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Bamberg (Oberfranken)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Hinweise: Zur jüdischen Geschichte in Bamberg siehe
u.a. die Seiten bei www.juden-in-bamberg.de
Zur bestehenden jüdischen Gemeinde in der Stadt siehe die
Website der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg "Or Chajim" www.ikg-bamberg.de
Ansprechpartner zur Erinnerungsarbeit in der Stadt finden Sie u.a. bei der
Willy-Aron-Gesellschaft www.willy-aron-gesellschaft.de
| Oktober 2011: Nach
Schmierereien an der Synagoge in Bamberg: Polizei sucht den Täter |
Pressemitteilung
der Kriminalpolizei Bamberg vom 24.10.2011 (Foto: Polizei): "Synagoge mit Farbe besprüht
BAMBERG. Mit roter Farbe hatte in der Nacht zum Samstag, 15.10.2011, ein bislang unbekannter Mann ein etwa ein auf ein Meter großes Hakenkreuz auf die Fassade einer Synagoge in der Willy-Lessing-Straße gesprüht. Die Polizei fahndet jetzt mit einem Foto nach dem Täter.
Nachdem er die Schmierereien an der Außenwand angebracht hatte, flüchtete der Sprayer über die Willy-Lessing-Straße in Richtung Schönleinsplatz. Eine in der Nähe installierte Kamera fertigte von dem Unbekannten Videoaufnahmen. Beim Verlassen des Grundstücks hatte er eine Gesichtsmaske auf.
Der Täter wird folgendermaßen beschrieben: etwa 180 Zentimeter groß - schlanke Figur und kurze Haare
- bekleidet mit einer schwarzen Cargohose, schwarzen Schuhen mit hellen Schnürsenkeln und einer auffallenden Jacke oder Weste mit buntem Muster
- der Mann trug eine Brille und ist Linkshänder
Die Kripo Bamberg hat die Ermittlungen übernommen und bittet um Mithilfe bei der Fahndung:
Wer kennt die Person oder kann Hinweise zu deren Aufenthaltsort geben?
Wem ist der Täter bei seiner Flucht aufgefallen?
Wer kann sonst Angaben zu der Straftat machen?
Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Bamberg unter Tel.-Nr. 0951/9129-491 entgegen." |
Bei "Alemannia Judaica" finden Sie:
Einige
Fotos zur Erinnerung an die mittelalterliche jüdische Geschichte in
Bamberg
Zur
Geschichte der Synagogen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Die
alte Synagoge in der Generalsgasse 1567 - 1679 - 1854 - 1910
Nachdem seit 1556 wieder Juden in Bamberg leben konnten, mieteten sie ab dem
folgenden Jahr 1567 von Freiherr von Rotenhan das Hinterhaus in der
Generalsgasse 15 und richteten hier eine Synagoge ein. Seit 1678
konnte
auch das Vorderhaus der Generalsgasse 15 gemietet werden. Umfangreiche
Bauarbeiten fanden 1679 statt, die eine wesentliche Vergrößerung der Synagoge
und den Einbau von Nebenräumen (Amtswohnungen) mit sich brachten. 1694 konnte
die jüdische Gemeinde die Synagoge und die Nebengebäude vom Magistrat
erwerben.
Seit den 1820er-Jahren gab es Bemühungen um einen größeren Umbau und
die Erweiterung der
Synagoge. 1828 wurde beanstandet, dass die Frauenbereiche (es gab im Westen des
Gebäudes zwei Frauenabteilungen: eine im Erdgeschoss, die andere im
Obergeschoss) nicht mehr ausreichten. 1835 legte Architekt Ney einen Plan zur
Erweiterung der Synagoge vor. Damals reichten jedoch die Finanzmittel der
Gemeinde noch nicht für einen Umbau. 1851 legte er neue Entwürfe vor, die dann
mit Genehmigung der Regierung vom 3. Oktober 1852 zur Ausführung kamen. Der
Umbau der Synagoge, der 1853/54 ausgeführt wurde, kam einem Neubau
gleich.
