In Arnstein lebten Juden bereits im Mittelalter.
Die Stadt wird in einem Memorbuch genannt neben Lohr und
Heidingsfeld als Ort
eines Pogroms 1298 durch die Banden des "Ritters Rindfleisch".
Erst in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts hört man wieder von Juden in der
Stadt. Der Würzburger Bischof Gerhard von Schwarzburg war bei vier Juden,
darunter einem aus Arnstein verschuldet. 1388 beglich der fränkische
Städtebund diese Schulden.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 16.
Jahrhunderts zurück. Während des Dreißigjährigen Krieges konnten sich
offenbar wieder einzelne Juden hier niederlassen, die möglicherweise aus
Landgemeinden in die Stadt geflohen waren (1633/34). 1675 werden vier jüdische
Familien in der Stadt genannt. 1699 bestand die kleine jüdische Gemeinde aus 35
Personen. 1740 waren es sieben jüdische Haushaltungen. Um 1800 gab es im
damaligen Amt Arnstein nur in Arnstein selbst jüdische Einwohner. Die
jüdischen Familien wohnten zunächst alle im Bereich der früheren
"Judengasse" (heute Goldgasse), die entlang der Stadtmauer vom
Bettendorfer zum Siegersdorfer Tor verläuft.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1803 75 jüdische Einwohner in 17 Familien, 1813 79, 1814 81 jüdische
Einwohner (6,2 % von insgesamt 1.302), 1819 zusammen 14 Familien, 1871 70
(4,4 % von 1.597), 1900 57 (3,3 % von 1.745), 1910 47 (2,8 % von
1.695). Die
jüdischen Familien lebten bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts fast
ausschließlich vom Handel mit Waren und Vieh (siehe nachstehende Angaben von
1817).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Arnstein auf 20
Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuen
Familiennamen und Erwerbszweig): Haium Aron Frank (Wein- und Viehhandel), Löw
Aron Frank (Wein- und Viehhandel), Mattel Aron Frank (Wein- und Viehhandel),
Sara Aron Frank (Leibgeding), Herz Faust Philipps (Viehhandel), Hona Faust
Philipps (Schlachten), Mattel Faust Philipps (Warenhandel), Männlein Faust
Neumann (Viehhandel), Moises Faust Freudenberger (Kleinkrämerei), Michel Faust
Stein (Kleinkrämerei), Haium Jossel Herrmann (Warenhandel), Raphael Jossel
Strauß (Maklerei), Edel Jossel Leicht (lebt von Unterstützung), Abraham Kusel
Heßlein (Privatunterricht), Blumlein Samuel Neuberger (Kapitalist), Haim Samuel
Neuberger (Viehhandel), Joseph Samuel Neuberger (Viehhandel), Joseph Haium
Samuel Neuberger (Vieh- und Warenhandel), Marcus Frank (Wein- und Pferdehandel),
Hirsch Philipps (Feldbau, ab 1825).
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts
eröffneten einige jüdische Familien / Gewerbetreibende Handlungen / Läden und andere Gewerbebetriebe in der
Stadt (siehe unten stehende Anzeigen jüdischer Geschäfte am Ende des
19. Jahrhunderts).
An Einrichtungen der jüdischen Gemeinde waren in der ehemaligen
"Judengasse" eine Synagoge (s.u.), ein jüdisches Schulhaus mit einer Religionsschule und einem
rituellen Bad vorhanden. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Schwanfeld,
Laudenbach und Euerbach
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Religionslehrer angestellt, der teilweise zugleich als Vorbeter und Schächter
tätig war. Als Lehrer werden genannt ein Lehrer Gattmann (bis 1885), danach der
hoch angesehene Gelehrte Emanuel Oppenheimer (1885 bis 1909, siehe Nachruf
unten).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Otto
Schloß (geb. 30.6.1879 in Schwanfeld, gef. 26.11.1916) und Nathan Siegel (geb.
26.3.1889 in Arnstein, gef. 24.4.1915).
Um 1924 wurden 35 jüdische Einwohner in Arnstein gezählt (1,8 % von
1.950 Einwohnern). Die Vorsteher der Gemeinde waren Salomon Bauer und Adolf
Neuberger. Religionsunterricht erteilte den damals noch sechs schulpflichtigen
jüdischen Kindern Hermann Holländer (unklar, ob er eine Lehrerausbildung hatte
oder ehrenamtlich den Unterricht erteilte; gestorben im Mai 1925, siehe Bericht
unten). Die Gemeinde gehörte zum
Distriktsrabbinat Schweinfurt. 1932 waren die Gemeindevorsteher Salomon
Bauer und Adolf Neuberger. Vorsitzender der Repräsentanz war Salomon Bauer (zum
Tod seiner Frau Berta geb. Bamberger siehe Bericht unten von 1930). An
jüdischen Vereinen bestanden: Die Chewrah Kadischa (Bestattungs-
und Wohltätigkeitsverein, u.a. zur Unterstützung älterer durchreisender
Leute, 1932 acht Mitglieder unter dem Vorsitz von Salomon Bauer) und der
Wohltätigkeitsverein Chewroth (gleichfalls unter Leitung von Salomon
Bauer; Zweck der des Vereins: Unterstützung, Lehrvorträge). 1932 wurden noch
drei schulpflichtige jüdische Kinder gezählt.
