitglied an. Möge
dem allverehrten und trefflichen Manne noch ein langer und glücklicher
Lebensabend an der Seite seiner Gattin und im Kreise seiner Mitarbeiter
beschieden sein! Dr. R. - Frankenthal."
|
Anzeigen
Anzeige des Israelitischen
Mädchen-Pensionates von Regine Weil (1898)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898:
"Israelitisches Mädchen-Pensionat von Regine Weil, Landau
- Rheinpfalz.
Gelegenheit zu gründlicher, Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher
Ausbildung. Gute Pflege, große, gesunde Räume. Prima Referenzen im In-
und Auslande." |
Anzeige von Ochsenmetzger Julius Levy (1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 10. November 1902: "Suche
für meine Ochsenmetzgerei und Wurstlerei einen tüchtigen jungen Mann.
Julius Levy, Ochsenmetzger,
Landau (Pfalz)." |
Anzeige des Schuhhauses Hirsch (1927)
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins"
vom 11. Februar 1927: "Schuhbranche. Für mein Zweiggeschäft
Neustadt d.d. Haardt suche ich zum baldigen Eintritt eine erste
Verkäuferin, die bereits in größeren Geschäften eine leitende
Stelle innegehabt hat und mich in meiner Abwesenheit vertreten kann. Nur
allererste Kräfte wollen sich melden. Offerten mit Bild, Zeugnissen und
Gehaltsansprüchen.
Schuhhaus Hirsch, Landau (Pfalz)." |
Nach 1945
Versammlung von Vertretern jüdischer Gemeinden der Pfalz in Landau (1947)
Artikel im
"Jüdischen Gemeindeblatt" 1947: "Rheinplatz: Vertreter einer Reihe
pfälzischer Kleingemeinden hatten sich am 30. November in der neu
errichteten Synagoge in Landau eingefunden, um kurze Tätigkeitsbericht
von Addi Bernd, Koblenz, Präsident des Landesverbandes jüdischer
Gemeinden in Rheinland-Pfalz, und Dr. E. G. Lowenthal, Field Director der
Jewish Relief Unit, entgegenzunehmen. An die Stelle der sonst üblichen
Referate trat eine Art Rundgespräch, das Gelegenheit bot, wesentliche
allgemein interessierende Fragen mannigfacher Art zu stellen und die
Stellungnahme des Referenten zu hören. Die Zusammenkunft stand unter der
Leitung von Hugo Alexander, Landau. Unter den Anwesenden befand sich auch
der französische Armeerabbiner Kalifa, dessen lebhaftes aktives Interesse
an dem Leben und Wohlergeben der über mehr als 10 pfälzische Städten
verstreuten Juden dankbar zu begrüßen ist."
|
Aus der Geschichte der Synagoge
Der genaue Standort der mittelalterlichen Synagoge
(1435 genannt) ist nicht bekannt (wahrscheinlich im Bereich der damaligen
Judengasse, die mit der heutigen Theaterstraße identisch sein
könnte.
Auch im 17. Jahrhundert gab es eine Synagoge (genannt 1684), der
vermutlich beim großen Stadtbrand von 1689 zerstört wurde.
Im 18. Jahrhundert wird 1742 in einem Ratsprotokoll der Stadt ein "Chanteur
à la Synagogue" genannt. Demnach gab es auch in dieser Zeit einen Betraum
beziehungsweise eine Synagoge.
1797 konnte die jüdische Gemeinde das Eckhaus Gymnasiumsstraße 1 / Ecke
Waffenstraße erwerben und zu einer Synagoge umbauen. In diesem Haus war von
1840 bis 1851 auch die jüdische Schule untergebracht. Über einzelne
Gottesdienste in dieser alten Synagoge liegen Berichte vor wie der Gottesdienst
zum 9. Aw im Jahr 1837:
Gottesdienst zum 9. Aw (Tag der Zerstörung des Tempels)
(1837)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober 1837: "Landau,
11. August (1837). Wer da weiß, wie der Festtag von Jerusalem sonst und
noch im vorigen Jahre begangen wurde, wie der Gottesdienst an ihm
allerdings nicht geeignet war, zu jener leisen Trauer zu stimmen, welche
die Aufgabe jedes Israeliten für diesen Tag ist, und wie er noch weniger
die Trauer selbst und ihre Veranlassung für Sittlichkeit und Religiosität
fruchtbar machen konnte, der wird unserem Herrn Rabbiner Grünebaum umso
mehr Dank wissen für die treffliche Anordnung, die er für diesen Tag
traf, und mit welcher er denselben in diesem Jahre zum ersten Male beging,
aber auch der Gemeinde, die, bis auf wenige, in der Synagoge war, wogegen
sich sonst an diesem Tage sehr viele entfernt hielten, die Gerechtigkeit
widerfahren lassen, eine treffliche, der ersten Trauer des Tages
angemessene Haltung keinen Augenblick auf den Augen gelassen zu haben.
