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"Synagogen im Kreis Bad Dürkheim"
Grünstadt (Landkreis Bad
Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Grünstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis
1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals
genannt wird eine jüdische Person aus Grünstadt anlässlich ihrer Aufnahme im
fränkischen Leutershausen (Kreis Ansbach) im Jahr 1612:
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1842:
"In alten Akten findet sich aufgezeichnet: Ein Jud von Grünstadt in
der Grafschaft Leiningen hat seine Pflicht zum Bürgerreicht geleistet
Donnerstag den 26. August 1612. Ist der erste fremde Jud hier in
Leutershausen geweßt...." |
Am Ende des 17. Jahrhundert wird in einem Dokument von 1698 erstmals eine jüdische
Gemeinde in Grünstadt genannt, die der Mannheimer
Gemeinde nach dem Brand von 1689 eine größere Kollekte hatte zukommen lassen:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1891: "Worms.
Herr Dr. Mayer in Zweibrücken, welcher kürzlich unter dem Bücherschatze
des Herrn Moses Mannheimer dahier ein altes Pentateuch-Exemplar entdeckt,
gibt in einer Veröffentlichung in der Wormser Zeitung über den 'Brand
der Wormser Synagoge im Jahre 1689' Kunde von einem anderen interessante
Buche, welches er unter den Büchern desselben Herrn Mannheimer gefunden
hat. Es ist dies ein alten Kollektenbüchlein aus dem Jahre 1698. Es
finden sich darin die Spenden verzeichnet, welche die von der hiesigen
jüdischen Gemeinden ausgeschickten Sendboten bei den benachbarten und
entfernteren jüdischen Gemeinden eingezogen haben. Die Spenden waren
bestimmt für den Wiederaufbau der durch den Brand 1689 teilweise
zerstörten Synagoge und für die übrigen Gemeindegebäude, sowie auch
für die niedergebrannte Judengasse überhaupt. An der Spitze der
spendenden Gemeinden befindet sich die auch damals schon durch großartige
Wohltätigkeit sich auszeichnende jüdische Gemeinde in Frankfurt a.M.
Dieselbe zeichnete nämlich den für damalige Zeiten beträchtlichen
Zuschuss von 1600 Gulden. Von anderen Gemeinden seien erwähnt: Grünstadt,
Eisenberg, Kerzenheim, Göllheim, Homburg, Metz,
Neuwied und eine Reihe
anderer Gemeinden an der Mosel und am Rheine. An der Spitze der spendenden
bayerischen Gemeinden steht Fürth mit einem Beitrage von 300 Gulden in
einem Wechsel auf Frankfurt. |
Im 19. Jahrhundert bestand hier eine der größten jüdischen
Kleinstadtgemeinden im Gebiet der Pfalz. 1804 wurden 165 jüdische Einwohner
gezählt. 1848 waren es 85 jüdische Familien mit zusammen 473 Personen.
Danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück (1875 348, 1900 182,
1925 144 Personen). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.),
eine jüdische Konfessionsschule (bis 1869; danach bis 1910 eine
jüdisch-christliche Simultanschule s.u.), ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Stabsarzt Dr.
Julius Fey (geb. 3.3.1882 in Grünstadt, gef. 23.8.1916), Gefreiter Julius Reiß
(geb. 5.4.1897 in Albisheim, gef. 6.3.1919) und Berthold Schmidt (geb.
29.10.1891 in Grünstadt, gef. 20.5.1918). Außerdem ist gefallen: Larl Isaak
(geb. 23.1.1883 in Grünstadt, gef.
11.6.1917).
Um
1925 waren die Gemeindevorsteher die Herren Seligmann Bach, Isaak Reiß und
Heinrich Lion. Letzterer war zugleich als Lehrer, Kantor, Schochet und Rechner
tätig. Er erteilte an den öffentlichen Schulen 17 Kindern Religionsunterricht.
An jüdischen Vereinen bestanden der Israelitische
Armenunterstützungsverein (Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger,
Wanderfürsorge), der Wohltätigkeitsverein (Ziel: Unterstützung
Hilfsbedürftiger, Krankenpflege, Bestattung) und der Israelitische Frauenverein
(gegründet 1860, Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker,
Bestattung). Zwei Stiftungen gab es mit dem Ziel der Unterstützung
Hilfsbedürftiger: die David Löbsche Wohltätigkeitsstiftung und die Babette
Nahm geb. Neumann - Stiftung. Damals gehörten zur Grünstädter Gemeinde auch
die in Neuleiningen, Albsheim und Obersülzen lebenden jüdischen Einwohnern
(zusammen ca. 10 Personen). Um 1932 waren die Gemeindevorsteher Berthold Jacobi
(1. Vorsitzender), Seligmann Bach und Isidor Löb (2. und 3. Vorsitzender).
Lehrer und Kantor war weiterhin Heinrich Lion. Er wohnte im Haus Östlicher
Graben 21.
1933 lebten noch 123 jüdische Personen in Grünstadt. Von ihnen verzogen
auf Grund der zunehmenden Repressalien, der Entrechtung und der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts die meisten bis 1938 aus Grünstadt (im November 1938 noch 19 jüdische
Einwohner).
Von den in Grünstadt geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):
Adolf Adler (1866), Gina Adler (geb. ?), Hortense Adler geb. Blüm (1876), Jakob
Adler (1867), Seligmann Bach (1865), Caroline Cohn (1872), Helene Emma Eisenberg geb. Adler (1872),
Lina Erlangen geb. Kuhn (1869), Ludwig Freyberger (1880), Wilhelm Franz Josef
Goldschmidt (1914), Jenny Haas (1864), Josef Hanf (1863), Juliane (Julia, Julie)
Herrscher geb. Hanf (1867), Selma Hermann (1876), Emma Herz geb. Hanf (1861), Henriette Herzog geb. Freyberger
(1878), Rosa(lie) Hirschbrand (1867), Salli Hoffmann (1882), Gustav Isaak
(1881), Josef Isaac (1883), Theodor Kahnweiler (1873), Rebekka Kalter (1855), Paula Kehr geb.