Konflikt in der Gemeinde wegen Bauarbeiten an der
Synagoge am Schabbat (1853)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Mai 1853:
"In der Gemeinde Bamberg hat sich ein kleiner Konflikt erhoben. Der
greise Rabbiner Rosenfeld hatte gestattet, dass an der neu aufgebaut
werdenden Synagoge daselbst, weil der Bau in Akkord abgelassen wird (in
Akkordarbeit), auch am Sabbat gearbeitet werde. Dadurch fühlten sich
etliche Gemeindeglieder in ihrem Gewissen verletzt und brachten die Sache
vor die weltliche Behörde. Das Weitere ist nun
abzuwarten." |
Die Kosten für den Bau der Synagoge betrugen über 8.000 Gulden.
Es entstand ein überwiegend von neuromanischen Stilmerkmalen geprägten Bau mit
einem Satteldach. Auf der Empore waren nun für 85 Frauen Sitzgelegenheiten
vorhanden, im Betsaal selbst hatte es Platz für 108 Männer. Die Einweihung der
Synagoge am 4. November 1854 wurde durch den Baiersdorfer Distriktsrabbiner Wolf
Cohn vorgenommen.
Die Einweihung der Synagoge am 4.
November 1854
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Januar 1855:
"In Bamberg wurde im Herbste vorigen Jahres eine neue, sehr
schöne Synagoge eingeweiht und auch ein neuer Vorsänger, Herr Ottenstein,
(da der frühere resignierte) aufgenommen, der zugleich Religionslehrer
ist; derselbe hatte in früheren Jahren am Bamberger Seminar seine
Ausbildung erhalten; man hat allen Grund, mit der Akquisition zufrieden zu
sein. Der greise, würdige Herr Rosenfeld leitet die Gemeinde noch
immer als Rabbiner, und derselbe hat bei der jüngsten Trauerfeierlichkeit
für die selige Königin Therese eine Rede von Kern und Kraft
gehalten, die auch im Drucke erschienen
ist." |
Fotos
der alten
Synagoge und Gedenktafel
Die alte Synagoge in der
Generalsgasse 15 nach dem Neubau 1853/54
(Quelle: Stadtarchiv Bamberger) |
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Blick zum Eingangsbereich von
Wesen |
Ansicht von Nordosten |
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Erinnerungen an die alte
Synagoge
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach) |
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Oben links: Portal
der Alten Synagoge, seit 2005 integriert im neuen jüdischen Gemeindezentrum: rechts:
Gedenkinschrift für die Alte Synagoge 1664-1910 Generalsgasse 15:
"Auf diesem Areal stand 1664-1910 die Bamberger Synagoge. In der
Nähe befand sich das Gasthaus "Weiße Taube", das 1941-1942
Juden aus Stadt und Umland als Ghetto vor dem Abtransport in die
Vernichtungslager dienen musste." |
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| Blick in die "Generalsgasse"
2007 |
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Die
"Generalsgasse" war Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhundert
Wohngebiet der Ostjuden; im Haus Generalsgasse 3 befand sich ein Betsaal der
ostjüdischen Familien |
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Synagoge in der Generalsgasse
für die auf über 1100 Gemeindeglieder gewachsene jüdische Gemeinde in Bamberg
viel zu klein geworden. Zu den Hohen Feiertagen musste man für die
Gottesdienste größere Räume in der Stadt anmieten, etwa die Zentralsäle an
der Promenade (Turnerbund "Jahn" Bamberg) oder das Vereinshaus der
"Gesellschaft Ressource". Die jüdische Gemeinde beschloss den
dringend nötigen Neubau einer Synagoge. Ein Grundstück an der Ecke
Urban-/Herzog-Max-Straße konnte von der Stadt erworben werden. Einen
Architektenwettbewerb gewann der Bamberger Jugendstilarchitekt Johannes
Kronfuß. Anfang November 1908 wurde mit dem Bau begonnen. Im September 1910 war
die Synagoge mit ihrem 37 m hohen Turm
fertig.
