Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Obernzenn Friedhof 361b.jpg (29909 Byte)(Markt) Lenkersheim (Stadt Bad Windsheim, Kreis Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
- wurden in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts noch nicht gefunden   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In der ehemaligen fränkischen Reichsstadt Lenkersheim bestand eine zeitweise jüdische Gemeinde im 18./19. Jahrhundert. Bereits in der Zeit um 1500 lebten Juden am Ort. Es handelte sich um einige 1498 aus Nürnberg vertriebene Juden. Von ihnen ist allerdings nur bekannt, dass sich Markgräfin Anna in der Stadt Windsheim nahezu vergeblich bemüht hat, Lenkersheimer Juden dort frei handeln zu lassen. 
  
Im 17. Jahrhundert wurden jüdische Familien seit 1691 aufgenommen. 1692 entrichteten Salomon Jud und Löw Jud ihr Bürgergeld. 1699 verzog Salomon Jud der Rote von Kaubenheim nach Lenkersheim. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren zwischen 5 und 10 jüdische Familien am Ort (1709 6 jüdische Haushaltungen, 1712 9, 1728 und 1736 je 5). Nach A. Eckstein (s. Lit.) wurden 1771 13 jüdische Familien am Ort gezählt. Es gab damals 6 "Judenhäuser" in Lenkersheim mit zusammen 59 Bewohnern. 
 
1789
wurde von folgenden jüdischen Haushaltsvorständen Schutzgelder erhoben (jeweils 5 oder 6 Gulden): David Levi, Jacob Moses, David Joseph Levi, Joseph David Levi, Baruch Levi, Liebermann Hirsch, Maendel Jantoph Meyer, Löw Maendel. Die jüdischen Familien lebten von Handel mit Vieh, Hopfen oder Spezereiwaren. 
 
1813
werden 18 jüdische Haushaltungen genannt. Nach den Angaben des damaligen Vorstehers der jüdischen Gemeinde Pfeiffer Joseph Levi lebten die Familien in einigermaßen befriedigenden wirtschaftlichen Verhältnissen (da sie sich "im Grund doch alle mehr oder weniger zu nähren wissen"). Als Familienvorstände werden für 1813 vor allem genannt: Moses Levi Ikelheimer, Laemlein Moses Ikelheimer, Hayum Israel Waldmann, Moses Seligmann Uhlmann, Kallmann Seligmann Uhlmann, Levy Bernhard Ertheiler. Aus dem Jahr 1832 liegt ein sehr präzises Verzeichnis des Lenkersheimer Dorfvorsteher Gärtner zur jüdischen Gemeinde vor, in dem insbesondere folgende Familien genannt werden: Liebermann Dispecker, David Dormitzer, Lämmlein Ickelheimer, Moses Ullmann, Löw Ertheiler, Samuel Bär Uhlfelder, Kallmann Berchtheimer, Moses Schwarzbart, Isaack Löwenfels, Maier Stein. 1840 werden 19 jüdische Familien genannt. Ihre Zahl ging bereits bis 1867 auf 13 zurück. Um 1860 gab es unter den jüdischen Haushaltsvorständen folgende Berufe: sechs Hausier- und Kleinwarenhändler, ein Seifensieder, ein Kleiderhändler, ein Spezereihändler/Krämer.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1805 73 jüdische Einwohner (von insgesamt 577), 1821 87 (von 468), 1827 90 (von 506), 1832 86 (von 615; 40 männliche, 46 weibliche jüdische Einwohner), 1838 79 (von 548), 1840 70 (von 630), 1856 45 (von 622), 1867 45 (von 583), 1880 23 (von 543), 1890 10 (von 524) 1900 4 (von 498).
    
Die Gemeinde hatte einen Rabbiner/Vorbeter angestellt. 1813 wird berichtet, dass der Rabbiner vor kurzem gestorben sei und nun der Schächter seine Aufgaben übernommen habe (d.h. vor allem als Vorbeter oder auch im Unterricht der Kinder gewirkt hat). 1832 wird als "Vorsinger und Rabbi" Seligmann Kallmann Aumann genannt (vielleicht identisch mit Seligmann Ullmann s.u.? Lesefehler?), der mit seiner Frau in Lenkersheim lebte. Er hatte einen Schächtgehilfen namens Wolf Herz. In den 1830er-Jahren war auch Aaron Wolf Lippmann als Religionslehrer und Vorbeter genannt. Von 1838 bis 1880 gehörte Lenkersheim zum Rabbinatsbezirk Welbhausen. Um 1850 war Seligmann Ullmann in Lenkersheim Vorbeter und Schächter. Er wohnte im Haus Nr. 30 in Lenkersheim (Steinmetz/Hofmann S. 243).
 
Lenkersheim Amtsbl 13081887.jpg (43579 Byte)In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind die jüdischen Familien aus Lenkersheim verzogen, sodass vermutlich bereits kurz nach 1900 keine jüdischen Einwohner mehr am Ort lebten. In das nahe Bad Windsheim zog ein Teil der Familien Ickelheimer: 1887 wurden Abraham, Moritz, Mina und Sigmund Ickelheimer Mitglieder der jüdischen Gemeinde Bad Windsheim. Im selben Jahr 1887 erwarb Joseph Waldmann für sich und seine Familie Bürger- und Heimatrecht in Windsheim. Er verabschiedete sich im lokalen Amtsblatt am 13. August 1887: "Bei unserem Wegzuge von Lenkersheim nach Windsheim sagen wir allen Freunden und Bekannten, besonders der werten Nachbarschaft ein herzliches Lebewohl. Familie Waldmann". Der 1884 noch in Lenkersheim geborene Sohn Leopold Waldmann war hoch angesehener Weinhändler in Bad Windsheim, Vorsitzender des "Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten u.a.m. Mit Regierungsbeschluss vom 15. Oktober 1887 wurde die jüdische Gemeinde Lenkersheim aufgelöst, die letzten der jüdischen Einwohner der Windsheimer jüdischen Gemeinde zugeteilt.
 