Kohlmann (geb. ?), Alice Klein geb. Nahm (1883), Max(imilian) Kohlmann (1881),
Paulina Kohlmann (1899), Sophie Kohlmann (1909), Erich Leppel (1907), Johanna
Rosina (Rosa) Levy geb. Löwenstein (1882), Paula Levy geb. Weiß (1880), Berta Lion (1892), Heinrich
Lion (1879), Werner Simon Lion (1925), Erich Leppel (1907), Eduard Lippmann
(1904), Berthold Löb (1882), Johanna Löb (1870), Pauline Löb
(1866), Jakob Marx (1874), Johanna Mayer geb. Fey (1869), Elisabeth (Elise)
Merzbacher geb. Maas (1861), Emanuel Michel (1870), Emilie Michel (1869), Ernst
Nahm (1872), Hermann Nahm (1905), Luise Nahm (1900), Paul Nahm (1895), Rudolf
Naumann (1911), Sophie Naumann geb. Hirschbrand (1873),
Eva Rotschild geb. Löb (1890), Erna Salzer geb. Nahm (1895), Johanna Samuel
geb. Isaac (1883), Adolf Schmidt (1884), Bertha
Schmidt geb. Hanf (1859), Albert Seelenberger (1882), Martha Seelenberger geb. Lauchheimer
(1888), Ludwig Sinsheimer (1873), Salomon Stiefel (1879), Auguste Weiss (1863),
Emma Weiss geb. Strauss (1879), Leopold Weiss (1872), Siegmund Weiss (1870), Emilie Wels
geb. Gardé (1869), Ida Wolf geb. Gardé (1872), Rosa Wollmann (1846!).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus
der Geschichte der jüdischen Lehrer, Vorbeter und der Schule
Über
den
Kantor und Lehrer Isaak Fränkel (gest. 1878, zuvor über 50 Jahre im Dienst der
Israelitischen Gemeinde in Grünstadt)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1878 zum Tod von Isaak Fränkel:
: "Grünstadt (bayerische Pfalz), 24. Dezember (1878). Erlauben Sie,
Ihnen den Heimgang eines seltenen Biedermannes, eines isch anaw wechassid anzuzeigen, dessen langjährige Tätigkeit,
sowie dessen Tugenden Ihnen nicht unbekannt gewesen sein dürften. Es ist der
Kantor der israelitischen Gemeinde dahier, Herr Isaak Fränkel, der
ununterbrochen über ein halbes Jahrhundert seinen heiligen Beruf mit
unaussprechlicher Pflichttreue, mit der aufrichtigsten Frömmigkeit hierselbst
ausübte und der am 20. dieses Monats im 74. Lebensjahre sanft entschlafen ist.
Ich vermag nicht, Ihnen heute ein vollständiges Bild seines biederen Strebens
zu entfalten und beschränke mich darauf, einige
Skizzen des am darauf folgenden
Freitagvormittag 10 Uhr stattgehabten hesped
(Trauerfeier) wiederzugeben. Der Bezirksrabbiner Herr Dr. Salvendi
ordnete an, dass dasselbe in der Synagoge abgehalten werde, was die
Heiligkeit dieses Aktes wesentlich erhöhte. Der Herr Rabbiner hielt dem teuren
Hingeschiedenen eine Gedächtnisrede, wie sie brillanter und ergreifender nicht
gedacht werden kann; er erschütterte alle Zuhörer und hat für seine
herrlichen und herzlichen Worte die Hinterbliebenen zu aufrichtigem Danke
verpflichtet. Herr Dr. Salvendi entwickelte in wahrheitsgetreuer Weise die
vielseitige Tätigkeit Fränkels und seine Verdienste, wie Letzterer mit allen
Fasern seines Herzens seinem heiligen Berufe ergeben war und deshalb bei seinem
Vortrage alle Zuhörer zur Andacht stimmte und gleichsam elektrisierte; wie er
ein edler Mensch nach allen Richtungen war; wie er bei Kranken stets der Erste
und der Letzte war; wie der danach strebte, Toten, die schweren Liebesdienste zu
erweisen; wie er gegen Jedermann liebreich, gefällig, bescheiden und hilfreich
war; wie er über seine Kräfte ein baal
zedaka (Mann der Wohltätigkeit) war; wie er dieses Alles war und ausübte
in Folge seines lew tow (guten
Herzens), was Raw Elieser bekanntlich
als das Beste am Menschen erkannte, und wie deshalb der Verlust Fränkels ein
unersetzlicher sein und bleiben werde. Herr Dr. Salvendi schloss seine Rede
damit: dass die Gemeinde Grünstadt in dem Verblichenen den Vater verloren habe,
der alle Glieder gleichsam an seiner Hand aufwachsen sah und dass deshalb die
Gemeinde demselben zu großem Dank verpflichtet sei. ‚Wie und in welcher Form
Sie diesen Dank bestätigen wollen,’ so spricht der Redner, ‚das überlasse
ich den Edelsten unter Ihnen; allein geschehen muss noch etwas. Ich würde es
als das Schönste erachten, wenn Sie eine ‚Fränkel-Stiftung’ ins Leben
rufen, was Sie ehren und zum segnenden Andenken an den Heimgegangenen für ewige
Zeiten bleiben würde.’ – Gewiss eine sehr edle achtungswerte Anregung; ob
sie aber auf fruchtbaren Boden gefallen, das zu konstatieren müssen wir der
Zukunft überlassen; indessen wollen wir das Beste hoffen.
Seine Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens. P.S."
