Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Diespeck (Landkreis Neustadt an der Aisch - Bad Windsheim) 
Jüdische Geschichte / Synagoge und jüdische Schule
   

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
bulletZur Geschichte der Synagoge und weiterer Einrichtungen   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
      
In dem bis 1792 zur Markgrafenschaft Ansbach-Bayreuth, danach bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zu Preußen gehörenden Diespeck bestand eine zeitweise große jüdische Gemeinde bis um 1918. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1616 wird ein jüdischer Hausbesitzer am Ort genannt. 1709 wurden neun jüdische Familien gezählt, 1729 21 und 1771 27 Familien. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner die folgt: 1811/12 203 jüdische Einwohner (28,6 % von insgesamt 710 Einwohnern), 1837 Höchstzahl mit 270 Personen (32,9 % von insgesamt 820), 1867 117 (11,5 % von 1.021), 1880 106 (10,6 % von 996), 1895 90, 1900 70 (7,9 % von 884), 1910 33 (3,8 % von 858). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer ersten starken Auswanderungswelle. Ein 1853 abgefasster Bericht zeigt die damalige Aufbruchsstimmung, die sich für viele jüdische Gemeinden dramatisch auswirkte:   

Ottensoos AZJ 29081853.jpg (71629 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1853: "Aus Oberbayern. 4. August (1853). Es kommen uns Nachrichten von massenhaften Auswanderungen nach den jenseitigen atlantischen Ländern aus Mittelfranken, Schwaben und Unterfranken, besonders von Seite der jüdischen Bevölkerung zu. Mehrere Ortschaften, wie Bruck, Ottensoos, Dormitz, Diespeck, dann Cronheim, Altenmuhr und viele andere, welche vor noch wenigen Jahren von tausend und mehr jüdischen Familien bewohnt waren, zählen gegenwärtig nur noch wenige alte Leute, während die jüngere Generation bereits in amerikanischen Freistaaten ansässig ist. Gewöhnlich wandert der älteste Sohn einer Familie, nachdem er seine Lehrjahre bestanden, mit Empfehlungsschreiben an Verwandte und Freunde nach der neuen Welt, wo ihn der doppelte Gewinn eines freien Wirkungskreises und unbeschränkter Rechte erwartet. Einige Zeit darnach folgen ihm die Brüder und Schwestern, und zuletzt häufig auch die Eltern. Die Nachrichten von den dort täglich neu sich bildenden Gemeinden lauten im Allgemeinen sehr günstig." 

An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Elementar- (Volks-) und Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter, teilweise auch als Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungstexte der Stelle unten; 1888 wird als Schochet Kaßriel Gottlieb (aus Jerusalem) in Neustadt a.d.Aisch genannt, Statistisches Jahrbuch 1888 S. 33). Unter den Lehrern der Gemeinde waren vor allem Anselm Blumenfeld (vermutlich ab 1864, AZJ 5.5.1874 S. 327, Achawa Rechenschaftsbericht 1879 S. 25, Bericht in der AZJ von 1882 siehe unten, gest. 1892) und Bernhard Fulder tätig. Fulder war - nach dem Tod von Anselm Blumenfeld von 1893 bis 1911 Lehrer, Kantor und Schochet der jüdischen Gemeinde und wechselte danach nach Treuchtlingen. 1905 unterrichtete Fulder in Diespeck noch 14 Kinder, davon vier Jungen und zehn Mädchen.
   
Die Gemeinde gehörte im 19. Jahrhundert zunächst zum Rabbinatsbezirk Uehlfeld, nach dessen Auflösung zum Rabbinatsbezirk Fürth.
 
Eine größere Zahl jüdischer Familien verzog nach 1860/70 nach Neustadt an der Aisch. Die dort entstehende jüdische Gemeinde war zunächst Filialgemeinde zu Diespeck. 
 
Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: um 1867 L. Schönthal (in "Die Gegenwart" vom 18.1.1867 S. 24), um 1883/92 L. Schönwasser, 1898 L. Schönwasser, L. Dingfelder und S. Lein, 1899/1903 A. Heß, J. Sternau und M. Seligenbrunn, 1905 A. Heß. 
 
An jüdischen Vereinen bestand ein Israelitischer Männerwohltätigkeitsverein (um 1898/1905 unter Leitung von Elias Stahl) und ein Israelitischer Frauenwohltätigkeitsverein (um 1898/1905 unter Leitung von Frau R. Kühn). Es bestanden zwei Stiftungen in der Gemeinde: die David Heß'sche Stiftung und die Simon'sche Stiftung (beide um 1900 genannt).
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Siegfried (Fritz) Sternau (geb. 30.1.1896 in Diespeck, vor 1914 in Neustadt a.d.Aisch wohnhaft, gef. 15.12.1916). Sein Name steht auf einem Gefallenendenkmal des jüdischen Friedhofes.   
  
1915 wurde die jüdische Gemeinde Diespeck der Gemeinde in Neustadt a.d. Aisch angegliedert (unter dem Namen "Israelitische Kultusgemeinde Neustadt-Diespeck").
   
1925 waren nur noch fünf jüdische Personen am Ort. Ihre Zahl ging bis 1933 auf drei zurück.  
  
Von den drei jüdischen Personen, die 1933 noch in Diespeck lebten, starb einer 1935, die beiden anderen zogen 1937 nach Bamberg um.
   
Von den in Diespeck geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Ansbacher geb. Sternau (1896), Jeanette Henriette Bauer (1870), Aron Dingfelder (1862), Gustav Dingfelder (1876), Martin Dingfelder (1901), Amalia (Mali, Wally, Ulrike) Emmerich geb. Kohlmann (1885), Flora Fromm geb. Schönberg (1859), Sophie Fürther geb. Hess (1873), Bernhard Fulder (1866, Lehrer), Gustav Fulder (1901), Nathan Fulder (1897), Jette Heimann geb. Kohlmann (1873), Siegfried Hess (1880), Erna Klein geb. Kohn (1894), Martin Kohlmann (1884), Max Kohlmann (1883), Heinrich Lein (1884), Max Lein (1863), Thekla Lein geb. Weinmann (1887), Jutta Levi geb. Dingfelder (1880), Emma Mendershausen geb. Blumenfeld (1869), Hedwig Schönthal geb. Sternau (1892), Norbert Sternau (1894), Irma Voos geb. Seligenbrunn (1889). 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / / Vorbeters / Schochet 1864 / 1883 / 1892 / 1911

Diespeck Israelit 11051864.jpg (64984 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1864: "Die zur Zeit vakante Elementar- und Religionslehrerstelle dahier soll wieder besetzt werden. 
Deren Erträgnisse bestehen in: 1) 12 Gulden - Anschlag der Wohnung; 2) 300 Gulden - bar von der Gemeinde; 3) 38 Gulden - zugesicherter Kreisfondszuschuss. 
Mit dieser Stelle sollen auch die Verrichtungen eines Vorsängers verbunden werden, wofür eine besondere Remuneration von 100 Gulden und die üblichen Nebenverdienste bewilligt werden. 
Es ist auch vielfach Gelegenheit geboten, durch Privatunterricht nicht unbedeutende Nebeneinnahmen zu erlangen. Bewerber um genannte Stellen haben ihre Gesuche mit den entsprechenden Zeugnissen belegt und zwar: 1) über ihren Austritt aus dem königlichen Seminar und 2) über ihren bisherigen Wirkungskreis binnen vier Wochen einzusenden. 
Diespeck bei Neustadt an der Aisch, den 13. April 1864. Die israelitische Kultusverwaltung"
  
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November 1883: "Die Stelle eines
Schächters und Vorbeters

in dem zur hiesigen Kultusgemeinde rossortierenden Neustadt a. Aisch soll mit einem Jahreseinkommen von circa M. 1200 bis M. 1400 baldmöglichst besetzt werden. >
Hierauf Reflektierende wollen ihre Meldungen nebst den erforderlichen Zeugnissen innerhalb 4 Wochen an den Unterfertigten einsenden. I
Reisekosten werden nur dem Gewählten erstattet.
Diespeck in Mittelfranken, 28. Okt. 1883.
Der israelitische Kultusvorstand. L. Schönwasser.
"     
  
Diespeck Israelit 17101892.jpg (53427 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1892: "Erledigte Stelle. In der Kultusgemeinde Diespeck bei Neustadt an der Aisch ist die definitive Stelle eines Elementarlehrers und Vorsängers mit einem jährlichen fixen Gehalte von Mark 850 als Elementarlehrer und Mark 170 als Vorsänger zu besetzen. Hierauf reflektierende inländische Bewerber mit seminaristischer Bildung wollen ihre Gesuche und Zeugnisse bis längstens 5. November dieses Jahres an den unterfertigten Kultusvorstand einsehen. Unverheiratete Kandidaten erhalten den Vorzug. 
Diespeck, 4. Oktober 1892. Der israelitische Kultusvorstand: L. Schönwasser."
 
Diespeck Israelit 03081911.jpg (52105 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1911: "Die unterzeichnete Kultusgemeinde sucht zum sofortigen Antritt einen Vorbeter und Schochet bei freier Wohnung und Jahresgehalt von 6-700 Mark. Ein Mann mit Geschäft oder Handwerk bevorzugt.
Diespeck
a.d. Aisch, den 18. Juli 1911.
Der Kultusvorstand
: Isaac Sternau." 