Aber wer hätte auch nicht aus der Tiefste ergriffen werden müssen bei
der wahrhaft herzergreifenden Schilderung von Jerusalems Fall in der
Predigt des Herrn Rabbiners, und bei den Warnungen und Ermahnungen, die
daran geknüpft wurden? Wahrlich, uns musste so der Tag, wie es in der
Predigt hieß, nicht bloß ein Trauerdenkmal der Vergangenheit, sondern
auch ein Mahnungsmittel für die Zukunft werden. Wir sind überzeugt, dass
niemand gegenwärtig war, der ohne Rührung die Synagoge verließ,
niemand, der nicht völlig überzeugt wurde, dass in der neuen Ordnung
nicht das Geringste, selbst gegen die Anordnungen der nachtalmudischen
Rabbinen lag, und dass wahre Religiosität den schönsten Triumph in ihr
gefeiert habe. (N. Speyer. Zeit.) |
Rabbiner Grünebaum führt im Gottesdienst zahlreiche Reformen
durch, dazu gehörten die Einführung des Chorgesanges und der deutschen Sprache
in den Gebeten und Predigten:
Gottesdienstliche Reformen unter Rabbiner Grünebaum (1846)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 11. Januar 1846: "Miszellen.
Viel Rühmliches hört man von den gottesdienstlichen Verbesserungen in
dem Bezirke des Rabbiners Grünbaum in Landau; der Chorgesang ist längst
eingeführt, und die Versteigerung der Mizwot abgeschafft; aber auch an
die Abschaffung veralteter Gebete selbst, und an die Einführung des
deutschen Elementes ist man kürzlich gegangen, und zwar sollen die Alten
mit dieser neuen Einrichtung ebenso zufrieden gewesen sein, als die,
welche der entschiedensten neuen Richtung huldigen." |
Bereits 1847 bestand der Plan, im Bereit der
Schustergasse/Salzhausgasse eine neue Synagoge zu erbauen. Doch wurde
dieser Plan nicht verwirklicht, nachdem sich im Zusammenhang mit der
Stadterweiterung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neue Möglichkeiten
ergaben. 1879 wurde der jüdischen Gemeinde von der Stadt ein 25 ar großer
Grundstück im neuen Bauquadrat Kaiserstraße / Reiterstraße / Kriegstraße /
Kaiserring zur Verfügung gestellt. Auf diesem Grundstück wurde in der
Folgezeit eine der prächtigsten Synagogen der Pfalz erstellt. Die Pläne wurden von Bauinspektor Heinrich
Staudinger gezeichnet. Die Bauleitung hatte
Baumeister Ecker (Nussdorf) inne. Das Gebäude hatte eine Grundfläche von 390 m² und eine Höhe von 16 m.
Am 5. September 1884 wurde durch Bezirksrabbiner Dr. Elias Grünebaum
die Synagoge eingeweiht.
Anschlag auf die Synagoge (1884)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1884: "Landau, 8.
September (1884). Wir haben heute leider über einen Alt der
unglaublichsten Rohheit zu berichten. An der neuen Synagoge wurde heute
Nacht eine Scheibe der Rosette über dem Hauptportale eingeworfen und an
dem Triumphbogen vor der Synagoge die Tücher und die Inschriften
heruntergerissen und zerfetzt und erstere an der Ecke der Weißquartierstraße
in der Nähe der alten Reitschule verbrannt. Hoffen wir im Interesse des
guten Rufes unserer Stadt, dass es der Polizei gelingen möge, die Verüber
dieses abscheulichen Streiches zu ermitteln."
|
Vermutlich am 5. November 1938 wurde zum letzten Mal ein
Gottesdienst in der Synagoge abgehalten. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
von SA-Leuten niedergebrannt. Sie gossen am Abend des 9. November 1938 Benzin
über die Bänke in der Synagoge und zündeten das Gebäude an. Der Brand
schwelte mehrere Stunden lang; in den frühen Morgenstunden griff das Feuer auf
die Kuppeln über, die gegen Mittag einstürzten. Die ausgebrannte Ruine wurde
vom 12. bis 15. November durch die Technische Nothilfe gesprengt und beseitigt.