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Der jüdische Lehrer J. Strauß bedankt sich öffentlich
beim Bürgermeister für eine Gehaltserhöhung (1860)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 18. Dezember
1860: "Grünstadt, im November 1860. Danksagung. Auf Antrag des Herrn
Bürgermeisters hat der verehrliche Stadtrat bei der Gelegenheit, als er
in der Sitzung vom 22. November die Lehrerbesoldungen der hiesigen
christlichen deutschen Lehrer erhöhte, auch den Gehalt des israelitischen
deutschen Lehrers mit einer jährlichen ständigen Zulage von 50 Gulden
aufgebessert, welcher Akt der Toleranz und Humanität umso mehr meinen
wärmsten Danke verdient, da die hiesige Stadt keine Revenüen hat, im
Gegenteil mit Umlagen jedes Jahr so belastet ist, wie wenige der Pfalz,
und da die Kasse der politischen Gemeinde von der der Israeliten
konfessionell geschieden ist. Ich glaube es der guten Sache, der
Humanität und dem Judentum schuldig zu sein, wenn ich veranlasse, dass
Sie in Ihr viel gelesenes Blatt die Nachricht von dieser schönen
Handlung, welche die edlen Geber sowohl, als den Empfänger ehrt,
aufnehmen, damit auch in weiteren Kreisen bekannt wird, dass der hiesige
Stadtrat aus Männern besteht, welche den Geist der Zeit erkennen und ihre
toleranten Gesinnungen und allgemeine Bruderliebe in so schöner und
erfreulicher Weise entfaltet haben. J. Strauß, israelitischer deutscher
Lehrer." |
Die
Einrichtung einer jüdisch-christlichen Simultanschule 1870 und Probleme bei der
Neubesetzung der israelitischen Lehrerstelle 1875
Besondere Erwähnung verdient die christlich-jüdische
Simultanschule in Grünstadt, die seit 1870 bestand. Der Unterricht wurde
gemeinsam von einem jüdischen und christlichen Lehrern erteilt. 1875 kam
es bei der anstehenden Neubesetzung der jüdischen Lehrerstelle allerdings zu
Schwierigkeiten mit den bayerischen Schulbehörden, denen sich der Grünstadter
Stadtrat erfolgreich widersetzte. Die Stelle konnte neu ausgeschrieben und
schließlich mit Benjamin Freudenthal besetzt werden, der danach 35 Jahre
an der Schule unterrichten sollte (s.u. bei Persönlichkeiten). Über die
Schwierigkeiten 1875 berichten nachstehende Presseartikel:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1875:
"Aus der Pfalz, 3. April (1875). Den Anforderungen der Neuzeit
entsprechend, wurde in Grünstadt durch Entschließung der königlichen
Regierung der Pfalz vom Januar 1870 die Umwandlung der konfessionellen
Schulen in konfessionell-gemischte genehmigt. Die seinerzeit an den
Schulen tätig gewesenen Lehrer, worunter auch der jüdische, teilten sich
den Unterricht; dem jüdischen Lehrer wurde die zweite Mädchen-Klasse
zugeteilt, und außerdem hatte derselbe den jüdischen Schülern den
Religions-Unterricht zu erteilen. Dieser Lehrer starb im Jahr 1874, und an
dessen Stelle wurde von Seiten der städtischen Verwaltung ein anderer
jüdischer Lehrer in Vorschlag gebracht, dessen Annahme jedoch von der
Regierung verweigert wurde, weil nach einer allerhöchsten Verordnung vom
Jahr 1873 israelitische Lehrer bei den konfessionell-gemischten Schulen
nicht mehr zu Anstellung gelangen können. Vergebens beruft sich der
Stadtrat von Grünstadt auf die bei Errichtung der gemischten Schule
veranstaltete Abstimmung, bei welcher auch die dortigen Israelitischen
ihre Zustimmung gegeben und welche durch die königliche Regierung
genehmigt wurde, mithin nach der bayerischen Verfassungs-Urkunde nicht
durch ein späteres Reskript vom Jahr 1873 umgestoßen werden könne. Er
wurde mit seinem Rekurs bis zum Staatsrat abgewiesen und sieht sich so
genötigt, seine Beschwerde vor die Kammer der Abgeordneten zu bringen.
Das erfreuliche Beispiel von Loyalität des Grünstadter Stadtrats
verdient öffentliche Anerkennung, indes die Verordnung vom Jahre 1873,
welche die jüdischen Lehrer von den Kommunal-Schulen ausschließt, in
keiner Weise mit den humanitären Bestrebungen der Neuzeit in Einklang zu
bringen sein dürfte."
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1875:
"Aus der Pfalz, 14. April (1875). Aus München kommt die Nachricht,
dass eine Entschließung des Kultusministeriums ergangen ist, wonach eine
Klasse der Kommunal-Schule in Grünstadt mit einem israelitischen Lehrer
besetzt werden darf. Das ist's, was der Grünstädter Stadtrat gewollt
hatte, und damit ist - trotz der vorangegangenen Abweisung seiner
Beschwerde durch alle Instanzen - eben zugegeben, dass er doch Recht
hatte, als er die Ansicht aufstellte, dass die Verordnung vom 29. August
1873 auf eine Schule, welche vor derselben schon bestand, nicht anwendbar
sei. Die pfälzischen Abgeordneten G. Müller und Dr. Groß hatten die
Sache beim Ministerium betrieben, und wir irren wohl nicht, wenn wir
annehmen, dass dasselbe, um der ihm unangenehmen Erörterung in der Kammer
auszuweichen, schließlich sich herbeiließ, das Verlangen der
Grünstadter zu erfüllen.
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Mai 1875:
"Aus der bayerischen Pfalz, im Mai (1875). Für das gewerbereiche und
konfessionell sehr gemischte Grünstadt in der Pfalz hat sich das Kultusministerium
in München doch endlich herbeilassen müssen, die Anstellung eines israelitischen
Lehrers an der dortigen Kommunalschule zu genehmigen, aber freilich mit
der Bemerkung: 'Ausnahmsweise und ohne jede Konsequenz für andere
Fälle'. Wie wenig jedoch diese Klausel die pfälzische Bevölkerung vor
weiteren Konsequenzen abschrecken wird, lässt sich aus der Kritik
entnehmen, der man diese ministerielle Verfügung öffentlich unterwirft.
Konnte Herr von Lutz durch Landtagsmitglieder zu dieser Konfession
genötigt werden, werden sich bei neuen Veranlassungen auch noch andere
erwirken lassen. Die halben Maßregeln und unklaren Zustände geben
fortwährend zu neuen Agitationen Anlass.
Das hier besprochene Reskript des bayerischen Kultusministers ist vom 11.