      
Auf die Ausschreibung der Vorsänger- und Schächterstelle wird Herr Zunder-Zirndörfer aus Fürth eingestellt (1847)   

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Orient" vom 15. Oktober 1847: "Auch auf dem Lande zeigt sich ein Gleiches. In Diespeck in Mittelfranken war die Vorsänger- und Schächterstelle ausgeschrieben. Alsbald meldeten sich und ließen sich unter andern Bewerbern auch mehrere definitiv angestellte Religionslehrer hören. Sie waren aber nicht so glücklich, die widerrufliche Stelle zu erhalten. Ein Fürther, namens Zunder-Zirndörfer war der Glückliche. Erwägt man gewisse alte jüdische Vorurteile, nach welchen gewissen Qualifikationen zur Eigenheit eines Vorsängers und eines Fürthers gehören, so konnte der Erfolg nicht zweifelhaft sein."    

    
Lehrer Anselm Blumenfeld aus Diespeck bringt sich bei einer Lehrerversammlung in Oberingelheim ein (1882)
Anmerkung: es wird nicht näher auf die Themen der Lehrerversammlung des Lehrervereins "Achawah" eingegangen, nur das Engagement von Lehrer Blumenthal soll hier genannt werden. 
Anselm Blumenfeld ist am 13. April 1842 in Westheim (Hassfurt) geboren. Vermutlich seit 1864 (vgl. Ausschreibung oben aus diesem Jahr, war er Lehrer (Elementar- und Religionslehrer sowie Vorbeter) in der jüdischen Gemeinde Diespeck. Er war verheiratet mit Veronika geb. Offenbacher (1848-1914). Die beiden hatten mehrere, alle in Diespeck geborene Kinder: Emma, geb.15. Juli 1869, verh. Mendershausen), Jenny (geb. 8. Juli 1870, verh. Klein, gest. 1955), Leo (geb. 1873), Martha (geb. 17. August 1874), Löbine (Lobina, Bina, geb. 26. Juli 1876, verh. mit Bernhard Lang aus Burgkunstadt, Löbine starb 1968 in San Francisco) und Franz (geb. 22. Juni 1879).  

Aus einem Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. November 1882: "Lebhafte, fast zweistündige Debatte erregten die Anträge auf Abänderung des § 9 der Statuten. Herr Blumenfeld aus Diespeck in Bayern hatte es sich nicht verdrießen lassen, den weiten Weg (aus Mittelfranken nach Frankfurt) zu reisen, um seine Anträge auf Scheidung in Pflicht- und Dürftigkeitsteile zu motivieren. Er entledigte sich dieser Aufgabe mit einer Klarheit und Wärme, die alle Anerkennung der Versammlung erhielt. Und dennoch konnten auch diejenigen Mitglieder der Versammlung, welche von vornherein mit diesem Anträge sympathisierten, sich nach erfolgter Debatte der Einsicht nicht verschließen, dass seine Durchführung mindestens schwer und jedenfalls durchaus inopportun wäre, weil er uns der Sympathie der Ehrenmitglieder, die die lebengebende Kraft der Achawa sind, berauben könnte. Die gewichtigen Bedenken gegen den betreffenden Antrag, welche von Herrn Direktor Dr. Bärwald und von den Mitgliedern der Verwaltung, den Herren Schiff, Bär und Bonn erhoben wurden, mussten einem Jeden die Überzeugung aufdrängen, dass der Charakter und die Tendenz des Vereins sich nicht verändern dürfe, wenn die Freunde desselben ihm fernerhin gewogen bleiben sollen..." 

   
Lehrer Anselm Blumenfeld wird in die Vorstand des Lehrervereins "Achawah" gewählt - stirbt allerdings wenig später (1892)  
Anmerkung: im 27. Jahresbericht (1892) wird von der Wahl Anselm Blumenfelds in den Vorstand berichtet; zusammen mit dem 40. Jahresbericht wurde durch den Vorsitzenden bei der zehnten ordentlichen General-Versammlung am 26. Dezember 1904 ein "Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung der Achawa" gegeben.

Aus dem 27. Rechenschaftsbericht des Lehrervereins "Achawa - Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland" (Gegründet 1864)" für das Jahr 1891 (erschien Frankfurt 1892) S. 5: "Einen erwünschten kräftigen Ersatz (sc. für den verstorbenen Rabbiner Dr. David Rothschild in Alzey) glauben wir in dem Lehrer Herrn Anselm Blumenfeld in Diespeck (Mittelfranken) gewonnen zu haben, der zu unserer Freude mit Bereitwilligkeit die Wahl annahm. Wir begrüßen in demselben zugleich einen Vertreter der bayerischen Lehrer, der gewiss in seinem engeren Vaterlande zu Gunsten der Achawa erfolgreich wirken wird.
Den Vorstand bilden demnach die Herren Consul Adolf Baer, stellvertr. Vorsitzender, Dr. Alfred Löhren, Schriftführer, Alfred Rosenthal, Kassier, Philipp B. Bonn, Gegenschreiber, Philipp Schiff, A. Blumenfeld, Lehrer in Diespeck (Bayern), E. Gutkind, Lehrer in Kassel, K. Marx, Lehrer in Alsheim und der Unterzeichnete (sc. Adolf Teblée)."   
  
Aus dem 40. Rechenschaftsbericht des Lehrervereins "Achawa - Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland" (Gegründet 1864)" für das Jahr 1904 (erschien Frankfurt 1905) - innerhalb des "Rückblickes..." s.o.: "Hierauf (sc. nach dem Tod von Rabbiner Dr. David Rothschild in Alzey) wurde im Laufe des Jahres 1892 Herr Anselm Blumenfeld, Lehrer in Diespeck, in die Verwaltung gewählt, der aber schon nach einem halben Jahre durch den Tod abberufen wurde."  

       
Vier Schülerinnen der jüdischen Volksschule Diespeck gewinnen bei einem Aufsatzwettbewerb (1895)   
Anmerkung: von der Zeitschrift "Israelitischer Jugendfreund" wurde ein Aufsatzwettbewerb zum Thema "Wie ich die Osterferien verlebt habe" ausgeschrieben. Die Schüler*innen aus Diespeck machten offenbar engagiert mit und schickten ihre Aufsätze ein.   

Mitteilung in der Zeitschrift "Israelitischer Jugendfreund" 13 1895 S. 207: "III. Klasse.
a) Hauptpreis
: Eine Jugendschrift.   Siegbert Berger in Sorau (Ober-Schles.). Volksschule.
b) Nebenpreis:
Eine Jugendschrift.    Jenny Rosenau - Diespeck (Mittelfranken). Volksschule.
 

Eine Anerkennung erhielten:
I. Klasse:
1. Emil Deutsch - Freiburg in Baden.   2. Edmund Scheuer - Trier.   3. Julius Feist - Solingen.
II. Klasse:
1. Gutta Dingfelder in Diespeck.   2. Siegfried Pick - Berlin.   3. Regina Ber - Berlin.  4. Thea Cohn - Berlin.
III. Klasse.
1 . Felix Edel - Dt. Krone.   2. Jenny und Amalie Kohlmann - Diespeck."        

        
Geldbörse wurde von Lehrer Bernhard Fulder gefunden - Besitzer gesucht (1901)   
Anmerkung: Lehrer Bernhard Fulder ist 1866 in Thüngen geboren. Nach seinem Studium an der ILBA in Würzburg, war er insbesondere von 1896 bis 1911 Lehrer in Diespeck, danach bis nach 1933 in Treuchtlingen. 1911 ist Bernhard Fulder - noch in Diespeck - zum Hauptlehrer ernannt worden ("Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 24.3.1911 S. 9). Er wohnte zuletzt im Altersheim in Gailingen, von wo aus er im Oktober 1940 in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert wurde. Hier ist er bereits im November 1940 umgekommen. 

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1901: "Mitteilungen aus den jüdischen Armenvereinen und für dieselben... 
Diespeck an der Aisch
, 4. September (1901). Vor einigen Wochen ließ ein einer Wagengesellschaft angehörender Ausländer eine Geldbörse mit Inhalt bei mir liegen. Ersuche nun die Herren Kollegen und Kassierer von Wanderunterstützungskassen, mir bei der Suche nach dem Besitzer der Geldbörse (frei übersetzt) gütigst behilflich zu sein. 
B. Fulder, Lehrer."  

   
Lehrer Bernhard Fulder wechselt nach Treuchtlingen (1911)      

Treuchtlingen FrfIsrFambl 26051911.jpg (16682 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom  26. Mai 1911: "Treuchtlingen. Als Nachfolger des nach 52jähriger Dienstzeit in Pension gehenden Hauptlehrers Heß wurde Hauptlehrer Fulder - Diespeck gewählt."  

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
  
Über Juden in Diespeck in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
Aus einem Beitrag von Louis Lamm: "Zur Geschichte der Juden in Neustadt a. Aisch" in "Blätter für Jüdische Geschichte und Litteratur" V. Jahrgang Juli 1904 S. 97-102. Der Beitrag handelt von der jüdischen Geschichte in Neustadt a. Aisch und Umgebung im 16./17. Jahrhunderts. Zu Diespeck in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts.    

