Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Neustadt an der Aisch mit Ipsheim (Kreis Neustadt a.d.Aisch - Bad Windsheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Persönlichkeiten: zu Elias Levita (1469-1549)  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Neustadt an der Aisch bestand bereits im Mittelalter eine ansehnliche jüdische Gemeinde. Die Gemeinde wurde bei der sogenannten "Rindfleisch"-Verfolgung am 23. Juni 1298 vernichtet. An diesem Tag wurden 71 Juden verbrannt. Nicht bekannt ist, wann sich wiederum jüdische Familien in der Stadt niederlassen konnten. In Nürnberg werden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts immer wieder Juden aus Neustadt genannt beziehungsweise hatten sich niederlassen können: Symon, Pucher, Jona b. Mose, Mardochay, Jale und Gutlein (Erwähnungen in der Jahren 1324, 1326, 1328, 1338, 1347, 1349). Doch lebten auch in Neustadt selbst in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts einige Juden, zumal bei der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 auch in Neustadt Juden ermordet wurden. Noch vor 1374 lebten wiederum Juden in der Stadt, doch blieb ihre Zahl bis auf weiteres sehr klein. 1421 kam es zu einem Pogrom in der Stadt durch ein gegen die Hussiten ziehendes Heer aus Flandern und Hennegau. Mehrere Juden seien dabei zwangsgetauft worden. 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts besserten sich unter dem Markgrafen Albrecht Achilles Markgraf Albrecht Achilles (reg. 1440-1483) die Lebensbedingungen. Dieser hatte den Juden einen "Freibrief" ausgestellt., in dem ihnen gegen Zahlung entsprechender Schutzgelder zahlreiche Rechte zugestanden wurden. Die jüdischen Familien wohnten auf dem "Gänshügel" ("Gänsberg"), der unweit der Burg im Schutz der erweiterten Stadtmauer lag. 1499 wurden einige aus Nürnberg vertriebene Juden in Neustadt aufgenommen. 1515 vertrieb der Markgraf von Brandenburg-Kulmbach allerdings die Juden seines Landes und damit auch diejenigen in Neustadt.  

In Ipsheim wohnten zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert zeitweise jüdische Personen beziehungsweise Familien, jedoch kam es vermutlich zu keiner Zeit zur Bildung einer Gemeinde mit eigenen Einrichtungen. Im 15. Jahrhundert war mindestens eine jüdische Familie am Ort. Im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts sind einige jüdische Hausbesitzer fassbar: u.a. hatte 1726 Josef Levi aus Neustadt a.d. Aisch den Komplex der May'schen Schlosshöfe (Marktplatz 15) erworben und ihn 1728 an den Bäcker Philipp Riedel weiterverkauft. 1806 verkaufte Mendel Löw aus Lenkersheim das untere Stockwerk des May'schen Schlössleins (Kirchplatz 1).

Zwischen 1536 und 1767 lebten in Neustadt einzelne jüdische Personen beziehungsweise Familien, ohne dass es zur Bildung einer jüdischen Gemeinde kam. 1709 waren es drei, 1728 zwei, 1763 wiederum drei jüdische Familien in der Stadt. 

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte ein erneuter Zuzug jüdischer Familien aus umliegenden Landgemeinden wie Diespeck, Pahres u.a.m. Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie folgt: 1867 39 jüdische Einwohner (1,1 % von insgesamt 3.583 Einwohnern), 1871 57 (1,5 % von 3.709), 1880 147 (3,6 % von 4.114), 1890 170 (4,5 % von 3.748), 1900 210 (5,4 % von 3.870), 1910 146 (3,2 % von 4.494). 
 
Große Verdienste um den Aufbau der Gemeinde sowie um den Synagogenbau u.a.m. hatte Elias Stahl, der bis zu seinem Tod 1927 40 Jahre lang Gemeindevorsteher war. 22 Jahre lang gehörte er auch der Stadtverwaltung an (siehe Bericht zu seinem Tod unten). 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, eine Religionsschule mit Lehrerwohnung sowie ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schächter fungierte (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). 1883 wurde der Unterricht noch vom Lehrer aus Diespeck erteilt (vgl. unten Stellenausschreibung). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Diespeck beigesetzt. 

Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Adolf Dingfelder, Justin Dingfelder, Norbert Hecht, Simon Hecht, Ludwig Stahl, Hermann Wollenreich, Leo Wollenreich. Leo Wollenreich, der am 14. Oktober 1918 starb, war noch mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden (Bericht im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 6. November 1914). Die Namen der jüdischen Gefallenen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges vor dem städtischen Friedhof an der Ortseinfahrt aus Richtung Würzburg (B 8) auf den linken Seite der Riedfelder Straße. Das Denkmal wurde 1933 eingeweiht mit dem Text: "Die dankbare Heimat Neustadt an der Aisch 1933 ihren im Weltkriege gefallenen Söhnen. Euer Tod war unser Leben. Wach in uns ist eure Kraft". Die Namen stehen auch auf dem Gefallenendenkmal im jüdischen Friedhof in Diespeck.  

Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde (damals noch "Israelitische Kultusgemeinde Neustadt-Diespeck") noch 102 jüdische Personen gehörten (2,22 % der Gesamtbevölkerung, davon drei in Diespeck), waren die Vorsteher der Gemeinde: Julius Lehmann, Gustav Dingfelder, Martin Schwab, Simon Sämann, Leopold Schwab, S. Junker, Norbert Sternau, Elias Stahl. Als Kultusbeamter und Lehrer wirkte Simon Blumenthal. Er gab an öffentlichen Schulen damals zwei jüdischen Kindern Religionsunterricht. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat in Fürth. 1932 wurden 111 jüdische Einwohner gezählt, dazu gehörten auch die fünf noch in Diespeck wohnenden jüdischen Personen. Erster Vorsteher der Gemeinde war weiterhin Julius Lehmann, der zweite Vorsteher Gustav Dingfelder. Lehrer Simon Blumenthal ist auch als Schriftführer der Gemeinde genannt. An jüdischen Vereinen bestanden: der Israelitische Frauenverein (gegründet 1876, 1932 unter Leitung von Babette Sternau; Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker) und der Wohltätigkeits- und Bestattungsverein Gemilus Chasodim-Chewra für Männer (gegründet 1876; 1932 unter Leitung von J. Lehmann; 25 Mitglieder). Außerdem bestand eine Ortsgruppe des Central-Vereins (unter Leitung von Norbert Sternau). Jüdischen Religionsunterricht durch den Lehrer Blumenthal erhielten im Schuljahr 1932/33 zehn jüdische Kinder. 

1933 lebten noch 74 jüdische Personen in Neustadt. Durch die Folgen des wirtschaftlichen Boykotts und der schnell zunehmenden Repressalien sind in den folgenden Jahren alle jüdischen Einwohner aus Neustadt verzogen. Es wurden gezählt: 1.1.1934 61 jüdische Einwohner, 1.1.1935 38, 1.1.1938 35, 9.11.1938 22, 13.11.1938 1, 16.12.1938 kein jüdischer Einwohner mehr. 
Über die antijüdischen Maßnahmen in Neustadt liegen zusammengefasst folgende Informationen vor (Zitat aus Ophir/Wiesemann s.Lit.): "Neustadt war eine Hochburg der NSDAP; schon 1931 erzielte sie bei den Stadtratswahlen die absolute Mehrheit... Um den wirtschaftlichen Boykott der Juden voranzutreiben, unterhielt die NSDAP in Neustadt einen umfangreichen Propagandastab. 1934 hielt dieser ca. 60 Versammlungen ab, in denen diejenigen öffentlich angeprangert wurden, die noch bei Juden kauften. Ein Propagandawagen fuhr wiederholt durch die Stadt und warnte durch Lautsprecher davor, bei Juden einzukaufen. Ein nichtjüdischer Arbeiter, der in einem jüdischen Laden einen Regenmantel erstanden hatte, wurde durch die Straßen geschleift und von Kindern bespuckt. Die jüdischen Geschäftsleute wurden gezwungen, an ihren Läden Schildern mit dem Text 'Streicher hat recht - die Juden sind unser Unglück' anzubringen. Im April 1934 wurde den jüdischen Ladeninhabern verboten, Brot zu verkaufen, während gleichzeitig die nichtjüdischen Läden angewiesen wurden, Juden nicht mit Brot zu beliefern..."
Von den jüdischen Einwohnern konnten drei in die USA auswandern, die übrigen verzogen in andere Städte (Würzburg, Fürth, Bamberg, Berlin, Bad Kissingen, Frankfurt am Main) und konnten teilweise von dort emigrieren. Am 8. November 1938 wurden die letzten 22 jüdischen Einwohner angewiesen, die Stadt innerhalb von acht Tagen zu verlassen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge völlig zerstört, ein vierjähriges Kind durch brutale Misshandlungen schwer verletzt. 
  