Nur 28 Jahre war die neue Synagoge eine - wie in einem Bericht 1909
hervorgehoben wird - "Zierde der Stadt". In den frühen Morgenstunden
des 10. November 1938 ging das Gebäude in Flammen auf, nachdem sie am
Abend des 9. November von Hitlerjungen beschmiert und in den Stunden darauf vor
allem von SA- und SS-Trupps aufgebrochen und völlig verwüstet worden war. Die
nach der Inbrandsetzung von Nachbarn alarmierte Feuerwehr wurde am Löschen
gehindert. Das Synagogengebäude brannte völlig aus; die Brandruine wurde ab
Dezember 1938 abgebrochen, der Rest am 26. März 1939 gesprengt. Das Synagogengelände
ging in den Besitz der Stadt Bamberg über.
Schwierigkeiten bei der Suche nach
einem Bauplatz für die neue Synagoge (1903)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 4. Juni 1903: "Bamberg. Wie schon in Nr. 28/29 dieser
Blätter berichtet wurde, geht die hiesige Kultusgemeinde mit dem Plane
eines Synagogenneubaues um, und hatte zu diesem Zwecke ein Gesuch an die
Stadtbauverwaltung um unentgeltliche oder billigste Abgabe eines
Bauplatzes gerichtet. Leider hat dieses Gesuch nicht das erwartete
Entgegenkommen gefunden, wie aus nachfolgendem Berichte der 'Bamberger
Neuesten Nachrichten' über die Magistratssitzung vom 26. Mai ersichtlich
ist:
'Nach Mitteilung der israelitischen Kultusgemeinde verzichtet dieselbe auf
den von der Stadt verlangten Bauplatz an der Herzog-Maxstraße, da er in
seiner Größe erstens nicht den Ansprüchen genügt, zweitens bei dem
Preis von 350 Mark pro Dezimale der Bauplatz auf 42.350 Mark und mit den
Straßenherstellungskosten auf über 50.000 Mark zu stehen komme. Die
Kultusgemeinde hatte auf mehr Entgegenkommen gehofft, wie dies in anderen Städten
auch der Fall ist, und wo die Städte sogar die Bauplätze schenkten.
Nunmehr hat sie aber an einem städtischen Bauplatz mit so hohen
Forderungen überhaupt kein Interesse mehr und kann es möglich sein, dass
das Projekt überhaupt fallen gelassen wird. Im Kollegium bedauert man,
dass keine Einigung erzielt wurde, doch soll der Kultusgemeinde bereits
weitest entgegengekommen worden sein, da das Dezimale 550 Mark wert sei,
wie dies der Verkauf der letzten Bauplätze gezeigt habe. Es wurde auch
die Absicht bekannt, dass die Gemeinde nun ihre Synagoge in den Hof des
Treumann'schen Anwesens, also als Hintergebäude aufzuführen gedenke, was
natürlich sehr bedauert wird. Rechtsrat Wehrl will die Sache nochmals in
die Hand nehmen, vielleicht lässt sich noch eine Einigung erzielen und
wurde deshalb die ganze Sache zur zweiten Lesung verwiesen.
Hoffentlich ist also in dieser Sache noch nicht das letzte Wort
gesprochen. A." |
Berichte zum Bau der neuen Synagoge (1905-1909)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli
1905:
"Bamberg. Hier soll eine neue Synagoge gebaut werden, da die
bisherige nicht mehr den Forderungen entspricht. Herr Emil Wassermann hat
nun die Bereitwilligkeit ausgesprochen, für den Bau 100.000 Mark zu
spenden, falls keine Orgel in die Synagoge kommt." |
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Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. November
1907: "Bamberg. Im Kunstverein ist das Modell nebst den
Plänen des Diplom-Architekten J. Kronfuß-Bamberg, das von den
Preisrichtern mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde, ausgestellt. Die
Stadt hat der jüdischen Gemeinde einen Platz an der Herzog Max-Straße im
Werte von mehr als 60.000 Mark zu dem billigen Preise von 15.000 Mark
überlassen. Der Bau, mit dem nächstes Frühjahr begonnen wird, dürfte
fast eine halbe Million Mark kosten." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1908: "Bamberg.