April datiert und lautet wie folgt: 'Aus Anlass einer neuerlich an die
Kammer der Abgeordneten gerichteten und von dort an das unterfertigte
königliche Staatsministerium gelangten Vorstellung des Gemeinderats von
Gründstadt im bezeichneten Betreff wird in Anbetracht der dort
bestehenden Verhältnisse und namentlich in Berücksichtigung des
Umstandes, dass die Errichtung der Kommunalschule in Grünstadt schon vor
der allerhöchsten Verordnung vom 29. August 1873 auf Grund des Ministerial-Erlasses
vom 27. März 1869 erfolgte und wesentlich nur durch Auflösung der dort
bestandenen Judenschule und die Übernahme des israelitischen Lehrers zur
neuen Kommunalschule zustande kam, ausnahmsweise und ohne jede Konsequenz
für andere Fälle gestattet, dass die durch den Tod dieses israelitischen
Lehrers erledigte Lehrerstelle der 1. Klasse der genannten Kommunalschule
wieder mit einem Israelitischen, der die vorschriftsmäßigen
Vorbedingungen für die Anstellung im Volksschullehrerfach erfüllt hat,
besetzt werde.'
Wir können hieraus nur den Schluss ziehen, dass die jüdischen Gemeinden,
bevor sie ihre 'Judenschule', wie es dem bayerischen Kultusministerium zu
sagen beliebt, aufgeben und in eine Kommunalschule willigen, sich
vorsehen, um die gerechte Bedingung festzustellen, dass auch jüdische
Lehrer angestellt werden. "
|
Ende
Mai 1875 konnte die Schulstelle an der Simultanstelle gemeinsam vom
Bürgermeisteramt und dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde neu
ausgeschrieben werden - Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" vom 8. Juni 1875: "Schuldienst-Erledigung. Die
erledigte I. Klasse der hiesigen Kommunalschule soll mit einem Lehrer
israelitischer Religion wieder besetzt werden. Der Jahresgehalt beträgt
550 Gulden bar aus der Stadtkasse und bei gehöriger Qualifikation kann
demselben auch noch die Erteilung des Religionsunterrichtes an der Latein-
und höheren Töchterschule in Aussicht gestellt werden. Lusttragende
Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse innerhalb 3 Wochen
melden.
Grünstadt (Pfalz), den 31. Mai 1875. Das Bürgermeisteramt. Wm. Sellsam."
Mit Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung der Bürgermeisteramts
Grünstadt werden dem anzustellenden Lehrer aus der israelitischen
Gemeindekasse an Kasualien jährlich 80 Gulden zugesichert, und außerdem
kann derselbe für Erteilung des Unterrichts in der hebräischen Sprache
etc. noch einen sehr bedeutenden Nebenverdienst machen.
Grünstadt, den 31. Mai 1875. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde.
Simon Loeb. Josef Schwab III". |
Über den
Lehrer Benjamin Freudenthal (1875-1910 – 35 Jahre - Lehrer und Kantor in Grünstadt):
Artikel aus der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 27. September 1900: "Grünstadt, 14. September (1900): Gestern
feierte Herr Lehrer Benjamin Freudenthal dahier das 25jährige Jubiläum seines
Wirkens in hiesiger Stadt. Aus diesem Anlasse brachte dem Jubilar Herr Bürgermeister
Krieger persönlich die herzlichsten Glückwünsche seitens der Stadtverwaltung
dar, wie auch die jetzigen Schüler und Schülerinnen ihrem hochgeschätzten
Lehrer durch Überreichung zweiter prächtiger Leuchter ihrer dankbaren
Gesinnung Ausdruck verliehen. Gestern Abend folgte alsdann eine mehr allgemeine
Feier in Form eines Souvers mit darauf folgendem Banquet, an welchem etwa 60
Personen, unter denen sich auch Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Salvendi sowie
verschiedene der hiesigen Herren Lehrer befanden, teilnahmen. Bald nach Beginn
des Mahles, bei welchem eine sechs Mann starke Kapelle konzertierte, hielt der
Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Gustav Seelenberger, eine
Ansprache, in der er den Jubilar und dessen Familie herzlich begrüßte, und
alsdann zunächst die Glückwünsche der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde
darbrachte. In seinen weiteren Ausführungen gedachte Redner dann namentlich des
ersprießlichen Wirkens und der hohen Verdienste des Jubilars als Lehrer in
hiesiger Stadt, deren Würdigung in dem zahlreichen besuche der heutigen
Veranstaltung ihren Ausdruck finde, und überreichte als Zeichen des Dankes und
der Wertschätzung seitens der hiesigen israelitischen Gemeinde dem Jubilar
einen prächtigen silbernen Tafelaufsatz, worauf Redner seine Worte in ein
begeistert aufgenommenes Hoch auf den Gefeierten ausklingen ließ. Sodann
sprachen noch Herr Bezirksrabbiner Dr. Salvendi aus Dürkheim, der in
gehaltvoller Rede die Verdienste des Jubilars hervorhob, ferner Herr Lehrer Laux,
Herr Kaufmann Berg und darauf der Jubilar, welcher in tiefbewegten Worten seinem
Danke Ausdruck gab, hierbei des 13. September 1875 gedenkend, als des Tages, an
dem er Redwitz (in Oberfranken), den Ort seiner früheren Wirksamkeit verließ,
und die hiesige Stelle antrat; der Gefeierte besprach die seitdem
dahingeflossene Zeit, schilderte das innige Verhältnis, welches ihn stets mit
den Gliedern der hiesigen Kultusgemeinde verband, und gedachte hierbei
insbesondere auch des verstorbenen Vorstandes der Gemeinde, des Herrn Simon
Nahm; hieran knüpfend hob Redner zugleich lobend die Verdienste des neuen
Vorstandes, Herrn Seelenberger, dahier, sowie die tolerante Gesinnung unserer
Stadt hervor, die, wie der heutige Abend beweise, auch Andersgläubige zu ehren
wisse, in einer Zeit, wo die Unduldsamkeit so sehr hervortrete. Zum Schlusse
dankte der Jubilar für die ihm gewordenen Ehrungen, sowie allen Denen, die dazu
beitrugen, die Feier zu einer schönen und erhebenden zu gestalten. Reicher
Beifall folgte diesen Worten. Hierauf sprach auch der zweitälteste Sohn des
Jubilars, Herr Kaufmann Eugen Freudental, im Namen seiner Eltern und Geschwister
seinen Dank aus. An die Tafel reihte sich um halb zwölf noch das Banquet,
worauf später der jüngere Teil der Gesellschaft in animiertester Stimmung noch
bis gegen Morgen dem heiteren Tanze huldigte."