Von den in Neustadt a.d. Aisch geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):    
Hedwig Bendel geb. Kraus (1891), Emma (Erna) Eckmann geb. Sulzbacher (1878), Julius Eschwege (1922), Anna Zilla Flach (1878), Betty Gutmann geb. Kühn (1873), Ernst Ludwig Kempe (1926), Felix Kraus (1893), Selma Kraus (1887), Bernhard Kühn (1884), Gutta (Gitta) Laub geb. Erlanger (1873), Flora Liebmann geb. Steinacher (1872), Alice Luchs (1931), Sophie Luchs (1933), Annelies (Anne) Roos (1924), Emma Rosenblatt geb. Hellmann (1913), Albert Sämann (1895), Hedwig Schlesinger geb. Sulzbacher (1880), Iwan Schwab (1889), Mathilde Schülein geb. Birgstein (1862), Benno Schönthal (1888), Lothar Schönthal (1886), Emma Sternau (1878), Pauline Uhlfelder geb. Freimann (1883).      
Anmerkung: Eine Liste auf Grund der Angaben bei Yad VaShem ist nicht zu erstellen, da mehrere Orte "Neustadt" erfasst werden und aus den Angaben bei Yad Vashem bei einem großen Teil der angegebenen Personen nicht zu erkennen ist, welches Neustadt gemeint ist; die nachstehenden Namen erfolgten auf Grund der Eingabe von "Neustadt +Aisch" im Verzeichnis des "Gedenkbuches", danach Auswahl aus dieser Liste, da auch die im Kreis Neustadt a.d. Aisch umgekommenen Personen aufgeführt werden.
    
   
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1883 (noch von Diespeck aus!) / 1892 / 1907 / 1921 / 1923

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November 1883: "Die Stelle eines Schächters und Vorbeters in dem zur hiesigen Kultusgemeinde ressortierenden Neustadt a. Aisch soll mit einem Jahreseinkommen von circa Mark 1200 bis Mark 1400 baldmöglichst besetzt werden. Hierauf Reflektierende wollen ihre Meldungen nebst den erforderlichen Zeugnissen innerhalb 4 Wochen an den Unterfertigten einsenden. Reisekosten werden nur dem Gewählten erstattet. Diespeck in Mittelfranken, 28. Oktober 1883. 
Der israelitische Kultusvorstand. L. Schönwasser."
1892 wurde die Stelle als "Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle" ausgeschrieben: 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1892: "Erledigte Stelle. In Neustadt a.A., welches zur hiesigen Kultusgemeinde ressortiert, ist die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle mit einem jährlichen Gesamteinkommen von ca. Mark 1600 erledigt und soll bis 1. April diesen Jahres wieder besetzt werden. Hierauf reflektierende inländische Bewerber mit seminaristischer Bildung wollen ihre Gesuche und Zeugnisse bis längstens 20. Januar diesen Jahres an den unterfertigten Kultusvorstand einsenden. Unverheiratete Kandidaten erhalten den Vorzug.
Diespeck (in Bayern), 3. Januar 1892. Der Israelitische Kultusvorstand: L. Schönwasser."
1907 wurde für die hohen Feiertag ein Hilfsvorbeter gesucht:     
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1907: "Für Rosch Haschana (Neujahrsfest) und Jom Tow (Versöhnungstag) wird ein durchaus befähigter Hilfsvorbeter gesucht
Synagogen-Vorstand E. Stahl. Neustadt a.d. Aisch". 
  
Neustadt Aisch Israelit 26051921.jpg (46585 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1921: "Die durch Todesfall erledigt Stelle eines Kantors, Religionslehrers und Schochet ist neu zu besetzen. Das Einkommen beläuft sich auf annähernd 12.000 Mark. Bewerber wollen ihre Offerte mit genauen Angaben über Lebenslauf, Bildungsgang, Alter und Familienstand, spätestens bis 15. Juni an unterfertigte Stelle richten.  
Israelitische Kultusgemeinde Neustadt a. Aisch, Elias Stahl, 1. Vorstand."      
  
Neustadt a.d.A. Israelit 15031923.jpg (53530 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1923: "Die israelitische Kultusgemeinde Neustadt an der Aisch (Mittelfranken) sucht per 1. April oder 1. Mai einen Vorbeter, Schächter und Religionslehrer. Gehalt nach Gruppe VI der Bayerischen Beamten-Besoldung. Dienstwohnung vorhanden. An Bayrischen Seminaren ausgebildete Herren bevorzugt. Bewerbungen mit Zeugnissen an den Kultusvorstand Julius Lehmann." 