Im Oktober 1939 wurde das Grundstück auf die Stadt übertragen, die das
Gebäude wiederum am 11. März 1941 an zwei Kinobesitzer verkaufte. Das geplante
Kino wurde jedoch nie gebaut.
Nach 1945 wurde das Grundstück der Jüdischen Kultusgemeinde der
Rheinpfalz rückübertragen. Sie verkaufte es 1959 an die Bundesvermögensstelle,
die hier Wohnungen für französische Offiziere bauen ließ. Am 9. November
1968 wurde ein Bronze-Mahnmal zur Erinnerung an die Synagoge
aufgestellt.
Fotos
Historische Fotos
Historische Fotos
(Quellen: historische Karten aus der Sammlung Hahn; Innenaufnahme und Foto der
brennenden Synagoge aus der Publikation des Landesamtes s. Lit.)
Die alte Synagoge
bis 1883 |
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Zeichnung der
alten Synagoge (bis 1883). Die Zeichnung ist ausgestellt
im
Frank-Loebschen Haus |
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| Die neue, 1884 eingeweihte
Synagoge: |
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Blick entlang der
Reiterstraße mit der
Synagoge im Hintergrund |
Die Synagoge
von der Südseite |
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| Verschiedene
Postkartenansichten der ehemaligen Synagoge in Landau |
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Innenaufnahmen
der Synagoge |
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Blick zum Toraschrein |
Blick zur Empore mit der Orgel |
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Die brennende Synagoge
am
Morgen des 10. November 1938 |
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Rechts eine
Fotomontage: das Foto der brennenden Synagoge in Landau hinter
einem Foto
der Synagoge vor 1938: Titelbild des Buches: "...und dies ist die
Pforte
des Himmels". Synagogen - Rheinland-Pfalz -
Saarland (s.Lit.) |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.8.2004)
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Blick entlang der Reitergasse
(vgl. Postkartenansicht oben) |
Der Standort der ehemaligen
Synagoge
mit Denkmal |
Das Erinnerungsmal für die
1938
zerstörte Synagoge |
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Frank-Loebsches Haus - Museum und
Gedenkstätte zur Geschichte der
Juden in Landau und der Pfalz
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.8.2004) |
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Blick auf das Frank-Loebsche
Haus,
1983-87 umfassend renoviert |
Der Innenhof
des Gebäudes |
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| Gedenktafeln am
Eingang |
Zum Gedenken an die
zerstörten
Synagogen in Landau und der Pfalz |
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Aus der Synagoge in Essingen:
Säulenstümpfe des dortigen
Toraschreines |
Im Synagogenraum. Die
Ausstattung des
Raumes ist eine Stiftung des letzten
Landauer Rabbiners,
Dr. Kurt Metzger. |
Torarolle mit -mantel, Menora
und Ewiges Licht |
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Chanukkaleuchter
und
Schriftrolle |
Schofar (Widderhorn)
und
Gebetbuch |
Gedenkraum zur Erinnerung an
die
Deportation der pfälzischen Juden |
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Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| November 2010:
Gedenkfeier zur Erinnerung an den Novemberpogrom
1938 |
Artikel in den mrn-news.de vom November 2010 (Artikel):
"Landau - Gedenkveranstaltung Reichspogromnacht.
Landau / Metropolregion Rheinneckar – Die Synagoge in Landau wurde am 09. November 1938 durch Nationalsozialisten in Brand gesetzt. Doch nicht nur in Landau brannten in der Reichspogromnacht Synagogen, jüdische Wohn- und Geschäftshäuser. Im gesamten Deutschen Reich verbreiteten die SA und ihre Helfer Angst und Schrecken unter den jüdischen Mitbürgern.
Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer und mit ihm rund 100 weitere Menschen gedachten auch in diesem Jahr am ehemaligen Standort der jüdischen Synagoge in der Friedrich-Ebert-Straße wieder den Opfern des Nationalsozialsozialismus..."
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| November
2011: Gedenkveranstaltung und Verlegung
weiterer "Stolpersteine"
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Artikel in den mrn-news.de vom 3.