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Ausschreibung
der Stelle des Vorbeters und Schochet 1884
Anmerkung: da die Gemeinde einen Elementarlehrer eingestellt hatte, wurde
separat die Stelle des Vorbeters und Schochet ausgeschrieben:
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1884:
"Ausschreiben. Die Kantor- und Schächterstelle in hiesiger Gemeinde
soll anderweitig besetzt werden. Das Einkommen derselben besteht a. aus
einem Bargehalt von 500.- Mark. b. aus einer Kasual-Entschädigung von
50.- Mark. c. aus den Erträgnissen der Schechitah von mindestens
1.200 Mark. Der Anzustellende muss musikalische gebildet und
Reichsangehöriger sein. Mit Zeugnissen belegte Bewerbungsgesuche wollen
alsbald anher eingereicht werden. Grünstadt (Rheinpfalz), 2. November
1884. Der Synagogen-Vorstand. Simon Nahm." |
Dank an Hauptlehrer Freudenthal von Seiten der Stadtverwaltung
(1910)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Juni 1910:
"Grünstadt. Eine Abordnung der Stadtverwaltung sprach bei
Hauptlehrer Freudenthal vor, um ihm anlässlich seines Rücktrittes vom
Amte namens der Stadt den Dank für seine langjährige segensreiche
Tätigkeit an der Volksschule zum Ausdruck zu
bringen." |
Zum Tod des Hauptlehrers Benjamin Freudenthal (gest. 1910 - 35 Jahre
Lehrer an der Schule in Grünstadt)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Dezember
1910: "Grünstadt, 22. Dezember (1910). Wie von Ihnen bereits
mitgeteilt, verstarb zu Frankfurt am Main, wohin er erst vor wenigen Tagen
übergesiedelt war, Herr Hauptlehrer Benjamin Freudenthal, der 35 Jahre an
der hiesigen Simultanschule als Lehrer gewirkt hatte. Er hat sich seines
wohlverdienten Ruhestandes, in den er erst im Mai nach 46jähriger
Amtstätigkeit eingetreten war, nicht lange erfreuen dürften; erst 67
Jahre alt hat ihn ein schweres, langwieriges Leiden hinweggerafft. Dank
seines vornehmen Charakters, seiner bewundernswerten Gewissenhaftigkeit
und seiner Tüchtigkeit auf allen Gebieten genoss er die ungeteilte
Hochachtung seiner Kollegen wie aller, die ihn kannten. Um die hiesigen
Kultusgemeinde, deren langjähriger Sekretär und eigentlicher Führer er
war, hat er sich die größten Verdienste erworben. Auch sein
öffentliches Wirken verschaffte ihm die weitgehendste Anerkennung; noch
kurz vor seinem Tode ließ ihm die Stadtverwaltung die Mitteilung zugehen,
dass sie ihm zum Dank für seine langjährige segensreiche Tätigkeit für
Lebenszeit einen Ehrensold bewilligt habe. Alle Verehrung, die der
Verstorbene genossen, kam an seinem Grabe noch einmal in ergreifender
Weise zum Ausdruck. Zahlreiche Kollegen und Freunde gaben ihm das letzte
Geleite. Abordnungen der hiesigen Lehrerschaft und des
Bezirkslehrervereins Dürkheim-Grünstadt, der Stadtverwaltung und der
Kultusgemeinde nahmen an der Beisetzung teil; auch die Kultusgemeinde
Nürnberg, woselbst der älteste Sohn als Distrikts- und Stadtrabbiner
amtiert, hatte eine Deputation entsandt. Herr Rabbiner Dr. Seligmann aus
Frankfurt hielt die erhebende Trauerrede. Nach ihm widmete Herr
Hauptlehrer Thomas von hier im Namen der Stadt, der Schulen und der
Lehrerschaft dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf. Hierauf
sprach in ergreifenden Worten im Namen des Bezirkslehrervereins und des
Lehrerkränzchens Herr Lehrer Keller aus Kirchheim, und gab dem
allgemeinen Schmerz über das allzu frühe Ableben des allseits verehrten
Kollegen einen erschütternden Ausdruck; Herr Hauptlehrer Freudenthal war
einer der letzten israelitischen Lehrer, die in Bayern an Simultanschulen
wirkten. Eine Zierde seines Standes, wird sein Andenken in allen Kreisen
stets in Ehren bleiben." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
100. Geburtstag von Witwe Zerline Brandt (1890)
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember
1890: "Grünstadt (Pfalz), 13. Dezember (1890). Im vorigen
Monat feierte hier Frau Witwe Zerline Brandt ihren hundertsten
Geburtstag." |
Über
Stadtrat Simon Nahm -
25jähriges Jubiläum als Mitglied / Vorsitzender des
Synagogenausschusses 1893 sowie sein Tod 1899
Artikel
zu der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. November
1893: "Grünstadt, 9. November (1893). Eine Feier besonderer Art,
eben so selten wie ehrend, hatte die israelitische Gemeinde dahier
Gelegenheit, heute zu begehen. Mit dem heutigen Tage sind es nämlich
volle 25 Jahre, dass Herr Stadtrat Simon Nahm dem Synagogenausschusse
dahier teils als Mitglied, teils als dessen Vorsitzender angehört. Von
einer öffentlichen festlichen Begehung des heutigen Tages hatte man
Abstand genommen, dagegen überreichten die Synagogen-Ausschussmitglieder
dem Herrn Jubilar, der während eines Vierteljahrhunderts sich das Vertrauen,
die Liebe und Achtung aller seiner Mitbürger ohne Unterschied der
Konfession zu erwerben und zu erhalten verstanden hat, in der Wohnung des
Gefeierten Namens der Kultusgemeinde, um deren Gefühlen der Dankbarkeit
und Hochachtung auch einen äußeren Ausdruck zu geben eine Adresse in
einer sehr hübsch gearbeiteten Mappe aus blauem Samt mit silbernen Beschlägen
und einem Mittelstück, das die Initialen des Gefeierten trägt mit den
beiden Jahreszahlen 1868 - 1893." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1893:
"Grünstadt, 14. November (1893). Herr Simon Nahm feierte vor einigen
Tagen sein 25jähriges Jubiläum als Vorstand der hiesigen israelitischen
Kultusgemeinde. Aus diesem Anlasse wurde ihn von den
Synagogen-Ausschussmitgliedern ein Gedenkblatt gewidmet, welches in
künstlerischer typographischer Ausführung in Gold und Farbendruck
hergestellt ist und von den Ausschussmitgliedern in der Wohnung des
Jubilars mit einer Ansprache überreicht wurde." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. März 1899:
"Grünstadt, 10. März (1899). Einer der angesehensten Bürger
unserer Stadt, Herr Simon Nahm, ist am 2.dieses Monats im Alter von 69
Jahren infolge eines schweren Unterleibsleidens aus dem Leben geschieden.