1933 wurden noch 29 jüdische Einwohner gezählt, 1935 durch Zuzug
32. Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen
Boykotts verzogen bis Ende Juli 1938 25 der jüdischen Einwohner von
Arnstein in andere Orte (Frankfurt, Haßfurt, Kitzingen) oder wanderten aus. 1935
emigrierten drei jüdische Personen nach Palästina, wenig später fünf in die
USA. 1937 wurde der jüdische Arzt Dr. Ludwig Veilchenblau verhaftet und 1939 zu
einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Seine Spur verliert sich im
Gefängnis Ludwigsburg. Im April 1938 wurde
die jüdische Gemeinde offiziell für aufgelöst erklärt. Unmittelbar nach
den Ausschreitungen beim Novemberpogrom 1938 verzogen die letzten beiden
jüdischen Einwohner nach Frankfurt, sodass am 11. November 1938 keine jüdische
Person mehr in Arnstein lebte.
Von den in Arnstein geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berta Aron geb. Freudenberger (1880), Paula
(Bella) Bermann
geb. Siegel (1890), Rosalie Dominski geb. Wolff (1886), Julius Freudenberger (1885), Main
(Hain) Friede (1879), Karolina
(Lena) Heymann geb. Neuberger (oder Neumann?, 1875), Rita Holländer (1913), Rosa Holländer
geb. Reich (1878), Selma (Jenny) Hutzler geb. Siegel (1886), Erna (Esther) Neuberger
(1920), Felix Neuberger (1877),
Isabella (Sabella, Bella) Regensteiner geb. Freudenberger (1881), Ida Schloss (1913), Johanna
Schloss geb. Phillips (1878), Martha Schulmann geb. Veilchenblau (1893), Siegfried Siegel
(1883), Arthur Stein (geb. ?),
Fanny Stein geb. Samuel (1876), Frieda Stein (geb. ?), Herbert Siegfried Stein
(1935), Ruth Lina Stein (1933),
Simon Stein (1872), Werner Ludwig Stein (1932), Toni (Melanie) Strauss geb. Siegel (1891), Ludwig
Veilchenblau (1892).
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Im Haus des Lehrers Oppenheimer wuchs der spätere Landauer Kantor und Lehrer Willy Steinem
auf (Bericht zu seinem 60. Geburtstag 1928)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni
1928: "60. Geburtstag. Unser langjähriges, treu bewährtes
Vereinsmitglied, Herr Oberkantor und Lehrer Willy Steinem in Landau
(Pfalz), feierte am 18. Mai seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass
wurden ihm seitens seiner dankbaren Gemeinde und anderer Korporationen
wohlverdiente Ehrungen zuteil. Ist er doch nicht nur ein tüchtiger
Schulmann, sondern, mit prächtigem Bariton ausgestattet, auch ein
anerkannter Künstler auf dem Gebiete des synagogalen Gesanges. Steinems
Wiege stand in Merchingen (Baden).
Früh verwaist, wurde er im Hause des Lehrers Oppenheimer in Arnstein
(Unterfranken) erzogen, besuchte dortselbst die Präparandenschule,
sodann das staatliche Schullehrerseminar in Würzburg. Nachdem er einige
Jahre in Kirn an der Nahe und Wiesbaden amtierte, wurde er an die
Kultusgemeinde Landau berufen, woselbst er nun über 3 Jahrzehnte
segensreich wirkt. Weit über den Kreis seiner Amtstätigkeit hinaus ist
er in allen Schichten der Bevölkerung als charaktervoller Mann geachtet
und geehrt, ob seines sonnigen Gemüts und unverwüstlichen Humors,
besonders von seinen Kollegen geschätzt und geliebt. A.St. –
U."
Zum Tod von Emanuel Oppenheimer (1909) Anmerkung: Oppenheimer war von 1885 bis 1909 hoch anerkannter
Lehrer und Gelehrter in Arnstein und Umgebung.
Zu
seinem Tod im April 1909 erschien der folgende Artikel in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 29. April 1909: "Arnstein (18. April (1909).
Unsere Gemeinde hat einen schweren unersetzlichen Verlust erlitten und mit ihr
die Gesamtheit, wenn anders das talmudische Wort zutrifft: 'Chacham schämet
hakol kerobaw' 'Wenn ein Weiser stirbt, so sind alle seine Verwandten.'
Unmittelbar nach dem Pessachfeste verstarb unerwartet unser allverehrter und
geliebter Lehrer, Herr Emanuel Oppenheimer - das Gedenken an den
Gerechten ist zum Segen -. 38 Jahre hat er in unserer Mitte geweilt und fast
24 Jahre das Amt des Lehrers und Baal Korea (Vorbeter) verwaltet. Als
echter Talmid Chacham (Gelehrter), als der er sich zu Füßen des Rabbi
Hirsch Berliner -seligen Angedenkens -, in dessen Hause er wohnte,
weiterhin des Rabbi Jona Rosenbaum - seligen Angedenkens - in Zell, des
Rabbiners Samson Raphael Hirsch - seligen Angedenkens - in Frankfurt,
endlich des Rabbi Seligmann Baer Bamberger - seligen Angedenkens - in
Würzburg,
dessen Lieblingsschüler er gewesen war, herangebildet hatte, betrachtete
Emanuel Oppenheimer das Studium der Tora als seine Omanut (Berufung)
in echt talmudischem Sinn; er widmete sich unausgesetzt Tag und Nacht mit
begeistertem Eifer dem Lernen. Und sein Lernen war rein lischma (sc. um
seiner selbst willen, also ohne Selbstzweck). Er zog von den Lehrstätten, die er viele Jahre in eifrigem Studium
frequentiert hatte, als Kaufmann in unser Städtchen ein; erst 14 Jahre später
übernahm er, nach dem Tod unseres Lehrers Gattmann, die Stelle des
Religionslehrers, in der er wahrhaft Ersprießliches leistete, seine Schutzbefohlenen
zu echter Gottesfurcht erzog. Für unsere ganze Umgegend wirkte er mit
Zustimmung der zuständigen Rabbiner als Lehrer (hier gemeint: als
rabbinische Autorität) und wurde bei Verhinderung unseres Herrn
Distriktrabbiners Dr. Stein in Schweinfurt von demselben stets als sein
Stellvertreter im Unterricht (hier gemeint: rabbinische Unterweisung)
aufgestellt. Als ein echter Talmid chacham (Gelehrter) war der
Verblichene ein echter Baal Middot (gemeint: ein Mann mit gutem Benehmen
im gläubigen Sinn), wie man selten ihn zu beobachten Gelegenheit hat.