   
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Eine Ritualmordbeschuldigung vor 100 Jahren (sc. 1803)

Neustadt Aisch Israelit 22041903.jpg (324240 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1903: "Eine Ritualmordbeschuldigung vor 100 Jahren. Zu den Vorurteilen, welche wie eine unheilbare Krankheit sich forterben von Geschlecht zu Geschlecht, ohne dass es der fortschreitenden Aufklärung bis jetzt wenigstens gelingen will, ihre Fortpflanzung und Ausbreitung zu verhüten und zu verhindern, gehört in erster Reihe auch das Vorurteil des ‚Ritualmordes’ oder die Beschuldigung, dass die Juden oder eine Sekte derselben zu rituellen Zwecken, besonders bei Gelegenheit ihres Osterfestes, Christenblut gebrauchen. Ehemals zwar, im 2. und 3. Jahrhundert gewöhnlicher Zeitrechnung, da waren es die Kirchenväter, welche ihre Religion verteidigen mussten gegenüber der Beschuldigung des Ritualmordes, die von heidnischer Seite gegen das Christentum erhoben wurden. Seit dem 13. Jahrhundert wurde nun diese wahnwitzige Verleumdung bald hier und bald dort in irgendeinem Winkel der Erde gegen die Juden gerichtet, und dadurch unsägliches Elend über sie gebracht. Heinrich Heines fragmentarische Dichtung ‚Der Rabbi von Bacharach’ gibt ein ergreifendes Bild von den panischen Schrecken, welche um die Osterzeit durch das Märchen vom Ritualmord in den Judengassen des Mittelalters verbreitet wurden. Dass aber auch noch in unseren Tagen, im Zeitalter des elektrischen Lichtes, das Gespenst des krassesten Aberglaubens in weiten Kreisen des Volkes umgeht, und die Massen wahnbetört, das beweisen die noch nicht vergessenen Affären von Xanten und Konitz.
In einer solchen Zeit dürfte es leider nicht unzeitgemäß sein, aus staubbedeckten Akten eine ‚Affäre’ auszugraben, die sich jetzt vor genau hundert Jahren auf dem damals unter preußischer Landeshoheit stehenden Gebiete von Bayreuth zugetragen, um an diesem Beispiel zu zeigen und zu beweisen, wie durch das rasche und energische Einschreiten von Behörden das Aufkommen von solchen verhängnisvollen Anklagen und Beschuldigungen im Keime unterdrückt werden können. Die ‚Affäre’ ist kurz erzählt folgende.
‚Im März 1803 verschwand in der Nähe von Neustadt a. Aisch ein christliches Kind im Alter von zwei Jahren. Nach 12 bis 13 Tagen wurde dasselbe auf einem Acker tot aufgefunden. Nach Aussage des über die stattgehabte Sektion aufgenommenen Protokolls war das Kind einfach erfroren. Das verhinderte aber nicht das Entstehen des Gerüchtes, dass das Kind das Opfer eines ‚Ritualmordes’ geworden. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Schauermär in der ganzen Gegend. Vergebens war die Intervention der lokalen Behörden, vergebens waren die aufklärenden Vorträge der Prediger auf den Kanzeln. Das Volk ließ sich den einmal gefassten Glauben nicht nehmen. Aufreizende Pasquille wurden gegen die Juden verbreitet und kein Jude, der sich auf den Straßen zeigte, war mehr seines Lebens sicher, bis endlich die Kultusgemeinde von Bayreuth im Interesse ihrer bedrohten Glaubensgenossen mit einer dringlichen Bittschrift an die Majestät des Königs von Preußen sich wandte, und dadurch die Provinzialbehörde zur Ergreifung energischer Maßregeln veranlasste. Von diesen Maßregeln verdient das folgende Publikandum, das wie ein kalter Strahl auf den entstandenen Brand der Leidenschaften wirkte, zur Kenntnis der Mitwelt gebracht zu werden.
‚Es ist der unterzeichneten Landes-Polizei-Stelle zur Kenntnis gekommen, dass zwischen den christlichen Untertanen und jüdischen Eingesessenen zu Ullstadt und Sugenheim im Neustädter-Kreise darüber Misshelligkeiten entstanden sind, dass man den Gedanken gefasst, es sei der im letzt abgewichenen Monat März vermisst und nach einigen Tagen auf einem Acker tot gefunden wordenen 2jährigen Knabe des von Frankensteinl. Pächters Matthäus Makel auf dem Buchhof unweit Ullstadt von Juden behufs der Feier ihres Osterfestes ermordet worden.
‚Je törichter dieses längst widerlegte Vorurteil einer intoleranten Vorzeit’ schon an sich ist, und so wenig dessen Fortpflanzung dem gegenwärtigen helleren Zeitalter zur Ehre gereicht, desto weniger hätte man in dem vorliegenden Fall, wo durch eine gerichtliche Untersuchung des Kindes die Überzeugung gegeben wurde, dass dasselbe auf dem Felde erfroren ist, erwarten sollen, dass jemand auf diese unvernünftige Vermutung verfallen und sich in solcher soweit verlieren und zu solchen Ausschweifungen verleiten lassen könne, wodurch sogar die öffentliche persönliche Sicherheit der jüdischen Bewohner jener Gegend in Gefahr zu kommen scheint.
Es kann diese veranlasste Ruhestörung wohl nur allein das Werk einzelner boshafter Menschen sein, die vom Hass gegen einzelne jüdische Glaubensgenossen angetrieben, Rache üben und dazu andere leichtgläubige Menschen missbrauchen und irre führen wollen, ohne zu überlegen, welches Ungemach sie sich selbst und anderen dadurch bereiten.
Die Ausmittelung dieser Ruhestörer wird indessen den Polizei-, vereinigt mit den Justizbehörden, nach den bereits gegen sie vorliegenden Anzeigen nicht schwer, und es wird eines jeden Teilnahme an der Sache nach dem Grade seines Verschuldens mit aller Strenge des Gesetzes geahndet werden, welche Strafen umso empfindlicher werden müssen, als dabei Vergehungen auf Vergehungen gehäuft worden sind.
Neustadt Aisch Israelit 22041903a.jpg (80121 Byte) Indem dieses hierdurch zu jedermanns Wissenschaft bekannt gemacht und zugleich jeder dortige christliche Einwohner ernstlich gewarnt wird, sich nicht die mindesten weiteren Kränkungen gegen die jüdischen Eingesessenen zu erlauben; so verhofft die königliche Kriegs- und Domainen-Kammer, dass dieser Warnung Gehör gegeben und durch ein entgegengesetztes Benehmen, welches überdies eine Widergesetzlichkeit gegen obrigkeitliche Verfügungen bezeichnen und den Grad der Strafbarkeit erhöhen würde, nicht die Notwendigkeit werde veranlasst werden, dass die, den Unterbehörden des Kreises wegen ihres weiteren Verfahrens gegebenen ernsten Instruktionen zum Vollzug gebracht werden müssen.’
Gegeben Bayreuth, den 25. April 1803. Königliche Preußische Kriegs- und Domainen-Kammer.
Das vorstehende Publikandum verdanken wir Herrn Antiquar B. Seligmann in Bayreuth, der uns außerdem die Mitteilung macht, dass in Bayreuth noch weitere Aktenstücke in dieser Angelegenheit vorhanden sind."