Für den Bau einer Synagoge an der Herzog-Max-Straße hat der Magistrat
die Abtretung eines größeren Areals zu einem ganz billigen Preise
(15.000 Mark) genehmigt. Neben der Synagoge wird auch eine Schule und eine
Rabbinerwohnung errichtet. Die Gesamtkosten sind auf 300.000 Mark
veranschlagt." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. November
1908:
"Für den Bau einer Synagoge in Bamberg hat der Magistrat die
Abtretung eines größeren Areals zu einem ganz billigen Preis (15.000
Mark genehmigt). Neben der Synagoge wird auch eine Schule und eine
Rabbinerwohnung errichtet. Die Gesamtkosten sind auf 300.000 Mark veranschlagt." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1909: "Bamberg,
19. September (1909). Der Synagogenbau an der Urbanstraße, der nach dem
Entwurf des Architekten Kronfuß hergestellt wird, wird heuer noch unter
Dach gebracht werden. Der Neubau wird eine Zierde der hiesigen Stadt
werden." |
Die
Einweihung der Synagoge steht bevor (1910)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. September
1910: "Bamberg, 4. September (1910=. Die mit einem
Kostenaufwand von nahezu einer halben Million Mark neu erbaute Synagoge
der israelitischen Gemeinde Bamberg wird am 11. dieses Monats in
feierlicher Weise eingeweiht werden. Der stattliche Neubau, ein herrlicher
Monumentalbau und eine Zierde der Stadt, wurde in nicht ganz einem Jahre
nach den Plänen des preisgekrönten Diplomingenieurs, Architekten Kronfuß
in Bamberg, hergestellt. Den Bauplatz, der 1552 Quadratmeter umfasst und
einen Wert von nahezu 80.000 Mark besitz, hat die Stadt zu dem
ermäßigten Preis von 15.000 Mark abgetreten. Er bietet noch hinreichen
Raum für den projektierten Anbau eines israelitischen Schulhauses und
eines Dienstwohnungsgebäudes." |
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Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. September
1910: Text wie oben. |
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Abschied
von der alten und Einweihung der neuen Synagoge (1910)
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. September
1910: "Bamberg, 12. September (1910). Am Samstagabend
nach dem Gottesdienste fand die Abschiedsfeier von der alten Synagoge
statt. Der Rabbiner Herr Dr. Eckstein hielt eine ergreifende Ansprache,
nach welcher die Torarollen aus dem Gotteshausen - das durch Auslöschen
des ewigen Lichts aufgehört hat, ein solches zu sein - hinweggetragen
wurden. Die eigentliche Einweihungsfeier der neuen Synagoge begann mit dem
Vortrage des Liedes 'Gott, Du Allmächtiger, Gott, Du Allgütiger'.
Hierauf begrüßte Herr Justizrat Dr. Werner alle Anwesenden. Es hatten
sich alle Spitzen der Behörden des Kreises und der Stadt versammelt sowie
Mitglieder der umliegenden Gemeinden. Nachdem Herr Dr. Werner den Bau dem
Schutze der Stadt übergeben hatte, erwiderte Herr Oberbürgermeister Lutz
in trefflicher Rede, wobei er ausführte, dass der religiöse Friede, wie
bisher, für alle Zukunft erhalten bleiben möge. Nach Übergabe des
Schlüssels durch den Erbauer, Herrn Diplomarchitekten Kronfuß, fand der
Einzug in die neue Synagoge statt. Nach einem Rundgang mit den Torarollen
zündete Herr Rabbiner Dr. Neubürger aus Fürth das ewige Licht an. Nach
einem Gesange des verstärkten Synagogenchor hielt Herr Dr. Eckstein eine
nach Form und Inhalt gleich vollendete Festpredigt, der er die Worte der
heiligen Schrift: 'Vollkommen sollst Du sein mit dem Ewigen, Deinem
Gotte,' zugrunde legte. Nach einem weiteren Chorlied sprach Herr Dr.