Im April 1902 verließ die letzte jüdische Familie (eine Familie Ickelheimer) den Ort.
   
Von den in Lenkersheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" sowie den Angaben im Buch von Steinmetz/Hofmann S. 173-174. 228-229): Sigmund Ickelheimer (geb. 1864 in Lenkersheim, später in Würzburg, deportiert in das KZ Theresienstadt, verschollen), Babette Ickelheimer (geb. 1867 in Lenkersheim, später in Würzburg; gest. 1943 im KZ Theresienstadt), Leopold Waldmann (geb. 1884 in Lenkersheim, später in Augsburg; gemeinsam mit Frau Sophie geb. Holzer verschollen im Vernichtungslager Belzec), Sigmund Waldmann (geb. 1882 in Lenkersheim, später in Augsburg; 1943 deportiert in das KZ Auschwitz).    
    
   
    
    
Zur Geschichte der Synagoge

Eine Synagoge wird erstmals 1734 genannt, wobei vermutlich bereits zuvor eine Betstube in einem der jüdischen Häuser vorhanden war. 
 
1813
wird berichtet , dass man vor kurzem die etwa 60 Jahre alte Synagoge und das Schulgebäude renoviert habe, wodurch der Schuldenstand der Gemeinde von 100 auf 300 Gulden angestiegen sei. Möglicherweise wurde auf Grund dieser Angabe die Synagoge erst in den 1750er-Jahren eingerichtet / erbaut, zumal die Grundfläche des Hauses Nr. 89 1/2 1757 von David Levi für 50 Gulden erkauft wurde. Nach der Reparatur von 1813 befand sich die Synagoge jedenfalls in gutem Zustand. 
   
Beim Schulgebäude handelt es sich um das Haus Nr. 57b, als "Judenschule" erstmals 1755 bezeugt. Von der jüdischen Gemeinde wurde das Gebäude am 9. Februar 1801 gekauft.
    
Adresse/Standort der SynagogeBurggasse 3 / Ecke Obere Feuergasse (Hintergebäude)  
    

Fotos / Dokumente
(Quelle: Stimpfig s.Lit.)

Dokument von 1692 Lenkersheim Dok 05.jpg (48469 Byte)
Beleg über das von zwei jüdischen Bewohnern im Jahr 1692 entrichtete Bürgergeld 
(Stimpfig S. 301)
        
Plan von Karl Ernst Stimpfig: Gemeindliche und kirchliche Gebäude, israelitische Kultusgebäude, Mühlen und Wirtshäuser in Markt Lenkersheim (Stimpfig S. 861)    
Lenkersheim Plan 01.jpg (161410 Byte) Lenkersheim Plan 02.jpg (68176 Byte) Lenkersheim Plan 03.jpg (43483 Byte)
 Die Synagoge ist Haus Nr. 89 1/2 eingetragen,
 das jüdische Schule mit Haus Nr. 57b 
Ausschnitt aus dem Plan links mit markierter
 Eintragung des Gebäudes 89 1/2 (Synagoge)
Ausschnitt aus dem Plan links mit markierter
 Eintragung des Gebäudes 57 b (Jüd. Schulhaus)
         
Die ehemalige Synagoge 
in Lenkersheim
(Stimpfig S. 862-863)
Lenkersheim Ort 112.jpg (94474 Byte) Lenkersheim Ort 113.jpg (68992 Byte)
    Blick auf das Gebäude Burggasse 3; die Synagoge befand sich einstmals im Hintergebäude, 
auf beiden Bildern als Scheune / Statt genutzt und erkennbar. 
   
   Lenkersheim Ort 110.jpg (55107 Byte)
   oben: Haus Burggasse 7, von 1758 bis 1890 von jüdischen Familien bewohntes Haus 
(1758-1793 Baruch Levi, 1766 eine Haushälfte Moyses Levi), 1792 Baruch Levi und
 Salomon Liebermann (der spätere Diespecker), 1883 Wolf Lippmann (bis 1885),
 1890: Salomon Diespecker.
     
Grabstein für Heßlein Stein aus Lenkersheim 
im jüdischen Friedhof Obernzenn 

(4. November 1834 - 27. Dezember 1901) 
Obernzenn Friedhof 361.jpg (115451 Byte) Lenkersheim Ort 111.jpg (61856 Byte)
  Der Hopfen- und Wollhändler Heßlein Stein
 war einer letzten letzten jüdischen 
Einwohner in Lenkersheim
Als schon 30 Jahre keine jüdischen Personen
 mehr in Lenkersheim lebten: eine der beiden
 Tafeln mit der Aufschrift "Fort! Judenreiner
 Ort", deren Aufstellung der Gemeinderat am
 12. April 1934 beschlossen hatte 
      

    

     

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bad Windsheim
Private Website zu Lenkersheim  

Literatur:  

Adolf Eckstein: Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth. Bayreuth 1907. 
Windsheim Buch.jpg (20590 Byte)Horst Steinmetz/Helmut Hofmann: Die Juden in Bad Windsheim nach 1871. Bad Windsheim 1992. 
Lenkersheim Lit 03.jpg (28637 Byte)Karl Ernst Stimpfig: Chronik Lenkersheim. Dokumentation - Schicksal einer ehemaligen fränkischen Reichsstadt - 1200 - 2000. Selbstverlag Karl Ernst Stimpfig, Herzogenaurach 1999. 




                

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 06. Januar 2012