|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"
zur Übersicht
"Synagogen im Donnersbergkreis"
Münchweiler an der Alsenz (VG
Winnweiler, Donnersbergkreis)
mit Neuhemsbach (VG Enkenbach-Alsenborn, Kreis Kaiserslautern)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Münchweiler bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. Bereits 1682 wird ein jüdischer Einwohner am Ort genannt, danach
wieder seit 1729.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1801 75 jüdische Einwohner (11,8 % der Gesamteinwohnerschaft), 1806
81 in 30 Familien, 1808 110, 1825 149 (18,4 %), 1834/35 178 (knapp 25 % der
Gesamteinwohnerschaft), 1845 151, 1848 158 in 31 Familien, 1867 113, 1875 84,
1895 31, 1900 35.
Zur jüdischen Gemeinde Münchweiler gehörten (ab wann?) auch die in Neuhemsbach
lebenden jüdischen Personen. Hier wurden gezählt: 1801 18 jüdische Einwohner
(4,9 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 23, 1825 34 (6,6 %).
1809/10 werden an jüdischen Haushaltsvorstehern in Münchweiler
genannt: Lazarus Adler (Trödler), Samuel Adler (Trödler) Abraham Donau
(Viehhändler), Samuel Isaac Ehrmann (Viehhändler), Isaac Felsenthal, Isaac
Jacob Felsenthal (Viehhändler), Alexandre Goldmann (Viehhändler), Anselm
Goldmann, Benjamin Goldmann (Landwirt), Jacob Rheinstein (Viehhändler), Levi
Rosenbaum (Getreidehändler), Levi Spießberger (Metzger), Lazarus Thal
(Trödler), Nathan Spießberger (Metzger). In Neuhemsbach werden genannt:
Emanuel Ehrenbach (Gebrauchwarenhändler), Nathan Fels (Händler), Simon Fels
(Händler), Isaac Neumond und Isaac Joseph Stahlbühl (Metzger).
Von 1827 bis 1834 war Münchweiler Rabbinatssitz. 1827 wurde für
Kaiserslautern und die Nordpfalz ein Rabbinatssprengel gegründet. Der erste
Rabbiner war Moses Cohen. Er residierte von 1827 bis 1934 in Münchweiler.
Danach wurde der Rabbinatssitz nach Kaiserslautern
verlegt.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(jüdische Elementarschule seit den 1830er-Jahren bis zu den 1870er-Jahren) und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Aus der 2.
Hälfte des 19. Jahrhunderts sind die Namen von Lehrer Ferdinand Ehrmann (um
1886/87) und von L. Röthler (um 1892) bekannt (siehe Anzeigen unten). Die Toten
der Gemeinde (sowohl aus Münchweiler wie aus Neuhemsbach) wurden auf dem
jüdischen Friedhof in Winnweiler beigesetzt. Die
Gemeinde gehörte (nach Verlegung des Rabbinatssitzes 1834 von Münchweiler nach
Kaiserslautern) zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern.
Um 1924, als zur Gemeinde noch 13 Personen gehörten (1,6 % von insgesamt
etwa 800 Einwohnern, dazu 13 Personen in Neuhemsbach), waren die
Gemeindevorsteher Jakob Weil, Alexander Wälder und David Beitmann. 1932
gehörten dem Vorstand an: Jacob Weil (12. Vors.), Alex Walch (2. Vor.), David
Beitmann (3. Vors.). Als Lehrer für den Religionsunterricht der Kinder kam
regelmäßig Lehrer Nathan Eschwege nach Münchweiler. Er hatte im Schuljahr
1931/32 3 Kinder am Ort zu unterrichten. An jüdischen Vereinen bestand der
"Jüdische Verein" (1932 unter Leitung der Frau von Alex Levy in
Winnweiler (Zweck und Arbeitsgebiet: Wohlfahrt). An Stiftungen bestand die
"Goldmann-Stiftung" (Vorsitzender August Landwirt (Zweck
Brautausstattung).
1933 lebten noch 13 jüdische Personen in vier Familien in
Münchweiler; in Neuhemsbach lebten 12 Gemeindeglieder. In
den folgenden Jahren sind fast alle auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1938 wurden noch zehn
jüdische Einwohner gezählt. Von ihnen konnten noch sechs emigrieren, zwei
verstarben am Ort, die beiden letzten wurden 1940 von Münchweiler aus in das KZ
Gurs in Südfrankreich deportiert.
Von den in Münchweiler geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig Sonnheim (1901),
Arno Wälder (1873), Isidor Wälder (1861), Leopold Wälder (1911), Fanny Weil
geb. Dochenbach (1869).
Aus Neuhemsbach kamen ums Leben: Berta (Bella, Bertel) Hedwig Cohn geb.