Freudenthal, Nürnberg, das Gebet für König und Vaterland. Ein
Schlussgesang, und beendet war eine Feier, die jedem Teilnehmer
unvergesslich sein wird. (Geradezu auffallend war, dass die orthodoxen
Rabbiner weder erschienen noch irgendwie vertreten
waren." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Im Deutschen Reich" vom Oktober 1910: "Bamberg,
20. September (1910). Am 11. September wurde hier die neu erbaute
prächtige Synagoge mit einer Feier eingeweiht, die zu erkennen gibt, dass
in Bamberg das Verhältnis der Anhänger der verschiedenen Religionen
zueinander durchaus ungetrübt und vortrefflich ist. Die Beteiligung von
geistlichen und weltlichen Behörden ließ erkennen, dass die Drachensaat
des Antisemitismus hier glücklicherweise wenig Wurzel geschlagen
hat." |
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Erinnerungen
an die neue
Synagoge 1910-1938
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| Historische
Karten mit der im September 1910 eingeweihten und im November
1938 zerstörten Synagoge |
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Die Zerstörung der
Synagoge beim Novemberpogrom 1938
(Fotos: Stadtarchiv Bamberg) |
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Die brennende
Synagoge |
Die im Inneren völlig
verwüstete Synagoge |
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Der Synagogenplatz
im
Frühjahr 2007 |
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Blick über den
Synagogenplatz |
Das Bild der Synagoge in
einer
der Stahlplatten |
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| Gedenkstein von
1965 (Bildhauer Frank Xaver Bauer, Bamberg) mit Gedenkinschrift |
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Gedenkplatte |
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| Text der
Hinweistafel: Mahnmal Synagogenplatz. Ort der Erinnerung an die in der
Nacht vom 9. zum 10. November 1938 zerstörte Synagoge und Ort der Mahnung
an Gegenwart und Zukunft. So war die Zielsetzung eines Wettbewerbes
beschrieben, den die Justizbehörden, die Staatsbauverwaltung, die Stadt
Bamberg und die Israelitische Kultusgemeinde 1995 gemeinsam durchführten.
Die künstlerische Idee von Prof. Joachim Banau, Aachen, wurde einstimmig
ausgewählt: die radikal einfache Arbeit, bei der bewusst jedes
schmückende Beiwerk vermieden wurde, verdichtet sich in der dynamischen
Stellung von Metallobjekten zueinander. Eine hoch aufgerichtete Stahlplatte
mit einem kleinen Fenster, in dem der Innehaltende die ehemalige Synagoge
sieht und schräg benachbart zwei parallele, senkrecht gestellte
Kupfertafeln, die eine schmale Gasse begrenzen und innenseitig dem Interessierten
einen Vers aus dem Klagelied, sowohl in deutsch als auch in hebräisch,
lesen lassen. Mit der Leserichtung beider Zeilen bewegt sich der
Betrachter auf einem symbolischen Weg genau in Richtung Jerusalem. Die
Wiederaufstellung des 1965 durch Bildhauer Frank Xaver Bauer, Bamberg,
geschaffenen würfelförmigen Gedenksteines war ein besonderes Anliegen
der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, des Bamberger Stadtrates und
der Justiz." |
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Gedenktafel
an der Unteren Brücke beim Alten Rathaus mit der Inschrift: "Zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger und alle,
die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Widerstand
geleistet haben, missachtet, verfolgt und ermordet wurden" |
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Nach 1945
Jüdisches Leben begann in Bamberg unmittelbar nach Kriegsende zunächst
mit der Unterbringung zahlreicher "Displaced Persons", Überlebender
von Konzentrationslager und Personen, die vor allem aus Polen aus Furcht vor
neuen Pogromen in den Westen (insbesondere in die amerikanische Besatzungszone)
geflohen sind. Im Dezember 1945 waren bereits 1.750 dieser DPs in
beschlagnahmten Häusern im gesamten Stadtgebiet untergebracht. Ab Dezember 1945
war das Zentrum des DP-Lagers die Ulanenkaserne in der Nürnberger Strauße.