Forschungsstand zur jüdischen Geschichte der Stadt auf Grund verloren gegangener Quellen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. September 1842: "In Neustadt an der Aisch sind nach mitgeteilten Akten erst nach dem 30jährigen Kriege Juden gewesen. Siehe Geschichte der Stadt Neustadt an der Aisch von G. L. Lehres 1834. Bei der wiederholten Zerstörung dieser Stadt sind ältere Nachrichten zu Grunde gegangen." 

   
Meldung aus der Zeit des Ersten Weltkrieges

Meldung im Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. November 1914: "Neustadt a. Aisch. Leo Wollenreich von hier hat das Eiserne Kreuz erhalten." 

  
Die Absetzung des Bürgermeisters 1935 wird auch in der Zeitschrift "Der Israelit" bekannt gegeben: 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1935: "Neustadt (Bayern), 3. Juli. Die 'Fränkische Tageszeitung' meldet aus Neustadt an der Aisch: 'Auf Grund einer Verfügung vom 24. Juni 1935 hat das Staatsministerium des Innern auf Antrag der Kreisleitung der NSDAP Neustadt a.A. die Bestätigung des Bürgermeisters Gräbern von Schellert widerrufen. Der genannte Bürgermeister hat im vergangenen Jahre Geschäfte mit Juden gemacht. Er hat sich damit nicht nur das Ansehen in der Gemeinde, sondern in erster Linie auch das Vertrauen der politischen Leitung, die ihn im Jahre 1933 bestätigt hat, verscherzt. Seine durch das Staatsministerium verfügte Absetzung möge eine Warnung sein für alle, die da glauben, den Zielen des Dritten Reiches entgegenarbeiten zu können." 