Ein Zadik (Gerechter) in wahrem Sinne des Wortes, ja mehr noch ein Chassid
(Frommer) von einer derart ängstlichen Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung der
Mizwot (Gebote), dass man auf ihn das Wort anwesenden kann: Aschrei adam
mefached tamid Wohl dem Mann, der immer in (Gottes)furcht
lebt.
Er war ein Talmid chacham (Gelehrter) vom alten Schlage, wie man sie leider
heutzutage bei uns in Deutschland selten mehr antrifft. Unterstützt durch seine
ausgezeichnete, vortreffliche Gattin schuf er sein Haus zu einem Tempel der Barmherzigkeit,
auch dadurch im Sinne der Gottesfurcht wirkend, dass er gesetzestreuen
Reisenden selbstlos gern Verpflegung gewährte.
Wir sehr man ihn nicht nur in unserer Gemeinde, sondern in der ganzen Umgegend
geschätzt und verehrt hat, davon legt seine Beerdigung, die in Schwanfeld
erfolgte, ein laut sprechendes Zeugnis ab. Der langjährige Nachbarkollege und
Freund Herr Eschwege sprach im Hause des Verstorbenen in Arnstein, auf dem
Friedhof zu Schwanfeld Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein, der auf Grund des
Wortes 'Wenn ein Weiser stirbt, so sind alle seine Verwandten' ein Lebensbild
des Verblichenen entwarf und seinen Charakter schilderte, ganz besonders aber
auf den Verlust der Gesamtheit hinwies, die nicht mehr rein an echten Talmidei
Chachamim (Gelehrten) sei.
Der Kultusvorstand Herr Veilchenblau sprach dem Verblichenen den Dank der
Gemeinde aus, für sein segensreiches, hingebungsvolles Wirken und Herr Kantor
Steinem aus Landau, ein Verwandter und von dem Verstorbenen erzogener Jatom
(Waise), entrichtete in warmen Worten den Zoll kindlicher Dankbarkeit und Liebe.
Wir rufen aus: [es folgt ein aramäisches Zitat aus dem Talmud, übersetzt:
"Schade um die, die verloren gehen und nicht gefunden werden", gemeint:
"solche Menschen wie den Verstorbenen findet man nicht oft"] und sind überzeugt, dass die Saat, die der Verblichene
ausgestreut hat, noch auf Geschlechter nachwirken wird."
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1925: "Arnstein
(Unterfranken), 3. Mai (1925). Am Schabbat Koddesch, dem 1. Ijjar (25.
April 1925) wurde die kleine jüdische Gemeinde Arnstein in tiefe Trauer
versetzt. Erst 48jährig verschied Hermann Holländer, ein Jehudi,
wie sie in den bayrischen Gemeinden leider immer seltener werden. Sein
echte ... (? hebräischer Begriff unklar), seine peinliche
Pflichterfüllung gegen Gott und die Menschen, seine Liebe zur Gebots-Tat,
das waren Charakterzüge seines von Natur aus frommen Wesens. So recht
konnte man den guten Namen hören und erkennen an der Beisetzung,
an der sich der größte Teil des Städtchens beteiligte. Am Trauerhause
entwarf Herr Hauptlehrer Freudenberger -Thüngen
ein Lebensbild des Verblichenen, seine Verdienste um die jüdische
Gemeinde und die politische Gemeinde würdigend. Im Namen der Familie
nahm Lehrer Reich - Frankfurt am Main in einer Trauerrede Abschied,
und auf dem Friedhof in Schwanfeld
gab Herr Rabbiner Dr. Stein - Schweinfurt dem allgemeinen Schmerze
Ausdruck, der der Heimgang dieses Gottesdieners, der auch lange
Jahre als Schächter und Fleischbeschauer der jüdischen
Gemeinde wirkte, bedeutet. Möge Gott den Hinterbliebenen Trost
senden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens."
Zum Tod von Berta Bauer geb. Bamberger (1930)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
10. Juli 1930: "Arnstein in Unterfranken, 27. Juni
(1930). Unsere kleine Gemeinde hat diese Woche einen empfindlichen
Verlust erlitten. Frau Berta Bauer geb. Bamberger, Gattin des 1.