Was der Verblichene für die hiesige israelitische Kultusgemeinde, der er
als Synagogenvorstand schon seit dem Jahre 1877 vorstand, gewesen, bringen
die vielfachen Nachrufe der Vorstandschaft der israelitischen Gemeinde zum
Ausdruck. Aber auch im weiteren bürgerlichen Gemeinwesen unserer Stadt
war er ein eifrig tätiges Glied, indem ihn das Vertrauen seiner
Mitbürger schon im Jahre 1875 in den Stadtrat berief, in welchem er
seitdem an allen äußeren und inneren Angelegenheiten unserer
Stadtgemeinden den ersprießlichsten Anteil nahm, und in welchem ihm, wie
auch in den weiteren kreisen der Bürgerschaften, sicher noch auf lange
Zeit ein treues Andenken bewahrt werden wird. Das Leichenbegängnis, das
vorigen Sonntag stattfand, und dem sich sämtliche Mitglieder des
Stadtrats - an deren Spitze der Bürgermeister - anschlossen, gestaltete
sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. In beredten Worten gab
Bezirksrabbiner Dr. Salvendi - Dürkheim der Trauer der Familie und der
jüdischen Gemeinde tief empfunden Ausdruck, während Lehrer Freudenthal
hier dem langjährigen Präsidenten der israelitischen
Wohltätigkeitsanstalten und treuen Freunde warme Worte der Anerkennung
und des Dankes weihte. Sein Andenken wird ein gesegnetes
bleiben!" |
Zum Tod von Sara Nahm geb. Goldschmidt (1903)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Oktober
1903: "Grünstadt. Hier starb Frau Sara Nahm geb. Goldschmidt,
eine in weitesten Kreisen angesehene Frau. Die Beerdigung fand Freitag vor
8 Tagen statt und gab Herr Distriktsrabbiner Dr. Salvendi, Dürkheim,
in warmen Worten den schmerzlichen Gefühlen unserer Gemeinde über den
Heimgang dieser Frau Ausdruck." |
Zum Tod von Fabrikant Gustav Seelenberger
(1908)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. September
1908: "Grünstadt in der Pfalz. Im Alter von 63 Jahren
verschied Fabrikant Gustav Seelenberger, der als Stadtrat und
Synagogenvorstand fungierte." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Julius Löb (1898)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: "Gesucht
für 1. Oktober nächsthin ein israelitisches Mädchen für eine
kleine Familie; dasselbe muss dem Haushalt vorstehen können und schon in
Stellung gewesen sein. Offerten beliebe man zu richten an
Julius Löb, Grünstadt, Pfalz." |
Anzeige von Frau Is. Jacobi Witwe (1901)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November
1901:
"Suche für meinen kleinen Haushalt ein tüchtiges
Mädchen,
welches kochen kann und alle Hausarbeit verrichtet, gegen hohen Lohn per
1. Januar 1902.
Frau Is. Jacobi Witwe,
Grünstadt, Pfalz." |
Anzeigen von Frau G. Seelenberger (1904 / 1908 / 1922)
Anmerkung: vermutlich die Frau von Fabrikant Gustav Seelenberger
s.o.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1904:
"Suche per sofort ein tüchtiges
Fräulein aus guter Familie, das sich allen häuslichen Arbeiten
unterzieht.
Gefällige Offerten an
Frau G. Seelenberger, Grünstadt
(Pfalz)." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1908:
"Tüchtiges
Fräulein
zur Führung meines Haushalts per sofort gesucht.
Gefällige ausführliche Offerten mit Gehaltsansprüchen erbeten an
Frau G. Seelenberger Grünstadt (Rheinpfalz)." |
| |
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Januar 1922:
"Stütze,
die auch leichte Krankenpflege versteht, zu
älterer Dame in gutem Hause gesucht. Gefällige ausführliche Offerten
erbeten an
Frau G. Seelenberger, Grünstadt
(Rheinpfalz)." |
Das Schuhwarenhaus S. Lauchheimer sucht einen
Schuhmacher (1911) sowie Anzeige der Witwe Ida Lauchheimer
(1918)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. August
1911: "!! Schuhmacher !!.
Tüchtiger junger Schuhmacher, der selbständig arbeiten kann, für meine
Reparaturwerkstatt sofort gesucht.
S. Lauchheimer, Schuhwarenhaus, Grünstadt,
Rheinpfalz." |
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Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26.
Mai 1918: "Zu meiner Entlastung suche per sofort durchaus
tüchtiges zuverlässiges Mädchen gesetzten Alters, die perfekt
kochen und Haushalt zu führen versteht. Eventuell kann sich dieselbe auch
etwas im Geschäft betätigen. Offerten mit Bild, Ia Zeugnissen und
Gehaltsansprüchen an Frau Ida Lauchheimer, Witwe, Schuhwarenhaus,
Grünstadt, Pfalz." |
Zur Geschichte des Betsaales
/ der Synagoge
Zunächst war ein Betsaal vorhanden.