 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Zum Tod von Elias Stahl (1927) - 40 Jahre Gemeindevorsteher in Neustadt   

Neustadt adA Israelit 16061927.jpg (127148 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1927: "Neustadt a.d. Aisch, 8. Juni (1927). Am 29. Mai verschied dahier im 83. Lebensjahre der in weiten Kreisen bekannte und angesehene Elias Stahl. Mit dem Verblichenen verlor nicht nur die Familie den liebenden Gatten, den treu besorgten Vater, Großvater, Urgroßvater und Bruder, sondern beklagt auch die Kultusgemeinde den Verlust ihres Gründungsmitgliedes und Ehrenvorstandes. Ein selten großer Leichenzug bewegte sich anlässlich der Überführung zum Friedhofe in Diespeck am 31. Mai vom Sterbehause zum Synagogenhofe, woselbst angesichts der beleuchteten Synagoge, deren Errichtung hauptsächlich sein Verdienst gewesen, deren Pflege wie auch die Ausgestaltung des Gottesdienstes ihm Herzenssache war, die Trauerfeier stattfand. Herr Bezirksrabbiner Dr. Behrens hielt die Trauerrede, den Lebensgang des Verschiedenen schildernd, während Herr Lehrer Blumenthal im Namen der Gemeinde ihm in einem ehrenvollen Nachruf Worte des Dankes widmete, besonders betonend seine Verdienste um die Gemeinde, die er 40 Jahre lang mit aufrichtiger Hingabe leitete. Auch seine Verdienste im Dienste der Stadtverwaltung, der er 22 Jahre angehörte, sowie seines vieljährigen Wirkens im Armenpflegschaftsrate wurden rühmend erwähnt. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

  
80. Geburtstag von Wolf Stahl (1927)  

Neustadt adA Israelit 03111927.jpg (65405 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1927: "Neustadt a.A., 27. Oktober (1927). Am 23. Oktober feierte der in weitesten Kreisen angesehene Herr Wolf Stahl dahier in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurde derselbe in Anerkennung seiner vieljährigen, der Gemeinde insbesondere als Chasan (Vorsänger) der hohen Festtage geleisteten Dienste zum Ehrenmitglieder der Kultusgemeinde Neustadt a.A. - Diespeck ernannt. Herr Kultusvorstand J. Lehmann überbrachte dem Jubilar die Glückwünsche der Gemeinde mit Überreichung einer kunstvoll gearbeiteten Ehrenurkunde. Möge Herrn Stahl noch ein langer Lebensabend von Gott bestimmt sein."  

  
Zum Tod von David Wollenreich (1931)

Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1931: "Neustadt an der Aisch, 1. Juli (1931). Am Donnerstag, den 10. Tamus (25. Juni 1931), verschied nach mehrtägigem Krankenlager, ganz unerwartet im 64. Lebensjahre David Wollenreich. Die außerordentlich große Beteiligung bei der Beerdigung legte Zeugnis ab von der Verehrung, die er im Kreise seiner großen Verwandtschaft besaß und von dem Ansehen, dessen er sich bei der Gesamtbevölkerung der Stadt und Umgebung ohne Unterschied der verschiedenen Konfessionen sich erfreute. - Treu dem Religionsgesetze, aufrichtig G'tt und dem Glauben ergeben, führte der Verblichene mit seiner Gattin ein echt jüdisches Haus, das stets gastlich Verwandten, Freunden und auch den Armen geöffnet war. Rechtschaffen im Geschäfte, bescheiden in seiner Lebensführung, Frieden liebend und Frieden erstrebend, erwarb er sich die ungeteilte Achtung seiner Nebenmenschen. An der Bahre zeichnete Herr Blumenthal ein Bild des Entschlafenen. Die Herren Lehrer S. Sulzbacher, Biebrich und Ludwig Schwarz, Nürnberg widmeten im Namen der Familie dem Heimgegangenen tiefergreifende Worte."

   
  

Persönlichkeiten 
Elia Levita (1469 in Ipsheim an der Aisch, aufgewachsen in Neustadt an der Aisch - 1549 in Venedig) 