Kultusvorstandes hier; verschied am Dienstag früh nach kurzer schwerer
Krankheit. Wer die Verblichene in ihrem Wirken als Gattin und Mutter und
nicht zuletzt als jüdische Hausfrau kannte, wird verstehen, dass der
Verlust ein schier unersetzlicher ist. Vor der äußerst zahlreich
erschienenen Trauerversammlung, in die sich auch eine Anzahl
Andersgläubiger mischte, gab Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt,
auf dem Friedhof Laudenbach in
bewegten, herzlichen Worten dem Schmerze der Erschienenen Ausdruck, in
denen er die vorbildlichen jüdischen Eigenschaften der Verblichenen
zeichnete.
Möge der Allgütige den gebeugten Gatten und die trauernden Kinder in
ihrem Schmerze aufrichten! Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens."
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1890:
"Für
meine Metzgerei suche ich per sofort einen kräftigen Gesellen und einen
kräftigen Lehrjungen. Samstag geschlossen.
Gerson Wolf, Metzgermeister,
Arnstein (Unterfranken)."
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1898:
"Suche für mein Metzgergeschäft einen starken Lehrling, oder einen
aus der Lehre kommenden Jungen b. 1. Oktober.
Gerson Wolff, Metzger, Arnstein, Unterfranken".
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 28. Mai 1903:
"Suche per sofort für meine Metzgerei einen
tüchtigen Gesellen.
Gerson Wolff, Metzger, Arnstein,
Unterfranken."
Anzeigen des Tuch-, Manufaktur- und Modewaren-, Herren und
Damenkonfektionsgeschäfts G. Veilchenblau (1891 / 1900 / 1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1891: "Für mein an
Samstag und Feiertagen geschlossenes Tuch-, Manufaktur- und Modewaren-,
Herren- und Damenkonfektionsgeschäft suche per sofort einen Lehrling.
Kost und Logis im Hause. G. Veilchenblau, Arnstein (Bayern)."
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1900: "Suche
für mein Manufakturwaren- und Maschinengeschäft, Samstags und Feiertage
geschlossen einen Commis respektive Detailreisenden für
eingeführte Touren. Kost und Wohnung im Haus. G. Veilchenblau, Arnstein, Bayern."
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1901: "Suche
per 1. September für mein am Samstag und an israelitischen Feiertagen
geschlossenes Manufaktur- und Maschinengeschäft einen Commis,
welcher eingeführte Touren zu übernehmen hat. Derselbe muss 25 Jahre alt
sein und hat freie Station im Haus.
G. Veilchenblau, Arnstein, Bayern."
Anzeige des Kolonial-, Kurz- und Schuhwarengeschäftes von Simon
Neuburger (1892)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. April 1892: "Lehrlings-Gesuch. Für mein an Samstag und
Feiertagen geschlossenes Kolonial-, Kurz- und Schuhwaren-Geschäft suche
einen Lehrling mit Vorkenntnissen unter günstigen Bedingungen. Simon
Neuburger, Arnstein (Unterfranken)."
Lehrlingssuche des Manufaktur-, Kurz- und Schuhwarengeschäftes Jos. Friede
Nachf. (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1901: "Lehrling.
Suche für mein Manufaktur-, Kurz- und Schuhwarengeschäft per sofort
einen Lehrling mit guter Schulbildung aus guter Familie. Samstags
und Feiertage geschlossen.
Jos. Friede Nachfolger, Arnstein, Unterfranken."
Lehrlingssuchen des Manufaktur-, Kurz- und Schuhwarengeschäftes Salomon Bauer (1905
/ 1911)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. März
1905: "Lehrling für mein Manufaktur-, Kurz- und
Schuhwarengeschäft per 1. Mai gesucht. Samstag geschlossen. Sal. Bauer, Arnstein."
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. April 1911:
"Lehrling oder Volontär. Für mein Manufaktur-, Kurz- und
Schuhwarengeschäft, Samstag und Feiertage geschlossen, suche für Ostern
einen Lehrling oder Volontär. Station im Hause.
Sal. Bauer, Arnstein, Unterfranken".
Das
Geschäft von Salomon Bauer
in der oberen Marktstraße von Arnstein (Karte aus der Sammlung von
Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Die
Karte (rechts Ausschnittvergrößerung) wurde - nach der auf der
Rückseite verwendeten
Briefmarke - 1932 verwendet (aber ohne Poststempel und Datierung).
Auf der Karte ist die
obere Marktstraße in Arnstein zu sehen - links das Geschäft von
Salomon Bauer.
Salomon Bauer nahm in den Jahren vor der NS-Zeit eine wichtige Stellung in
der jüdischen Gemeinde ein (als Gemeindevorsteher, Vorsitzender der
Chewra Kadischa, s.o.)
Verlobungsanzeige von Laura Bauer und Herbert Holzinger
(1930)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1930: "Gott
sei gepriesen.
Laura Bauer - Herbert Holzinger. Verlobte. Arnstein/Ufr. - Nürnberg / Feuchtwangen."
Eine Synagoge wurde 1819 im klassizistischen Stil
erbaut. Sie wurde 1869, 1905 (im Jugendstil) und 1934 renoviert. Bei
der letzten Renovierung 1934 wurde von Lehrer Lothar Stein aus Haßfurt als Portalinschrift Genesis 28,17
angebracht (vermutlich hebräisch für "Hier ist nichts anderes als
G"ttes Haus und hier ist die Pforte zum Himmel"):
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
17. September 1934: "Haßfurt am Main. Zu dem Artikel des Kollegen
Brückheimer, Marktbreit, in Nr. 17 vom 1. September 1934 der 'Bayerischen
Israelitischen Gemeindezeitung' möchte ich bemerken, dass bei der
kürzlich vollendeten Renovierung der Synagoge meiner Heimatgemeinde
Arnstein in Unterfranken der zitierte (bis jetzt vermisste) Satz Genesis
28,17 von mir als Hausinschrift in großen hebräischen Lettern angebracht
wurde. Lothar Stein, Haßfurt am Main". Anmerkung: Lehrer S. Brückheimer bedauerte in dem angesprochenen
Artikel, dass er auf keiner Synagoge im Unterfränkischen den Satz aus
Genesis 28,17 gefunden habe.