Aus dem o.g. Beitrag in "Blätter für Jüdische Geschichte und Litteratur" 1904 7 S. 99f (die Ortsnamen sind gegenüber der Vorlage teilweise korrigiert): "Inmitten nahm der Juden Schwarm auf dem Lande in diesem Aischgrunde von Zeit zu Zeiten gewaltig zu, massen sie zu Uehlfeld, Pahres, Diespeck, Schornweisach, Lenkersheim, Ickelheim etc. mit vielen Familien sitzen: auch zu Diespeck eine kleine Schul haben. Anno 1 . . wollte kraft Hochs. Erlaubnis in Gutenstetten ein Jud hierher, hatte auch allbereit ein neü Haus aufgerichtet, Allein die Einwohner nahmen sich das Hertz, setzten das Juden Hausrat auf die Gasse, brachen das Haus wieder ordentlich ab. Der Handel ging noch glücklich hin, und der Jud getraute sich nicht mehr daselbst anzumelden.
Anno 1696 wollten sich wiederum einige Juden in die Stadt (sc. Neustadt an der Aisch) dringen, und nicht davon abhalten lassen..."  

  
Die Ritualmordbeschuldigung 1803 in Ullstadt bedroht die Juden in Diespeck (Artikel von 1903) 
Anmerkung: dazu gibt es einen weiteren Bericht in der Seite zu Ullstadt. Auf dieser Seite der Bericht von Dr. A. Eckstein: "Eine Ritualmordbeschuldigung und ein Zeugnis der preußischen Regierung vor 100 Jahren".  Zu dem im Bericht genannten Buchhof auf Gemarkung Ullstadt bzw. Sugenheim siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Buchhof_(Sugenheim).             