1741 kaufte die jüdische Gemeinde ein
Haus auf dem Grundstück Östlicher Graben 19. Auf ihm wurde 1749-57 eine Synagoge
erbaut. Das Gebäude wurde bis zum 20. Jahrhundert mehrfach renoviert. Der
Charakter als spätbarocker Synagogenbau blieb erhalten. Bis heute ist eine mit
Stuckrosetten verzierte hölzerne Flachtonne des Betsaales zu sehen. Im Laufe
des 19. Jahrhunderts wurde die Synagoge mehrfach renoviert und den
Bedürfnissen der Zeit angepasst. Unter anderem wurde 1879 das Gas zur
Einrichtung einer neuen Beleuchtung eingeführt, weswegen die früheren Leuchter
günstig abgegeben werden konnten:
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1879: "In
Folge Gaseinrichtung in der hiesigen Synagoge sollen verschiedene außer
Gebrauch gesetzte Beleuchtungsgegenstände, als: ein doppelbesteckbarer
Kronleuchter aus Glas - noch sehr gut erhalten -, ein und mehrarmige
Leuchter, Kampen etc. etc. dem Verkaufe unterstellt werden.
Reflektierende wollen sich wenden an den Synagogen-Vorstand zu Grünstadt
Simon Kahn". |
In
den 1890er-Jahren plante die Gemeinde den Bau einer neuen Synagoge. Auf
Grund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten konnte der Plan jedoch nicht
umgesetzt werden. So beschloss man eine umfassende Innenrenovierung, die im Sommer
1899 durchgeführt wurde. Im Februar 1900 konnte mit einer Einweihung der
letzten Ritualien die Renovierung abgeschlossen werden.
Darüber berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" in ihrer Ausgabe
vom 8. März 1900:
"Grünstadt, 1.
März (1900). Der verflossene Sabbat Paraschat
Schekalim (gemeint: 23./24. Februar 1900) war für die hiesige
Gemeinde in Wirklichkeit ein ‚guter Schabbos;’ denn an ihm wurde der letzte
Schmuck eingeweiht, womit die Renovierung unseres Gotteshauses zum würdigen
Abschluss gebracht wurde. Schon vor Jahren trug man sich mit dem Gedanken, dem
Dienste Gottes auch hier eine neue Stätte zu widmen. Nur die Rücksicht auf die
unerschwinglichen Opfer, die hieraus für unsere nicht besonders wohlhabende
Gemeinde erwachsen wären, ließen diese löbliche Absicht nicht zustande
kommen. Unsere Gemeinde musste sich damit begnügen, eine innere Verschönerung
unseres alten Gotteshauses im vorigen Sommer ausführen zu lassen, die übrigens
mit verhältnismäßig geringen Kosten doch zweckentsprechend und anmutend für
jeden Besucher ausgefallen ist. Zu Ehren der Anwesenheit unseres Herrn
Bezirksrabbiners Dr. Salvendi-Dürkheim wurden nun am letzten Sabbat die aus dem
Goldstickereigeschäfte J. Bloch in Straßburg hervorgegangenen Synagogengewänder,
Paroches (Vorhand am Toraschrein) und Schulchandecke (Decke auf dem Vorlesepult), zum ersten male dem
Beschauer entfaltet. Anknüpfend an dieses freudige Ereignis für unsere
Gemeinde, führte unser allverehrter Bezirksrabbiner ungefähr Folgendes aus: Es
war mir, als ich gestern Abend diese heilige Stätte betrat, eine besonders
freudige Wahrnehmung, dieselbe zeitgemäß erneuert und in einem schönen und
ansprechenden Äußern hergerichtet zu finden. Meine Freunde erhöhte sich noch,
als ich vor dem hochheiligen Toraschrein den strahlenden Vorhang erblickte, der
zum ersten male Ihr Gotteshaus schmückt und durch die Pracht seiner Ausführung
einen herrlichen Zierrat dieser geweihten Stätte bildet. So schon, Herz und
Auge erfreuend aber auch dieser kostbare Vorhand ist, das hinter ihm Verborgene,
die gottgeoffenbarte Urkunde der Tora nämlich, überrage ihn an innerem Werte
so ungemein hoch, wie der Himmel hoch über der Erde. Unsere Kinder mit ihrem
Wissen reich zu schmücken, bildet eine unserer ersten und heiligsten jüdischen
Pflichten. Und was die so schön renovierte Andachtsstätte anbetrifft – den
schönsten Schmuck des Gotteshauses bildet der regelmäßige und zahlreiche
Besuch desselben seitens der Gemeindemitglieder. Diesen Schmuck verleihen Sie
auch Ihrem Gotteshause, für dessen würdige Erneuerung Sie bedeutende
materielle Opfer gebracht, wenn diese keine vergeblich gebrachten sein sollen! Möge
es Ihnen Allen vergönnt sein, noch Jahrzehnte lang von dieser heiligen Stätte
aus Ihre Gebete nach Oben senden zu können und an den gottgeheiligten Festtagen
des Jahres des Anblickes dieses herrlichen Vorhanges sich erfreuen zu dürfen.
Diese herrlichen Worte fanden einen mächtigen Widerhall in den Herzen unserer
zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder und reihen wir denselben hier noch
unsern innigen Dank all’ jenen Wohltätern und Spendern an, die zu dem Zustandekommen des so herrlich schönen Werkes ihre mildtätige Hand geöffnet
haben. Wir können aber auch nicht umhin, der oben genannten Firma hier öffentlich
unser wärmstes Lob auszusprechen für die mit so vieler Sorgfalt und seltenem
Kunstverständnisse ausgeführten Arbeiten".
|
Zur Gestaltung des Gottesdienstes
liegt aus dem Jahr 1838 ein Bericht vor, wonach nach dem Vorbild der
Synagogengottesdienste in Kirchheimbolanden
Reformen durchgeführt wurden, die insbesondere die Einführung des
Chorgesanges in der Synagoge mit sich brachte:
Aus
einem längeren Artikel über die gottesdienstlichen Verhältnisse in der
Pfalz in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 4. Oktober
1838: "Diesem Manne, Herrn Leo Levy, dem die Pfälzer Israeliten
schon so viel verdanken, ist es, unterstützt von dem ebenso tätigen als
kenntnisreichen Lehrer J. Sulzbacher, gelungen, den Gottesdienst in der
neu und würdig erbauten Synagoge zu Kirchheimbolanden
auf eine Weise zu ordnen, welche dieselbe zum Muster für den ganzen Kreis
gemacht. Choral-Gesang ist Grundzug des Gottesdienstes, über welchen im
Ganzen ich Ihnen nächstens als Augenzeuge berichten zu können hoffe.