Nach der letzten Renovierung konnten nur noch wenige Jahre Gottesdienste
abgehalten werden. Auf Grund der schnell zurückgehenden Mitgliederzahl kam
alsbald kein Minjan mehr zustande (nötige Zehnzahl jüdischer Männer zum
Gottesdienst). Im April 1938 wurden das Synagogengebäude sowie das
Schulhaus an den Nachbarn Willi Popp verkauft; die Ritualien kamen teilweise nach
Schweinfurt, wo sie beim Novemberpogrom 1938 zerstört wurden.
Nach 1945 kam das Gebäude nach Abschluss des Restitutionsverfahrens
über die JRSO (Jewish Restitution Organisation) in Privatbesitz und wurde 1954 zu
einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Seit 1979 wurde das Gebäude als Lagerhaus
verwendet. Erhalten blieben trotz der Umbauten die zwar zugemauerten, aber
sichtbaren Rundbogenfenster sowie die farbigen Malereien an der Decke (mit
Landesfarben und -wappen).
1994 wurde das Gebäude von der Stadt Arnstein erworben. Ziel war die
Instandsetzung des Gebäudes, die jedoch zunächst nicht verwirklicht werden
konnte.
2005 wurde der Förderkreis "Alte Synagoge Arnstein e.V."
gegründet, der sich zum Ziel setzte, die ehemalige Synagoge zu restaurieren und
zu einem Begegnungszentrum umzugestalten. Vorträge, Konzerte, Ausstellungen
sollen künftig hier stattfinden können. Der Gemeinderat der Stadt Arnstein
hat diesen Zielen des Vereines zugestimmt. Der Verein selbst bemühte sich um
weitere Fördergelder. Mit der Restaurierung der ehemaligen Synagoge konnte Ende
2008 begonnen werden (vgl. Presseberichte unten).
Nach Abschluss der Restaurierung Mitte 2012 wird in der ehemaligen
Synagoge eine Dokumentation "Landjudentum in Unterfranken" zu sehen
sein.
Juli 2008:
Noch in 2008 soll die Restaurierung der
ehemaligen Synagoge beginnen
ARNSTEIN
- Sanierung der Synagoge kann beginnen - Artikel in der MAINPOST vom 1.
Juli 2008 Förderverein stellte Stadtrat geplantes Dokumentationszentrum und Ausstellungsraum vor
Noch in diesem Jahr kann nach den Worten von Roland Metz, dem Vorsitzenden des Fördervereins Alte Synagoge die Sanierung des fast 200 Jahre alten Gebäudes starten. Nach der Fertigstellung soll dort ein Dokumentationszentrum untergebracht werden und der Raum für Ausstellungen oder Konzerte zur Verfügung stehen. Bei einer Ortsbesichtigung führte der Altbürgermeister den Stadtrat durch das Haus.
"Wir haben im Förderverein ein Konzept zur Sanierung aufgestellt, das sowohl vom baulichen als auch finanziellen Aspekt solide ist", betonte Metz bei der Besichtigung. Das Haus in der Goldgasse ist im Eigentum der Stadt, steht unter Denkmalschutz und ist massiv vom Verfall bedroht. Nach der Sanierung soll es ein weiteres Schatzkästchen für die Stadt werden, meinten übereinstimmend der ehemalige Bürgermeister und seine Nachfolgerin Linda Plappert-Metz. Der Rohbau soll im kommenden Jahr beendet sein, dann beginnt die aufwändige Innengestaltung mit der Erneuerung der Jugendstilfriese an den Wänden und an der Decke.
Seit 1819 ist die Synagoge in der Goldgasse ein bauliches und soziales Stück der Stadt Arnstein. Jüdisches Leben ist in der Stadt seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesen, nach dem Dreißigjährigen Krieg verstärkte sich der Zuzug, als den sogenannten
"Schutzjuden" ein Wohnrecht gegen besondere zusätzliche Abgaben gewährt wurde. Das Zusammenleben mit den Juden gestaltete sich, so Roland Metz, sehr wandelbar in einem Wechsel von Miteinander und Gegeneinander. Um 1700 hatte die Stadt bei 1600 Einwohnern 14 jüdische Familien in ihren Mauern.
1905 wurde die Synagoge im damaligen Jugendstil ausgestaltet und diente bis 1935 als religiöses Zentrum der jüdischen Gemeinde. Danach zogen immer mehr Personen weg und nach dem Pogrom im November 1938 wurde das Gebäude an eine Firma für Bettfedern-Reinigung verkauft. Nach dem Krieg diente es als Wohnhaus.