Artikel in der Zeitschrift "Im deutschen Reich" vom Mai 1903 S. 328-324: "Eine Ritualmordbeschuldigung und ein Zeugnis der preußischen Regierung vor 100 Jahren.  Von Dr. A. Eckstein.
Auch Ritualmordbeschuldigungen haben ihre Jubiläen. In einer Zeit, in welcher die Bannflüche des Königs Soundso und die Geschäftsurkunden der weltberühmten Firma Egibi & Söhne, des größten Handlungshauses, das vor 4000 Jahren in Babylon geblüht hat, wie kostbare Schätze aus der Erde gegraben werden, darf man wohl Urkunden aus dem Staub der Archive ans Licht der Öffentlichkeit bringen, welche beweisen, wie herrlich weit es die Menschheit nach einer Entwickelung von 4000 Jahren gebracht hat. Freilich, wenn wir in jenen glücklichen Zeiten leben würden, wo man nach den Gesetzen Hammurabi's dem Verbreiter einer wissentlich falschen Verleumdung 'seine Stirn marken' würde, und wenn wir erst so weit gekommen wären, dass man den Menschen um seiner selbst willen achtet und verachtet, ohne nach seinem Glaubensbekenntnis und nach seiner Abstammung zu fragen, dann freilich würden wir die Akten, welche uns über Ritualmordbeschuldigungen zu erzählen wissen, einstampfen lassen und die Gespenster des Wahns und des Aberglaubens in die Nacht zurückweisen, aus der sie stammen. Solange das aber nicht der Fall ist, solange noch Zeugnisse für die Wahrheit der Ritualmordlüge gesammelt werden, solange wird es nicht unzeitgemäß sein, Zeugnisse zu sammeln gegen die Ritualmordlüge. Was werden wohl die preußischen Antisemiten zu dem Zeugnis einer preußischen Regierungsbehörde sagen? (Anm.1)
Es ist die alte Geschichte, die ewig neu bleibt. Anfangs März 1803 wurde in der Nähe von Ullstadt im Kreise Neustadt/Aisch, welcher zu dem damals unter preußischer Landeshoheit stehenden Fürstentum Bayreuth gehörte, ein christliches Kind im Alter von 2 Jahren vermisst. Das arme Kind hatte sich wohl verirrt und wurde nach 12 Tagen auf einem Acker tot aufgefunden. Der kleine Leichnam wurde gerichtlich untersucht, und nach Aussage des über die Sektion aufgenommenen Protokolls hatte das Kind den Tod des Er-
Anm. 1: Die Kenntnis der Akten, aus denen das Nachfolgende geschöpft ist, verdanke ich der Güte des Herrn Bernh. Seligsberg in Bayreuth, Vorstehers der dortigen israelitischen Kultusgemeinde, der mir dieselben zum Zwecke der Bearbeitung für die Leser dieser Zeitschrift überlassen hat.      
Forts.: frierens sterben müssen. Nichtsdestoweniger entstand das Gerücht, dass das Kind das Opfer eines Ritualmordes geworden sei. Ein Jude Hirsch aus Sugenheim, ein 72 jähriger Greis, welcher auf seinen Hausiergängen dem Kinde einiges Zuckerwerk zu verabreichen pflegte, 'jedenfalls um es an sich zu locken', und welcher auch an jenem Unglückstage im Elternhause des verschwundenen Knaben gesehen worden sein sollte, musste der Attentäter sein. Hatte man doch das Kind in einem Zustand aufgefunden, der keinen Zweifel übrig ließ, nämlich, wie der Volksmund schaudernd erzählte, 'unter der Zunge verwundet und im Munde blutig!' Zwar die Justizbehörden konnten im Laufe der Untersuchung nichts Belastendes finden und ließen den alten Mann unbehelligt laufen. Aber wann wären die Justizbehörden nicht korrumpiert und bestochen gewesen, so oft es sich um die Freisprechung eines des Ritualmords beschuldigten Juden gehandelt hat? Wie ein Flugfeuer verbreitete sich die Schauermär in der ganzen Gegend. Es wurden Briefe, Lieder und 'eifrig-christlich gesinnte Apostel ausgeschickt, um alle frommen Christen jener Gegend aufzu­hetzen.' (Anm.1) Fortan war kein Jude mehr auf der Straße seines Lebens sicher. In vielen Ortschaften mussten sich die Juden in ihren Häusern verstecken und dabei Todesangst ausstehen, dass nach den laut ausgestoßenen Drohungen ihre Wohnungen in Brand gesteckt werden würden. Das preußische Kreisdirektorium in Neustadt a. d. Aisch forderte die Geistlichkeit auf, gegen solche Verirrungen durch ihre Predigten aufklärend zu wirken. Auch das war vergebens. Vielmehr wurden die gemeinsten Pasquille auch gegen die Pfarrer und Polizeibehörden verbreitet. Da wandten sich endlich die Juden von Diespeck an die Vorsteher der Judenschaft von Bayreuth mit der Bitte, bei der dortigen Regierung schleunige Hilfe auswirken zu wollen. Das war in der Nacht zum 25. April 1803. Am nächsten Morgen überreichten die Vorsteher der Judenschaft von Bayreuth zu Händen der dortigen preußischen Kriegs- und Domänenkammer eine Bittschrift an den König von Preußen, welche folgenden Wortlaut hatte:
'Allerdurchlauchtigster Großmächtigster König, allergnädigster König und Herr!
Schleunigste alleruntertänigste Vorstellung und Bitte der Barnoßen der hiesigen Stadtjudenschaft, die Gefahr der Judenschaft zu Diespeck betreffend.
Anm.1: So zu lesen in den 'Preußisch-Brandenburgischen Miszellen" 1804 Bd. I, S. 194 ff.    
Forts.: Durch die Berichte der Unterbehörden wird bereits die falsche Anschuldigung der Christen gegen die Unterländer (Anm.1) Judenschaft angezeigt worden feyn.
Es wird bereits berichtet worden sein, dass sich bei der Besichtigung und Öffnung des Sugenheimer Christen-Kindes, welches 12—13 Tage vermisst wurde, gefunden, dass dieses Kind erfroren war.
Aus einem alten Vorurteil der Christen entstand die Anschuldigung gegen die Judenschaft, allein auch die Geschichte bezeugt, dass aus solchen Vorurteilen Rachsucht und wirkliche Nachstellungen nach dem Leben der Juden erfolgten.
Diese Gefahr drohet auch gegenwärtig der Judenschaft, besonders der zu Diespeck, welche uns gestern Nachts mit einem reitenden Boten bestürmte, dass wir ihr von höchster Behörde Schutz ihres Lebens gegenwärtig verschaffen sollen.
Die Judenschaft in der ganzen Gegend wird mit Steinen und Prügeln geworfen, es werden schreckliche Pasquille gegen die Israelitische Nation verbreitet, und kein Jude ist seines Lebens sicher.
Bei diesen für die Aufklärung der gegenwärtigen Zeit sehr traurigen Nachrichten finden wir uns gedrungen, uns unserer in Lebens-Gefahr schwebenden Glaubens-Genossen anzunehmen, und bei Eurer Kgl. Majestät alleruntertänigst um schleunigste Maßregeln zur Sicherheit durch Verfügungen ans Kreis-Direktorium und militärische Hilfe dringend zu bitten.
Wir flehen um schleunigste Befehle und beharren in tiefer Ehrfurcht,
Euer Kgl. Majestät etc.
Bayreuth, 25./4.1803.
Dieser Eingabe der Judenschaft folgten die energischsten Maßregeln der Provinzial-Regierungsbehörde auf dem Fuße nach. Die erste dieser Maßregeln ist folgender Erlass der preußischen Kriegs- und Domänenkammer von Bayreuth an das Kreisdirektorium von Neustadt:
'Aus euren Berichten vom 8. und 22. v. M., das sich wieder gefundene und erfrorene Kind des Pächter Mackel aufm Buchhof bei Ullstadt und die deshalb von den christlichen Einwohnern daselbst der dortigen Judenschaft gemachte Be-
(Anm.1) Die westlichen Bezirke des Fürstentums nannte man das Unterland.       
Forts.: schuldigung betreffend, haben Wir ersehen, welche zweckmäßige Maßregeln ihr gleich beim Entstehen des Gerüchts zur Beseitigung des unvernünftigen Vorurteils getroffen habt, und wie wenig dagegen sowohl die von der wahren Todesart des Kindes gerichtlich gegebene Widerzeugung als die Vorträge der Prediger bei ihren Gemeinden Eingang gefunden, so dass vielmehr noch gegen jene Pasquillantische Aufsätze ausgestreut und die Juden jener Gegend nur noch heftiger von den Christen verfolgt werden, wovon die auch zur Ersetzung und Remission anliegend zukommende Vorstellung der hiesigen Barnossen (=Gemeindevorsteher), an die sich jene bedrohte Judenschaft um Beistand gewendet hat, einen weitern Beweis gibt. Ob wir uns nun schon mit euch überzeugt halten, dass die nähere Untersuchung dieser Sache zur Bestrafung der Frevler aus mehreren Gründen zur Justizbehörde ressortiert, wegen deren Verfügung unsere etc. Kammer auch mit Unserer Regierung kommuniziert hat, so kann doch inzwischen die Polizei dabei nicht untätig bleiben. Ihr werdet daher mit Ansammlung der weitern Anzeige gegen die Ruhestörer eben sowohl fortfahren als auch, wenn sich einzelne Subjekte gegen Juden ferner Exzesse erlauben sollten, diese sofort aufgreifen und den betreffenden Justizbehörden übergeben lassen und hierauf sowohl die Kammer als Justizämter euers Kreises, in deren Bezirken Juden wohnen, sofort instruieren. Wir hoffen, dass durch einige dergl. Arrest-Verfügungen Ruh und Ordnung bald hergestellt sein würde, sollte dieses aber dennoch der Fall nicht sein, und dadurch die Juden die Sicherheit ihrer Personen und ihres Eigentums nicht gleich wieder gegeben werden, so habt ihr den Obristen v. Bila um militärische Assistenz anzugehen und zu dem Ende demselben das auf diesen Fall beiliegende Requisitions-Schreiben Unserer pp. Kammer zuzustellen. Euer mit jenen Berichten eingereichte Akten haben wir behufs, der Kommunikation mit unserer Regierung zurückbehalten müssen, und werden solche nach deren von daher erfolgende Remission sogleich zusenden lassen.
Indessen habt ihr uns von dem weitern Gang der Sache von 8 zu 8 Tage Anzeige zu machen.'
Bayreuth, 25. April 1803.
Kgl. pp. Kammer.
Das oben erwähnte Requisitions-Schreiben an den Obristen von Bila hat folgenden Wortlaut:      
Forts.: 'Ew. etc. wird bereits bekannt sein, welche törichte Beschuldigung wegen des im vorigen Monat vermisst und auf dem Felde erfroren gefunden wordenen Kindes des Pächter Mackel bei Ullstadt der dortigen Judenschaft von den christlichen Einwohnern gemacht wird und welche Exzesse sich die letztern gegen jene deshalb schon erlaubt haben.
Um nun Ruhe und Ordnung wieder herzustellen und den unschuldig verfolgt werdenden Juden die Sicherheit ihrer Personen und ihres Eigentums wieder zu geben, haben wir in Ansehung der hiezu erforderlichen Maßregeln das Kreisdirektorium bereits mit Instruktion versehen, auf dem Fall hin aber, dass diese nicht hinreichend sein sollten, demselben aufgegeben, Ew. etc. um Militärische Assistenz anzugehen, und ersuchen wir daher dieselben hierdurch dienstergebenst, ermeldetem Kreisdirektorium nötigfalls auf dessen Verlangen damit sogleich gefälligst zu willfahren.'  Bayreuth, den 25. April 1803.
Endlich wurde an die Bevölkerung des verseuchten Kreises folgender Aufruf der Regierung veröffentlicht:
''Es ist der Unterzeichneten Landes Polizei-Stelle zur Kenntniß gekommen, dass zwischen den christlichen Untertanen und jüdischen Eingesessenen zu Ullstadt und Sugenheim im Neustädter Kreise darüber Misshelligkeiten entstanden sind, dass man den Gedanken gefasst, es sei der im letzt abgewichenen Monat März vermisst und nach einigen Tagen auf einem Acker tot gefunden wordene 2-jährige Knabe des von Frankensteinl. Pächters Matthäus Makel auf dem Buchhof unweit Ullstadt von Juden behufs der Feier ihres Osterfestes ermordet worden. Je törichter dieses längst widerlegte Vorurteil einer intoleranteren Vorzeit schon an sich ist und so wenig dessen Fortpflanzung dem gegenwärtigen helleren Zeitalter zur Ehre gereicht, desto weniger hätte man in dem vorliegenden Fall, wo durch eine gerichtliche Untersuchung des Kindes die Überzeugung gegeben wurde, dass dasselbe auf dem Felde erfroren ist, erwarten sollen, dass jemand aus diese unvernünftige Vermutung verfallen und sich in solcher so weit verkehren und zu solchen Ausschweifungen verleiten lassen könne, wodurch sogar die öffentliche persönliche Sicherheit der jüdischen Bewohner jener Gegend in Gefahr zu kommen scheint. Es kann diese veranlagte Ruhestörung wohl nur allein das Werk einzelner boshafter Menschen sein, die vom Hass gegen einzelne jüdische Glaubensgenossen angetrieben, Rache üben und dazu andere Leichtgläubige Menschen missbrauchen und irre führen wollen, ohne zu überlegen, welches Ungemach sie sich selbst und anderen dadurch bereiten. Die Ausmittelung dieser Ruhestörer wird indessen den Polizei — ver-       
Forts.: einigt mit den Justizbehörden nach den bereits gegen sie vorliegenden Anzeigen nicht schwer und es wird eines jeden Teilnahme an der Sache nach dem Grade seines Verschuldens mit aller Strenge der Gesetze geahndet werden, welche Strafen um so empfindlicher werden müssen, als dabei Vergehungen auf Vergehungen gehäuft worden sind. Indem dieses hierdurch zu jedermanns Wissenschaft öffentlich bekannt gemacht und zugleich jeder dortige christliche Einwohner ernstlich gewarnt wird, sich nicht die mindesten weiteren Kränkungen gegen die jüdischen Eingesessenen zu erlauben; so verhofft die Königliche Kriegs- und Domainen-Kammer, dass dieser Warnung Gehör gegeben und durch ein entgegengesetztes Benehmen, welches überdies eine Widersetzlichkeit gegen obrigkeitliche Verfügungen bezeichnen und den Grad der Strafbarkeit erhöhen würde, nicht die Notwendigkeit werde veranlasst werden, dass die den Unterbehörden des Kreises wegen ihres weiteren Verfahrens gegebenen ernsten Instruktionen zum Vollzug gebracht werden müssen. Gegeben Bayreuth den 25. April 1803.
Königl. Preuß. Kriegs- und Domainen-Kammer".
Damit könnten wir nun die Akten schließen, wenn die 'Affaire" von anno 1803 nicht im Jahre 1903 noch ein Nachwort erforderlich machen würde. Ein Zeitraum von 20 Jahren war nach den geschilderten Ereignissen dahingegangen, längst war Gras auf dem Grabe des kleinen Makel und über die Geschichte seines Todes gewachsen, da veröffentlichte Friedrich Oertel, Königlich bayrischer Pfarrer zu Markt Lenkersheim, ein antisemitisches Machwerk unter dem Titel: 'Was glauben die Juden' (Bamberg 1823), in welchem er (S. 133 bis 141) die mit allen möglichen und unmöglichen Einzelheiten ausgeschmückte Geschichte des am Knaben Makel begangenen Ritualmordes seinen Lesern erzählt und mit folgenden Worten schließt: 'Alle Umstände geben es klar, dass die Juden nicht ganz rein waren, ... es wäre der Mühe wert, dieser Sache ganz auf den Grund zu kommen." Nun muss man doch fragen: Der Pfarrer Oertel war ein Zeitgenosse des vorgetragenen Falles und lebte in der Nähe des Tatortes, warum hat er nicht die gerichtlichen Protokolle eingesehen und ist der Sache ganz auf den Grund gekommen? Von dem Zeugnis der preußischen Regierung, das ihm nicht unbekannt sein konnte, erwähnt er kein Wort. Ist das nicht Unterschlagung? Ist das nicht Geschichtsfälschung?
Damit ist aber der kleine Makel noch lange nicht zur Ruhe gekommen. Aus den Händen des Pfarrers kam die falsche Münze in die Hände eines Ritters. Im Jahre 1866 (Anm.1) veröffentlichte Konstantin
(Anm.1) Mir liegt die zweite Auflage vom Jahre 1881 vor..    
Forts.: Ritter de Cholewa Paulikowski unter dem Titel: 'Der Talmud in der Theorie und in der Praxis" ein giftgeschwollenes Buch, in welchem er 73 historische Fälle des Ritualmords vorträgt. Auf S. 272 ff. ist der historische Fall Nr. 64 die oben geschilderte Geschichte des Ritualmords vom Buchhof, Wort für Wort abgeschrieben vom Pfarrer Oertel. Wäre es da nicht an der Zeit, dass der Knabe Makel dieselbe Belohnung empfange wie der Knabe Simon von Trient?
Der vorgetragene Fall ist darum so interessant, weil er an einem klassischen Beispiel, dessen Quellen glücklicher Weise der Nachforschung und Nachprüfung noch nicht unzugänglich geworden, den Beweis liefert, wie die 'historischen' Fälle des Ritualmordes gemacht werden!"     