Sonnheim (1914), Gerti Elisabeth Holländer geb. Sonnheim (1900), Karoline Kern
geb. Sonnheim (1867), Helene Neumann geb. Sonnheim (1894), Elisabeth (Elise)
Schlachter geb. Sonnheim (1867), Arthur Sonnheim (1923), Babette Sonnheim
(1879), David Sonnheim (1885), Ferdinand Sonnheim (1887 oder 1897), Hermann
Sonnheim (1869), Josef Sonnheim (1864), Rudolf Sonnheim (1908), Hermine Zimmern
geb. Sonnheim (1908).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1883
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Oktober 1883:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und
Schächters in hiesiger Gemeinde ist erledigt und soll wieder besetzt
werden.
Bargehalt Mark 500.- Kasualien verschlagt zu Mark 100.-
Summe Mark 600.- nebst freier Wohnung.
Einem befähigten Manne stehen noch weitere Verdienste in Aussicht.
Lusttragende Bewerber werden um Vorlage ihrer Zeugnisse bis 1. November
dieses Jahres ersucht.
Münchweiler an der Alsenz, Pfalz, 19. September 1883. Der
Vorstand: Leo Felsenthal." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Spendenaufruf für verarmte Familie - unterzeichnet von Lehrer L. Röthler und
Kultusvorstand Leo Rosenthal (1892)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1892: "Aufruf!
Gestützt auf das Vertrauen, dass das Mitgefühl und der
Wohltätigkeitssinn bei unsern Glaubensbrüdern noch nicht erloschen, erlauben
wir uns mit folgender Bitte vertrauensvoll an Sie zu wenden.
Ein armer Familienvater, dem es trotz Fleiß und Mühe sehr schwer fällt,
für sich und die Seinigen das tägliche Brot zu erwerben, hatte dieser
Tage noch das schreckliche Unglück, dass ihm sein Anwesen nieder brannte.
Versicherung ist äußerst dürftig und Mittel zum Wiederaufbau nicht
vorhanden. Die Familie befindet sich nun ohne Verdienst und in äußerster
Not.
Wir bitten daher unsere Glaubensgenossen, um reichliche Einsendung von
Gaben, über die wir dankend quittieren werden.
Der Lehrer: L. Röthler. Der Kultusvorstand: Leo Felsenthal.
Münchweiler bei Langmeil (Pfalz)." |
Spendenaufruf für eine verarmte jüdische Familie - unterzeichnet von Lehrer
Ferdinand Ehrmann (1886)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1886: "Teure
Glaubensgenossen!
Obwohl Euer Wohltätigkeitssinn immer in Anspruch genommen ist, sehe ich
mich deshalb dennoch veranlasst, an Eure Mildtätigkeit zu appellieren,
mit dem Bewusststein, eine edle Tat zu vollbringen. In dem benachbarten R.
befindet sich eine Familie, welche dem größten Elende preisgegeben ist,
wenn nicht rasche Hilfe eintritt. Der Ernährer, ein Mann von 68 Jahre,
liegt schon einige Jahre an einer harten Krankheit darnieder; kein
Verdienst ist mehr vorhanden und die Not wird immer größer. Hier ist
sicher der Platz, sein Scherflein zur Linderung der Hartbedrängten bei
beizutragen. Gott gebe den Lohn für Eure Taten. Der Unterzeichnete
ist sehr gern bereit, milde Gaben in Empfang zu nehmen und der
betreffenden Familie zu übergeben.
Münchweiler bei Langmeil (Rheinpfalz), im Dezember 1886. Ferdinand
Ehrmann, Lehrer,
Dass vorstehender Aufruf auf Wahrheit beruht, bezeugt gern
Rockenhausen, 12. Dezember 1886. Das Bürgermeisteramt. In Vertretung: Ph.
Franzreb, Adjutant". |
Anzeige des Lehrers Ferdinand Ehrmann - Stellensuche für ein Mädchen
(1887)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1887:
"Ein junges, gebildetes Mädchen, 18 Jahre alt, aus sehr
anständiger Familie, sucht behuts weiterer Ausbildung Kondition bei einer
feinen Familie in einer größeren stadt, um sich dorten als Stützte der
Hausfrau nützlich zu machen und ihm auch Gelegenheit geboten wäre,
Unterricht in der englischen Sprache zu erhalten, um sich dann in feineren
Gesellschaften bewegen zu können.
Gefällige Offerten nimmt entgegen
Ferdinand Ehrmann, Lehrer. Münchweiler bei Langmeil
(Rheinpfalz)." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der
jüdischen Häuser vorhanden.