Mindestens ein Betraum beziehungsweise eine Synagoge war für die DPs
eingerichtet. Nach Gründung des Staates Israel (Mai 1948) ist der Großteil der
DPs nach Israel ausgewandert; andere sind in die USA oder nach Kanada. Im April
1949 wurde das DP-Lager in Bamberg geschlossen.
Eine kleine Zahl jüdischer Personen blieb in Bamberg dauerhaft zurück,
darunter jedoch nur wenige Rückkehrer aus der früheren jüdischen Gemeinde.
Ein Betraum wurde zunächst im Haus Promenade 4 eingerichtet. Seit Juni 1963 gab
es ein kleines Gemeindezentrum in der Villa Willy-Lessing-Straße 7. Die
40-50 Plätze im Betsaal waren für die Gemeinde völlig ausreichend.
Die Situation der jüdischen Gemeinde in Bamberg änderte sich erst wieder nach
1990. Zahlreiche sogenannter jüdischer "Kontingentflüchtlinge"
aus dem Bereich der früheren Sowjetunion konnten in Bamberg zuziehen. Bis um
2005 stieg die Zahl der Gemeindeglieder auf etwa 900. Die Einrichtung eines neuen
Gemeindezentrums war unbedingt nötig, scheiterte jedoch zunächst an der
Finanzierung. Machbar war - mit Hilfe von Zuschüssen des Freistaats Bayern, der
Bezirks Oberfranken, der Stadt Bamberg, der jüdischen Gemeinde, der Kirchen und
weiterer Förderer schließlich die Sanierung und der Umbau eines leerstehenden
Gebäudes der früheren jüdischen Nähseidenfabrik Kupfer, Hesslein & Co.
im Hinterhof der Willy-Lessing-Straße 7. Am 28. April 2003 begannen die
Bauarbeiten, die Einweihung der Synagoge und des neuen jüdischen
Gemeindezentrums war am 1. Juni 2005.
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2010:
Auch in Bamberg wird regelmäßig an die
Zerstörung der Synagoge beim Novemberpogrom 1938 erinnert |
Ein
Bericht von Marion Krüger-Hundrup über die Gedenkveranstaltung im
November 2010 aus br-online.de (Quelle):
"Brennende Synagoge - Bamberg gedenkt Pogromnacht
In der Pogromnacht am 9. November 1938 brannte auch in Bamberg die Synagoge. In einer Gedenkstunde erinnerten Oberbürgermeister Andreas Starke und der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, Heinrich Olmer, daran und mahnten für die Zukunft. Oberbürgermeister Andreas Starke nannte in seiner Ansprache die Pogromnacht "das Startsignal des nationalsozialistischen Unrechtsregimes zum größten Völkermord in der Geschichte der Menschheit". Angesichts der Tragweite und der grausamen Ereignisse von damals sei es heute wichtig "sich zu erinnern und die Erinnerung wach zu halten", erklärte Starke. Gemeinsam "mit unserer Jugend dürfen wir uns niemals andere Ziele setzen als Frieden, Versöhnung und Liebe".
Gegen Rassismus kämpfen. Eine zweite Lehre heiße: "Nie wieder Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, nie wieder Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Nationalität, Religion, Kultur oder politischen Weltanschauung." Der Oberbürgermeister mahnte zur Wachsamkeit. Die beiden unvermeidbaren NPD-Parteitage in Bamberg, Hakenkreuzschmierereien und rechtsradikale Parolen würden zeigen, dass es überall freiheits- und demokratiefeindliche Erscheinungen gebe: "Dazu dürfen wir nicht schweigen."
Warnung vor Islamfeindlichkeit.