   
Eindrücke von einem Kurzbesuch von 1851 zu Diespeck 
Anmerkung: Die Notiz ist aus einem Reisebericht durch verschiedene Gemeinden entnommen. 

Diespeck AZJ 13101851.JPG (92848 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Oktober 1851: "In Diespeck, wohin mich mein Weg führte, wurde vor nicht langer Zeit der noch rüstige, geschickte Lehrer, Vater einer großen Familie, ohne Prozess und ohne Pension, in Folge mehrjähriger kleinlicher Reibungen eingegangener Berichte, brevi manu seines Amts entsetzt, von der allerhöchsten Stelle aber wieder in demselben in der Art belassen, dass er im Bezug des Stellenertrags verbleibt, aber, weil die Bande des Zutrauens etc. gelockert seien, einen Verweser zu bestellen hat. In der hiesigen Synagoge, an deren Tür eine gedruckte Aufforderung dreier Rabbiner zu Beiträgen für Jerusalem, welcher der Vorsteher noch eine Sause beigegeben hatte, sich befand, wurde gerade ein 'Judeneid' mit allen seinen allerliebsten Zugaben, abgeleistet." 

   
Judenhetze durch den Pfarrer von Gutenstetten (1881)   

Diespeck Israelit 05011881.jpg (69650 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1881: "Neustadt an der Aisch (24. Dezember). Auch die hiesige Gegend hat einen Judenhetzer in der Person des Pfarrers Brügel von Gutenstetten aufzuweisen. Der Tätigkeit dieses Predigers ist es bereits gelungen, in dem nahen Dorfe Diespeck, wo derselbe wegen Krankheit des dortigen Pfarrers die Verwesung (= Vertretung) führt, die christlichen Bewohner derart gegen die Juden aufzuhetzen, dass in einer Nacht an der Behausung des Zigarrenhändlers Bauers sämtliche Fenster eingeworfen wurden. Größere Exzesse von Seiten der erregten rohen Gemüter sollen nach offener Aussage Einzelner in sicherer Aussicht stehen. (Auch aus Georgensgmünd wird von der unerfreulichen Tätigkeit einiger Judenhetzer berichtet, jedoch mit dem Hinzufügen, dass sie bei der Bevölkerung wenig Gehör fänden)."      

   
Ergebnisse von Spendensammlungen in der Gemeinde (1895 / 1901, 1906-07, 1907)
Anmerkung: In jüdischen Gemeinden wurden regelmäßig Spendensammlungen für bestimmte Zwecke durchgeführt und die Ergebnisse in jüdischen Periodika veröffentlich. Hier eine Auswahl von Mitteilungen zu den Ergebnissen von Sammlungen in Diespeck:  

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1895 - "Spenden für das Heilige Land": "Diespeck Durch Lehrer B. Fulder, Chalah-Geld von nachgenannten Frauen: Flora Heß 0.50, Bertha Dingfelder 1, Lina Schönwasser 0.50, Pauline Sternau 0.50, Sophie Lein 0.50, Getta Weil 0.25, Klärchen Kohn 0.50, Ida Seligenbrunn 0.50, Lotte Kohlmann 0.75. Jeanette Sternbach 1, Babette Sternau 1.75. Jeanette Goldstein 0.50, Zilli Kohl­mann 0.50, Ida Kohlmann 0.60, Rosalie Schönwasser 1, J. F. 2.50 M. — N. N. Gedarim 2 M. Zus. 27.70 M., wovon 2.70 M. für R VIII und 12 M. für R. IX."     
  
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1901 - "Eingegangene Spenden für die Armen in Heiligen Land": "Durch Lehrer B. Fulder in Diespeck: von N.N. für die Armen in Hebron per Adresse des Herrn Oberrabbiner Ber Ephros in Hebron 2, N. N. für Moschob Sekenim in Jerusalem 3, G. Mandelbaum, für Machazis Haschekel 1, N. N., zur Anschaffung von Mazzos für die Armen in Jerusalem 2, zusammen 8 M. —"    
 
Mitteilung im "10. Jahresbericht des Israelitischen Zentral-Waisen- und Mädchen-Heimes zu Bad Ems e.V." 1906-07 S. 19 - "Spenden, Geschenke und Jahresbeiträge (sc. für das Heim in Bad Ems)": Diespeck, Durch Bernhard Fulder, gesammelt von Rosa Schönwasser u. Jenny Fulder: N. N. 1,10 M., A. Heß, G. Schönwasser, L. Schönwasser, A. Lein, K. Kohn, J. Sternau, M. Seligenbrunn, Q. Kohlmann, je 1 M., Geschw. Sternau, S. Rosenau, je 50 Pf., Witwe Weil 40 Pf."   
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Ost und West" vom Dezember 1907 Sp. 802 - "Sammlung für die marokkanischen Glaubensgenossen": "Diespeck a. d.Aisch: K. Kohn, M. Seligenbrunn, S. Sternau, A. Lein, G. Kohlmann, L. Schönwasser, B. Fulder, G. Schönwasser, A. Heß je  1 Mark = 9 Mark, S. Rosenau, Witwe, Weil, Geschw. Sternau je 50 Pfennig = 1.50 Mark..." 

   
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Der Familienname "Dispeck(er)" (Herkunftsname aus Diespeck) verbreitet sich unter anderem über Gelehrtenfamilien in Fürth
(Artikel von 1911 insbesóndere zu dem 1715 in Diespeck geborenen Rabbiner David Dispeck)    
Artikel von Leopold Löwenstein (Rabbiner in Mosbach) in "Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft" VIII 1910 (1911) S. 82-84: "Zur Geschichte der Juden in Fürth - Zweiter Teil. Rabbinatsbeisitzer und sonstige hervorragende Persönlichkeiten (Alphabetisch geordnet)"  