Zu diesem Zweck wurden nicht nur Fenster und Türen vermauert. Der eindrucksvolle zentrale zehn Meter hohe Raum bis zum Tonnengewölbe wurde von eingezogenen Holzdecken in drei Wohnetagen unterteilt. Der obere Teil mit den imposanten Gemälden sowie Deckenfriesen verkam zusammen mit den beiden Emporen für die Frauen zu einer Dachboden-Rumpelkammer. Im Zuge der Rohbaumaßnahmen soll jetzt das Haus völlig entkernt werden, die Geschossdecken werden entfernt, die vermauerten Fenster und Türen weitgehend wieder geöffnet. Eine Wandheizung sorgt für die nötige Temperierung. Der Rohbau soll im nächsten Jahr beendet sein, die Fortschritte der Innengestaltung werden weitgehend vom Landesamt für Denkmalpflege bestimmt. Roland Metz rechnet mit 2010.
Der Fördervereinsvorsitzende Metz stellte dem Stadtrat auch sein Finanzierungskonzept vor. Bei einer geprüften Schätzung von insgesamt 690 000 Euro an Baukosten rechnet er wegen der Besonderheiten des Bauwerks mit öffentlichen Zuschüssen von rund 570 000 Euro. Die Restaurierung der Innenausmalung übernimmt zum Beispiel das Landesamt für Denkmalpflege zu 100 Prozent. Die fehlenden 120 000 Euro will der Verein durch Sponsoren und Eigenleistungen aufbringen. Die Stadtkasse soll hierzu nicht in Anspruch genommen werden. Nur für die nötige Zwischenfinanzierung für die Zeit von der Rechnungsstellung bis zur Auszahlung der Zuschüsse wird die Unterstützung der Kommune gebraucht. Außerdem müssen alle Ausschreibungen und Vergaben für die Baumaßnahmen durch den Behördenapparat der Stadt laufen.
Diese Zusage machte der Stadtrat einstimmig. Stadtrat Bernd Röll forderte jedoch, während der Baufortschritte eine klare Transparenz zu wahren und dies durch gesonderte Konten und Haushaltsstellen kenntlich zu machen.
März 2010:
Die Synagoge soll zum Dokumentationszentrum
werden
Artikel von Martina Amkreutz-Götz in der "Main-Post" vom
10. März 2010 (Artikel):
"ARNSTEIN. So lebten die Juden auf dem Land - Die ehemalige Synagoge in Arnstein soll ein Dokumentationszentrum werden.
In Arnstein startet in den nächsten Wochen die Sanierung der alten Synagoge. Der Förderkreis plant eine Nutzung, die über Arnstein hinaus wirken soll. Der Altlandkreis Karlstadt ist voller Zeugen jüdischen Lebens. In der Pogromnacht 10. November 1938 entweihte Synagogen stehen in Arnstein, Karlstadt, Thüngen, Laudenbach und Wiesenfeld. In Laudenbach wurden über 400 Jahre lang Juden beerdigt.
'Wir erstellen für die sanierte Synagoge ein Ausstellungs- und Präsentationskonzept zum Thema Landjudentum in
Unterfranken', berichtet Fördervereins-Vorsitzender Roland Metz. Der Arnsteiner Altbürgermeister, ein kompetenter Kenner der Heimatgeschichte, sucht für dieses Projekt Partner vor allem in den Gemeinden mit jüdischer Vergangenheit und will die Bürgermeister Paul Kruck (Karlstadt, Laudenbach, Wiesenfeld) und Klaus Enzmann (Thüngen) für das Arnsteiner Projekt interessieren. Titel 'Lern-Ort'. Metz nennt das Projekt 'Lern-Ort alte Synagoge'. Schüler, Studenten und allgemeine Besuchergruppen erhalten unterrichtsmäßig aufgearbeitete Materialien. Mit modernen Medien sollen jüdisches Leben und noch vorhandene steinerne Zeugen vor allem jungen Menschen dargebracht werden. Nach einem Besuch des Lern-Ortes könnten Schüler und die Schulen das Thema vertiefen.
'Auch wenn der wissenschaftliche Schwerpunkt auf den Darstellungen der Landjuden in Arnstein und der Umgebung liegt, spannen wir den geschichtlichen Bogen bis in die Gegenwart – zum heutigen Staat
Israel', sagt der Altbürgermeister. Roland Metz hofft, dass die Gemeinden ihre Archive öffnen und der Arnsteiner Förderkreis, wenn schon keine Original-Dokumente, so doch Kopien mitnehmen kann. Die wichtigste Vorarbeit für eine umfassende Dokumentation jüdischer Spuren und Erfassung jüdischen Lebens in den vergangenen 700 Jahren leistet eine künftige Doktorandin der Universität Würzburg, die ihre Dissertation zum Thema Landjudentum fertig schreibt und der alten Synagoge zur Verfügung stellt. Vernetzung der Gemeinden. Eine Vernetzung soll mit den umliegenden Gemeinden erfolgen, in denen Juden das gesellschaftliche, religiöse und wirtschaftliche Leben mitgeprägt haben – vor allem im Altlandkreis Karlstadt. Der Bezirk, so informiert Metz, plane eine eigene unterfränkische Zusammenstellung jüdischen Lebens – vom Untermain bis in die Haßberge.
Für ihn erschließt sich mit dem neuen Dokumentationszentrum in der Synagoge Arnstein aus dem Jahre 1819 nicht nur eine heimatgeschichtliche Dimension, sondern eine ganz praktische: die touristische Nutzung. Arbeitstitel: Judenweg – von Arnstein über Thüngen nach Karlstadt, Laudenbach und Wiesenfeld. Vielleicht lässt sich dieser Weg auf jüdischen Spuren später erweitern bis nach Urspringen und Heßdorf, bis Veitshöchheim und Rimpar.