Nachdem die Gemeinden Neuleiningen
und Grünstadt (Bezirk Frankenthal, Rabbiner A. Merz) durch eigene
Abgeordnete von der Trefflichkeit des zu Kirchheimbolanden organisierten
Gottesdienstes sich überzeugt, wurde derselbe in Neuleiningen durch die
Bemühungen des Herrn Kaufmann, unterstützt von dem Privaten Herrn
Schwarz /einem vielseitig gebildeten, früheren Rabbinatskandidaten, jetzt
Associé einer Weinhandlung) - und in Grünstadt, wo sogar ein
Rabbine alten Schlags seinen Sitz hat, freilich nicht ohne Widerstreben,
durch Herrn Levy und Lehrer Heß eingeführt...." |
Zu besonderen Gottesdiensten in der Synagoge in
Grünstadt erschienen immer wieder Berichte in überregionalen jüdischen
Zeitschriften, u.a.:
Artikel
zum Gottesdienst in der Synagoge
Grünstadt zum 200jährigen
Bestehen des Gymnasiums (Progymnasiums) in Grünstadt aus der Bayrischen
Gemeindezeitung vom 15. August 1929: "Grünstadt. Am Sonntag, dem 14. Juli 1929,
fand anlässlich der 200jährigen Jubelfeier des hiesigen Progymnasiums auch in
unserer Synagoge ein Festgottesdienst statt, zu dem viele ehemalige Schüler aus
nah und fern erschienen waren. Oberrabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg),
gleichfalls ein Schüler der Anstalt, hielt die Festansprache."
|
Artikel
zur Einweihung der Gedenktafel für
die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in der Synagoge Grünstadt aus der
Bayerischen Gemeindezeitung vom 20. Oktober 1927: "Grünstadt. Am
Vorabend des Neujahrsfestes wurde um 6 Uhr in der Synagoge vor der vollzählig
versammelten Gemeinde die Weihe einer Gedenktafel für die Gefallenen der
hiesigen Gemeinde vorgenommen. Die Feier wurde eingeleitet durch das ergreifende
Lied ‚Sei still’, gesungen von Fräulein Fürsorgeschwester Idelberger. Herr
Berthold Jacobi als 1. Vorstand, in der er die Einigkeit unseres Volkes
gedachte. Begeistert zogen die tapferen Helden hinaus, um das bedrohte Vaterland
zu schützen, ohne Unterschied des Bekenntnisses hielten sie dem feindlichen
Geschosshagel stand. Drei Frontkämpfer kehrten nicht mehr zurück, ihre Namen
sind Berthold Schmitt, Julius Reiß und Dr. Julius Frey. Mit dem Gelöbnis, die
Gedenktafel allezeit in Ehren zu halten, enthüllte sie der 1. Vorstand und übernahm
sie für die Gemeinde. Nach einem Harmoniumvortrag ‚Ich hatt' einen
Kameraden’ des Herrn Oberlehrers Tremel hielt Herr Lehrer Lion die
Weihepredigt. Ein Lieb ‚Gebet’ von Fräulein Idelberger beschloss die würdige
und erhebende Feier."
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Bis 1938
diente die Synagoge als religiöses Zentrum der jüdischen Gemeinde.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung völlig zerstört, das
Harmonium von der Galerie geworfen; die Akten und Torarollen wurden auf dem
Luitpoldplatz verbrannt. Im Mai 1939 verkaufte der Kreiswirtschaftsberater das
Grundstück für 2.000 RM. Danach wurde das bisherige jüdische Gotteshaus als
Lagerraum zweckentfremdet. Die Fenster wurden teilweise zugemauert. In den
1970er-Jahren sollte das Gebäude abgebrochen werden, doch wurde der Beschluss
nicht umgesetzt. Das Gebäude wurde 1979-81 zu einem Geschäftshaus umgebaut. Im
Erdgeschoss wurde durch den Einbau von Arkaden in die Bausubstanz eingegriffen.
1986 wurden Fassade und Gewölbe unter Denkmalschutz gestellt. Am 10. November
1988 erfolgte die Anbringung einer Gedenktafel.
Adresse/Standort der Synagoge: Östlicher Graben 19
Fotos / Darstellungen:
| Historische Aufnahmen |
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Fassade der geschändeten
Synagoge
(November 1938) |
Das Gebäude nach dem Umbau
zum
Lagergebäude (1950er-Jahre?) |
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| Das Gebäude im Herbst 2005 |
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| Die Gedenktafel von 1988 |
Blick auf die
ehemalige Synagoge |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 60. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 133ff (mit weiteren Literaturangaben).
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Gruenstadt
Palatinate. Jews are mentioned in the mid- and late 16th century. In the 19th
century, the community became one of the largest in the Palatinate, reaching a
peak population of 473 (85 families) in 1848, two-thirds of them engaged in
trade. A synagogue was consecrated in 1764. Liberal tendencies began making
inroads in the 19th century. A new synagogue was completed in 1921. A Jewish
school was opened in the mid-18th century and attended by 64 children in 1834.
Among the communities attached to Gruenstadt were Sausenheim, Neuleiningen,
Obrigheim, Albsheim and Obersuelzen. The Jewish population was fairly prosperous
and active in locale life, with a Jew heading the volunteer fire department in
1910-15 and others serving continously on the municipal council in the 1910-33
period. Jews ran a number of large businesses (grain and flour, shoes). In
January 1933, 123 Jews remained (about 2 % of the total). persecutions commenced
immediately under the Nazis, who received 42 % of the local vote in the March
1933 Reichstag elections. Extensive "Aryanization" of Jewish
businesses and property commenced in 1936. On Kristallnacht (9-10
November 1938), the synagogue was vandalized and Jews were sent to the Dachau
concentration camp. Eighty Jews emigrated in the Nazi period, including 43 to
the U.S.; 21 moved to other German cities; and 16 perished in the camps.

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