Artikel "Zur Geschichte der Juden in Fürth" usw. (s.o.) S. 82: "Dispeck (Anm. 3), David (Anm. 4) b. Joel, war Vorsteher in Fürth und Rabbinatsbeisitzer unter R. David Strauss. In Dispeck (Bayern) c. 1715 geboren, wurde er in früher Jugend von seinen Eltern nach Fürth gebracht, wo er die Schule besuchte. Nach vollendetem 13. Lebensjahre besuchte er die Talmudschule des R. Jakob Kohn Popers in Frankfurt a. M., wo er bald zu den bevorzugten Jüngern gezählt wurde. Seine erste Anstellung fand er in Bruck (Anm. 5), das er 1741 wieder verließ, um sich nach verschiedenen Wanderungen in Fürth niederzulassen, wo er in Gemeinschaft mit Gleichstrebenden das Talmudstudium pflegte und auch selbst Unterricht erteilte. Sein Ansehen wuchs derart, dass ihn die Gemeinde zu ihrem Vorstand erwählte und ihm auch einen Sitz im Rabbinatskollegium einräumte, in welcher Eigenschaft er schon 1758 erwähnt wird (Anm. 6). So vergingen vierzehn Jahre, bis das Anwachsen seiner Familie ihn veranlasste, einen Gold- und Juwelenhandel zu betreiben. Ein großer Geldverlust, den er 1767 infolge seiner Gutmütigkeit und Leichtgläubigkeit erlitt, zwang ihn, Hab und Gut zu verkaufen, um seine Ehrenschulden vollständig zu bezahlen. Im Herbst 1771 wurde er nach 
Anmerkungen: 3) Der Familienname Dispeck war in Fürth mehrfach vertreten; ein Chajim Dispeck von da war zuerst Lehrer in Fürth und später Rabbiner am Beth-Hamidrasch in Hechingen (c. 1820). Simon Dispeck war anfangs des 19. Jahrhunderts Rabbiner in Altbreisach. Samuel Dispeck wurde 1797 als Rabbiner in Merchingen (Baden) angestellt.
4) Vgl. mein 'Nathanael Weil', S. 77; die dort gegebenen Notizen erfahren durch vorliegende Darstellung manche Ergänzung und Berichtigung; vgl. auch Eckstein, Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth, S. 78.
5) Vgl. באר יעקב S. 63b.
6) Im Jahre 1763 klagte er laut Protokollbuch bei dem Gemeinde-Vorstand gegen Israel Brandes wegen Zahlung abgelieferter Talmudbände.    
Forts.: Mühringen (im Schwarzwald) als Nachfolger des dortigen Rabbiners Simon Flegenheimer (Anm.1) berufen. Nach siebenjährigem Wirken verließ er infolge von Streitigkeiten, die in der Gemeinde ausbrachen, diesen Platz, um im Frühjahr 1778 nach Metz überzusiedeln, wo der hochgelehrte R. Arje Löw ( שאגת אריה ) den Rabbinatsstuhl innehatte und Dispeck als Schulrektor, Rabbiner des Beerdigungs-Vereins und Prediger eine geachtete Stellung einnahm. Schon in vorgerücktem Alter stehend, empfand er jetzt Sehnsucht nach dem Heimatland sowie den fernen Kindern und Enkeln und folgte daher im Spätsommer 1784 einem Rufe auf das Landrabbinat Bayreuth mit dem Sitz in Baiersdorf. Hier fand er die nötige Muße, um sein schon in Metz begonnenes Werk פרדס דוד (Pardes David) zu vollenden, zu dem er 1786 die Vorrede schrieb. Hier fand er auch neun Jahre lang die ersehnte Ruhe nach bewegtem Leben, bis er am 5. Kislew (9. November) 1793 ins Jenseits einging (Anm.2).
Der פרדס דוד (Pardes David, Sulzbach 1786 (Anm.3) enthält Vorträge des Verfassers, die er an Sabbaten und Festtagen in verschiedenen Gemeinden seiner Rabbinatsbezirke gehalten hatte, nach den Wochenabschnitten geordnet und mit vielfachen Auslegungen der Bibel und des Talmuds sowie mit midraschischen Deutungen verflochten, nebst 365 pilpulistischen Erklärungen zu Maimonides' Schriften. Am Schluss befindet sich eine im Jahre 1785 in Baiersdorf gehaltene Trauerrede auf sieben damals verstorbene Gelehrte; ferner eine talmudische Auseinandersetzung, ein Gutachten seines Schwiegersohns Jakob Samuel und endlich ein von seinem Enkel Mosche 1785 in Fürth am Sabbat vor seiner Verehelichung gehaltener Vortrag.
Rituelle Anfragen von ihm an R. Jakob Berlin finden sich im באר יעקב S. 15 a und 63 b, an R. Josef Steinhart in שדת זכרון יוסף S. 47, wobei dieser in sehr ehrender Weise über R. David Dispeck sich ausspricht. Approbationen erteilte er 1778 zu יערות דבש I (Karlsruhe 1779), 1786 zu מנידים (Sulzbach 1794), zu R. Eleasar Fleckeles’ עולת חודש II (Prag 1787), 1789 zu מחזור
Anmerkungen: 1) Vgl. mein 'Nathanael Weil', S. 76.
2) Eckstein teilt a. a. O. die Grabschrift mit, deren Fassung eine Wiedergabe erübrigt.
3) Die bibliographische Beschreibung s. Jahrbuch 1, 167.
  Forts.: (Pseudosulzbach 1795), 1790 zu מחזור (Fürth 1791), 1793 zu מנחת יהודה
(1801) (Anm.1)
R. David Dispeck war zweimal verheiratet; seine erste Frau hieß Mirjam, die zweite hieß Eva und wird als treue Genossin ihres Mannes im Vorwort zu פרדס דוד erwähnt. Sein Schwiegervater (aus erster oder zweiter Ehe) war Jakob Buttenwies. Sein Sohn Joel war Korrektor bei dem Druck des פרדס דוד (s.das.S.143). Sein Sohn Simon, der 1794 als Subskribent des מנחת יהודה verzeichnet ist, war Bezirksdajan in Baiersdorf, wo er 1847 im 81. Lebensjahr starb. Eine Tochter Bunle war an Wolf Neuburg in Fürth verheiratet. Eine andere Tochter wurde die Gattin des gelehrten R. Jakob Samuel, Sohn des Simon Schwabach (Anm.2) in Fürth; er wurde dort 1773 mit dem Morenutitel beehrt, war Rabbiner in Gailingen (bis 1778), Nordstetten und Burgpreppach und starb in hohem Alter bei seinem Sohne Mosche Schwarzwälder in Fürth, der schon oben erwähnt wurde (Anm.3)... 
  
Anmerkungen: 1) Aus der letzten Approbation ist ersichtlich, dass er ungern solche erteilte, wie er auch den 
פרדס דוד nicht approbieren Hess (s. dort Schluss der Vorrede).
2) Lea Debora Chaja, Tochter des R. Bezalel Bunzlau, starb 1798 in Fürth als Witwe des Simon Schwabach. R. Bezalel Bunzlau aus Prag, Schüler des R. Jakob Kohn Popers in Frankfurt a. M., war 1709 Rabbiner in Öttingen (vgl.1 שו״ת שב יעקב S. 98 b; II S. 5 b; שו״ת מעיל צדקד S. 63 b; Hock S 33); nach seinem Tode wurde seine Frau Lible in zweiter Ehe die Gattin des R. Jakob Kohn Popers in Frankfurt a. M. (Inschriften No. 2750).
3) Vgl. פרדס הד S 138 b und 142 a; Mosche ist als Subskribent im לדך סלולה (Fürth 1801) verzeichnet. .

   
Über David Einhorn (geb. 1809 in Diespeck, gest. 1879 in New York) 
Anmerkung: Rabbiner Dr. David Einhorn (geb. 1809 in Diespeck als Sohn des Mayer Einhorn, gest. 1879 in New York): studierte 1825 an der Jeschiwa in Fürth, seit 1827 in Würzburg (1829 Ordination durch das Fürther Rabbinatskollegium), ab 1830/32 Studien an der Universität Würzburg, dann in München; Promotion 1834 in Erlangen; 1838 wurde er zum Rabbiner von Welbhausen gewählt, aber wegen seiner liberalen Ansichten von der Regierung nicht bestätig; 1842 bis 1847 Landesrabbiner des Fürstentums Birkenfeld in Hoppstädten; nach der Zeit in Hoppstädten seit 1847 Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin; seit 1855 Rabbiner in Baltimore/Maryland, seit 1861 in Philadelphia Pennsylvania, seit 1866 in New York; vgl. Wikipedia-Artikel zu David Einhorn). Weitere Artikel siehe auf der Seite zu Hoppstädten.   
   

- Rabbiner Dr. David Einhorn wird als Distriktsrabbiner in Welbhausen gewählt (1838)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. September 1838: "Dr. Einhorn aus Diespeck ist als Distriktsrabbiner in Welbhausen, bei Uffenheim, wozu noch einige Orte gehören, die früher dem Ansbacher Rabbinate einverleibt waren, gewählt und aufgenommen worden."     

- Beitrag von Ludwig Geiger über Rabbiner Dr. David Einhorn (erschien 1911)   

Diespeck AZJ 09091911a.jpg (571982 Byte) Diespeck AZJ 09091911b.jpg (66024 Byte) 

vgl. zu Rabbiner Dr. David Einhorn: https://de.wikipedia.org/wiki/David_Einhorn_(Rabbiner)  
zum Verfasser des Artikels Ludwig Geiger: https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Geiger   
zu dem im Text genannten Kaufmann Kohler:  https://de.wikipedia.org/wiki/Kaufmann_Kohler   
zu Emil G. Hirsch https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Gustav_Hirsch 
zur roten Kuh:  https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Kuh
zu Holdheim:  https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Holdheim     