Die beiden letzten Gemeinden außerhalb des Landkreises Main-Spessart sind Mitglieder im Verein LAG Leader-Region Wein, Wald und Wasser, – wie auch Arnstein, Thüngen und Karlstadt. Der Lenkungsausschuss hat das Konzept für den Lern-Ort alte Synagoge aufgenommen und wird die Umsetzung finanziell unterstützen. Mit etwa 60 000 Euro rechnet Roland Metz für den Aufbau der Dokumentation inklusive Vitrinen und Medien. Für die Mitfinanzierung hofft Metz auch auf Spenden von Banken und Unternehmen.
Die wichtigste Vorarbeit mit der Gebäudesanierung leistet die Stadt Arnstein für 80- bis 100.000 Euro als Eigentümerin der alten Synagoge, unterstützt von 60 Prozent aus der Städtebauförderung sowie aus dem Entschädigungsfonds und der Landesstiftung. Nachdem das Gebäude – es war als Wohnung und Werkstatt genutzt – 2008 ausgeräumt worden war, stagnierte die Sanierung, weil sich die Statiker nicht einig waren, ob die bereits 1860 eingebauten Zuganker für die Statik notwendig sind oder nicht. Die Landesgewerbeanstalt entschied auf neue Zuganker. Nach den Ausschreibungen Ende 2009 soll die Außen- und Innenrenovierung nun beginnen, erklärt Vereinsvorsitzender Roland Metz. Bau eventuell heuer noch fertig. Bis Ende 2010, spätestens Anfang 2011 soll die Sanierung beendet sein, meint Metz. Daran schließt sich zügig der Aufbau des Dokumentationszentrums.
Beim Innenausbau des zehnmal zehn Meter großen Raumes soll der Jugendstilcharakter erhalten bleiben. Vor allem die Fresken, die den Fries des Gebäudes zieren, sollen freigelegt und als historisch wertvoll neu gefasst werden. Sie werden Teil der Dokumentation. Die alte Synagoge bleibt auch Konzert-, Ausstellungs- und Veranstaltungsraum mit multifunktionalem Charakter. LAG und Leader plus. Für kommunale oder private Projekte, die der Allgemeinheit dienen, gibt es verschiedene Fördertöpfe. Einer ist das EU-Programm Leader. In Würzburg und Main-Spessart gründete sich ein landkreisübergreifender Verein, die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Leader-Region Wein, Wald und Wasser mit den beiden Landkreisen als Mitglied sowie Gemeinden rund um Würzburg sowie im östlichen Main-Spessart mit Karlstadt, Arnstein, Himmelstadt, Thüngen, Eußenheim, Zellingen und Retzstadt. Dieser Verein erarbeitete ein regionales Entwicklungskonzept, mit dem es sich um EU-Fördermittel aus dem Programm
'Leader in ELER' bewarb. Das Entwicklungskonzept wurde für die Förderperiode 2007 bis 2013 anerkannt.
Der Leader-Fördertopf unterstützt Projekte, die keine anderen Finanzhilfen erhalten. Der sogenannte Lenkungsausschuss verfügt in der laufenden Periode bis 2015 über 1,3 Millionen Euro EU-Fördermittel und, je nach Haushaltsbeschluss, zusätzlich Landesmittel, mit denen er private oder gemeindliche Projekte unterstützt.
Bevor Projekte im Lenkungsausschuss zur Genehmigung landen, müssen die Antragsteller eine umfangreiche Vorarbeit leisten, die die Projektierung, die Nutzung, die Hauptfinanzierung und den Unterhaltsträger, vor allem auch die Nachhaltigkeit, beinhaltet. Nach dieser meist langwierigen und aufwendigen Vorleistung bringt der Projektträger seine Idee in einer Arbeitsgruppe ein und sucht dort Partner.
Ist das Projekt 'rund' und findet Unterstützung, legt der Projektträger sein Ziel dem Lenkungsausschuss vor, der es annimmt, die Zuschusshöhe festlegt oder es ablehnt. In diesem vom Verein gewählten Ausschuss sitzen elf Vertreter der Arbeitskreise, Verbände, Gemeinden sowie der beiden Landkreise.
'Wer sich besonders engagiert, erhält schneller Förderung', erklärt Valentine Lehrmann, die für den Landkreis Main-Spessart im Lenkungsausschuss mitwirkt.
Ein abgeschlossenes Leader-plus-Förderprojekt ist beispielsweise die Gestaltung der Mainlände in Himmelstadt mit Pavillon, Philatelistenpfad und Weinrebenweg. Bayernweit soll bis 2014 die Region um die Haupt-Jakobswege vernetzt werden. Dazu gehören laut Lehrmann die Standardisierung des Pilgerwegs durch einheitliche Ausschilderung und Hinweise auf Sehenswürdigkeiten am Wegesrand sowie die Einrichtung von Herbergen und Gaststätten in Zusammenwirken mit der Bevölkerung, was eine Förderung des ländlichen Raums bedeutet.
Informationen im Internet unter www.weinwaldwasser.de."
August/November 2010:Kriminalpolizei ermittelt nach Hakenkreuzschmierereien in
Arnstein und findet die Täter
Pressemitteilung der Polizei Würzburg vom 30.
August 2010 (Artikel): "Schmierereien an Stadthalle und Gerüstplane der alten Synagoge
ARNSTEIN, LKR. MAIN-SPESSART. In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben Unbekannte an der Stadthalle und einer Gerüstplane an der alten Synagoge Farbschmierereien aufgesprüht. Deshalb ermittelt jetzt die Kriminalpolizei Würzburg.