Neustadt Buch 05.jpg (31211 Byte)Elia Levita (im jüdischen Sprachgebrauch Elia Bachur oder Elia Ben Ascher Aschkenasi), geb. 1469 in Ipsheim an der Aisch, gest. 1549: bedeutender jüdischer Humanist und Sprachwissenschaftler. Elia Levita war der jüngste von neun Söhnen des Rabbi Ascher Levita. Die Familie des Rabbiners zog jedoch nach wenigen Jahren (1473?) nach Neustadt a.d. Aisch, wo Elia den größten Teil seiner Jugend verbracht. Auf Grund der Ausweisung von Juden aus Neustadt wanderte Elia Levita nach Italien aus, wo er 1496 in Venedig, 1504 in Padua lebte. Hier wurde er alsbald ein bewunderter und gefragter Lehrer, auch für christliche Wissenschaftler, die bei ihm das Hebräische erlernten. Ein enger Kontakt bestand mit dem Tübinger Humanisten Reuchlin. Auch Melanchthon hat die Werke Levitas gelesen und genutzt. Etwa ab 1504 lebte Levita in Rom, wo er mit seiner Familie im Haus des Generaloberen des Augustinerordens und späteren Kardinals Ägidius aufgenommen wurde. 1527 musste Levita auf Grund der Plünderungen Roms durch die Landsknechte Kaiser Karls V. aus Rom fliehen. Er verzog wiederum nach Venedig und genoss weiterhin höchstes Ansehen. 1541 reist Elia Levita nach Deutschland, wo er in Isny und Konstanz die Herausgabe seiner Werke betreute und weitere in Isny vollendete. 1544 kehrte Levita nach Venedig zurück, wo er 1549 verstarb. 
(Abbildung oben: Titelblatt eines Werkes von Elia Levita)
Elia Levita war bereits im 19. Jahrhundert Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen:
Neustadt a.d.A. AZJ 14071889.JPG (111154 Byte)Buchbesprechung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1889: "'Elia Levita und seine Leistungen als Grammatiker. Von Dr. J. Levi. Breslau, Schottländer, 1888'. Der von jüdischen Gelehrten kurz Rabbi Elia Bachur, von christlichen Elia Levita genannte verdienstvolle Grammatiker, welcher der hebräischen Grammatik die bis jetzt innegehaltene und in reichem Maße weiter geführte Gestalt gegeben (geb. in Neustadt a.d. Aisch am 13. Februar 1469), ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Der Verfasser lässt sich zuerst über das Leben und die Schriften Elia's aus, dann über dessen Bedeutung als Lehrer unter den Juden und unter den Christen, dann über seine Bedeutung als Grammatiker und über das grammatische System desselben. Hinzugefügt ist die Einleitung zu Meturgeman, zum ersten Male ediert. Die Monographie ist mit vielem Fleiße und richtiger Würdigung, sowie in klarer Darstellung abgefasst. Bekanntlich hat man in neuerer Zeit sich kritisch über die von Elia Levita ausgegangene Gestaltung der hebräischen Grammatik tadelnd geäußert und findet sie zu sehr der Grammatik der klassischen Sprachen angepasst, wodurch dem Charakter der hebräischen Sprache Gewalt angetan werde. Diese Streitfrage befindet sich jetzt noch im ersten Stadium und hat man weitere Erfolge abzuwarten."
   
Neustadt Aisch Israelit 11011894.jpg (83758 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Januar 1894: "Neustadt a. A. (nicht: H.) Dieser Tage hielt sich Herr Isidore Goldblum, Copist an der Bibliothèque Nationale in Paris, dahier auf, um in den Schriftstücken im hiesigen Rathause Forschungen anzustellen über den berühmten ... Rabbi Elias Lewita, welcher hier am 8. Februar 1477 geboren und 509 bei einer von der Regierung von Ansbach veranlassten Vertreibung der Juden mit seiner Familie auswandern musste. Herrn Goldblum gelang es, das uralte Stammhaus des Rabbi Elias aufzufinden, woselbst später ein Nachkomme desselben, der Hofjude Josel Levi, sein erstes Geschäftshaus errichtet hat. Herr Goldblum schreibt gegenwärtig ein Buch über die Geschichte des oben genannten Rabbi - seligen Andenkens - und hat bereits einige Kapitel derselben in den hebräischen Wochenschriften HaIwri und HaZifira veröffentlicht."

 

  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Direktor S. Kraus wirbt für seine Handelsschule (1890)   

Neustadt adA Israelit 03041890.jpg (50628 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1890: "Vierkursige Handelsschule, Neustadt a.d. Aisch (mit Pensionat). Rasche, zweckmäßigste Vorbereitung für den gewerblichen und kaufmännischen Beruf. Das Sommersemester beginnt am 15. April. Anmeldungen können jederzeit erfolgen. Näheres durch S. Kraus, Direktor."