oben: Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juli 1911: "David Einhorn.  Von Ludwig Geiger.
Im Jahrgang 1909 Nr. 49 S. 580 haben wir als eines der ersten Bilder das Porträt David Einhorns gebracht und eine ausführlichere Würdigung des hochverdienten Mannes für die Zeit verheißen, da das angekündigte größere biographische Werk erschienen sein wird.
Nun ist ganz vor kurzem der stattliche Band veröffentlicht worden, dessen ausführlicher Titel zugleich den Inhalt angibt (David Einhorn: Memorial Volume. Selected sermons and addresses edited by Kaufmann Kohler. A biographical essay by Kaufmann Kohler. A memorial oration by Emil G. Hirsch. Limited Edition. 1911. Bloch Publishing-Company New York). Indem wir auf das Werk selbst verweisen, geben wir heute unseren Lesern ein Bild Einhorns, und zwar nach der letzten Aufnahme des Jahres 1879. Außer diesem Bilde ist die Denkschrift noch mit drei anderen, sehr gut ausgeführten Porträts geschmückt, von denen das erste 1852 in Pest, das zweite 1857 in Baltimore, das dritte 1872 in New York angefertigt worden ist.
Der Inhalt des gut ausgestatteten Buchs besteht in 48 Predigten, einem biographischen Essay von Kaufmann Kohler und einer Gedenkrede von E. G. Hirsch. Die Predigten sind deutsch, obgleich sie zum größeren Teil in Amerika gehalten wurden. Sie zerfallen in drei Abteilungen: 1. Antritts- und Abschiedspredigten, 2. Predigten an nationalen Gedenktagen und bei außerordentlichen Gelegenheiten, 3. Festtags- und Sabbatpredigten. Von diesen Predigten gehören, wenn ich recht gezählt habe, nur fünf der voramerikanischen Zeit, alle übrigen 43 dagegen der amerikanischen Epoche an. Ich habe diese starke Predigtsammlung, sie füllt 399 Seiten, durchgeblättert, dabei vieles Schöne gefunden. Zwei aufmerksam gelesen, die Trauerrede über meinen Vater und eine Predigt über die rote Kuh. Sie zeigen, so verschieden sie auch sind, die Vorzüge der Einhorn'schen Predigtart überhaupt: Klarheit im Aufbau, Schlichtheit der Sprache, Vereinigung des einzelnen mit dem allgemeinen.
Gewiss ist es leichter über Abraham Geiger zu sprechen, als über die rote Kuh. Und ich erinnere mich, wie ein sehr begabter und in seiner Gemeinde hoch geachteter Prediger bei einer Berliner Gastpredigt mit dem letzten Wochenabschnitt (4.B. M. Kap. 19) herzlich wenig anzufangen wusste. Um so interessanter war mir, zu sehen, wie Einhorn den letzteren Gegenstand behandelt. Wie er sich nicht an Einzelheiten klammert, sondern eben das Ganze benutzt, um in der roten Kuh das Symbol der sittlichen Reinigung zu sehen und diese in schönen edlen Worten zu behandeln. Gerade diese Predigt, mit ihrer geschickten Benutzung talmudischer Worte, mit ihrer innigen Gläubigkeit, mit ihrer gedankenreichen Lebensphilosophie ist ganz besonders schön und überaus charakteristisch für Einhorns Art. Denn seine Hauptbedeutung liegt in seiner Predigertätigkeit.
Einhorn ist am 10. November 1809 in Diespeck, einem Dörfchen in Bayern, geboren. Er besuchte die damals berühmte Talmudschule in Fürth. Als er 17 Jahre alt war, erhielt er sein Rabbinatsdiplom, besuchte darauf die Universitäten Erlangen, Würzburg, München, wurde von seinem ehemaligen Lehrer als Abtrünniger betrachtet und entwickelte sich besonders unter dem Einflüsse Schellings zu einem freisinnigen Theologen. In Bayern hatte er lange vergeblich zu kämpfen und vermochte bei dem Widerstande der Altgläubigen zu keiner angemessenen Stellung zu gelangen. Erst 1842 erhielt er die Stellung als Landrabbiner in Birkenfeld, im Großherzogtum Oldenburg. Er beteiligte sich lebhaft an den damaligen Zeit- und Streitfragen: den Breslauer Kontroversen, dem Hamburger Tempel, dem Frankfurter Reformverein, stand überall entschieden auf dem Standpunkt der freiheitlichen Bewegung und trat besonders energisch für die unbedingte Entwicklungsfähigkeit des Judentums ein. Er nahm an der zweiten und dritten Rabbinerversammlung teil, sprach sich auf der Frankfurter Tagung für Einführung der deutschen Sprache in das Gebetbuch aus, für Vorlesung des Prophetenabschnitts in deutscher Sprache und erklärte sich bei der Breslauer Versammlung für die Abschaffung der zweiten Feiertage. Ursprünglich war er kein unbedingter Anhänger Holdheims, er hatte sogar zuerst lebhafte Streitigkeiten mit ihm über die Kol-nidre-Formel zu führen, kam aber später mit ihm in freundschaftliche Verbindung. Ja, er wurde 1847 sein Nachfolger in Schwerin und erhielt, als er nach Pest gerufen worden, die Widmung von Holdheims Predigten. In Schwerin verteidigte Einhorn in einem Gutachten die Aufnahme eines unbeschnittenen jüdischen Knaben in das Judentum, und hatte wegen dieses Gutachtens mehrfache literarische Kämpfe zu bestehen.
Aber solche kleinen schriftstellerischen Arbeiten und eine fleißige Besorgung seiner amtlichen Tätigkeit waren nicht geeignet, den eifrig strebenden Mann auszufüllen. Vielmehr begann er bereits in Schwerin die Arbeit an seinem Gebetbuch, das den Grundsatz verfocht, die wesentlichen Teile des alten Rituals beizubehalten und vor allen Dingen die Idee zu festigen, dass Israel zu einer messianischen Wirksamkeit für die Menschheit bestimmt sei. Gerade in dieser messianischen Idee sah er den Ersatz für die Zionssehnsucht mancher Kreise und die Stärkung und Kräftigung eines freudigen Optimismus an Stelle verdüsternder Resignation, der sich so viele Hingaben.
In Pest, wohin Einhorn 1852 berufen würde, begann er sein großes Werk 'Das Prinzip des Mosaismus und dessen Verhältnis zum Heidentum und rabbinischen Judentum'. In diesem Buche sollte dargetan werden, dass das Zeremonialgesetz, besonders der Priesterkultus, der im Mosaismus eine Hauptstellung einnehme, einen symbolischen Charakter besitze und daher nicht von grundlegender Bedeutung sei. Der erste Band, dieses Werkes erschien 1854,  einige Kapitel des zweiten wurden in amerikanischen Zeitschriften Anfang der 70er Jahre abgedruckt.
Schon 1855 wurde Einhorn nach Amerika berufen; er wirkte zuerst' in Baltimore, dann in Philadelphia, dann in New Jork. Nach den mannigfachen schönen Anfängen der Reformbestrebungen, die vor seine Berufung fallen, wurde durch ihn die wahrhafte Reform des Judentums in Amerika eingeführt. Er wurde ihr mannhafter Träger und ihr glänzender Führer. Durch seine Monatsschrift Sinai, die zuerst 1856 erschien, durch seine Beteiligung an den amerikanischen Rabbinerversammlungen, vor allem durch seine Predigten und sein Gebetbuch rückte er an die erste Stelle der hervorragenden und bedeutsamen Träger des Reformkultus. Er war ein durchaus gläubiger Mann, fest in seinem Gottesglauben, in seiner Überzeugung von einer Offenbarung durch die Propheten, besonders von der Offenbarung am Sinai. Freilich unterschied er zwischen Zeremonial und Ethik, jenes erachtete er als nur von zeitlicher Bedeutung, die ethischen Vorschriften als unveränderlich, als verpflichtend für alle Zeiten. Israel war ihm der Träger des Monotheismus für alle Zeiten. Den Monotheismus durch die Welt zu tragen, war seine Mission. Daher erklärte sich Einhorn aufs entschiedenste gegen Mischehen, und konnte sich nicht entschließen, statt des Sabbats den Sonntag einzuführen. In seinem Gebetbuche entfernte er den Priestersegen, die Anspielungen auf Wiederbelebung und Wiederherstellung des jüdischen Staates. Er kürzte die vielfachen Wiederholungen, entfernte die überflüssigen Pijutim. Er behielt das Hebräische für wichtige Abschnitte bei, gab . aber der Landessprache einen breiten Platz. .
In gewisser Weise ist Einhorn von seinen Nachfolgern, den kühnen rücksichtslosen Reformern überholt worden. Aber seine Leistungen verdienen noch heute Anerkennung und Würdigung als die eines der gediegensten Träger des Reformgedankens. Er war, wie sein Biograph es schön ausdrückt: 'Ein Lichtträger der Wahrheit, ein Zertrümmerer der Idole, vor allem ein Pfeiler der Festigkeit und Gradheit, unnachgiebig, ungebeugt, treu wie Gold."  
Link zu einem englischen Beitrag über Rabbiner David Einhorn: 
http://www.fofweb.com/History/MainPrintPage.asp?iPin=ARL082&DataType=AmericanHistory&WinType=Free   
Foto von Rabbiner David Einhorn: unten auf der Seite  http://yumuseum.tumblr.com/CivilWar     

   
Kleine Mitteilungen:
-  Hochzeit von Hermann May (Meiningen) mit Ida geb. Kuhlmann (Diespeck) am 17. Januar 1888 ("Rechenschaftsbericht... Achawah 1888-89" S. 6)
-  Hochzeit von Joseph Sternau (Diespeck) mit Pauline geb. Guggenheimer (Osterberg) am 19. April 1888 (ebd. S. 7)
-  Verlobung von Friedl Schönwasser (Diespeck) mit Alfred Neumann (Frankfurt, Waldschmidtstraße 74) ("Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 15.8.1913 S.6)
-  Tod von Emanuel Roß (geb. 7. April 1848 in Diespeck; Mitbegründer der Maimonides-Loge in Nürnberg), gest. 25. Januar 1903 ("Bericht der Großloge für Deutschland" 1914 Nr. 13 - Dezember)
-  Tod von Hermann Aal (geb. 4. Januar 1848 in Diespeck; Mitglied der Maimonides Loge in Nürnberg seit dem 20. Februar 1904), gest. 10. Dezember 1917 ("Bericht der Großloge für Deutschland" 1918 Nr. 4 - Mai)
   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige von Flora Hess (1909)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. August 1909: "Ich suche für meinen Vater alter Herr, ein israelitisches
Mädchen,
das etwas kochen kann und sich der Hausarbeit unterzieht, zum baldigen Eintritt bei hohem Lohne.
Flora Hess
Diespeck a. Aisch
(Bayern)."    