Heinrich Olmer, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde, warnte vor einer "unreflektierten Migranten- und Islamfeindlichkeit": "Wir sollten aus der Geschichte gelernt haben und pauschale Verurteilungen, die ein fruchtbarer Nährboden der Judenverfolgungen gewesen sind, grundsätzlich mit äußerster Skepsis begegnen", sagte Olmer. Es müsse anerkannt werden, dass andere Kulturen, Religionen und Lebensanschauungen nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung und Chance erlebt werden können.
Foto
links: Niedergelegte Kränze am Bamberger Synagogenplatz
Toleranz vorleben. Neben politischen Rahmenbedingungen erfordere dies vor allem "schlüssige pädagogische Konzepte und bestens ausgebildete Lehrer", die mehr Wissen über die in Deutschland lebenden Minderheiten und Religionsgruppen vermitteln können. Nicht zuletzt in den Familien müsse Toleranz vorgelebt werden.
Erinnerung an Auschwitz
Der Vorbeter der jüdischen Gemeinde, Arieh Rudolph, sang auf Hebräisch das "El male rachamim", die Erinnerung an das Leiden und Sterben der Juden in Auschwitz, Treblinka oder Majdanek. Das gesprochene Kaddisch, der Lobpreis des göttlichen Namens, beschloss die Gedenkstunde." |
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Aufruf
der Willy Aron-Gesellschaft vom 1. August 2011: "Die Bamberger "Stolpersteine gegen das Vergessen“ brauchen Pflege.
Deshalb sucht die Willy-Aron-Gesellschaft Paten für die 57 Messingplatten, die vor ehemaligen Häusern von Nazi-Opfern verlegt wurden und an diese erinnern sollen.
Aufgabe der Paten ist es, die Steine regelmäßig zu putzen und möglichst auch Blumen dazu zulegen.
Wenn Sie Pate werden möchten: E-Mail
- stolperstein[et]willy-aron-gesellschaft.de Telefonisch bei Andreas Ullmann, bevorzugt Abends: 0951 - 388 62 48." |
Einzelne
aktuelle Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben
| März 2011:
Die jüdische Gemeinde in Bamberg erhält eine
Rabbinerin |
Artikel von Marion Krüger-Hundrup in der
"Welt am Sonntag" vom März 2011 (Artikel): "Premiere in
Bamberg.
Erstmals seit dem Holocaust wird eine deutsche Jüdin Rabbinerin.
In der 1000-jährigen Geschichte der Bamberger jüdischen Gemeinde war sie die erste Frau, die in der Synagoge vorbeten durfte. Und bald ist Antje Yael Deusel, 50, die erste deutschstämmige Jüdin, die nach dem Holocaust in Deutschland zur Rabbinerin ordiniert wird. Das wird zwar erst im Herbst sein, doch für die Angehörigen der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg "bin ich schon jetzt die Rabbinerin", sagt die gebürtige Nürnbergerin, die im Zivilleben Fachärztin für Urologie ist. Als 2. Vorsitzende der Kultusgemeinde und Kulturreferentin gestaltet sie das jüdische Leben in der Stadt seit Längerem aktiv mit.
Dass überhaupt wieder nach Krieg und Schoah Rabbiner in Deutschland ordiniert werden, zeigt, dass Jüdisches mitten in Deutschland heute wieder Normalität ist. Die Rabbiner werden am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam ausgebildet, seit 1999 das erste deutsche Rabbinerseminar nach dem Holocaust.
Auch Antje Yael Deusel bereitet sich dort für das jüdisch-geistliche Amt vor. Fünf Jahre dauert die umfassende Ausbildung: Hebräisch und Aramäisch, Halacha, Talmud und Midrasch, Jüdische Geschichte und Jüdische Philosophie, Bibel und Liturgie, Didaktik und Homiletik, Gemeindepraxis, Verwaltungskunde und mehr stehen auf dem Stundenplan. Den wissenschaftlichen Unterbau holte sich die Rabbinerkandidatin Deusel beim Studiengang "Jüdische Studien" an der Universität Potsdam. Ihre Masterarbeit über "Rituelle Beschneidung unter religionsrechtlichen und medizinischen Aspekten" hat sie bereits abgeliefert.