Kaßriel Gottlieb aus Jerusalem, Kantor in Neustadt an der Aisch verkauft "Palästiner echte Medizin und Trink-Naturweine"

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1890: "Wein aus dem Heiligen Land - Koscher auch zu Pessach. Palästiner echte Medizin und Trink-Naturweine, vom Oberrabbinat in Jerusalem beglaubigt, und von bedeutenden Ärzten und Chemikern - darunter die Herren Professoren Dr. Hilger - Erlangen, Dr. Kayser - Nürnberg - untersucht und bestens empfohlen, sind in 10 Sorten - starke und süße, rote und weiße - von 6 Flaschen an, zu äußerst billigen Preisen zu beziehen von Kaßriel Gottlieb aus Jerusalem, Kantor in Neustadt a.d. Aisch (Bayern). 
Preiscourant auf Verlangen franco und gratis.
Auf Wunsch bezeuge ich, dass mir die Koscher-Bescheinigungen des Herrn Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinden zu Jerusalem Rabbi Samuel Salant, vorgelegt worden sind, und dass daher über das Kaschrut der hier empfohlenen Weine kein Zweifel obwaltet.   
Mainz, den 27. Februar 1890. Dr. Lehmann." 

      

    

      

Zur Geschichte der Synagoge

Seit den 1860er-Jahren dürfte ein Betsaal vorhanden gewesen sein beziehungsweise wurden die Gottesdienste im benachbarten Diespeck besucht. 

Nach Schließung der Synagoge in Pahres wurde diese 1878 dort abgebrochen und in Neustadt wieder aufgebaut. Die Einweihung war am 31. Mai 1880

Zu gewaltsamen Aktionen gegen die Synagoge kam es bereits Ende der 1920er-Jahre. 1929 wurden zweimal hintereinander die Fenster der Synagoge zerschlagen.  

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge mit der gesamten Inneneinrichtung und den Ritualien völlig zerstört. Die Ruine wurde wenig später abgebrochen, das Grundstück neu bebaut.   
    
Eine Gedenktafel ist vorhanden (Text s.u.)

Adresse/Standort der SynagogeGartenstraße 6

Fotos

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Das Synagogengrundstück 2007 mit der Gedenktafel
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.9.2007)
Neustadt adA Synagoge 150.jpg (70614 Byte) Neustadt adA Synagoge 153.jpg (76983 Byte)
    Das an Stelle der Synagoge erbaute Haus 
    
    Neustadt adA Synagoge 152.jpg (73470 Byte)
    Gedenktafel für die ehemalige Synagoge mit dem Text: "(hebräisch und deutsch:) Zum ewigen Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger, die während der Jahre 1933 bis 1945 ihr Leben lassen mussten. (hebräisch und deutsch:) Ihre Seelen mögen eingebunden sein im Bunde der Lebenden. An dieser Stelle stand die Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde von Neustadt a.d. Aisch. Eingeweiht am 31. Mai 1880, zerstört am 10. November 1938".
   
Andernorts entdeckt: Grabstein für Jeanette Liebreich aus Neustadt im jüdischen Friedhof Heidingsfeld Heidingsfeld Friedhof 227.jpg (64868 Byte)  
   Grabstein für Jeanette Liebreich aus Neustadt a. Aisch (geb. 23.9.1865, gest. 19.11.1936)  
       

   
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Neustadt a.d. Aisch  
Website der Gemeinde Ipsheim  mit Beitrag von Christoph Rückert zu "Elia Levita - Ein bedeutender Sohn Ipsheims"
Die Namen der jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges in den Listen des Hauses der Bayerischen Geschichte 

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 582.583; III, 2 S. 959-962.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 201-202.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 167.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 317-319.  
Ilse Vogel: Vom Land in die Stadt. 200 Jahre Judenschaft zu Pahres - 70 Jahre jüdisches Leben in Neustadt an der Aisch. 2008. 290 Seiten. 


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Neustadt an der Aisch  Middle Franconia. In the Rindfleisch massacres of 1298, 71 Jews were murdered an in the Black Death persecutions of 1348-49 the community was destroyed. In 1409, Jews received a charter of privileges permitting them to engage in moneylending and moneychanging. In 1499 refugees from the Nuremberg expulsion arrived and in 1515 the Jews of Neustadt were themselves expelled, some finding shelter in Frankfurt and others in Prague. In 1803, the Jews were victims of a blood libel. Only in the mid-19th century did Jews again settle in significant numbers. A synagogue was built in 1883. The Jews numbered 210 (total 3.870) in 1900 and 74 in 1933. Neustadt was one of the hotbeds of Nazism in Bavaria. Christian stores were forbidden to sell bread to Jews and Jewish stores were forbidded to sell bread at all. By November 1938, 55 Jews hat left the town, most for other German cities. The rest left immediately after the Kristallnacht riots (9-10 November 1938).            

   

                   
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Stand: 15. Januar 2010