   
Fr. Mailänder in Fürth sucht die Familienregister der jüdischen Gemeinde Diespeck (1934)  
Anmerkung: bei Fr. Mailänder (Adressbuch Fürth 1931 Wilhelmstraße 4) handelte es sich um den Brauereibesitzer Fritz Mailänder, Mitinhaber der Brauerei zum Bergbräu W.L. Mailänder, Inhaber Alice und Fritz Mailänder. Sein Großvater war der Brauerbegründer Wolf Wilhelm Mailänder ist, der am 9. September 1820 in Diespeck geboren und am 29. Dezember 1871 in Fürth gestorben ist. Wolf Wilhelm Mailänder ist von Diespeck nach Fürth gezogen, wo er nach einer Lehre zunächst Schnittwarenhändler, seit 1853 Hopfenhändler war. 1862 kaufte er die Braunbierbrauerei Timmich und die Weißbierbrauerei Stengel. Die erstere baute er aus zur Bergbräu W.L. Mailänder. Weitere Informationen zur Familie und zur Brauerei im fuerthwiki.de u.a. https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php?title=Wolf_Wilhelm_Mailaender und   https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php?title=Bergbräu, zu Fritz Mailänder https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php?title=Fritz_Mailaender und seiner Mutter Alice Mailänder https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php?title=Alice_Mailaender. In der NS-Zeit wurde die Brauerei "arisiert", nach dem Krieg konnte Fritz Mailänder die Brauerei ab 1954 bis 1977 weiter betreiben. Er starb am 2. Oktober 1984 in Bad Kissingen

Suchanzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1934: "Wo befinden sich die Synagogenbücher (Sterberegister etc.) von Diespeck (Aisch). Auskunft erbeten an Fr. Mailänder, Fürth in Bayern, Wilhelmstraße 4".      

  
   
   
Zur Geschichte der Synagoge und weiterer Einrichtungen          
   
Zunächst war ein Betsaal vorhanden. Nach dem von Louis Lamm zitierten Bericht (siehe oben) gab es in Diespeck Ende des 17. Jahrhunderts eine "kleine Schul", womit ein Raum für Gottesdienst gemeint war.
  
1832/33
wurde eine Scheune zu einer Synagoge umgebaut. Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde wurde die ehemalige Synagoge 1932 zu einer Turnhalle umgebaut. 1935 wurde das Gebäude an den unmittelbaren Nachbarn verkauft, der es abbrechen und an gleicher Stelle ein Wohnhaus erbauen ließ (Grundstück Birkenhof [früher: Judenhof] Nr. 4). 
  
Schule, Mikwe, Schlachthaus. Seit 1826 (bis 1911) bestand eine jüdische Konfessionsschule. Nach Auflösung der Schule wurde das Gebäude zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut (Neustädter Straße 8). 1848 wurde eine neue Mikwe (rituelles Bad) eingerichtet. Die ehemalige Mikwe ist noch teilweise erhalten; über ihr wurde eine Scheune erbaut (Anwesen Birkenhof 15). Auch das ehemalige jüdische Schlachthaus ist erhalten (Birkenhof 15)
  
  
  
Fotos               
Historische Fotos der ehemaligen Synagoge
 
(Fotos von Theodor Harburger; Quelle: Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in Th. Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. 1998; die nachfolgenden Fotos wurden direkt von den Central Archives zur Verfügung gestellt; das mit *) bezeichnete Foto stammt von Heimatforscher Ernst Ruff).

Diespeck Synagoge 100.jpg (65442 Byte) Diespeck Synagoge 101.jpg (62890 Byte)
Bei der Synagoge handelte es sich um einen 
Steinbau mit Fachwerkaufsatz  
In der Synagoge gab es einen Toraschrein 
in neugotischem Stil  
   
Diespeck Synagoge 102.jpg (97793 Byte) Diespeck Synagoge 103.jpg (67815 Byte)
Messing-Hängeleuchter der ehemaligen Synagoge   Chanukka-Leuchter in der ehemaligen Synagoge  

   
Neuere Fotos
  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.9.2007)  

Diespeck Ort 154.jpg (66936 Byte) Diespeck Ort 150.jpg (108822 Byte) Diespeck Ort 158.jpg (74620 Byte)
Straßenschild "Birkenhof" - 
früher "Judenhof"
Tafel zur jüdischen Geschichte mit 
Fotos und Plan
Plan der jüdischen Häuser und 
Einrichtungen im ehemaligen "Judenhof"
     
Diespeck Ort 155.jpg (85738 Byte) Diespeck Ort 156.jpg (91230 Byte) Diespeck Ort 152.jpg (80723 Byte)
Häuser am Eingang zum "Judenhof" Ehemalige jüdische Wohnhäuser
   
Diespeck Synagoge 151.jpg (73050 Byte) Diespeck Synagoge 152.jpg (105791 Byte)    
Die alte Synagoge mit Hinweistafel: "In diesem Haus befand sich im Dachgeschoss die 'Schule', 
der Gebets-, Lehr- und Versammlungsraum der jüdischen Gemeinde (Kehilla). Der große 
Laden in der Mitte des Giebels weist auf den früheren Erker mit den Torarollen hin".
   
   
Diespeck Ort 153.jpg (86103 Byte) Diespeck Ort 151.jpg (57766 Byte) Diespeck Ort 157.jpg (67758 Byte)
Haus im ehemaligen 
"Judenhof"
Das ehemalige jüdische Schulhaus (Neustädter Straße 8) - historische Ansicht und 
renoviertes Gebäude im September 2007

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Rückblick: Vorstellungen der Neubearbeitung der Publikation von Ilse Vogel im Februar 2011   
Ilse Vogel:  Der Judensäcker. Begräbnisstätte der Juden in der Diespecker Flur. 1785 – 1938. 
Neuauflage PH. C. W. Schmidt  2011. ISBN 978-3-87707-787-0 
  
Das Buch ist eine Dokumentation jüdischen Lebens im mittleren Aischgrund und umfasst 240 Seiten. Es enthält viele Abbildungen und Erklärungen, Übertragung der hebräischen Inschriften und ausführliche Register. Es kostet € 32 und kann nach der Vorstellung erworben werden. 
Nach langjährigen Vorarbeiten, u. a. über die jüdischen Gemeinden in Diespeck (2003), in Pahres und Neustadt (2008) bietet die Autorin nun eine ausführliche Darstellung über 150 Jahre Belegung im Friedhof, über jüdische Bestattungskultur und zeitbedingte Akkulturation. Ein schematisches Auflisten von Grabsteinen wurde vermieden, da diese den Familien zugeordnet sind. 
Die im Abschnitt 'Eingeschrieben ins Buch des Lebens – hebräisch, wie sonst?' abgebildeten Steine entsprechen heute kaum noch der Wirklichkeit vor Ort, denn der 'Zahn der Zeit' nagt unaufhaltsam am Material.
   
Die Buchvorstellung findet jeweils um 19 Uhr unter angepassten Themen und ausgewählten Fotos statt. Sie ist keine virtuelle Friedhofsführung.
In Diespeck am Freitag, 4. Februar 2011 in der Schule: Geboren in Diespeck – gestorben in Neustadt – ein stolzer Rest aber blieb. 
150 Jahre diente das 'Haus des Lebens' der Bestattung ihrer Gemeindeglieder.
In Neustadt am Dienstag, 8. Februar 2011 im Gewölbe im Alten Schloss
Sie haben die Stadt aus dem Mittelalter geholt und den Judensäcker, das 'Haus des Lebens“, in Diespeck, gleich dazu.
In Pahres am Mittwoch, 9. Februar 2011 in der Gaststätte Hofmann 
Tote Steine zum Leben erweckt – 100 Jahre Belegung der Gemeinde in Pahres von 1786 – 1874.  

    
     

Links und Literatur

Links: 

bulletWebsite der Gemeinde Diespeck  
bulletzur Seite über den jüdischen Friedhof in Diespeck (interner Link)  

Literatur:  

bulletAdolf Eckstein: Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth. Bayreuth 1907.
bulletMichael Trüger: Artikel zum jüdischen Friedhof Diespeck / Mittelfranken. In: Der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Jg. 11 Nr. 71 vom Dezember 1996 S. 13.
bulletIsrael Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988. S. 149-150.
bulletBaruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 167-168.  
bulletIlse Vogel: "koscher oder trefa". Wie das Neben- und Miteinander von Juden und Christen in Diespeck zweihundert Jahre lang eine Dorfkultur schuf. Hans Meyer Verlag Scheinfeld. 2003. 2007². ISBN 3-89015-215-X.  
bulletdies.: Des Höchsten Liebling, mein Freund. Morenu haRav R'David Diespeck (1715.1793). Eine Biographie und Familiengeschichte (=Franconia Judaica, Band 9). ISBN 978-3-95650-119-7. 

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Diespeck  Middle Franconia.  The 18th century community had a synagogue as well as a cemetery serving neighboring settlements. It numbered 270 (total population 820) in 1837 and was attached to Neustadt an der Aisch in 1933. The three remaining Jews left by 1937.  
   
     

                   
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Stand: 31. Januar 2026