Vor 1806 erwarb die jüdische Gemeinde ein 2,35 ar großes Anwesen an der
Hauptstraße. Das hierauf befindliche stattliche Bauernhaus aus der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde für 4.000 bis 5.000 Gulden umgebaut. Außer
dem Betsaal wurden auch Räume für die Schule und die Rabbinerwohnung
untergebracht. Im Betsaal gab es 40 Plätze für Männer und 25 für
Frauen.
Bisweilen erfährt man von besonderen Ereignissen in der Geschichte der
Synagoge. Von einem patriotischen Gottesdienst, den Lehrer Ferdinand Ehrmann
hielt, und an dem auch "sehr viele Christen" teilnahmen, erfährt man
1891:
Gottesdienst aus Anlass des
Geburtstages des Prinzregenten von Bayern in der Synagoge (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1891: "Münchweiler,
bei Langmeil. Als Abonnent Ihrer geschätzten Zeitung lese ich oft von dem
Rischuß (Antisemitismus) gegen unsere Glaubensbrüder.
Heute kann ich Ihnen Gottlob das Gegenteil berichten: Am 12. März war der
Geburtstag des Prinzregenten von Bayern. Der hiesige Gemeinderat, welcher
die Festlichkeit arrangierte, lud den 1. Vorstand und Herrn Lehrer Ehrmann
zur Sitzung ein und wurde alles nach Angabe des Vorstandes, Herrn Felsenthal
veranstaltet. Am 12. März, morgens versammelte sich die ganze Gemeinde am
protestantischen Schulhause, wo die Aufstellung des Zuges stattfand.
Derselbe bewegte sich zur Synagoge, von wo aus die Protestanten zur Kirche
gingen. An dem Gottesdienste in der Synagoge nahmen sehr viele Christen
teil. Nach dem Einheben der Tora hielt Herr Lehrer Ehrmann eine
3/4-stündige wohl durchdachte Rede und nachdem noch Psalmen rezitiert
worden, endete die erhabene Feier. Auf Anregung des Herrn Lehrer Ehrmann
wurde noch ein Glückwunschtelegramm an den Prinzregenten abgeschickt.
Hier in unserer Gemeinde ist Gott sei Dank von Rischuß nichts zu
hören, und hoffen wir, dass der Allmächtige diesen günstigen Umstand
weiter so erhalte." |
Zur Synagoge gehörte im Gemeindeleben ein
1886 gegründeter Synagogenchorverein. Dieser gab alljährlich ein
Konzert mit anschließender Tanzunterhaltung.
Immer wieder waren Reparaturen am Synagogengebäude vorzunehmen. 1903/04 musste
auf Anordnung des Bezirksamtmanns der Anstrich erneuert und andere Mängel
behoben werden. 1910 wurden für 1.200 Mark größere Reparaturen
vorgenommen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von der örtlichen SA unter
Führung von Willi Dörr geschändet und überfallen. Im Beisein der tatenlos
zuschauenden Ortsbewohner wurden Ritualien und Gebetbücher auf die Straße
geworfen und verbrannt. Mit Mistgabeln stocherte der damalige Bürgermeister
Jakob Müller in den brennenden Gebetbüchern herum und hob sie in die Höhe,
damit sie besser Feuer fingen. Auf eine Niederbrennung des Gebäudes wurde
verzichtet, da die ehemalige Lehrerwohnung inzwischen von Nichtjuden bewohnte
war und durch die enge Bebauung auch Nachbarhäuser in Gefahr gekommen
wären.
Anfang 1939 wurde die Synagoge für 1.700 RM an die Ortsgemeinde
zwangsverkauft. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges waren im Gebäude
französische Kriegsgefangene untergebracht. 1950 erfolgte die Rückgabe
des Gebäudes an die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz, von der es 1953
für 9.000 DM wieder an die Ortsgemeinde verkauft wurde. 1958 zog das
Bürgermeisteramt in die ehemalige Synagoge. Dazu wurden Büroräume und
Wohnungen für den Gemeindediener und die Krankenschwester eingerichtet. 1990
kaufte ein Bäckermeister das Gebäude und baute es zu einem Wohn- und
Geschäftshaus um. 1993 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.
Adresse/Standort der Synagoge: Hauptstraße
3
Fotos
(Quelle: O.Weber s. Lit. S. 126)
| Die Synagoge in
Münchweiler |
 |
|
| |
Foto aus dem Jahr 2000 |
|
| |
|
|
|
|
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Jakob Schläfer: Die Juden in Münchweiler an der
Alsenz. In: Nordpfälzer Geschichtsblätter 39/1959 S. 337-339. |
 | Egon Busch: Die Münchweilerer Juden. In:
Nordpfälzer Geschichtsblätter 3/1970 S. 56-63. |
 | Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum
gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts. 1992. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 115-116. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 275-276 (mit weiteren Literaturangaben).
|

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|