Die vergangenen lernintensiven Jahre bedeuteten für Antje Yael Deusel einen Kraftakt, wie sie bekennt. Dieser habe viel Disziplin, keine Freizeit und keinen Urlaub beinhaltet, zumal ihr ärztlicher Dienst am Bamberger Klinikum weiter aufrechterhalten blieb. "Doch ich war immer überzeugt davon, dass ich die Rabbinerausbildung machen muss", sagt sie. Und zwar nicht etwa, um den Titel Rabbinerin tragen zu können, "sondern um die Edelsteine und Goldmünzen aus der Schatzkammer Judentum zu erwerben". Die Mühe habe sich gelohnt, jetzt gelte es, in der Bamberger jüdischen Gemeinde unter der Asche die Glut aufzudecken. Damit beschreibt Deusel ihr Verständnis jüdischer Tradition.
Als Rabbinerin wird sie Seelsorgerin sein, aber auch Rechtsgelehrte und Wissenschaftlerin. Antje Yael Deusel freut sich, dass es in der kleinen Bamberger Gemeinde mit 900 Mitgliedern nun einen Rabbiner und einen Kantor - nämlich weiterhin Arieh Rudolph - geben wird. Und sie hofft darauf, dass neben den Gottesdiensten und Beerdigungen künftig auch Hochzeiten sowie die Bar und Bat Mizwa für Buben und Mädchen auf ihrem Dienstplan stehen.
"Kann eine Frau das rabbinische Amt bekleiden?", so lautete die Abschlussarbeit von Regina Jonas an der Berliner "Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" im Jahr 1930. Sie beantwortete die Frage des Titels mit der Schlussfolgerung, dass dem "außer Vorurteil und Ungewohntsein fast nichts" entgegenstehe. Regina Jonas wurde 1935 als erste Rabbinerin Deutschlands ordiniert. Sie war auch weltweit die Erste in einer Position, die bis dahin ausschließlich jüdischen Männern vorbehalten blieb. Jonas wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Erst 2010 wurde mit der Ukrainerin Alina Treiger in Deutschland wieder eine Rabbinerin ordiniert. Es gibt drei weitere Rabbinerinnen, die jedoch außerhalb Deutschlands ausgebildet wurden.
Antje Yael Deusel will sich ein Wort ihrer Vorgängerin Jonas zu Eigen machen, das auf einer Gedenktafel am Berliner Wohnhaus dieser ersten Rabbinerin steht: "Fähigkeiten und Berufung hat Gott in unsere Brust gesenkt und nicht nach dem Geschlecht gefragt. So hat ein jeder die Pflicht, ob Mann oder Frau, zu wirken und zu schaffen. Wenn man die Dinge so betrachtet, nimmt man Weib und Mann als das, was sie sind: als Menschen."" |
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| November 2011:
Einführung von Antje Yael Deusel in ihr Amt als
Rabbinerin in Bamberg |
Artikel in der "Süddeutschen
Zeitung" vom November 2011: "Jubeltag für Juden. Erste
Rabbinerin Bayerns tritt in Bamberg ihr Amt an.
Bamberg - Die 51-jährige Ärztin Antje Yael Deusel ist zur ersten
Rabbinerin Bayerns ordiniert worden. Sie ist zugleich die erste
deutschstämmige Jüdin, die nach dem Holocaust in Deutschland zur
Rabbinerin ausgebildet wurde..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei |
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Literatur
zur Synagogengeschichte
 |
"Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Bamberg S. 72-91. |
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 | Hans-Peter
Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und
Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur
Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Bamberg S. 49-53.
|
Link zum Gedenkbuch:
 | Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs - Opfer des
nationalsozialistischen Terrors 1933-1945. Hrsg. vom Verein zur
Förderung der jüdischen Geschichte und Kultur Bambergs e.V.
Antje Yael Deusel, Ortwin Beisbart und Franz Fichtl. 483
S. pdf-Datei |

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
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