An der Rückseite der Stadthalle am Cancale-Platz brachten die Täter vermutlich in der Zeit zwischen Samstagabend, 18.00 Uhr, und Sonntagfrüh, 09.30 Uhr, mit weißer Farbe mehrere Schriftzüge auf. Die Eingangstüren waren mit zwei roten Hakenkreuzen beschmiert. Der dabei entstandene Sachschaden beläuft sich ersten Schätzungen zufolge auf ca. 2.000 Euro. An der derzeit eingerüsteten alten Synagoge in der Goldgasse wurde eine seitliche Gerüstplane ebenfalls mit Schriftzügen und anderen Sprühereien in roter Farbe verunziert. Der Hintergrund der Schmierereien ist noch unklar.
Pressemitteilung der Polizei Unterfranken
vom 26. November 2010 (Artikel):
Täter ermittelt – Minderjährige verantwortlich für Schmierereien ARNSTEIN, LKR. MAIN-SPESSART. Drei Jugendliche sind verantwortlich für die Schmierereien, bei denen am letzten Augustwochenende unter anderem die Stadthalle verunstaltet worden war. Die Minderjährigen haben zwischenzeitlich ihre Taten eingestanden. Der verursachte Schaden belief sich auf ca. 2.000 Euro.
Wie berichtet, waren an der Stadthalle am Cancale-Platz mehrere Schriftzüge in weißer Farbe angebracht worden. An den Eingangstüren fanden sich außerdem zwei roten Hakenkreuze. In der Goldgasse war in der gleichen Nacht die Plane eines Baugerüstes ebenfalls mit roten Sprühereien beschmiert worden. Weil zunächst ein rechter Hintergrund nicht auszuschließen war, hatte die Kripo Würzburg die Ermittlungen übernommen.
Nach umfangreichen Ermittlungen steht zwischenzeitlich fest, dass die Sachbeschädigungen von Minderjährigen verübt wurden, die in der Tatnacht im Stadtgebiet unterwegs waren und offensichtlich aus Langeweile ihren Unwesen trieben. Hinweise auf ein politisches Motiv haben sich nicht ergeben. Der entstandene Schaden wurde durch die Familien der Täter mittlerweile
beglichen".
September 2011:
Ein Ornamentgemälde im Bereich des früheren
Toraschreines wird freigelegt
Artikel von Karlheinz Haase in der
"Main-Post" vom 13. September 2011: "Arnstein. Geduldsarbeit
am Synagogen-Vorhang. Restauratoren legten in dem Arnsteiner Bauwerk ein
seltenes Ornamentgemälde frei". Link
zu dem Artikel; auch eingestellt
als pdf-Datei.
Informationen zum Förderkreis "Alte Synagoge Arnstein e.V.":
Mitglied kann jeder werden. Jahresbeitrag 12 €. Der Förderkreis ist
gemeinnützig, Spenden sind steuermindernd; Schriftführer ist Pfarrer Robert Foldenauer;
Konto des Förderkreises: 151 51 52 bei der Volksbank Arnstein BLZ 790 900
00 E-Mail des Fördervereines
Adresse/Standort der Synagoge: Goldgasse 28.
Fotos
(Historische Aufnahmen um 1930 durch Theodor Harburger, veröffentlicht in ders.:
Die Inventarisation jüd. Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern Bd. 2 S.
18-20; Foto zweite Fotozeile links und Mitte: Jürgen Hanke, Kronach; rechts: aus Artikel zu Arnstein bei hagalil.com s.u.)
Toraschmuck aus
der Arnsteiner Synagoge - historische Fotos um 1930
Tora-Aufsatz: Rimmonim mit
Glocken (Silberarbeit Nürnberg
1. Hälfte 18. Jahrhundert)
Tora-Schild (Tass) zum
Schmuck
der Torarolle (Silberarbeit Frankfurt
frühes 18. Jahrhundert; heute im
Mainfränkischen Museum in Würzburg)
Tora-Schild (Tass): um 1930 in
Verwahrung beim Gemeindevorsteher
Salomon Bauer (Silber- und Goldarbeit
Augsburg
Mitte 18. Jahrhundert)
Das
Synagogengebäude im Oktober 2009 (Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 21.10.2009)
Die
ehemalige Synagoge in der Goldgasse im Abendlicht
Blick auf das
Synagogengebäude
von Nordwesten
Blick auf das
Synagogengebäude
von Südwesten
Blick
auf das Synagogengebäude von Nordosten; im Bereich unterhalb des
halbrunden Fenster war im Inneren der Toraschrein
Das Eingangstor
Das
Synagogengebäude im November 2011
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 6.11.2011)
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 254-255.
Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 34.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 407.
Leonhard Scherg: Jüdisches
Leben im Main-Spessart-Kreis. Reihe: Orte, Schauplätze, Spuren. Verlag
Medien und Dialog. Haigerloch 2000 (mit weiterer Literatur). S. 12-13.
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 87-88.
Arnstein Lower
Franconia. Jews were present at the time of the Rindfleisch massacres in 1298
and operated a synagogue and school in the first half of the 19th century. The
Jewish population declined steadily from 81 in 1814 to 29 in 1933 (total 1.652).
Twenty-five left in 1937-38, most to other German cities. The last two left for
Frankfurt after the Kristallnacht disturbances (9-10 November 1938).
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