November 2011 (Artikel):
"Landau – Gedenkveranstaltung am 9. November zur Reichspogromnacht mit
'Stationenrundgang'
Landau / Metropolregion Rheinneckar – Die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht wird sich in diesem anders gestalten als in den Jahren zuvor. Den Opfern der Reichspogromnacht wird mit einem
'Stationenrundgang' gedacht, der von der Industriestraße über den Ostring und den Marienring zum Synagogenmahnmal in der Friedrich–Ebert–Straße führt. Treffpunkt ist am Mittwoch, dem 9. November um 17.00 Uhr, in der Industriestraße 13a (neben Firma Scharfé). Im Laufe des Tages werden in Landau insgesamt 18 neue Stolpersteine verlegt. So auch am Treffpunkt in der Industriestraße.
Anschließend geht es in Gedenken an die Reichspogromnacht auf einen 'Stationenrundgang”, der unter anderem zu Stolpersteinen im Nordring, Ostring und Marienring führen wird. An den Stationen wird auf die Biographien der Landauer Juden, die dort gelebt haben eingegangen.
Gegen 18.00 Uhr wird Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer am Synagogenmahnmal (Ecke Friedrich-Ebert-Straße /Reiterstraße) einen Kranz niederlegen." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 465f; III,1 S. 703-711. |
 | "Stätten jüdischen Lebens in Landau" (ausführliche und sehr
gut illustrierte Informationsseiten, online zugänglich): hier
anklicken |
 | Hans Heß: Die Landauer Judengemeinde. 1983. |
 | Verein der Freunde des Frank-Loebschen Hauses (Hg.): Kaufhausgasse
9 - Frank Loebsches Haus. Landau 1988. |
 | Bernhard Kukatzki: Das pfälzische Judentum. online zugänglich: hier
anklicken |
 | Hermann Arnold: Jüdisches Leben in der Stadt Landau und der
Südpfalz (1780-1933). Landau 2000. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 226-229 (mit weiteren Literaturangaben).
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Landau Palatinate. First mention of a
Jew dates from 1273 and a small Jewish community existed by 1292. The Jews
abandoned the town in the Black Death persecutions of 1348-49, returning in
1353. Their number war restricted to ten families in 1517. They engaged in
moneylending and traded in spices and and medicinal herbs. In 1541, the
city council required them to wear a yellow badge and in the following year
their trading rights were subject to severe restrictions. A synagogue was opened
in 1648 and a new one was built after it burned down in 1691. In the early 18th
century, Jews monopolized the salt, textile and wine trade, supplied nearby army
camps with food, and dealt in cattle and grain. Dr. Elias Gruenebaum became
regional rabbi in 1837 and served for 57 years, advocating both religious reform
and equal rights for Jews. A new and luxurious synagogue was consecrated in
1884. A private Jewish school was opened in 1837 but closed in 1869 when the
town's parochial schools were amalgamated. In 1864-67, two Jews served on the
municipal council. Simon Levi became community chairman in 1870, serving in the
Landrat and sitting on the municipal council from 1868 to 1900. Jews continued
to be elected to the municipal council until the Nazi era. The Jewish population
rose from 237 in 1810 to a peak of 821 (of a total 15.824) in 1900. In the 1890s
and through the Weimar period, over 60 % of the wine merchants in the city were
Jews.
In June 1933, about four months after the Nazi rise to power, there were 596
Jews in Landau. Already in March 1933, a Jewish state attorney was severely
beaten. Similar physical assaults became a recurring pattern in the following
years. In 1935, Jews were banned from using public facilities. In early 1938,
"Jews not Welcome Here" signs were hung in stores, banks, the post
office, and the train station. Gas stations were forbidden to serve Jews and the
Nazified municipality even considered banning Jews from obtaining heating
materials, gas, electricity, and water. On Kristallnacht (9-10 Novermber
1938), axe-wielding SA-troops destroyed Jewish homes and set the synagogue on
fire. Jewish men were sent to the Dachau concentration camp and women were
dispatched to Mannheim with their children. Between 1933 and late 1939, 226 Jews
left Landau for other German cities. Five were deported to Poland in October
1938 and 260 emigrated, including 115 to the United States. On 22 October 1940,
35 Jews were deported to the Gurs concentration camp. In all, at least 158 of
the Jewish inhabitants of Landau in 1933 were deported to Nazi concentration
camp.

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